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Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Münster, 18. Mai 2021

als Mathias Kersting im Januar nach nur vier Monaten als Ratsfraktionschef der SPD zurücktrat, erklärte er, warum er auch ohne das Amt in der Politik bleiben wolle. Er sei auf dem Weg gewesen, alles aufzugeben, schrieb er. Doch es habe viele positive Rückmeldungen und Bitten gegeben, er möge das Mandat doch behalten. Daher werde er das nun machen. „Ich glaube, ich stehe da gegenüber den Menschen in Gremmendorf in der Pflicht“, schrieb er. Das ist knapp vier Monate her.

Am Montagmorgen um 11 Uhr ist Mathias Kersting aus der SPD ausgetreten. Das steht im ersten Satz eines Schreibens, das er an den Oberbürgermeister, die SPD, die CDU sowie die jeweiligen Fraktionen geschickt hat. Im zweiten Satz beantragt Kersting die Mitgliedschaft in der CDU. Im dritten steht, sein Mandat werde er behalten. Das bedeutet: Das Ratsbündnis aus Grünen, SPD und Volt verliert die Stimme, die es zur Mehrheit gemacht hatte. Allein kann das Bündnis damit keine Entscheidungen mehr treffen. Und wenn man am Montagnachmittag Menschen fragt, ob Kersting mit diesem Schritt seiner Verpflichtung entspricht, fallen die Antworten aus der SPD sehr eindeutig aus.

Ein langjähriges Mitglied der Partei schreibt: „Ich bin wirklich fassungslos. Wie kann man sich über die Liste einer Partei wählen lassen und dann die Fraktion wechseln? Wenn er seinen Wahlbezirk gewonnen hätte, wär das was anderes. Hat er aber nicht. Mandat zurückgeben und jemanden nachrücken lassen, wäre demokratisch okay. Aber so? Unfuckingfassbar. #Verachtung.“

So ähnlich klingt es bei vielen. Es fällt oft das Wort „Enttäuschung“, der Schritt sei „irritierend“ oder „nicht nachvollziehbar“, und ungefähr so sagt es am Abend auch SPD-Fraktionschef Marius Herwig in einer Pause der Fraktionssitzung am Telefon. „Ich bin sehr enttäuscht von diesem Schritt. Und ich erwarte, dass Mathias Kersting sein Ratsmandat abgibt, damit wir es neu besetzen können.“

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