Homeoffice-Horror | Lockdown bis 14. Februar | RUMS 30 Tage kostenlos testen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 19. Januar 2021

vor einigen Wochen erzählte mir eine Lehrerin aus Münster, wie das mit der subtilen Beeinflussung an ihrer Schule funktioniert. Der Unterricht fand damals (ja, das ist hier das richtige Wort) noch in den Klassenräumen statt. Wer aus dem Kollegium zur Risikogruppe gehörte, Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen, erledigte die Arbeit von zu Hause aus. Die Schulleitung lobte in E-Mails aber vor allem jene, die morgens anwesend waren. Diese Form des unterschwelligen Drucks funktioniert nicht nur in Schulen, sondern auch in Büros. Die Arbeit im Homeoffice mag erlaubt sein. Doch wenn sie nicht erwünscht ist, merken die Leute das schon.

Die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim sammelt seit zwei Wochen bei Twitter Geschichten von Menschen, die weiterhin täglich ins Büro kommen müssen, obwohl das eigentlich gar nicht nötig wäre. Über tausend Menschen haben geantwortet. In diesen Geschichten geht es um Seniorchefs, die Sektflaschen als Dankeschön an alle verschenken, die weiter jeden Tag da sind. Es geht um Firmen, die deutlich sagen: „Homeoffice kommt nur dann, wenn es Pflicht wird.“ Vor allem aber geht es um beharrliche Überzeugungen, gegen die mit Argumenten nicht viel zu machen ist. Eine davon lautet: Menschen arbeiten nur dann, wenn man ihnen dabei zusieht.

Das gibt es auch in Münster. Wir haben Menschen nach ihren Erlebnissen am Arbeitsplatz gefragt. Jemand, der in Münster täglich in einem Großraumbüro mit 25 Menschen sitzt, hat uns einen Erfahrungsbericht geschrieben. Außerdem wir haben mit einem Unternehmen gesprochen, das gerade Kinderbetreuung per Video ausprobiert – und seinem Personal die Möglichkeit gibt, ins Sabbat-Jahr zu gehen, die Stunden aber, anders als sonst üblich, erst hinterher abzuarbeiten.

Am späten Dienstagabend gingen dann auch noch in Berlin nach elf Stunden die Verhandlungen über die neuen Corona-Regeln zu Ende. Eines der Ergebnisse ist: Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 müssen Unternehmen ihrem Personal die Möglichkeit zum Homeoffice geben.

Hier die wichtigsten der übrigen Beschlüsse im Überblick:

  • Der Lockdown wird bis zum 14. Februar verlängert.
  • Schulen bleiben bis dahin geschlossen. Oder es gibt keine Präsenzpflicht.
  • Kitas bleiben ebenfalls bis zum 14. Februar geschlossen.
  • Bei Treffen zu Hause gilt: Es darf weiter eine Person dazukommen.
  • In öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften sind FFP2-Masken oder vergleichbare Modelle Pflicht.
  • Bei Gottesdiensten gelten strengere Regeln. Masken sind Pflicht. Veranstaltungen mit mehr als zehn Personen müssen zwei Tage vorher beim Ordnungsamt gemeldet werden. Außerdem gilt ein Mindestabstand. Singen ist verboten.

Das klingt alles nicht so gut. Gegen 22.20 Uhr sagte Angela Merkel dann aber doch etwas Hoffnungsvolles. Es sei nun zu erkennen, dass Weihnachten und Silvester uns nicht zurückgeworfen hätten. Wir seien auf einem guten Weg.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann


PS

Wenn morgen Joe Biden als neuer US-Präsident vereidigt wird, dann wird ein Absolvent der Uni Münster die Ansprache halten. Leo O’Donovan hat im Jahr 1971 in Münster bei Karl Rahner promoviert. Er lebte drei Jahre lang im Pfarrhaus von St. Antonius (Ecke Weseler Straße/Moltkestraße). Später wurde er Rektor der Georgetown-Universität in Washington und Mitglied des Aufsichtsrats von Walt Disney. Leo O’Donovan ist ein Vertrauter von Joe Biden. Als vor fünf Jahren Bidens Sohn Beau im Alter von 46 Jahren starb, hielt O’Donovan die Trauerfeier. Im Jahr darauf kam er noch einmal nach Münster. In einem Interview für die Uni-Zeitung “wissen|leben” sprach er damals über seinen Eindruck von Münster. In ihren Grundzügen habe die Stadt sich nicht verändert, sagte er. Das neue Landesmuseum nannte Leo O’Donovan „ein architektonisches Glanzstück“. Und er erzählte, damals habe man gesagt, Münster habe für jeden der 365 Tage im Jahr eine eigene Kneipe. „Unser nicht ganz ernst gemeinter Ehrgeiz bestand seinerzeit darin, all diese Kneipen kennenzulernen“, sagte er. Eines Abends hätten sie mit mehreren Studierenden so lange über Karl Rahner und Bernard Lonergan diskutiert, „bis wir am Ende nur noch von Lahner und Ronergan sprachen“. Wo das passiere, sagte er nicht. Aber er verriet eine seiner Lieblingskneipen. Sie liegt direkt am Rosenplatz, auch heute. An diesem Abend vor über 50 Jahren hätten sie wahrscheinlich gesagt: „Auf ein letztes Bier noch bei Minkus Püller.“

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