Neue Corona-Regeln | Das große Impfen | Eltern müssen keine iPads kaufen

Müns­ter, 15. Dezem­ber 2020

Guten Tag,

das Weih­nachts­ge­schäft in der Innen­stadt ist seit heu­te Abend vor­bei. Die Läden blei­ben bis zum 10. Janu­ar geschlos­sen. Das ist für die Geschäfts­leu­te eine Kata­stro­phe, aber es hat auch Fol­gen, über die man sich viel­leicht erst in eini­gen Tagen Gedan­ken machen wird. Gel­ten die ver­spro­che­nen Lie­fer­fris­ten auch unter die­sen Umstän­den wei­ter­hin? Oder wer­den vie­le Men­schen in die­sem Jahr statt eines Geschenks die Ent­schul­di­gung „Es ist lei­der noch nicht ange­kom­men“ mög­lichst hübsch ver­pa­cken müs­sen? Und was ist mit den Eltern, die Wunsch­zet­tel nicht ganz so gründ­lich lesen? So rich­tig trös­ten wird es die Kin­der wohl nicht, wenn es unter dem Baum dann heißt: „Ist doch nicht schlimm. Das tau­schen wir ein­fach um – in knapp drei Wochen.” 

Zunächst wird es aber um ganz ande­re Pro­ble­me gehen. Und das hat mit den neu­en Coro­na-Regeln zu tun, die ab mor­gen gel­ten. Hier ein Überblick:

  • Pri­va­te Tref­fen dür­fen wei­ter­hin statt­fin­den, aller­dings mit maxi­mal fünf Men­schen aus maxi­mal zwei Haus­hal­ten. Kin­der unter 14 Jah­ren zäh­len nicht. 
  • Über die Weih­nachts­ta­ge gel­ten Aus­nah­men. Es dür­fen vier Per­so­nen zu Besuch sein, die nicht zum eige­nen Haus­halt gehö­ren. Auch hier wer­den Kin­der bis 14 Jah­re nicht eingerechnet.
  • An Schu­len in Nord­rhein-West­fa­len gilt seit Mon­tag kei­ne Prä­senz­pflicht mehr. In den ers­ten bis sieb­ten Klas­sen gilt: Die Eltern ent­schei­den, ob die Kin­der am Unter­richt teil­neh­men. Ab der ach­ten Klas­se fin­det nur noch Distanz­un­ter­richt statt. 
  • Die Kitas in Nord­rhein-West­fa­len blei­ben geöff­net. Aller­dings bit­tet die Lan­des­re­gie­rung Eltern, das Ange­bot nur zu nut­zen, „wenn es abso­lut not­wen­dig ist“.
  • Der Ein­zel­han­del schließt bis zum 10. Janu­ar. Dar­um ging es oben schon. Geöff­net blei­ben nur Geschäf­te des täg­li­chen Bedarfs, also zum Bei­spiel Lebens­mit­tel­märk­te, Dro­ge­rien, Apo­the­ken, Tank­stel­len, Fahr­rad­werk­stät­ten, Bank- und Post­fi­lia­len, Baby­fach­märk­te und Abhol- wie Lie­fer­diens­te (alle Aus­nah­men im Beschluss unter Punkt 5). Für alle Bau­märk­te, die nach dem heu­te zu erwar­ten­den Ansturm noch ste­hen, bedeu­tet das: Sie dür­fen ab mor­gen nur noch Weih­nachts­bäu­me verkaufen.
  • Fri­seur­sa­lons sind ab mor­gen geschlos­sen, eben­so wie Kos­me­tik­sa­lons, Tat­too-Stu­di­os oder Massagepraxen. 
  • Medi­zi­nisch not­wen­di­ge Behand­lun­gen sol­len wei­ter mög­lich sein, also zum Bei­spiel Phy­sio-, Ergo- oder Logotherapien. 
  • In ande­ren Unter­neh­men gilt: Wer ins Büro muss, muss auch wei­ter­hin ins Büro. Es sei denn, das Unter­neh­men ist so nett, die Betriebs­fe­ri­en zu ver­län­gern oder die Arbeit von zu Hau­se zu erlau­ben. Hier gel­ten kei­ne Ver­bo­te. Die Fir­men wer­den ledig­lich „drin­gend gebe­ten, zu prü­fen“, ob sol­che Lösun­gen nicht mög­lich seien.
  • Alko­hol trin­ken in der Öffent­lich­keit ist erst mal nicht mehr erlaubt.
  • Zu Sil­ves­ter kann man sich eine Faust­re­gel mer­ken: Vor der Haus­tür ist so gut wie alles ver­bo­ten, was mit vie­len Men­schen und Böl­lern zu tun hat. Es gilt ein Ver­kaufs­ver­bot für Feu­er­werks­kör­per. Men­schen dür­fen nicht in grö­ße­ren Grup­pen zusam­men­ste­hen (Ver­samm­lungs- und Ansamm­lungs­ver­bot). Böl­lern ist über­all da ver­bo­ten, wo sich nor­ma­ler­wei­se vie­le Men­schen dazu tref­fen – auf grö­ße­ren öffent­li­chen Plät­zen, zum Bei­spiel am Hafen oder auf dem Dom­platz. Was mög­lich wäre: Die übrig geblie­be­nen Chi­na-Böl­ler aus dem ver­gan­ge­nen Jahr allei­ne oder zusam­men mit den weni­gen Gäs­ten im Gar­ten oder im Hin­ter­hof in die Luft jagen. Das gin­ge. Aber ob Sie dar­auf Lust haben, das müs­sen Sie selbst wissen.
  • Restau­rants und Lie­fer­diens­te dür­fen wei­ter­hin Essen lie­fern oder zum Mit­neh­men verkaufen.
  • Got­tes­diens­te und Tref­fen von Glau­bens­ge­mein­schaf­ten sind erlaubt, wenn Men­schen 1,5 Meter Abstand hal­ten, Mas­ken tra­gen und nicht sin­gen. Dann dür­fen so vie­le Men­schen teil­neh­men, wie Platz ist. Wenn zu erwar­ten sei, dass die Kapa­zi­tä­ten aus­ge­las­tet sein könn­ten, so steht es vage im Beschluss, sei­en aller­dings Anmel­dun­gen nötig.
  • In Alten- und Pfle­ge­hei­men wird das Per­so­nal mehr­mals in der Woche getes­tet. Das gilt auch für die Beschäf­tig­ten von mobi­len Pfle­ge­diens­ten. Die Bun­des­re­gie­rung zahlt Schnell­tests und siche­re FFP2-Masken.

In Regio­nen mit mehr als 50 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb von sie­ben Tagen, also einer Sie­ben-Tage-Inzi­denz von über 50, kön­nen die Regeln je nach Bedarf wei­ter ver­schärft wer­den. Wie es ab dem 11. Janu­ar (Hier stand erst irr­tüm­lich Dezem­ber, Anm. d. Red.) wei­ter­geht, ent­schei­den die Bun­des­kanz­le­rin und die Regie­rungs­spit­zen der Län­der am 5. Janu­ar. Schau­en wir nun nach Münster. 

Das große Impfen kann beginnen

Das Impf­zen­trum in der Hal­le Müns­ter­land ist wie geplant vor Weih­nach­ten fer­tig gewor­den. Jetzt fehlt nur noch der Impf­stoff. Und im Moment sieht es so aus, als wenn die Zulas­sung am nächs­ten Mon­tag kom­men könn­te. Dann ent­schei­det die Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­be­hör­de dar­über, berich­tet der WDR.

In Müns­ter könn­te das gro­ße Imp­fen dann gleich begin­nen. Die Stadt hat für mor­gen früh eine Pres­se­kon­fe­renz ange­kün­digt. Dar­in wird es wohl vor allem um die Fra­ge gehen, wie der gro­ße Impf­ma­ra­thon denn nun ablau­fen wird. Die Stadt betreibt das Impf­zen­trum zusam­men mit der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung West­fa­len-Lip­pe, die das medi­zi­ni­sche Per­so­nal zur Ver­fü­gung stellt.

Johan­ne Burk­hardt hat für RUMS vor­ab ein paar Details in Erfah­rung gebracht. Danach dür­fen sich zuerst Men­schen imp­fen las­sen, die beson­ders gefähr­det sind. Mobi­le Teams besu­chen zudem Alten- und Pfle­ge­hei­me. In der Hal­le Müns­ter­land müs­sen Men­schen, die sich imp­fen las­sen möch­ten, eine schrift­li­che Berech­ti­gung vor­le­gen, damit sich nie­mand vor­drän­gelt. Wer sei­nen 80. Geburts­tag schon hin­ter sich hat, kann ein­fach den Per­so­nal­aus­weis vor­le­gen. Wel­che Grup­pe nach den Älte­ren und Kran­ken dran ist, ent­schei­det die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on.

Grund­sätz­lich soll die Imp­fung in drei Pha­sen statt­fin­den. Das ZDF zeigt hier eine Über­sicht. In den ers­ten bei­den Pha­sen wird der Impf­stoff noch knapp sein. In die­ser Zeit haben Men­schen mit einem gro­ßen Risi­ko, schwer zu erkran­ken, Prio­ri­tät – und Men­schen, die in ihrem Beruf einem beson­de­ren Risi­ko aus­ge­setzt sind (zum Bei­spiel Lehr­kräf­te). In der drit­ten Pha­se, wenn genü­gend Impf­stoff ver­füg­bar ist, wird die Imp­fung auch in Betriebs- und Haus­arzt­pra­xen für alle ande­ren mög­lich sein.

In der Hal­le Müns­ter­land wer­den spä­ter fünf soge­nann­te „Impf­stra­ßen“ par­al­lel in Betrieb sein. Auf die­sen Stra­ßen durch­lau­fen die Men­schen Schritt für Schritt den gan­zen Pro­zess: Regis­trie­rung, kur­zes Gespräch, Imp­fung, Aus­ru­hen. Pro Stra­ße arbei­ten vor­aus­sicht­lich eine Ärzt:in und zwei medi­zi­ni­sche Fach­kräf­te. Wie lan­ge die Imp­fung dau­ern wird, wis­sen wir noch nicht. In ande­ren Städ­ten ist von einer Vier­tel­stun­de die Rede.

Holpriger Start in den digitalen Unterricht

In vie­len Fami­li­en mit Kin­dern, die eigent­lich in die Schu­le gehen, begann die Woche mit der Fest­stel­lung: „Das Sys­tem ist abge­stürzt.“ Die Daten­ver­bin­dun­gen kamen wegen des Digi­tal­un­ter­richts schon am Mon­tag­mor­gen an ihre Gren­zen. So berich­ten es meh­re­re Schüler:innen von unter­schied­li­chen Schu­len, die ihren Digi­tal­un­ter­richt mit der Schul­soft­ware iServ orga­ni­sie­ren. Ein Schü­ler eines Berufs­kol­legs sag­te, neben dem grü­nen Bal­ken im Fens­ter, der die Aus­las­tung der Kapa­zi­tät angibt, habe am Mon­tag­mor­gen der Wert von 108 Pro­zent gestan­den. Und das ist die Kapa­zi­tät des Sys­tems, das die Schu­len zusam­men nutzen. 

Es war ein holp­ri­ger Start in den Digi­tal­un­ter­richt. Und es sind wei­ter vie­le Fra­gen offen. Auch die, wer die Tablets für den Unter­richt zahlt. Die Eltern, wie meh­re­re Schul­kon­fe­ren­zen es beschlos­sen hat­ten. Oder doch die Stadt? Die Stadt­el­tern­schaft hat in die­ser Woche eine E-Mail des NRW-Schul­mi­nis­te­ri­ums her­um­ge­schickt, in dem das Minis­te­ri­um mit­teilt, nach dem Schul­ge­setz sei es zwar die Auf­ga­be der Eltern, ihre Kin­der „ange­mes­sen“ aus­zu­stat­ten. Ein digi­ta­les End­ge­rät gehö­re nach der gegen­wär­ti­gen Rechts­auf­fas­sung aber nicht zu die­ser Aus­stat­tung. In ande­ren Wor­ten: Die Eltern kön­nen nicht ver­pflich­tet wer­den, ihren Kin­dern die Gerä­te zu kau­fen. Damit wären die Beschlüs­se unwirksam. 

In Müns­ter ist bis­lang grund­sätz­lich vor­ge­se­hen, dass die Eltern die Tablets ihrer Kin­der bezah­len. Und nicht irgend­wel­che Tablets, son­dern iPads von Apple (außer an drei Berufs­kol­legs). Die­se Gerä­te sol­len die Eltern zudem bei einem bestimm­ten Händ­ler kau­fen, damit dort die pas­sen­de Soft­ware instal­liert wer­den und das Gerä­te spä­ter von der städ­ti­schen Gesell­schaft Citeq fern­ge­war­tet wer­den kann. So lau­tet die Begrün­dung. Die Stadt selbst stellt den Schu­len aus dem Geld des Digi­tal­pakts der Bun­des­re­gie­rung 4.500 iPads zur Ver­fü­gung. Gebraucht wür­den aber ins­ge­samt über 40.000 Gerä­te. Und nur um die Grö­ßen­ord­nung zu ver­deut­li­chen: Geht man von der iPad-Vari­an­te für 400 Euro aus, hät­ten die­se Tablets zusam­men einen Wert von 16 Mil­lio­nen Euro. Blei­ben also im Prin­zip vier Mög­lich­kei­ten. Eltern zah­len die iPads frei­wil­lig. Die Stadt über­nimmt die Kos­ten. Der digi­ta­le Unter­richt fin­det ohne digi­ta­le Gerä­te statt. Oder es geht alles wei­ter wie bisher. 

Eine Bit­te an Sie: Wir möch­ten über das digi­ta­le Ler­nen an den Schu­len in Müns­ter berich­ten. Viel­leicht mögen Sie uns hel­fen. Was könn­te bes­ser funk­tio­nie­ren? Was gelingt eigent­lich ganz ordent­lich? Wo gibt es gute Bei­spie­le? Und wer soll das alles bezah­len? Uns inter­es­sie­ren Ihre Mei­nung, Ihre Erfah­run­gen und Ihre Anre­gun­gen. Haben Sie Kin­der an einer Schu­le in Müns­ter? Unter­rich­ten Sie dort? Oder gehen Sie selbst zur Schu­le? Schrei­ben Sie uns, was Sie bewegt. Und schrei­ben Sie am bes­ten dazu, ob wir Sie zitie­ren und Ihren Namen nen­nen dürfen.


In aller Kürze

+++ Die enor­me Dimen­si­on des Miss­brauchs­falls von Müns­ter wird mit jeder wei­te­ren Fest­nah­me kla­rer. Die Poli­zei hat nun zwei wei­te­re Män­ner inhaf­tiert, einen 44-jäh­ri­gen Mann aus Öster­reich und einen 24-jäh­ri­gen Deut­schen. Wie die Poli­zei Müns­ter und die Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt mit­tei­len, hat­te das Ermitt­ler­team auf dem Han­dy des 27-jäh­ri­gen Haupt­an­ge­klag­ten aus Müns­ter Bil­der von Miss­brauchs­hand­lun­gen gefun­den. Dar­auf war der bis dahin unbe­kann­te 44-jäh­ri­ge Öster­rei­cher zu sehen. Der Mann aus Kärn­ten soll zusam­men mit dem 24-jäh­ri­gen Deut­schen einen heu­te zehn Jah­re alten Jun­gen aus sei­nem Bekann­ten­kreis mehr­fach sexu­ell miss­braucht haben. Der 44-Jäh­ri­ge habe die Hand­lun­gen gefilmt und foto­gra­fiert und anschlie­ßend in einem Chat dem Haupt­an­ge­klag­ten geschickt. Wie die öster­rei­chi­sche Poli­zei ermit­tel­te, haben die bei­den neu­en Beschul­dig­ten dar­über hin­aus unab­hän­gig von­ein­an­der einen wei­te­ren Jun­gen aus ihrem Bekann­ten­kreis miss­braucht, der heu­te neun Jah­re alt ist. Bei­de Män­ner haben die Taten inzwi­schen gestan­den und sind in Untersuchungshaft.

Wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­ten, hat am Mon­tag vor dem Land­ge­richt Müns­ter ein wei­te­rer Ange­klag­ter aus­ge­sagt und gestan­den, den Zieh­sohn des Haupt­an­ge­klag­ten und einen wei­te­ren Jun­gen miss­braucht zu haben. Die Taten fan­den in einer Gar­ten­lau­be in einer Klein­gar­ten­an­la­ge statt, die der Mut­ter des Haupt­an­ge­klag­ten gehört. Das Gericht wer­te­te wäh­rend der Ver­hand­lung unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit Video­auf­nah­men der Taten aus, die in der Lau­be auf­ge­nom­men wor­den waren.

+++ Die Pan­de­mie erschwert demo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen, auch an der Uni Müns­ter. Bei den Wah­len des Stu­die­ren­den­par­la­ments und ande­rer Gre­mi­en haben in der ver­gan­ge­nen Woche deut­lich weni­ger Stu­die­ren­de der Uni Müns­ter abge­stimmt als sonst. Das Stu­die­ren­den­par­la­ment ent­schei­det unter ande­rem über den Mil­lio­nen-Haus­halt der Stu­die­ren­den­schaft. Im ver­gan­ge­nen Jahr lag die Wahl­be­tei­li­gung bei rund 23 Pro­zent. In die­sem Jahr wähl­ten nur 9 Pro­zent der Stu­die­ren­den – mög­li­cher­wei­se, weil sie zur­zeit zuhau­se ler­nen und kei­ne Vor­le­sun­gen in den Uni-Gebäu­den besu­chen, wo die Wahl­ur­nen ste­hen. Nor­ma­ler­wei­se liegt die Wahl­be­tei­li­gung in Müns­ter über dem deutsch­land­wei­ten Schnitt. Das Recher­che­kol­lek­tiv Cor­rec­tiv hat Zah­len von den rund 70 staat­li­chen Hoch­schu­len zusam­men­ge­tra­gen und aus­ge­wer­tet, das Ergeb­nis: Im Durch­schnitt betei­li­gen sich 15 Pro­zent der Stu­die­ren­den an den Wah­len der Uni-Par­la­men­te, bei den Schluss­lich­tern sind es nicht ein­mal 5 Prozent.


Corona-Update

Vor zehn Tagen sah noch alles sehr gut aus. Müns­ter hat­te die wich­ti­ge Mar­ke von 50 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen in einer Woche (Sie­ben-Tage-Inzi­denz) unter­schrit­ten. Aber das war wohl nur ein sehr kur­zer Licht­blick. Inzwi­schen sind die Wer­te wie­der deut­lich schlech­ter, die Stadt mel­det heu­te eine Inzi­denz von 99,6 und einen wei­te­ren Todes­fall. Ein 86-jäh­ri­ger Covid-19-Pati­ent starb an den Fol­gen der Krank­heit. Ins­ge­samt sind damit seit März 36 Men­schen aus Müns­ter an oder mit dem Coro­na­vi­rus ver­stor­ben. Aktu­ell gel­ten 524 Men­schen im Stadt­ge­biet als infi­ziert. 48 von ihnen wer­den im Kran­ken­haus behan­delt, davon 18 auf einer Inten­siv­sta­ti­on. Zehn Men­schen wer­den beatmet.


Korrekturen und Ergänzungen

Einen Feh­ler wür­den wir gern noch kor­ri­gie­ren. In unse­rem Brief am Frei­tag schrie­ben wir, die Rats­grup­pe von ödp und Die Par­tei bestehe aus drei Per­so­nen. Das stimmt nicht. Es sind nur zwei, Franz Pohl­mann (ödp) und Lars Nowak (Die Par­tei). Der Unter­schied ist wich­tig. Wären es näm­lich drei Per­so­nen, gin­ge es nicht um eine Rats­grup­pe, son­dern um eine Frak­ti­on. Und zur Erklä­rung: Der Feh­ler ist pas­siert, weil die Rats­grup­pe sich für meh­re­re Abstim­mun­gen mit dem par­tei­lo­sen Geor­gi­os Tsaka­li­dis zusam­men­ge­tan hat. Der sitzt im Rat zwar direkt dane­ben, gehört aber nicht nur kei­ner Rats­grup­pe und kei­ner Frak­ti­on an, son­dern auch kei­ner Lis­te oder Partei.


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Wenn Sie den Satz „Nudeln machen ist auch Kochen“ so unter­schrei­ben wür­den, ist unse­re Emp­feh­lung heu­te genau das Rich­ti­ge für Sie. Bei Maria’s Pas­ta Bar bekom­men Sie hand­ge­mach­te, fri­sche Nudeln – zum Mit­neh­men und Zuhau­se-Frisch-Kochen. Wenn Sie gro­ßen Hun­ger haben und nicht war­ten wol­len, berei­tet das Küchen­team Ihnen Ihre Pas­ta mit Gemü­se, fri­schen Pil­zen oder Mee­res­früch­ten aber auch direkt zu. So oder so, abho­len kön­nen Sie mon­tags bis sams­tags von 12 bis 18 Uhr.


Drinnen und draußen

+++ Ich selbst habe bei Net­flix lei­der ein wenig den Über­blick ver­lo­ren, seit ich mich abge­mel­det habe. Aber mei­ne Kol­le­gin Johan­ne Burk­hardt hät­te einen Film­tipp für die Fei­er­ta­ge, näm­lich die nor­we­gi­sche Serie „Hjem til Jul“ („An Weih­nach­ten nach Hau­se“). Es geht um eine jun­ge Frau, die eben­falls Johan­ne heißt, aber Kran­ken­schwes­ter ist und Sin­gle. Bei einem Abend­essen mit ihrer Fami­lie kün­digt sie in einem schwa­chen Moment an, beim nächs­ten Mal ihren Freund mit­zu­brin­gen. Den muss sie dann aller­dings erst mal fin­den. Und dar­um geht es. Die Serie ist zwar schon im ver­gan­ge­nen Jahr erschie­nen. Aber das kann auch ein Vor­teil sein. Denn bevor am Frei­tag die zwei­te Staf­fel erscheint, hät­te man so noch drei Tage Zeit, sich mit der ers­ten Staf­fel einzustimmen.

+++ Ina Pau­le Klink ken­nen Sie wahr­schein­lich, wenn Sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hin und wie­der Wils­berg-Kri­mis geschaut haben. Die 40-Jäh­ri­ge spiel­te bis zum Som­mer Alex Holt­kamp, die Paten­toch­ter des Pri­vat­de­tek­tivs. Was Sie aber viel­leicht noch nicht wis­sen: Sie ist auch Musi­ke­rin und ist unter ande­rem schon mit Bela B von den Ärz­ten auf­ge­tre­ten, im Ärz­te-Titel „Bett­ma­gnet“ sind die bei­den im Duett zu hören. Nach drei eige­nen Sin­gles hat Ina Pau­le Klink jetzt ihr ers­tes Album ver­öf­fent­licht. Es heißt „Pau­le“ (unter die­sem Namen tritt sie als Sän­ge­rin auf), hier kön­nen Sie rein­hö­ren. Wenn Ihnen das gefällt, dann soll­ten Sie sich den Don­ners­tag­abend frei­hal­ten. Ab 19 Uhr spielt „Pau­le“ ein Live-Kon­zert, also live im Sin­ne von: Es wird im Inter­net über­tra­gen. Anse­hen kön­nen Sie es sich auf der Face­book-Sei­te von Ina Pau­le Klink. Und noch ein Tipp: Ralf Clau­sen und Micha­el Bühr­ke vom Online-Maga­zin Alles Müns­ter haben mit ihr über ihre Musik gespro­chen, hier geht es zum Inter­view.


In eigener Sache

Am Sonn­tag­abend haben wir etwas Neu­es aus­pro­biert: unser Gesprächs­for­mat „Wir müs­sen reden“. Wir hat­ten uns das zwar alles etwas anders vor­ge­stellt, wie so vie­les in die­sem Jahr. Eigent­lich soll­te das Publi­kum mit im Raum sit­zen. Spä­ter hat­ten wir über­legt, ob wenigs­tens Inter­view­er und Gesprächs­part­ner an einem Ort sit­zen, also Klaus Brink­bäu­mer und ich in die­sem Fall. Aber auch das hat­ten wir schließ­lich ver­wor­fen. Klaus Brink­bäu­mer blieb in Ham­burg. Wir tra­fen uns zu einer Zoom-Kon­fe­renz. Und an sol­chen Tref­fen man­gelt es ja nun eigent­lich gera­de nicht. Daher haben wir uns sehr gefreut, dass mehr als 80 RUMS-Abonnent:innen zuge­se­hen und sich im Chat betei­ligt haben, mit vie­len Fra­gen und Kom­men­ta­ren, auch mit kri­ti­schen. Eine kri­ti­sche Anmer­kung war zum Bei­spiel, dass es zu lan­ge um die USA und zu kurz um RUMS und Müns­ter gegan­gen sei. Das hat­ten wir in unse­rer Ankün­di­gung viel­leicht nicht deut­lich genug gemacht. Aber wir haben uns noch wäh­rend des Gesprächs eine Lösung über­legt. Am kom­men­den Sonn­tag, wie­der um 18 Uhr, spre­chen Con­stan­ze Busch, Marc-Ste­fan And­res und ich, wenn Sie möch­ten, mit Ihnen via Zoom über RUMS und Müns­ter. Genaue­res kün­di­gen wir am Frei­tag an. Und noch ein Hin­weis: Das Gespräch mit Klaus Brink­bäu­mer ver­öf­fent­li­chen wir wie ver­spro­chen als Pod­cast. Ich will nicht lan­ge drum­rum­re­den: Wir haben es lei­der noch nicht geschafft. Aber wir beei­len uns. 

Am Frei­tag schreibt Ihnen mei­ne Kol­le­gin Con­stan­ze Busch. Haben Sie bis dahin im Rah­men des Mög­li­chen eine gute Woche. Und blei­ben Sie gesund. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burk­hardt, Con­stan­ze Busch, Ann-Mar­len Hoolt


PS

Vor dem Müns­ter-Tat­ort am Sonn­tag­abend hat­te ich eini­ge Kri­ti­ken gele­sen. In der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung stand schon gleich unter der Über­schrift, in die­ser Fol­ge „kas­pern Thiel und Boer­ne sich durchs Mit­tel­al­ter“. Im Text nann­te der Rezen­sent den Film ein „müdes Bau­ern­thea­ter“. Der Spie­gel urteil­te: „Höl­zer­ne Dia­lo­ge in eiser­nen Rüs­tun­gen.“ Dort gab es immer­hin vier von zehn Punk­ten. Bei Twit­ter eher minus vier. T-Online fass­te die Dis­kus­si­on dort zusam­men mit der Über­schrift: „Unge­wöhn­lich schlech­te Kri­tik für Münster-‚Tatort‘.“ Da ahn­te man schon, was spä­ter pas­sie­ren wür­de. Und so kam es. Der Kri­mi brach alle Rekor­de. Jeden­falls alle der letz­ten drei Jah­re. Fast 14 Mil­lio­nen Men­schen schal­te­ten ein und ver­mut­lich auch nicht gleich wie­der ab. Ein noch grö­ße­res Publi­kum hat­te der Tat­ort zuletzt im April 2017. Da waren es knapp 15 Mil­lio­nen, und auch das war ein Fall aus Müns­ter – die Fol­ge „Fang­schuss“. Der Film­dienst schrieb laut Wiki­pe­dia damals: „Blut­lee­rer (Fernsehserien-)Krimi, der die unspek­ta­ku­lä­re Hand­lung mit dem übli­chen zwi­schen­mensch­li­chen Geplän­kel des Müns­te­ra­ner ‚Tatort‘-Duos nur leid­lich streckt.“ Viel­leicht lässt sich dar­aus auch für die nächs­ten Fol­gen etwas ablei­ten. Man könn­te die Fern­seh­kri­tik zum Bei­spiel schon gleich an der Pro­duk­ti­on betei­li­gen, die Sze­nen direkt nach dem Dreh zei­gen. Und wenn am Ende alle schrei­end her­aus­lau­fen, ist der All­zeit-Tat­ort-Quo­ten-Rekord wahr­schein­lich nicht mehr so weit ent­fernt. Den schaff­te im Jahr 1978 Wer­ner Schu­ma­cher als Kom­mis­sar Lutz in der Fol­ge „Rot – rot – tot“. Um da mit­zu­hal­ten, müss­te man der Kri­tik aller­dings wohl noch eini­ges mehr zumu­ten als am Sonn­tag. Die Zuschau­er­zahl lag damals bei fast 27 Millionen.