Google Street View – History Edition | RUMS 3 Monate zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 15. August 2023

in der vergangenen Woche kam mir auf der Warendorfer Straße ein Auto von Apple entgehen. Es war weiß und hatte ein Stativ mit Rundum-Kameras auf dem Dach. Als ich das gleiche oder ein fast identisches Auto später auch auf der Friedrich-Ebert-Straße sah, googelte ich es und fand so heraus: Apple macht noch bis Ende des Monats in Münster Aufnahmen für seinen Dienst „Look Around“, dem Konkurrenz-Produkt zu „Google Street View“. Und falls Sie auch das nicht kennen: Damit kann man digitale Spaziergänge durch Städte machen.

Es kann zurzeit auch passieren, dass Sie Autos von Google sehen. Das Unternehmen macht zwar nicht ganz so genaue Angaben dazu, wo seine Kamerawagen herumfahren. Und die Bilder von den Straßen rund um den Bahnhof sind aus dem vergangenen April, also noch gar nicht so alt. Aber in der Google-Tabelle steht, man fotografiere zurzeit auch in Westfalen. Und das ist im weitesten Sinne ja auch Münster.

Nun gibt es Menschen, die es ganz wunderbar finden, dass man sich mithilfe dieser Dienste so einfach in anderen Städten umsehen kann. Bevor wir im Sommer in den Urlaub gefahren sind, habe ich mir zum Beispiel von zu Hause aus den Ort angesehen, in dem wir später zum Glück ankamen. Einen richtigen räumlichen Eindruck bekommt man am Bildschirm zwar nicht. Aber es ist doch irgendwie interessant, dann tatsächlich durch Straßen zu fahren und zu denken: Kommen einem doch irgendwie bekannt vor.

Auf diese Weise kann man in Gärten und Hinterhöfe schauen, die man von außen nicht sieht. Wussten Sie zum Beispiel, wie es an der Von Steuben-Straße im Innenhof des Hauses aussieht, das dort steht, wo früher die Westfalen-Tankstelle war? Nein? Hier sehen Sie es. Ganz interessant, oder?

Es gibt allerdings auch Menschen, sehr viele sogar, die es gar nicht so gut finden, wenn das eigene Haus auf diese Weise öffentlich wird. Wenn Sie nicht möchten, dass Google oder Apple Fotos von Ihrer Fassade ins Netz stellt, finden Sie alles Wissenswerte auf den Seiten der Verbraucherzentrale.

Schade ist, dass Google und Apple die Bilder irgendwann aktualisieren und die alten Aufnahmen verschwinden, denn sonst könnte man nicht nur einen Spaziergang durch eine andere Stadt machen, sondern auch einen durch eine andere Zeit.

Wenn Sie sich dafür interessieren, hätte ich etwas für Sie. Ein RUMS-Leser hat uns darauf hingewiesen.

Es war nämlich so: Im Frühjahr 1993 gab das Landesmedienzentrum für Westfalen (heute LWL-Medienzentrum für Westfalen) der Firma Knut O. Laubner den Auftrag, Luftbilder von Münster anzufertigen. Bei diesem Flug entstanden 400 Aufnahmen, die Münster vor genau 30 Jahren zeigen. Das ist noch nicht so lange her, aber der Satz „Du hast dich überhaupt nicht verändert” passt doch nicht mehr so ganz.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat die komplette Serie auf seiner Website veröffentlicht. Fotos vom alten Hafen finden Sie zum Beispiel hier oder hier. Auf ihnen sehen Sie die alten Gebäude an der Nordseite, die später durch Glaswürfel ersetzt wurden, dahinter die Osmo-Hallen. Die Industrie auf der Südseite ist noch unberührt. Ein paar hundert Meter weiter, in Höhe Agravis, sieht man die alte Brücke, über die damals Autos den Kanal überquerten.

An der Weseler Straße steht direkt hinter dem McDonald’s-Drive-In eine Tankstelle, im Osten die gigantische und inzwischen abgerissene Oberfinanzdirektion. Das Grundstück an der Stubengasse sieht aus wie der große Platz vor dem Schloss, auf dem tagsüber Autos parken. Weiter nördlich hat vier Jahre zuvor auf dem Gelände der Germania-Brauerei ein Erlebnisbad eröffnet, die Germania-Therme. Kurz vorher war nebenan eine Disko – das Wort benutzt heute auch wirklich kein Mensch mehr – eingezogen, das Jovel. Die Reste der Brauerei sind noch gut zu erkennen.

So könnte man noch stundenlang weitermachen, aber wir müssen leider schnell weiter zu den anderen Themen. Vielleicht finden Sie ja noch interessante Dinge auf den Bildern, die mir beim Stöbern – noch so ein Wort – nicht aufgefallen sind. Schreiben Sie uns. Dann reiche ich Ihre Fundstücke in einer der kommenden Ausgaben nach. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Stadt hat innerhalb von sechs Wochen über 200 Knöllchen auf dem autofreien Domplatz verteilt. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die neue Umgehungsstraße in Münsters Osten wird seit Jahren nicht fertig, weil Bahn und Straßenbaubehörde sich beim Bau einer Brücke schlecht abgestimmt haben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Handwerkskammer will mit einem neuen Projekt Betriebe in Deutschland und den Niederlanden dabei unterstützen, ihre Produktionsprozesse umweltfreundlicher und wirtschaftlicher zu machen. (Handwerkskammer Münster)

+++ Die Elterninitiative der Kita „Kinderhäuschen“ sorgt sich um die gestiegenen Kosten und fordert Unterstützung von Stadt und Land. (Antenne Münster)

+++ Die Gewerkschaft IG Bau geht davon aus, dass in Münster in 20 Jahren 10.400 Seniorenwohnungen fehlen werden. (Münsterische Volkszeitung)

+++ Die Polizei Münster hat einen 22-jährigen Motorradfahrer gestoppt, der mit über 100 Stundenkilometern durch die Stadt gebrettert ist. (Polizei Münster)

+++ Jugendliche aus Münsters Partnerstädten diskutieren ab morgen fünf Tage lang über den Westfälischen Frieden und eine internationale Wertegemeinschaft. (Stadt Münster)

+++ Die frühere Vorsitzende des KFD-Diözesanverbands Münster, Anette Köper, ist gestorben. (Kirche und Leben)

+++ Wenn die Polizei sich meldet und Sie bittet, Geld in eine Mülltonne zu legen, weil Ihr Vermögen angeblich in Gefahr ist, melden Sie sich am besten bei der echten Polizei. (Polizei Münster)

Unbezahlte Werbung

Das Modelabel „Heimatkoten“ aus Münster verkauft Streetwear (auf Masematte vermutlich Strehlenpiselotten) aus nachhaltiger Produktion. Das Startup gibt es seit vergangenen März. Es bietet Hoodies aus 80-prozentiger Biobaumwolle an, außerdem Shirts aus recycelten Materialien, meist mit Münster-Motiven. Die Shirts werden von Hand bedruckt, Käppis und Polos von „Stickmomente“ in Albersloh verziert. Noch hat die Marke keinen eigenen Laden, aber klicken Sie sich hier für den Onlineshop.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Elija Winkler für Sie in die Veranstaltungskalender geschaut. Das hier sind seine Empfehlungen.

+++ Wenn sich Promis verkrachen, ist das für die Promis ärgerlich, für viele andere unterhaltsam. Das Boulevard-Theater zeigt am Donnerstag die Komödie „Sag jetzt nichts“. Es geht um zwei Weltstars im Scheidungsprozess, die um den gemeinsamen Besitz streiten. Los geht es um 20 Uhr. Karten bekommen Sie unter der Nummer 0251 4140400 oder per E-Mail: karten@boulevard-muenster.de.

+++ Im neuen Specops am Aegidiimarkt ist am Donnerstag das Impro-Ensemble „7 Wiesen“ zu Gast. Das Publikum ruft irgendetwas rein, und das Ensemble macht was draus. Beginn ist um 20 Uhr, Eintritt: 2 bis 12 Euro.

+++ Die großen Fragen müssen oft im Kleinen beantwortet werden: Jugendliche aus aller Welt können am Samstag um 11 Uhr Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe sowie dessen Kolleg:innen aus Münsters Partnerstädten interviewen. Das Format findet auf der Stadtfestbühne an der Dominikanerkirche statt. Anlass ist die Zusammenkunft der Städte zum Jubiläum (Sie ahnen es) „375 Jahre Westfälischer Frieden“. Um den internationalen Gästen gerecht zu werden, findet die Veranstaltung auf Englisch statt.

Was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Münster braucht dringend neue Wohnungen, aber es ist absehbar, dass in den nächsten Jahren weniger gebaut wird. Im kompletten RUMS-Brief habe ich mich den Zahlen beschäftigt, mit den Folgen, die das haben wird, und mit der Frage: Was kann man tun?

Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 3 Monate lang zum halben Preis.

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Jan Große Nobis, Svenja Stühmeier, Elija Winkler
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Das mit dem Lärm am Hansaring schien zuletzt ja kein Problem mehr zu sein. Jahrelang hatte man darüber gestritten, wie viel zusätzlichen Lärm und Verkehr die Straße denn verträgt. Das Oberverwaltungsgericht legte die Hafenmarkt-Baustelle für mehrere Jahre still, weil die Stadt sich verrechnet hatte. Immer ging es um diese Frage. Außer in der letzten Entscheidung des Gerichts. Jetzt wird einfach weitergebaut, vom Lärm ist keine Rede mehr. Dann veröffentlichte die Stadt am Montag einen Antrag. Titel: „Die Markthalle darf nicht noch mehr Verkehr abbekommen!“ Was bitte? Geht das alles denn jetzt schon wieder los? Hatten wir das nicht geklärt? Ein kurzer Blick in den Antrag. So klärt es sich auf. Der Titel steht da nämlich noch einmal. Und hier klingt er etwas anders. Es geht nicht um den Hafenmarkt, sondern um Hiltrup, also auch nicht um irgendeine Halle. Nicht noch mehr Verkehr abbekommen soll die Marktallee. (rhe)

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