Für wen ist die Wehrpflicht? | Unbezahlte Werbung: Weihnachtliche Rezepte aus Münster | RUMS 6 Monate für 1 Euro lesen!

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Mit Anna Niere

Guten Tag,

heute Morgen hat der Bundestag in Berlin die Wehrpflicht beschlossen. Wenn der Bundesrat am 19. Dezember zustimmt, dann gilt sie ab Januar. Während Erwachsene heute diese Entscheidung trafen, gingen in ganz Deutschland zehntausende Kinder und Jugendliche auf die Straßen, um gegen die Wehrpflicht zu demonstrieren. Auch in Münster.

Vor einigen Jahren waren es noch Anhänger:innen von Fridays For Future, die regelmäßig freitags auf die Straßen gingen und für eine bessere Zukunft demonstrierten. Eine bessere Zukunft bedeutete in diesem Kontext: Die Politik solle doch endlich ihre Klimaziele umsetzen und sich an das Pariser Abkommen halten. Irgendwann ebbten die Proteste ab. Genauso wie die Diskussionen, ob es legitim sei, dass Schüler:innen ihre Schulpflicht verletzen, um demonstrieren zu gehen.

Heute sah das alles wieder sehr ähnlich aus. 320 Schüler:innen demonstrierten heute nach Angaben der Polizei in der Innenstadt. Wieder ging es, aus Sicht der Minderjährigen, um eine bessere Zukunft. Nur diesmal eben etwas weniger global gedacht, sondern um ihre persönliche Zukunft.

Unter den Demonstrant:innen waren auch einige Erwachsene, auch ein paar Lehrer:innen. Wieder gab es Diskussionen um den Konflikt von Schulpflicht und Demonstrationsrecht.

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Worüber kaum gesprochen wurde: Sollte man stärker auf die Jugend und ihre Wünsche hören? Schließlich geht es in dieser Debatte um ihre Zukunft. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn es geht auch um die Sicherheit aller. Wer soll sich darum kümmern? Eine Wehrpflicht für über 60-Jährige wäre offensichtlich keine Lösung. Genau hier beginnt die eigentliche gesellschaftliche Auseinandersetzung: Wie verteilt man Verantwortung fair, ohne eine Generation zu überfordern?

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ wollten 63 Prozent der 18- bis 29-Jährigen im Oktober keine Wehrpflicht. Getitelt wurde allerdings mit „Wehrpflicht, ja bitte“ – denn: die Hälfte aller Befragten befürwortete die Wehrpflicht. Wie kommt das? Bei den Über-29-Jährigen überwog die Zustimmung. Naja, sie betrifft es ja auch nicht.

Was sie allerdings schon betrifft, ist die Sicherheit dieses Landes. Das Sicherheitsgefühl hat seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs enorm gelitten. Das zeigt der jährlich erscheinende Sicherheitsreport. Und wie schafft man ein höheres Sicherheitsgefühl? Durch Aufrüstung, zumindest sehen das viele Menschen so, die noch mit der Wehrpflicht aufgewachsen sind oder sie selbst absolvierten.

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Dabei steckt hinter der heute beschlossenen Wehrpflicht gar nicht mehr das, was sie bis 2011 war. Grob gesagt wurde heute beschlossen: Alle 18-Jährigen erhalten künftig einen Fragebogen zu Motivation und Eignung.

Männer sind zur Beantwortung verpflichtet, für Frauen ist es freiwillig. Eine verpflichtende Musterung gilt für alle Männer ab Geburtsjahr 2008. Der Dienst selbst soll zunächst freiwillig bleiben. Ziel ist ein massiver Ausbau der Bundeswehr auf 255.000 bis 270.000 Soldat:innen bis 2035. Gerade sind es 184.000. Reichen die Freiwilligen nicht aus, kann per Bundestagsbeschluss eine Bedarfswehrpflicht mit Zwangseinberufung eingeführt werden. Aber das ist nur das Worst-Case-Szenario.

Bis 2011 war das alles weniger freiwillig. War man fertig mit der Schule, hatte man drei Optionen: Einen Sozialdienst ablegen, 9 bis 18 Monate zur Bundeswehr gehen oder sich aus medizinischen, familiären und religiösen Gründen freistellen lassen. Die meisten Abgeordneten, die also heute Morgen für die, wie es scheint, abgemilderte Variante der Wehrpflicht gestimmt haben, sind noch mit diesem Modell aufgewachsen.

Und sie beobachten, dass die Bundeswehr personell schwächer ausgestattet ist, als sie es bis 2011 war. Rund 60.000 Soldat:innen fehlen der Bundeswehr laut Verteidigungsminister Boris Pistorius. Ob die Zahl durch die neue Wehrpflicht aufgestockt werden kann, das kann nur gemutmaßt werden.

Generation Wehrdienst

Fragt man die Demonstrant:innen auf der Straße, wäre die Antwort vermutlich Nein. Fakt ist aber: Im vergangenen Jahr hat die Bundeswehr bereits einen Anstieg an neuen Bewerbungen verzeichnet, darunter vor allem auch mehr 17-Jährige als noch in den Jahren zuvor. Das Interesse der jungen Generation an einem Wehrdienst scheint also irgendwo doch da zu sein.

Gehen wir einmal das Best-Case-Szenario durch: Es melden sich 2026 genügend junge Menschen freiwillig für den Wehrdienst und die Bundeswehr erreicht ihr Personalziel von 203.000 Soldat:innen. Dann müsste das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wieder steigen. Das Wehrpflichtgesetz hat seinen Nutzen erfüllt und alle sind glücklich, oder?

Ganz so einfach wird es wohl nicht sein, denn der Frust der jungen Demonstrant:innen ist dadurch nicht getilgt. „Unsere Zukunftsperspektive hängt von unserer sozialen Herkunft ab und von Chancengleichheit ist keine Spur“, kommentiert ein Sprecher der „Zukunftsmacher Münster“ auf der Kundgebung vor der Gesamtschule Mitte.

Er spricht auch den gestrichenen Kulturpass an und die noch immer nicht umgesetzten Klimaziele. Kurz gesagt: Die Demonstrant:innen fühlen sich von der Politik alleingelassen und empfinden die Wiedereinführung der Wehrpflicht als zusätzliche Belastung ohne erkennbare Gegenleistung. So komme ich wieder zu meiner anfänglichen These und dem eigentlichen Grund des Protestes: Vielleicht sollte die Politik mehr mit jungen Menschen in den Austausch kommen. (ani)

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Ein-Satz-Zentrale

+++ Im Kiepenkerlviertel gibt es einen neuen Felldecken-Händler und ab Frühjahr ein vietnamesisches Café. (Westfälische Nachrichten)

+++ Im York-Quartier in Gremmendorf sollen in den denkmalgeschützten Backsteinhäusern bis Ende 2028 etwa 150 barrierefreie Apartments entstehen. (Stadt Münster)

+++ Die Grünen wollen am Dienstag eine Vereinigung gründen, die die Interessen von Eltern und Kindern vertritt. (Grüne Münster)

+++ In Mauritz-Ost könnte es nächsten Donnerstag sein, dass 950 Menschen aus ihren Wohnungen müssen, weil zwei mögliche Blindgänger freigelegt und dann vielleicht entschärft werden müssen. (Stadt Münster)

+++ Eine neue Studie von Tourismusverbänden zeigt, dass – wenig überraschend – das Fahrrad für den Tourismus sehr wichtig ist und – überraschend – die Gäste im Vergleich zur letzten Untersuchung im Schnitt neun Jahre älter sind.(Pressemitteilung)

+++ Der frühere Dompropst Kurt Schulte ist kirchlich vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen, darf aber wegen unangemessener Nachrichten, um die es ging, fünf Jahre lang keine Leitungsaufgaben annehmen. (Bistum Münster)

+++ Natalia Vaas ist neue Vorsitzende des neuen Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration. (Stadt Münster)

+++ Münsters SPD wählt bei ihrem Parteitag morgen einen neuen Vorsitzenden, aller Wahrscheinlichkeit nach den einzigen Kandidaten Christoph Strässer. (SPD Münster, per E-Mail)

+++ Die CDU hätte gern die Loop-Taxis zurück, um die Mobilität in den Stadtteilen zu verbessern und weist auf ein neues Förderprogramm der schwarz-grünen Landesregierung hin. (CDU Münster)

+++ Anfang der Woche haben in Albachten gleich mehrere Menschen innerhalb weniger Minuten zwei Mal ein Tier gesehen, das ihrem Eindruck nach aussah wie ein Wolf. (Westfälische Nachrichten)

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Gehören Sie auch zu denjenigen, die gar nicht genug von Münsters Weihnachtscharme bekommen können? Dann blättern Sie doch mal in das Kochbuch „Münsters Weihnachtsküche. Mit Genuss durch die schönste Zeit“. Seit 20 Jahren mit ihrer Design-Agentur in Münster ansässig, haben Lisa Nieschlag und Lars Wentrup darin adventliche Münster-Rezepte gesammelt. Beispiele dafür: Stutenkerle, Pumpernickel-Schoko-Sterne und Westfalen-Schinken in Brotteig. Außerdem auf den 72 Seiten zu finden: tolle Winterfotos aus Münster.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Svenja Stühmeier wieder für Sie in den Kalender geschaut und ein paar Empfehlungen zusammengestellt:

+++ Wir sind schon ganz gespannt auf „The fat unsexy Käthchen from Heilbronn“. Auf der Bühne im Pumpenhaus performt Schauspielerin Regine Andratschke das von ihr selbst geschriebene Stück. Sie thematisiert darin all die absurden Ansprüche an den Körper, ungesunde Schönheitsnormen und deren zentrale Rolle in der Theaterwelt. Wenn jemand davon erzählen kann, dann sie – Regine Andratschke arbeitet schon seit Jahrzehnten als Schauspielerin, einige Jahre davon als festes Mitglied des Ensembles am Theater Münster. Was sie mit ihrem Stück vor allem erreichen möchte: Empowerment. Premiere ist heute Abend um 20 Uhr. Für Samstag und Sonntag gibt es auch noch Tickets.

+++ Sonntag treffen sich um 16:30 Uhr viele Leute auf dem Domplatz, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. David Rauterberg leitet an, die Liedtexte werden über zwei Leinwände sichtbar sein.

+++ Sonntagvormittag zeigt das Schlosstheater zum ersten Mal in diesem Jahr den Münster-Weihnachtsfilm „Alle Jahre wieder“. Hannes fährt zu Weihnachten zu Frau und Kindern nach Münster. Ebenfalls dabei: Hannes’ Freundin Inge – von der natürlich bisher niemand weiß. Der Filmclub Münster nennt den Film „ein scharfsinniges Milieuporträt des bürgerlich-katholischen Münster in den 1960er Jahren“. Alle Termine und Tickets finden Sie hier.

+++ Erst Eisbaden, dann saunieren: Am Sonntag sind die Eisbademeisters von 13 bis 16:30 Uhr am Kanalufer am Bennohaus. Bei dem Event werden außerdem Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

+++ Heute Abend spielt der SC Preußen ab 18:30 Uhr im LVM-Preußenstadion gegen Hannover 96. Preußen-Trainer Alexander Ende erwartet nach dem Derby-Sieg gegen Arminia Bielefeld in der vergangenen Woche „eine gute Grundtendenz“. Mit dem Anpfiff müsse man neue Energie erzeugen. Hannover 96 ist eines der spielstärksten Teams der zweiten Liga und liegt auf Platz vier der Tabelle. Das Spiel können Sie im TV bei Sky Sports im Stream bei WOW oder ohne Abo für 4,99 Euro in der Onefootball-App. Auch Kneipen wie beispielsweise die Haifischbar zeigen das Spiel.

+++ Und zu guter Letzt schon einmal ein Tipp für das kommende Wochenende: Münsters Rockband schlechthin sind die „Donots“ (die streng genommen aus Ibbenbüren kommen, naja). Aber kennen Sie „Shoreline“? Die ehemalige Studi-Band tourt mittlerweile durch halb Europa und erinnert vom Sound her an „Jimmy Eat World“ oder „Rise Against“. Nächste Woche feiern die Jungs von „Shoreline“ ihr zehnjähriges Jubiläum in der Sputnikhalle am Hawerkamp. Das Konzert beginnt am Samstagabend um 19 Uhr und kostet 26 Euro Eintritt im Vorverkauf. Reinhören können Sie hier. Und wenn Sie am 13. Dezember keine Zeit haben, können Sie „Shoreline“ in einem halben Jahr noch mal in Münster sehen. Dann auf dem Vainstream-Festival.

Und sonst?

Die alljährliche „Feuerzangenbowle“ im Uni-Kino wirkt wie harmlose Nostalgie. Im Kultur-Brief schaut Christoph Tiemann hinter die Kulissen des Kult-Klassikers und erzählt von abgeschriebenen Figuren, NS-Zensur, Dreharbeiten neben Zwangsarbeiterlagern und einem Regime, das den Film trotz allem durchwinkte. Am Ende bleibt die unbequeme Frage: Können wir heute noch unbeschwert lachen, wenn ein „wenziger Schlock“ Faschismus immer mitschwimmt?

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Am Dienstag schreibt Ihnen Raphael Balke. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße
Anna Niere

Mitarbeit: Ralf Heimann (rhe), Raphael Balke (rba), Svenja Stühmeier (sst), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Falls Sie sich schon einmal gefragt haben, was RUMS-Redakteur:innen in ihrer Freizeit so machen: Seit nunmehr fünf Jahren schreibe ich ehrenamtlich für das Musikmagazin „untoldency“,ein Herzensprojekt von mir. Gegründet wurde es als kleines Studi-Projekt zu Corona-Zeiten, in denen Kultur so gut wie still lag. Mittlerweile ist etwas Größeres daraus geworden. Für mich ist es nicht nur ein Ventil, meine ungefragte Meinung über nischige Indie-Musik in die Welt zu blasen, sondern auch meine, wie ich finde, nötige Aufgabe, der Kultur ihren Raum zu geben. Das haben wir (ein Team von rund 15 Leuten) noch einen Schritt weitergedacht und am Montag unser erstes eigenes Print-Magazin veröffentlicht. Bisher gab es unsere Artikel, Interviews und Videos lediglich auf der Webseite oder auf Instagram. Wenn ich Sie nun ein kleines bisschen mitreißen konnte, dann würde ich mich freuen, wenn Sie sich ein Exemplar bestellen. Das können Sie hier tun. Wir machen damit keinen Gewinn, die Einnahmen helfen uns einfach, unser System am Laufen zu halten. Ich habe dem Magazin ein Interview mit einer meiner Lieblingskünstlerinnen Brockhoff, eine Reportage über eine sehr intime Album-Vorab-Hör-Session mit dem Künstler orbit und meine liebsten Newcomer:innen-Tipps beigesteuert. Aber auch meine Kolleg:innen haben tolle Dinge geschrieben, zum Beispiel einen Bericht vom Oasis-Konzert in London. (ani)

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