Böllerei in der Stadt: Siegt die pure Vernunft? | Jetzt RUMS 3 Monate lang zum halben Preis testen

Porträt von Ralf Heimann
von Ralf Heimann

Münster, 3. Januar 2023

ein frohes Neues und herzlich willkommen im ersten RUMS-Brief des Jahres 2023. Fangen wir an mit einem kleinen Gedankenspiel. Mal angenommen, man wollte den Menschen zum Jahresbeginn etwas maximal Unsinniges und Unvernünftiges schenken, gewissermaßen ein Fest der Freiheit, dann könnte man zum Beispiel sagen: Gegen Mitternacht werfen die Leute in einer Art Ritual brennende Papierrollen auf die Straße und halten sich dazu symbolisch die Ohren zu.

Das wäre allerdings etwas langweilig und öde. Deswegen könnte man das Ritual noch weiter verschärfen, um den Wert der Freiheit auch wirklich hervorzuheben. Man könnte Schwarzpulver in die Papierrollen stopfen und eine Lunte drankleben. Dann wären die meisten Frauen schon mal raus aus der Sache und mit ihnen auch ein großer Teil der verbliebenen Vernunft. Aber was ist mit dem Rest der Unvernunft?

Man will ja nun auch nicht riskieren, dass die Menschen auf die Idee kommen, nach der Böllerei einen Besen aus der Garage zu holen, um das zerfetzte Papier zusammenzufegen und womöglich noch in den Mülleimer zu werfen. Also, was könnte man tun? Natürlich, die Universallösung in solchen Fällen ist Alkohol. Und schon wird die Silvesternacht zu einem völlig unkalkulierbaren Spektakel mit abgetrennten Fingern, ganz viel männlichem Lärm und freiheitlichen Verwüstungen.

Dann bräuchte man nur noch einen Namen für das Ganze, der nicht auf den ersten Blick preisgibt, worum es hier eigentlich geht. Wie wäre es zum Beispiel mit Brauchtum? Das klingt wunderbar nach Tradition, und es ist ein solides Argument für den Fortbestand von allem Möglichen, das seinen eigentlichen Sinn verloren hat. Die bösen Geister von heute lassen sich von Böllern jedenfalls offenkundig nicht mehr vertreiben.

Mit dem Argument Brauchtum wäre man nach der Pandemie gut aus der Nummer rausgekommen. Zwei stille Jahre ohne stadtweite Böllerei sind ja irgendwie auch eine Tradition, die gepflegt werden möchte. Es gäbe aber auch noch einen anderen Weg.

Der Kriminologe Thomas Feltes hat dem Evangelischen Pressedienst Anfang der Woche gesagt, er würde ein Verbot für angemessen halten. Illegale Böller würden zwar nicht verschwinden, aber die Polizei hätte etwas gegen die Böllerei in der Hand – vor allem: etwas, das nicht nach wenigen Sekunden explodiert. Bliebe die Frage: Was machen dann die Menschen an Silvester, die bislang auf den Unfallstationen Finger und Hände wieder annähen?

Sie könnten sich im Krankenhaus ans Fenster stellen und das zentrale Feuerwerk beobachten, das Thomas Feltes als Alternative vorschlägt. So könnte auch Münsters Feuerwehr-Chef Gottfried Wingler-Scholz sich Silvester vorstellen, mit einem zentralen Feuerwerk für alle, sozusagen das Modell Send.

Wingler-Scholz wägt ab. Auf der einen Seite stehen die Umweltbelastung durch die Böllerei, der ganze Feinstaub, auch die Gefahr, dass es irgendwo brennt, wird größer. Das sind die Argumente gegen das Böllern, die Wingler-Scholz nennt.

Und es gibt weitere: in diesem Jahr etwa die Gewalt auf den Straße in vielen Städten. Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei wurden angegriffen. Dann die Überlastung der Krankenhäuser, weil Menschen sich aus Leichtsinn selbst verletzen. Auch für Tiere ist die Silvesternacht ein Horror. Die Münsteranerin Heike Garlepow hat eine Petition gestartet, mit der sie erreichen möchte, dass es im nächsten Jahr zu Silvester in Münster ruhiger wird. Eine andere Petition mit dem gleichen Ziel, unterschrieben bislang von 251 Menschen, nennt auch die Müllentsorgungskosten als Argument. In diesem Jahr waren es laut Stadt 3,6 Tonnen, die auf den Straßen liegen blieben.

Auf der anderen Seite steht im Grunde nur ein Argument, doch das wiegt bislang schwerer als 3,6 Tonnen Papier. Es ist einfach der Spaß – die Freiheit, etwas zu machen, das unsinnig und unvernünftig ist, ganz im Sinne der Band Tocotronic, die singt: „Pure Vernunft darf niemals siegen“. Leicht verdünnte aber vielleicht schon. Der Deutsche Städtetag schlägt größere Böllerverbotszonen in den Städten vor. Oder wie Münsters Rathausbündnis es sagen würde: die weitgehend böllerfreie Innenstadt. (rhe)


Das finden Sie heute im vollständigen RUMS-Brief:

Ein-Satz-Zentrale

+++ Das Jahr 2022 war 2,2 Grad heißer als in den 30 Jahren zuvor. (Westfälische Nachrichten)

+++ Bis Anfang Februar können Sie der Stadtverwaltung mitteilen, was Sie vom neuen Wohngebiet in Wolbeck halten. (Stadt Münster)

+++ Die Gastronomie in Münster führt ein Glas-Mehrwegsystem ein. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Stadt Münster hat mit anderen kreisfreien Städten Verfassungsbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof von Nordrhein-Westfalen gegen das neue Gemeindefinanzierungsgesetz eingelegt. (Westfälische Nachrichten)

+++ Nachdem in den sozialen Medien ein Video aufgetaucht war, in dem eine Ratte in einer Backstube am Sentmaringer Weg zu sehen ist, hat die Bäckerei Schrunz offenbar eine Lösung für das Problem gefunden. (Reddit, Bäckerei Schrunz)

+++ Die Polizei ermittelt, nachdem an dem Geldautomaten in der Post am Domplatz Kameras entdeckt wurden. (Polizei Münster)

+++ Ein 15-jähriger Jugendlicher aus der Nähe von Osnabrück soll für den Drohanruf gegen die Mathilde-Anneke-Schule Anfang Dezember 2022 verantwortlich sein. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Uni Münster will noch in diesem Jahr darüber entscheiden, ob sie ihren Namen behalten will. (Uni Münster)

+++ Die Amateurbühne Münster-Ost sucht eine neue Bleibe für Proben, Auftritte, Kostümfundus und Kulissen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die digitale Plattform „Kultur-Klima“ soll Kulturschaffende in der Energiekrise unterstützen und der schnellen Vermittlung der Förderprogramme dienen. (Landschaftsverband Westfalen-Lippe)


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Sushi ohne Fisch, ist das nicht langweilig? Ganz und gar nicht, das beweist Makimaki Sushi Green an der Hammer Straße 63. Das Restaurant bietet originelle Sushi-Kreationen aus rein pflanzlichen Zutaten. In den Reisrollen landen nicht nur Klassiker wie Avocado und Gurke, sondern auch Seitan oder Lotuswurzel. Auf seiner Website verspricht das Restaurant selbst: Hier kommt Sushi aus einer bisher unentdeckten Geschmacksdimension.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne einfach über den Link.

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Herzliche Grüße
Ralf Heimann

PS

Wir haben eine neue Kollegin. Sie heißt Svenja Stühmeier, ist 26 Jahre alt, und bis vor wenigen Wochen hat sie für die Aachener Zeitung gearbeitet. Dort hat sie volontiert, sie hat viel für das Stadtmagazin Klenkes geschrieben. Vor ihrer Zeit in Aachen war sie beim Mindener Tageblatt, und jetzt ist sie bei uns. Herzlich willkommen, Svenja. Wir freuen uns sehr. 

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