Das Wasserstoff-Dilemma | Unbezahlte Werbung: Münster Cup | 6 Monate RUMS für 1 Euro lesen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Guten Tag,

Nordrhein-Westfalen wäre gern ganz vorne dabei, wenn es um Klimaneutralität in der Industrie geht. Das Problem ist – wir kennen das aus Münster – der Weg dorthin. Eine Gruppe von Fachleuten und Organisationen aus dem Regierungsbezirk, die sogenannte „H2 Working Group“, hat sich Gedanken dazu gemacht, wie es gelingen kann, die Energiequelle Wasserstoff in der Region verfügbar zu machen.

Ein schönes Beispiel für eines der Hindernisse auf dem Weg steht auf Seite 17 des 25 Seiten langen Positionspapiers, das die Gruppe gestern veröffentlicht hat.

Es lautet: Wenn es keine Tankstellen gibt, kaufen die Leute keine mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge. Aber wenn die Leute keine mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge kaufen, baut niemand Tankstellen. „Beide Seiten warten aufeinander, und das macht den Start schwierig“, schreibt die Gruppe. Wie kriegt man das gelöst? Beziehungsweise: Warum will man das überhaupt?

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Wasserstoff kann auf verschiedene Weise dabei helfen, Kohle, Öl oder Gas zu ersetzen. Beim Heizen zu Hause (Wärmeversorgung), beim Heizen auf der Autobahn (Mobilität) oder eben in der Industrie. Das Problem ist im Grunde überall, dass die Infrastruktur fehlt.

Der Mittelstand braucht einen Zugang zum überregionalen Wasserstoffnetz. Die bestehende Erdgasinfrastruktur wird weiter für Erdgas benötigt und steht daher nicht zur Verfügung. Und der größte Teil des Wasserstoffs muss importiert werden.

Man kann ihn auch selbst produzieren, aber dabei gibt es wieder ein anderes Problem. Wasserstoff fliegt nicht einfach in der Luft herum. Er hat sich in der Regel schon mit anderen Stoffen zusammengetan (im Wasser mit Sauerstoff, im Erdgas mit Kohlenstoff). Aus diesen Verbindungen muss er gelöst werden. Dazu braucht es Energie.

Verwendet man Kohleenergie, ist nicht viel gewonnen. Dann entsteht sogenannter grauer Wasserstoff. Klimafreundlich ist grüner Wasserstoff. Er wird mithilfe von erneuerbaren Energien produziert (es gibt auch noch andere Farben).

In ihrem Positionspapier schlägt die Gruppe Investitionen und weitere Förderprogramme vor, um zum Beispiel das Problem mit den Tankstellen zu lösen, dem Mittelstand den Zugang zu erleichtern und Wasserstoff zur Wärmeversorgung einsetzen zu können.

Teilweise gibt es solche Förderungen bereits. Die Westfälischen Nachrichten berichteten am Wochenende über das Amelsbürener Ziegelwerk Janinhoff, das 60 Millionen Euro aus Berlin bekommt, um auf grünen Wasserstoff umzusteigen.

Auch sonst passiert durchaus schon etwas: Die Bundesnetzagentur meldet heute die Genehmigung eines über 9.000 Kilometer langen Wasserstoffnetzes, das durch alle Bundesländer führt.

In Münster könnten die Stadtwerke ihr Kraftwerk am Hafen so umbauen, dass es mit Wasserstoff betrieben werden kann. Das Unternehmen hat allerdings andere Pläne. Es will heißes Wasser aus der Erde nutzen, um die Stadt klimafreundlich mit Wärme zu versorgen (Tiefengeothermie).

In den nächsten Wochen verteilen die Stadtwerke dazu unter anderem 36.000 orangefarbene Kästen in der Stadt, sogenannte Geophone. Sie hören in die Erde hinein, indem sie Schallwellen aus dem Untergrund auffangen. So findet man heraus, wie der Boden unter Münster beschaffen ist und ob man dort heißes Wasser findet. Morgen um 10 Uhr stellen die Stadtwerke ihre Pläne in einer Pressekonferenz vor. (rhe)

Der Rürup
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Ein-Satz-Zentrale

+++ Preußen Münsters E-Sportlerinnen und E-Sportler treten heute Abend zum ersten Mal in der „Virtual Bundesliga“ an – gegen Eintracht Braunschweig. (Antenne Münster)

+++ Bis Ende nächster Woche dreht das ZDF in Münster zwei neue Wilsberg-Folgen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Polizei hat am Samstag eine pro-palästinensische Demo, an der etwa 130 Menschen teilnahmen, aufgelöst, nachdem verbotene Parolen gerufen worden waren und ein Teilnehmer nicht an ein gegen ihn ausgesprochenes Redeverbot hielt. (Polizei Münster)

+++ Die junge Frau, die nach dem Verzehr giftiger Pilze in Lebensgefahr schwebte, hat eine Spenderleber erhalten, befindet sich aber weiterhin in einem kritischen Zustand. (WDR)

+++ Die Flüsse und Bäche in Münster sind ausnahmslos in einem „unbefriedigenden“ oder „schlechten“ ökologischen Zustand. (Antenne Münster)

+++ In Gremmendorf wehren sich die Gewerbetreibenden an der Einkaufsmeile gegen den geplanten Umbau, weil dadurch über 80 Parkplätze wegfallen sollen. (Westfälische Nachrichten)

++ Die erste Hälfte der Bundesstraße 51 bei Mauritz wird im November fertig sein, der Ausbau auf vier Spuren Ende nächsten Jahres, die Brücken und Lärmschutzwände im Frühjahr 2026. (Westfälische Nachrichten)

+++ Dass die Stimmung in der regionalen Wirtschaft sehr schlecht ist, zeigt inzwischen auch der Arbeitsmarkt. (IHK Nord-Westfalen)

+++ Das Landesmuseum am Domplatz hat einen vollständig erhaltenen Marienaltar aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren erworben. (Landschaftsverband Westfalen-Lippe)

+++ Der Bau der neuen Wersebrücke an der Haskenau beginnt Mitte November, einen Monat später als ursprünglich geplant. (Stadt Münster)

+++ Weil der Aufzug defekt ist, kann eine 86-jährige Frau in Berg Fidel seit zwei Monaten nicht raus aus ihrer Wohnung. (Westfälische Nachrichten)

Unbezahlte Werbung

Wie gut kennen Sie sich eigentlich in und um Münster aus? Mit der App Münster Cup, die uns eine Leserin empfohlen hat, können Sie das ganz einfach herausfinden. Sie wählen eine der angezeigten Kategorien und raten los – wahlweise auch im Duell gegen andere Spieler:innen. Es gibt pro Frage vier verschiedene Antworten zur Auswahl. Haben Sie sich für eine Antwort entschieden, wird sofort angezeigt, ob Sie richtig liegen. Das kurzweilige Quiz gibt es kostenfrei im App Store von Apple und Android, eine kleine Einschränkung allerdings auch: Nach einer gewissen Spieldauer wird Werbung eingeblendet.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Katja Angenent für Sie in den Terminkalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:

+++ Heute Abend um 18 Uhr beginnt eine öffentliche Vorlesungsreihe, die sich mit den aktuellen Herausforderungen für Geschichtsorte auseinandersetzt. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts machen naturgemäß auch vor Museen, Archiven und Gedenkstätten nicht halt. Heute spricht Professor Joachim Baur im Fürstenberghaus im Hörsaal F2 über „Geschichtsorte in der Migrationsgesellschaft“. Im weiteren Verlauf der Reihe geht es unter anderem um Auschwitz im 21. Jahrhundert, Geschichtsorte in den Niederlanden oder um das Kuratieren von Ausstellungen. Sämtliche Themen und Termine finden Sie an dieser Stelle.

+++ Und noch ein Tipp für alle, die spontan sind: Heute Abend um 20 Uhr liest Markus Kavka im Atlantic Hotel aus dem Buch „MTViva liebt Dich“, das er zusammen mit Elmar Giglinger geschrieben hat. Hier gibt es noch ein paar Restkarten.

+++ Am Mittwoch, 23. Oktober, gibt es zu einer eher ungewöhnlichen Zeit, nämlich um 16:45 Uhr, ein eher ungewöhnliches Format im Schlosstheater: PleiteJazz:Vision visualisieren heißt eine Filmvorführung mit Gespräch und Live-Musik, die rund einhundert Jahre umspannt. Die Veranstaltung ist eine Hommage an den flämischen Avantgardisten Paul van Ostaijen. Zu Wort kommen unter anderem eine Illustratorin und ein Biograph. Außerdem wird ein Stummfilm aus dem Jahr 2016 gezeigt, der auf Arbeiten von van Ostaijen beruht und gänzlich aus Archivmaterial zusammengesetzt wurde. Karten zu je acht Euro erhalten Sie hier.

+++ Ebenfalls am Mittwoch ist Naturfotograf Markus Mauthe in der Friedenskapelle zu Gast. Um 19 Uhr präsentiert er mit „Die Reise zum Klima“ ein fotografisches Portrait der Erde. Dabei konzentriert er sich vor allem auf Gegenden, die schon heute in besonderer Weise vom Klimawandel betroffen sind. Der Eintritt ist frei.

+++ Sich dem Phänomen Künstliche Intelligenz einmal vom wissenschaftlichen Standpunkt nähern können Sie, wenn Sie ab Donnerstag die „InterKI Talks“ an der Uni Münster besuchen. Den Auftakt der öffentlichen Ringvorlesung bestreitet der Philosophieprofessor Oliver Scholz um 18:15 Uhr mit der Frage: „Künstliche Intelligenz“ – Mogelpackung oder neue Kränkung der Menschheit? Alle Vorträge können auch per Zoom verfolgt werden. Hier gibt es die weiteren Themen und Termine.

+++ Kurzer Hinweis zum Vormerken: Im nächsten Jahr am 9. Mai kommt zum zweiten Mal der „S!NN-Kongress“ in die Halle Münsterland. Es geht um „Geschichten vom Gelingen“ – oder etwas technischer: um innovative Lösungsansätze für Herausforderungen in Umwelt und Gesellschaft. Tickets kosten so viel, wie man geben mag.

+++ Am Freitag und Samstag geht das „Runde Ecken“-Festival in die zweite Runde. Ab 19 Uhr spielen in der „Black Box“ im „Cuba“ an der Achtermannstraße Tintin Patrone, Andrew Pekler und das Jeff-Platz-Quartett. Am Samstag ab 19 Uhr sind die Bands „andres göring platz“ (mit RUMS-Mitgründer Marc Stefan Andres) und Bunte Luft zu sehen beziehungsweise zu hören, danach dann Kai Niggemann. Tickets kosten 15 Uhr. Alles weitere hier.

Und sonst?

Kinderintensivstationen sind seit Jahren überlastet. Vor allem während der Infektwellen im Winter. Es fehlt an Betten und an Personal. Constanze Busch hat für RUMS recherchiert, woran das liegt – und was das für Münster bedeutet. Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 6 Monate lang für 1 Euro.

Am Freitag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Constanze Busch (cbu), Jan Große Nobis (jgn), Anna Niere (ani), Katja Angenent (kan) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

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