Pandemie im Rückspiegel: Was haben wir aus Corona gelernt? | RUMS 3 Monate lang zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 8. August 2023

in den letzten Jahren fingen wir um diese Jahreszeit herum langsam an, uns mit der Frage zu beschäftigen: Kommt denn jetzt bald die nächste Corona-Herbstwelle? Und wenn ja: Was wird das für uns bedeuten? In diesem Jahr stellt sich die Frage zwar immer noch, aber die Beschäftigung mit ihr hat doch nachgelassen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitierte am Montag einen Hausarzt mit der Aussage: „Corona gehört nun zum normalen Lebensrisiko.“

Im Rückblick stellen sich allerdings schon ein paar Fragen. Zum Beispiel: „Was haben wir aus der Pandemie gelernt?“ Das ist der Titel einer Umfrage, deren Ergebnis man sich seit Donnerstag auf den Seiten der Stadt in Form einer 50-seitigen PDF-Datei herunterladen kann. Unglücklicherweise steht im zentralen Satz der Zusammenfassung, „dass es in keinem der untersuchten Themenbereiche zu einem eindeutigen Stimmungsbild kam“.

Es ist also nichts so schlecht gelaufen, dass alle Befragten sagen: Das war wirklich schlecht. Aber es ist auch nichts so gut gelaufen, dass im Ergebnis steht: Das hat wirklich fantastisch geklappt.

Antworten gegeben haben 266 Menschen, die in Münster im Gesundheitswesen arbeiten, also zum Beispiel bei Pflegediensten, in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, ärztlichen Praxen oder Apotheken. 80 Prozent von ihnen stehen an der Spitze einer Institution oder sind mindestens im Leitungsteam. Natürlich kann auch das die Ergebnisse beeinflusst haben. Unzufrieden sind ja oft eher jene, die Arbeitsaufträge entgegennehmen. Es haben allerdings auch Menschen aus den Hierarchieebenen darunter teilgenommen, wenn auch nur 47. Ihre Perspektive ist also enthalten.

Einige der dokumentierten Aussagen sind sehr klar. Sie sind in der Auswertung am Ende von Abschnitten als O-Töne hervorgehoben. Dort steht zum Beispiel: „Die Krankmeldungen sind weit über dem Durchschnitt. Mitarbeitende/Leitende Mitarbeitende verlassen das Gesundheitswesen.“

Das ist eines der nicht so sehr überraschenden Ergebnisse: Personal fehlt, Menschen sind überlastet, die Frustration ist groß. Mit der materiellen Ausstattung dagegen sind die meisten ganz glücklich. Eher unzufrieden ist die Mehrheit damit, dass sie von geänderten Gesetzen oder neuen Verordnungen sehr kurzfristig erfuhren.

Die Kommunikation zwischen den Behörden hat laut den Ergebnissen vor allem dann gut geklappt, wenn sie auf einer Ebene stattfand und man auch vorher schon miteinander zu tun hatte. Knapp zwei Drittel aller Befragten wünschen sich, dass Behörden besser erreichbar sind. Und das gilt für alle Ebenen.

Insgesamt zieht der überwiegende Teil der Befragten unter dem Strich ein „positives Resümee aus der Pandemie“. Das klingt etwas seltsam, aber gemeint ist der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung, die viele offenbar erlebt haben.

Für uns sehr erfreulich ist, dass in der Kommunikation vor allem Newsletter und Rundmails als „besonders gut funktionierende“ Informationskanäle bewertet werden, allerdings ist hier vermutlich vor allem von denen der Landesregierung und anderen Institutionen die Rede.

In einem O-Ton steht: „Die Presse hat zum Teil falsche Informationen verbreitet.“ Das ist sicherlich richtig, wie es auch für Behörden stimmt, denn abzuschätzen, was wirklich wahr und verlässlich ist, war in dieser unübersichtlichen Lage wohl mit das größte Problem.

Auch das ist eine Erkenntnis, die jedoch nicht in der Auswertung steht: Oft muss man sich der Wahrheit schrittweise nähern, weil Informationen fehlen. Und das bedeutet: Man muss aus falschen Erkenntnissen und Fehlern, die man gemacht hat, lernen. In der Frage, ob das in den Behörden wirklich geklappt hat, bleibt am Ende ein leichter Zweifel.

Dort, wo es um die Vorbereitung auf eine eventuelle weitere Pandemie geht, ist das Ergebnis: Nur eine von fünf Institutionen hat in großem oder sehr großem Umfang Vorkehrungen getroffen. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ An der Handorfer Straße hat ein 25-Jähriger nach seinem Urlaub bemerkt, dass jemand seine Waschmaschine geklaut und gegen ein altes Gerät getauscht hat. (Polizei Münster)

+++ Im Naturschutzgebiet Letter Bruch bei Coesfeld hat jemand einen Seeadler erschossen und anschließend geköpft. (WDR)

+++ Für den Bau einer Verkehrsinsel an einer Kita ist ab Donnerstag der Dingbängerweg in Mecklenbeck voraussichtlich bis Ende Oktober gesperrt. (Stadt Münster)

+++ Weil es am Wochenende stark geregnet hat, dauern die Bauarbeiten an der neuen Bahnunterführung Heroldstraße noch bis Freitag. (Stadt Münster)

+++ Die Stadtwerke versorgen jetzt rund 1.900 Fernwärme-Kund:innen in Coerde, Angelmodde und im Zentrum Nord, nachdem sie die Westfälische Fernwärmeversorgung übernommen haben. (Stadtwerke Münster)

+++ Die Ludgeri-Apotheke an der Windthorststraße verkauft einige rezeptfreie Medikamente jetzt auch rund um die Uhr in einem Automaten. (WDR Lokalzeit, ab Minute 5)

+++ Das Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Hiltrup ist umgebaut. (Bistum Münster).

+++ Die neue Sportanlage des 1. FC Gievenbeck ist fertig, für die die Stadt Münster rund 960.000 Euro ausgegeben hat. (Stadt Münster)

+++ Die Staatsanwaltschaft Münster klagt drei Mitglieder der „Letzten Generation“ wegen Nötigung an, die sich im Frühjahr auf die Von-Vincke-Straße geklebt hatten. (Westfälische Nachrichten)

+++ Weil gerade über einige Straßenumbenennungen diskutiert wird, soll ein Leitfaden für die Benennung von Straßen entstehen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Studierende des Fachbereichs Maschinenbau an der FH Münster haben eine Maschine erfunden, die binnen 30 Sekunden Currywurst serviert. (Fachhochschule Münster)

Unbezahlte Werbung

Im Specops am Aegidiimarkt 5 ist alles ein bisschen wie vor drei Jahren: Die Location ist Café, Kneipe und innenstädtisches Kulturzentrum in einem. Vormittags serviert das Specops im gemütlichen Vintage-Ambiente Kaffee und veganen Kuchen, abends gibt es alkoholische und alkoholfreie Getränke mit einem monatlich wechselndem Aktionsbier. Wer Lust hat, kann zwischendurch eine Runde kickern oder Tischtennis spielen. Für Familien mit Kindern gibt es außerdem einen Bereich mit Spielsachen. Und es gibt eine Bühne, auf der regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. Der Kinoverein „Die Linse“ zeigt dort zum Beispiel diesen und nächsten Monat ein paar interessante Kurzfilme. Geöffnet hat das Specops jeden Tag ab 10 Uhr.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Elija Winkler hat heute wieder ein paar schöne Tipps zusammengestellt:

+++ Unwetterbedingt mussten wir vergangenes Wochenende unseren RUMS-Stand beim Hammer-Straßen-Fest früher einpacken als geplant. Hmpf. Falls Sie den strömenden Regen gemieden haben und sich jetzt ein bisschen ärgern, dass Sie mit uns nicht über Lokaljournalismus diskutieren konnten, hier kommt die zweite Chance: Am Samstag und Sonntag sind wir wieder beim Kreuzviertelfest vertreten. Das Wetter soll auch schöner werden. Wir veranstalten auch wieder eine Tombola für alle angehenden RUMS-Leser:innen, die mit einem ausgemalten Rürup-Cartoon und ein bisschen Glück einen 10-Euro-Mukk-Gutschein gewinnen können.

+++ Am Mittwoch ist der ehemalige Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger im Dom zu Gast. Dort spricht er über Russland, den Krieg in der Ukraine und eine mögliche Sicherheitsordnung in Europa. Beginn ist um 18.30 Uhr. Auf der Website des Doms können Sie den Vortrag auch per Livestream verfolgen.

+++ Die Uni Münster beginnt die Pressemitteilung über die Wiedereröffnung des Geomuseums mit dem Halbsatz „Was lange währt…“. Schließlich dauerte der Umbau ganze 16 Jahre. Die Uni hätte auch von einem Mammutprojekt schreiben können, aber vielleicht war der Pressestelle dieser Kalauer doch ein bisschen zu platt. Naja, Spaß beiseite und zurück zum Thema: Ab Donnerstag hat das Geomuseum wieder geöffnet. Die erdgeschichtliche Ausstellung zeigt vor allem Exponate aus Westfalen. Dazu zählt auch das „Ahlener Mammut“ (da haben wir’s ja), das künftig auch von der Straße aus durch ein riesiges Fenster zu sehen sein wird.

+++ Zum Schluss noch ein kultiger Filmtipp: Das Sommernachtskino am Schlossplatz zeigt am Donnerstagabend den Quentin-Tarantino-Klassiker „Pulp Fiction“. Los geht es um 20 Uhr. Karten bekommen Sie hier. Und zum Eingrooven können Sie sich schon einmal die legendäre Tanzszene von Uma Thurman und John Travolta ansehen.

Was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Bevor sich wirklich etwas ändert, muss immer erst etwas passieren. Ein Unglück, eine Katastrophe, ein Skandal. Das liegt am Menschen und daran, wie Politik funktioniert. Am Wochenende ist wieder etwas passiert. Ein Starkregen hat im Westen für Überschwemmungen gesorgt. Ändert sich jetzt etwas? Um diese Frage geht es heute im kompletten RUMS-Brief.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große Nobis (jgn), Svenja Stühmeier (sst), Elija Winkler (ewi)
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Wenn junge Menschen erzählen, was sie studieren, müssen sie manchmal die Frage beantworten, was sie damit denn machen wollen. Daniel Ruchser, Jonas Rosery und Wieland Wietheger könnten dann zum Beispiel sagen: „Currywurst“. Die drei Maschinenbau-Studenten (Schwerpunkt Currywurstmaschinenbau) haben eine Maschine gebaut, die aus einer gegrillten Wurst eine Currywurst macht. Die FH Münster ist selbst ganz aus dem Imbiss-Häuschen. In der Pressemitteilung zur Currywurstmaschine gibt sie gewissermaßen ihren Senf dazu und schreibt: „Es zeigt, wie lebensnah Maschinenbauingenieurinnen und -ingenieure arbeiten, was man bei uns im Studium lernt und damit machen kann.“ Wahrscheinlich zeigt es sogar noch mehr, nämlich zum Beispiel, mit welchen Gedanken Maschinenbauingenieurinnen und -ingenieure sich den ganzen Tag so beschäftigen. Aber gut, es ist ja auch noch das Studium, die Maschine ist – so steht es in der Pressemitteilung – eine Projektarbeit. Irgendwann kommt dann die Abschlussarbeit. Und danach geht’s dann um die Wurst. (rhe)

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