Zeichen für den Frieden | Die Omikronwelle in den Schulen | RUMS-Hochschulprojekte

Porträt von Constanze Busch
von Constanze Busch

Münster, 25. Februar 2022

ehrlich gesagt, fällt es mir heute schwer, diesen Brief an Sie anzufangen. Ich habe mich seit Anfang der Woche mit einem anderen Thema für diesen Newsletter beschäftigt, es recherchiert und dazu telefoniert. Die Ergebnisse stelle ich Ihnen weiter unten vor. Denn es geht um ein Thema, das gerade den Alltag vieler Menschen in der Stadt prägt.

Aber wahrscheinlich geht es Ihnen auch so: Der Krieg in der Ukraine überschattet heute alles, ich komme in Gedanken ständig darauf zurück. Es fühlt sich so unwirklich an, dass im Donbass, in Kyjiw und Lwiw Schüsse fallen, Panzer fahren und Menschen sterben. Der Krieg wirkt, als sei er weit weg, aber das ist nicht so: Zwischen Münster und Kyjiw liegen rund 1.700 Kilometer. Fast genauso weit entfernt ist Neapel, Spaniens Hauptstadt Madrid liegt sogar noch weiter weg. Es macht traurig, hilflos und wütend.

Einige Menschen in Münster bangen um ihre Familien und Freund:innen in der Ukraine. Da ist zum Beispiel Olga S. Die 84-jährige Ukrainerin war zufällig in Münster, als der Krieg in ihrer Heimat ausbrach. Denn eigentlich wollte sie hier nur ihre Tochter besuchen, wie sie den Westfälischen Nachrichten erzählt hat. Und dann sind da auch Maxim und Maria. Der Ukrainer und die Russin haben dem WDR in der Lokalzeit von ihren Sorgen und Ängsten berichtet. Maxim versucht, den Kontakt zu seiner Familie aufrecht zu halten, um sie hat er pure Angst. Maria hingegen meidet ihre Familie in Russland zurzeit. Ihre Verwandten schauen anders auf den Krieg in die Ukraine, den Maria ablehnt.

Auch unsere Kolumnistin Marina Weisband teilt ihre Sorgen öffentlich. Die gebürtige Ukrainerin schreibt auf Twitter: „Meine Familie ist in Kiew. Mit Kindern. Ich kann im Moment nichts tun, als für die Sicherheit der Menschen zu beten…“

Zu einem Friedensgebet haben sich gestern Abend auch Christ:innen aus Münster getroffen, die katholische und die evangelische Kirche hatten zu dem ökumenischen Abend in die Überwasserkirche eingeladen. Gleichzeitig fanden auch in der Stadt erste Kundgebungen statt. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen (VVN-BdA) organisierte vor dem Rathaus eine spontane Friedensmahnwache. Heute demonstrierten am späten Nachmittag viele Bürger:innen und auch Vertreter:innen von CDU, Grünen, SPD und FDP vor dem Rathaus. Morgen soll ab 11 Uhr an selber Stelle eine weitere Friedenskundgebung stattfinden, die die Deutsche Friedensgesellschaft Münster, die Friedenskooperative und Pax Christi veranstalten.

Am Mittwoch hatten viele Menschen noch gehofft, der Krieg könnte sich im letzten Moment noch abwenden lassen. Oberbürgermeister Markus Lewe und seine Amtskollegin Katharina Pötter (CDU) aus Osnabrück entzündeten im Friedenssaal des Rathauses eine Kerze als Symbol dieser Hoffnung.

Inzwischen haben Bund, Länder und auch die Städte begonnen, Hilfe für die Menschen vorzubereiten, die der Krieg direkt trifft. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk haben sich schon 100.000 Ukrainer:innen auf den Weg gemacht, um in anderen Regionen ihres Heimatlandes Schutz zu suchen. Wie viele Menschen versuchen werden, in andere Länder zu fliehen, weiß noch niemand. Aber laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser laufen längst Vorbereitungen, um die Nachbarländer der Ukraine bei der Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten zu unterstützen. Und auch deutsche Städte stellen sich darauf ein, Flüchtende aufzunehmen, so sagte es Markus Lewe in seiner Funktion als Städtetagspräsident. Die münsterschen Grünen und Volt haben dieses Signal in Pressemitteilungen begrüßt und bekräftigt, dass auch Münster helfen müsse.

Wann und wie das passieren könnte, ist noch völlig ungewiss. Aber wir werden Ihnen hier sicher noch einmal davon schreiben.

Wie es den Schüler:innen in Münster geht

Für heute beschließen wir den Ausblick und schauen wieder nach Münster. Ich hatte es oben schon angekündigt: Ich habe mich in dieser Woche mit einem Thema beschäftigt, das viele Menschen betrifft, auf vielschichtige Weise auch ihre Gesundheit. Wir schauen darauf, wie die Omikronwelle den Alltag der Kinder und Jugendlichen beeinflusst und wie es ihnen damit geht.

Schon zweimal musste Lorenzo in Quarantäne, weil er Kontakt zu infizierten Mitschüler:innen und Lehrkräften hatte. Während der Quarantäne konnte er nur bedingt am Unterricht teilnehmen. Seine Freund:innen schalteten ihn per Videoanruf ins Klassenzimmer, einige seiner Lehrer:innen stellten ihm Lernmaterial zur Verfügung. Dabei war aber die vielzitierte Eigenverantwortung gefragt: Organisieren musste Lorenzo einen großen Teil selbst.

Vor dieser Herausforderung standen zuletzt insgesamt 1.457 Schüler:innen in Münster. Sie konnten laut NRW-Schulministerium nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, weil sie selbst an Covid-19 erkrankt oder als Kontaktpersonen in Quarantäne waren. Wie die Schüler:innen, ihre Eltern und die Verantwortlichen in der Politik damit umgehen, lesen Sie mit unserem kostenlosen 30-Tage-Probeabo heute im RUMS-Brief für unsere Abonnent:innen.

Herzliche Grüße

Sebastian Fobbe

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