Homeoffice-Horror | Lockdown bis 14. Februar | Flaschengeist

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Guten Tag,

vor einigen Wochen erzählte mir eine Lehrerin aus Münster, wie das mit der subtilen Beeinflussung an ihrer Schule funktioniert. Der Unterricht fand damals (ja, das ist hier das richtige Wort) noch in den Klassenräumen statt. Wer aus dem Kollegium zur Risikogruppe gehörte, Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen, erledigte die Arbeit von zu Hause aus. Die Schulleitung lobte in E-Mails aber vor allem jene, die morgens anwesend waren. Diese Form des unterschwelligen Drucks funktioniert nicht nur in Schulen, sondern auch in Büros. Die Arbeit im Homeoffice mag erlaubt sein. Doch wenn sie nicht erwünscht ist, merken die Leute das schon.

Die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim sammelt seit zwei Wochen bei Twitter Geschichten von Menschen, die weiterhin täglich ins Büro kommen müssen, obwohl das eigentlich gar nicht nötig wäre. Über tausend Menschen haben geantwortet. In diesen Geschichten geht es um Seniorchefs, die Sektflaschen als Dankeschön an alle verschenken, die weiter jeden Tag da sind. Es geht um Firmen, die deutlich sagen: „Homeoffice kommt nur dann, wenn es Pflicht wird.“ Vor allem aber geht es um beharrliche Überzeugungen, gegen die mit Argumenten nicht viel zu machen ist. Eine davon lautet: Menschen arbeiten nur dann, wenn man ihnen dabei zusieht.

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