Die Kolumne von Christoph Hein | Männer aus Eisen?

Porträt von Christoph Hein
Mit Christoph Hein

Guten Tag,

als der Segelclub Hansa Münster (SHM) neulich sich selbst und seinen 50. Gründungstag feierte, fielen kluge Sätze. Oberbürgermeister Markus Lewe offenbarte sich als Segler aus Angelmodde, junge Sportler wie Max Stiff wurden gefeiert. Den Satz des Abends aber sprach der Vorsitzende Karl-Heinz Kötterheinrich: „Als die Schiffe noch aus Holz waren, waren die Männer noch aus Eisen.“ Schiffe aus Holz hat Hansa nicht mehr. Männer aus Eisen demnach auch nicht, aber dafür immer mehr hervorragend segelnde Frauen.

Jenseits aller Geschlechterfragen aber haben Schiffe aus Holz einen ganz besonderen Charme – bei Männern aus Eisen mag man sich da nicht so sicher sein. Holzschiffe feiern Konjunktur. Anders als die Riva auf dem Gardasee sind sie am anderen Ende der Welt, in Neuseeland und im Süden Australiens weniger Symbol für den Reichtum ihrer Eigner. Sie stehen für deren Freiheitsdrang.

Das liegt auch an einem Mann. Johnny Wray war ganz sicher nicht aus Eisen. Aber er wusste, wie man aus einer Niederlage einen Neuanfang machte. Nachdem der Neuseeländer in den Jahren der Depression von seinem Arbeitgeber gefeuert worden war, stand er als 19-Jähriger ohne Geld und Zukunftsaussichten da. Johnny lebte bei seinen Eltern in Auckland. Das Land ist für seine Spitzensegler, Rugby und Wind und Regen bekannt. Johnny aber suchte die Sonne.

Mut und ein Boot

Er wusste, dass sie schien. Irgendwo da draußen im Pazifik, über den Inseln und Atollen mit so malerischen Namen wie Pago Pago, Euakafa, Tuamotu, Katafanga und natürlich Samoa. Nicht ohne Grund hatten in der Südsee schon Künstler wie der Franzose Paul Gauguin, Emil Nolde als Expeditionsteilnehmer oder der Expressionist Max Pechstein ihr Glück gesucht, wenn auch – wie man heute weiß – manches Mal auf Kosten der Inselbewohnerinnen. Mit seiner Frau Lotte bestieg Pechstein 1914 in Genua den Reichspostdampfer Derfflinger Richtung Palau. „Ein paar Jahre draußen bleiben” war sein Ziel. Weg aus dem lauten, zerrissenen Europa.

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