Galeria Salzstraße auf der Wackelliste | Porträt: Der Münsteraner Verleger mit zwei Nobelpreisträgern

Portrait Raphael Balke neu
von Raphael Balke

Guten Tag,

„Tausendfach – alles unter einem Dach“ so warb Kaufhof Anfang der 1960er-Jahre für die eigenen Warenhäuser. Das ist über 60 Jahre her. Es folgten drei Insolvenzen in den vergangenen vier Jahren, eine Fusion mit Karstadt und ein Namenswechsel. Heute heißt Kaufhof nur noch Galeria. Im Juni stellte die Investmentgesellschaft Gordon Brothers aus den USA einen Kredit von 160 Millionen Euro bereit, geknüpft an einen Sanierungsplan. Jetzt stellt sich das Unternehmen offenbar die Frage, ob diese Dächer, unter denen es früher alles tausendfach gab, nicht etwas zu teuer und etwas zu groß sind.

Bei 33 von 83 Galeria-Filialen will das Unternehmen überprüfen, ob sie rentabel genug sind. Eine davon ist das Kaufhaus an der Salzstraße in Münster. Laut dpa will Galeria mit allen Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen verhandeln. Gibt es keine Lösung, könnte das für die Filiale das Ende bedeuten.

Wie weit die Verhandlungen sind, ist nicht klar. Die Versicherung LVM, die das Gebäude an das Kaufhaus vermietet, sagt auf Anfrage, die Angaben zu einzelnen Mietverhältnissen seien vertraulich. Daher könne sie keine Angaben machen. Zu möglichen zukünftigen Entwicklungen äußere man sich nicht.

Und was sagt Galeria selbst? Der ehemalige Geschäftsführer der Filiale an der Salzstraße, Leonhard Held, hatte den Westfälischen Nachrichten im Mai mitgeteilt, man müsse sich um die Filialen in Münster keine Gedanken machen. Wörtlich sagte er: „Beide sind gesund und ertragsstark.“

Offenbar soll es bei der Filiale an der Salzstraße trotzdem Veränderungen geben. Den Westfälischen Nachrichten sagte Galeria, vor allem die Verkaufsfläche an der Salzstraße müsse kleiner werden. Wie genau das aussehen soll, ließ das Unternehmen offen. Eine RUMS-Anfrage an Galeria blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Geht es nach dem Geschäftsführer des Städtetags, Christian Schuchardt, finden die Verhandlungen nicht nur zwischen Galeria und Vermietern statt. Er fordert laut der Funke-Mediengruppe, die Kommunen bei Gesprächen um die Zukunft der bedrohten Filialen einzubinden. Das habe sich in der Vergangenheit bewährt, um passende Lösungen für die Filialen und Mitarbeitende zu finden.

Großes Interesse, dass beide Häuser bleiben

Oberbürgermeister Tilman Fuchs sagte dazu auf Anfrage, die Stadt suche das Gespräch mit dem Galeria-Management. Falls die Stadt die Verhandlungen mit der LVM-Versicherung unterstützen könne, werde sie auch dort das Gespräch suchen. „Ich habe ein großes Interesse, dass die beiden Standorte erhalten bleiben“, sagt Fuchs. Galeria trage wesentlich zur Attraktivität der Innenstadt bei.

Und was, wenn die Verhandlungen scheitern und Filialen schließen? Dann fordert Christian Schuchardt zügige und schlüssige Konzepte für eine Folgenutzung. Wie solche Lösungen aussehen könnten, darüber hat Sebastian Fobbe schon Anfang 2023 im RUMS-Brief geschrieben. Damals lief das zweite von inzwischen drei Insolvenzverfahren, Galeria hatte noch 131 Filialen.

Stefan Müller-Schleipen, Geschäftsführer der Initiative „Die Stadtretter“, schlug mehrere Brückenlösungen vor: etwa ein Haus des Handwerks, in dem Betriebe zeigen, wie sie arbeiten, oder eine Fahrradstation mit Repaircafé. Vieles davon klingt heute erstaunlich aktuell – oder eben nach einem Déjà-vu. (rba)

Kurz und Klein

+++ Der Dauerstreit der Stadt Münster mit dem Bund der Steuerzahler geht in die nächste Runde – und die Stadt Münster in die Offensive. Die Abfallwirtschaftsbetriebe Münster kritisieren via Pressemitteilung den Abfallgebührenvergleich des Steuerzahlerbundes, der Münster mit 730,80 Euro jährlich als teuerste Kommune des Landes ausweist. Die Modellrechnung gehe von deutlich größeren Tonnen aus, als Vier-Personen-Haushalte in Münster üblicherweise nutzten, schreibt die Stadt. Die typische Kombination aus 60 Litern Restabfall und 35 Litern Bioabfall koste laut Stadt einschließlich Grundgebühr nur 294,36 Euro im Jahr, also deutlich weniger als im Vergleich angegeben. Damit liege Münster unter den durchschnittlich 320,64 Euro, die der Steuerzahlerbund für Kommunen mit 14-täglicher Restmüllleerung ausweist. Der Bund der Steuerzahler hält dagegen, er müsse für einen landesweiten Vergleich überall denselben Musterhaushalt zugrunde legen. Außerdem hält er die wöchentliche Leerung der Biotonne für unnötig teuer – oder wie wir vor Ort sagen: für einen Münster-Standard. (rhe)

+++ Digitale Nachbarschaftsgruppen über Whatsapp oder Plattformen wie nebenan.de sind zwar sehr nützlich, wenn es um Informationsaustausch und Organisation im Alltag geht, stärken aber nicht automatisch das Vertrauen in den sozialen Zusammenhalt. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Uni Bielefeld und der Fachhochschule Münster, an der mehr als 1.700 Menschen in vier Dörfern und vier Stadtteilen Münsters teilgenommen haben. Entscheidend bleiben laut der Studie persönliche Begegnungen und direkte Kontakte. Digitale Kommunikation verstärkt demnach vor allem bestehende Beziehungen. Die Forscherinnen und Forscher, unter anderem Katrin Rosenberger und Sebastian Kurtenbach aus Münster, raten Kommunen daher, digitale Angebote nur als Ergänzung zu sehen, nicht als Ersatz für analoge Treffen. (rhe)

+++ Bei Bauarbeiten am Annette-Gymnasium haben die städtischen Archäologen Gebäudespuren aus dem 16. und 19. Jahrhundert und noch ältere Siedlungsreste aus dem 13. und 14. Jahrhundert gefunden, meldet die Stadt. Sie stießen unter anderem an der Stelle, an der vorher die Turnhalle stand, auf Fundamente, Pflasterungen, Abfallgruben, eine Erdkloake, einen Brunnen, Tierknochen und Austernschalen (die Stadt hat sich offenbar kaum verändert). Ein Teil des Baufelds gehörte früher zum Garten des Adelshofes der Fürstin von Gallitzin, wo laut einer Tafel an der Grünen Gasse im Jahr 1792 bei seinem Besuch in Münster Goethe zu Gast war – und in dem vier Jahre zuvor der Philosoph und Kant-Widersacher Johann Georg Hamann (der vom Hamann-Platz in Coerde) vorübergehend bestattet worden war, nachdem er bei einem Besuch überraschend gestorben war (ein Zusammenhang zu den Austern ist nicht bekannt). Das nur am Rande. Und wegen der Ausgrabungen: Die dauern noch bis September. Dann soll dort für knapp 30 Millionen Euro ein neuer Schulbau mit Sporthalle entstehen. (rhe)

+++ Der Niederländer Stefan Wijkamp, der Adolf Hitler ähnlich sieht, ist vor dem Amtsgericht wegen Volksverhetzung angeklagt. Zum heutigen Prozesstag ist er laut WDR nicht erschienen. Das Gericht habe einen Strafbefehl gegen ihn verhängt. Für Wijkamp bedeutet das acht Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 3.000 Euro, schreibt der WDR. Er könne innerhalb von zwei Wochen Widerspruch einlegen. In einem Interview auf YouTube hatte Wijkamp Hitler als Genie bezeichnet und gesagt, dass er ganz anders über KZs denke. Er nannte sich selbst einen holländischen Nazi. Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ begleitete den Prozesstag vor dem Amtsgericht mit einer Mahnwache. (rba)

Einladung
Grafik, auf der ein Porträt von Ruprecht Polenz zu sehen ist und auf dem folgender Text steht: RUMS-Veranstaltung: Wie ein Volk den Verstand verliert - und was wir dagegen tun können

Am Montag, 14. September 2026, ist Ruprecht Polenz unser Gast und liest aus seinem neuen Buch „Wie ein Volk den Verstand verliert – und was wir dagegen tun können“. Darin beschreibt er unter anderem, wie Rechtspopulisten und Rechtsextreme das Vertrauen in Wissenschaft, Journalismus und demokratische Institutionen angreifen.

Was geschieht, wenn immer weniger Menschen zwischen überprüfbaren Tatsachen, Meinungen und gezielter Desinformation unterscheiden können und wie demokratische Gesellschaften bei Verstand bleiben können, darüber spricht RUMS-Redaktionsleiter Ralf Heimann an diesem Abend mit unserem Gast.

Exklusiver Ticketpreis für RUMS-Abonnenten: 14 Euro (statt 19 Euro). Den Link zum vergünstigten Ticket finden Sie hier. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Beitrag von Elena Lynch am 23.07.2026

„Aha, so sieht also ein Verleger aus“

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Vor 40 Jahren gründete Josef Kleinheinrich in Münster einen kleinen Verlag. Gleich zwei seiner Autoren gewannen den Literaturnobelpreis. Ein Zufall?

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Korrekturen

+++ In unserem Veranstaltungsnewsletter am Mittwoch waren leider zwei Fehler. Wir hatten zum einen geschrieben, das Acroyoga-Angebot von „Sport im Park“ finde im Wienburgpark statt. Das war knapp daneben. Die Kurse des Slackline- und Akrobatikvereins Münster sind im Südpark: mittwochs von 16 bis 17 Uhr und donnerstags von 17 bis 18 Uhr. Die Rooftop-Sessions auf dem Dach der Balthazar-Bar hinter dem Bahnhof – das war der andere Fehler – finden noch bis Ende August immer mittwochs bis samstags statt, jeweils ab 18 Uhr. Wir haben beides korrigiert. (rhe)

Fundbüro

Das Bild zeigt einen Strand in der Nähe von Carcans, über dem Himmel machen sich schwarze Rauchwolken breit, weil die Region von schweren Waldbränden getroffen ist.

RUMS-Leserin Ewa Bäumer verbringt ihren Urlaub in Carcans, im Südwesten Frankreichs – dort gibt es aktuell schwere Waldbrände. Laut Tagesschau mussten bereits knapp 20.000 Touristen und Bewohner in der Region evakuiert werden. Bäumer schreibt, dass sie noch nicht vom Campingplatz evakuiert wurde, weil unklar sei, wie sich das Feuer ausbreite. Die Stimmung sei bedrückt. In einer Nachricht an die Redaktion schreibt sie über das schwere Leid der Menschen in der Region. Die Waldbrände breiten sich laut Tagesschau rasant aus. Von uns die besten Wünsche nach Frankreich. Wir hoffen, das Feuer ist bald unter Kontrolle, und es bleiben dann noch ein paar Tage für etwas Erholung und Urlaub.

Falls Sie sich gerade auch an einem anderen Fleckchen Erde befinden, senden Sie uns doch ein Foto im Querformat an redaktion@rums.ms zu.

Klima-Update

+++ Das kommunale Wohnungsunternehmen Wohn + Stadtbau hat die Autos der Hausmeister durch Elektrowagen ausgetauscht. Im Oktober wurden die ersten fünf, jetzt erneut vier Wagen ausgetauscht. Schrittweise sollen alle Wagen des Unternehmens elektrifiziert werden. (rba)

+++ In der kommenden Woche wird es wieder heiß in Münster. Laut dem WDR steigen die Temperaturen um den kommenden Donnerstag herum in Nordrhein-Westfalen auf bis zu 35 Grad. Und: Die Hitzewelle könnte länger bleiben. Auch nachts sei es möglich, dass die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken. (rba)

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Personalabteilung

+++ Die Schriftstellerin Sabrina Janesch aus Münster gehört nach Einschätzung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu den wichtigsten Autorinnen des Bücherherbstes. Literaturredakteur Andreas Platthaus empfiehlt ihren neuen Roman „Territorium“, der am 4. September erscheint, als eines der bedeutendsten Bücher der kommenden Saison.

+++ Philippe Grieshaber leitet die Sektion Kinderherzchirurgie des Universitätsklinikums und ist in den Vorstand der AG Chirurgie angeborener Herzfehler und Kinderherzchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) gewählt worden. Die AG setzt sich dafür ein, dass Kinder und Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern gut behandelt und versorgt werden können.

+++ Adeli Rüskamp, 20-jährige Münsteranerin mit Trisomie 21, macht zwei Jahre lang ein Praktikum in der Altenhilfe im Kardinal-von-Galen-Stift der Caritas.

+++ Münsters Grüne haben mehrere langjährige Mitglieder geehrt. Stellvertretend ausgezeichnet wurden Martin Berg (25 Jahre Mitgliedschaft), Monika Sedlacek (35 Jahre), Michael Rainer (40 Jahre), Volker Hiersemann (45 Jahre) und Wilhelm Achelpöhler (45 Jahre).

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Grafik, auf der die RUMS-Redaktionzusammen mit Geschäftsführer Götz Grommek zu sehen ist und folgender Text steht: Werden Sie Teil von RUMS. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir wachsen, unser journalistisches Angebot ausbauen und RUMS weiterentwickeln – zu einem Medium für ganz Münster.

Unser Ziel: 150.000 Euro für investigative Recherchen, Veranstaltungen und Diskussionsformate, Medienkompetenzseminare für Schülerinnen und Schüler, einen Veranstaltungskalender für Münster und neue journalistische Formate.

Wenn Sie sich beteiligen, investieren Sie in mehr als nur in ein Medienunternehmen – Sie investieren in eine demokratische Öffentlichkeit und in eine starke Stimme für Ihre Stadt. Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie uns gerne.

Ein-Satz-Zentrale

+++ Weil die Wirtschaftsförderung die Ratsgruppe von ÖDP und „Die Partei“ nicht zur Jury-Sitzung eingeladen hatte, wird der städtische Wirtschaftspreis trotz Votum für einen großen Logistikkonzern aus Münster – wer könnte das sein? – in diesem Jahr nicht vergeben, sondern erst wieder im nächsten. (Westfälische Nachrichten und CDU Ratsfraktion)

+++ Die CDU möchte, dass die Stadt eine öffentliche Infoveranstaltung zum geplanten Umbau des Gievenbecker Ziegenkreisels zur Ampelkreuzung anbietet. (CDU Münster)

+++ Die SPD will Schulhöfe wie den der Kreuzschule auch nach Unterrichtsschluss möglichst offen halten. (SPD Münster)

+++ Die Polizei sucht nach einer dementen 76-jährigen Frau aus Amelsbüren und bittet um Hinweise. (Polizei Münster)

+++ Seit Mittwoch verbringen 50 vom Krieg besonders betroffene Kinder und Jugendliche aus Münsters ukrainischer Partnerstadt Winnyzja eine Erholungswoche hier. (Stadt Münster)

+++ Münster gehört laut einem Linkedin-Ranking zu den zehn deutschen Städten und Regionen, in denen besonders viele neue Jobs entstehen und mehr Fachkräfte zuziehen als abwandern. (LinkedIn und Alles Münster)

+++ Ein Forschungsteam der Uni Münster hat herausgefunden, dass sich an versteinertem Holz ablesen lässt, wie sich Mitteleuropa in den vergangenen 300 Millionen Jahren geologisch verändert hat. (Uni Münster)

+++ Im Zoo sind sieben Geparde zur Welt gekommen. (Zoo Münster)

+++ Im Wolbecker Achatiushaus hat ein mobiles Tattoo-Studio jungen pflegebedürftigen Menschen Tattoo-Wünsche erfüllt, auch um darum aufmerksam zu machen, wie wichtig altersgerechte Angebote für diese Menschen sind. (WDR)

+++ Münsters Sportvereine haben im vergangenen Jahr mehr als 9.000 neue Mitglieder gewonnen. (Stadtsportbund Münster)

Am Dienstag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße

Raphael Balke

Mitarbeit: Ralf Heimann (rhe), Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Bei der ARD-Sendung „Gefragt – Gejagt“ gab’s am Mittwoch ein Duell zwischen der aktuellen und ehemaligen Münsteraner Quizszene (hier, ab Minute 28:15). Ivo Schweikhart, alias DJ Eavo, trat mit seinen Mitstreitenden gegen Adriane Rickel alias „Die Generalistin“ an. Schweikhart legt nicht nur regelmäßig in Münster auf, sondern organisiert auch Pubquizes unter anderem in der Roten Lola und im Hotel Galactica. Auch Rickel war während ihres Studiums Ende der 90er-Jahre Teil der Pubquiz-Szene in Münster. Schlussendlich gewann Schweikhart mit seinem Team 12.500 Euro. An einer Stelle hatte er dann sogar einen Heimvorteil: Als Moderator Alexander Bommes fragt: „Der Aasee ist der wichtigste…“ unterbricht Schweikhart sofort: „Münster.“ (rba)

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