Die Kolumne von Michael Jung | Bei Herrn Teflon brennt der Baum

Porträt von Michael Jung
Mit Michael Jung

Münster 21. Mai 2023

im Jahr 2006 kam es im Rat der Stadt Münster zu einem Showdown. Die damalige Koalition aus CDU und FDP wählte den grünen Dezernenten Gerhard Joksch ab; seine SPD-Kollegin war diesem Schicksal durch eine Flucht auf eine Stelle in Köln zuvorgekommen. Sparen war damals das Mantra, und so fügte man rasch zusammen, was nicht zusammengehörte: So wurde ein Dezernat für Soziales und Umwelt ausgeschrieben.

Statt zwei Beigeordneten von SPD und Grünen sollte es nur einen neuen geben, den allerdings von der CDU. Und in einer Kampfabstimmung hielt die Ein-Stimmen-Mehrheit von CDU und FDP, und so begann damals die Karriere von Thomas Paal bei der Stadt Münster.

Die Konstellation der Wahl prägte dessen Amtsverständnis stark. Ohnehin kein Mann für Polarisierungen, sorgte Paal danach umsichtig dafür, nirgends anzuecken. Dabei hatte er viel Freiraum, denn für Soziales und Umwelt interessiert sich die CDU ohnehin weniger, und umso mehr konnte der Neue daher die Wunden seiner Wahl oder besser die der Abwahl seiner Vorgänger verarzten. Der SPD gab er im Sozialbereich keinen Anlass zu Klagen, und die Grünen bezirzte er mit besonderer Inbrunst. Und, wie sich zeigen sollte, die Methode hatte Erfolg.

Denn als seine Wiederwahl acht Jahre später anstand, hatten sich die politischen Verhältnisse deutlich verschoben, und nach der Wahl 2014 hatten SPD und Grüne weit bessere Karten auf der Hand als acht Jahre zuvor. Doch nun konnte Paal ernten, was er gesät hatte: Den Grünen war keine Personalfrage wichtiger als die Wiederwahl Paals, und weil der sich wünschte, ins vakante Schul- und Jugenddezernat wechseln zu können, wurde auch dies möglich.

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