Busfahrermangel: Kann man nicht einfach mehr zahlen? | Unbezahlte Werbung: Tom & Polly | 3 Monate RUMS zum halben Preis

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

weil die Stadtwerke Münster kein Personal finden, haben sie mehrere Buslinien eingestellt. Und da, wo die Busse noch fahren, kommen sie jetzt nicht mehr alle 20 Minuten, sondern nur zweimal pro Stunde. Die Frage ist: Hätte man das verhindern können?

Der Verkehrsclub Deutschland, kurz VCD, denkt: ja, schon. In einer Stellungnahme schreibt der Verband, der Personalschwund sei „in weiten Teilen vorhersehbar“ gewesen.

Dass viele Menschen, die Busse steuern, bald in den Ruhestand gehen, dürfe den Verantwortlichen schon lange bewusst sein, heißt es in dem Schreiben. Aber das sei nicht alles. Busfahrerinnen und Busfahrer hätten die Stadtwerke „dem Vernehmen nach wegen attraktiverer Arbeitsbedingungen“ in Richtung privater Busunternehmen verlassen.

Linken-Fraktionschef Ulrich Thoden sieht die Verantwortung ebenfalls in der Unternehmensspitze der Stadtwerke. Er sagt laut einer Pressemitteilung seiner Partei: „Die Taktverdünnungen sind ein Offenbarungseid und das Ergebnis einer hausgemachten, völlig verfehlten Personalpolitik bei den Stadtwerken.“ Weder habe das Unternehmen in den 2010er-Jahren mehr Buspersonal eingestellt, noch habe es zwischen 2016 und 2020 neues Personal ausgebildet.

Wenn das so weitergehe, werde sich im Winter auch der Halbstundentakt nicht mehr halten lassen, sagt Thoden. Aber wie könnte man das Problem lösen?

Laut Ulrich Thoden vor allem mit mehr Geld. Zurzeit entlohnten die Stadtwerke neue Busfahrerinnen und Busfahrer im Tarifvertrag nach Entgeltgruppe 5. Das entspricht etwa 2.550 Euro brutto im Monat. Thoden schlägt vor, die Bezahlung um zwei Gruppen hochzustufen. Dann wären es etwa 450 Euro mehr.

Die Stadtwerke haben am Montag in einer Pressemitteilung erklärt, wie sie das Problem angehen wollen. Ergebnis: Um Personal zu finden, wollen sie sich neu aufstellen, so schreiben sie. Nur was bedeutet das?

Seit diesem Jahr trete das Unternehmen zusammen mit der Tochter Stadtnetze als „Team Münster“ auf. So wolle man zeigen, wie attraktiv man als Arbeitgeber sei. Das „Team Münster“ biete sichere Tarifverträge, flexible Arbeitszeitmodelle für unterschiedliche Lebensphasen und viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten, sagt Personalchefin Brit Steuss laut der Mitteilung. Und sie sagt: „Heute geht es vielen Bewerbenden aber um mehr.“ Aber um was?

„Sie wollen mit ihrer Arbeit etwas bewegen, zum Beispiel zur Energie- oder Mobilitätswende der Region Münster beitragen“, schreibt Brit Steuss.

Wenn das tatsächlich ein wichtiges Motiv wäre, dürfte es in Münster eigentlich keinen Mangel an jungen Menschen geben, die beruflich Bus fahren möchten. Für die Mobilitätswende ist kaum etwas wichtiger als der öffentliche Personennahverkehr.

Tatsächlich ist das Problem komplizierter, und es gibt viele kleine Bausteine, die eine Rolle spielen. Bis vor zwölf Jahren machten etwa viele junge Männer während ihrer Zeit bei der Bundeswehr einen Busführerschein. Inzwischen gibt es keinen Wehrdienst mehr. Den Busführerschein müssen sie selbst bezahlen. Das ist teuer.

Auch die Coronazeit hatte Auswirkungen. Als die Busse nicht fuhren, haben sich viele Busfahrerinnen und Busfahrer einen anderen Job gesucht. Hinzu kommt: Die Arbeitszeiten sind nicht sehr familienfreundlich. Man arbeitet in Schichten und Wochenenddiensten – für vergleichsweise wenig Geld.

Wenn eine kleine Wohnung in der Stadt 1.000 Euro kostet, sind 2.550 Euro brutto wenig Geld. Wenn man aber dringend Personal für die Busse braucht, muss man möglicherweise mehr bieten. Ist so etwas im Gespräch? Ist es überhaupt möglich?

Die Stadtwerke bezahlten das Buspersonal so, wie es vorgesehen sei, nach Entgeltgruppe 5, schreibt Stadtwerke-Sprecher Florian Adler. Die Berufsgruppe anders einzugruppieren, sei Sache der Tarifparteien.

Es wäre also nicht möglich?

„Nein. Die Kommunen haben da keinen Spielraum“, sagt Dirk Seibel von der Gewerkschaft Verdi. Das sei auch nicht so einfach, denn es gehe hier ja nicht nur um die Bezahlung des Buspersonals, sondern auch um Feuerwehrleute, um Menschen, die in Kitas arbeiten, oder in der Stadtverwaltung. Er sei kein Freund davon, diese Gruppen gegeneinander auszuspielen, sagt Seibel. Aber natürlich, man könne darüber sprechen, das Buspersonal hochzustufen. Nur das müsse in den Tarifverhandlungen passieren. In den aktuellen Verhandlungen ging es darum nicht.

Am Ende stand für die Menschen, die Busse fahren, trotzdem eine erfreuliche Nachricht. Sie bekommen ab März etwa 14 Prozent mehr Geld. Das sind keine 450 Euro, aber immerhin mindestens 350. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Die Stadt Münster hat angekündigt, als Mittel gegen den Fachkräftemangel ein Modell aus Bonn zu übernehmen, was aber laut Zeitung so nicht ganz stimmt. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die FDP Münster sieht das Verhältnis zwischen Kitas, Eltern und der Stadt belastet und fordert Lösungen für das Betreuungsproblem. (FDP Münster)

+++ Aus der Wartburg-Hauptschule wird nun doch kein Wohnquartier mit Discounter, Bäckerei und Kita, aber vorübergehend wohl wieder eine Schule. (Westfälische Nachrichten)

+++ Im September sind in Münster weniger Menschen arbeitslos geworden, aber auch weniger Stellen frei geworden. (Arbeitsagentur)

+++ Cordula Gladrow, ehemalige Direktorin der Stadtbibliothek Wuppertal, ist die neue Leiterin der Stadtbücherei Münster. (Stadt Münster)

+++ Mit der „Kleine Tat“-App aus Münster kann man Gegenstände teilen und in Gruppenchats darüber sprechen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Das Münsteraner IT-Unternehmen Syte gewinnt den Deutschen KI-Preis für ein Tool, das Städten oder Firmen, die bauen wollen, auf einen Blick zeigt, was man mit bestimmten Grundstücken machen kann. (Westfälische Nachrichten)

+++ Klaus Gerwert, Bochumer Professor aus Münster, gewinnt mit seinem Alzheimer-Frühtest den Innovationspreis NRW. (Westfälische Nachrichten)

+++ Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Münster plant eine Demonstration gegen den „1000-Kreuze-Marsch“ von christlichen Fundamentalisten. (MünsterTube)

+++ Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ aus Münster beendet seine Proteste gegen Verschwörungstheoretiker, da nur noch ein Demonstrant erschienen ist. (MünsterTube)

Unbezahlte Werbung

Das Tom & Polly an der Hammer Straße ist ein sympathischer Mix aus Bar und Hostel, Café und moderner Viertelkneipe. Auf der sonnigen Terrasse können es sich Gäste werktags ab 15 Uhr, am Wochenende ab 12 Uhr gutgehen lassen. Nachmittags nascht man ein Stück Kuchen zum Kaffee aus der Siebträgermaschine oder einen hausgemachten Frozen Joghurt mit leckeren Toppings. Abends wird herzhaft aufgetischt, von Salaten über Pasta bis hin zu Pfannengerichten. Dazu gibt es verschiedene Biere vom Fass, Cocktails und Longdrinks, natürlich auch alkoholfrei. Wenn es dann mal wieder spät geworden ist und der Heimweg schrecklich lang erscheint: Oben im gemütlichen Hostel ist bestimmt noch ein Doppel- oder Dreibettzimmer frei.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Deike Terhorst für Sie in den Veranstaltungskalender geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen:

+++ Beim heutigen Sinfoniekonzert „I have a dream“ im Theater Münster stehen Werke der US-amerikanischen Komponisten Florence Price, George Gershwin und William Grant Still im Fokus. Ihre Musik spiegelt den Wunsch nach Veränderung, Freiheit und Trost in Zeiten der Unterdrückung wider. Los geht es um 19:30 Uhr, Tickets sind online auf der Website des Theaters erhältlich.

+++ Am Freitag um 18:30 Uhr fällt im LWL-Museum für Kunst und Kultur der Startschuss für die zwölfte Ausgabe des Münsterland Festivals. Einen Monat lang gibt’s 50 Veranstaltungen im ganzen Münsterland voller Musik, Kunst und Dialoge. Gastland ist dieses Mal Finnland. Das Programm und Tickets gibt es online auf der Website des Festivals.

+++ Vor zwei Jahren durchquerte Lars Nienhuys Mexiko mit dem Fahrrad – offroad, durch die Wüste, über Berge und Strände. Dabei entstanden viele Fotografien, Videoaufnahmen und Tagebucheinträge. Am Freitagabend um 19 Uhr erzählt der Münsteraner im Specops am Aegidiimarkt von seiner Reise und möchte mit seinem Publikum ins Gespräch kommen. Der Eintritt ist frei.

+++ Die Choreografin Aïda Colmenero Dïaz und der Bioarchitekt Angel Fulla widmen sich in ihrer Tanzproduktion „Kolochi Baw“ dem nachhaltigen Bauen. Inspiration dafür war die Djenné-Moschee in Mali, die nur von Lehm gehalten wird. Mit fünf Performer:innen aus Ruanda, Mali, Senegal und der Elfenbeinküste führen sie das Stück nun auf. Und zwar am Freitag und Samstag um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus. Tickets sind online für 18 Euro, ermäßigt 10 Euro, verfügbar.

+++ Am Sonntag findet im Westfälischen Pferdemuseum im Allwetterzoo der Pferde-Erlebnistag statt. Zwischen 10 und 16 Uhr können Besucher:innen sich spielerisch mit dem Thema Pferd beschäftigen und ein paar Vierbeiner treffen. Programmpunkte sind Filmvorführungen, Bastelangebote und ein Quiz. Später präsentiert die Shire Connection Schönborn aus Katzwinkel die größte Pferderasse der Welt. Die Teilnahme am Pferde-Erlebnistag ist im Zooeintritt enthalten.

Und was steht sonst so im RUMS-Brief?

Am 3. Oktober 1973 wurde das Haus in der Frauenstraße 24 in Münster von Aktivist:innen besetzt, um es vor dem geplanten Abriss zu bewahren. In dieser Woche ist das 50 Jahre her. Der Hintergrund damals war Wohnungsmangel. Das ist noch immer aktuell. Svenja Stühmeier hat eine Bestandsaufnahme gemacht.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn), Imke Noetzel (ino), Svenja Stühmeier (sst), Deike Terhorst (dte)
Lektorat: Antonia Strotmann

PS

Der WDR hat einen viereinhalb Minuten langen Radiobeitrag über Masematte gemacht, in dem auch RUMS-Kolumnistin Marion Lohoff-Börger zu Wort kommt. Unter anderem erklärt sie, was mit dem Wort „Bräseplinte“ gemeint ist. Kleiner Tipp: „Plinte“ bedeutet Hose, und „Bräse“ ist die Toilette. (rhe)

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