2022 ist nicht 2015 | Musik-Campus weiter auf der Kippe | Kulta App

Müns­ter, 22. März 2022

Guten Tag,

füh­len Sie sich im Moment auch oft an das Jahr 2015 erin­nert? Es war das Jahr, in dem sich 60 Mil­lio­nen Men­schen welt­weit auf die Flucht gemacht haben. Davon kamen allein 1,1 Mil­lio­nen Geflüch­te­te nach Deutsch­land. Nun scheint sich die Geschich­te zu wie­der­ho­len, so zumin­dest der Eindruck.

Und das ist nicht ganz unbe­grün­det. Das ver­deut­li­chen zwei Zah­len: 2015 hat Müns­ter knapp 3.000 Geflüch­te­te auf­ge­nom­men, 2022 sind nur einen Monat nach dem Beginn des rus­si­schen Angriffs auf die Ukrai­ne schon etwa 1.200 Men­schen in die Stadt geflüchtet.

Für die Städ­te ist das eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Immer­hin besteht kein Zwei­fel dar­an, dass sie die Ukrainer:innen auf­neh­men und ver­sor­gen müs­sen. Das ist auch die zen­tra­le Bot­schaft, die Mar­kus Lewe Anfang März in sei­ner Funk­ti­on als Städ­te­tags­prä­si­dent in einem Inter­view bei WDR 5 ver­mit­tel­te. Er sag­te: Die Kom­mu­nen stün­den auf Stand­by, sie müss­ten nur die Infra­struk­tur von 2015 hoch­fah­ren, um den Geflüch­te­ten zu hel­fen, all das sei kein Pro­blem. Damit woll­te Lewe anschei­nend etwas ande­res sagen: Wir haben die Situa­ti­on im Griff, es besteht kein Grund zur Sorge.

Inter­es­sant ist, was Lewe ver­schwie­gen hat: Die bestehen­de Infra­struk­tur wird der Lage nicht gerecht. 2022 ist eben nicht 2015 – es gibt an eini­gen Stel­len struk­tu­rel­le Unter­schie­de, auf die Müns­ter eine Ant­wort fin­den muss. 

Schau­en wir uns ein­mal drei Unter­schie­de genau­er an:

Unterschied 1: Die Stadt muss die Geflüchteten unterbringen

Die Auf­nah­me von Geflüch­te­ten ist eigent­lich eine Auf­ga­be des Lan­des. Seit Ende 2017 wen­det Nord­rhein-West­fa­len ein drei­stu­fi­ges Auf­nah­me­ver­fah­ren an. Die Schutz­su­chen­den müs­sen drei Sta­tio­nen durch­lau­fen, bevor sie aner­kannt und einer Kom­mu­ne zuge­teilt wer­den. Das funk­tio­niert so:

  • Zuerst kom­men die Geflüch­te­ten nach Bochum. Dort wird nur ihre Iden­ti­tät in einer zen­tra­len Ein­rich­tung fest­ge­stellt, das Gan­ze dau­ert höchs­tens ein paar Stunden.
  • Danach wer­den die Geflüch­te­ten in eine Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung gebracht. Die von Müns­ter aus nächst­ge­le­ge­ne Unter­kunft befin­det sich in Unna. Dort kön­nen die Geflüch­te­ten einen Asyl­an­trag stel­len und maxi­mal andert­halb Wochen bleiben.
  • Erst danach geht es wei­ter in die Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung, kurz ZUE. Das Land unter­hält zur­zeit 28 die­ser Unter­künf­te, eine davon ist die ehe­ma­li­ge York-Kaser­ne. In der ZUE ent­schei­det sich für die Asyl­su­chen­den alles: Blei­ben sie als aner­kann­te Geflüch­te­te in Deutsch­land oder müs­sen sie das Land wie­der ver­las­sen? Bis die­se Fra­ge geklärt ist, ver­geht viel Zeit. Bis zu 24 Mona­te kön­nen Schutz­su­chen­de in einer ZUE blei­ben. So lan­ge küm­mert sich das Land NRW um die Geflüch­te­ten; erst nach ihrem Aus­zug kom­men sie in eine Kom­mu­ne, die für sie ver­ant­wort­lich ist.

Die­ses geord­ne­te Ver­fah­ren griff in den ers­ten Wochen nicht, denn die Ukrai­ne ist ein Son­der­fall. Anders als Geflüch­te­te aus Syri­en oder Afgha­ni­stan kön­nen Ukrainer:innen recht ein­fach nach Deutsch­land ein­rei­sen und müs­sen des­halb das Drei-Stu­fen-Pro­ze­de­re auch nicht durchlaufen.

Seit 2017 kön­nen Ukrainer:innen für 90 Tage ohne Visum in Deutsch­land blei­ben, vor­aus­ge­setzt, sie besit­zen einen bio­me­tri­schen Rei­se­pass. Haben sie so einen Pass nicht, ist das im Moment kein Pro­blem, denn bis zum 23. Mai brau­chen Ukrainer:innen in Deutsch­land kei­nen Auf­ent­halts­ti­tel. Und auch wenn die 90-Tage-Frist abge­lau­fen ist, kön­nen die Geflüch­te­ten ihren vis­um­frei­en Auf­ent­halt unkom­pli­ziert bei der Aus­län­der­be­hör­de ver­län­gern, schreibt das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um auf sei­ner Web­site. Dort steht auch, dass Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne kei­nen Asyl­an­trag in Deutsch­land stel­len müssen. 

Für Städ­te wie Müns­ter bedeu­te­te die­ses unge­re­gel­te Ver­fah­ren aber eines: viel Arbeit. Die Kom­mu­nen müs­sen die Geflüch­te­ten regis­trie­ren, ver­sor­gen und unter­brin­gen, bis eine ande­re Unter­kunft gefun­den ist. Das sind alles Auf­ga­ben, die nor­ma­ler­wei­se das Land über­nimmt, und die für Geflüch­te­te aus ande­ren Län­dern als der Ukrai­ne auch wei­ter­hin bestehen bleiben.

Immer­hin soll jetzt die Ver­tei­lung über die Bun­des­län­der geord­net wer­den: Seit dem 16. März tei­len sich die Län­der die Geflüch­te­ten nach dem soge­nann­ten König­stei­ner Schlüs­sel auf. Er legt fest, wel­chen Anteil der Geflüch­te­ten ein Bun­des­land auf­neh­men muss. Der Schlüs­sel ergibt sich zu einem Drit­tel aus der Ein­woh­ner­zahl und zu zwei Drit­teln aus den Steu­er­ein­nah­men der Län­der. NRW muss sich danach um rund ein Fünf­tel (21 Pro­zent) aller nach Deutsch­land geflüch­te­ten Men­schen aus der Ukrai­ne kümmern.

Auf jeden Fall wer­den immer mehr Men­schen nach Müns­ter kom­men, solan­ge der Krieg andau­ert. Dafür braucht die Stadt Per­so­nal, das aktu­ell nicht so ein­fach zu bekom­men ist. Laut Betreu­ungs­schlüs­sel der Stadt soll ein:e Sozialarbeiter:in für 100 Geflüch­te­te zustän­dig sein (das kön­nen zwei Per­so­nen mit jeweils einer hal­ben Stel­le sein). Ob der Betreu­ungs­schlüs­sel erfüllt ist, wis­sen wir nicht. Die Stadt bekommt zur­zeit wegen der hohen Zahl an Schutz­su­chen­den Hil­fe von Orga­ni­sa­tio­nen wie den Ale­xia­nern. Genau bezif­fern las­se sich die Zahl der Hilfs­kräf­te aber nur schwer.

Unterschied 2: Wir haben eine Pandemie

Durch die Coro­na­pan­de­mie drängt sich eine Fra­ge auf, die 2015 noch nicht so sehr im Fokus stand: Wie wer­den die Ukrainer:innen kran­ken­ver­si­chert? Und wie kön­nen sie sich vor einer Infek­ti­on schüt­zen? Das ist neben der Regis­trie­rung und Unter­brin­gung eine drit­te Auf­ga­be, für die Kom­mu­nen jetzt zustän­dig sind.

Die Kran­ken­ver­si­che­rung ist dabei das kleins­te Pro­blem. Den Schutz der Ukrainer:innen regelt das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz. Sie stel­len zwar in aller Regel kei­nen Asyl­an­trag, haben aber trotz­dem Anspruch auf Leis­tun­gen. Eine die­ser Leis­tun­gen ist die Kran­ken­ver­si­che­rung mit elek­tro­ni­scher Gesund­heits­kar­te, die in Müns­ter die Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se ausstellt.

Beim Infek­ti­ons­schutz sieht es anders aus. Die Ukrai­ne gehört zu den Län­dern in Euro­pa mit der nied­rigs­ten Impf­quo­te: Nur jede:r Drit­te ist dop­pelt geimpft und weni­ger als zwei Pro­zent haben eine Boos­ter­imp­fung erhal­ten. Hin­zu kommt: Die Ukrai­ne hat teil­wei­se den chi­ne­si­schen Impf­stoff Sino­vac und das rus­si­sche Pro­dukt Sput­nik gespritzt. Bei­de Impf­stof­fe sind hier nicht zuge­las­sen. Heißt: Wer damit immu­ni­siert wor­den ist, gilt in Deutsch­land als unge­impft. Das senkt die gerin­ge Impf­quo­te noch weiter.

Der Impf­schutz dürf­te aber eine gro­ße Rol­le spie­len bei der Auf­nah­me der Geflüch­te­ten. Durch die hohen Fall­zah­len in Deutsch­land arbei­ten die Gesund­heits­äm­ter zur­zeit ohne­hin am Limit. Wie aber sol­len sich die Geflüch­te­ten vor Anste­ckung schüt­zen, wenn sie zumin­dest eine Zeit­lang auf beeng­tem Raum in Mas­sen­un­ter­künf­ten leben?

Die Lösung heißt da: mehr tes­ten, mehr bera­ten, mehr über­zeu­gen. Laut Stadt ist dafür ein rus­sisch­spra­chi­ger Arzt in der Oxford-Kaser­ne ein­ge­setzt. Dort liegt auch Info­ma­te­ri­al auf Ukrai­nisch aus. Außer­dem teilt die Stadt auf Anfra­ge mit, dass sie den Ukrainer:innen ab die­ser Woche ver­stärkt Impf­an­ge­bo­te machen will.

Belast­ba­re Zah­len dar­über, ob und in wel­chem Umfang die Ukrainer:innen die bis­he­ri­gen Impf­an­ge­bo­te wahr­ge­nom­men haben, habe man nicht, teilt die Stadt mit. Sie ver­weist dar­auf, dass sich die Geflüch­te­ten theo­re­tisch über­all imp­fen las­sen könnten.

Unterschied 3: Die Solidarität ist riesig, schafft aber auch Probleme

In den Nach­rich­ten rund um den Krieg in der Ukrai­ne leuch­tet immer wie­der ein Hoff­nungs­schim­mer auf: Die Hilfs­be­reit­schaft der Men­schen ist sehr groß. Vie­le spen­den Geld oder Gegen­stän­de an die Geflüch­te­ten oder neh­men sie sogar bei sich zu Hau­se auf. Von den mehr als 1.000 Ukrainer:innen, die Müns­ter bis­lang auf­ge­nom­men hat, leben 187 laut Stadt bei Privatpersonen.

Offen­bar lädt die Not­la­ge der Men­schen aber auch dazu ein, aus ihrer Situa­ti­on Pro­fit zu schla­gen. Die Stadt teil­te letz­te Woche mit, dass an eini­gen Ein­rich­tun­gen unbe­kann­te Män­ner bereits ver­sucht hät­ten, geflüch­te­te Ukrai­ne­rin­nen in ihre Autos zu locken. Es mel­de­ten sich sogar Men­schen, die sehr genaue Vor­stel­lun­gen vom Alter, Geschlecht und Gewicht der Men­schen hat­ten, die sie auf­neh­men woll­ten. In einem zwei­ten Schritt plan­ten sie gleich die Hochzeit. 

Der­ar­ti­ge Wohn­an­ge­bo­te ver­mitt­le die Stadt nicht, hieß es. Gene­rell ver­su­che man, bei der Ver­mitt­lung in pri­va­te Unter­künf­te Fin­ger­spit­zen­ge­fühl zu bewei­sen. Denn es habe schon Fäl­le gege­ben, in denen Geflüch­te­te wie­der aus den Pri­vat­un­ter­künf­ten aus­ge­zo­gen sei­en. Ent­we­der aus ganz prag­ma­ti­schen Grün­den, zum Bei­spiel, weil sie doch bei Ver­wand­ten unter­kom­men konn­ten. Oder weil es den Gastgeber:innen zu viel wurde.

Der Stadt sei ein Fall bekannt, bei dem eine Frau aus der Ukrai­ne zu ihrem eige­nen Schutz wie­der aus einer Pri­vat­woh­nung aus­zog. Ob die Frau Anzei­ge erstat­tet hat, sei nicht bekannt. Aber sie wer­de von geschul­tem Per­so­nal der Stadt betreut. 

Grund­sätz­lich prü­fe die Stadt die Woh­nun­gen vor­ab, um zu schau­en, ob alles passt. Stimmt die Che­mie zwi­schen den Bewoh­nen­den? Kön­nen sich alle mit der neu­en Situa­ti­on arran­gie­ren? Und über­haupt: In wel­chem Zustand ist die Woh­nung? Ist sie zum Bei­spiel für geh­be­hin­der­te Geflüch­te­te barrierefrei?

Die Lösung muss von oben kommen

Regis­trie­rung, Unter­brin­gung, Impf­schutz, Wohn­raum­ver­mitt­lung – Müns­ter muss zur­zeit vie­le Auf­ga­ben stem­men. Der Auf­wand wird wohl auf abseh­ba­re Zeit nicht abneh­men. Es wäre aber unfair zu sagen, die Stadt sei nicht gut auf die Geflüch­te­ten vor­be­rei­tet gewe­sen. Eini­ge der struk­tu­rel­len Defi­zi­te sind Alt­las­ten aus dem Jahr 2015.

Dass die Kom­mu­nen selbst die Geflüch­te­ten regis­trie­ren und zum Teil auch pri­vat unter­brin­gen, wirkt zunächst wie ein gro­ßes Auf­nah­me­cha­os. Domi­nik Hüging sieht dar­in eher eine schnel­le und prag­ma­ti­sche Lösung. Er arbei­tet für die Gemein­nüt­zi­ge Gesell­schaft zur Unter­stüt­zung Asyl­su­chen­der (GGUA) in Müns­ter. Und er sagt, in vie­len Punk­ten sei die gegen­wär­ti­ge Pra­xis das Wunsch­sze­na­rio der GGUA und auch ande­rer Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen. Die Ukrainer:innen müss­ten nicht das drei­stu­fi­ge Auf­nah­me­pro­ze­de­re in NRW durch­lau­fen, son­dern könn­ten unkom­pli­ziert bei Ver­wand­ten, Freund:innen oder hilfs­be­rei­ten Men­schen woh­nen. Die Sam­mel­un­ter­künf­te der Stadt sei­en nur eine Zwi­schen­sta­tio­nen für weni­ge Wochen. Und die Ukrainer:innen könn­ten sofort arbei­ten, ohne eine Erlaub­nis bean­tra­gen zu müssen.

All das sei rich­tig und begrü­ßens­wert, sagt Hüging, aber die­se unkom­pli­zier­ten Regeln gäl­ten eben nicht für alle Geflüch­te­ten. Sei­ne Kri­tik hat Hüging in einem offe­nen Brief auf­ge­schrie­ben. In dem Brief wirbt er dafür, die­sen Tun­nel­blick zu wei­ten. Zum Teil gehe die rich­ti­ge Soli­da­ri­tät mit den Ukrainer:innen auch zu Las­ten der­je­ni­gen Geflüch­te­ten, die län­ger hier leben. Hüging selbst arbei­tet in der Unter­kunft auf dem Gelän­de der frü­he­ren York-Kaser­ne. Sie sei seit Beginn des Krie­ges über­be­legt, in vie­len Mehr­bett­zim­mern stün­den jetzt noch mehr Bet­ten. Eini­ge Bewohner:innen in der York-Kaser­ne frag­ten sich nun zu Recht, was mit ihnen sei, ob ihnen jetzt auch jemand hel­fe oder ob man sie schlicht ver­ges­sen habe, berich­tet Hüging.

An die­ser gro­ßen Stell­schrau­be kann Müns­ter aber kaum dre­hen, denn hier geht es um den Rechts­rah­men. Die gro­ße Lösung muss von Bund und Län­dern kom­men. Ein­zig in einem Punkt kann Müns­ter gezielt han­deln: Die Stadt kann Wohn­raum schaf­fen. Aber dass der hier knapp ist, ist lei­der kei­ne Neuigkeit.

Korrekturen und Ergänzungen

In mei­nen letz­ten RUMS-Brief habe ich über das Phä­no­men Doom­scrol­ling geschrie­ben. Das eng­li­sche Wort „doom” habe ich dabei über­setzt mit „Unter­gang”. Danach hat sich ein auf­merk­sa­mer Leser bei mir gemel­det, der eng­li­scher Mut­ter­sprach­ler ist und mich dar­auf auf­merk­sam gemacht hat, dass „doom” nicht „Unter­gang”, son­dern eher „Ver­häng­nis” bedeu­tet. Laut Lan­gen­scheidt geht bei­des. Aber einen Unter­schied macht es natür­lich schon. Die­ses Wort ist mir in die­sem Fall zwar zum Ver­häng­nis gewor­den, aber das ist hof­fent­lich nicht der Unter­gang. Auch nach einem sechs­se­mest­ri­gen Eng­lisch-Stu­di­um liegt man manch­mal knapp daneben.

Und noch eine Kor­rek­tur zur Kolum­ne von Car­la Reem­ts­ma am Sonn­tag. In einer ers­ten Ver­si­on stand im Text, Nord­rhein-West­fa­len sei nicht nur das ein­woh­ner­reichs­te Bun­des­land, son­dern auch flä­chen­mä­ßig das größ­te. Das stimmt nicht. Baden-Würt­tem­berg, Nie­der­sach­sen und Bay­ern sind flä­chen­mä­ßig grö­ßer. Wir haben das korrigiert. 

Engagement in Münster: Unsere Interviews aus der RUMS-Hütte zum Nachlesen

#12 Weit­blick

In den letz­ten Wochen haben wir Ihnen in unse­rer Rei­he Enga­ge­ment in Müns­ter zahl­rei­che Men­schen vor­ge­stellt, die sich in der Stadt enga­gie­ren. Heu­te schal­ten wir das letz­te Inter­view aus die­ser Rei­he für Sie frei. Dar­in hat Eva Strehlke mit Helen Schlü­ter von der Stu­die­ren­den­in­itia­ti­ve Weit­blick Müns­ter dar­über gespro­chen, war­um sie sich für gerech­te­re Bil­dungs­chan­cen ein­setzt und was man beim Schul­bau in Benin alles ler­nen kann. Das Inter­view fin­den Sie hier.

Wenn Sie eins unse­rer Inter­views ver­passt haben soll­ten oder wenn Sie sich über eine der Orga­ni­sa­tio­nen noch ein­mal infor­mie­ren möch­ten: Unse­re zwölf Inter­views sowie alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen zu unse­ren Gesprächspartner:innen und deren Enga­ge­ment fin­den Sie auf die­ser Sei­te.

In aller Kürze

+++ In der Grü­nen-Frak­ti­on hät­te am Mon­tag­abend eine Ent­schei­dung über den Musik-Cam­pus fal­len kön­nen, aber das ist noch nicht pas­siert. Die Situa­ti­on ist ver­fah­ren. Bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung in der ver­gan­ge­nen Woche sprach Frak­ti­ons­spre­cher Chris­toph Kat­tentidt von einer hauch­zar­ten Mehr­heit für den Cam­pus in der Frak­ti­on. Die Mit­glie­der der Par­tei ent­schie­den sich deut­lich dage­gen. Stimmt die Frak­ti­on nun trotz­dem dafür, setzt sie sich über das Votum der Mit­glie­der hin­weg. Stimmt sie dage­gen, gibt’s Pro­ble­me in der Koali­ti­on, denn die SPD ten­diert zu einem Ja. Und das wür­de bedeu­ten: Eine Mehr­heit für den Cam­pus könn­te sich auch ohne die Grü­nen fin­den, denn die CDU ist in jedem Fall dafür. Dann hät­ten die Grü­nen dage­gen gestimmt, den Cam­pus aber nicht ver­hin­dert. Dazu stün­de die Koali­ti­on vor einer har­ten Pro­be. Und nun? Eine Mehr­heit gegen den Cam­pus ist unwahr­schein­lich. Eine Mög­lich­keit wäre, die Abstim­mung inner­halb der Koali­ti­on frei­zu­ge­ben. Das Ergeb­nis wäre wahr­schein­lich eine Mehr­heit für den Cam­pus. Plat­zen könn­te dann alles trotz­dem noch. Die Koali­ti­on könn­te in ein Ja-Votum eine Reiß­lei­ne mon­tie­ren – Bedin­gun­gen, die das Pro­jekt zum Schei­tern brin­gen, wenn sie nicht erfüllt sind, zum Bei­spiel Bedin­gun­gen zur Finan­zie­rung. Ob man das Pro­jekt dann in einem so spä­ten Sta­di­um noch stoppt, wäre wie­der eine ande­re Fra­ge. In einer Woche wis­sen wir ver­mut­lich mehr. 

+++ Die Stadt rich­tet zwei Not­un­ter­künf­te für Geflüch­te­te aus der Ukrai­ne her, berich­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten. Damit will sie ins­ge­samt Plät­ze für 800 Schutz­su­chen­de schaf­fen, 600 in der Hal­le Müns­ter­land und 200 in der Drei­fach­hal­le Rox­el. Die Bezirks­re­gie­rung will außer­dem 5.000 neue Plät­ze schaffen.

+++ Ken­nen Sie die­se bei­den Män­ner? Sie haben in Müns­ter an den Coro­na-Demons­tra­tio­nen teil­ge­nom­men. Die Poli­zei sucht sie nun wegen des Ver­dachts der Volks­ver­het­zung. Der eine Mann fiel bereits bei einem Spa­zier­gang Ende letz­ten Jah­res auf. Er trug einen gel­ben David­stern mit der Auf­schrift „0G” an der Jacke. Der ande­re Tat­ver­däch­ti­ge geriet Mit­te Janu­ar in den Fokus der Poli­zei. Er führ­te wäh­rend der Demons­tra­ti­on ein klei­nes Pla­kat mit sich, auf dem Sät­ze stan­den, die das Imp­fen mit den Taten des NS-Ver­bre­chers Josef Men­ge­le verglichen. 

+++ Seit heu­te früh füh­ren ver­schie­de­ne Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den in ganz Deutsch­land Raz­zi­en im Zusam­men­hang mit Hass-Postings im Inter­net durch. Wie der WDR mel­det, fin­den Durch­su­chun­gen auch in Müns­ter statt. Mit dem heu­ti­gen Akti­ons­tag will das Bun­des­kri­mi­nal­amt gegen die Verfasser:innen von Hass­kom­men­ta­ren gegen bun­des­weit bekann­te Politiker:innen, geziel­te Falsch­mel­dun­gen und Falsch­zi­ta­te sowie Dif­fa­mie­run­gen und Dis­kre­di­tie­run­gen im Netz vor­ge­hen. Zwei Drit­tel der Opfer sind übri­gens Frauen.

Kor­rek­tur­hin­weis: In einer frü­he­ren Ver­si­on hieß es an die­ser Stel­le, dass zwei Drit­tel der Beschul­dig­ten Frau­en sind. Das ist falsch, wir haben den Feh­ler korrigiert.

+++ Zum Schluss noch eine Ser­vice-Mel­dung: Von 1. bis 21. Mai fin­det das Stadt­ra­deln statt, zu dem Sie sich seit die­ser Woche in Teams ab zwei Per­so­nen anmel­den kön­nen. Fahr­rad fah­ren ist ja in Zei­ten stei­gen­der Sprit­prei­se kei­ne all­zu schlech­te Idee.

Engagement in Münster: Unsere Interviews aus der RUMS-Hütte zum Nachlesen

#8 Wei­ßer Ring

Heu­te schal­ten wir das ach­te Inter­view aus unse­rer Rei­he Enga­ge­ment in Müns­ter für Sie frei. Unse­re Mit­ar­bei­te­rin Johan­ne Burk­hardt hat mit Sig­rid Peh­le vom Wei­ßen Ring dar­über gespro­chen, wie Opfern von Gewalt­ta­ten gehol­fen wer­den kann. Das Inter­view fin­den Sie hier.

Im Rah­men unse­rer Mar­ke­ting­ak­tio­nen auf dem Weih­nachts­markt in Müns­ter haben wir Men­schen vor­ge­stellt, die sich in der Stadt enga­gie­ren. Jede Woche ver­öf­fent­li­chen wir eins die­ser Gesprä­che in gekürz­ter Ver­si­on als schrift­li­ches Inter­view. Die bis­her erschie­ne­nen (#1 Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, #2 Müns­­ter-Tafel, #3 Anti Rost Müns­ter, #4 Haus Tho­mas, #5 Ein Ruck­sack voll Hoff­nung, #6 See­brü­cke Müns­ter und #7 Kei­nen Meter den Nazis) fin­den Sie auf die­ser Sei­te. Das neun­te Inter­view aus unse­rer Rei­he ver­lin­ken wir dann nächs­te Woche wie­der an die­ser Stel­le für Sie.

Corona-Update

+++ Auch in die­ser Woche hat die Stadt einen neu­en Coro­na-Rekord auf­ge­stellt. Dies­mal ist die Sie­ben-Tages-Inzi­denz erst­mals seit Pan­de­mie­be­ginn über 2.000 gestie­gen. Heu­te ist Wochen­in­zi­denz leicht gesun­ken auf 1.921 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Einwohner:innen in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen. Zur­zeit sind 9.523 Münsteraner:innen nach­weis­lich mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert. 92 Covid-Patient:innen lie­gen im Kran­ken­haus, zwölf davon auf der Inten­siv­sta­ti­on und fünf wer­den beatmet.

+++ Die Stadt mel­det heu­te außer­dem einen neu­en Todes­fall im Zusam­men­hang mit dem Coro­na­vi­rus. Eine 92-jäh­ri­ge Frau ist mit Covid-19 gestor­ben. Sie ist das 186. Todes­op­fer seit Beginn der Coronapandemie.

+++ Wäh­rend die Fall­zah­len stei­gen, strei­tet die Lan­des­po­li­tik über den rich­ti­gen Umgang damit. Mit dem neu­en Infek­ti­ons­schutz­ge­setz gel­ten die meis­ten Coro­na­maß­nah­men zwar nicht mehr, sie kön­nen aber mit der soge­nann­ten Hot­spot-Rege­lung reak­ti­viert wer­den. Ab wel­chem Inzi­denz­wert ein Ort zum Hot­spot wird, dar­über sagt das Gesetz nichts. Die Rege­lung greift erst, wenn eine gefähr­li­che Virus­mu­ta­ti­on auf­taucht oder das Gesund­heits­sys­tem über­las­tet ist. Für die Grü­nen im Düs­sel­dor­fer Land­tag ist das bereits jetzt für ganz NRW der Fall, die SPD dage­gen erkennt regio­na­le Hot­spots, die FDP gar kei­ne. Minis­ter­prä­si­dent Hen­drik Wüst scheint jeden­falls nicht ange­tan zu sein von dem Infek­ti­ons­schutz­ge­setz. Für ihn sei es laut dpa „das exak­te Gegen­teil” des­sen, was die Län­der bräuch­ten, um adäquat auf die Pan­de­mie reagie­ren zu können.

+++ Der Krieg in der Ukrai­ne beein­flusst inzwi­schen auch die Pan­de­mie­be­kämp­fung: Letz­te Woche teil­te die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters mit, dass die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on im Zuge der Russ­landsank­tio­nen die Prü­fung des Impf­stof­fes Sput­nik V aussetzt.

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Drinnen und draußen

+++ Wenn Sie unse­re Brie­fe auf­merk­sam ver­fol­gen, wis­sen Sie, dass Ver­kehr eines unse­rer Dau­er­the­men ist. Wenn Sie das genau­so inter­es­siert, dürf­te die mor­gi­ge Podi­ums­dis­kus­si­on zur Ver­kehrs­wen­de in Müns­ter etwas für Sie sein. Dis­ku­tie­ren wer­den der ehe­ma­li­ge Kopen­ha­ge­ner Bür­ger­meis­ter für Umwelt und Tech­nik Mor­ten Kabell, die Kli­ma­ak­ti­vis­tin Han­na Har­hu­es und Ver­kehrs­po­li­ti­ker und Rats­frak­ti­ons­spre­cher der Lin­ken Ulrich Tho­den. Und wenn Sie sich auch betei­li­gen möch­ten, dann geht das im Anschluss an die Podi­ums­dis­kus­si­on. Sie kön­nen sich noch bis mor­gen Mit­tag mit einer E-Mail an die­se Adres­se anmel­den. Die Dis­kus­si­on beginnt dann um 19 Uhr im Begeg­nungs­zen­trum Meerwiese.

+++ Und wo wir gera­de dabei sind: Der Ver­kehrs­club VCD dis­ku­tiert am Sams­tag über die Mobi­li­täts­wen­de im Müns­ter­land, vor allem über den Bus­ver­kehr. Auf dem Podi­um hier unter ande­rem: Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer Frank Gäf­gen, der frü­he­re Stadt­wer­ke-Nah­ver­kehrs­lei­ter und heu­ti­ge Ver­kehrs­pla­ner Rein­hard Schul­te sowie Gre­gor Speer und Joa­chim Kün­zel von den bei­den Ver­bän­den, die den Nah­ver­kehr in der Regi­on orga­ni­sie­ren (ZVM und NWL). Los geht es am Sams­tag um 10.15 Uhr in der Men­sa der Gesamt­schu­le Müns­ter Mit­te. Genaue­res hier. (Kor­rek­tur­hin­weis: Wir hat­ten zunächst eine fal­sche Anfangs­zeit ange­ge­ben. Das haben wir korrigiert.)

+++ Das Kunst­mu­se­um Pablo Picas­so zeigt aktu­ell avant­gar­dis­ti­sche Wer­ke afri­ka­ni­scher Künstler:innen. Aber afri­ka­ni­sche Kunst in euro­päi­schen Muse­en soll­te gera­de vor dem Hin­ter­grund der Raub­kunst und Kolo­ni­al­herr­schaft reflek­tiert wer­den. Das tut Feli­pe Espi­no­za Gar­ri­do von der Uni Müns­ter mor­gen in sei­nem Vor­trag über das Muse­um als Ort der Macht­aus­übung. Er beginnt um 19 Uhr im Stu­di­en­saal des Picas­so­mu­se­ums. Anmel­den kön­nen Sie sich mit einer E-Mail an die­se Adres­se.

+++ Über uns Journalist:innen und „die Medi­en” gibt es vie­le Kli­schees. Eini­ge davon greift das neue Thea­ter­stück „Das Inter­view” im Klei­nen Büh­nen­bo­den auf. Als ehe­ma­li­ger Kriegs­be­richt­erstat­ter soll ein Poli­tik­re­dak­teur in sei­ner Mid­life-Cri­sis eine jun­ge Schau­spie­le­rin inter­view­en. So rich­tig ernst scheint er sei­ne Inter­view­part­ne­rin aber nicht zu neh­men und gut vor­be­rei­tet ist er auch nicht. Eine Tat­sa­che, die offen­bar auf Gegen­sei­tig­keit beruht: Die Schau­spie­le­rin hat näm­lich auch kei­ne Lust. Trotz­dem müs­sen die bei­den ihre Auf­ga­be erfül­len. Er soll ihr etwas Inti­mes ent­lo­cken, sie muss sich geschickt insze­nie­ren. Und weil wir hier bei RUMS immer für eine gute Medi­en­kri­tik zu haben sind, wei­sen wir Sie ger­ne auf die Pre­mie­re am Frei­tag hin. Ein paar ver­ein­zel­te Kar­ten gibt es noch hier. Aber kei­ne Sor­ge, ab April war­ten noch wei­te­re Ter­mi­ne.

+++ Und zum Schluss noch zwei Gewin­ner: Im RUMS-Brief am Frei­tag haben wir zwei­mal zwei Kar­ten für das Kon­zert der Band Das Lum­pen­pack am 29. Mai im Ska­ters Palace ver­lost. Stel­len Sie sich jetzt bit­te einen anschwel­len­den Trom­mel­wir­bel vor. Gewon­nen haben: Felix Krapp und Joa­chim Bothe. Herz­li­chen Glück­wunsch. Ihre Namen ste­hen am 29. Mai auf der Gästeliste. 

Am Frei­tag schreibt Ihnen Johan­ne Burk­hardt. Ich wün­sche Ihnen eine schö­ne Woche.

Herz­li­che Grüße

Sebas­ti­an Fobbe

Mit­ar­beit: Johan­ne Burk­hardt, Ralf Heimann


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PS

Wer im Kuh­vier­tel unter­wegs ist und vom Rosen­platz zur Uni­ver­si­täts­stra­ße will, hat sich bestimmt schon gewun­dert, was da los ist. Am Ende der Rou­te steht eine Bau­stel­le, die den Weg ver­sperrt. Die Umlei­tung führt über die Wil­mer­gas­se an den Schloss­platz. Das gro­ße Schild, das am Rosen­platz steht, erweckt aber den Ein­druck, die Über­was­ser­stra­ße sei gesperrt. Die­sel­be Irre­füh­rung fin­det sich auch an der Ecke Frauenstraße/Krummer Tim­pen. Das Schild dort ist auch so auf­ge­stellt, dass man mei­nen könn­te, die Frau­en­stra­ße sei gesperrt. Haben Sie den Über­blick schon ver­lo­ren? Dann kön­nen Sie sich hier und hier ein Bild von der Irre…, äh Ver­kehrs­füh­rung machen.