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- Kurzbrief von Ralf Heimann
Smart City 4.0 Revolution | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis


Münster, 13. Juni 2023
in der Politik und der Unternehmenswelt hat es sich so eingeschlichen, dass man ständig mit Buzzwords herumhantiert. Man könnte auch einfach Signalwörter sagen, aber da wird das Problem schon deutlich: Das klingt eher so nach Hausmannskost. Hausmannskost auf Englisch hört sich schon wieder ganz anders an: Home Cooking. Und wenn man das dann noch zeitgeistgemäß verfeinern möchte, macht man daraus zum Beispiel „Home Cooking 2.0“.
Noch besser ist, wenn etwas 4.0 ist. Also als Vorschlag: Wenn die Stadt jetzt am Hafen doch ein neues Bürogebäude bauen sollte – heute Abend ist das Thema im Ausschuss –, wäre ein möglicher Name, der deutlich macht, das wird so richtig, richtig gut: Stadthaus 4.0. Oder noch besser natürlich: Town Hall 4.0.
Wenn irgendetwas noch relativ am Anfang steht, aber man schon ahnt, 2.0 würde etwas zu ambitioniert klingen, kann man auch noch weiter unten ansetzen. Die Stadt hat Anfang Juni zum Beispiel einen Grundsatzbeschluss vorgeschlagen, und der trägt den Titel: „Smart City Strategie 1.0“.
Die im Deutschen üblichen Bindestriche sind in solchen Zusammenhängen strengstens verboten.
Und was war noch mal eine Smart City? Ach ja, genau. Eine Stadt, die in allen möglichen Bereichen Technik und Buzzwords nutzt, um noch effizienter und noch nachhaltiger zu werden bla bla bla. Konkret bedeutet das, es stehen überall Geräte und Sensoren (nicht Senioren!), die alle möglichen Daten sammeln, damit – ich glaube, das kann man so gut herunterbrechen – alles etwas besser funktioniert, vor allem so, dass man von der Stadt auch in den kommenden Jahren noch ein bisschen was hat.
Sie fragen sich jetzt natürlich: Ist Münster denn schon eine Smart City? Die Antwortet lautet: Nein, natürlich nicht, sonst würde die Stadt in ihrer Namensgebung ja nicht so tief stapeln. Unglücklicherweise ist das auch schon anderswo aufgefallen. Das hat die Mittelstandsvereinigung der CDU jetzt in einer Pressemitteilung angeprangert. In einem Ranking des Branchenverbands Bitkom stehe die Verwaltung auf Platz 63 von 100, beim Fachmagazin c’t auf Platz 17 von 32.
Die Verwaltung selbst will das mit aller Kraft ändern, sie will endlich ein bisschen smarter werden. In ihrem Grundsatzbeschluss schlägt sie sechs Projekte vor. Eines heißt „STADTLABOR.MS“, auch tatsächlich so in Versalien. In diesem Labor will man die Menschen mit dem digitalen Wandel vertraut machen. Das wird nämlich auch Zeit.
In einem anderen Projekt geht es darum, den Abfall in der Stadt mithilfe von Technologien zu verringern („Smarte Wege zum abfallfreien Quartier“). Dann gibt es das Projekt „DataLeeze“, mit dessen Hilfe der Radverkehr schneller werden soll. Ein anderes heißt „Kleine Kiste, große Wirkung“. Und das bedeutet: Viele kleine Messstationen in der Stadt sammeln Klimadaten, um später an den richtigen Stellen eingreifen zu können.
Bleiben zwei Projekte, zum einen das „NetzInfrastrukturCOckpit“. Essenziell bei Buzzwords ist immer, dass möglichst viele scheinbar willkürlich zusammengewürfelte Groß- und Kleinbuchstaben das SchrIfTftBiLd verKOMPlizIErEn. Gut ist auch immer, wenn es ein Akronym gibt, also ein neues Wort, das sich aus Anfangsbuchstaben zusammensetzt. Das Wort lautet in diesem Fall „NICO“. Es benennt eine Datenplattform, die – wir wollen es nicht zu kompliziert machen – Münster helfen soll, noch lebenswerter zu werden. So steht es jedenfalls in dem Papier.
Das sechste Projekt trägt den smarten Namen „MS Smart Water“. Bei diesem Vorhaben – verwendet man das Wort überhaupt noch? – helfen Sensoren und andere Technik, den Umgang der Stadt mit Wasser so zu verbessern, dass im besten Fall Wasser gespart wird.
Das Ganze gibt es nicht kostenlos, sondern zusammen für über acht Millionen Euro. 2,6 Millionen davon soll die Stadt Münster zahlen, wenn der Rat das so beschließt. Und eigentlich sollte das in der Sitzung morgen Abend passieren. Aber jetzt ist vorher noch die Frage aufgekommen, ob es da denn nicht vielleicht noch andere Dinge gibt, die wichtiger sein könnten.
„Münster legt sonst so viel Wert auf gute Rankingplätze, aber beim E-Government scheint das egal zu sein“, sagt Peter Börgel, der Vorsitzende der Mittelstandsunion.
E-Government ist auch so ein Wort. Das bedeutet einfach: Man braucht nicht mehr für jeden kleinen Behördengang seine Beine, sondern kann das auch einfach digital von zu Hause aus erledigen. Nach dem Online-Zugangsgesetz sollte all das, was Verwaltungen anbieten, bis spätestens Ende 2022 schon digital möglich sein. Doch das hat aus verschiedenen Gründen leider nicht geklappt.
In dem Städtevergleich des Magazins c’t waren in Münster nur 8 von 15 getesteten Dienstleistungen digital möglich, in Nürnberg waren es 14. Das ist schon ein Unterschied.
Wäre es also nicht sinnvoll, erst mal da anzusetzen, bevor man sich um das Digitallabor, die Datenplattform und die Wassersensoren kümmert? In den Westfälischen Nachrichten räumte Albert Wenzel von den Grünen ein, er teile das Unbehagen der CDU an dem Ratspapier, jedenfalls in Teilen. Und das ging offenbar nicht nur ihm so.
Die CDU hat einen Änderungsantrag verfasst, der eigentlich eher Alles-Änderungsantrag heißen müsste. Morgen im Rat wird darüber aber noch nicht abgestimmt, wie es ursprünglich vorgesehen war. Das Thema fliegt erst mal von der Tagesordnung.
In der Pressemitteilung der Mittelstandsvereinigung wird Peter Börgel mit dem Satz zitiert: „Wenn Industrie 4.0 auf Verwaltung 2.0 trifft, kann das nicht funktionieren.“
Damit die Verwaltung sich bald ein bisschen mehr viernulliger fühlen kann, beginnt neben dem ganzen Smart-City-Kram auch an anderer Stelle ein sogenannter Prozess. Und der kommt im Titel überraschenderweise ganz ohne Buzzwords aus. Das Papier, das ab morgen durch die Fachgremien wandert, heißt einfach: „Transformation – Zukunft der Verwaltung gestalten”. Auch das Ziel klingt eigentlich ganz einfach: „Optimierung der Verwaltungsleistungen für alle Menschen in unserer Stadt“. Mitte September wird der Rat darüber entscheiden. (rhe)
Klima-Update
+++ Drei Viertel der 2022 gebauten Wohnhäuser werden mindestens zum Teil mit sich erneuernden Energien beheizt. Das veröffentlichte gestern das statistische Bundesamt. Vor allem in Zwei- und Einfamilienhäusern ist der Anteil groß, er liegt hier bei rund 80 Prozent. In Häusern mit mehr Wohnungen liegt er bei knapp 60 Prozent. Wer mit sich erneuernden Energien heizt, nutzt zum Beispiel Luft- und Erdwärmepumpen, Solaranlagen, Holz oder Biomassen. Und welcher Heizungstyp wurde am häufigsten eingebaut? Richtig, die heiß diskutierte Wärmepumpe. Man findet sie in knapp sechs von zehn Neubauten. Im Jahr zuvor waren es noch etwa die Hälfte. Gesunken, aber immer noch zweitwichtigster Energieträger in neuen Gebäuden ist Erdgas mit einem Anteil von mehr als einem Viertel. 2021 lag der noch bei einem guten Drittel. (lar)
+++ Die SPD-Landtagsfraktion wollte wissen, wie es eigentlich um die Ökomodellregionen in NRW steht. In denen soll die regionale ökologische Landwirtschaft gefördert werden, zum Beispiel mit stärkeren Netzwerken in der Wertschöpfungskette. Eine dieser Regionen ist seit Dezember 2022 das Münsterland. Was dort bisher geschah: Es gibt monatliche Planungstreffen, einige Vor-Ort-Besuche in Betrieben und bei Verarbeiter:innen haben stattgefunden und es gab bereits ein paar Veranstaltungen. In Planung sind etwa die Zusammenarbeit mit dem Sportamt Münster und dem Warendorfer Projekt „Gute Kita- & Schulverpflegung“. Denn im Fokus steht laut dem Verein Münsterland momentan die Außer-Haus-Gastronomie. Also neben Schulen und Kitas etwa Catering-Services und Pflegeeinrichtungen. Wer sich in diesem Bereich für Bio-Regionalität interessiert, kann sich beim Verein Münsterland beraten lassen. (sst)
+++ Wir haben es schon erwähnt, aber noch mal zur Sicherheit: Am Donnerstag überträgt die Stadt ab 18 Uhr das Stadtforum „Münster wird Klimastadt“ im Livestream. (rhe)
Ein-Satz-Zentrale
+++ Im Hauptbahnhof hat sich am Montag eine Deckenplatte gelöst und ist auf den Boden gefallen, dabei wurde aber niemand verletzt. (Antenne Münster)
+++ Die Gartenstraße ist vom nächsten Dienstag bis nächsten Samstag nachts vollständig gesperrt, weil die Straße zwischen dem Hohen Heckenweg und den Gebäuden der Deutschen Rentenversicherung eine neue Fahrbahn bekommt. (Stadt Münster)
+++ Wegen Straßenarbeiten am Buddenturm ändert sich die Verkehrsführung dort ab der nächsten Woche mehrfach. (Stadt Münster)
+++ Der Schulleiter der Friedensschule, Ulrich Bertram, geht zum Schuljahresende in den Ruhestand. (Bistum Münster)
+++ Das Zeugnistelefon der schulpsychologischen Beratungsstelle ist ab Montagmorgen wieder erreichbar. (Stadt Münster)
+++ Knapp 90 niederländische Sportler:innen mit Behinderungen bereiten sich in Münster vier Tage lang auf die Special Olympics World Games vor. (Antenne Münster)
+++ Die Caritas kritisiert die gemeinsame Position der EU-Mitgliedsstaaten zur Reform des Asylsystems. (Caritas im Bistum Münster)
+++ Ob Rammstein-Frontmann Till Lindemann sein Konzert im November wie geplant in der Halle Münsterland spielen wird, ist vor dem Hintergrund der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn unklar. (Westfälische Nachrichten)
Unbezahlte Werbung
„Hütet euch! Studiert nicht in Münster!“ So ließ 1958 ein Jurastudent seinem Unmut über das fehlende Nachtleben in der Stadt freien Lauf und führte damit ein Jahr später die Gründung der Cavete in der Kreuzstraße herbei. Die „Akademische Bieranstalt“ ist damit Münsters älteste Studentenkneipe. Generationen von Studierenden haben auf den zwei Etagen des verwinkelten Häuschens gegessen, getrunken und gefeiert. Die Küche ist am Wochenende mit Mitternacht geöffnet und lockt unter anderem mit ihren mittlerweile legendären grünen Nudeln. Und auch die Cocktail-Happy-Hour ab 20 Uhr macht die ohnehin schon bunte Kreuzstraße noch ein wenig farbenfroher. Geöffnet ist die Cavete montags bis donnerstags ab 17 Uhr, freitags und sonntags ab 13 Uhr und samstags bereits ab 12 Uhr.
Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.
Drinnen und Draußen
Heute hat Deike Terhorst geschaut, wo Sie in den kommenden Tagen Ihre Freizeit verbringen können:
+++ Am Mittwoch um 19:30 Uhr veranstaltet der Verein Afrikanische Perspektiven in der Studiobühne am Domplatz die Buchvorstellung der Anthologie „Neue Töchter Afrikas“. 30 Schwarze Schriftstellerinnen aus aller Welt schreiben über Traditionen, Freundschaft, Exil, Rassismus und Identitätspolitik und feiern Schwarze Diversität und ihre literarische Vielstimmigkeit. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen.
+++ Unter dem Titel „Der kalte Konflikt der Generationen. Über ökologische und soziale Fragen konstruktiv streiten“ lädt die Katholische Hochschule am Donnerstag um 17:30 Uhr zum Gespräch mit dem Philosophen Johannes Müller-Salo ein. Die Veranstaltung findet im Hörsaal statt, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.
+++ Als Teil eines (kunst-)geschichtlichen Projekts haben sich Studierende der Uni Münster im letzten Wintersemester mit ukrainischer Identitätsbildung beschäftigt. Aus ihren Ergebnissen haben sie eine Ausstellung gestaltet, die entsprechende Erinnerungsorte ab dem 11. Jahrhundert vorstellt. Sie wird am Freitag um 20 Uhr im Philosophikum am Domplatz eröffnet. Dort bleibt sie bis zum 24. Juni, anschließend zieht sie bis zum 7. Juli in das Foyer des benachbarten Fürstenberghauses um.
+++ Am Freitag um 20 Uhr tritt im Localhost, dem Veranstaltungsraum neben dem RUMS-Büro an der Neubrückenstraße, das Trio Crashing Airplanes auf. Der musikalische Mix aus Blasinstrumenten, Elektronik und Gitarre bewegt sich Bandleader Jan Klare zufolge „zwischen minimalistischer Art-Rockmusik, Klang-Installation, Theater und Jazz“. Der Eintritt ist frei, die Band freut sich aber über eine Spende in den Hut.
+++ Freitag heißt es außerdem wieder: Das Schloss rockt! Das Rock- und Metal-Festival der Uni Münster beginnt um 17 Uhr mit vier Bands auf dem Schlossplatz. Bevor am Ende die Symphonic-Metaller von Elvellon auf die Bühne gehen, spielen Spin My Fate (Alternative), Leding (Darkwave- und Gothicrock) und Fresse (Punk). Der Eintritt ist frei. Früh da sein lohnt sich, denn in der Happy Hour bis 18 Uhr gibt es Bier zum halben Preis.
+++ Wer danach noch weiterziehen will, kann die Sputnikhalle ansteuern. Dort findet ab 23 Uhr die MoreCore-Party statt. Es laufen Nu-Metal, Pop-Punk, Metal- und Hardcore. Tickets kosten im Vorverkauf 9 Euro, an der Abendkasse muss ein Zehner gezückt werden.
Was steht sonst noch im RUMS-Brief?
Meistens schauen wir uns vor der Ratssitzung hier vorher Themen an, über die diskutiert wird. Heute geht es um ein Thema, das morgen gleich wieder von der Tagesordnung gestrichen wird, weil einige Ratsparteien und die Stadtverwaltung sich nicht einig sind: die sogenannte interkulturelle Öffnung der Verwaltung. Damit ist ein Veränderungsprozess gemeint, der Menschen mit Migrationsvorgeschichte mehr Teilhabe und einen besseren Zugang zu den städtischen Dienstleistungen ermöglichen soll, unter anderem durch mehr Beschäftigte mit internationaler Familiengeschichte. Constanze Busch hat für Sie aufgedröselt, woran es hakt und welche Herausforderungen hinter den Streitpunkten stecken.
Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS drei Monate lang zum halben Preis.
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Luzia Arlinghaus, Svenja Stühmeier, Deike Terhorst
Lektorat: Sebastian Fobbe
PS
Nächste Woche beginnen die Ferien. Für uns nicht. Wir schreiben Ihnen weiterhin, was in Münster so los ist. Wenn Sie mögen, können Sie das dann am Strand oder in den Bergen lesen. Und vielleicht haben Sie ja auch Lust, uns aus dem Urlaub zu schreiben und uns ein Foto zu schicken. Wir veröffentlichen das dann im RUMS-Brief. Falls Sie jetzt denken: Das vergesse ich bis dahin eh. Keine Sorge, wir werden sie noch daran erinnern. Schicken Sie das Bild am besten an redaktion@rums.ms – oder veröffentlichen Sie es bei Instagram mit dem Hashtag #rumsurlaubsgruesse. Da sehen und verbreiten wir es dann auch. (rhe)