Die Kolumne von Christoph Hein | Von Pferderennen und Wohnungsknappheit

Porträt von Christoph Hein
von Christoph Hein

Guten Tag,

stellen Sie sich vor, in Münster würde das Preußenstadion abgerissen, um auf dem Gelände Wohnungen zu bauen. Wohlgemerkt – neu gebaut würde es nicht werden. Die frisch Aufgestiegenen müssten, mit einer Gnadenfrist von einem Jahr, sehen, wo sie blieben, wo sie spielten.

So ähnlich läuft es gerade in Singapur. Dort nämlich wird die Pferderennbahn abgerissen werden. Am 5. Oktober 2024 soll der einhundertste Grandprix auf der Bahn ausgetragen werden. Danach kommen die Planierraupen und Kräne. Denn die Regierung des strengen Stadtstaates hat beschlossen, dass auf dem Gelände in der Größenordnung von rund 200 Fußballfeldern Wohntürme gebaut werden. Das Hobby des kleinen Mannes, Pferdewetten, wird gegen die Wohnungsnot ausgespielt – auf Münster übersetzt also: kein Fußballstadion, sondern Mietskasernen.

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