Die Kolumne von Carla Reemtsma | Gerichte werden das Problem nicht lösen

Porträt von Carla Reemtsma
von Carla Reemtsma

Guten Tag,

stellen Sie sich mal 4.500 Bäume vor. 4500 Bäume sind eine ganze Menge. 4.500 Bäume brauchen knapp 25 Hektar und kosten zusammen etwa 23.000 Euro. 4500 Bäume – so viele hat das Land NRW in einem Wald südlich von Hiltrup aufgeforstet, um einen Teil der Emissionen der landeseigenen Dienstreisen zu kompensieren. Klingt gut, nicht?

Parallel dazu kommen die Push-Mitteilungen zum Beschluss der UN-Klimakonferenz, ab 2030 keine Wälder mehr zu roden und einer Anti-Methan-Initiative der EU. Methan, das ist ein um ein vielfaches klimaschädlicheres Treibhausgas als CO2. Während die internationale Politik also handelt, übernehmen Privatpersonen wie der superreiche Amazon-Gründer Jeff Bezos Verantwortung und finanzieren mit Milliarden aus ihrem Privatvermögen Klimaschutz- und Biodiversitätsprojekte. Und um dem Ganzen noch eine Krone aufzusetzen, kommt selbst die verrufenste aller Industrien langsam auf einen guten Weg: In Niedersachsen eröffnet die erste Industrieanlage zu massenhaften Herstellung von CO2-neutralem Kerosin, und auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tegels in Berlin soll ein klimaneutraler Stadtteil entstehen. Man könnte als klimabewegter Mensch glatt denken: „Klimakrise? Gelöst. Entspannung angesagt, es läuft doch.“

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