Geschichten aus aller Wels | Schulzentrum Wolbeck: Wahlkampf um ein Waldstück | Unbezahlte Werbung: Münsters Rooftop Bar

Porträt von Ralf Heimann
Mit Ralf Heimann

Guten Tag,

wenn wir nicht aufpassen, rutschen wir jetzt langsam ins Sommerloch ab. Das darf auf keinen Fall passieren. Aber vielleicht kurz: Von der Geschichte mit dem Wels haben Sie gehört? Nein? Gibt’s doch nicht.

Das war nämlich so: Im Juni gab es am Brombachsee in Mittelfranken zwei, wie sagt man, Zwischenfälle. Ein etwa zwei Meter langer Wels biss an mehreren Tagen verschiedene Badegäste. Was macht man in so einem Fall?

Natürlich, man sieht zu, dass die Menschen an dieser Stelle nicht ins Wasser gehen. Moment, nein: Man knallt den Wels ab. So wurde es jedenfalls zunächst berichtet.

Danach kam es zu einer Flut an Memes und Debatten. Auf der Spitze dieser Memewelle zeigte „Bild.de eine Frau in einem Sommerkleid vor einem Fischteller, die laut Überschrift einen Satz sagte, den sie so wohl nie gesagt hat: „Ich esse den Wels, der fünf Badende attackierte.“

Sogar tendenziöse, Entschuldigung, tendenziell eher seriöse Medien wie „n-tv“ meldeten: „Am Ende ergab der mittelfränkische Problem-Wels immerhin noch 120 Portionen.“

In der gleichen Nachricht musste „n-tv“ unglücklicherweise korrigieren, dass die Polizei den Fisch gar nicht erschossen hatte.

Tatsächlich hatten ihn nämlich die Angler erlegt, die ihn aus dem Wasser gezogen hatten. Und so etwas falsch zu berichten, ist einerseits schlecht. Aber mit Blick auf das zu überbrückende Sommerloch ist es doch wieder gut, denn das hält die Geschichte einen weiteren Tag über Wasser.

Wir müssen das Thema jetzt noch irgendwie nach Münster bekommen. Aber das schaffen wir: Der in Münster geborene Reptilienforscher Heiko Werning hat in der „taz“ einen Kommentar über den Wels geschrieben (warum eigentlich nicht in der „Wels am Sonntag?“).

Der Text ist sehr lustig („Welslage statt Weltlage“), zeigt aber auch, dass die Geschichte eigentlich gar nicht so witzig ist. Dem Wels stünden nämlich wegen des niedrigen Wasserstands seine bevorzugten Nistplätze nicht zur Verfügung, schreibt Werning. Daher baue er seine Nester in der Nähe der Schwimminseln.

Und wenn da jemand den Nestern zu nahe kommt, dann macht der Wels das, was alle Lebewesen tun würden: Er verteidigt seine Brut.

Der Wasserstand am Brombachsee ist zurzeit nicht nur niedrig, er ist ungewöhnlich niedrig. Das hängt mit Hitze und Trockenheit zusammen, und das ist eine Folge ökologischer Verschiebungen.

Die eigentliche Geschichte ist also: Der Mensch drängt den Wels aus seinem Lebensraum, indem er die Heizung immer weiter aufdreht, und wenn der Wels dann umzieht, dann macht er ihn tot – wegen eines Musikfestivals in der Nähe (allerdings, wichtig: nicht wegen des „MusikfestiWels“).

Im Sommerloch will so etwas natürlich niemand lesen. Und bevor wir jetzt anfangen, über mysteriöse Botschaften auf Treppen an Kanalbrücken zu berichten, eine kurze Frage: Welche sinnvollen Sommerlochthemen würden Sie denn interessieren? Schreiben Sie uns. Und wegen der Botschaften auf den Treppen: Na gut, dann machen wir das heute ausnahmsweise im PS. (rhe)

Wie es weiterging

… mit dem Antrag für gutes Essen in Kitas und Schulen

Vor der Ratssitzung am Mittwoch haben drei Ernährungsinitiativen protestiert. Ihr Vorwurf: Die Stadt verschleppe einen Bürgerantrag von 2022, der eine gesunde und ökologische Verpflegung in Schulen und Kitas fordert (RUMS-Brief). Auf unsere Nachfrage hat die Stadt jetzt geantwortet: Man habe das Ernährungsbündnis bereits informiert, warum das alles so lange dauert, denn seit der Antrag gestellt wurde, habe sich einiges getan. Die Stadt schreibt, sie habe inzwischen weniger Einfluss auf die Verpflegung in Schulen und Kitas, weil immer häufiger die freien Träger dafür zuständig seien (vor allem an den Grundschulen). Außerdem finde die Stadt kaum noch Caterer: Auf viele Ausschreibungen melde sich niemand, weil Personal fehle und die Lebensmittel teuer geworden seien. Kurzfristig gehe es deshalb darum, überhaupt ein Mittagessen anbieten zu können, schreibt die Stadt. Erst danach könne man eine Strategie entwickeln, die auch die Wünsche der Ernährungsinitiativen berücksichtigt. Übrigens: 2022 haben auch die CDU und die Ratskoalition aus Grünen, SPD und Volt zwei Ratsanträge mit ähnlichem Inhalt gestellt. (sfo)

Wie es weiterging

… mit dem vermissten Udo L.

Am Samstagnachmittag ist der vermisste Udo L. aus Gievenbeck tot aufgefunden worden. Zwei Wochen lang suchte die Polizei nach dem 59-Jährigen, der in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung lebte. Auch wir hatten einen Suchaufruf im RUMS-Brief geteilt. Die Polizei ermittelt, heißt es in einer Pressemitteilung. (sfo)

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Kurz und Klein

+++ Schon nach 20 Minuten stoppte die Polizei am Samstag den Marsch von rund 130 Neonazis durch Münsters Innenstadt. Wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärte, habe der Protestzug „paramilitärisch“ gewirkt, da die Nazis in zwei Reihen schwarz-weiß-rote Deutschlandflaggen schwenkten. Solche Aufgebote sind nach dem nordrhein-westfälischen Versammlungsgesetz allerdings verboten. Die vier angemeldeten Gegendemos des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“ verliefen laut Polizeibericht weitgehend friedlich. Auch hier registrierten die Einsatzkräfte Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Die Bilanz des Tages sind 75 Strafanzeigen (davon allein 69 Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, also zum Beispiel das Tragen von Masken und Tüchern, die vermummen). Anlass für den Protestmarsch ist ein Rechtsstreit zwischen der Stadt Dortmund und der dortigen Neonaziszene, den das Oberverwaltungsgericht Münster verhandelt. Die Stadt Dortmund möchte verhindern, dass die Neonazis ein Ehrendenkmal für den 2021 verstorbenen Siegfried Borchardt (bekannt als „SS-Siggi“) errichten. Sie drängt stattdessen auf ein anonymes Grab, verlor aber in erster Instanz. (sfo)

+++ Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Bistum Münster kritisiert die geplante Verleihung des Josef-Pieper-Preises an den US-amerikanischen Bischof Robert Barron (RUMS-Brief), dem er politische und religiöse Extrempositionen sowie eine Nähe zum früheren Präsidenten Donald Trump vorwirft, berichtet die Bistumszeitung „Kirche und Leben“ (hier und hier). Der Jugendverband sieht darin einen Widerspruch zum christlichen und demokratischen Selbstverständnis sowie zum Freiheitsbegriff des Philosophen Josef Pieper und kritisiert auch, dass kirchliche Einrichtungen wie das Franz-Hitze-Haus und das Priesterseminar als Veranstaltungsorte zur Verfügung stehen. (rhe)

+++ Noch ein Nachtrag zur Ratssitzung am Mittwoch, auf die uns RUMS-Leserin Anita Cronjaeger aufmerksam gemacht hat (dankeschön!): Münster soll einen Betroffenenbeirat zur Umsetzung der Istanbul-Konvention bekommen, die Frauen und Mädchen besser vor häuslicher Gewalt schützen soll. In dem Beirat sollen gewaltbetroffene Frauen ihre Erfahrungen und Expertise miteinfließen lassen. Einen ähnlichen Beirat hat das Land Bremen im Oktober 2021 einberufen. Zur Umsetzung der Istanbul-Konvention hat die Stadt 81 Maßnahmen erarbeitet, unter anderem leichter zugängliche Hilfsangebote, eine verbesserte Dokumentation bei der Polizei oder besondere Unterstützung für Frauen mit Migrationsbiografie, Behinderung oder ohne festen Wohnsitz (hierzu auch der RUMS-Brief über den Zwischenbericht). Neben dem Betroffenenbeirat hat der Hauptausschuss auf Initiative des grün-rot-lila Ratsbündnisses noch drei weitere Ergänzungen beschlossen: Mitarbeitende im kommunalen Sozialdienst sollen für institutionelle Gewalt sensibilisiert werden, die Einrichtung einer Ombudsstelle für Betroffene von institutioneller Gewalt soll geprüft werden und die Stadt soll schauen, ob in Neubaugebieten auch Wohnungen für Frauen in Krisenlagen entstehen können. (sfo)

+++ Katharina Kost-Tolmein ist noch immer enttäuscht, dass ihr Vertrag als Generalintendantin des Theaters Münster nicht verlängert wird (RUMS-Brief). „Es schmerzt mich, dass wir als Team nach all den Herausforderungen und Erfolgen der letzten Jahre nicht gemeinsam die Früchte unserer Arbeit ernten können“, sagte sie gestern im Interview mit den Westfälischen Nachrichten. Kost-Tolmein war es nicht gelungen, den Zuschauerrückgang seit der Coronapandemie abzufangen. Auch ihr künstlerisches Verständnis und ihr Führungsstil sorgten im Haus für Kritik. Gegenüber den WN betont Kost-Tolmein die Fortschritte ihrer Arbeit: Auch wenn sie noch keine genauen Zahlen nennen könne, wachse das Publikum. Zuletzt habe eine Aktion dem Theater 900 neue Abos beschert. Ein Knackpunkt sei allerdings noch die finanzielle Lage des Stadttheaters: Für die Spielzeit 2025/26 rechnet das Haus mit einem Minus von 1,2 Millionen Euro, vor allem aufgrund gestiegener Personal-, Betriebs- und Materialkosten. Ein neuer Managementkontrakt soll ab dem nächsten Jahr neue Lösungen finden. (sfo)

+++ Wenn es um moderne Stadtplanung geht, schauen viele neidisch nach Paris. Frankreichs Hauptstadt gilt nicht nur als Vorbild in Sachen Mobilitätswende oder Stadtbegrünung – sondern auch als Metropole der kurzen Wege. Das Ziel: In Paris soll alles Wichtige innerhalb einer Viertelstunde erreichbar sein. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat jetzt nachgeschaut, wie nah dran die deutschen Städte und Gemeinden an dem 15-Minuten-Ideal sind. Das überraschende Ergebnis: Vielerorts ist das keine ferne Utopie, sondern gelebte Praxis. In Münster können die Menschen Arztpraxen, Schulen, Supermärkte, aber auch Parks, Spielplätze und Schwimmbäder im Schnitt sogar innerhalb von 8 Minuten zu Fuß oder mit dem Rad erreichen. Die Studie empfiehlt, weniger auf Mega-Projekte, sondern mehr auf kleinteilige Nachbarschaftsentwicklung zu setzen, um die Stadt der kurzen Wege weiter zu fördern. (sfo)

Wahlkampf um ein Waldstück

Seit 20 Jahren wartet Wolbeck auf den Ausbau seines Schulzentrums. Jetzt gibt es Streit um 30 im Weg stehende Bäume. Oder geht’s gar nicht um Bäume?

Die Entscheidung fiel am Mittwochabend im Rat der Stadt Münster, und sie war eigentlich unspektakulär. Der Rat beschloss: Der Neubau am Schulzentrum Wolbeck kann kommen. Knapp 30 Millionen Euro sind eingeplant, Anfang 2027 soll alles losgehen, zwei Jahre später sollen die neuen Räume fertig sein. Da war nur noch eine Kleinigkeit.

Kurz vor der Abstimmung schob die Rathauskoalition einen unscheinbaren Halbsatz in das Papier: In den weiteren Planungen solle eine „Reduktionsvariante inklusive eines weitestgehenden Erhalts des Baumbestandes“ geprüft werden, so steht es dort.

Was damit gemeint war, erklärte Grünen-Ratsfrau Leandra Praetzel in der Sitzung. Das neue Gebäude werde laut Plan in ein Waldstück gebaut. Auf dem Gelände gebe es allerdings auch eine versiegelte Fläche, auf der Platz wäre, sagte sie. Man lasse nun prüfen, ob das Gebäude nicht auch da gebaut werden könnte. Das war schon alles.

In den Tagen darauf kam es zu einem überraschenden Sturm. Am Donnerstagabend hatte das Gymnasium Wolbeck Abifeier. Am Freitag verschickten die Leiter der Haupt- und der Realschule, Peter Washausen und André Weinert, zusammen mit Désirée Bourger, der Direktorin des Gymnasiums, einen Brief, in dem viel Wut steckte.

Darin steht unter anderem: „Dieser Beschluss zieht die gesamte bisherige Planung in Zweifel – ganz so, als seien der vorgesehene Standort des Neubaus und alternative Standorte noch nie gründlich geprüft worden.“ Das Gelände sei schon vor acht Jahren in einer Machbarkeitsstudie für geeignet befunden worden. Wie könne es sein, dass das im Jahr 2025 in Frage gestellt werde und man nun anders plane?

Mit ein paar Tricks zur Lösung

Der Grund für den Ärger der drei war die Sorge, dass sich nach vielen Jahren des Wartens nun noch einmal alles verzögern werde, womöglich um Jahre – und am Ende könnte dann alles scheitern.

Das ist keine abwegige Sorge. Das zeigte sich zuletzt in Handorf und Kinderhaus. Stadtdirektor Thomas Paal hatte Anfang Juni überraschend mitgeteilt: Das Geld reicht nicht mehr. Wir können an mindestens zwei Schulen nicht weiterbauen.

Mit ein paar Tricks fand man doch eine Lösung, zumindest für das Schulzentrum Kinderhaus. Aber es könnte sein, dass es Münster in ein, zwei Jahren finanziell sehr viel schlechter geht, und es dann auch anderswo heißt: Mit dem Ausbau wird es leider doch nichts.

Für das Schulzentrum Wolbeck wäre schon eine kleine Verzögerung ein großes Problem. Dort wartet man seit über 20 Jahren auf den Ausbau. Und seitdem rollen immer wieder neue Steine in den Weg.

Die Stadt gehe schon jetzt davon aus, dass sich bis 2028 etwa 200 Schülerinnen und Schüler mehr für das Schulzentrum entscheiden würden, als es aufnehmen kann. Der Unterricht in Wolbeck finde seit Langem in Containern statt. Im nächsten Jahr sollen weitere dazukommen.

Die Realschule habe in den vergangenen beiden Jahren Kinder abgewiesen, das Gymnasium richte in diesem Jahr eine zusätzliche Klasse ein. Allein dort kämen im Laufe des Schuljahrs eine zweistellige Zahl an Schülerinnen und Schülern hinzu.

Zusammengefasst: Das Schulzentrum arbeite am Anschlag. Jede Verzögerung verschärfe die Lage. Und das bedeute im Zweifel: Noch mehr Kinder müssten auf Schulen in anderen Stadtteilen ausweichen. Das ist die gegenwärtige Situation.

Die Entscheidung vom 2. Juli könne „in Südost nur als Ausdruck völliger Missachtung der Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen aufgefasst werden“. „Wie lange will man die Kinder und Jugendlichen in Südost noch hinhalten?“, fragen Washausen, Weiner und Bourger. Am Ende steht der sehr deutliche Satz: „Diese Politik richtet sich gegen die Familien in Südost.“

Ärger auf beiden Seiten

Der Ton des Schreibens ist scharf, teilweise anklagend. Das liegt auch daran, dass die Schulen sich von der Politik übergangen fühlen. Von der neuen Prüfung habe man erst in der Ratssitzung erfahren, schreiben Washausen, Weinert und Bourger. Aus dem Ratsbündnis habe sie niemand kontaktiert.

Die Westfälischen Nachrichten berichteten am Samstag über den „Brandbrief“, allerdings ohne das Ratsbündnis zu befragen. Das hätten auch die Schulleitungen nicht getan, heißt es aus dem Bündnis. Auch dort ist man verärgert. Warum, das steht in einer Pressemitteilung der Grünen vom Samstag.

„Befürchtungen, dass dadurch das komplette Projekt um Jahre zurückgeworfen wird, sind nicht durch Fakten gedeckt“, sagt Christoph Kattentidt, Fraktionschef und schulpolitischer Sprecher der Grünen, laut der Mitteilung. Es sei also falsch, was in dem Brief der Schulleitungen steht, zumindest teilweise.

Der Ausbau bleibe im Zeitplan. An den übrigen Planungen ändere sich nichts – auch nicht für die vierte Gesamtschule in Angelmodde. Dass man die Planungen dort zurückgestellt habe, steht ebenfalls in dem Brief.

In Wolbeck wäre die Variante ohne Baumfällungen ohnehin geprüft worden, sagt Christoph Kattentidt. Man habe sie lediglich um einen Aspekt ergänzt – um die Frage, ob das Gebäude auf einer schon versiegelten Fläche gebaut werden könne.

Leandra Praetzel, klimapolitische Sprecherin ihrer Fraktion, erinnert in der Pressemitteilung daran, dass der Rat am bislang heißesten Tag des Jahres tagte. „Es ist deshalb völlig klar, dass wir prüfen müssen, ob rund 30 von der Verwaltung als ‚schützenswert‘ eingeschätzte Bäume gefällt werden müssen – oder ob es dazu Alternativen gibt“, sagt sie.

Am Ende steht noch einmal: Die Schulleitungen hätten „ihr Schreiben offenbar auf einer unzureichenden Faktenbasis“ verfasst. Und zwischen den Zeilen steht hier auch: Das Problem liegt nicht auf der Faktenbasis.

Da ist auf der einen Seite eine leichte Genervtheit darüber, immer wieder erklären zu müssen, dass Klimaschutz kein nettes Accessoire ist, das man am Ende wie eine Kirsche auf die Torte setzt, wenn es noch draufpasst.

Auf der anderen Seite steht der Eindruck, dass kleinste Klimaschutzprojekte eine so absurd hohe Priorität hätten, dass konkrete und gegenwärtige Probleme der Menschen nur eine untergeordnete Rolle spielten – und 30 Bäume am Ende wichtiger seien als hunderte Familien.

Das ist die Gefühlsebene. Tatsächlich sagen die Grünen: Es soll sich nichts verzögern. Aber wir schauen, ob es auch anders geht. Dabei geht es nicht darum, den Klimawandel aufzuhalten, indem man ein kleines Waldstück rettet, sondern um Klimaanpassung.

Wer in den heißen Tagen mit dem Rad über die Promenade gefahren ist, wird bemerkt haben, welchen Unterschied ein paar Bäume machen.

Ein Wahlkampf-Geschenk

Schaut man sich die ganze Geschichte an, kann man auch die andere Seite verstehen. Wer seit über 20 Jahren sehen muss, wie es mit dem Ausbau immer wieder doch nichts wird, entwickelt ein gewisses Grundmisstrauen. Und dann kochen die Dinge leicht hoch.

Das alles fällt in eine Zeit, in der die Dinge noch etwas leichter hochkochen als sonst, vielleicht auch hochkochen sollen. Im September sind Kommunalwahlen. Und für die Opposition ist so ein Vorwurf ein Geschenk. Die CDU-Fraktion nahm dieses Geschenk gerne an.

„Die Grünen schieben die lange Bank als ihr liebstes politisches Möbelstück zur Seite und gehen vollends auf Kurs Titanic“, sagt CDU-Fraktionschef Stefan Weber laut einer am Montag verschickten Pressemitteilung. Für die CDU habe Bildung Vorrang vor dem Erhalt von Bäumen, heißt es.

Das fügt sich nahtlos ein in die CDU-Wahlkampf-PR der vergangenen Wochen, in der es vor allem um ein Thema ging: die laut CDU katastrophale Politik der Grünen. Zuletzt kam aus der Fraktion eine regelrechte Salve aus Pressemitteilungen dazu (hier, hier oder hier).

In der Politikwissenschaft nennt man das „Negative Campaigning“. Das beschreibt den Versuch, den politischen Gegner durch Angriffe, Kritik oder Skandalisierung zu schwächen. Die Strategie gilt als demokratieschädlich, denn sie untergräbt das Vertrauen in die Politik und die politische Kultur. Aber kurzfristig kann sie durchaus wirken – zumal in Gegenden, in denen solche Erzählungen auf fruchtbaren Boden fallen. In Wolbeck erreichte die CDU bei der letzten Kommunalwahl über 40 Prozent.

Am Montag sprachen die Parteien und die Schulleitungen in einer Videokonferenz miteinander. Am Ende standen keine neuen Ergebnisse – nur die Erkenntnis: In Wolbeck geht es um mehr als um einen Schulbau. (rhe)

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Ein-Satz-Zentrale

+++ Das Oberverwaltungsgericht Münster scheint nach Jahren und juristischen Extrarunden mit Carsten Günther einen neuen Präsidenten zu bekommen. (WDR)

+++ Im Stadthafen hat es auf einer Yacht, glücklicherweise ohne Personen an Bord, mehrere Explosionen gegeben.(Westfälische Nachrichten)

+++ Im Gievenbecker Oxford-Quartier entsteht mit „Platania“ ein neues Wohnprojekt für jüngere und ältere Menschen. (Stadt Münster)

+++ Die Stadtverwaltung hat am Bremer Platz zwei offene Container aufgestellt, damit die Menschen aus der Drogenszene dort bei Regen im Trockenen stehen. (Stadt Münster)

+++ Die Stadt Münster bekommt 1,5 Millionen Euro, um die Altstadt und Plätze wie den Domplatz, Hamburger Tunnel oder den Hansaplatz neu zu planen. (Bezirksregierung Münster)

+++ Die Stadtbücherei muss die Einordnungshinweise bei umstrittenen Büchern entfernen. (Oberverwaltungsgericht Münster, RUMS-Brief)

+++ Ab nächstem Jahr sollen alle Schüler:innen ab Klasse 7 in Münster einmal im Jahr üben, Menschen wiederzubeleben. (Westfälische Nachrichten)

+++ Wer wegen schlechter Noten Sorgen hat, kann ab Donnerstag beim kostenlosen Zeugnistelefon anrufen. (Stadt Münster)

+++ Weil die Videokameras an der Windthorststraße gewartet werden, zeigt die Polizei dort jetzt wieder mehr Präsenz. (Polizei Münster)

+++ Im August starten 123 Freiwillige in Münster eine neue Grundausbildung bei der Bundeswehr, um sich für den Heimatschutz ausbilden zu lassen. (WDR)

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Unbezahlte Werbung

Eigentlich steht die wunderschöne Dachterrasse des Flower Hotels mit tollem Blick über den Bahnhof nur den Übernachtungsgäst:innen zur Verfügung – doch es gibt eine Ausnahme: Noch bis zum 16. August gastiert dort jeden Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr die Balthazar-Bar. Dann ist die Terrasse offen für alle, und es werden leckere Getränke von Cocktails bis Champagner kredenzt. Dazu läuft entspannte Musik. Sicher einer der besten Orte, um mit Weitblick den Sommer in Münster zu genießen!

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Katja Angenent hat heute in den Kalender geschaut. Diese Tipps hat sie gefunden:

+++ Das Schlauraum-Festival, auf das wir bereits letzte Woche hingewiesen haben, geht in den Endspurt: Am Mittwoch dreht sich alles um die Zukunft der Gesundheit, unter anderem mit einem Vortrag dazu, warum wir (zumindest biologisch) weniger Herz und mehr Hirn brauchen. Am Donnerstag können Sie beispielsweise etwas über unsere Atemluft oder mehr Gelassenheit lernen, und am Freitag, dem letzten Festivaltag, steht das Klima im Fokus – nicht nur konkret in Münster, sondern auch zwischenmenschlich, zum Beispiel beim Vortrag über verschiedene Wohnformen im Alter. Alle Programmpunkte in der Übersicht finden Sie hier.

+++ Am Donnerstag lädt das Stadtteilcafe Lorenz-Süd ab 15:30 Uhr alle ab 65 Jahren zum Kaffeeklatsch. Wer den Treff besucht, kann aufgeschlossene Menschen aus der Nachbarschaft kennenlernen und sich austauschen.

+++ Noch ein Tipp für Donnerstag: Ab 18:30 Uhr erzählt die Jesidin Jihan Alomar ab 18:30 Uhr in der B-Side aus ihrer Lebensgeschichte. Mit zehn Jahren geriet sie in IS-Gefangenschaft, wurde freigekauft und kam schließlich nach Deutschland. Heute kämpft sie gegen das Vergessen. Der Eintritt zu diesem Gesprächsabend ist frei.

+++ Von Donnerstag bis Samstag ist der Edelfundus am Dingbängerweg jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Erlös des großen Hallentrödelmarkts geht an die Krebsberatungsstelle Münsterland. Der Eintritt ist frei.

+++ Wenn Sie schon in den Sommerferien sind, aber trotzdem gerne früh aufstehen, dann schalten Sie doch morgen um kurz nach 10 Uhr den Deutschlandfunk an. In der Sendung „Agenda“ geht es um „sterbenden Lokaljournalismus“ und die Frage, ob das eine „Gefahr für die Demokratie“ ist. Zu Gast sind der Professor für Kommunikationswissenschaft Lutz Hagen von der TU Dresden, der Chefredakteur der Märkischen Allgemeinen Zeitung Henry Lohmar und der „Correctiv“-Gründer David Schraven. Wenn Sie mitdiskutieren wollen, können Sie das Hörertelefon anrufen (00800 4464 4464) oder eine E-Mail an „Agenda“ schreiben.

Am Freitag schreibt Ihnen Anna Niere. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Herzliche Grüße
Ralf Heimann

Mitarbeit: Katja Angenent (kan), Jan Große Nobis (jgn), Sebastian Fobbe (sfo) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth

PS

Neben der Kanalbrücke an der Wolbecker Straße ist ein Schriftzug aufgetaucht, der aus den Initialen der früheren deutschen Außenministerin besteht: Annalena Charlotte Alma Baerbock – kurz ACAB. Das wäre kein Problem, wenn die Buchstaben nicht auch noch eine andere Bedeutung hätten: All Cops are Bastards – also sinngemäß: Alle Polizisten sind uneheliche Kinder. Und ehrlich gesagt: Selbst, wenn das so wäre, was wäre daran schlimm? Also, was ist das für eine absurde Beschimpfung? Oder anders gefragt: Was habt ihr, die ihr in eurer Freizeit Treppenstufen in den Farben von Preußen Münster besprüht, noch so auf Lager? Alle Eltern von Finanzbeamten sind geschieden? Alle Bibliothekare sind im Wechselmodell aufgewachsen? Oder, jetzt wird’s schmutzigt: Die Eltern von Verkehrsplanern arbeiten sonntags? Wir wissen es nicht. Aber vielleicht tun wir euch Unrecht. Vielleicht meint ihr ja auch einfach was anderes. Zum Beispiel, könnte doch sein: Alle campen am Bennohaus? (rhe)

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