Musik-Campus – Tag der offenen Fragen | RUMS 30 Tage lang kostenlos testen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 1. Februar 2022

am Wochenende habe ich in alten Zeitungen geblättert, zum Beispiel in der vom 31. Januar 1772, dem Tag gestern vor genau 250 Jahren. Die Zeitung hieß damals „Münsterisches Intelligenzblatt“, und sie war eher eine Art Newsletter aus gerichtlichen Bekanntmachungen, Stellenanzeigen und ein paar Weltnachrichten, die es auf wundersame Weise bis in die Provinz geschafft hatten.

Unter „Vermischte Nachrichten“ schrieb das Blatt, eine „wohlerfahrene Köchin“, die auch in der Lage sei, alle möglichen anderen Aufgaben im Haushalt zu erledigen („Waschen, Schlachten, Gärtnern“), suche eine Anstellung. Sie könne „sofort bei einer Herrschaft gegen billige Besoldung in Dienst treten“, heißt es in der Meldung. Und dann hatte jemand noch irgendwo in der Stadt etwas gefunden. Auch das reichte damals aus, um zu einer vermischten Nachricht zu werden. „Wenn jemand einen goldenen mit feinen Steinen besetzten Ring vermisst, der kann sich beym hiesigen Herrn Stadt-Richter melden“, schrieb die Zeitung. Und hinter den vermischten Neuigkeiten aus Warschau und Paris stand zum Schluss noch ein allerletzter Satz: „Morgen ist auf hiesigem Hofsaal musikalische Akademie.“

Tja, einen hiesigen Hofsaal müsste man haben, dann könnte man dort eine Akademie unterbringen. Und damit sind wir schon wieder in der Gegenwart, denn genau das ist der Plan von Oberbürgermeister Markus Lewe. Gestern Morgen schickte sein Büro eine 27 Seiten lange Liste mit Antworten auf 65 Fragen der Parteien zum Musik-Campus an die Fraktionen. Abends lud Lewe die Fraktionsspitzen und die politischen Fachleute zu einer kulturellen Tupperparty ein, auf der nur ein Produkt zur Auswahl stand: der Musik-Campus.

Markus Lewes Hoffnung war: Nächsten Mittwoch könnte der Rat dem Musik-Campus zustimmen. Das hat am Ende nicht geklappt. Im RUMS-Brief erklären wir, woran es gescheitert ist – und welche wichtigen Fragen auch Markus Lewes ausführlicher Antwort noch offen sind.

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Herzliche Grüße

Ralf Heimann


PS

Viele Menschen verstehen E-Scooter einfach falsch. Sie sind abends unterwegs, haben etwas zu viel getrunken, und dann denken sie: Ich gehe auf Nummer sicher, lasse das Auto stehen und nehme mir einen Roller. Diese Fahrten enden dann allerdings oft im Krankenhaus, auf der Polizeiwache oder für den Führerschein der jeweiligen Person im Norden Schleswig-Holsteins. Man kann den Menschen das Problem anscheinend nicht so erklären, dass sie es verstehen, deswegen greift der E-Scooter-Anbieter Bolt jetzt zum Äußersten. Wer sich donnerstags bis sonntags zwischen 22 und 5 Uhr über die App einen Roller freischalten möchte, erlebt eine böse Überraschung. Es erscheint ein Videospiel. Und dieses Spiel – das wäre meine Vermutung – hat auf viele eine so abschreckende Wirkung, dass sie das Handy gleich wieder genervt in die Tasche stecken und sich ein Taxi nehmen. Funktionieren soll es allerdings anders. Das Spiel misst die Reaktionszeit und schätzt dann ab, ob es den Roller freischalten kann. Für den Scooter-Anbieter ist das immer dann ärgerlich, wenn die App sich dagegen entscheidet, denn dann geht Umsatz verloren. Aber auch für dieses Problem gibt es eine Lösung. Man bräuchte ein gutes Spiel, ein richtig gutes – ein Spiel, in dem man angetrunken versinken kann, ohne dass man merkt, wie die Zeit vergeht. Das wäre sowohl im Sinne der Scooter-Anbieter als auch der Verkehrssicherheit. Man wäre irgendwann plötzlich wieder nüchtern. Es wäre seltsamerweise wieder hell, und man könnte nüchtern und unbesorgt mit dem Roller nach Hause fahren.

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