Kameras an der Windthorststraße: alles im Blick? | Der neue Trend zum Parteibuch | Unbezahlte Werbung: Obstgarten am Bohlweg

Porträt von Svenja Stühmeier
Mit Svenja Stühmeier

Guten Tag,

seit einer Woche stehen nun Kameras an der Windthorststraße und zeichnen das Geschehen zwischen 13 und 21 Uhr auf. Sie sollen für mehr Sicherheit sorgen. Oder zumindest das Sicherheitsgefühl der Menschen verstärken, die sich rund um den Hauptbahnhof aufhalten. Also, derer, die dort nicht kriminellen Machenschaften nachgehen, versteht sich. Die Kameras sollen Drogen- und Straßenkriminalität bestenfalls verhindern, alternativ zur Aufklärung beitragen.

Die Polizei ordnet den Bereich rund um den Bahnhof seit einigen Jahren als sogenannten Kriminalitätsschwerpunkt ein. Sprich: Dort passieren statistisch gesehen mehr Straftaten, Polizei und Ordnungsdienst sind präsenter als an anderen Orten. Erst einmal ein Jahr lang sollen dort nun zwei der zehn Kamerasysteme stehen, die der Polizei in NRW gehören.

Während die CDU die Maßnahme für sinnvoll hält, kommentiert Anne Herbermann von den Grünen: Die Ursachen von Straftaten würden von Kameras nicht behoben. Dafür brauche es mehr Geld für Sozialarbeit, die Drogenhilfe und die Unterstützung von Wohnungslosen. 

Die Grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Deppermann macht darauf aufmerksam, dass eine mobile Videoüberwachung laut Verwaltungsvorschrift zu §15a des Polizeigesetzes NRW nicht zulässig ist, wenn sie Verdrängung zur Folge hat. Also: Wenn die Polizei feststellt, dass die Kameras dafür sorgen, dass Leute nicht mehr in der Windthorststraße, sondern woanders Drogen verkaufen, muss nochmal über die Kameras nachgedacht werden. 

Stefan Engemann vom Drogenhilfezentrum Indro hat bisher noch keine abgeschlossene Meinung zur Kameraüberwachung. Zum Verdrängungsaspekt sagt er allerdings: Manchen Menschen ist es egal, ob sie etwa beim Konsum gesehen werden, andere suchen sich im Zweifel eine geschützte Ecke. Weniger wird’s aber eher nicht.

Er zählt spontan eine Handvoll öffentliche Räume auf, an denen sich Menschen, die viel auf der Straße unterwegs sind, jetzt nicht mehr aufhalten können oder dürfen. Etwa den Servatiiplatz (RUMS-Brief). Er meint: Die Bänke sollten da ruhig bald wieder stehen. „Das ist doch für alle schön, im Frühling mit den Kirschbäumen.“ Er wünscht sich etwas mehr Mut. Seine Erfahrung sei schließlich, dass die Leute schon merken, wenn sie irgendwo nicht mehr gewollt sind, und da dann auch nicht mehr hingehen. Uff.

Zurück in die Windthorststraße. Wir haben kurz bei der Polizei nachgefragt, wie sehr sie mit Verdrängung rechnet. Die Kameras sind im Bahnhofsumfeld schon länger im Gespräch. Die Kriminalpolizei habe nun auf Grundlage von begangenen Straftaten und ihrer Erfahrung die beiden Standorte an der Windthorststraße als geeignet festgelegt, sagt ein Sprecher am Telefon. Dort gebe es eine „günstige Tatgelegenheitsstruktur“, man gehe davon aus, dass auch mit Kameraaufgebot weiterhin Straftaten geschehen werden. Na dann ist ja alles gut. (sst)

Kurz und Klein

+++ Münster wächst – zwar nicht so schnell, wie man vor fünf Jahren gedacht hatte, aber doch weiter in einem ordentlichen Tempo. Das Stadtplanungsamt hat seine alte Prognose angepasst und sagt nun voraus: Im Jahr 2033 werden in Münster 333.401 Menschen leben (wir tippen auf 333.402), das sind 13.960 (beziehungsweise 13.961) mehr als vor zwei Jahren. Rund um den Hafen werden in diesem Szenario ungefähr doppelt so viele Menschen leben wie heute (das neue Baugebiet). Das Kreuzviertel und Mauritz-Mitte werden etwas kleiner, Mauritz-Mitte gleichzeitig älter, wie auch Gremmendorf-Ost, Rumphorst und Mauritz-Mitte. Das Statistikamt betont, das sei keine „hundertprozentige Vorhersage“. Unsere aber auch nicht. (rhe)

+++ Die Europäische Union und Deutschland investieren viel Geld in die Batterieproduktion, um den Automobilstandort zu retten. Martin Winter, Leiter der Batterieforschung an der Uni Münster, warnt im Gespräch mit der „Zeit“ davor, dass das widersprüchliche Verhalten der Bundesregierung den Erfindergeist in Deutschland bremsen könnte. Einerseits gebe man viel Geld für Fabriken aus, andererseits kürze man wegen der Schuldenbremse bei der Forschung. Die ganze Welt mache „um 180 Grad das Gegenteil“, sagt Winter. (rhe)

​​+++ Ein Crashtest in Münster hat gezeigt, dass es immer gefährlich ist, Kinder mit dem Rad zu transportieren – egal, ob man ein Lastenrad, einen Fahrradanhänger oder einen Kindersitz verwendet, wie der „Spiegel“ in einem längeren Artikel und die WDR-Lokalzeit in einem Beitrag berichten. Eine Empfehlung für eines der drei Transportmittel sprechen die Fachleute der Unfallforschung der Versicherer, die den Test gemacht haben, nicht aus. Aber sie raten zu Verbesserungen in der Konstruktion von Fahrrädern, Anhängern und Sitzen sowie zu strengeren Sicherheitsvorschriften – und zu Fahrradhelmen. (rhe)

Der Rürup
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Der neue Trend zum Parteibuch

Seit Jahresbeginn melden fast alle Parteien ungewöhnlich viele neue Mitglieder. Vor allem die AfD und die Grünen. Woran liegt das? 

Sind Sie zufällig kürzlich Parteimitglied geworden? Das ist tatsächlich gar nicht so unwahrscheinlich, oder zumindest weniger unwahrscheinlich als in den vergangenen Jahren. Die meisten Parteien berichten, dass seit Anfang 2024 auffällig viele Mitgliedsanträge ins Haus flattern.

In Münsters Ratsparteien sieht’s ähnlich aus. SPD, CDU, Linke, die Grünen und Volt teilen uns mit: Ja, sie nehmen verstärktes Interesse seit Jahresbeginn wahr. Das machen sie an deutlich mehr Parteieintritten als im Vorjahreszeitraum fest und in Teilen auch an einer steigenden Mitgliederzahl. Die ÖDP ist dieses Jahr ebenfalls gewachsen. Bei der Partei „Die Partei“ und der FDP hat man bisher keinen Mitgliederanstieg wahrgenommen.

Ja, und was ist mit der AfD? Im vergangenen Jahr sind die Mitgliederzahlen laut Angaben der Partei um mehr als ein Drittel gestiegen, schreibt der Deutschlandfunk. Und dann habe sie noch einmal seit Jahresanfang starken Zuspruch erfahren – und neben den Grünen zu Beginn des Jahres die meisten Neumitglieder verzeichnet, berichtet die Tagesschau.

In dem Artikel steht auch: Für den Parteienforscher Benjamin Höhne sei nicht überraschend, dass Menschen sich momentan insbesondere zu den Grünen und der AfD hingezogen fühlten. Falls Sie sich fragen, wer die AfD unterstützt: Gestern ist bei Zeit Online eine visualisierte Datenanalyse dazu erschienen, das aber nur am Rande. Grüne und AfD böten gesellschaftliche Gegenpole. Auf der anderen Seite rät Benjamin Höhne grundsätzlich zur Vorsicht, was Angaben der AfD angeht. Unglücklicherweise sind Parteien selbst die einzigen Quellen, die verlässlich Auskunft über ihre aktuellen Mitgliederzahlen geben können.

Wir hätten gerne gewusst, wie es um die AfD in Münster steht. Auf unsere Anfrage hat sie allerdings nicht reagiert. Das hatte ihr Sprecher am Telefon auch schon angedeutet, mit einem Verweis auf „Interna“. Antenne Münster hat sie zumindest mitgeteilt, dass es auch in Münster mehrere Parteieintritte gegeben habe.

Wir haben stattdessen beim Recherchekollektiv „Busters“ nachgefragt. Dort beschäftigt man sich schließlich viel mit der AfD in und um Münster. „Das ist ganz schwierig zu sagen“, ist die Antwort am Telefon auf die Frage, wie viele Leute vor Ort in etwa zur Partei gehören könnten. Ein grober Anhaltspunkt, zumindest, was Aktive und Interessierte angeht: An einem AfD-Stammtisch vor einigen Wochen haben laut Schätzung der „Busters“ gut 20 Personen teilgenommen. Mit so vielen habe das Kollektiv nicht gerechnet. Auf der anderen Seite habe es in den vergangenen Jahren keine großartigen Personalveränderungen innerhalb der AfD wahrgenommen.

Mehr Parteieintritte – warum?

Die Eintritte in Parteien wurden in den vergangenen Wochen oft in Zusammenhang gebracht mit der Correctiv-Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“. Und den darauf folgenden zahlreichen Protesten gegen Rechtsextremismus, die es in vielen Städten gegeben hat (RUMS-Brief). Die Eintritte in die AfD etwa werden als Solidaritätsbekundung gewertet.

Sehr wahrscheinlich gibt es auch noch andere Gründe. Das hat die stellvertretende Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit auch selbst kurz nach der Veröffentlichung im Deutschlandfunk-Medienmagazin „@mediasres“ gesagt. Ihr Eindruck: Das Ganze hat so hohe Wellen geschlagen, weil es eh schon ein Rumoren gab in der Gesellschaft. Aber was genau heißt das? Wir haben mal in die Runde gefragt, bei Münsters Ratsparteien und bei unseren Leser:innen. Warum sind Menschen kürzlich in eine Partei eingetreten?

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Die Einschätzungen und Stimmen, die wir Parteien zuordnen können, kommen aus dem Umfeld der ÖDP, der FDP, der Linken, der Grünen und von Volt. Das Argument, dass Menschen einen verstärkten Rechtsruck wahrnehmen und dagegen etwas tun wollen, haben wir öfter gehört. In zwei Zuschriften wurde die Correctiv-Recherche konkret als ein Grund für die neue Parteimitgliedschaft genannt.

Zwei Leserinnen schreiben uns, dass sie schon lange die Grünen wählen und jetzt eingetreten sind. Für eine von ihnen war die Blockade der Fähre, auf der sich Robert Habeck befand, der Moment, in dem sie entschieden hat: Auf Anti-AfD-Demos und wählen zu gehen, das reicht nicht mehr. Die andere schreibt, sie wolle ihnen in Sachen Umweltpolitik den Rücken stärken.

Bei der FDP und den Linken spielen auch Personalien eine Rolle: Neue FDP-Mitglieder hätten die Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann für die Europawahl als Grund für den Parteieintritt genannt, schreibt Kreisvorsitzender Paavo Czwikla. Neue bei den Linken sind unter anderem eingetreten, weil Sahra Wagenknecht nicht mehr da ist, schreibt Kreissprecherin Patricia Niehaus.

Dahin, wo’s am wenigsten schlecht passt

Andere wiederum seien in die Linke aus Unzufriedenheit mit anderen Parteien eingetreten. Das ist laut Sprecher Marcus Wilhelm auch ein Grund, den neue Volt-Mitglieder immer wieder für ihre Entscheidung nennen. Andere wollten ihrem Umfeld zeigen, dass sich politisches Engagement nach wie vor lohnt. Klar, eine jüngere Partei hat gewissermaßen eine Sonderstellung, wenn es um Neueintritte geht. Sie bietet bestenfalls etwas, das länger existierende Parteien nicht im Angebot haben. 

Bei Volt wird als Novum neben dem Europa-Fokus oft die Struktur hervorgehoben, zum Beispiel von der Bundeszentrale für politische Bildung. Zwei Leser:innen gehören zu den Neuen in Münster und haben sich mit ihren Gedanken bei uns gemeldet.

Gaby Röer erzählt, sie habe sich bisher thematisch nicht binden und keiner „Parteiräson unterwerfen“ wollen. Mit 66 habe sie dann doch eine Partei gefunden, mit der sie sich identifizieren kann. Es geht um die Volt-Ausrichtung, Europa zu stärken. Gleichzeitig nimmt sie die Partei als thematisch offener wahr als andere.

Gaby Röer ist allerdings noch kein Parteimitglied, sondern „Supporter“ (deutsch: Unterstützer:in). Dass die Volt-Struktur eine Art Zwischenschritt anbietet, gefällt ihr. „Der Supporter-Status entspricht eher meiner aktuellen Motivation und ich kann mich langsam an die Parteiarbeit herantasten.“ 

Ihr Beweggrund: Sie möchte junge Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen. Nicht in erster Reihe, aber mit Geld und Zeit, die sie nun als Pensionärin hat. Die kann sie dann zum Beispiel fürs Plakateaufhängen nutzen – oder für das, was sonst so anfällt. „Und wenn es Plätzchenbacken ist. Mir nimmt das ein wenig dieses Gefühl der Ohnmacht in politisch schwierigen Zeiten“, sagt sie.

Stephen Wißing hat lange darüber nachgedacht, in welche Partei er eintreten sollte. Nun war es für ihn an der Zeit, „es jetzt einfach mal zu tun“. Der Aufstieg von Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus beschäftige ihn seit zehn Jahren, konkreter Anlass waren für ihn die Wahlergebnisse in den Niederlanden im Herbst und die Correctiv-Recherche. Warum Volt? Er wünscht sich eine „europäische Europa-Politik“. „Es soll doch um Politik gehen und nicht um Nationalität“, schreibt er.

Um das Ganze nun etwas aus der anekdotischen Ecke zu holen: Einige haben sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wann und warum Menschen in Parteien eintreten. Der Parteienforscher Thomas Poguntke hat dem NDR gesagt, dass mehr Menschen in Parteien eintreten, wenn es intensive öffentliche Debatten gibt. Roland Abold, der Geschäftsführer des Wahlforschungsinstituts Infratest dimap, sagt im Interview mit SWR2: In Jahren, in denen viele Wahlen stattfinden, werden ebenfalls mehr Menschen Parteimitglied.

Aktiventreffen, Stadtrundgänge und Buddys

Der Politologe Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel ordnet die vermehrten Beitritte, die Anfang des Jahres stattgefunden haben, im NDR-Interview als Momentaufnahme ein: „Die grundlegenden Probleme, warum die Parteien so schwer zugänglich sind für die Bürgerinnen und Bürger, bleiben erst mal bestehen.“ Also wird es mit dem Zulauf vielleicht erst einmal nicht so weitergehen, aber einige neue Leute sind jetzt ja dazugekommen. Wie sorgen die Parteien dafür, dass die bleiben – und bestenfalls nicht nur als Karteileiche?

ÖDP, FDP, Grüne, Volt, die Linke und die SPD haben uns ein paar Sätze dazu geschrieben. Die ÖDP kontaktiert Neue persönlich und lädt sie zu Terminen ein. Die Linke lädt sie ebenfalls direkt zu Aktiventreffen ein. Bei Volt gibt es neben Treffen nach Wunsch einen „Buddy“. Also eine Person, die interne Strukturen erklärt. Grüne und FDP organisieren zum einen Mitgliedertreffen. Zum anderen gibt’s Stadtrundgänge bei der FDP, ein Willkommenspaket und eine Engagement-Sprechstunde bei den Grünen. Die SPD sieht die größten Aktivierungschancen direkt nach dem Parteieintritt, weswegen sie auf persönlichen Kontakt zum Ortsverein setzt. Immer mal wieder veranstaltet sie Seminare für Neumitglieder. (sst)

Lena Otte. Foto: Thomas Mohn

3 Fragen an

Lena Otte

Lena Otte hilft Kindern, das Internet und die digitale Welt zu entdecken und zu hinterfragen. Ihr Unternehmen „Time-2-Explore“ bietet Kurse und arbeitet mit Organisationen in Münster zusammen. Beispielsweise veranstaltet sie mit Kitas „digitale Schnitzeljagden“, bei denen Kinder draußen und auf dem Smartphone Netiquette im Netz oder künstliche Intelligenz entdecken. Bei Whatsapp gibt die 38-Jährige wöchentlich ein bis zwei Tipps, wie Eltern ihre Kinder an die digitale Welt heranführen können. Warum das wichtig ist, hat sie Raphael Balke erklärt.

Frau Otte, warum sollten schon kleine Kinder digital unterwegs sein?

Weil das ihren Lebensalltag bestimmt. Ich höre ganz oft „Lass die Kinder doch Kinder sein“. Ich frage mich, sind diese Leute mal auf einem Spielplatz gewesen? Da sitzt das Kind im Sand und die Eltern sitzen vorm Bildschirm. Natürlich sollte ein Vierjähriger keine acht Stunden am Handy daddeln. Aber man muss die Kinder so früh wie möglich abholen, damit sie damit selbstsicher umgehen können. Ich vergleiche das immer mit dem Straßenverkehr. Da übt man mit den Kindern auch erst im verkehrsberuhigten Bereich langsam die Schritte, damit sie das Konstrukt verstehen. Besser, man fängt etwas eher an und macht es dadurch spielerisch. Viele Eltern wissen nicht, was es für Angebote gibt und in den Schulen und Kitas gibt es Personalmangel, deswegen machen wir das Ganze. Die digitale Entwicklung ist so schnell, dass wir es uns gar nicht mehr leisten können, Kinder davon fernzuhalten. Deswegen ist es wichtig, Kinder früh dafür zu sensibilisieren, und das ist meiner Meinung nach die Grundschulzeit.

Wie funktioniert das?

Ich rate Eltern: Immer dranbleiben und mit den Kindern zusammen lernen. Es braucht wirklich nicht viel. Das geht zum Beispiel mit Angeboten wie „Ohrka“. Die Plattform bietet Hörspiele, die sich Kinder kostenlos anhören können. Anke Engelke spricht dort „Das Dschungelbuch“. Oder es gibt Apps, mit denen Kinder auf Fotos Haare färben können.

In einer Whatsapp-Gruppe richten Sie sich wöchentlich an Eltern und schreiben über digitale Bildung. Was geben Sie für Tipps?

Whatsapp ist meine kleine Aufklärblase. Ich erkläre, welche Angebote Eltern mit ihren Kindern zusammen entdecken können. Oder welche neuen Begriffe und Anwendungen es gibt, beispielsweise habe ich mehrere Nachrichten zu ChatGPT geschrieben. Es gibt viele Angebote, die fordern, dass Eltern mit ihren Kindern über die digitale Welt sprechen, aber niemand sagt, wie. Das ist mein Ziel. Eltern zeigen, welche Schritte sie gehen müssen, um mit ihren Kindern im Gespräch zu bleiben.

Lena Ottes Whatsapp-Gruppe können Sie hier beitreten, die Signal-Gruppe erreichen Sie hier.

Klima-Update

+++ 2023 war laut eines Berichts der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globale Mitteltemperatur lag 1,45 Grad über dem Niveau vor der Industrialisierung. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo schrieb: „Noch nie lagen wir – obgleich auch nur vorübergehend – so nah an der unteren 1,5-Grad-Schwelle des Pariser Abkommens zum Klimawandel.“ Auch die Erwärmung der Weltmeere und der Anstieg der Meeresspiegel erreichten laut des Berichts Rekordhöhen seit Beginn der Aufzeichnungen. (rba)

+++ Ein Bündnis sozialer Organisationen fordert, dass die Bundesregierung sofort Klimageld an Bürger:innen zahlt und setzt das beispielhaft um. 1000 Menschen, die Bürgergeld, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen, erhalten von dem Bündnis einmalig je 139 Euro. Das Klimageld soll die höheren CO2-Bepreisung der vergangenen Jahre beispielsweise beim Tanken ausgleichen. Diesen Ausgleich fordert das Bündnis auch von der Bundesregierung. Es kritisiert, die Regierung nehme das Geld durch den CO2-Preis jährlich ein. Der gelte zwar nur für Unternehmen, werde aber indirekt an die Bürger:innen weitergegeben. Die Umsetzung eines Klimageldes hatten SPD, FDP und Grüne im Koalitionsvertrag vereinbart. Zum Bündnis zählen unter anderem der paritätische Gesamtverband, „Mein Grundeinkommen“ und Fridays for Future. (rba)

Korrekturen

+++ In der Ein-Satz-Zentrale im RUMS-Brief am Dienstag haben wir in einer Meldung das sehr wesentliche Wort „gegen“ unterschlagen. Richtig ist: 50 Organisationen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich setzen sich für Toleranz, Offenheit, Vielfalt und gegen rechtsgerichtete Ideologien ein. In einer weiteren Meldung haben wir zwei Zahlen vertauscht. Die Zahl Körperverletzungen an Schulen in Münster ist von 69 im vergangenen Jahr auf 89 gestiegen. Wir haben beides korrigiert. (rhe)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Preußen Münster spielt morgen im Westfalenpokal gegen Arminia Bielefeld, die zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt sind, während den Preußen zwei Punkte zu einem Aufstiegsplatz fehlen. (WDR)

+++ Die Hörsterstraße ist in den beiden kommenden Wochen jeweils von Dienstag bis Donnerstag wegen Bauarbeiten gesperrt. (Stadt Münster)

+++ Die neue Kita im früheren Hauptzollamt an der Sonnenstraße nimmt Anfang Juni die ersten Kinder auf. (Stadt Münster)

+++ Die Arbeiten an der Autobahnspinne in Höhe Brillux werden in den nächsten Monaten wohl für mehr Staus sorgen, danach aber den Planungen nach für weniger. (Westfälische Nachrichten)

+++ FDP-Ratsfraktionschef Jörg Berens fordert, die vorübergehend aufgestellten Ampeln am Drostenhof für die gesamte Dauer des Verkehrsversuchs stehen zu lassen, weil der Versuch (Straße an der Stelle einspurig, um zu testen, ob der Verkehr dann nachlässt) gescheitert sei. (FDP Münster)

+++ Die Stadt will ab Sommer die Radwege in Richtung Osten verbessern. (Westfälische Nachrichten)

+++ Die Eurobahn streicht ihren Fahrplan im Münsterland wegen Personalmangel zusammen. (Westfälische Nachrichten)

+++ Verkehrswende-Aktivist:innen in Münster haben Schrottfahrräder aufgehäuft, um auf das Problem der vernachlässigten Fahrradentsorgung aufmerksam zu machen, und fordern, dass die Stadt mehr unternimmt. (Westfälische Nachrichten)

+++ Weil einige Schulen gern mehr Schatten auf dem Schulhof hätten, schlägt die FDP vor, zu untersuchen, auf welche Weise das gelingen könnte. (FDP Münster)

+++ Die bisher städtische Berufsfachschule für pharmazeutisch-technische Assistent:innen zieht zum 1. August um und wird in den Händen eines neuen Trägers doppelt so viele Lehrgangsplätze anbieten. (Stadt Münster)

+++ Das sogenannte Tagelöhnerprojekt soll Menschen aus der Drogenszene am Bremer Platz helfen, indem es ihnen Arbeit gibt und so mehr Struktur in ihren Alltag bringt. (Stadt Münster)

+++ Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis hat im vergangenen Jahr etwas weniger Umsatz gemacht, aber eine leicht höhere Rendite erzielt als im Vorjahr. (Antenne Münster)

+++ Zwölf Großküchen in Münster kochen jetzt umweltfreundlicher, weil sie weniger Essen wegwerfen und mehr Bio-Lebensmittel benutzen. (Stadt Münster)

+++ Die Polizei hat 44 Kilogramm Marihuana, 450.000 Euro Bargeld und Waffen im Wert von über einer halben Million Euro beschlagnahmt, zwei Tatverdächtige in Untersuchungshaft gesteckt und am Donnerstag noch einen weiteren Tatverdächtigen mit einem weiteren Kilo Cannabis und 33.000 Euro Bargeld erwischt. (Polizei hier und hier)

+++ Der „Lernort Preußenstadion“, an dem politische Jugendbildung stattfindet, steht vor dem Aus, weil die Landesförderung ausläuft und Geldgeber fehlen. (Westfälische Nachrichten)

+++ In Münster haben etwa 350 Mitarbeiter:innen von Alten- und Pflegeheimen demonstriert, weil Geld fehlt und sie die Sorge haben, dass Heime pleitegehen könnten. (WDR)

+++ Am Dienstag hat die Gruppe „Iran-Solidarität Münster“ Bezirksbürgermeister Martin Honderboom 200 Unterschriften übergeben, um zu erreichen, dass ein Platz in Münster nach der Kurdin Jina Mahsa Amini benannt wird, die vor zwei Jahren im iranischen Polizeigewahrsam starb. (MünsterTube)

+++ Die Stadt, der Landschaftsverband und die Bezirksregierung beteiligen sich an der Aktion „Earth Hour“ und stellen morgen Abend zwischen 20.30 und 21.30 Uhr das Licht aus, um ein Zeichen für Klimaschutz zu setzen. (Stadt Münster, Bezirksregierung, Landschaftsverband)

+++ Ein neuer Hilfstransport ist mit einem Kipper mit Kran, einem Bestattungswagen, einem Sportgerät für die Ausstattung eines Rehabilitationszentrums sowie weiterer Ausrüstung für ein Krankenhaus auf dem Weg in die Ukraine. (Stadt Münster)

Unbezahlte Werbung

In einem Obstgarten gibt es häufig viel Grün und viele Bäume. Der Obstgarten am Bohlweg hingegen ist ein Gebäude mit Steinwänden und grauem Dach. Was drinsteckt, vereint die beiden Orte jedoch. Der Laden am Bohlweg bietet eine breite Auswahl an Gemüse, Obst und Kräutern. Frisch, häufig aus der Region und oft in Bio-Qualität. Vor Ihrem Einkauf lohnt sich ein Blick auf die Webseite, dort ist das aktuelle Sortiment fein säuberlich aufgelistet. Und wenn ein ungewöhnliches Kraut für eine neue Suppe fehlt, könne das Team häufig helfen, sagt es. Davon profitierte auch einer unser Leser, dem Agretti für seine Pasta fehlte. Auf dem Wochenmarkt suchte er das Kraut vergeblich. Das Team vom Obstgarten half. Eine Woche später landete erst das Kraut im Einkaufskorb und dann die Pasta auf dem Teller.

Hier finden Sie alle unsere Empfehlungen. Sollte Ihnen ein Tipp besonders gut gefallen, teilen Sie ihn gerne!

Drinnen und Draußen

Heute hat Raphael Balke in den Veranstaltungskalender geschaut. Das sind seine Empfehlungen:

+++ Ihr Rad ist kaputt, gestohlen worden oder schlicht zu alt und jetzt muss ein Neues her? Dann werden Sie vielleicht beim Fahrradmarkt am Samstag an der Hafenstraße fündig. Über 800 Räder stehen dort zum Verkauf. Wenn Sie Ihr altes Rad direkt loswerden möchten, können Sie dieses morgens vorbeibringen. Den Verkauf übernehmen die Organisator:innen, das Geld stecken Sie ein.

+++ Wenn Sie gerne lesen und sich über Literatur austauschen möchten, können Sie bei den „Lesebürger*innen“ dabei sein. Am Dienstag veranstaltet die Gruppe im Haus Rüschhaus einen offenen Treff. Anmeldungen nimmt das Center for Literature per Mail entgegen.

+++ Das Stück „Kinderhäuser“ thematisiert am Samstag sexualisierte Gewalt an Kindern. Autorin und Regisseurin Karen Breece beleuchtet die persönliche Seite des Themas Missbrauch. Bei dem dokumentarischen Stück spielen auch Personen mit, die als Kind sexualisierte Gewalt erfahren haben. Sie beschreiben ihre Geschichten teils sehr explizit. Das Theater Münster empfiehlt das Stück deswegen erst ab 18 Jahren. Im Anschluss an die Aufführung findet ein Publikumsgespräch statt.

+++ Im Rahmen der Filmreihe Drehbuch Geschichte laufen in den kommenden Tagen zwei Filme zur (post-)kolonialen Geschichte. Der Film „America“ läuft am Sonntag im Cinema. Er handelt von einem Mann, der zum ersten Mal seit Jahren wieder nach Israel reist, und einer alten Freundschaft, die dort wieder auflebt. Am Montag spielt das Cinema den Film „Frauen, Masken und Dämonen“. Es thematisiert rassistische und sexistische Stereotype in Dokumentarfilmen. Vorher gibt es eine Einführung, anschließend ein Filmgespräch. 

Am Dienstag schreibt Ihnen Ralf Heimann. Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzliche Grüße

Svenja Stühmeier

Mitarbeit: Jan Große Nobis (jgn), Raphael Balke (rba), Ralf Heimann (rhe) – das bedeutet: Die einzelnen Texte im RUMS-Brief sind von der Person geschrieben, deren Kürzel am Ende steht.
Lektorat: Melanie Kelter

PS

Kardinal Clemens von Galen ist heute vor 78 Jahren gestorben. Der, der 1941 als Bischof in der Lambertikirche das Euthanasieprogramm des NS-Staats offen und scharf verurteilt und sich auf einen Märtyrertod eingestellt hat. Und der, der den Mord an anderen Menschen, etwa Jüd:innen, nicht thematisierte. Ein Spiegel-Bericht von 2016 fasst zusammen, welchen Einfluss diese Predigt hatte. Forscher Hubert Wolf ordnet dem Evangelischen Pressedienst gegenüber ein, warum Galen nicht als „Heldengestalt“ stilisiert werden sollte. Papst Benedikt XVI. sah das wohl anders und hat ihn 2005 seliggesprochen. 

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