Ein Spielplatz für alle | Unbezahlte Werbung: Tierillustrationen aus Münster | RUMS 6 Monate für 1 Euro lesen

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von Anna Niere

Guten Tag,

mitten in Hiltrup liegt der Spielplatz an der alten Kirche, Münsters erster inklusiver Spielplatz. Der Spielplatz an der Alten Kirche ist ein Ort, an dem Kinder mit Behinderung nicht ausgeschlossen sind, weil Stufen oder Rampen fehlen und weil es Schaukeln gibt, auf denen auch sie schaukeln können.

Irgendwann sollen alle Spielplätze so aussehen. Das Land Nordrhein-Westfalen verpflichtet Städte und Gemeinden dazu, Spielplätze so zu bauen, dass auch Menschen mit Behinderungen sie nutzen können. Das fordern auch die Vereinten Nationen. Münster will nun den nächsten Schritt in diese Richtung machen.

Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, noch mehr solcher Spielplätze zu bauen. In der Politik gibt es den Wunsch schon länger. In den vergangenen vier Jahren kamen aus den Bezirksvertretungen mehrere Anträge mit dem Wunsch, Spielplätze so umzubauen, dass sie inklusiv sind. Zuletzt haben Grüne, SPD und Volt in einem Antrag gefordert, die Spielplätze nicht nur für alle zugänglich zu machen, sondern sie auch vor Hitze zu schützen. Das war vor einem Jahr.

Getan hat sich trotzdem lange kaum etwas. Warum? Laut Stadtverwaltung fehlt im Grünflächenamt Personal, um das Thema konsequent anzugehen, schrieben die Westfälischen Nachrichten im vergangenen August.

Dabei zeigen Zahlen, wie dringend es ist: Laut einer Studie von „Aktion Mensch“ und dem Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport von 2023 ist etwas mehr als jeder vierte Spielplatz in Nordrhein-Westfalen (28 Prozent) inklusiv, in ganz Deutschland ist es nur ungefähr jeder fünfte (21 Prozent).

Und hier geht es nicht um Spielplätze, auf denen es gar keine Hindernisse gibt, sondern lediglich um solche, die mindestens ein inklusives Spielgerät haben. Und: Weniger als 0,2 Prozent der Spielplätze in Deutschland, also einer von 500, haben ein Leitsystem für sehbehinderte Kinder. Oft fehlen sogar Kleinigkeiten wie mehrere Haltegriffe in verschiedenen Höhen.

Norm statt Bauchgefühl

Die Verwaltung will gegen den Mangel jetzt systematisch vorgehen – mit Hilfe einer neuen Norm mit dem komplizierten Namen DIN/TS 18034-2.

Hinter dieser Chiffre verbirgt sich ein Bewertungssystem für inklusive Spielplätze – eine Art Checkliste, mit der sich prüfen lässt: Ist dieser Spielplatz für möglichst viele Kinder zugänglich, spannend und nutzbar?

Die Stadt hat das System in einem Workshop getestet – am Beispiel des zukünftigen Spielplatzes an der Burgstraße im Südviertel. Früher war hier die Josefschule.

Ziel ist, nicht mehr einfach nur ein Spielgerät für Kinder mit Rollstuhl aufzustellen und das als „inklusiv“ zu deklarieren. Vielmehr sollen Spielplätze so gestaltet werden, dass möglichst viele Sinne angesprochen werden – hören, tasten, balancieren, rollen, klettern, beobachten. Nicht jeder kann alles, aber: Für jede:n soll etwas dabei sein.

Machen Sie mit!

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Im September ist Kommunalwahl. Was sind Ihre Themen und Ihre Fragen? Wir sammeln sie und sprechen darüber mit den Politiker:innen.

Das Projekt „Deine Stimme, deine Themen“ ist eine Kooperation zwischen RUMS und dem Netzwerk CORRECTIV.Lokal, das Recherchen und Dialog im Lokaljournalismus fördert.

Inklusive Spielplätze bedeuten für die Stadtverwaltung mehr Aufwand und mehr Kosten.

Statt einfachem Sand will die Stadt in Zukunft Böden verwenden, die besser für alle Kinder geeignet sind – zum Beispiel weiche Gummibeläge oder kleine Holzstücke, die Stürze abfedern.

Die Spielgeräte sollen abwechslungsreicher sein – mit leichten und schweren Möglichkeiten, spannenden Eindrücken für die Sinne und Wegen, die alle Kinder nutzen können. Mehr also als die üblichen Standardgeräte.

Außerdem braucht es tastbare Wege für Kinder mit Sehbehinderung, Haltegriffe in verschiedenen Höhen und ruhige, schattige Ecken – am besten unter Bäumen oder festen Überdachungen statt unter Sonnensegeln, die schnell kaputtgehen.

Die Stadt rechnet damit, dass solche Spielplätze rund die Hälfte mehr kosten als herkömmliche. Auch die Pflege wird teurer. Ob dasGeld dafür reicht, ist noch unklar. Wenn nicht, könnten einige wenig genutzte Spielplätze geschlossen werden – so steht es im Beschluss. Welche das wären, würde man später entscheiden.

In fünf Wochen, am 2. Juli, entscheidet der Rat über das neue Konzept. Es ist also noch Zeit. Daher kurz ein Blick nach Hamburg. Dort gibt es direkt in der Innenstadt einen komplett inklusiven Spielplatz, auf dem jedes Gerät den Ansprüchen genügt. Es gibt unter anderem einen rutschfesten Boden, klare Farbgebung oder Sitzstützen für Kinder, die sich nicht alleine halten können. Mehr dazu lesen Sie hier. (ani)

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Korrekturen

+++ Im RUMS-Brief am Freitag schrieben wir irrtümlich, die Internationale Fraktion habe die Erhöhung der Parkgebühren verhindern wollen. Das stimmte nicht. Tatsächlich wollte sie den Aufsichtsrat zur Erhöhung verpflichten. Das haben wir korrigiert. Und wir haben am Ende zur Verdeutlichung einen Satz angefügt.

+++ In der Ein-Satz-Zentrale am Freitag schrieben wir, die Stadt plane, den Düesbergweg zur Fahrradstraße auszubauen und werde die Anwohner:innen mit bis zu 90 Prozent der Kosten beteiligen. Richtig ist: Es geht nur um einen Abschnitt der Straße und die Anlieger:innen. Wir haben das korrigiert.

Ein-Satz-Zentrale

+++ Wegen mehrerer Demonstrationen werden am Samstag alle Buslinien im Innenstadtbereich umgeleitet. (Stadtwerke Münster)

+++ Der NRW-Ruderverband hat sich bei den Opfern von Machtmissbrauch im Ruderverein Münster entschuldigt und ein neues Präventionskonzept eingeführt. (WDR)

+++ Die Caritas Münster warnt vor wachsender Unsicherheit für syrische Geflüchtete. (Caritas Münster)

+++ Die Thomas-Morus-Schule in Rumphorst hat jetzt eine modernere Mensa und eine neue Sporthalle. (Stadt Münster)

+++ Bei einer AfD-Versammlung in einem Restaurant im Osten Münsters am Samstag gab es eine spontane Gegendemo. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadt schließt im Juni die Umrüstung von 28 städtischen Sportanlagen auf energieeffizientes LED-Flutlicht ab. (Stadt Münster)

+++ Die Westfalen-Tankstelle an der Steinfurter Straße wurde als „Tankstelle des Jahres“ in der Kategorie Innovation ausgezeichnet. (Westfalen AG)

+++ Die Rathaus-CDU fordert nach einer Konferenz zur Kindergesundheit, dass der Kita-Besuch in Münster verpflichtend wird. (CDU Münster)

+++ Bei der Kommunalwahl im Herbst tritt zum ersten Mal die Partei der Humanisten in Münster an. (Partei der Humanisten Nordrhein-Westfalen)

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Unbezahlte Werbung

Die Münsteraner Künstlerin Lena Baldus hat sich auf Tierillustrationen spezialisiert. Seit einigen Wochen verkauft sie ihre Designartikel nicht nur online und auf Märkten, sondern auch im frisch eröffneten Ladenlokal. Dort gibt es schöne Dinge für alle Gelegenheiten: Postkarten, Socken, Tassen, T-Shirts, Poster, Untersetzer und vieles mehr. Zum Stöbern vorbeikommen können Sie von mittwochs bis samstags. Unter der Woche hat Lenas Laden an der Wolbecker Straße 18 jeweils von 12 bis 18:30 Uhr geöffnet, am Samstag von 11 bis 18 Uhr.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Katja Angenent hat heute für Sie in den Kalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:

+++ Was ist eigentlich Kunst? Um diese Frage streiten sich drei langjährige Freunde in der Komödie von Yasmina Reza, die heute um 19:30 Uhr im Kulturbahnhof Hiltrup zu sehen ist. Wenn Ihnen das zu kurzfristig sein sollte, haben Sie morgen noch die Gelegenheit, das Stück zu sehen.

+++ Wenn Sie Lust haben, am Feiertag in entspannter Atmosphäre durch gebrauchte Kleidung zu stöbern, kommen Sie doch am Donnerstag ins Bennohaus. Der Indoor-Flohmarkt „Klamottenkult“ läuft von 10 bis 16 Uhr und der Eintritt ist frei.

+++ In der Musikhochschule erwartet Sie am Donnerstag um 15 Uhr mehr als ein schöner Frühlingsnachmittag: Gleich acht Jahreszeiten präsentiert das Kammerensemble Münster, wenn Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf die vom Tango geprägten „Cuatro Estaciones Porteñas“ von Astor Piazzolla treffen. Der Eintritt ist frei.

+++ Und noch ein Musiktipp für den Feiertag: In ihrem Heimatland füllt die niederländische Musikerin Eefje de Visser ganze Stadien. Für ihren melancholischen Nederpop mit warmen Synthesizern hat die 39-Jährige bereits viele Preise entgegengenommen. Am Donnerstag steht sie im Café des Skater’s Palace auf der Bühne. Das Konzert beginnt um 20 Uhr und kostet 27,15 Euro. Für einen musikalischen Vorgeschmack empfehlen wir die Singles „Vlammen“ und „Maak het stil“ sowie ihren Auftritt auf dem Reeperbahnfestival 2020.

+++ Im Pumpenhaus zeigt das Rimini-Protokoll mit Futur4 eine Lebensgeschichte auf besondere Art und Weise, nämlich mit Hilfe eines eigens dafür entwickelten Chatbots. Dabei werden die großen Fragen des Lebens angesprochen: Was macht die individuelle Erinnerung aus? Was bleibt, wenn jemand stirbt? Zu sehen ist das Stück am Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr. Karten kosten 30 Euro.

Und sonst?

Über 200 Menschen haben im Cinema eine Dokumentation über organisierte rituelle Gewalt gesehen. Der Film soll etwas belegen, für das es keine Belege gibt – und scheitert. Sebastian Fobbe hat sich den Film angeschaut.

Möchten Sie mehr erfahren? Dann testen Sie RUMS 6 Monate lang für 1 Euro.

Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Anna Niere

Mitarbeit: Sebastian Fobbe (sfo), Ralf Heimann (rhe), Jan Große Nobis (jgn), Katja Angenent (kat) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Susanne Bauer

PS

Was in der Medienlandschaft um uns herum alles so los ist, beobachten wir von RUMS auch immer wieder. Heute schauen wir nach Osnabrück, von dort kommen beunruhigende Nachrichten, die auch für Münster relevant sind: Seit einiger Zeit steht die Neue Osnabrücker Zeitung in der Kritik, sich aus der konservativen immer weiter in die rechte Ecke zu bewegen. Die Kritik an der NOZ richtet sich konkret gegen Kommentare aus der Chefredaktion und Kooperationen, die rechte Narrative normalisieren, verschwörungsoffene Medien unterstützt und demokratische Proteste delegitimiert. Für diese Kolumne zum Beispiel hat Chefredakteur Burkhard Ewert eine Rüge vom Presserat bekommen. Im März berichtete die taz über die Trendwende bei der NOZ, jetzt gibt es auch einen Podcast des WDR über die Zeitung. Für Münster nicht ganz uninteressant, denn die NOZ beliefert die Zeitungsgruppe Münsterland, zu der die Westfälischen Nachrichten gehören. Kurzer Transparenzhinweis: Ich habe mein Volontariat bei der Neuen Osnabrücker Zeitung gemacht. (ani)

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