Der allgegenwärtige Krieg | Ein Gespräch mit Marina Weisband | RUMS 30 Tage kostenlos testen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 1. März 2022

Tag sechs nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, und der Krieg ist in Münster allgegenwärtig. Auf dem Prinzipalmarkt demonstrierten am Wochenende tausende Menschen für Frieden. Am Rathaus wehen die europäische und die ukrainische Flagge. Im Hauptbahnhof leuchteten gestern die ukrainischen Farben. An den Aaseeterrassen steht in blauer und gelber Kreide „Solidarität mit der Ukraine & Schutzsuchenden aller Länder“ auf dem Asphalt.

Am Samstagabend war die deutsch-ukrainische Pianistin Marina Baranova in der Friedenskapelle zu Gast. Für mich und viele andere im Publikum war es das erste Konzert nach der langen Corona-Pause. Ich hatte mich auf den Abend gefreut. Aber jetzt war da der Krieg, und in Charkiw, einer Universitätsstadt wie Münster, wo Marina Baranova geboren wurde, schlugen zur gleichen Zeit Raketen ein, Menschen starben. Marina Baranova rang mit ihren Worten. Mit viel Mühe formte sie jeden Satz. Und schließlich sagte sie: „Ich spiele besser einfach Klavier.“

Am Sonntagabend in der Ouzeri, einem griechischen Restaurant, in dem sonst viel gelacht wird, mischten sich immer wieder die gleichen Worte in die Geräuschkulisse: „Putin“, „Selenskyj“, „die Ukraine“, „Krieg“. Große Ratlosigkeit überall.

Ich habe Marina Weisband angerufen, unsere Kolumnistin. Sie ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geboren. Sie hat einen deutschen und einen ukrainischen Pass. Ein großer Teil ihrer Familie lebt in Kiew, sie hat Verwandte in Lemberg im Westen des Landes und in einigen Dörfern. Unser Gespräch lesen Sie heute im RUMS-Brief.

Warum hört der Text hier schon auf? Sie lesen unseren Kurzbrief. Den ausführlichen RUMS-Brief bekommen Sie frei Haus, wenn Sie RUMS mit unserem Probe-Abo 30 Tage lang kostenlos testen.

Herzliche Grüße

Ralf Heimann


PS

Wenn im Krieg die Wahrheit zuerst stirbt, dann ist auf russischen Staatsendern schon lange kein Puls mehr zu spüren. Die Desinformation ist ein gewaltiges Problem. Viele Menschen in Russland kennen nur die russische Erzählung. Demnach plant in der Ukraine eine Neonazi-Regierung eine Invasion in den Donbass. Der Desinformations-Experte Lutz Güllner erklärt die russische Desinformations-Kampagne sehr gut in einem drei Minuten langen Interview mit dem ZDF. Aber was kann man machen? Menschen im Netz haben einen kreativen Weg gefunden, die russische Bevölkerung zu erreichen. Sie hinterlassen in den Google-Bewertungen von russischen Restaurants oder Firmen Informationen darüber, was zurzeit in der Ukraine passiert. Andere versuchen, bei Tinder mit Menschen aus Russland in Kontakt zu kommen. Ganz so leicht scheint das allerdings nicht zu sein. Falls Sie sich für das Thema Desinformation interessieren, noch ein Hinweis in eigener Sache: In der MDR-Medienkolumne Altpapier analysiert ein Team, zu dem ich gehöre, täglich die Medienberichterstattung, zurzeit also vor allem die über den Krieg. Und eine gute Nachricht zum Ende: Die Europäische Union will die russischen Staatsmedien in Europa verbieten.

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