Die Kolumne von Carla Reemtsma | Revolution in Trippelschritten

Porträt von Carla Reemtsma
Mit Carla Reemtsma

Guten Tag,

von einem „Anwalt der Autofahrer“ ist dieser Tage im politischen Berlin die Rede. Gemeint ist damit der designierte FDP-Verkehrsminister Volker Wissing, der sich selbst so bezeichnet hat. Trotz des Aufschreis aus den Reihen des grünen Koalitionspartners – für manche Medien, Mobilitätsforscher:innen und die Klimabewegung ist diese Aussage nur wenig verwunderlich. Das Auto ist weiterhin Fortbewegungsmittel Nummer eins in der Bundesrepublik: Drei von vier Kilometern legen die Deutschen im Auto zurück, knapp 50 Millionen Pkw fahren oder stehen auf den Straßen.

Allen Bekundungen zum Klimaschutz und zur Verkehrswende zum Trotz: Deutschland ist und bleibt ein Autoland, auch wenn sich dies auf den Radwegen in Münster teilweise anders anfühlen mag. In Deutschland werden Autos nicht nur gefahren, sie werden produziert und exportiert, repariert und entwickelt. Die Folgen dieser automobilen Logik offenbaren sich nicht nur in den Beschäftigungsverhältnissen von über 800.000 Angestellten in der Automobilindustrie, sondern auch in den politischen Verhältnissen. Pendlerpauschale und Dieselprivileg sind nur zwei von einem knappen Dutzend Subventionen, welche die Blech gewordene Klimazerstörung und Verkehrskollaps durch Steuergelder finanziell attraktiver machen. Während in anderen EU-Ländern längst sogenannte Bonus-Malus-Systeme den Kauf CO2-intensiver Autos verteuert, wurde hierzulande die dringend notwendige Reform des Sammelsuriums an Subventionen und Steuern im Kfz-Bereich jahrzehntelang verschleppt.

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