Die Kolumne von Juliane Ritter | Die kollektive Erschöpfung

Porträt von Juliane Ritter
von Juliane Ritter (Name geändert)

Guten Tag,

ich bin müde. Müde, weil es immer mehr zunimmt. Die Ohnmacht, die sich in jedem meiner Dienste breitmacht. Die Tage, an denen ich begrüßt werde mit dem Satz: „Gott sei Dank bist du endlich hier, es ist schon wieder zum Heulen.“ Die Tage, an denen ich mich fünfteilen müsste und Pausen oder der pünktliche Feierabend schon bei Ankunft abhake. Es gibt andere Tage, da ist es nicht so sehr am Arbeitsaufwand spürbar. Aber in der Luft schwingt sie immer mit: die kollektive Erschöpfung.

Immer wieder geraten meine Kolleg:innen und ich aneinander, Ärzte und Pflegende haben Auseinandersetzungen, die ungewohnt emotional verlaufen. Unsere privaten Netzwerke laufen heiß mit den Anfragen, ob wir einspringen könnten, die Gedanken drehen sich immer häufiger um die Arbeit. Wir alle spüren, wie der Druck zunimmt – wenn er überhaupt noch größer werden kann.

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