Der Bremer Platz von allen Seiten | 30 Tage lang kostenlos testen

von Fabian Schatz

Münster, 30. Juli 2021

im Herbst soll der Rat der Stadt darüber entscheiden, wie der Bremer Platz nach dem Umbau aussehen soll. An dem Entwurf waren viele Gruppen beteiligt: Das Grünflächenamt, das Unternehmen (die Landmarken AG), das die Gebäude hinter dem Bahnhof baut, die Anwohner:innen, die Montessori-Schule, soziale Einrichtungen wie die Drogenhilfe Indro und die städtische Drogenberatung, Polizei und Ordnungsamt und und und.

Einer der Knackpunkte in der Diskussion war die so genannte Drogen-, Trinker- und Obdachlosenszene, die sich am Bremer Platz aufhält. Man einigte sich, dass sie vor Ort bleiben soll. In einem sogenannten Werkstattverfahren fügte man alle Interessen zu einem Entwurf zusammen. Aus der Szene war niemand dabei. Das war nicht möglich, weil diese Menschen in einer Notlage sind. Niemand war stabil genug, um an den Gesprächen teilzunehmen.

Vielleicht sieht man auch deswegen neben den spielenden Kindern und flanierenden Anwohner:innen keine Suchtkranken auf den Zeichnungen, die sich den Bremer Platz der Zukunft ausmalen. Zugegeben, die Landmarken AG, die dieses Bild auf ihrer Website veröffentlicht hat, ist nicht für den Bremer Platz zuständig. Trotzdem ist der Kontrast zur aktuellen Situation krass: Menschen spritzen sich Heroin oder konsumieren andere Drogen, es wird gedealt, zum Teil auch angeschafft. Hinzu kommt Beschaffungskriminalität. 1.100 Fälle von Straßenkriminalität habe die Polizei zwischen 2017 und 2020 im Bahnhofsviertel gezählt, sagt Polizeisprecher Jan Schabacker. Wie viele Delikte davon Personen aus der Szene verübt haben, kann er nicht sagen.

Währenddessen rückt die Fertigstellung des Hansators immer näher. In knapp einem Jahr will man die Gebäude eröffnen und den Hauptbahnhof zu einem „vollwertigen Teil der Stadt“ machen. Nur wie soll das gehen? Es ist nicht der einzige Konflikt am Bremer Platz. An diesem Ort berühren sich so viele Gegensätze wie kaum anderswo in Münster. Und es gibt Probleme, die sich nicht lassen lassen, mit denen man einfach leben muss.

Ich habe mir die komplizierte Situation am Bremer Platz für den RUMS-Brief angesehen, und zwar von allen Seiten. Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie den RUMS-Brief mit unserem Probe-Abo 30 Tage lang kostenlos.

Herzliche Grüße
Johanne Burkhardt


PS

Seit März 2020 bekommen Sie unsere Briefe – und in jeden fließen eine Menge Wissen und Recherche ein. Womit wir uns in der jeweiligen Woche beschäftigen, planen wir immer montags in unserer Redaktionskonferenz. Ein wichtiger Input sind auch die Ideen von Ihnen. Sie schicken uns Themenvorschläge oder berichten uns manchmal auch nur, was Ihnen aufgefallen ist. Das freut uns sehr, weil wir so natürlich am besten sehen können, was Sie beschäftigt.

Und nun möchten wir gerne einmal persönlich mit Ihnen reden und laden Sie deshalb am Freitag, 6. August, ab 19 Uhr zu einer RUMS-Redaktionskonferenz per Zoom ein. Dort erzählen Ihnen unsere Redakteur:innen Constanze Busch und Ralf Heimann genau, wie wir arbeiten – und kommen dann hoffentlich auch mit Ihnen ins Gespräch. Wenn Sie vorab schon Ideen haben, können Sie uns diese gerne per Mail schicken. Wir werden diese dann mit Ihnen diskutieren (und wenn Sie lieber nicht möchten, dass Ihr Name genannt wird, schreiben Sie das einfach dazu).

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