Die nette Besetzung von nebenan | RUMS 3 Monate lang für je 3 Euro

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

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Münster, 5. Mai 2023

Niklas Nottebom ist enttäuscht vom Rektorat der Uni Münster. Er ist im Ring christlich-demokratischer Studenten in Münster (RCDS) aktiv und findet, dass die Leitungsebene direkt zu Wochenbeginn den Lehrbetrieb im Hörsaal F1 wieder hätte ermöglichen sollen. Der wird schließlich immer noch von der Gruppierung „End Fossil: Occupy!“ besetzt und die Uni findet das auch gar nicht so schlimm. Die der Initiative zugehörigen Studierenden wollen mit ihrer Aktion das Bewusstsein für die Rolle der Universität in der Klimakrise schärfen – und die Institution bestenfalls dazu bewegen, sich stärker für ihre Bekämpfung einzusetzen. Gleichzeitig wollen sie einen Raum schaffen für Studierende, in dem sie sich über die Klimakrise informieren und austauschen können.

Alles Ziele, die der RCDS irgendwie unterstützenswert findet, aber in bekannt-konservativer Manier: So ganz bestimmt nicht. Ja, wie denn sonst? Niklas Nottebom schlägt vor, es doch mal mit angemeldeten Veranstaltungen zu versuchen und die Forderungen in verschiedenen Gremien anzubringen. Diese Protestform würde schließlich diejenigen eingrenzen, die jetzt auf ihre Vorlesungen verzichten müssten.

Nun ja, sagen wir mal so: Wer die Vortragsreihe „Klima und Recht“ des Jura-Fachschaftsrats unspannend findet, kann halt einfach nicht hingehen. Wer sie verfolgen möchte, muss sich allerdings Kapazitäten abends nach einem Unitag freischaufeln, eben dann, wenn Studierende potenziell Geld verdienen gehen. Für diejenigen, die diese Klimakrise eher uninteressant finden, kann also alles bleiben, wie es ist. Und von denen, die sich mit dem wohl drängendsten globalen Problem auseinandersetzen wollen, kann schließlich erwartet werden, dass sie viel Energie dafür aufbringen. Oder?

Eine zentrale Forderung der Studierenden in der Besetzung ist, dass Bildung in Sachen Klimakrise nicht mehr größtenteils in die Freizeit fallen soll. Darüber haben sie auch gestern mit Rektor Johannes Wessels diskutiert, der sich zu einem ausführlichen Gespräch am Donnerstagnachmittag bereiterklärt hat. Eine Person im Publikum sagte etwas wie: Die Auseinandersetzung mit der Klimakrise wird momentan als Hobbyprojekt von Aktivist:innen angesehen. Und das darf aufgrund der Dringlichkeit und der Auswirkungen, die sie auf alle Lebensbereiche (und somit auch auf jeden Studiengang) hat, nicht mehr so weitergehen. Stattdessen soll das Thema fest im Lehrplan stehen, vielleicht sogar als Pflichtveranstaltung für alle, und vor allem so, dass es Teil des Studiums ist und entsprechend mit Leistungspunkten honoriert wird.

Die „Pflicht“ ist für Johannes Wessels ein rotes Tuch, denn klar, die Uni darf nicht jedem Fachbereich vorschreiben, was gelehrt werden soll. Einige Studierende im Hörsaal berichten von ihren persönlichen Erfahrungen und davon, welcher Fachbereich ihrer Meinung nach nicht genug Wissen zur Klimakrise vermittelt. Wessels Antwort auf jeden dieser Wortbeiträge: „Einzelfall“. Mit dem Hinweis, dass es ja durchaus Gremien gibt, an die sich Studierende mit ihrem Anliegen wenden können.

Die Sache mit mehreren Einzelfällen ist, dass sie irgendwann vielleicht doch einen systemischen Fehler aufzeigen. Und die Sache mit Meldestellen, die wenige kennen, ist, dass nicht alle Suchenden zu faul oder zu blöd sind, sie zu finden. Vielleicht stellt die verantwortliche Institution sie auch einfach nicht sichtbar genug zur Verfügung. Was einen weiteren Aspekt der Forderungen von „End Fossil: Occupy!“ aufzeigt: mehr Transparenz und Niedrigschwelligkeit an der Uni.

Allzu viel Verständnis hat Johannes Wessels den Studierenden nicht entgegengebracht, zumindest nicht am Donnerstagnachmittag. Heute sei Johannes Wessels noch einmal in den Hörsaal F1 gekommen, nachdem die Gruppe verkündet hatte, die Besetzung auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Das Gespräch sei aus Sicht von „End Fossil: Occupy!“ deutlich konstruktiver gewesen.

Ob die Besetzung tatsächlich noch einige Tage bestehen bleibt, ist bisher unklar. Jedenfalls ist wohl Programm in den Startlöchern. Sie können sich also vielleicht noch ein Bild von der Sache machen – bei einem Kaffeekränzchen, Vorträgen und kreativen Workshops. Denn diese Besetzung sucht vor allem den Austausch und will in Kommunikation treten. Die Studierenden in der Besetzung haben die Uni im Vorfeld darüber informiert. Niemand ist vermummt. In den Vorträgen geht es nicht darum, was man potenziell als Waffe einsetzen kann, sondern um Aspekte der Klimakrise. In Workshops wird keine Gegenwehr gegenüber der Polizei trainiert, sondern es werden Banner bemalt. Ganz schön viel Bullerbü also in einer Besetzung, die ein sinnvolles Anliegen hat. (sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Anschlussstelle Münster-Nord der Autobahn 1 ist in den kommenden zwei Wochen wegen Entwässerungsarbeiten an mehreren Tagen nachts gesperrt. (Die Autobahn)

+++ Eltern haben sich zum Bündnis „Jubel? Trubel“ zusammengeschlossen, um das Kita-Vergabeverfahren gerechter zu machen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Sanierung des denkmalgeschützten Stadthauses 1 ist abgeschlossen und etwas teurer geworden als geplant. (Stadt Münster)

+++ Stadt lädt in Wolbeck und Angelmodde zu einer Ideenbörse ein, bei der es um die Umgestaltung von Spielplätzen gehen soll. (Stadt Münster)

+++ Die Stadt will in einer Onlineveranstaltung vorstellen, wie der Emmy-Herzog-Platz am Hoppengarten in Zukunft aussehen soll. (Stadt Münster)

+++ Am 14. Mai feiert die Mannschaft von Preußen Münster ab 13 Uhr auf dem Prinzipalmarkt mit den Fans ihren Aufstieg. (Stadt Münster)

+++ Das Land will die Münsterstraße sanieren, um sie sicherer zu machen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Bürgerinitiative „B 51 Münster-Handorf“ ist zuversichtlich, dass sie den Ausbau der B51 verhindern kann. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die LVM Versicherung wächst überdurchschnittlich und beschäftigt erstmals mehr als 4.000 Menschen. (Antenne Münster)

+++ Die Warteschlangen in der Postbankfiliale am Domplatz sind wieder länger geworden, weil ein Teil des Personals krank ist. (Westfälische Nachrichten)

+++ Jetzt steht es fest, dass die Uni Münster ab dem 1. Oktober Uni Münster heißen wird. (Uni Münster)

+++ Götz Rohdewald wird der Nachfolger von Björn Harmsen als Trainer des Basketballvereins WWU Baskets (der sich dann auch bald mal einen neuen Namen überlegen müsste). (WWU Baskets)

+++ Jörg Verhoeven ist neuer Vorsitzender des Stadtsportbundes. (Stadtsportbund)

+++ Die Beratungsstelle Frauen-Notruf in Münster hat im letzten Jahr 332 Opfer von sexueller Gewalt beraten, wobei Vergewaltigungen den Großteil der Fälle ausmachten. (Westfälische Nachrichten)

+++ Das Bistum kündigt ein kirchliches Verfahren wegen grenzüberschreitenden Verhaltens gegen den früheren Offizial und Dompropst Kurt Schulte an. (Kirche und Leben)

+++ Kurt Schulte weist die Vorwürfe des Bistums teilweise zurück. (Kirche und Leben)

+++ Schüler übergeben eine Petition für Patenschaften politischer Gefangener im Iran an Oberbürgermeister. (MünsterTube)

+++ Am Montag um 17:30 Uhr findet am Domplatz wieder eine Gegenveranstaltung zur Querdenker-Demo statt. (Keinen Meter den Nazis Münster)

+++ Münster gehört laut T-Online-Umfrage zu den saubersten Großstädten Deutschlands. (Antenne Münster)

Unbezahlte Werbung

Inzwischen dürfen wir ihn einfach Paul nennen: Da, wo früher das Café Walbaum war, befindet sich heute Pauls Café (ebenfalls benannt nach dem Inhaber des Vorgängers). Das Wochenende verspricht Frühlingswetter, also die perfekte Gelegenheit, um auf einem der 80 Außenplätze in „Klein Muffi“ Kaffee und Kuchen zu genießen. Achtung, das geht nur Sonntag von 14 bis 18 Uhr, samstags ist Ruhetag. Montag bis Freitag ist das Lokal von 9 bis 18:30 Uhr geöffnet. Und nebenan befindet sich übrigens das Paulinchen, geöffnet von 7 bis 13:30 Uhr, für die bunte-Tüten- und Schokokussbrötchen-Zielgruppe.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Fabian Cohrs für Sie interessante Veranstaltungen zusammengesucht:

+++ Premiere im Kleinen Bühnenboden: An diesem Wochenende ist dort an drei Tagen das Stück „Sara Maria Herts“ zu sehen. Es geht um Erwartungen und Rollenbilder, in denen sich Frauen täglich neu zurechtfinden müssen. Premiere ist heute Abend um 20 Uhr, die Vorstellung morgen ist ebenfalls um 20 Uhr, am Sonntag geht es schon um 18 Uhr los. Mehr Informationen und Karten gibt es hier.

+++ Die aktuelle Ausstellung in der Überwasserkirche beschäftigt sich mit dem Ukrainekrieg. Eine Gruppe von Kinderbuchautor:innen hat 40 Illustrationen erstellt, die sich unter anderem mit Flucht, Ängsten, Heimatverlust auseinandersetzen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 4. Juni. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos gibt es hier.

+++ Das Pumpenhaus zeigt Sonntagabend die Theateradaption „Bladerunner!“. Menschliche Androiden versuchen, in einer dystopischen Welt menschliches Fehlverhalten zu studieren, um schließlich die Macht zu übernehmen. Na, erinnert Sie das auch an die Diskussionen um künstliche Intelligenz? Tickets gibt es hier.

+++ Der Verkehrsclub Deutschland bietet morgen um 15 Uhr einen Vortrag zum Thema Metrobusse an. Gastredner ist Werner Linnenbrink von den Stadtwerken Osnabrück, die das Konzept der Linienbusse in den vergangenen Jahren überarbeitet haben. Ort: Zumsandestraße 15 (früher DRK).

+++ Im Hansa Berufskolleg stellen sich morgen ab 13 Uhr bei der Veranstaltung „Aktives Münster“ ab 13 Uhr ehrenamtliche Organisationen und Vereine vor. Es gibt ein Unterhaltungsprogramm und im Hof steht ein Imbisswagen. Weitere Infos hier.

+++ Noch etwas für die Freunde der Sportart Darts: Morgen Nachmittag um 14 Uhr spielen die Vikings Münster in der Gaststätte Mauritius um den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Wäre doch schön, wenn da dann richtig was los ist.

+++ Im Wohngebiet „Drei Eichen“ in Handorf findet morgen von 14 bis 17 Uhr ein Straßenflohmarkt statt. Wenn Sie das Wohngebiet suchen, suchen Sie am besten nach Eichengrund, Eichenbusch oder Eichenaue. Und falls Sie morgen keine Zeit haben: Am Sonntag ist Flohmarkt in Sprakel.

+++ Und ein allerletzter Tipp: Am Sonntag um 11 Uhr beginnt auf dem Hof Lütke Laxen in Gelmer das Spargelfest. Alle Infos finden Sie hier.

Wenn Sie nun gerne weiterlesen würden, testen Sie RUMS doch 3 Monate lang für 3 Euro. Heute geht es unter anderem um Angsträume in Münster. Wussten Sie, dass Frauen sich im öffentlichen Raum unsicherer fühlen, während Männer eher tatsächlich Opfer von Straßenkriminalität werden? Woran das liegt, steht im RUMS-Brief (Spoiler: Der Grund ist nicht, dass Frauen von Natur aus ängstlicher sind). Außerdem hat Ralf Heimann aufgeschrieben, wie viel Fahrradstadt tatsächlich in Münster steckt.

Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier

PS

Misten Sie gerade Ihren Kleiderschrank aus? Dann schauen Sie doch gleich, ob Sie nicht noch gut erhaltene Stücke haben, die Sie der Bahnhofsmission für ihre Kleiderkammer spenden können. Die sucht nämlich dringend feste Schuhe ab Größe 39, Unterwäsche und Pullover, Jacken und Hosen für Männer. Die Spenden können Sie direkt in den Räumlichkeiten an Gleis 9/12 am Hauptbahnhof abgeben. Am Wochenende sind die von 10 bis 14 Uhr geöffnet, unter der Woche von 8 bis 20 Uhr.

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