Medizinprofessorin Bettina Pfleiderer spricht über geschlechtergerechte Medizin | RUMS 3 Monate zum halben Preis

Porträt von Svenja Stühmeier
von Svenja Stühmeier

Münster, 13. Januar 2023

ich freue mich, dass wir uns kennenlernen! Ich bin nicht nur neu im RUMS-Team, sondern auch ganz neu in Münster. Sie kennen das vielleicht: Ein Jobwechsel ist aufregend, und der Umzug in eine andere Stadt noch viel mehr. Seitdem ich gelesen habe, dass Münster einen Unhöflichkeitswert von nur 5,6 hat, habe ich allerdings überhaupt keine Bedenken mehr, meinen Lebensmittelpunkt hierhin zu verlegen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Was soll das denn schon wieder sein? Nun ja, ein wenig ratlos hat mich die Studie auch zurückgelassen. Einerseits: Wer möchte Freund:innen und Familie nicht erzählen, in der sechsthöflichsten Stadt Deutschlands zu arbeiten? Andererseits: Wie um alles in der Welt kann sowas bewertet werden?

Die Unternehmensberatung Censuswide hat das im Auftrag der Sprachenlernplattform Preply so gemacht: Um herauszufinden, wo die Menschen besonders höflich sind, hat das britische Unternehmen bei gut 1.500 Personen in 20 deutschen Städten nachgefragt, in welchen Lebensbereichen sie ihre Mitmenschen als besonders unhöflich wahrnehmen. So weit klar, oder?

Also, los geht’s. Man nehme zwölf als laut Preply gesellschaftlich unhöflich angesehene Verhaltensweisen und die Bewertungsskala 1 (am höflichsten) bis 10 (am unhöflichsten). Ein konkretes Beispiel: Münsteraner:innen erhalten für die Verhaltensweise „In der Öffentlichkeit mit dem Handy beschäftigt sein“ eine 7,73. Das heißt, sie sind hier eher unhöflich unterwegs. Aufgrund meiner (bisher sehr eingeschränkten) Erfahrung mit Münster würde ich seinen Bewohner:innen wegen dieser Verhaltensweise statt Unhöflichkeit ja eher einen ausgeprägten Sinn für Multitasking oder einen Hang zur Waghalsigkeit zusprechen. Mir zumindest hätte der Blick aufs Handy auf der Promenade beinahe einen Unfall beschert.

Münster liegt in einer Kategorie übrigens auf Platz 1. Mit einem Wert von 4,55 sind die Einwohner:innen deutsche Spitzenreiter:innen in Sachen „Sich in Warteschlangen vordrängeln“. Ach nein, andersherum. Na, Sie wissen schon. Wer hier an der Supermarktkasse feststellt, dass die Zahnpasta fehlt, kann sie also getrost holen gehen, ohne dass sie oder er sich wieder hinten anstellen muss. Aber ist das wirklich ein Ausdruck von Höflichkeit? Ist das nicht vielleicht auch eine „Das war schon immer so“-Mentalität, die sich hier sogar aufs kleinste Detail auswirkt?

Wie dem auch sei, ich mache hier einen Punkt. Sonst werde ich noch zu dem Grund, aus dem Sie bei der nächsten Befragung zu den knapp 25 Prozent gehören, die der Meinung sind, Zugezogene seien unhöflicher als Einheimische. Münster hat es übrigens als einwohnerschwächste der 20 untersuchten Städte gerade noch ins Ranking geschafft. Darüber freuen wir uns – und auch über die 22 Münsteraner:innen, die an der Befragung teilgenommen haben und auf deren Angaben die Ergebnisse beruhen. Wir haben übrigens auch eine Umfrage gemacht: Mit einem Ergebnis von 8,679 auf der Skala 1 (Dissertation) bis 10 (Quatsch) halten Münsteraner:innen diese Studie eher nicht für aussagekräftig. Teilnehmende: 4. (sst)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Das Südbad hat Richtfest gefeiert und soll im November fertig sein. (Münstersche Volkszeitung)

+++ Die Stadt hat einem privaten Betreiber von Photovoltaikanlagen auf Schulen gekündigt, um auf den Dächern ab 2024 eigene Anlagen aufzustellen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Wohn- und Stadtbau saniert an der Leuschnerstraße mehrere Gebäude für 3,4 Millionen Euro, damit die Wohnungen dort 40 Prozent weniger Energie verbrauchen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadt Münster wertet den Wienburgpark ökologisch auf, indem sie die Seen saniert. (Antenne Münster)

+++ Jedes dritte Unternehmen in Münster ist laut einer Studie schon Opfer von Cyberkriminalität geworden. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadt Münster hat ein Konzept erarbeitet, das Kindern, die dauerhaft die Schule schwänzen, den Weg zurück ermöglichen und verhindern soll, dass es überhaupt so weit kommt. (Stadt Münster)

+++ Die Diözesanleitung der katholischen jungen Gemeinde fordert in einem offenen Brief an die Landesregierung: Lützerath muss bleiben! (katholische junge Gemeinde)

+++ Die Bundespolizei hat das Handy eines Mannes einkassiert, der immer wieder grundlos den Notruf gewählt hatte. (Bundespolizei NRW)

+++ Das Sportangebot in Münster ist das viertgrößte unter den 20 größten deutschen Städten. (Ottonova)

+++ Das Jobcenter und seine Hotline bleiben bis Ende April mittwochs geschlossen, damit mehr Zeit bleibt, die Aktenstapel abzuarbeiten. (Stadt Münster)

+++ Das Stadtmuseum bleibt wegen einer betriebsinternen Fortbildung am 17. Januar geschlossen. (Stadt Münster)

+++ Dem Allwetterzoo ist es nach eigenen Angaben weltweit zum ersten Mal gelungen, den seltenen Argala-Marabu zu züchten, von dem es nur noch etwa 1.200 erwachsene Exemplare gibt, 13 davon in Zoos. (Allwetterzoo Münster)

+++ Der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Münster fordert ein bundesweit gültiges 129-Euro-Semesterticket – unter anderem, weil das geplante 49-Euro-Ticket nur befristet geplant ist, jederzeit teurer werden kann und Studierende mit wenig Geld sich die Kosten nicht erstatten lassen können. (Asta Münster)

+++ Münsters Planeterium braucht eine neue Leitung, weil Björn Voss, der bisherige Leiter, nach Hamburg wechselt. (Hamburg.de)

+++ Münsters Linke kritisiert, in Lützerath würden Konzerninteressen durchgesetzt, obwohl diese mit den klimapolitischen Zielen nicht vereinbar seien. (Die Linke Münster)

+++ Münsters Grüne laden dazu ein, sich morgen um 7.15 Uhr am Hauptbahnhof zu treffen, um gemeinsam zur Großdemonstration nach Lützerath zu fahren. (Grüne)

+++ Die münstersche Lokalgruppe von Fridays for Future organisiert morgen auch ab 7.15 Uhr eine Fahrt vom Hauptbahnhof nach Lützerath, um gegen die Klimapolitik der schwarz-grünen Landesregierung und für den Erhalt des Dorfs zu demonstrieren. (Fridays for Future auf Instagram)

Unbezahlte Werbung

Carmelo Caputo ist bekannt geworden mit der Villa Medici; mittlerweile kümmert er sich ausschließlich um sein Herzensprojekt in der Innenstadt: das Caputo’s. Hier gibt es Snacks für zwischendurch, Kaffee und Kuchen sowie Pizza und durchdachte italienische Hauptgerichte – mit Fisch, Fleisch, vegetarisch oder vegan. Ein besonderer Genuss ist die hausgemachte, leicht pikante Tomaten-Vinaigrette zum Salat. Die zentrale Lage am Picassoplatz lädt dazu ein, beim nächsten Stadtbummel hier eine Pause einzulegen. Jetzt in den Wintermonaten lieber im gemütlichen Innenraum, im Sommer können Sie dann auch die Außenterrasse genießen.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heute hat Eva Strehlke ein paar schöne Kulturtipps für Sie zusammengestellt:

+++ Heute ist wieder Langer Freitag im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Das heißt: freier Eintritt ab 18 Uhr, verlängerte Öffnungszeiten bis Mitternacht und viele kostenlose Rundgänge und Veranstaltungen. Dieses Mal dreht sich alles um Hildegard von Bingen und ihre Kritik an Barbarossa. Es gibt mittelalterliche Musik, die Möglichkeit, selbst zu sticken und Farben herzustellen, Verpflegung nach mittelalterlichen Rezepten und einen Vortrag der Historikerin Amalie Fößel zum Thema Gender im Mittelalter.

+++ Wer sagt, dass Aperol nur im Sommer schmeckt? Das A2 am Aasee beweist das Gegenteil mit winterlichen „Aperolnights“ mit Blick auf den See. Los geht’s jeden Tag ab 17 Uhr. Aperol Spritz gibt es für 5 Euro, alle Flammkuchen für 7,50 Euro. Reservieren können Sie telefonisch unter 0251/2846840.

+++ „Das Vermächtnis“ ist ein Stück über das Leben schwuler Männer in New York, das am Theater Münster in zwei Teilen aufgeführt wird. Den Trailer finden Sie hier, einen Beitrag von WDR 3 hier, Termine und Karten im Spielplan. Diesen Samstag gibt es noch einen dritten Teil: eine Mischung aus Performance und Party, eine Feier des Lebens und alternativer Lebensentwürfe. Los geht es um 21 Uhr im Theatertreff, Karten bekommen Sie online für 8 Euro (ermäßigt 5 Euro).

+++ Rosa ist für Mädchen, blau für Jungs, oder? Das neue interaktive Stück des Theater Glux hinterfragt Rollenklischees mit allen ab acht Jahren. Karten für die Vorstellung am Sonntag im Theater an der Meerwiese gibt es hier.

Was steht sonst noch im RUMS-Brief?

Der Name ihrer Arbeitsgruppe „Cognition & Gender“ ist für manche eine Kampfansage – sagt die Medizin-Professorin Bettina Pfleiderer. Und das findet sie auch gar nicht so schlimm. Seit etwa 20 Jahren beschäftigt sich die Medizinerin mit geschlechtersensibler Medizin, sie unterrichtet etwa das Wahlpflichtfach an der Uni Münster und gibt Fortbildungen für Kolleg:innen. Und das alles neben ihrem eigentlichen Job in der Radiologie. Die 61-Jährige ist unter anderem promovierte Chemikerin. Sie ist für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden. Mit RUMS hat sie über das neue Netzwerk gesprochen, mit dem sich Medizinfakultäten aus Nordrhein-Westfalen nun gegenseitig in der Lehre unterstützen wollen.

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Herzliche Grüße
Svenja Stühmeier

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Jan Große-Nobis (jgn), Ralf Heimann (rhe), Eva Strehlke (est), Antonia Strotmann (ast)

Lektorat: Melanie Kelter

PS

Ein RUMS-Leser hat uns den Hinweis zu diesem Tweet gegeben: Eine Nutzerin beschwert sich über eine Anzeigetafel am Landschaftsverband am Freiherr-vom-Stein-Platz, die Autofahrende bald auf die Sperrung der Bergstraße hinweisen soll. Das Problem: Sie steht mitten auf dem Radweg, sodass Radfahrende rechts auf den Fußweg ausweichen müssen. Die Antwort der Stadt: Das Ordnungsamt kümmere sich. Die Lösung: Die Tafel bleibt, wo sie ist, denn sonst würde sie die Beschilderung verdecken. Zwischen ihr und der Laterne gibt’s jetzt eine Absperrschranke, dafür wurde das Umleitungsschild daneben entfernt. Und Radfahrende müssen rechts auf den Fußweg ausweichen. (sst)

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