Parkplatzfreie Innenstadt | Koalitionspapier | RUMS 30 Tage lang kostenlos

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 26. Januar 2021

die Grünen haben am Freitag auf die schlechte Berichterstattung über ihre Pläne zur autofreien Innenstadt mit einem Flyer reagiert, der mit „Mythen und Halbwahrheiten“ aufräumen soll, der aber womöglich alles nur noch schlimmer macht. Bei Twitter kann man sich das Dokument ansehen. Es sind sieben Kacheln, und wenn man die Aussagen überfliegt, liest man: „Autofreie Innenstadt, Mythos, Halbwahrheiten, stimmt nicht, komplett daneben, schadet dem Einzelhandel, pure Ideologie, weil sie Autos hassen.“

Der Flyer wiederholt all das, was den Grünen vorgeworfen wird. So etwas sollte man in der Kommunikation nie tun, denn das Gehirn funktioniert leider nicht so, wie wir uns das wünschen würden. Wiederholungen verfestigen Informationen nur, so werden auch Unwahrheiten zu vermeintlichen Gewissheiten. Außerdem verlässt sich das Gehirn eher auf das, was es zuerst hört. Falsche Informationen lassen sich später nur sehr schwer wieder korrigieren.

Vor allem aber ist das Gehirn nicht so vernünftig, erst komplette Sätze zu lesen und danach über ihre Bedeutung zu entscheiden. Es nimmt den Sinn auch über einzelne Wörter auf, das Prägnanteste bleibt hängen. Diesen Mechanismus können Sie leicht an sich selbst testen. Denken Sie zum Beispiel einen Moment lang nicht an einen gelben Elefanten. Sehen Sie.

Die Grünen kommunizieren aus der Defensive. Der Flyer ist dafür ein Beispiel. Münster soll eine autofreie Innenstadt bekommen. Das soll nicht mehr nur dem Klima dienen, sondern vor allem der Lebensqualität. Doch wenn man Menschen in Münster fragen würde, was ihnen zur autofreien Innenstadt innerhalb von zwei Sekunden einfällt, würden viele wahrscheinlich sagen: keine Parkplätze mehr.

Im RUMS-Brief beschäftigen wir uns heute mit diesem Problem, wir machen einen Vorschlag, wie es besser gehen könnte, und wir werfen einen Blick in das vorläufige Koalitionspapier, das Grüne, SPD und Volt verhandelt haben. Möchten Sie mehr erfahren, dann testen Sie RUMS mit unserem Probe-Abo 30 Tage lang kostenlos.

Herzliche Grüße

Ralf Heimann


PS

Unsere Kolumnistin Marina Weisband hält morgen im Berliner Bundestag eine Rede zum 25. Holocaust-Gedenktag. Wie wichtig dieser Gedenktag ist, das machte sie selbst vor zwei Tagen in einem Interview mit dem Deutschlandfunk deutlich. Darin sagte sie, sie würde gern mehr „über jüdischen Humor, jüdische Küche oder die digitale Vernetzung weltweit zerstreuter Familien sprechen“. Es sei aber sehr schwer, sich zu organisieren. Als sie einmal den Termin und den Ort eines jüdischen Stammtisches in der Zeitung inserieren wollte, habe die Polizei ihr davon abgeraten. Das sei zu gefährlich. Aus dem Zug nach Berlin twitterte Marina Weisband heute: „Nichts versüßt mir den Tag mehr als Intellektuelle, die mich ermahnen, etwas weniger hysterisch darüber zu sein, wenn ich buchstäblich Morddrohungen bekomme. Anyway, ich geh meine Rede zum Holocaustgedenktag vorbereiten.“ Der WDR überträgt die Feierstunde ab 10 Uhr im Livestream.

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