Erdbeben bei Baupreisen | Gesamtschule wird später fertig | Die Bohne

Müns­ter, 8. Juni 2021

Guten Tag,

es sind gute Zei­ten für Dach­deck­be­trie­be, sehr gute sogar. Die Auf­trags­bü­cher sind voll, die Fir­men kom­men mit der Arbeit kaum nach. Wer ein Haus baut, muss sich Mona­te vor­her um einen Ter­min küm­mern. Doch wenn man mit Tho­mas Har­ten über die Situa­ti­on im Hand­werk spricht, erzählt er, dass er neu­lich einen Dach­de­cker am Tele­fon hat­te, der Kurz­ar­beit anmel­den muss­te, mit­ten in die­ser Gold­grä­ber­zeit. Arbeit wäre genü­gend da gewe­sen, doch es fehl­te das Material. 

Tho­mas Har­ten ist Geschäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer Müns­ter. Und als sei­ne Kam­mer im Mai über 600 Betrie­be aus dem Müns­ter­land zur aktu­el­len Situa­ti­on befrag­te, war das Ergeb­nis: Über alle Bran­chen hin­weg haben Fir­men „mäßi­ge“ bis „gro­ße“ Pro­ble­me, an Mate­ri­al zu kom­men. Tho­mas Har­ten erzählt von Auto­werk­stät­ten, die auf Getrie­be war­ten, von Raum­aus­stat­tungs­be­trie­ben, denen der Stoff aus­geht, oder von Eng­päs­sen bei Badar­ma­tu­ren. Doch am größ­ten sind die Pro­ble­me auf dem Bau. Kunst­stof­fe sind knapp, eben­so wie Beton, Stahl, Dämm­stof­fe, vor allem Holz. 

Das Mün­che­ner ifo-Insti­tut sprach Mit­te Mai von einem Eng­pass, wie es ihn seit 30 Jah­ren nicht gege­ben habe. Ein knap­pes Vier­tel der Betrie­be hät­te Pro­ble­me, recht­zei­tig Bau­stof­fe zu beschaf­fen. Noch im März betraf das nur jeden 18. Hand­werks­be­trieb. Das Insti­tut zeigt die Ent­wick­lung auf sei­ner Web­site in einer Gra­fik, die ein wenig aus­sieht wie das Pro­to­koll eines Seis­mo­gra­phen. Zwei Mal in 30 Jah­ren gab es auf­fäl­li­ge Erschüt­te­run­gen, in die­sem Jahr dann ein schwe­res Erdbeben. 

Wie schwer die­ses Erd­be­ben aus­fiel, davon gab der Holz­händ­ler Ralph Tusche vor vier Wochen im Tisch­ler-Pod­cast Lausch­werk­statt einen Ein­druck. Tusche beschäf­tigt knapp 200 Men­schen in Mars­berg und Och­trup, er belie­fert Bau­stel­len im gan­zen Land. Im Pod­cast erzähl­te er, wie er neu­lich die schrift­li­chen Preis­lis­ten bei der Kund­schaft wider­ru­fen muss­te. Online pas­se sein Unter­neh­men nun täg­lich die Prei­se an. „Das habe ich noch nie machen müs­sen“, sag­te er. Und um eine Vor­stel­lung von den Aus­schlä­gen des Erd­be­bens zu geben: Der Preis für einen Kubik­me­ter mas­si­ver Holz­bal­ken (Kon­struk­ti­ons­voll­holz) sei von etwa 300 auf 680 Euro gestie­gen, für einen Kubik­me­ter Holz­bal­ken aus meh­re­ren Schich­ten (Brett­schicht­holz) zah­le man nun 900 Euro statt vor­her 500. Bei ein­fa­chen Dach­lat­ten (CE-Lat­ten) fiel der Preis­sprung am größ­ten aus. Hier kos­te­te der Kubik­me­ter vor­her 350 Euro, spä­ter dann 850 Euro. „Wer mit Dach­lat­ten baut, hat ein rich­ti­ges Pro­blem“, sag­te Tusche. Und das Pro­blem ist anschei­nend noch grö­ßer gewor­den. Bei der Fir­ma Dre­ger Hoch­bau aus Müns­ter sag­te man uns heu­te, für einen Kubik­me­ter mas­si­ver Holz­bal­ken zah­le man inzwi­schen etwa 1.100 Euro. Der Preis für Dach­lat­ten habe sich seit Anfang des Jah­res fast vervierfacht. 

Fast das Gefühl, dass es eine Panik gibt

Die­ses Pro­blem hat nicht nur eine Ursa­che, es kom­men gleich meh­re­re zusam­men – mög­li­cher­wei­se auch psy­cho­lo­gi­sche. Ste­fan Wis­mann, Pro­ku­rist und Lei­ter der Bau­ab­tei­lung beim städ­ti­schen Woh­nungs­un­ter­neh­men Wohn- und Stadt­bau sagt: „Es hat schon Ähn­lich­kei­ten mit dem, was wir im ver­gan­ge­nen Jahr mit dem Klo­pa­pier erlebt haben.“ Das The­ma sei auf­ge­kom­men, dann habe es sich her­um­ge­spro­chen, Fir­men hät­ten sich mit Bestel­lun­gen in Sicher­heit gebracht. „Pha­sen­wei­se hat­te man schon fast das Gefühl, dass es eine Panik gibt“, sagt er. Das alles pas­sier­te unge­fähr zur der Zeit, als im Suez­ka­nal der Tan­ker fest­steck­te. Die Unsi­cher­heit dar­über, dass Lie­fe­run­gen sich ver­zö­gern könn­ten, hat Fir­men mög­li­cher­wei­se dazu gebracht, sich mit Vor­rä­ten ein­zu­de­cken. Das könn­te den Effekt ver­stärkt haben. 

Doch es gibt ande­re Ursa­chen, die sich ein­deu­ti­ger zuord­nen las­sen. Die Wochen­zei­tung Die Zeit hat sich im Mai mit der Fra­ge beschäf­tigt, war­um das Holz im Moment so knapp ist. Und nach die­ser Erklä­rung liegt das zum einen am Bau­boom in den USA: Es wird viel Holz gebraucht, aber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren muss­ten vie­le kana­di­sche Säge­wer­ke schlie­ßen. Sie feh­len nun. Gleich­zei­tig kämpft das Land mit einer Käfer­pla­ge. Es ist weni­ger Holz da, aber das sta­pelt sich nun vor den Säge­wer­ken. Hin­zu kommt, dass der ehe­ma­li­ge ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Donald Trump einen Han­dels­streit mit Kana­da eska­lie­ren ließ. Die USA war­fen dem Land vor, es bevor­tei­le sei­ne eige­ne Holz­in­dus­trie. Sie ver­häng­ten Straf­zöl­le, anfangs 24 Pro­zent, heu­te laut Zeit immer noch 9 Pro­zent. Das trieb die Prei­se nach oben. 

Doch es ist noch kom­pli­zier­ter. Auch in den USA kom­men die Säge­wer­ke laut dem Bericht kaum nach. Die USA began­nen, in Euro­pa zu kau­fen, vor allem in Deutsch­land – und das tat auch die Volks­re­pu­blik Chi­na, die das Holz eben­falls „als Treib­stoff für ihr Wirt­schafts­wachs­tum“ benö­tigt. Chi­na wie­der­um muss­te das Holz in Euro­pa kau­fen, weil Russ­land den Holz­ex­port im ver­gan­ge­nen Jahr gestoppt hat. 

So wur­den poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen aus Washing­ton und Mos­kau auf Bau­stel­len im Müns­ter­land spür­bar. Deutsch­land lie­fer­te Holz in die USA und nach Chi­na, aber auch hier wuchs die Nach­fra­ge. Unter frei­em Him­mel bau­en konn­ten die Fir­men auch in der Coro­na-Zeit. Und zusätz­lich began­nen die Men­schen wäh­rend des Lock­downs, ihre Häu­ser zu renovieren. 

Unterstützen Sie uns! Leser:innen werben Leser:innen

In den kom­men­den Mona­ten möch­ten wir die Zahl unse­rer Abonnent:innen auf 2.500 stei­gern, um uns nach­hal­tig finan­zie­ren zu kön­nen. Denn unser Jour­na­lis­mus ist auf­wen­dig und braucht Zeit, und das kos­tet Geld. Des­we­gen bit­ten wir Sie dar­um, uns zu unter­stüt­zen. Und das ist ganz ein­fach: Wenn jede und jeder von Ihnen nur drei Ver­wand­te, Bekann­te und Freund:innen anschreibt und uns wei­ter­emp­fiehlt, kön­nen wir gemein­sam wach­sen und unser Ange­bot auch ausbauen.

Außer­dem pro­fi­tie­ren auch ande­re davon: Bei bestimm­ten Ziel­mar­ken wer­den wir Medi­­en-Work­­shops für Jugend­li­che ver­an­stal­ten, Genaue­res dazu lesen Sie hier. Sie kön­nen uns dafür Orga­ni­sa­tio­nen vor­schla­gen, die Ihnen am Her­zen liegen.

Schrei­ben Sie uns dazu ger­ne an die­se Adres­se. Wie sich unse­re Akti­on ent­wi­ckelt, tei­len wir Ihnen ab jetzt regel­mä­ßig in unse­rem Brief mit. Sobald wir die ers­ten Work­shops umset­zen kön­nen, wer­den wir die­se außer­dem dokumentieren.

Es wird teurer, das steht so gut wie fest

Die Fol­gen des Erd­be­bens tref­fen nun als Ers­tes die Fir­men, die zu den Kon­di­tio­nen bau­en müs­sen, die sie im ver­gan­ge­nen Jahr ver­ein­bart haben. „Die Chan­ce, jetzt noch die Prei­se zu erhö­hen, haben die Fir­men nicht“, sagt Ste­fan Wis­mann von der Wohn- und Stadt­bau. Wie sehr die Unter­neh­men die Ent­wick­lung trifft, hängt daher vor allem davon ab, wie vor­aus­schau­end sie geplant haben. Es gebe Fir­men, die sich früh­zei­tig ein­ge­deckt hät­ten, die gefragt hät­ten, ob sie mehr Flä­che bekom­men könn­ten, um ihr Mate­ri­al zwi­schen­zu­la­gern. Aber es gebe eben auch die ande­ren, und die haben jetzt mög­li­cher­wei­se ein etwas grö­ße­res Problem. 

Bei Bau­vor­ha­ben, für die noch kei­ne Auf­trä­ge ver­ge­ben sind, liegt das Pro­blem auf der ande­ren Sei­te – bei denen, die den Bau in Auf­trag geben. „Wenn man jetzt Pro­jek­te aus­schreibt, muss man mit der einen oder ande­ren Über­ra­schung leben“, sagt Ste­fan Wis­mann. Die Wohn- und Stadt­bau baut zum Bei­spiel 160 Woh­nun­gen auf dem Gelän­de der Oxford-Kaser­ne, 100 davon sind öffent­lich geför­dert. Die Arbei­ten wer­den nicht als Gesamt­pa­ket ver­ge­ben, son­dern ein­zeln. Wel­che Aus­wir­kun­gen das auf die Kos­ten haben wird, lässt sich vor­ab nicht sagen. Aber es wird teu­rer wer­den, das steht so gut wie fest. Und damit wer­den auch die Woh­nun­gen teu­rer, bezie­hungs­wei­se spä­ter die Mie­te. Die­se Ent­wick­lung betrifft nicht nur die öffent­li­chen Bau­pro­jek­te, son­dern alle. 

Schaut man auf die Immo­bi­li­en­prei­se und Mie­ten, sind das sehr schlech­te Nach­rich­ten. Woh­nen in der Stadt wird ohne­hin immer teu­rer. Wenn nun auch noch die Bau­kos­ten einen Sprung machen, wird die Situa­ti­on sich aller Wahr­schein­lich­keit nach wei­ter verschärfen. 

In jedem Fall wird es Ver­zö­ge­run­gen geben. Wenn die Auf­trags­bü­cher voll sind und dann auch noch das Mate­ri­al knapp wird, kann das Domi­no-Effek­te nach sich zie­hen. Auf dem Bau greift ein Räd­chen ins ande­re. Ist der Dach­stuhl noch nicht fer­tig, kann das Dach nicht gedeckt wer­den. Und wenn ein Ter­min fällt, fal­len auch die übri­gen. Gan­ze Zeit­plä­ne kön­nen kippen.

Das betrifft im Moment vie­le Bau­stel­len. Am Diens­tag­mor­gen stand im Stadt­haus 1 ein Tref­fen auf der Tages­ord­nung, bei dem es auch um die Fra­ge ging: Wel­che Pro­jek­te sind das im Fal­le der Stadt Müns­ter? Nach dem Tref­fen schick­te Immo­bi­li­en­de­zer­nent Mat­thi­as Peck ein Schrei­ben an die Par­tei­en im Rat, in dem er sie dar­über infor­mier­te, dass drei grö­ße­re Pro­jek­te der Stadt sich ver­zö­gern werden: 

  • der ohne­hin reich­lich ver­spä­te­te Neu­bau der Mathilde-Anneke-Gesamtschule, 
  • der Neu­bau der Grund­schu­le am Schul­zen­trum Kin­der­haus (samt Men­sa) sowie 
  • der Bau der Drei­fach­sport­hal­le am Pascal-Gymnasium. 

Die Arbei­ten an der Mat­hil­de-Anne­ke-Gesamt­schu­le wer­den laut Peck län­ger dau­ern als geplant, weil Holz fehlt. Zum Beginn des Schul­jah­res im nächs­ten Som­mer wer­de der Neu­bau nicht fer­tig sein. Wann die Schu­le ein­zie­hen kann, sei noch nicht klar. Man arbei­te nun an einer Zwischenlösung. 

Am Schul­zen­trum Kin­der­haus feh­le Mate­ri­al für das Dach und die Fas­sa­de. Hier soll­te Ende des Jah­res alles fer­tig sein. Doch das wird sich nun ver­zö­gern. Um wie lan­ge, das steht nicht in dem Schreiben. 

Die neue Drei­fach­sport­hal­le am Pas­cal-Gym­na­si­um wird vier Wochen spä­ter eröff­net als geplant. Hier hängt es an der Dach­ab­de­ckung und an den Dämm­stof­fen. Nach den Som­mer­fe­ri­en soll der Sport­un­ter­richt in der neu­en Hal­le statt­fin­den können. 

„Deutlich steigende Gesamtkosten“

Die Stadt infor­mier­te dar­über spä­ter auch in einer Pres­se­mit­tei­lung. Wie viel Geld die Ver­zö­ge­run­gen kos­ten wer­den, steht dort nicht. Auch Mat­thi­as Peck schreibt den Par­tei­en nur vage: Bis­lang kal­ku­lie­re die Stadt mit einem Anstieg der Bau­prei­se von sechs Pro­zent pro Jahr. Damit wer­de man aber wohl nicht mehr hinkommen. 

Genaue­re Anga­ben macht die Stadt dazu nicht: In einer Ant­wort auf eine Anfra­ge vom Mon­tag stellt Peck aller­dings klar, dass es hier nicht um mar­gi­na­le Ände­run­gen gehen wird: „Wir müs­sen von deut­lich stei­gen­den Gesamt­kos­ten für städ­ti­sche Bau­pro­jek­te aus­ge­hen“, schreibt er. 

In sei­nem Brief an die Par­tei­en schil­dert Mat­thi­as Peck auch die Situa­ti­on, die sich nun auf dem Markt ergibt. „Bau­un­ter­neh­men müs­sen zunächst kurz­fris­tig die gestie­ge­nen Prei­se allein tra­gen, wer­den aber ver­su­chen, die­se an Bau­her­ren wei­ter­zu­ge­ben“, schreibt er. Es zei­ge sich „ein har­ter Preis­kampf in der Bau­bran­che“, so heißt es wei­ter. „Lie­fe­ran­ten machen ihre Kun­den auf die ange­spann­te Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on auf­merk­sam und kün­di­gen den kom­plet­ten Pro­duk­ti­ons­still­stand oder -redu­zie­run­gen an“, so Peck. Außer­dem behiel­ten sie sich „kurz­fris­ti­ge dras­ti­sche Preis­stei­ge­run­gen“ vor. 

Das alles wird nicht nur Fol­gen für die drei Schu­len haben, man wird es über­all dort in der Stadt spü­ren, wo gebaut wird. Bei den Woh­nun­gen, die es braucht, weil die Bevöl­ke­rung wei­ter wächst. Auch bei den min­des­tens 300 Sozi­al­woh­nun­gen, die Jahr für Jahr gebaut wer­den sol­len, um die sozia­len Fol­gen der stei­gen­den Mie­ten abzu­fe­dern. Beim Süd­bad, das im über­nächs­ten Jahr fer­tig wer­den soll. Beim Musik-Cam­pus, wenn er denn gebaut wird, und beim neu­en Preu­ßen-Sta­di­on. Es ist mög­lich, dass die Prei­se sich wie­der ent­span­nen, aber dass sie eben­so rasant wie­der fal­len könn­ten, wie sie gestie­gen sind, ist nicht absehbar. 

Inter­es­sant ist die Fra­ge, was aus dem Stadt­haus 4 wird, das am Albers­lo­her Weg ent­ste­hen soll. Bau­en wer­den es die Stadt­wer­ke. Ursprüng­lich soll­te das Gebäu­de 56 Mil­lio­nen Euro kos­ten. Im März hieß es, wegen der stren­gen Vor­ga­ben zu Emis­sio­nen und zum Kli­ma­schutz könn­ten wei­te­re 5 Mil­lio­nen Euro hin­zu­kom­men. Die Grü­nen bezwei­feln das. Doch egal, wer nun recht hat, es sieht so aus, als könn­te alles noch sehr viel teu­rer wer­den, als man es bis­lang für mög­lich gehal­ten hät­te, denn am Albers­lo­her Weg soll etwas sehr Beson­de­res ent­ste­hen: ein Ver­wal­tungs­bau in Holzbauweise. 

In aller Kürze

+++ Drau­ßen sit­zen kann man auf einem Teil des Park­plat­zes am Bült schon seit Ende Mai. Ab Don­ners­tag gilt auf dem gesam­ten Platz: Par­ken ver­bo­ten, jeden­falls für Autos, mel­det die Stadt. Damit beginnt in Müns­ter die Ver­kehrs­ver­suchs-Sai­son. Der Park­platz soll grü­ner wer­den, und es soll eine Flä­che ent­ste­hen, auf der man sich auf­hal­ten mag. Im nächs­ten Schritt wird dann Hörs­ter Stra­ße ab dem 1. August auto­frei. Außer­dem rich­tet die Stadt von August bis Sep­tem­ber eine durch­gän­gi­ge Bus­spur vom Lud­ge­ri-Krei­sel bis zum Lan­des­haus (Anfang Waren­dor­fer Stra­ße) ein. Und der Rad­ver­kehr auf der Pro­me­na­de bekommt von August bis Sep­tem­ber am Neu­brü­cken­tor an der Kanal­stra­ße Vor­fahrt (Kor­rek­tur­hin­weis: Hier stand ursprüng­lich Neu­tor, das haben wir kor­ri­giert). Enden wer­den alle Ver­kehrs­ver­su­che am 24. September. 

+++ Am Mon­tag haben Idio­ten einen Strei­fen­wa­gen am Sprick­mann­platz mit Haken­kreu­zen beschmiert. Wie die Poli­zei mel­det, ist das Gan­ze in der Vier­tel­stun­de nach 16 Uhr pas­siert. Sie haben das nicht zufäl­lig beob­ach­tet? Dann wür­de die Poli­zei sich über einen Hin­weis freuen. 

Corona-Update

Die Pan­de­mie scheint nun tat­säch­lich lang­sam abzu­flau­en. Die Coro­na-Inzi­denz (Sie wis­sen es inzwi­schen wahr­schein­lich, die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche) in Müns­ter ist auf 5,7 gefal­len. Das ist lan­des­weit der bes­te Wert. Aber auch anders­wo sind die Infek­ti­ons­zah­len auf dem Weg nach unten. Bun­des­weit liegt die Inzi­denz heu­te bei 22,9, vor einer Woche waren es noch 35,2. Eine schlech­te Nach­richt aber doch: Bei zwei Men­schen in Müns­ter ist die sehr anste­cken­de Del­ta-Muta­ti­on nach­ge­wie­sen gewor­den, mel­det die Stadt. Die 20 und 21 Jah­re alten Infi­zier­ten hat­ten laut der Pres­se­mit­tei­lung leich­te Sym­pto­me und sind inzwi­schen wie­der gene­sen. Dass die Muta­tio­nen erst jetzt gemel­det wer­den, lie­ge dar­an, dass das Ver­fah­ren zur Bestim­mung der Vari­an­ten sehr auf­wän­dig sei, schreibt die Stadt.

Unbezahlte Werbung

Wie wäre es mit einem Kaf­fee aus der Kaf­fee­rös­te­rei „Die Boh­ne“ am Lud­ge­ri­k­rei­sel? Bei dem schö­nen Wet­ter macht es gar nichts, dass das Café nach der Coro­na­pau­se bis­her nur drau­ßen ser­viert. Beim Bestel­len kön­nen Sie einen Blick in die Rös­te­rei wer­fen. Und wenn Sie möch­ten, erklärt Ihnen die Röst­meis­te­rin selbst, wie sie die Ara­bi­ca-Kaf­fee­boh­nen rös­tet und ver­ar­bei­tet. Anschlie­ßend kön­nen Sie das Ergeb­nis natür­lich auch trinken. 

Drinnen und Draußen

Die Ver­an­stal­tungs­tipps gibt heu­te Eva Strehlke, und das hier sind sie auch schon:

+++ Wenn wir in Vor­trä­gen oder Aus­stel­lun­gen etwas über his­to­ri­sche Per­sön­lich­kei­ten ler­nen, haben die­se Men­schen sich oft durch außer­ge­wöhn­li­che Leis­tun­gen her­vor­ge­tan. Wir hören viel von den beson­ders Mäch­ti­gen, beson­ders Star­ken, beson­ders Schlau­en. Aber was ist eigent­lich mit den beson­ders Dum­men? Um die soll es zur Abwechs­lung beim digi­ta­len The­men­abend des LWL-Muse­ums für Kunst und Kul­tur gehen. Am Don­ners­tag um 18 Uhr erzäh­len die Kunst­ver­mitt­le­rin, Lau­ra Nübel, und der Kura­tor für Lan­des­ge­schich­te, Gerd Deth­lefs, „Von Eier­köp­pen und Blitz­mer­kern“. Sie erklä­ren dabei anhand von Wer­ken, die ver­meint­lich Dum­me dar­stel­len, wie sich der Begriff der Dumm­heit seit der Anti­ke ent­wi­ckelt hat. Dabei sein kön­nen Sie per Zoom (Mee­ting ID: 62103258188, Kenn­code: 97475864).

+++ Am Frei­tag kön­nen Sie dann im LWL-Muse­um für Kunst und Kul­tur vor­bei­schau­en – auch wenn Sie erst etwas spä­ter Fei­er­abend machen. Am „Lan­gen Frei­tag“ ist der Besuch von 18 bis 24 Uhr sogar kos­ten­los. Neben der Samm­lung sind auch die Son­der­aus­stel­lung August und Eli­sa­beth Macke. Der Maler und die Mana­ge­rin und die Fami­li­en­aus­stel­lung August und das Zir­kus­pferd zu sehen. Hier­für müs­sen Sie nur vor­ab ein Zeit­fens­ter für den Ein­lass online buchen.

+++ Wuss­ten Sie, was die Urge­schich­te – oder auch Vor­ge­schich­te – von der rest­li­chen Mensch­heits­ge­schich­te unter­schei­det? In der Urge­schich­te beschäf­tigt man sich mit dem (sehr lan­gen) Zeit­raum mensch­li­chen Lebens, aus dem uns kei­ne schrift­li­chen Über­lie­fe­run­gen vor­lie­gen. Ich wuss­te das bis­her nicht. Gelernt habe ich es nun von David Johann Len­sing in der Vide­orei­he Eine kur­ze Urge­schich­te West­fa­lens des LWL-Medi­en­zen­trums für West­fa­len. Inspi­riert vom Best­sel­ler Eine kur­ze Geschich­te der Mensch­heit von Yuval Noah Hara­ri, hat David Johann Len­sing sei­ne eige­ne Recher­che über sei­ne Her­kunfts­re­gi­on gestar­tet. Dabei her­aus­ge­kom­men sind sechs unge­fähr 10-minü­ti­ge Vide­os. In den ers­ten drei Fol­gen, die schon län­ger auf You­Tube abruf­bar sind, wird erzählt, wie die ers­ten Men­schen nach West­fa­len gekom­men sind – von den Anfän­gen in Ost­afri­ka über ihren Weg nach Euro­pa bis zur Sess­haft­wer­dung in die­ser Regi­on. Jetzt fol­gen drei wei­te­re Fol­gen zur jün­ge­ren Urge­schich­te West­fa­lens. Fol­ge 4 zur Stein­zeit und Fol­ge 5 zur Bron­ze­zeit wur­den schon ver­öf­fent­licht. Die fina­le sechs­te Fol­ge zur Eisen­zeit folgt am Donnerstag.

Am Frei­tag schreibt Ihnen wie­der Con­stan­ze Busch. Haben Sie bis dahin eine gute Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Eva Strehlke, Edi­na Hojas


PS

Unser lie­ber Kol­le­ge Nils Diet­rich hat in sei­nem Online-Maga­zin Die Wie­der­täu­fer in die­ser Woche auf die Tele­gram-Grup­pe „Impf­ter­mi­ne in Müns­ter“ auf­merk­sam gemacht. Sie ahnen schon, wor­um es geht. Dort wer­den freie Impf­ter­mi­ne ver­mit­telt. Und ich hat­te tat­säch­lich das Glück, einen frei­en Ter­min zu bekom­men, heu­te um 15.35 Uhr, es hat fünf Minu­ten gedau­ert, ich war­te nun auf die Neben­wir­kun­gen. In den Tagen davor bin ich sehr oft leer aus­ge­gan­gen, und das ist jedes Mal ärger­lich, denn die Ter­mi­ne sind nach Sekun­den ver­grif­fen. Das liegt wahr­schein­lich auch dar­an, dass die Grup­pe nur die frei­en Ter­mi­ne einer Pra­xis und der Impf­zen­tren Müns­ter und Stein­furt sich­tet. Mei­ne Hoff­nung wäre, dass es einen Weg gibt, noch mehr Pra­xen dar­an zu betei­li­gen. Ich habe den Arzt, der mir im Haus­arzt-Zen­trum Müns­ter-Süd an der Ham­mer Stra­ße gegen­über saß, gefragt, war­um sei­ne Pra­xis schafft, was ande­re mei­nem Ein­druck nach nicht so gut hin­be­kom­men. Ich hat­te vor­her unge­fähr 20 Pra­xen ange­ru­fen, kei­ne hat­ten mir Hoff­nung auf einen nahen Ter­min gemacht. Der Arzt saß in einem Raum im Kel­ler, der nur für die Men­schen gedacht ist, die zur Imp­fung kamen. Er sag­te, man müs­se sich Zeit neh­men, man man müs­se es gut orga­ni­sie­ren, und dann gehe das auch. Ich kann nicht bewer­ten, wie gut Pra­xen das Imp­fen orga­ni­sie­ren, aber ich habe das Gefühl, wenn es alle so machen wür­den wie die­se Pra­xis, wür­de alles etwas schnel­ler gehen. Falls Sie sich nicht bei Tele­gram anmel­den möch­ten, hier ver­öf­fent­licht die Pra­xis don­ners­tags ab 20 Uhr neue Imfpter­mi­ne. Und falls Sie noch Hin­wei­se suchen, wie Sie schnell an einen Impf­ter­min kom­men kön­nen, bei Twit­ter hat jemand eini­ge Tipps zusam­men­ge­stellt.