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Warum ein heikles Interview nicht in der Zeitung stand | Ratssitzung: Die neue Einigkeit beim Thema Straßen

Guten Tag,
der Völkerrechtler Kai Ambos, Professor an der Uni Göttingen und Richter am Kosovo-Sondertribunal in Den Haag, hat am Dienstag in Münsters Volkshochschule einen Vortrag gehalten. Der provokante Titel lautete: „Verabschiedet sich die Bundesregierung vom Völkerrecht?“
Das sehr dichte, knapp einstündige Referat und die anschließende Diskussion sind bei Youtube zu sehen. Es beginnt damit, dass Ambos von einem Erlebnis aus den Tagen vor der Veranstaltung erzählt.
Ein Volontär des Bielefelder „Westfalen-Blatts“ habe sich bei ihm gemeldet, um vor der Veranstaltung ein Interview zu machen. Das sei dann auch passiert. Nach dem Gespräch habe er, wie bei Interviews üblich, den Text bearbeitet und zurückgeschickt. Dann habe die Redaktion ihm mitgeteilt, dass sie das Interview nicht veröffentlichen werde.
Als Begründung habe man ihm geschrieben, der Inhalt liege nicht „auf der Linie der Redaktion“, sagt Ambos. Und so etwas habe er bislang noch nicht erlebt. In über 30 Jahren sei es das erste Mal, dass er ein Interview gebe und das dann nicht veröffentlicht werde.
„Wenn das die Situation im Westfalen-Blatt ist, dann haben wir ein Problem, denn ich bin ja kein Radikaler, ich bin ja ein deutscher Beamter“, sagt Ambos in dem Vortrag. Nur, was ist überhaupt passiert?
Heute im RUMS-Brief:
- Skulptur Projekte: Raus aus der Innenstadt
- Die neue Einigkeit zur B51
- Straftaten vor, nach oder während der Videoüberwachung auf Schulhöfen?
- Brunnen mit oder ohne Ehrenamt?
- Kreisverkehr mit neuer Runde
- Busfahren wird teils teurer, teils billiger
- Viel Arbeit am Schulzentrum Hiltrup
- Zwei zusätzliche Stadtteilzentren sollen in Hiltrup-Ost und an der Austermannstraße entstehen
- An vier Grundschulen sind Familiengrundschulzentren geplant
- Satz der Sitzung: Kann Münster Wasser?
- Klima-Update: Weitere Flächen für Windräder im Münsterland?
- Personalabteilung
- Ein-Satz-Zentrale: Überraschung beim noch nicht alten Polizeipräsidium
Kai Ambos hat das Interview inzwischen selbst auf seiner Website veröffentlicht, dazu auch die E-Mail aus der Redaktion. Unterschrieben hat sie Ralf Repöhler, früher Lokalchef der „Westfälischen Nachrichten“ in Münster, heute laut Website „Leiter Content“, also für die Inhalte der Mediengruppe zuständig, zu der neben den „Westfälischen Nachrichten“ auch die Zeitung aus Bielefeld gehört.
„Wir haben uns mit Blick auf unsere Leserschaft/Zielgruppe am Ende gegen ein separates Interview mit dem zugespitzten Fokus ‚Staatsräson‘ und ‚Existenzrecht‘ entschieden“, schreibt Repöhler.
Ambos hatte in dem Interview Thesen aus seinem neuen Buch „Staatsräson nach Gaza“ vorgestellt, das erst vor fünf Wochen erschien.
Darin stellt er die Begriffe „Staatsräson“ und „Existenzrecht“ aus rechtlicher Sicht in Frage – allerdings nicht, weil er eine besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Jüdinnen und Juden bestreitet, sondern weil eine Sonderbehandlung aus seiner Sicht das Rechtssystem schwächt.
In seinem Vortrag macht er das an einem Beispiel deutlich: Gegen den russischen Diktator Wladimir Putin liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Deutschland habe sofort erklärt, Putin werde, sollte er nach Deutschland kommen, hier festgenommen.
Bei den Haftbefehlen gegen Benjamin Netanjahu und den früheren israelischen Verteidigungsminister Joaw Galant habe man dagegen gezögert. Ambos sieht hier einen Doppelstandard.
„Gleiches Gericht, gleiches Recht“, sagt er. Wer in solchen Fällen wegen der deutschen Geschichte oder wegen eines besonderen Verhältnisses zu einem Staat andere Maßstäbe anlegt, begebe sich „in die Willkür“. Oder noch einfacher: Wer bei befreundeten Staaten Ausnahmen macht, liefert Argumente für die Behauptung: Das ist kein Rechtssystem, das ist ein politisches Instrument.
Ambos unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen der deutschen Verantwortung gegenüber Jüdinnen und Juden und dem Umgang mit der Politik einer israelischen Regierung. Diese Verantwortung könnte es sogar notwendig machen, eine Regierung zu kritisieren, um Jüdinnen und Juden zu schützen. All das hielt man bei der Zeitung offenbar für zu heikel. Ralf Repöhler schreibt, für eine ausgewogene Berichterstattung fehle die „zwingend notwendige gegenteilige Position“, ein Streitgespräch wäre, so Repöhler, vermutlich die passendere Form gewesen.
Legitim, aber schwach begründet
Auch hier muss man differenzieren. Die Zeitung hat das Recht, die Veröffentlichung eines Interviews abzulehnen, auch dann, wenn schon alles fertig ist. Das ist Teil der Pressefreiheit. Die Zeitung darf die Veröffentlichung auch mit der Begründung ablehnen, dass der Inhalt nicht zur eigenen Linie passt. Das nennt sich bei Medienunternehmen Tendenzschutz.
Die Begründung ist trotzdem schwach, denn ein Interview ist kein einseitiger Gastbeitrag. Gerade dieses Format bietet die Möglichkeit, zwischendurch Fragen zu formulieren, um Einwände sichtbar zu machen und offene Punkte zu klären. Genau das macht der Interviewer Philipp Körtgen. Es ist ein gut geführtes Gespräch, das die Debatte in der Zeitung bereichert hätte.
Zu diesem Schluss ist man inzwischen offenbar auch beim „Westfalen-Blatt“ gekommen. Ralf Repöhler schreibt in einer Antwort auf eine RUMS-Anfrage, die Redaktion arbeite, auch vor dem Hintergrund der tausend Tage, die genau heute seit dem Überfall der Hamas auf Israel vergangen sind, an weiteren Beiträgen zum Thema. In diesem Zusammenhang sei auch vorgesehen, das Interview zu veröffentlichen. Wann genau das passieren soll, schreibt er nicht. (rhe)
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+++ Ein Jahr vor dem Start haben die Kuratorinnen der stadtweiten Ausstellung „Skulptur Projekte“ die ersten fünf Standorte und Projekte bekanntgegeben. Zum 50-Jährigen geht es diesmal auch raus aus der Innenstadt: Die polnische Künstlerin Iza Tarasewicz wird ihre Arbeit auf Gut Kinderhaus zeigen, die der ungarisch-syrischen Künstlerin Róza El-Hassan wird an zwei Orten zu finden sein: im Botanischen Garten am Schloss und in Berg Fidel. Der kolumbianische Künstler Oscar Murillo ist mit einer Arbeit im ehemaligen Offizierskasino der früheren York-Kaserne vertreten. Aber die Ausstellung bleibt auch in der Innenstadt. Der britisch-guyanische Künstler Hew Locke zeigt ein „Skulptur Projekt“ im Haus der Niederlande im Krameramtshaus, die bosnisch-herzegowinische Künstlerin Selma Selman eines auf dem ehemaligen Hörster Friedhof. Die Leitung der Ausstellung übernehmen diesmal drei Frauen: Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović. Sie bilden das Kuratorinnenkollektiv „What, How & for Whom“. Die „Skulptur Projekte“ finden vom 13. Juni bis zum 3. Oktober 2027 statt. Insgesamt sollen etwa 30 Künstlerinnen und Künstler eingeladen werden. Weitere Namen und Projekte wollen die Kuratorinnen nach und nach bekanntgeben. (rhe)
Breite Mehrheit für schmale Straße
Münsters Rat will die B51 stutzen und den vertrauten Bundestagswahlkreis behalten. Die CDU und das Ratsbündnis sind sich seltsam einig. Was ist passiert?
Auf dem Ratsantrag A-R/0042/2026 zum Ausbau der Bundesstraße 51 zwischen Münster und Telgte steht neben den Logos der Ratskoalition aus Grünen, SPD und Volt auch das der CDU. Und das ist bei diesem Thema eine Überraschung. Die CDU möchte Straßen meist ausbauen, weil das nach ihrem Verständnis Verkehrsprobleme löst; das Ratsbündnis ist eher gegen neue Straßen, weil die nach der dortigen Auffassung für neue Probleme sorgen. So wird man sich, wenn es um neue Straßen geht, eher selten einig. Hier ist es gelungen. Wie wurde das möglich?
Die Antwort auf diese Frage besteht aus mehreren Teilen. Einer ist, dass es auch in der CDU, vor allem in Handorf, Widerstände gegen den Ausbau gibt, den man zwar grundsätzlich für sinnvoll hält, aber auch als etwas überdimensioniert.
Das war die gemeinsame Grundlage. Aber vor vier Jahren hätte sie wahrscheinlich nicht ausgereicht, um zueinander zu finden.
Am Mittwochabend im Rat beschlossen Grüne, SPD, Volt und die CDU gemeinsam eine Resolution, also eine politische Aufforderung an Bund, Land und den Landesbetrieb Straßen.NRW, die bisherigen Pläne noch einmal zu überarbeiten.
Der Rat stellt darin zwar ausdrücklich fest, dass die Bundesstraße größer als nötig, aber gleichzeitig für Münster und die Region wichtig ist.
ÖDP-Ratsherr Michael Krapp stört daran die grundsätzliche Zustimmung zum Ausbau. Die Resolution nannte er einen „Minimalkonsens“, der zwar „eine minimale Verbesserung gegenüber dem Status quo“ sei, so Krapp, aber weiterhin „ein Desaster für die Umwelt“.
Aus seiner Sicht müsse man, wenn man sich schon zur B51 äußere, deutlicher werden: Es gehe nicht darum, die Straße ein bisschen kleiner zu bauen, sondern darum, die Bahnstrecke zu verbessern, möglichst schnell einen Halbstundentakt einzuführen und den Ausbau der Bundesstraße zu stoppen.
Ungefähr das, der Ausbau sollte gestoppt werden, hatte in einer ursprünglichen Version des Antrags gestanden. Dann kamen die Verhandlungen. Das Ergebnis war: Die CDU bekommt das Bekenntnis zum Ausbau, das Ratsbündnis bekommt die Forderung nach einer deutlich abgespeckten Planung.
Die Stadt soll sich nun dafür einsetzen, dass der Ausbau weniger Fläche in Anspruch nimmt, keine weitere Parallelstraße entsteht, landwirtschaftlicher Verkehr möglich bleibt und die Kreuzung von Warendorfer Straße und Handorfer Straße, in Höhe Gartencenter, so umgebaut wird, dass sie die Münsterland-S-Bahn nicht behindert.
Ob das Bekenntnis des Rates überhaupt etwas ändert, ist dabei überhaupt nicht klar. Christian Lüer von der SPD sagte, nach den bisherigen Erfahrungen scheine man sich in Düsseldorf und Berlin „nicht allzu sehr für die Meinung der Münsteranerinnen und Münsteraner“ zum Ausbau der Straße zu interessieren.
Der gemeinsame Beschluss zeigt allerdings, dass der grundsätzliche Ton sich geändert hat. Das hatten wir im Dezember schon festgestellt. Vor der Wahl, vor allem im Wahlkampf, hatte die CDU einen konfrontativen Ton angeschlagen. Sie warnte vor einer „Linkskoalition“, stellte die Grünen immer wieder als Gefahr für die Stadt dar und erlebte damit bei der Kommunalwahl eine Bruchlandung.
Der Ausgang der Wahl zeigte auch, dass der Platz in der Opposition womöglich kein Ausrutscher war, sondern im für die CDU schlechtesten Fall zu einem Dauerzustand werden könnte, dazu noch unter einer von einem Grünen geführten Verwaltung. Eine rein konfrontative Oppositionsarbeit kann dann dafür sorgen, dass die CDU in der Stadtpolitik jeglichen Einfluss verliert.
Gleichzeitig führt ein konfrontativer Politikstil zu einer Atmosphäre, die das ohnehin schon vorhandene Misstrauen gegenüber der Politik schürt. Und in so einer Atmosphäre gewinnen am Ende vor allem die Parteien an den Rändern.
In Düsseldorf und Kiel ist zu sehen, dass es auch anders geht. Dort regieren CDU und Grüne gemeinsam. Dort ist die CDU stark. Und dort ist die AfD schwach wie kaum anderswo.
Dass der Ton sich verändert hat, bedeutet nicht, dass da keine Differenzen mehr wären. Die gibt es auch weiterhin, zum Beispiel in der Frage, wie breit die Straße denn werden soll – oder aktuell auch in der Debatte über den Brunnen in Hiltrup. Die CDU hat dazu am Donnerstag eine Pressemitteilung verschickt, in der sie Grüne, SPD und Volt kritisiert, scharf, aber ohne Kampfbegriffe. Die CDU spricht nicht mehr vom „Linksbündnis“, sondern von der „Rathausmehrheit“. Das ist ein feiner Unterschied.
Es könnte sein, dass von der Annäherung beide Seiten profitieren: die CDU, weil sie auch in der Opposition Einfluss behält – die Grünen, weil sie ihre Beschlüsse mit dem Logo der CDU im Briefkopf auch für den Fall absichern, dass sie sich selbst irgendwann in der Opposition wiederfinden.
Vor knapp 30 Jahren, als zum ersten Mal ein rot-grünes Bündnis die Stadt regierte, war das anders. Da machte die CDU, als sie wieder das Sagen hatte, vieles rückgängig.
Dass der gemeinsame Beschluss zur B51 mehr gewesen sein könnte als ein einmaliger Ausflug, zeigt ein anderer Beschluss. Auch in der Frage, ob Münsters Bundestagswahlkreis neu zugeschnitten werden soll, stimmten CDU und Bündnis zusammen.
Hier fällt die Entscheidung am Ende auf Bundesebene, also in Berlin beziehungsweise durch den Bundestag auf Grundlage der Wahlkreiskommission. Auch hier geht es also nur um ein Zeichen.
Der Hintergrund ist, dass Münster so sehr gewachsen ist, dass der Bundestagswahlkreis rechnerisch zu groß ist. Um das zu ändern, könnte man Teile der Stadt einem anderen Wahlkreis zuschlagen. CDU, Grüne, SPD und Volt wollen das verhindern.
Münster sei „kein Kuchen, in dem man je nach Rechenlage einfach ein Stück rausschneidet“, sagte CDU-Fraktionschef Stefan Weber. Doch auch hier kam Widerspruch.
Wenn Münster wachse, müsse man eben akzeptieren, dass die Stimme in Münster nicht mehr Gewicht haben dürfe als anderswo, sagt Jörg Berens von der FDP. Michael Krapp spottete, hier habe sich wieder „die ganz große Koalition für die wirklich wichtigen Themen“ zusammengefunden. Ihm fehle der Zugang dazu, dass der Rat sich nun mit so etwas beschäftige – und dass man dafür auch noch „die kostbare Zeit unseres Herrn Oberbürgermeisters“ in Anspruch nehme. Tilman Fuchs bedankte sich „für das Mitgefühl“ und ging über zur nächsten Wortmeldung. (rhe)
RUMS-Revue #2: Das sind unsere Gäste

Am Montag, 6. Juli um 18:30 Uhr werden Anna Niere, Raphael Balke und Ralf Heimann wieder auf der Bühne des Wolfgang Borchert Theaters zu sehen sein und mit drei Gästen über die Stadt sprechen.
Wir begrüßen den lokalen Meme-Seiten-Betreiber Tobias Oetzmann, der mit dem Instagram-Account „Münster Dings“ halb Münster regelmäßig mit den neuesten popkulturellen Memes, passend zugeschnitten auf die Stadt, versorgt. Wir sprechen mit ihm über das Humorpotenzial von Monaco di Vestfalia, besser bekannt als Münster.
Außerdem wird die 15-jährige Emmy Teupe zu Gast sein. Sie hat in den vergangenen Jahren mehr als 40.000 Euro für den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes gesammelt. Mit ihr sprechen wir darüber, wie man mit 15 Jahren Dinge bewegt, an denen viele Erwachsene scheitern.
Und es wird Nicholas Müller dabei sein. Als Sänger der Band Jupiter Jones schrieb er mit „Still“ einen der erfolgreichsten deutschsprachigen Songs der vergangenen Jahrzehnte. Wir sprechen mit ihm über Erfolg und Absturz, über psychische Gesundheit und darüber, warum Offenheit manchmal die größte Form von Mut ist.
Unterstützt werden die Redakteure dieses Mal von Schauspieler, Autor, Regisseur und nicht zuletzt RUMS-Kolumnist Christoph Tiemann, der Sie durch den Abend führen wird.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Wolfgang Borchert Theater statt.
Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!
+++ Wie macht man Schulhöfe sicherer, ohne zu viel Freiheit aufzugeben? Um diese Frage drehte sich am Mittwochabend die Debatte über Kameras und Zäune an Schulen. Am Ende beschloss der Rat, die Videoüberwachung an den Schulzentren Hiltrup, Wolbeck und Kinderhaus sowie an der Melanchthonschule fortzuführen und auf die Grundschule Kinderhaus-West auszuweiten. Das teilte die Stadt anschließend in einer Pressemitteilung mit. Die Überwachung beschränkt sich demnach weiter auf die Außenbereiche und auf Zeiten außerhalb des Schulbetriebs. An den bisherigen Standorten seien Einbrüche und Vandalismus zurückgegangen. Außerdem ging es in der Debatte um Zäune und Zugangsbeschränkungen, vor allem am Hansa-Berufskolleg. Claudia Grönefeld von der FDP kritisierte, die Videoüberwachung stehe „auf sehr wackeligen Füßen“, denn die „weit überwiegende Zahl“ der Straftaten sei außerhalb der überwachten Zeiten und Bereiche passiert. Lara Bösche von der Linken warnte, Kameras und Zäune sendeten jungen Menschen ein Signal des Misstrauens. Stefan Leschniok von der CDU hielt dagegen: Videoüberwachung sei zwar „Ultima Ratio“, aber in bestimmten Fällen notwendig. Sven Konopka von Volt stimmte der Vorlage zu, forderte aber eine langfristige „Exit-Strategie“. Schuldezernent Thomas Paal sagte, zurzeit sei kein Ausstieg geplant. Das sei aber auch schwierig: Schulen, die Kameras hätten, wollten sie in der Regel behalten. Die Stadt müsse daher Kriterien entwickeln, wann die Videoüberwachung auch dann beendet werden könne, wenn die Schule das nicht wolle. (rhe)
+++ Eines der großen Themen in Münster ist zurzeit Wasser (Durst, Freibad, Kanal, Duschen), so auch in der Ratssitzung. Die Bezirksvertretung Hiltrup hatte vorgeschlagen, bürgerschaftlich organisierte Vereine künftig stärker in Betrieb, Pflege und Unterhaltung städtischer Brunnen einzubeziehen. Der Marktallee-Brunnen in Hiltrup sollte zum Pilotprojekt werden. CDU, FDP, ÖDP und „Die Partei“ wollten daraus im Rat einen verbindlichen Auftrag an die Verwaltung machen – mit dem Hinweis auf das Ehrenamt vor Ort und darauf, dass man schon sehr lange darüber rede. Das Ratsbündnis wählte den üblichen Weg über die Ausschüsse, wo man jetzt erst einmal weiter debattieren wird, was die CDU im Nachgang kritisierte. Gleichzeitig melden Stadt und der grüne Landtagsabgeordnete Robin Korte, dass Münster eine Förderempfehlung für zehn neue Trinkwasserbrunnen bekommen hat. Das bedeutet: Das Projekt ist grundsätzlich für eine Förderung ausgewählt, endgültig bewilligt ist das Geld aber noch nicht. Geplant sind Investitionen von knapp 900.000 Euro. Bis zu 80 Prozent davon sollen aus EU- und Landesmitteln kommen. (rhe)
+++ Der Streit um den Kreisverkehr an der Von-Esmarch-Straße geht weiter: Oberbürgermeister Tilman Fuchs teilte am Mittwoch mit, dass die Initiative „Kreisel statt Ampel“ mit der Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren begonnen hat. Die Initiative hatte den Start am Montag schon selbst gemeldet. Als Unterstützer mit dabei ist unter anderem BVB-Chef und Anwohner Carsten Cramer, hier zu sehen beim Fototermin im Rathaus. Nötig sind 10.013 gültige Unterschriften. Stichtag ist der 25. September. Hintergrund ist ein Ratsbeschluss aus dem Mai, laut dem die Stadt den Kreisverkehr durch eine Ampel ersetzen soll. Die Initiative will, dass der Kreisverkehr modernisiert und sicherer gemacht wird. Bei einem Bürgerentscheid müssten etwa 25.000 Menschen für den Kreisel stimmen, um die Ampel zu verhindern. Das Umweltforum Münster unterstützt das Vorhaben. Im Umwelthaus an der Zumsandestraße lägen ab sofort Unterschriftenlisten aus, schreibt der Verein. (rhe)
Korrekturhinweis: Wir hatten geschrieben, bei einem Bürgerbegehren müssten etwa 25.000 Menschen für den Kreisverkehr stimmen. Das stimmte nicht. Richtig ist: Diese Hürde würde erst bei einem möglichen späteren Bürgerentscheid gelten. Wir haben das korrigiert.
+++ Ab April wird Busfahren teils teurer, teils billiger. Das hat der Rat beschlossen. Die Fahrpreise steigen im Schnitt um fünf Prozent, weil Personal- und Betriebskosten gestiegen sind. Aber immerhin soll es einfacher werden, die Preise zu verstehen. Der Westfalentarif soll einfacher werden, Kurzstrecken- und Sieben-Tage-Tickets entfallen, und einige Tickets werden sogar günstiger, zum Beispiel Einzeltickets, 24-Stunden-Tickets, das MünsterAbo plus und das 30-Tage-Ticket. Mathias Kersting von der CDU kritisierte, dass ausgerechnet das Jobticket besonders belastet werde und damit es vor allem die Unternehmen treffe. Dabei könne gerade dieses Ticket ein wichtiger Hebel für die Mobilitätswende sein. (rhe)
+++ Das Schulzentrum Hiltrup wird erweitert und saniert. Der Rat hat dafür am Mittwoch 36 Millionen Euro freigegeben. Ab Anfang nächsten Jahres sollen eine neue Dreifach-Sporthalle für die drei Schulen und ein dreigeschossiger Neubau für die Johannes-Gutenberg-Realschule entstehen. Fertig sein soll alles Mitte 2029. Außerdem wird die digitale Ausstattung erneuert, ein Teil der Realschule soll barriereärmer werden, und auf die Dächer kommen Pflanzen und Photovoltaikanlagen. Weitere Arbeiten sind geplant, zum Beispiel zusätzliche Sanierungen, ein Neubau mit Mensa und ein neuer Schulhof. Darüber muss der Rat später noch einzeln entscheiden. (rhe)
+++ Münster legt neu fest, wo künftig noch größere Geschäfte entstehen sollen – und wo eher nicht. Dazu hat der Rat das sogenannte Einzelhandels- und Zentrenkonzept aktualisiert. Neu ist: In den geplanten Neubaugebieten Hiltrup-Ost und Austermannstraße sollen zwei zusätzliche Stadtteilzentren entstehen, also Orte mit Einkaufsmöglichkeiten für die Menschen, die dort künftig wohnen. Der Hintergrund: Der Handel in Münster steht unter Druck. Zwischen 2015 und 2024 ist die Zahl der Einzelhandelsbetriebe um 18 Prozent gesunken, die Verkaufsfläche um 8 Prozent – vor allem wegen des Online-Handels. Trotzdem hat Münster mit 1,8 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Kopf weiterhin deutlich mehr Ladenfläche als der Bundesdurchschnitt. (rhe)
+++ Vier Grundschulen in Münster sollen künftig nicht mehr nur Schulen sein, sondern auch Anlaufstellen für Familien. Der Rat will dafür beim Land Geld beantragen. Geplant sind solche Familiengrundschulzentren an der Eichendorffschule in Angelmodde, an der Melanchthonschule und der Norbertschule in Coerde sowie an der Michaelschule in Gievenbeck. Die Idee dahinter ist: Eltern sollen Hilfe leichter dort bekommen, wo sie ohnehin jeden Tag sind, in der Schule ihrer Kinder. Das soll vor allem Kindern helfen, die zu Hause weniger Unterstützung bekommen, und ihre Bildungschancen verbessern. Starten könnten die Zentren im nächsten Februar. Wenn alles klappt, übernimmt das Land zu 80 Prozent der Kosten. Also Daumen drücken. (rhe)
„Es gibt zwei Themen in unserer Stadt, die können wir einfach nicht – und putzigerweise haben die beide mit Wasser zu tun. Das eine ist Bäder, das andere ist Brunnen.“
Jörg Berens (FDP) kritisierte, dass Münster bei städtischer Wasser-Infrastruktur seit Jahren keine verlässlichen Lösungen findet – weder bei den Bädern noch bei den Brunnen.
+++ Im Münsterland sollen Genehmigungen für neue Windräder künftig schneller möglich werden. Der Regionalrat Münster will prüfen lassen, ob auf weiteren Flächen im Münsterland Windräder leichter gebaut werden können, meldet die Bezirksregierung. Dabei geht es um Flächen, die Städte und Gemeinden schon vorgesehen haben. Bekommen sie denselben Status wie die offiziellen Windflächen im Regionalplan, könnte es mit den Genehmigungen schneller gehen. Im Regionalplan stehen seit April vergangenen Jahres 269 einzelne Flächen im Münsterland, auf denen Windräder grundsätzlich möglich sind. Zusammen sind sie über 13.000 Hektar groß, das sind über 40 Prozent der Fläche Münsters, genauer: 44 Prozent. Das Ziel ist, etwas mehr Spielraum für den Ausbau der Windkraft zu schaffen, ohne bei der Suche nach Flächen komplett von vorne anfangen zu müssen. (rhe)

Anonymer Briefkasten
Haben Sie eine Information für uns, von der Sie denken, sie sollte öffentlich werden? Und möchten Sie, dass sich nicht zurückverfolgen lässt, woher die Information stammt? Dann nutzen Sie unseren anonymen Briefkasten. Sie können uns über diesen Weg auch anonym Fotos oder Dokumente schicken.
+++ Lydia Sorokin, Professorin für Biochemie an der Uni Münster, bekommt vom Europäischen Forschungsrat 150.000 Euro. Sorokin hat ein neues Labormodell entwickelt, das die Schutzbarriere des Gehirns nachbildet. Damit soll sich besser testen lassen, ob neue Medikamente diese Barriere überwinden und im Gehirn wirken können.
+++ Julia Hahn, Doktorandin an der Uni Münster, spricht im Bistums-Podcast „kannste glauben“ darüber, warum Festivals für viele Menschen mehr sind als ein paar Tage Musik und Feiern. Darum geht es in ihrer Promotion. Das Thema ist: Festivalseelsorge.
+++ Die Stadt Münster hat mit einem Grünen Schuldschein 140 Millionen Euro am Kapitalmarkt eingeworben, um nachhaltige Projekte zu finanzieren. (Stadt Münster)
+++ Das in Münster stationierte 1. Deutsch-Niederländische Korps übernimmt künftig die Führung der NATO-Kräfte in Estland und Lettland, koordiniert dort also im Ernstfall Truppen verschiedener Länder, um die Verteidigung der baltischen Staaten abzusichern. (Bundeswehr)
+++ Die Stadt gibt der Genossenschaft „Drubbel Wohnen“ ein günstiges Darlehen, damit sie in Rumphorst ein Mehrgenerationenhaus mit 21 Wohnungen bauen kann, das langfristig bezahlbar bleiben soll. (Stadt Münster)
+++ Der Lack- und Farbenhersteller BASF Coatings in Hiltrup ist seit Mittwoch ein eigenständiges Unternehmen und heißt jetzt Surventis. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die CDU schickt Simone Wendland erneut als Landtagskandidatin ins Rennen. (CDU Münster)
+++ Im Zoo lebt nun ein weiterer Gorilla, das neunjährige Weibchen Tara aus Hannover. (Zoo Münster)
+++ Das Land sucht zur Überraschung der Stadt, wo man wohl angenommen hat, mitreden zu können, einen Käufer für das Polizeipräsidium am Friesenring. (Westfälische Nachrichten hier und hier)
+++ Die Stadtwerke Münster haben zwei technisch intakte Windräder in Hiltrup und Amelsbüren an die Stadtwerke Duisburg verkauft, weil sie nach dem jahrelangen Streit um das Pannen-Windrad Loevelingloh kein Vertrauen mehr in den Hersteller General Electric haben. (Westfälische Nachrichten)
+++ Die Hauptschule Wolbeck hat ihre Abschlussfeier wegen eines Dauerstreits zwischen den zehnten Klassen abgesagt. (Westfälische Nachrichten)
+++ Um zu sparen, will die Uni Münster in den kommenden Jahren 36 Professuren auslaufen lassen. (Westfälische Nachrichten)
Am Dienstag schreibe ich Ihnen wieder. Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!
Herzliche Grüße
Ralf Heimann
Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Maria Schubarth
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PS
Zum Schluss noch eine neue Bestmarke, allerdings eine ziemlich zweifelhafte. Ein 27-jähriger Mann ist am Dienstagvormittag, also nicht mal nachts und besoffen, am Schifffahrter Damm in einer 70er-Zone in Höhe Hessenweg nach Abzug aller wohlwollenden Toleranzen mit sagenhaften 156 km/h geblitzt worden, meldet die Polizei. So schnell war an der Stelle vermutlich noch nie jemand seinen Führerschein los. 700 Euro und drei Monate ohne Auto, das ist jetzt das Ergebnis. Immerhin: zum Glück sonst nichts passiert. (rhe)
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