Von Regeln, Reizen und Signalen | RUMS-Umfrage | Auenhof

Müns­ter, 2. April 2021

Guten Tag,

Tübin­gen hat in die­ser Woche das Modell­pro­jekt gestutzt, an dem sich auch die Stadt Müns­ter gern betei­li­gen wür­de. Dar­über berich­tet unter ande­rem der Spie­gel. Sie erin­nern sich viel­leicht: In Tübin­gen kann man einen aktu­el­len Nega­tiv­test als Ein­tritts­kar­te für Restau­rants, Geschäf­te oder Thea­ter ver­wen­den. Und die­ses Expe­ri­ment führ­te ein­drucks­voll vor, was es bedeu­tet, mit einem kom­ple­xen Pro­blem kon­fron­tiert zu sein.

Tübin­gens Ober­bür­ger­meis­ter Boris Pal­mer erklär­te das am Mitt­woch in der Talk­show von Mar­kus Lanz (ab Minu­te 60). Er woll­te in sei­ner Stadt her­aus­fin­den, ob Schnell­tests eine Mög­lich­keit sein kön­nen, zumin­dest ein­ge­schränkt öffent­li­ches Leben statt­fin­den zu las­sen. Und das wäre dann der Fall, wenn es mit den Tests gelingt, deut­lich mehr Infi­zier­te her­aus­zu­fi­schen, als durch die Locke­run­gen pro­du­ziert werden.

Die Stadt tes­te­te zehn Mal so vie­le Men­schen wie der Durch­schnitt der deut­schen Städ­te. „Wir haben 50.000 Tests in einer Woche durch­ge­führt – in einer Stadt mit 90.000 Ein­woh­nern“, sag­te Pal­mer. Und dabei habe man 30 Men­schen gefun­den, die kei­ne Sym­pto­me hat­ten und von ihrer Infek­ti­on noch nichts ahn­ten. „Die waren zum Teil extrem infek­ti­ös“, sag­te Pal­mer. Dass sie gefun­den wur­den, ver­hin­der­te einer­seits, dass sie ihre Infek­ti­on wei­ter­tru­gen. Doch gleich­zei­tig mach­te der Inzi­denz­wert einen gro­ßen Sprung. Und wenn man nun ledig­lich auf die Zah­len schaut und den Zusam­men­hang dahin­ter nicht kennt, sieht es nach einer dra­ma­ti­schen Ent­wick­lung aus. Das ist das Pro­blem mit der Fixie­rung auf die Inzidenzwerte.

In Tübin­gen ging es danach anders wei­ter, als man es sich erhofft hat­te. Und das hat min­des­tens zwei Ursa­chen. Zum einen nimmt die Pan­de­mie gera­de wie­der Fahrt auf. Zum ande­ren hat Tübin­gen mit sei­nem Expe­ri­ment vie­le Tou­ris­ten ange­lockt, die neue Infek­tio­nen in die Stadt brach­ten. Und die­ser Effekt wird in der Bewer­tung oft ver­ges­sen oder unter­schla­gen: Regeln set­zen Anrei­ze und sen­den Signa­le. Und die­se beein­flus­sen das Ver­hal­ten von Men­schen, aller­dings oft anders, als sie das sollten.

Reiseregeln setzen falsche Anreize

Ein schö­nes Bei­spiel für so eine Regel beschreibt der Kobra-Effekt. Das Ereig­nis, um das es dabei geht, hat mög­li­cher­wei­se nie statt­ge­fun­den. Aber wie fal­sche Signa­le und Anrei­ze wir­ken, lässt sich an dem Bei­spiel sehr gut erklären. 

Das Pro­blem, für das man eine Lösung such­te, war eine Kobra-Pla­ge in Indi­en. Die Behör­den beschlos­sen, ein Kopf­geld auf die Tie­re aus­zu­set­zen. Die Men­schen soll­ten die Schlan­gen töten und ablie­fern. Das funk­tio­nier­te anfangs auch gut. Die Leu­te brach­ten tote Schlan­gen und kas­sier­ten das Geld. Aller­dings brach­ten sie mit der Zeit immer mehr tote Schlan­gen. Sie hat­ten begon­nen, die Kobras zu züchten.

RUMS-Umfrage: Bitte mitmachen!

Fast 200 Leser:innen haben schon bei unse­rer Umfra­ge mit­ge­macht, aber es kön­nen ger­ne noch ein paar mehr wer­den. Denn: Nur wenn wir wis­sen, was Sie möch­ten, kön­nen wir auch bes­ser wer­den. Des­we­gen neh­men Sie sich doch bit­te ger­ne die paar Minu­ten Zeit – län­ger dau­ert es nicht, ver­spro­chen – und beant­wor­ten hier unse­re Fra­gen. Ein kur­zes Zwi­schen­er­geb­nis schon mal jetzt: Rund 60 Pro­zent der bis­he­ri­gen Teilnehmer:innen an der Umfra­ge ken­nen einen oder meh­re­re Men­schen in ihrem Umfeld, die RUMS lesen. Die Zahl könn­ten wir natür­lich ger­ne noch steigern…

Ein biss­chen so ist es nun mit den aktu­ell gel­ten­den Rei­se­re­geln. Mal­lor­ca ist mög­lich. Das Feri­en­haus im Sauer­land nicht. Ins Sauer­land käme man in andert­halb Stun­den mit dem Auto, ohne unter­wegs jeman­den zu tref­fen. Es wäre ein ver­hält­nis­mä­ßig siche­rer Urlaub. Aber der ist ver­bo­ten. Erlaubt ist, sich am Flug­ha­fen in eine Schlan­ge zu stel­len und dann zwei­ein­halb Stun­den lang im vol­len Flie­ger nach Spa­ni­en zu jet­ten. Wer sich auf dem Rück­weg in der Schlan­ge am Flug­ha­fen ansteckt, der bringt neben den schö­nen Urlaubs­er­in­ne­run­gen das Virus zurück mit nach Deutsch­land. Dar­an ändert auch der Schnell­test bei der Ankunft nichts. Der wür­de die Infek­ti­on näm­lich erst zwei Tage spä­ter identifizieren. 

Die Rei­se­re­geln set­zen einen fal­schen Anreiz. Para­do­xer­wei­se in guter Absicht, denn etwas ande­res soll ver­hin­dert wer­den: fal­sche Signa­le an die urlaubs­hung­ri­ge Bevölkerung. 

Das Signal, das von Bil­dern aus­ge­hen wür­de, die vol­le Strän­de an der deut­schen Küs­te zei­gen, wäre: Urlaub ist wie­der mög­lich. Ihr könnt gleich los­fah­ren. Ver­mut­lich wür­den vie­le sich das nicht zwei­mal sagen las­sen. Eine Lösung wäre eine Qua­ran­tä­ne­pflicht für Rei­sen­de, die aus dem Aus­land zurück­keh­ren, wie Boris Pal­mer sie vor­ge­schla­gen hat. Das aber möch­te man den Leu­ten nicht zumuten.

Die Pandemie ist nichts Neues mehr

In ande­ren Fäl­len spie­len Signa­le offen­bar nur eine gerin­ge Rol­le, und das ist ein Pro­blem. NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) hat in der ver­gan­ge­nen Woche erklärt, wel­che Absicht hin­ter dem Modell steht, Men­schen mit Nega­tiv­tests in die Geschäf­te zu las­sen. Die Leu­te wol­len ein­kau­fen. Das ist der Köder, die­sen Antrieb will man nut­zen. Wenn die Bedin­gung fürs Ein­kau­fen ein nega­ti­ver Nach­weis ist, dann las­sen die Leu­te sich tes­ten. So soll der Anreiz funktionieren.

Das Ergeb­nis sind vol­le Fuß­gän­ger­zo­nen und Schlan­gen vor den Geschäf­ten. Die Leu­te tra­gen zwar Mas­ken und hal­ten im Ide­al­fall Abstand. Aber das Signal ist: Wir keh­ren lang­sam wie­der zurück zur Nor­ma­li­tät. Und da kommt ein psy­cho­lo­gi­scher Effekt ins Spiel, der soge­nann­te Social Pro­of.

Wenn Men­schen unsi­cher sind, ori­en­tie­ren sie sich dar­an, wie ande­re sich ver­hal­ten. Ein typi­sches Bei­spiel: Zwei benach­bar­te Restau­rants, das eine ist so gut wie leer, das ande­re sehr voll. Die meis­ten Men­schen ent­schei­den sich in die­ser Situa­ti­on für das vol­le Restau­rant, weil sie den­ken: Es wird schon einen Grund haben, dass in dem ande­ren kein Mensch sitzt.

Die­ser Effekt ist der Grund dafür, dass auf Buch­rü­cken Zita­te von bekann­ten Men­schen ste­hen oder es Pro­dukt­be­wer­tun­gen gibt. Er bewirkt zum Bei­spiel, dass Sie sich eher auf den zuge­fro­re­nen Aasee wagen wer­den, wenn Sie dort schon ande­re Men­schen sehen. In der Pan­de­mie führt die­se Form von Her­den­ver­hal­ten dazu, dass im schlech­tes­ten Fall vie­le Men­schen etwas Fal­sches tun.

Vor genau einem Jahr war die Wie­se an den Bil­lard­ku­geln am Aasee zu Ostern gesperrt, obwohl die Infek­ti­ons­zah­len deut­lich unter denen von heu­te lagen. Wenn man zu die­ser Zeit einen Spa­zier­gang durch die Stadt mach­te, war ein Gefühl immer gegen­wär­tig: Wir befin­den uns in einer Ausnahmesituation.

Das ist heu­te anders, und das hat meh­re­re Grün­de. Wir haben uns an die Pan­de­mie gewöhnt, sie ist nichts Neu­es mehr. Wir haben Rou­ti­ne im Umgang mit ihr. Und in der Rou­ti­ne wer­den Men­schen unvor­sich­tig. Unfäl­le mit einem schar­fen Küchen­mes­ser pas­sie­ren sel­ten, wenn das Mes­ser noch neu ist, son­dern oft erst dann, wenn der Respekt nicht mehr ganz so groß ist.

Wer sich sicher fühlt, wird leichtsinnig

Wenn über einen län­ge­ren Zeit­raum nichts pas­siert, nei­gen Men­schen dazu, Gefah­ren zu unter­schät­zen. Schutz­maß­nah­men kön­nen die­sen Effekt sogar ver­stär­ken. Das Phä­no­men ist bekannt als der Peltz­man-Effekt. Wer sich sicher fühlt, wird schnell leicht­sin­nig – im Auto mit Air­bag, auf dem Rad mit Helm oder im Geschäft mit Mas­ke. Hin­zu kommt: Men­schen nei­gen zu der Annah­me, dass sie selbst weni­ger gefähr­det sind als ande­re (Opti­mis­mus-Ver­zer­rung). Men­schen sind gene­rell nicht gut dar­in, Risi­ken rich­tig ein­zu­schät­zen. Und wenn sie dann noch wider­sprüch­li­che Signa­le emp­fan­gen, gera­ten die Din­ge schnell außer Kontrolle.

Genau das pas­siert nun, und wie so oft steht dahin­ter eine gute Absicht. Nach einem Jahr Pan­de­mie möch­te die Poli­tik den Men­schen eine Per­spek­ti­ve geben, denn ewig wei­ter­ge­hen kann das natür­lich so nicht, wenn vom Ein­zel­han­del und der Gas­tro­no­mie am Ende noch etwas übrig blei­ben soll. 

Und hier begeg­nen wir gleich dem nächs­ten Pro­blem: Men­schen nei­gen dazu, sich auf ein Pro­blem zu kon­zen­trie­ren und alle übri­gen zu ver­ges­sen. Wenn wir der Pan­de­mie alles unter­ord­nen, so die Befürch­tung, haben wir nach­her auf ande­ren Fel­dern womög­lich eben­so gro­ße Pro­ble­me. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on sieht schon die nächs­te Kata­stro­phe auf uns zurol­len, weil Men­schen aus Angst vor Coro­na nicht zum Arzt gehen – und vie­le Krebs­er­kran­kun­gen so unent­deckt blei­ben. So könn­te es auch mit der Wirt­schaft kom­men. Coro­na über­stan­den, aber die Hälf­te der Geschäf­te, Restau­rants und Knei­pen plei­te, Arbeits­lo­sen­quo­ten bei über 20 Pro­zent. Das ist die Hor­ror­vi­si­on. Daher die gro­ße Angst vor dem har­ten Lock­down. Daher die wider­sprüch­li­chen Signale.

Doch die­se Unklar­hei­ten machen womög­lich alles nur noch schlim­mer. Wer­fen wir einen Blick auf die Signale. 

Das eine ist: Es wird jetzt lang­sam bes­ser. Wir ver­su­chen ein paar Schrit­te in Rich­tung Nor­ma­li­tät. Die Geschäf­te öff­nen wie­der, jeden­falls ein biss­chen. Spei­sen gibt’s zum Mit­neh­men. Vor der Tür essen geht lei­der nicht, aber 50 Meter wei­ter schon. Vie­le Men­schen gehen ohne­hin wei­ter ganz nor­mal ins Büro. Und wer sich tags­über gemein­sam mit 20 Men­schen ein Groß­raum­bü­ro teilt, der soll nach der Arbeit mög­lichst allei­ne zu Hau­se blei­ben? Wirklich?

Genau das wäre die Bot­schaft des ande­ren Signals. Sie lau­tet: Wir befin­den uns am Beginn einer drit­ten Infek­ti­ons­wel­le, die im Prin­zip eine voll­kom­men neue Pan­de­mie ist. Das Virus über­trägt sich schnel­ler, die Men­schen, die es hart trifft, sind jün­ger. Fach­leu­te raten zu größ­ter Vor­sicht, spre­chen von Inzi­denz­wer­ten, die alles bis­her Dage­we­se­ne in den Schat­ten stel­len. Von Fami­li­en­be­su­chen zu Ostern wird abge­ra­ten. Anders­wo gibt es bereits Ausgangssperren.

Aber wenn man sich all das im Gesamt­bild ansieht, bleibt eine Fra­ge offen: Ist es denn jetzt ernst – oder doch nicht so ganz?

Sechs Infizierte nach einer Party

Men­schen befol­gen Regeln nur dann, wenn sie kon­sis­tent sind. Ist das nicht der Fall, ent­schei­den sie nach Gefühl. Was das im Ergeb­nis bedeu­tet, steht in einer Pres­se­mel­dung der Stadt Müns­ter vom Diens­tag. Die Über­schrift lau­tet: „Coro­na. Feh­len­de Abstän­de und Par­tys als Infektionstreiber.“

Kri­sen­stabs­lei­ter Wolf­gang Heu­er sagt dar­in den Satz: „Offen­kun­dig geht die Sche­re zwi­schen Ver­ständ­nis und Ver­hal­ten ein­zel­ner Per­so­nen­grup­pen aktu­ell weit aus­ein­an­der – das kön­nen wir nicht akzeptieren.“

Die Stadt berich­tet von Men­schen, die einen Schnell­test mach­ten, der posi­tiv aus­fiel, die dann aber nicht mehr erreich­bar waren. Und sie schreibt von einer Par­ty in einem Stu­die­ren­den­wohn­heim in den ver­gan­ge­nen Tagen. Bilanz: sechs Infi­zier­te und über 80 Men­schen in Qua­ran­tä­ne. Auch am Kanal, dem Aasee und am Hafen hät­ten sich in den ver­gan­ge­nen Tagen vie­le Men­schen nicht an die Regeln gehal­ten, so steht es in der Pressemeldung.

Am Diens­tag­abend bin ich mit dem Rad über die Wol­be­cker Stra­ße gefah­ren. Es war fast so warm wie an einem Som­mer­abend. Die Men­schen stan­den in lan­gen Schlan­gen vor den Restau­rants. Am Han­sa­ring saßen vie­le neben­ein­an­der auf dem Boden, tran­ken Bier vor den Kiosks. Es war einer­seits schön, dort wie­der Leben zu sehen – Men­schen, die den Früh­ling genie­ßen. Das alles pas­sier­te ja drau­ßen, vie­le tru­gen Mas­ken, und irgend­wie ist in Müns­ter in den ver­gan­ge­nen Mona­ten doch alles ver­hält­nis­mä­ßig glimpf­lich verlaufen. 

Auf der ande­ren Sei­te gibt es ein psy­cho­lo­gi­sches Phä­no­men, das sich Nor­ma­li­täts­ver­zer­rung nennt – oder Vogel-Strauß-Effekt. Im Prin­zip geht es dabei um das Gegen­teil von Panik. Men­schen gehen davon aus, dass schon irgend­wie alles gut­ge­hen wird. Sie neh­men nur die posi­ti­ven Signa­le wahr, die nega­ti­ven über­se­hen sie. Es gibt dafür eini­ge his­to­ri­sche Bei­spie­le. Bevor Pom­pe­ji unter­ging, schau­ten die Men­schen sich das Natur­schau­spiel stun­den­lang an, statt zu flüch­ten. Auf der Tita­nic küm­mer­te man sich auch nach dem Zusam­men­stoß mit dem Eis­berg nicht um die Eva­ku­ie­rung. Das Schiff galt ja als unsink­bar. Und auch nach­dem die Flug­zeu­ge ins World-Tra­de-Cen­ter geflo­gen waren, lie­ßen sich vie­le Men­schen in den Tür­men Zeit, bevor sie sich auf den Weg machten. 

Die­ses Video zeigt das Phä­no­men in Echt­zeit. Ein Mann ver­sucht von einem Bal­kon aus minu­ten­lang erfolg­los, Men­schen vor einem Tsu­na­mi zu war­nen, den er von oben bereits erken­nen kann.

Nun wäre das ande­re Extrem Panik. Und das wäre eben­falls kei­ne so gute Stra­te­gie. Aber wor­an soll man sich hal­ten? An die Wis­sen­schaft vielleicht?

Der Spie­gel schreibt heu­te in einem Bei­trag, an dem 23 Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten gear­bei­tet haben: „Inten­siv­ärz­te, Viro­lo­gen, Mathe­ma­ti­ker, von Bio­n­tech-Grün­der Uğur Şahin über den Viro­lo­gen Chris­ti­an Dros­ten bis hin zum SPD-Gesund­heits­ex­per­ten Karl Lau­ter­bach, sie alle sagen das Glei­che: Die Pan­de­mie droht zu ent­glei­sen, die drit­te Wel­le türmt sich auf, über­wäl­ti­gen­de Infek­ti­ons­zah­len dro­hen, bis zu 100.000 neue Coro­na­fäl­le am Tag ab Anfang Mai sind mög­lich.“ Der Arti­kel trägt die Über­schrift: „Pro­gno­se von Chris­ti­an Dros­ten: Wir wer­den um einen ernst­haf­ten Lock­down nicht herumkommen.“ 

Das wäre ein Hin­weis. Was jetzt noch fehlt, wäre ein deut­li­ches Signal.


In aller Kürze

+++ Anfang der Woche hat Armin Laschet ange­droht, eine Test­pflicht an Schu­len ein­zu­füh­ren. Und das ist jetzt schon inner­halb von weni­gen Tagen Wirk­lich­keit gewor­den. Inter­es­sant dabei: Es hät­te auch die Rede davon sein kön­nen, dass Laschet die Test­pflicht ver­spricht. Denn der Mehr­heit nützt sie, sich vor denen zu schüt­zen, die sich sonst wei­gern wür­den, sich tes­ten zu las­sen. Aber genau hier ver­läuft die Linie zwi­schen denen, die in jeder wei­te­ren Maß­nah­me eine Ein­schrän­kung sehen, und denen, die sich här­te­re Mit­tel wün­schen wür­den, um mög­lichst schnell aus dem halb­her­zi­gen End­los-Lock­down her­aus­zu­kom­men. Im Moment macht die­se Grup­pe übri­gens auch in Armin Lasche­ts CDU eine kla­re Mehr­heit aus. War­um die Poli­tik sich bis­lang für eine ande­re Rich­tung ent­schie­den hat, bleibt über Ostern eine inter­es­san­te Fra­ge. Die Wis­sen­schafts­sen­dung Quarks & Co. beschäf­tigt sich in einem Bei­trag damit. Klei­ner Spoi­ler: Die Autor:innen haben letzt­lich nur eine Erklä­rung: magi­sches Denken.

+++ Die Plä­ne für den Hafen­markt lie­gen ab Diens­tag öffent­lich aus, mel­det die Stadt.

+++ Wahr­schein­lich haben Sie von der Pfle­ge-Doku gehört, die am Mitt­woch­abend bei Pro­Sie­ben lief. Die Kran­ken­pfle­ge­rin Mei­ke Ista aus Müns­ter ließ eine gan­ze Schicht über die Kame­ra mit­lau­fen. Die Reak­tio­nen fie­len über­schwäng­lich aus. Der Kul­tur­sen­der Arte nann­te die Doku „ein Stück TV-Geschich­te“. Hier kön­nen Sie sich die ers­ten 30 Minu­ten kos­ten­los anse­hen. Wenn Sie einen guten Text dazu lesen möch­ten, dann emp­feh­le ich die­sen hier. Und als Ankün­di­gung: Am Diens­tag wer­de ich mich im RUMS-Brief noch ein­mal mit der Pfle­ge an der Uni­kli­nik beschäf­ti­gen. Falls Sie dazu etwas sagen möch­ten, mel­den Sie sich gern. Wir sichern Ihnen natür­lich Anony­mi­tät zu.


Corona-Update

Die Stadt Müns­ter hat ihre Lis­te mit Schnell­test­zen­tren aktua­li­siert. Da müss­ten Sie jetzt eigent­lich in Ihrer Nähe etwas fin­den. Am ein­fachs­ten ist wahr­schein­lich, Sie schau­en auf die inter­ak­ti­ve Kar­te. Die Stadt hat auch eine Lis­te mit den wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zum Imp­fen zusam­men­ge­stellt. Und was Sie über Ostern noch wis­sen müss­ten: Das Impf­zen­trum der Stadt bleibt an den Fei­er­ta­gen geöff­net. Laut Kri­sen­stabs­lei­ter Wolf­gang Heu­er will man dort täg­lich 2.000 Imp­fun­gen schaf­fen. Für die über 60-Jäh­ri­gen hat NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann eine Son­der­ak­ti­on mit Astra­Ze­ne­ca-Impf­stoff ange­kün­digt, die jetzt begin­nen soll. Was er genau plant, kön­nen Sie hier nach­le­sen. Jün­ge­ren Men­schen, die eine ers­te Sprit­ze mit dem Astra­Ze­ne­ca-Impf­stoff bekom­men haben, sol­len im zwei­ten Schritt einen ande­ren Impf­stoff erhal­ten. Und was auch noch wich­tig wäre: Ab nächs­ter Woche sol­len die Imp­fun­gen in den Haus­arzt­pra­xen begin­nen. Zum Schluss noch die aktu­el­len Zah­len. Die bun­des­wei­ten Infek­ti­ons­zah­len waren ges­tern wie­der so hoch wie Ende Janu­ar. In Müns­ter liegt die Inzi­denz wei­ter bei unter hun­dert, und zwar laut Robert-Koch-Insti­tut genau bei 69,5. Im Ver­gleich zum Vor­tag ste­hen in der Sta­tis­tik 44 neue Fälle.


Unbezahlte Werbung

Am Alten Stein­weg, weni­ge Meter ent­fernt vom Alten Gast­haus Leve, hat der Auen­hof eine Ver­kaufs­stel­le eröff­net. Das ist ein Bau­ern­hof aus Telg­te, der unter ande­rem Käse von frei­lau­fen­den Kühen, Wurst und Natur­sei­fe ver­kauft. Falls Sie es in den nächs­ten Tagen nicht in die Stadt schaf­fen: Es gibt auch einen Online-Shop. Unse­re Emp­feh­lung wäre der Käse, und zwar der mit Bär­lauch oder Trüffel. 


Drinnen und Draußen

+++ Den Lou­vre kön­nen Sie jetzt besu­chen, ohne nach Paris zu fah­ren. Das Muse­um bie­tet vir­tu­el­le Tou­ren durch ver­schie­de­ne Aus­stel­lun­gen an. Das ist zwar nicht opti­mal, aber es hat ja auch etwas Gutes: Sie müs­sen zum Bei­spiel nicht in der Schlan­ge stehen. 

+++ Im LWL-Muse­um für Kunst und Kul­tur kön­nen Sie sich am Wochen­en­de die Aus­stel­lung 100 Jah­re Joseph Beuys anschau­en. Und um sich dar­auf ein­zu­stim­men, emp­feh­le ich Ihnen die­ses wun­der­vol­le Video: Joseph Beuys spricht knapp sechs Minu­ten lang über ein schlech­tes Kunstwerk.

+++ Wenn Sie am Sams­tag gegen 10 Uhr auf der Ham­mer Stra­ße unter­wegs sind, wer­fen Sie doch mal einen Blick durch die Schei­ben. Bis Oster­mon­tag fin­den Sie dort in zwölf Schau­fens­tern fünf­mi­nü­ti­ge Kurz­fil­me. Den Ton kön­nen Sie über die Radio-Funk­ti­on Ihres Han­dys vor Ort emp­fan­gen. Es fin­den sich auch ein paar Rät­sel dar­un­ter, bei denen Sie Prei­se gewin­nen kön­nen. Wie das genau funk­tio­niert, und wel­che zwölf Schau­fens­ter im Süd­vier­tel die Fil­me zei­gen, erfah­ren Sie hier.

+++ Am Sonn­tag spielt das Sin­fo­nie­or­ches­ter Müns­ter um 18 Uhr ein Wunsch­kon­zert: Die Stü­cke hat das Publi­kum in einer Online-Abstim­mung zusam­men­ge­stellt. Geschafft haben es unter ande­rem Wer­ke von Lud­wig van Beet­ho­ven und Edvard Grieg. Das Kon­zert aus dem Thea­ter Müns­ter kön­nen Sie live im Stream ver­fol­gen. Danach bleibt es für 24 Stun­den abrufbar.

+++ Und noch ein Strea­ming-Tipp aus Müns­ter. Die Grup­pe The Navid­sons um Regis­seur Till Wyler von Ball­moos zeigt am Sonn­tag­abend um 20 Uhr das Musik­thea­ter­stück Ødi­pus REC. Genaue­re Infor­ma­tio­nen dazu und den Link zum Stream fin­den Sie hier.

+++ Dann noch eine kur­ze Wer­be­un­ter­bre­chung für uns selbst. Marc-Ste­fan And­res, einer unse­rer Grün­der, hat bei Detek­tor FM über RUMS und Lokal­jour­na­lis­mus gespro­chen. Wenn Sie Lust haben, hören Sie rein.

Ich wün­sche Ihnen schö­ne Oster­ta­ge. Am Diens­tag schrei­be ich Ihnen schon wie­der. Blei­ben Sie gesund. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burkhardt


PS

Zum Abschluss noch ein wenig unnüt­zes Wis­sen, mit dem Sie ver­hin­dern kön­nen, dass das dahin­plät­schern­de Gespräch in der Fami­li­en-Video­kon­fe­renz zu Ostern voll­stän­dig ver­siegt. Fra­gen Sie doch mal in die Run­de, ob jemand ein deut­sches Wort kennt, das vier glei­che auf­ein­an­der­fol­gen­de Buch­sta­ben ent­hält. Falls das näm­lich nicht der Fall ist, kön­nen Sie gleich auf­trump­fen mit der Berufs­be­zeich­nung Zoooo­lo­ge. Das ist ein Eier­kund­ler (Oolo­ge), der im Zoo sein Geld ver­dient. Und in die Ver­blüf­fung hin­ein kön­nen Sie gleich noch einen wei­te­ren Tref­fer lan­den. Es gibt näm­lich ein Tier, das die Vor­aus­set­zung eben­falls erfüllt, das wäre der Aaaal. Den wer­den sie aller­dings in Müns­ter nicht fin­den, obwohl die Bedin­gun­gen ja eigent­lich per­fekt wären. Der pas­sen­de Fluss schlän­gelt sich durch die Innen­stadt. Aber um eine Aaaal sehen zu kön­nen, müss­ten Sie dann doch nach Ibben­bü­ren fah­ren. Wie ich in die­se Woche her­aus­ge­fun­den habe, gibt es im Deut­schen sogar ein Wort mit sie­ben glei­chen auf­ein­an­der fol­gen­den Buch­sta­ben. Das wer­den Sie jetzt nicht glau­ben, aber Sie kön­nen es ein­fach nach­schla­gen, in Ihrem Tele­fon­buch, falls Sie so etwas noch besit­zen. Einer der aller­ers­ten Ein­trä­ge ist der Aaaaaaaschlüsseldienst.