Das Ende des Lewe-Meters | Wir müssen reden – ein Rückblick | MS Günther

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Münster, 6. Juli 2021

wer außerhalb des Promenadenrings mit dem Auto auf dem Gehweg parkte, musste dem Fußverkehr bislang nur einen Meter Platz lassen, um vom Ordnungsamt in Ruhe gelassen zu werden. Weil der Parkraum in der Stadt knapp ist, schaute die Stadt an diesen Stellen weg. Der Knöllchen-Verhinderungs-Abstand bekam den Namen „Lewe-Meter“. Aber das Wort wird wohl bald vergessen sein, denn diesen Meter gibt es nicht mehr.

Vor einem knappen Jahr hat der Rat die Stadtverwaltung dazu aufgefordert, diese Ausnahme abzuschaffen. Das ist mittlerweile passiert. Das Ordnungsamt hat seinem Personal ein neues Heftchen mit Vorschriften an die Hand gegeben, eine sogenannte Dienstanweisung. In diesem Dokument steht, unter welchen Umständen eine Verwarnung ausreicht, und wann eine Strafe fällig wird. Das Bündnis Verkehrswende Münster, eine Gruppe aus sechs Verkehrs- und Umweltverbänden, hat die alte und neue Version des Papiers nun verglichen und kommt zu dem Ergebnis, die Änderungen seien „lediglich der Versuch, den Begriff ‚Lewe-Meter‘ zu tilgen und an der bisherigen Duldung von Behinderungen des Fuß- und Radverkehrs durch Gehwegparken nichts zu ändern“. So steht es in einem offenen Brief des Bündnisses.

Die Stadt hat die Formulierung mit dem Meter einfach gestrichen. Und dadurch ist nach Einschätzung der Verbände das Gegenteil von dem passiert, was sie sich erhofft hatten. Bislang war immerhin klar: Die Stadt schreitet ein, wenn der Meter unterschritten wird. Aber nicht mal das ist jetzt noch sicher. Wenn ansonsten genügend Platz ist, kann jetzt auch eine 80 Zentimeter große Lücke groß genug sein, um mit einer Verwarnung davonzukommen.

Die Verbände schreiben: „Aus unserer Sicht wird diese (neue, Anm. RUMS) Formulierung die tatsächliche Lage auf den Gehwegen in Münster eher verschlechtern.“

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