Bermuda-Dreieck Behörde: Antrag taucht wieder auf | Wachstumsschmerzen: Wie knapp sind Gewerbeflächen? | Unbezahlte Werbung: Düne

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Guten Tag,

vor einer knappen Woche haben Bund und Länder sich im Vermittlungsausschuss darauf geeinigt, Kommunen mehr Spielräume zu geben, wenn sie Busspuren oder Tempo-30-Zonen einrichten wollen. 

Damit könnte es nun doch noch etwas werden mit einem Plan, der mittlerweile auch schon wieder drei Jahre alt ist. Münster und sieben weitere deutsche Großstädte wollten in einem Pilotprojekt auf allen Hauptverkehrsstraßen Tempo 30 vorschreiben. Doch dann ging es nur im Schritttempo voran. 

Die Straßenverkehrsordnung stand im Weg. Sie erlaubte Tempo-30-Zonen auf diesen Hauptverkehrsstraßen nur unter besonderen Umständen – zum Beispiel, wenn dort viele Unfälle passieren. FDP-Verkehrsminister Volker Wissing wandte immerhin nicht ein, es seien zu wenige Schilder vorhanden, war aber trotzdem dagegen. Zuletzt bremsten die Länder im Bundesrat das Gesetz aus.

Jetzt könnte es noch daran scheitern, dass die Stadtverwaltung die alten Dokumente nicht wiederfindet. Das klingt unwahrscheinlich, ist aber an der Geiststraße so ähnlich passiert. Dort möchte eine Initiative erreichen, dass die Stadt den Verkehr drosselt und große Lastwagen umleitet. 

Doch auf eine Petition und mehrere Anträge reagierte die Stadt nicht. Die Initiative ließ sich nicht abwimmeln und verklagte die Behörde wegen Untätigkeit. Als wir die Stadt Ende April fragten, warum sie nicht reagiert hatte, hieß es, man wisse nichts von den Anträgen. 

Vor einigen Jahren wär’s das an dieser Stelle gewesen mit der Klage wegen Untätigkeit. Die Stadt hätte sagen können: „Im Briefkasten lag nichts.“ Oder: „Draußen auf der Straße war’s so laut. Briefträger nicht gehört.“ Heute kommt einfach irgendwer daher, der sagt: „Hier ist die elektronische Zustellbestätigung vom 10. Oktober 2023.“ 

Dieser Jemand war in diesem Fall der Rechtsanwalt der Initiative. Der Hinweis brachte den Antrag auf magische Weise wieder ans Licht. 

Die Stadt schreibt auf Nachfrage, der Antrag sei durch ein Versehen nicht weitergeleitet worden und daher nicht angekommen. Man bedauere dieses Versehen. Wie lange man brauchen werde, um den Antrag zu prüfen, wisse man noch nicht. 

Erst mal steht also weiter alles still. Immerhin, das Verfahren am Gericht läuft weiter. Und das, also das laufende Verfahren, ist auch der Grund dafür, dass die Stadt sich dazu nicht äußern möchte. Einen kleinen Schritt weiter in Sachen Verkehrsberuhigung geht es morgen immerhin an einigen anderen Stellen. 

Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, mehrere kleine Straßenabschnitte zu Tempo-30-Zonen zu machen. Unter anderem die kleine Bahnhofstraße und Abschnitte der Friedrich-Ebert-Straße, der Bremer Straße und der Hüfferstraße. Darüber entscheidet der Rat morgen Nachmittag. Da muss es morgen ausnahmsweise sehr schnell gehen, denn um 18 Uhr spielt ja Deutschland gegen Ungarn. (rhe)

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Kurz und Klein

+++ Die Ratssitzung morgen beginnt ungewöhnlich früh, um 14:15 Uhr, denn – Sie haben es oben schon gelesen –, um 18 Uhr pfeift der Schiedsrichter das Deutschlandspiel an. Bis dahin sind 56 Tagesordnungspunkte zu bewältigen. Mal schauen, ob das ohne nennenswerte Fouls gelingen wird. Den größten Raum wird wahrscheinlich das Thema Verkehr einnehmen. Tagesordnungspunkt 28 ist das Integrierte Parkraumkonzept, das beim letzten Mal auf die nächste Sitzung umgeparkt worden war (RUMS-Brief). Dazu wird es um den Plan der Rathausmehrheit gehen, die Autos irgendwie aus der Innenstadt zu bekommen (RUMS-Brief). Eine längere Diskussion wird es vermutlich auch um die Schulen gehen, vor allem um den Wunsch der CDU, den Umzug des Schlaun-Gymnasium nach Gremmendorf endlich fix zu machen. Die Grünen haben da allerdings andere Pläne. Sie hätten in Gremmendorf lieber eine Gesamtschule. Auf Großleinwand kann man die Ratssitzung morgen leider nicht verfolgen. Ab 14:15 Uhr aber auf der Website der Stadt. Hoffentlich gibt’s keine Verlängerung. (rhe)

+++ Vor drei Jahren haben die Vereinten Nationen den 18. Juni zum internationalen Tag gegen Hassrede erklärt. Diesen Aktionstag haben heute 47 gemeinnützige Organisationen zum Anlass genommen, um ihre Accounts auf „X“ lahmzulegen, darunter die Münsteraner „Romero-Initiative“ und der Sassenberger Umweltschutzverein „Urgewald“. Warum? Seit dem Kauf von Milliardär Elon Musk habe sich der Kurznachrichtendienst zu einer Plattform entwickelt, die „Desinformation, Hassrede und Diskriminierung“ zulasse. Es brauche allerdings eine wertebasierte Moderation, um einen respektvollen Dialog zu ermöglichen, schreiben die Vereine auf der Aktionswebsite „ByeByeElon.de“. (sfo)

+++ 2017 gründete sich in Münster das deutschlandweit erste „Buurtzorg“-Pflegeprojekt. Im Gegensatz zu den herkömmlichen ambulanten Pflegediensten rechnet „Buurtzorg“ keine Pflegedienstleistungen ab, sondern die Zeit, die für die Patient:innen gebraucht wird. Dadurch sollte das Wohl der Pflegebedürftigen in den Vordergrund rücken, nicht der Gewinn der Pflegedienste. Das Projekt weckte großes Interesse, unter anderem berichteten die Tagesschau und der „Stern“ über das neuartige Projekt in Münster. Doch mittlerweile ist damit Schluss: Im Dezember 2022 meldete „Buurtzorg Münster“ Insolvenz an. Was schief gelaufen ist, hat Kollege Chris Vielhaus von „Perspective Daily“ in diesem Beitrag aufgeschrieben, der, in aller Kürze, drei Gründe für das Scheitern herausarbeitet: „zu schnelle Expansion, eine zu ambitionierte Geschäftsleitung, menschliche Reibung“. Doch daraus kann man lernen. Die FH Münster hatte „Buurtzorg“ wissenschaftlich begleitet und daraus Erkenntnisse für andere Pflegeprojekte gewonnen. Die werden jetzt andernorts umgesetzt: in einem neuen „Buurtzorg“-Projekt in München. (sfo)

Wie es weiterging – mit dem Musik-Campus

Am Freitag schrieben wir in unserem Text über den Musik-Campus, zu den Kosten für die Musikhochschule gebe es keine aktuelle Prognose. Die Uni hat uns nun Zahlen genannt: Ohne Risikoaufschlag kalkuliere man die Musikhochschule mit rund 72 Millionen Euro, mit Risikoaufschlag mit rund 93 Millionen Euro, schreibt Uni-Sprecher Norbert Robers. Es gebe also nicht „die eine Zahl“. Um seriös zu kalkulieren, rechne man das Risiko mit ein. Dazu sollte man auch einen Planungsaufschlag draufrechnen, der weitere Ausgaben und Risiken absichert. Dann lande man bei 115 Millionen Euro. (rhe)

Wachstumsschmerzen

Gehen Münster die Gewerbeflächen aus? Das hängt davon ab, was die Stadt will – und auf welche Prognosen sie schaut.

Als Münsters Wirtschaftsförderer Enno Fuchs vor zwei Wochen in den Räumen der Sparkasse eine neue Studie zum Büromarkt in Münster vorstellte, merkte er irgendwann, dass er in dieser Runde nicht das sagen konnte, was er gerne gesagt hätte. Solange die Presse im Raum sei, sagte Fuchs, seien klare Worte nicht möglich. 

Die Westfälischen Nachrichten haben das Treffen dokumentiert. Enno Fuchs stand am geschlossenen Ende einer u-förmigen Tischformation, vor ihm 50 Menschen aus der Immobilienbranche vor Kaffeetassen und Tellern mit Häppchen. Fuchs sagte, Münster sei nicht ausreichend zukunftsfähig. Und dann kam er zum Kern. „Es gibt kaum noch verfügbare unbebaute Grundstücke.“

An dieser Aussage hängt eine Frage, die eigentlich sehr einfach ist. Sie lautet: Ist das jetzt gut oder schlecht? Nur die Antwort ist kompliziert.

Die einen sehen vor allem Gutes darin, wenn weniger Grundstücke bebaut werden, denn Deutschland wächst seit vielen Jahren immer weiter zu, mit Gebäuden, Straßen oder Parkplätzen – pro Tag um über 50 Hektar, eine Fläche von etwa 70 Fußballfeldern. Das ist deutlich weniger als vor 20 Jahren, als pro Tag über 130 Hektar am Tag unter Beton, Asphalt und Pflastersteinen verschwanden. Aber vom Ziel der Bundesregierung, 30 Hektar am Tag, ist es weit entfernt.

Schlecht ist das Wachstum, weil mit jedem weiteren Parkplatz die Gefahr von Hochwassern steigt, wenn Wasser nicht abfließen kann, Lebensräume verloren gehen und das Mikroklima sich ändert. Das ist der Blick von oben und die langfristige Perspektive.

Ein Fünftel der städtischen Einnahmen

Aus der Perspektive der Städte sieht das etwas anders aus. Sie schauen auf einen sehr viel kürzeren Zeitraum, der oft nur bis zum nächsten Haushalt oder zur nächsten Kommunalwahl reicht. 

Für Städte ist es attraktiv, zu wachsen, vor allem um Arbeitsplätze, denn das bringt Steuereinnahmen und damit die Möglichkeit, dieses Geld wieder in die Stadt zu stecken.  

Nur um die Größenordnung zu verdeutlichen: Im vergangenen Jahr machten die Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Münster 355 Millionen Euro aus, ein knappes Fünftel der städtischen Einnahmen. 

Das ist das Feld, auf das Enno Fuchs schaut. Er möchte Firmen nach Münster holen und ihnen die Möglichkeit geben, hier größer zu werden. 

Aus der Perspektive von oben könnte es sinnvoll sein, Firmen in die Nachbarschaft zu vermitteln, wenn da ausreichend Platz ist. Aber dann ginge auch das Geld nach dort, nicht nur das aus der Gewerbesteuer. 

So sagt die eine Seite: Wir müssen zusehen, dass die Wirtschaft nicht den Bach runtergeht, denn sonst haben wir in ein paar Jahren das Schlimmste verhindert, aber kein Geld mehr. Die andere Seite wendet ein: Wenn wir jetzt nicht anfangen, anders zu wirtschaften, wird später alles noch viel teurer und schlimmer. 

Irgendwo in der Mitte liegt ein Kompromiss, auf den man sich einigen sollte. Aber wo? 

Die Stadt Münster hat vor sechs Jahren ein Konzept veröffentlicht, das Gewerbeflächenentwicklungskonzept, in dem sie eine Bestandsaufnahme macht und ein Ziel formuliert. 

Zu dieser Zeit hatte die Stadt Gewerbeflächenreserven in einer Größe von 253 Hektar. Das ist acht Mal die Fläche des Allwetterzoos. Klingt nach einer recht üppigen Reserve. Doch bei einem genaueren Blick ist es sehr viel weniger, als auf dem Papier steht. Knapp 100 Hektar waren in den Plänen für die Region und das Land lediglich als Gewerbefläche eingezeichnet. 

Die drei großen Gewerbegebiete

Baureif, oder kurzfristig in diesen Zustand zu bringen, waren lediglich 115 Hektar; im Eigentum von Stadt oder Wirtschaftsförderung befanden sich 65 Hektar. So schrumpft diese imaginäre Reserve, je näher man der Gegenwart kommt. 

Knapp 90 Prozent dieser Flächen lagen im Hansa-Business-Park im Süden, im Norden am Hessenweg und im Südosten an der Münsterstraße in Wolbeck. Zusammen waren es immer noch 58 Hektar. Und das lag über der Grenze von 50 Hektar, die das Konzept als Untergrenze festlegte. Eine Reserve in dieser Größe sollte jederzeit vorhanden sein. 

Und wie sieht es heute aus? Das Kommunikationsamt schreibt, die Stadt habe – Stand Ende 2023 – Gewerbeflächenreserven von 190 Hektar, davon seien 100 Hektar baureif oder kurzfristig baureif, zur kurzfristigen Vermarktung stünden 25 Hektar zur Verfügung. Also nicht gar nichts, aber nur die Hälfte der Reserve, die Münster eigentlich haben sollte. Das also meint Enno Fuchs. 

Die Frage ist, wie es weitergeht. Und hier wird es kompliziert, denn Münster kann nicht einfach sagen: Auf dieser Wiese bauen wir ein Gewerbegebiet. Die Stadt muss sich nach übergeordneten Plänen richten. Das sind der Regionalplan und darüber der Landesentwicklungsplan. 

Einen neuen Landesentwicklungsplan hat das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 aufgestellt. Im Moment arbeitet die Regionalbehörde an einem neuen Regionalplan (hier ein Podcast dazu). Er wird festlegen, welche Flächen in der Region langfristig auf welche Weise genutzt werden, wo Wohngebiete sein sollen, wo Gewerbe- und Industriegebiete, wo Ackerland. 

Zuletzt gab es die Gelegenheit, Stellungnahmen abzugeben. Bis Ende September vergangenen Jahres gingen laut Bezirksregierung über 1.200 ein. Ab morgen finden zehn Tage lang Gespräche statt. Man will Einwände erörtern und Lösungen finden. 

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50 Hektar mehr? Die Grünen lehnten ab

Die Bezirksregierung schätzt, dass Münster in den kommenden Jahren Gewerbeflächen in einer Größe von 250 Hektar brauchen wird. Im Entwurf stehen 255 Hektar, also sogar noch etwas mehr.  

In einem Schritt davor hatte Münsters Rat in einer Stellungnahme vorgeschlagen, die für Wohngebiete vorgesehene Fläche zu verkleinern. Ein erster Entwurf sah vor, 60 Prozent mehr einzuzeichnen, als gebraucht wird. Der Rat schlug vor, nur 30 Prozent mehr auszuweisen. Im aktuellen Entwurf sind es 45 Prozent mehr. Bei der für Gewerbe und Industrie vorgesehenen Fläche ist es geblieben. 

Die CDU hätte gern noch 50 Hektar mehr für die Wirtschaft reserviert. CDU-Fraktionschef Stefan Weber, der als Mitglied des Regionalrats auch über den Regionalplan entscheidet, schrieb in einer Pressemitteilung, die Grünen hätten diesen Vorschlag in den Beratungen blockiert. Die Grünen verweisen darauf, dass der festgelegte Wert den Bedarf sogar noch übertrifft. 

Es gibt allerdings auch andere Zahlen. Legt man sie zugrunde, wäre es tatsächlich sinnvoll gewesen, noch mehr Gewerbeflächen einzuzeichnen. 

Die Zahlen stehen in einem Bericht der Stadtverwaltung, der Ende vergangenen Jahres in zwei Ausschüssen auf dem Tisch lag. Er enthält die Prognose einer Bochumer Beratungsgesellschaft zu Münsters Bedarf an Wohnungen und eine Einschätzung des Hannoveraner Regionalwirtschaftsinstituts CIMA dazu, wie viele Flächen Münster für Unternehmen bereithalten sollte.

Das Hannoveraner Institut ging anders vor als die Regionalplanungsbehörde. Es sagte zukünftige Beschäftigungszahlen voraus und schlüsselte auf, welche Art von Flächen die verschiedenen Branchen brauchen werden. Die Regionalplanung errechnete ihre Zahlen aus historischen Daten. 

Das CIMA-Institut kommt so nicht zu vollkommen anderen Ergebnissen, doch einen Unterschied gibt es schon. Nach der Berechnung des Instituts wird Münster bis zum Jahr 2045 etwa 272 Hektar an Gewerbeflächen brauchen. 

  • 215 Hektar für emissionsarmes Gewerbe, zum Beispiel Handwerksbetriebe, Dienstleistungsunternehmen oder Einzelhandel. 
  • 57 Hektar für emissionsintensive Firmen, etwa Fabriken oder Produktionsanlagen. 
  • Dazu 1,25 Millionen Quadratmeter Fläche für Büros und Praxen. 

Nach dieser Prognose könnte es für die Wirtschaft in Münster eng werden. Zunächst auf dem Papier. Und unter der Annahme, dass die übrigen Parameter so bleiben. Einer dieser Parameter hat sich in der Coronazeit stark verändert. Stichwort Homeoffice.

Zweieinhalb Jahre Reserve

Wo genau in Münster Gewerbeflächen entstehen sollen, das wird in einem neuen Konzept stehen, an dem die Stadtverwaltung im Moment arbeitet. Der Rat hat es im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. 

Das neue Konzept soll das alte nicht einfach fortschreiben. Die Stadtverwaltung soll auch soziale und ökologische Faktoren mitdenken. In anderen Worten: Sie soll nicht nur auf die Interessen der Wirtschaft schauen, sondern auch auf die der übrigen Menschen und der Umwelt. 

Die Prognose eines Instituts aus Hannover werde eine Grundlage des neuen Konzept sein, schreibt die Stadt. Zurzeit arbeite man an den Rahmenvorgaben. Sie werden in zwei weiteren Papieren stehen: Im sogenannten Integrierten Flächenkonzept, das in der Stadtplanung verschiedene Ziele wie Wohnen, Arbeiten und den Schutz von Klima, Natur und Freiräumen in Einklang bringen soll. Es steht morgen Nachmittag auf der Tagesordnung im Rat. Und in der „Standortentwicklungsstrategie 2030+“. 

Bis Ende des Jahres sollen laut Stadt beide Papiere vorliegen. Dann kann es mit dem Konzept für die Gewerbeflächen weitergehen. Zu lange sollte das allerdings nicht dauern. In den Prognosen der Stadt steht, in der Vergangenheit habe man pro Jahr etwa 10 Hektar gebraucht. Danach reicht die Reserve noch für knapp zweieinhalb Jahre. (rhe)

Klima-Update

+++ Gesunde Wälder, saubere Flüsse, intakte Moore – wer könnte etwas dagegen haben? Nach zwei Jahren Streit haben die EU-Umweltminister:innen erst gestern das sogenannte Renaturierungsgesetz verabschiedet, das Europas zerstörte Natur in ihren ursprünglichen Zustand versetzen soll. Offiziellen Zahlen zufolge befinden sich 80 Prozent der europäischen Landflächen in einem schlechten Zustand. Mit dem Gesetz wollte die Kommission die EU-Mitgliedstaaten dazu verpflichten, bis 2030 ein Fünftel der beschädigten Flächen und Meeresgebiete wiederherzustellen. Bis 2050 sollen sogar alle bedrohten Ökosysteme renaturiert sein. Gegen das Vorhaben regte sich allerdings Widerstand, vor allem aus der Agrarlobby und von den konservativgeführten EU-Staaten, die Einschnitte für die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion befürchteten. Doch gestern verschaffte Österreichs Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) dem Gesetz überraschenderweise die nötige Mehrheit im Ministerrat (was die Koalitionspartnerin ÖVP ziemlich verärgerte). Italien, Finnland, die Niederlande, Polen, Schweden und Ungarn stimmten dagegen. Belgien enthielt sich. (sfo)

+++ Mehr Natur ist auch für Städte ein Thema. Denn wenn das mit der Klimakrise so weitergeht, müssen die Städte mehr tun, um sich gegen extremes Wetter zu schützen (RUMS-Brief). Merkt man ja heute ganz gut. Eine Berliner Initiative schlägt jetzt vor, einfach mehr Bäume zu pflanzen. Genauer gesagt, soll sich die Zahl der Stadtbäume in Berlin bis 2035 verdoppeln. Dazu haben die Aktivist:innen ein Gesetz ausgearbeitet, über das die Berliner Bevölkerung per Bürgerentscheid abstimmen soll. Was nach einer sehr guten Idee klingt, könnte in der Umsetzung schwierig werden: Städte wie Berlin sind für eine so hohe Anzahl an Bäumen nicht gemacht, außerdem scheitern viele Baumpflanzungen an trägen Behörden. Einen ähnlichen Versuch, die Stadt grüner zu machen, gibt es auch in Münster. Dieses Jahr hat sich der Verein „Kleinwald“ gegründet, der Flächen und Spenden sucht, um Mikrowälder in Münster anzulegen. (sfo)

+++ Die Stadtwerke Münster wollen mehr als 800 Millionen Euro in die grüne Transformation investieren – die größte Investition in der Geschichte des Unternehmens, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Geld soll für sich erneuernde Energie- und Wärmequellen, Elektrobusse und das Glasfasernetz ausgegeben werden. (sfo)

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+++ Weil gerade viel Personal bei den Abfallwirtschaftsbetrieben krank ist, verzögert sich die Müllabfuhr. (Stadt Münster)

+++ Die Grünen freuen sich, dass in der Nähe des Servatiiplatzes an der Promenade wieder Sitzbänke aufgestellt werden, wünschen sich aber ein besseres Konzept mit mehr Kontrollen. (Grüne Münster)

+++ Die LWL-Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe in Münster hat einen Erweiterungsbau eröffnet. (Landschaftsverband Westfalen-Lippe)

+++ Frauen bekommen in Münster ihr erstes Kind durchschnittlich mit fast 32 Jahren, was im Landesvergleich recht spät ist. (Westfälische Nachrichten)

+++ Preußen Münster hat den Vertrag mit Joel Grodowski vorzeitig verlängert und Johannes Schenk, der von Bayern München ausgeliehen war, fest verpflichtet. (WDR)

+++ Die Linke Münster hat ihren Jugendverband neu gegründet. (Die Linke Münster)

+++ Nachdem die „Letzte Generation“ mit einer Straßenblockade an der Von-Vincke-Straße demonstriert hat, wird jetzt diskutiert, ob die Polizei Gewalt gegen die Protestierenden angewendet hat. (Westfälische Nachrichten)

Anonymer Briefkasten

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In der „Düne“ in Hiltrup ist der Name Programm: Zwischen Kanal und Hiltruper See gibt es nicht nur viel Sand, hier ist auch Entspannen angesagt – entweder im Liegestuhl mit einem kalten Getränk oder an einem der Tische bei Kaffee und Kuchen. Wer größeren Hunger hat, bekommt im Restaurant italienisches Essen: Es gibt Pizza, Pasta, Fleischgerichte und Salate. Einen Blick auf die aktuelle Speisekarte können Sie hier werfen. Geöffnet ist die Düne immer ab Mittag, nur dienstags ist Ruhetag.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Katja Angenent in den Veranstaltungskalender geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:

+++ Friedhöfe sind nicht nur der Ort von Beerdigungen. Heute Nacht können Sie eine andere Seite kennenlernen: Ab 22:15 Uhr findet eine Führung in die „Faszinierende Welt der Nachtschmetterlinge auf dem Zentralfriedhof Münster“ statt. Wenn Sie mitmachen wollen, melden Sie sich am besten telefonisch bei Veranstalter Robert Boczki an (0160/5539658).

+++ Morgen hält der Musik-Professor Rob Maas im Konzertsaal der Musikhochschule einen Vortrag über die Zukunft der Musik. Darin geht er der Frage nach, wie künstliche Intelligenz schon jetzt die Musik beeinflusst und wo die Reise noch hingehen könnte. Der Eintritt ist frei. Los geht’s um 12 Uhr.

+++ Morgen Abend spielt um 20 Uhr das kanadische Duo „Madison Violet“ im Hot Jazz Club. Ihr aktuelles Album heißt „Everything’s Shifting“. Karten kosten im Vorverkauf 29 Euro und sind hier erhältlich. Eine Kostprobe gibt’s hier.

+++ Die Formation „Silvia“ ist ab Donnerstag für drei Tage mit dem Stück „You clap for me now“ im Pumpenhaus zu Gast. Thema der Inszenierung sind die Fragen: Wofür applaudierst du? Wofür möchtest du Beifall? Drei Performer:innen aus unterschiedlichen Generationen und Ländern begeben sich dafür auf einen tragikomischen Trip zwischen Gefühlen, die wir wohl alle kennen: Erwartungsdruck, das Ringen um Aufmerksamkeit und die Angst vor dem Scheitern.

Am Freitag schreibt Ihnen Sebastian Fobbe. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche. 

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Katja Angenent (kan), Jan Große Nobis (jgn), Sebastian Fobbe (sfo) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Wir kritisieren manchmal andere Medien. Und wenn ein Mediensystem gut funktioniert, dann wird man hin und wieder auch mal selbst kritisiert. Das ist am Wochenende passiert, unglücklicherweise auch noch zu Recht. Carsten Schulte schreibt auf seinem Preußenportal „100prozentmeinscp“ über eine „seltsame Umfrage“ zum Stadionneubau, die wir bei Facebook gestartet und irgendwann wieder gelöscht haben. Im Detail sehen wir das zwar etwas anders als Schulte (hier unsere Antworten auf seine Fragen). Grundsätzlich stimmt es aber schon, was er schreibt. Das war ein schlechter Zeitpunkt für so eine Umfrage. Und nur das Stadion herauszugreifen, war auch nicht so gut. Was allerdings ebenfalls nicht so richtig ideal gelaufen ist, war, dass gestern Abend dann auch noch eine E-Mail in unserem anonymen Briefkasten lag, in der unter anderem stand: „Wir wissen, wo ihr wohnt.“ Und: „Das wird Konsequenzen haben.“ Es war immerhin nur eine Nachricht. Wir hoffen, da ist die Wut einfach übergeschäumt. Vorschlag von uns: Kritik einfach per E-Mail an: redaktion@rums.ms. Da sehen wir dann zwar, von wem sie kommt. Aber der Vorteil ist: Wir antworten auch. (rhe)