Das Paradoxon der dritten Gesamtschule | Corona: Münster Letzter | Biergarten

Müns­ter, 27. Juli 2021

Guten Tag,

die Stadt Müns­ter ist in die­ser Woche an einem para­do­xen Pro­blem geschei­tert. Und das bedeu­tet: Aus einer Gesamt­schu­le im Stadt­teil Rox­el wird wohl nichts wer­den, jeden­falls nicht in den nächs­ten Jah­ren. Das hat Regie­rungs­prä­si­den­tin Doro­thee Fel­ler am Mon­tag­nach­mit­tag in einer Pres­se­kon­fe­renz bekannt gegeben.

Das para­do­xe Pro­blem bestand dar­in, dass die Stadt einer­seits dar­le­gen muss­te, dass sie drin­gend eine drit­te Gesamt­schu­le braucht. Gleich­zei­tig muss­te sie begrün­den, dass die Schu­le für die Eltern in der Nähe gar nicht so wich­tig wäre. 

Der ers­te Teil war nicht so schwer. Allein im letz­ten Schul­jahr muss­te die Stadt Müns­ter 284 Absa­gen her­aus­schi­cken, weil die bei­den bestehen­den Gesamt­schu­len nicht genü­gend Plät­ze haben. Dass in Müns­ter eine drit­te Gesamt­schu­le fehlt, das sieht auch die Bezirks­re­gie­rung so.

Der zwei­te Teil ist etwas kom­pli­zier­ter. Bis­lang pen­deln aus dem Wes­ten Müns­ters vie­le Kin­der und Jugend­li­che zur Anne-Frank-Gesamt­schu­le in Havix­beck oder zu ihrer Zweig­stel­le in Bil­ler­beck. Wäre das nicht mehr so, hät­te das Fol­gen. Im schlech­tes­ten Fall könn­te es bedeu­ten: Die gesam­te Schu­le oder zumin­dest der Zweig in Bil­ler­beck müss­te schlie­ßen. Und das hält die Bezirks­re­gie­rung nicht für voll­kom­men unwahrscheinlich.

Man sei zu der Annah­me gekom­men, „dass auf Grund­la­ge der Daten eine Bestands­ge­fähr­dung der Gesamt­schu­le Havix­beck mit dem Stand­ort Bil­ler­beck nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen wer­den kann der­zeit“, sag­te Doro­thee Fel­ler in der Pressekonferenz.

Münster sieht keine Gefahr

Wirft man einen Blick auf die Daten, scheint die­se Gefahr tat­säch­lich nicht so abwe­gig. Eine Gesamt­schu­le muss min­des­tens vier­zü­gig sein. Sie braucht also pro Jahr­gang min­des­tens vier Klas­sen mit einer Min­dest­grö­ße von 25 Klassenmitgliedern.

Ist die Schu­le sechs­zü­gig, kann sie einen zwei­ten Stand­ort eröff­nen. Der wie­der­um kann zwei- oder drei­zü­gig sein. Nur eine Klas­se pro Jahr­gang ist zu wenig. Die Gesamt­schu­le in Havix­beck ist vier­zü­gig, die Zweig­stel­le in Bil­ler­beck zwei­zü­gig. Es könn­te damit schon zu einem Pro­blem wer­den, wenn an der Zweig­stel­le im Jahr etwa 20 Anmel­dun­gen wegfallen.

Die Stadt Müns­ter sieht nicht die Gefahr, dass sie die Nach­bar­ge­mein­de mit einer neu­en Schu­le in Rox­el in Schwie­rig­kei­ten brin­gen könn­te. In einem Schrei­ben an die Bezirks­re­gie­rung argu­men­tiert sie damit, dass nur etwas mehr als ein Drit­tel der aus Müns­ter pen­deln­den Schul­kin­der (35 Pro­zent) eine neue Gesamt­schu­le in Rox­el nut­zen wür­de. Die Stadt Bil­ler­beck und die Gemein­de Havix­beck sehen das etwas anders. Sie haben der Bezirks­re­gie­rung vor zwei Wochen ein Gut­ach­ten vor­ge­legt, in dem sie zu dem Schluss kom­men: Ein Groß­teil der Schul­kin­der (75 bis 85 Pro­zent), die bis­lang aus Müns­ter pen­deln, wür­den zu einer Gesamt­schu­le in Rox­el gehen, wenn es mög­lich wäre.

Die Bezirks­re­gie­rung hält die­se Argu­men­ta­ti­on für plau­si­bler als die Argu­men­te aus Müns­ter. Es sei doch eher abwe­gig, dass Eltern aus Nien­ber­ge oder Alten­ber­ge ihre Kin­der in Havix­beck zur Schu­le schi­cken, wenn eine ande­re Gesamt­schu­le auf dem Weg liegt, sag­te Doro­thee Feller.

Die Schu­le in Havix­beck müss­te aber nicht ein­mal in Gefahr gera­ten, ein Aus­schluss­kri­te­ri­um für eine Gesamt­schu­le in Rox­el wäre laut Doro­thee Fel­ler schon, „wenn die Attrak­ti­vi­tät oder die Leis­tungs­fä­hig­keit der Nach­bar­schu­le gefähr­det wäre“. In dem Fall gilt das soge­nann­te Rück­sicht­nah­me­ge­bot.

Kein Ermessensspielraum

Die Schu­le in Havix­beck ist auf das Umland ange­wie­sen. Etwas mehr als vier von zehn Anmel­dun­gen (42 Pro­zent) kom­men aus der Umge­bung. Man braucht die­sen Zustrom. Nach dem Rück­sicht­nah­me­ge­bot wiegt das Recht der Gesamt­schu­le in Havix­beck hier schwe­rer als der Wunsch der Stadt Müns­ter, an einem bestimm­ten Ort die glei­che Schul­form anzu­bie­ten. Hier habe die Schul­be­hör­de auch kei­nen Ermes­sens­spiel­raum, sag­te Doro­thee Feller.

Neben den abso­lu­ten Anmel­de­zah­len spielt aber auch noch etwas ande­res eine Rol­le: Eine Gesamt­schu­le braucht eine Ober­stu­fe. Besteht ein Jahr­gang vor allem aus jenen, die sonst zur Haupt- oder Real­schu­le gegan­gen wären, gerät die Schul­form in Gefahr. Dann besteht die Ober­stu­fe mög­li­cher­wei­se irgend­wann nur noch aus einem Mini­mal­pro­gramm. Das Kurs­an­ge­bot ist aber für vie­le Eltern ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um bei der Wahl der Schul­form. „Unse­re Sor­ge ist ein­fach, dass wir in eine Abwärts­spi­ra­le kom­men, die wir nicht mehr auf­hal­ten kön­nen, wenn die Schü­ler­schaft wei­ter run­ter­geht“, sag­te Doro­thee Feller.

Mit ande­ren Wor­ten bedeu­te dies, „dass wir zur­zeit kei­ne posi­ti­ve Pro­gno­se für die Gesamt­schu­le Rox­el ertei­len kön­nen“, sag­te Fel­ler. Und was das wie­der­um bedeu­tet, sag­te Müns­ters Grü­nen-Frak­ti­ons­spre­cher Chris­toph Kat­tentidt wenig spä­ter am Tele­fon: „Ich gehe mal davon aus, dass die Gesamt­schu­le Rox­el damit erle­digt ist.“

Dramatische Fehlentscheidung”

Für Müns­ter ist das ein schlech­tes Ergeb­nis. Da sind sich alle Rats­par­tei­en einig, die sich Ende Juni in einem gemein­sa­men Schrei­ben an die Bezirks­re­gie­rung gewandt hat­ten, um die Regie­rungs­prä­si­den­tin von ihrem Anlie­gen zu überzeugen.

Unter­zeich­net hat­te den Brief auch der Ober­bür­ger­meis­ter. Inter­es­sant sind nun die Nuan­cen in den Reak­tio­nen auf die Ent­schei­dung der Bezirks­re­gie­rung. Chris­toph Kat­tentidt spricht laut einer Pres­se­mit­tei­lung sei­ner Par­tei von einer „dra­ma­ti­schen Fehl­ent­schei­dung“. Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe nennt die Ent­schei­dung – eben­falls in einer Pres­se­mit­tei­lung – „sehr schade“.

Das klingt nicht nach gro­ßem Bedau­ern. Aller­dings hat Lewe auch nie den Ein­druck ver­mit­telt, dass sein Herz an die­ser Gesamt­schu­le hän­gen würde.

Über­haupt hat die Stadt­ver­wal­tung nicht den Ein­druck erweckt, dass ihr die­se Schu­le sehr wich­tig sei. Über Jah­re gelang es nicht, die Zah­len zu lie­fern, die nötig sind, um zu beur­tei­len, wo in der Stadt wel­che Schu­len in wel­cher Grö­ße sinn­voll wären. Inzwi­schen exis­tiert es eine neue soge­nann­te klein­räu­mi­ge Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se, in der sol­che Zah­len ste­hen. Die Bezirks­re­gie­rung kennt sie. Doch ver­öf­fent­licht sind sie noch immer nicht. Eine öffent­li­che Dis­kus­si­on auf der Grund­la­ge von Daten ist also bis­lang gar nicht möglich.

Dass die neue Gesamt­schu­le nach Rox­el soll­te, lag zudem nicht dar­an, dass man den Stadt­teil für den bes­ten Stand­ort hielt. Es lag vor allem dar­an, dass hier nach dem Schei­tern der Sekun­dar­schu­le ein Schul­zen­trum frei wird.

Und dann war es viel­leicht auch Pech. Wäre alles so gekom­men, wie man es sich in Müns­ter gewünscht hät­te, dann hät­te man es wie­der mal geschafft, das zu kaschie­ren, was Micha­el Jung in sei­ner Kolum­ne im Mai „Fah­ren auf Sicht“ genannt hat­te. Eine Poli­tik, die spon­tan auf Wid­rig­kei­ten reagiert und dann alles dar­an setzt, eine Not­lö­sung zu fin­den, um erst mal für eine Wei­le wie­der Ruhe zu haben – bis das nächs­te Pro­blem auftaucht.

Es gibt keinen Plan B

Was das bedeu­tet, wird im Fall der Gesamt­schu­le sehr deut­lich. Wenn man sich umhört und die Fra­ge stellt, wie es jetzt wei­ter­geht, hört man nicht: Wir wis­sen seit Jah­ren, dass wir das Pro­blem mit den Gesamt­schu­len lösen müs­sen. Und wir haben natür­lich damit gerech­net, dass es an die­ser Stel­le nicht klap­pen könn­te. Daher haben wir einen Plan B vor­be­rei­tet. Und der sieht so aus…

Statt­des­sen hört man von unter­schied­li­chen Ideen, die dann aber auch fast alle wie­der irgend­ei­nen Haken haben.

Vor weni­gen Wochen hat die West­fa­len AG ein altes Werks­ge­län­de in Grem­men­dorf an die Stadt ver­kauft, auf dem irgend­wann Woh­nun­gen und eine Schu­le ste­hen sol­len. Es soll in jedem Fall eine wei­ter­füh­ren­de Schu­le wer­den. Nur wel­che Schul­form genau es wird, das steht noch nicht fest. Es kom­men zwei For­men infra­ge: Gym­na­si­um oder Gesamt­schu­le. Es wäre ein guter Stand­ort für eine Gesamt­schu­le. Nicht nur auf dem West­fa­len-Gelän­de wer­den vie­le Men­schen woh­nen, auch auf dem Gebiet der frü­he­ren York-Kaser­ne. Und für die Gesamt­schu­le in Havix­beck wäre die­se Schu­le garan­tiert kei­ne Gefahr. Der Haken ist: Eine Bedro­hung wäre der Neu­bau für das Schul­zen­trum in Wol­beck, das eigent­lich nicht schrump­fen soll. Im Gegen­teil: Die Stadt will es gera­de für meh­re­re Mil­lio­nen ausbauen.

Der größ­te Haken aber wäre noch ein ande­rer: Bis zur Eröff­nung der Schu­le wer­den Jah­re ver­ge­hen. Doch die Stadt braucht schnell eine Lösung. Ein Neu­bau kommt also nicht nur wegen der hohen Kos­ten kaum infra­ge, son­dern auch, weil dann alles viel zu lan­ge dauert.

Blie­be die Mög­lich­keit, eine bestehen­de Schu­le umzu­wid­men. Und da könn­te man natür­lich die Fra­ge stel­len, ob es nicht bes­ser wäre, zum Bei­spiel an der Son­nen­stra­ße eine Gesamt­schu­le zu haben, die sich vor Bewer­bun­gen kaum ret­ten kann, als das Schlaun-Gym­na­si­um mit zuletzt nur etwa 40 Anmel­dun­gen für die fünf­ten Klas­sen. Der Haken hier: Dass Müns­ter sich von einem Gym­na­si­um ver­ab­schie­det, scheint von Vorn­her­ein ausgeschlossen.

Einiges spricht für die Stadtmitte

Aber da sind ja noch die Haupt- und Real­schu­len. Eine Mög­lich­keit, schnell an eine neue Gesamt­schu­le zu kom­men, wäre, dort eine neue Schu­le zu grün­den, wo vor­her schon eine war.

So hat man es bei der Gesamt­schu­le Müns­ter-Mit­te gemacht, so ist man bei der Mat­hil­de-Anne­ke-Gesamt­schu­le vor­ge­gan­gen. So hät­te man es ja auch gern am Schul­zen­trum in Rox­el getan. Aber dort geht es nicht. Wo dann?

Wenn man sich anschaut, wo die Bevöl­ke­rung in Müns­ter in den nächs­ten Jah­ren wach­sen wird, sieht man: Der Wes­ten wäre kein schlech­ter Stand­ort für eine neue Gesamt­schu­le, wenn man die Nach­bar­schaft aus­blen­den wür­de. Doch das geht nicht. Also gibt es dort kei­ne Gesamt­schu­le. Es wäre aber nicht schlecht, wenn die Schu­le aus dem Wes­ten gut erreich­bar wäre. Das sprä­che für die Stadtmitte.

Der Haken hier: Wo eine Schu­le geschlos­sen wird, gibt es Wider­stän­de. Und es blie­be noch ein wei­te­res Pro­blem. Was wird aus dem Schul­zen­trum in Roxel?

Eine Haupt­schu­le und eine Real­schu­le sind dort schon geschei­tert. Mit der Sekun­dar­schu­le ist es auch nichts gewor­den. Man könn­te es nun wie­der mit einer Haupt­schu­le oder wie­der mit einer Real­schu­le ver­su­chen. Aber das wäre nicht Fah­ren auf Sicht, son­dern Fah­ren mit geschlos­se­nen Augen. Ein Gym­na­si­um wäre einen Ver­such wert, aber dann wür­de die Gesamt­schu­le in Havix­beck gera­de die Anmel­dun­gen ver­lie­ren, die wich­tig wären, um die befürch­te­te Abwärts­spi­ra­le zu ver­hin­dern. Wahr­schein­li­cher ist, dass es am Ende auf ein Berufs­kol­leg hin­aus­lau­fen wird.

Auch das wäre nicht opti­mal, vor allem für die Men­schen nicht, die rund um das Schul­zen­trum woh­nen. Wer zum Berufs­kol­leg geht, kommt oft von außer­halb. Daher ist es vor­teil­haft, wenn die­se Schu­len zen­tral lie­gen oder gut mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln zu errei­chen sind. Ansons­ten wer­den vie­le not­ge­drun­gen mit dem Auto kom­men. So kann aus einem Schul­pro­blem schnell ein Ver­kehrs­pro­blem wer­den. Und so wird aus einem Pro­blem das nächste.

Sol­che Zusam­men­hän­ge, die erst sicht­bar wer­den, wenn man genau­er hin­sieht, gibt es auch an ande­rer Stelle.

Auf dem Land geht es um die Existenz

Ruft man zum Bei­spiel Jörn Mölt­gen an, Bür­ger­meis­ter von Havix­beck und bis vor einem Jahr noch Grü­nen-Rats­herr in Müns­ter, sagt der: „In Müns­ter geht es um die Per­fek­tio­nie­rung eines gut lau­fen­den Schul­sys­tems, auf dem Land geht es um die Exis­tenz.“ Das kann man für eine Dra­ma­ti­sie­rung hal­ten. Aber wenn man zum Bei­spiel nach Bil­ler­beck schaut, dann erscheint der Satz doch gar nicht so übertrieben.

Bil­ler­beck hat vor eini­gen Jah­ren sei­ne Haupt­schu­le ver­lo­ren, auch die Real­schu­le ist ver­schwun­den. Es kam eine soge­nann­te Gemein­schafts­schu­le, eine sel­te­ne Schul­form, die es im gesam­ten Regie­rungs­be­zirk nur zwei Mal gab, ein­mal in Asche­berg und eben in Bil­ler­beck. Aber auch die­se Schu­le kam nicht so an, wie sie soll­te. Schließ­lich tat man sich mit der Gesamt­schu­le in Havix­beck zusam­men, Bil­ler­beck bekam die Zweig­stel­le. Wür­de die nun ver­schwin­den, blie­be nichts mehr. Und das könn­te indi­rekt wie­der Fol­gen für Müns­ter haben, nur auf einem ande­ren Gebiet.

Men­schen, die aus Müns­ter ins Umland zie­hen, ent­las­ten den Woh­nungs­markt. Aber wer zieht mit sei­ner Fami­lie in eine Stadt ohne wei­ter­füh­ren­de Schu­le? Für vie­le Fami­li­en sei das eines der wich­tigs­ten Kri­te­ri­en, sag­te Doro­thee Fel­ler bei der Pres­se­kon­fe­renz am Mon­tag. Es hängt irgend­wie alles mit allem zusam­men. Aber wenn man sich das Pro­blem von oben anschaut, bekommt man den Ein­druck, als feh­le der Blick fürs Ganze.

Es wirkt irgendwie schief

In Müns­ter müs­sen sich knapp 300 Eltern im Jahr für eine Schul­form ent­schei­den, die gar nicht ihren Vor­stel­lun­gen ent­spricht. Viel­leicht wird auch nichts aus ihrem Zweit­wunsch. Als unbe­tei­lig­ter Mensch kann man das nüch­tern sehen. Es sind ja genü­gend Schul­plät­ze für alle da. Aber bei den Eltern hin­ter­lässt es Ent­täu­schung, Frus­tra­ti­on, Ärger. Und wenn man sich dann über­legt, dass 300 Eltern sich ärgern müs­sen, weil 30 Kilo­me­ter wei­ter eine Hand­voll Anmel­dun­gen gebraucht wer­den, um die Schul­form zu recht­fer­ti­gen, dann mag das recht­lich alles sau­ber und ratio­nal zu begrün­den sein, aber es wirkt den­noch schief.

Am 25. August wird die Regie­rungs­prä­si­den­tin noch ein­mal mit Müns­ter, Bil­ler­beck und Havix­beck über das Pro­blem spre­chen. Am Mon­tag beton­te sie, dass die Ent­schei­dung nicht end­gül­tig sei. Die Stadt Müns­ter hat zum Gut­ach­ten aus Havix­beck und Bil­ler­beck noch gar nicht Stel­lung genom­men. Auch das wird noch pas­sie­ren. Doro­thee Fel­ler sag­te am Mon­tag, sie wür­de sich wün­schen, dass die Kom­mu­nen sich noch ein­mal zusam­men­set­zen, um über eine gemein­sa­me Lösung nach­zu­den­ken, mit der bei­de Sei­ten leben kön­nen. Und an die­ser Stel­le sind Chris­toph Kat­tentidt und Jörn Mölt­gen sich sehr einig. Sie sagen mit Blick auf Doro­thee Fel­ler: „Wir freu­en uns auf Vorschläge.“

In aller Kürze

+++ Wäh­rend die Stadt den über hun­dert Jah­re alten Hill-Spei­cher am Hafen saniert und umbaut, zieht der Kul­tur­ver­ein B-Side an den Hawerkamp, schrei­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten, und zwar in das ehe­ma­li­ge Ver­wal­tungs­ge­bäu­de der Bau­fir­ma Pebü­so (Peter Büscher & Sohn), die der Stadt Ende der 80er-Jah­re am Kanal eine Event-Loca­ti­on hin­ter­las­sen hat. Der klei­ne mehr­stö­cki­ge Bau am Ein­gang zum Fir­men­ge­län­de gehört bis­lang noch nicht dazu. Der Ein­gang wächst so lang­sam zu. Es gibt auch einen Nach­teil. Im neu­en Gebäu­de ist nicht so viel Platz wie am Hafen. Aber dafür ist das Hei­zen auch güns­ti­ger. In zwei Jah­ren kehrt der Ver­ein in den sanier­ten Hill-Spei­cher am Hafen zurück.

+++ Der Loop-Fahr­dienst der Stadt­wer­ke soll eigent­lich gleich meh­re­re Ver­kehrs­pro­ble­me auf ein­mal lösen. Die Autos haben einen Hybrid­an­trieb, fah­ren also unter ande­rem mit Strom. Man kann sie wie Taxis bestel­len, aber auf dem Weg neh­men sie meh­re­re Fahr­gäs­te mit, das spart ein­zel­ne Fahr­ten. Jetzt hat sich ein ehe­ma­li­ger Fah­rer bei den West­fä­li­schen Nach­rich­ten gemel­det, der unter ande­rem die Bezah­lung, das Arbeits­kli­ma sowie die Tat­sa­che bemän­gelt, dass Image und Wirk­lich­keit des Fahr­diens­tes nach sei­nen Erfah­run­gen nicht so rich­tig zusam­men­pas­sen. Er selbst fuhr, wie er der Zei­tung erzählt hat, für 11 Euro die Stun­de. Und anfangs sei immer­hin noch genug Zeit gewe­sen, in den Pau­sen die Akkus der Fahr­zeu­ge auf­zu­la­den. Im Win­ter und bei gro­ßer Aus­las­tung dage­gen habe das Laden dann der Ver­bren­nungs­mo­tor über­nom­men. Und das klingt irgend­wie schon nach einer Ver­kehrs­wen­de, aber um 360 Grad. Das Unter­neh­men „Sei Mobil“, das im Auf­trag der Stadt­wer­ke arbei­tet und bei dem der Fah­rer ange­stellt war, sagt dazu: nichts.

+++ Eine knap­pe Woche noch, dann begin­nen die Ver­kehrs­ver­su­che. Die Bus­se bekom­men zum Bei­spiel eine Extra­spur, auf der sie zwi­schen Wese­ler Stra­ße und Lan­des­haus vor­bei­rau­schen kön­nen. Wie man sich so eine Bus­spur vor­stel­len muss, auf der Bus­se an den Autos vor­bei­rau­schen, ohne im Stau war­ten zu müs­sen, das kann man sich seit die­ser Woche auf der Schor­le­mer Stra­ße anse­hen. Dort hat die Stadt die Mar­kie­run­gen schon auf die Stra­ße gezeich­net. Was sich für den Bus­ver­kehr ändern wird, wenn die Hörster­stra­ße gesperrt ist, zei­gen die Stadt­wer­ke auf die­ser Sei­te in einer ganz über­sicht­li­chen Über­sicht. Wenn Sie sich für die ein­zel­nen Ver­su­che inter­es­sie­ren, fin­den Sie Details hier. Los geht’s am Mon­tag. Bussi.

Corona-Update

Vor eini­gen Wochen war Müns­ter noch die Num­mer eins im Land, wenn es um die Coro­na-Infek­ti­ons­zah­len ging. Das hat sich nun ein biss­chen geän­dert. Müns­ter ist immer noch Num­mer eins, aller­dings nur im Regie­rungs­be­zirk – und nur wenn man die Tabel­le umdreht. Die Bezirks­re­gie­rung mel­det heu­te eine Inzi­denz von 14,6 (Infek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche). In den übri­gen sie­ben Krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten im Regie­rungs­be­zirk Müns­ter (Kor­rek­tur­hin­weis: Hier stand irr­tüm­lich Regie­rungs­be­zir­ke, wir haben das kor­ri­giert) sind die Zah­len gerin­ger. Hof­fen wir, dass es schnell bes­ser wird. Wenn es so wei­ter­geht wie zuletzt, sind wir in einer Woche wie­der bei einer Inzi­denz von 21. Seit ges­tern mel­det die Stadt drei Neu­in­fek­tio­nen. Und wenn Sie sich in den nächs­ten Tagen imp­fen las­sen möch­ten: Wo Sie in den nächs­ten Tagen den Impf­bus fin­den, das steht hier.

Korrekturen und Ergänzungen

Im RUMS-Brief am Frei­tag haben wir in unse­rer Rubrik „Unbe­zahl­te Wer­bung“ den Wackel­pe­ter emp­foh­len, einen sehr hüb­schen Second-Hand-Laden für Kin­der­klei­dung und Spiel­sa­chen. Eine Infor­ma­ti­on, die wir viel­leicht noch nach­rei­chen soll­ten: Im Moment ist das Geschäft wegen der Som­mer­fe­ri­en geschlos­sen. Ab dem 16. August geht’s weiter.

Unbezahlte Werbung

Der Hin­ter­hof der Gast­stät­te, die frü­her „Alter Pul­ver­turm“ hieß und heu­te „Klamm & Hein­rich“, ist wohl einer der schöns­ten Orte in Müns­ter, um an einem war­men Som­mer­abend drau­ßen ein Bier zu trin­ken. Mög­lich ist das dort seit unge­fähr 150 Jah­ren, aber wahr­schein­lich bald für eini­ge Zeit nicht mehr. Anfang Juli schrie­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten, dass der fünf­jäh­ri­ge Pacht­ver­trag aus­läuft. Das Gebäu­de soll saniert wer­den. Der Teil des Grund­stücks, auf dem sich der Bier­gar­ten befin­det, gehört der Stadt, und die möch­te den Bier­gar­ten erhal­ten. Aber ob es so kommt, und wie viel Zeit bis dahin ver­geht, ist noch nicht klar. Im Sep­tem­ber schließt der Bier­gar­ten. Daher unse­re Emp­feh­lung: Schau­en Sie vor­her noch mal vor­bei. Ich war am Sonn­tag­abend noch da.

Drinnen und Draußen

+++ Um Sport geht es im RUMS-Brief ja oft nur dann, wenn es nicht um Sport geht. Heu­te aus­nahms­wei­se mal der Hin­weis auf eine Sport­ver­an­stal­tung, aller­dings auch das vor allem, weil es beim fünf­ten Equa­li­ty-Cup am nächs­ten Wochen­en­de – der Titel ver­rät es – nicht nur um Sport geht, son­dern auch dar­um, dass mit Sport in ers­ter Linie Män­ner­sport gemeint ist. Das ist auch wegen Olym­pia ein ganz aktu­el­les The­ma. Nur eine von zehn Sport­ver­an­stal­tun­gen in den Medi­en beschäf­tigt sich mit Frau­en­sport. Das ist kei­ne geschätz­te Zahl. Das sagt der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund. Die Sport­re­por­te­rin Ali­na Schwer­mer erzählt hier im Inter­view, wor­in die Bericht­erstat­tung sich noch unter­schei­det. Am Sams­tag und Sonn­tag gäbe es in Müns­ter die Gele­gen­heit, Frau­en­fuß­ball live zu sehen, und zwar auf der Kunst­ra­sen­an­la­ge von Blau-Weiß Aasee (Bon­hoef­fer­stra­ße 54) – am Frei­tag ab 18 Uhr (Halb­fi­nals), am Sams­tag ab 13 Uhr (Spiel um Platz 3), das Fina­le beginnt am Sams­tag um 15 Uhr.

+++ Sie möch­ten abends kos­ten­los in den Zoo, wis­sen aber nicht, an wel­cher Stel­le Sie über den Zaun klet­tern sol­len? Dann hät­ten wir einen Tipp: In den Feri­en bie­tet der Zoo kos­ten­lo­se Füh­run­gen für Kin­der und Fami­li­en an. Eini­ge Ter­mi­ne sind schon aus­ge­bucht, die übri­gen kön­nen Sie hier kos­ten­los reser­vie­ren.

+++ Und ganz kurz­fris­tig. Sie haben viel­leicht schon die auf­blas­ba­re Lein­wand vor dem Schloss gese­hen. Das ist ein rela­tiv siche­res Indiz dafür, dass das Som­mer­nachts­ki­no schon begon­nen hat oder bald begin­nen wird. Heu­te Abend um 20:15 Uhr hät­ten Sie die Chan­ce, „Der Hoch­zeits­schnei­der von Athen“ zu sehen. Das Pro­gramm und Tickets für die nächs­ten Tage fin­den Sie hier.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Johan­ne Burk­hardt. Haben Sie bis dahin eine gute Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Paul Oppermann


PS

Wenn man auf der Bre­mer Stra­ße an der Rück­sei­te vom Bahn­hof ent­lang­fährt, sieht man schon ganz gut, wie es dort aus­se­hen wird, wenn Ende 2020 alles fer­tig sein wird. Moment. Das kann ja nicht stim­men. Also, es wird ja offen­bar frü­hes­tens in die­sem Jahr was – oder nein, Anfang 2022, ach was, Mit­te nächs­ten Jah­res – wenn es denn dabei bleibt. Inzwi­schen hat man schon fast ver­ges­sen, wie es bis vor weni­gen Jah­ren an die­ser Stel­le aus­sah. Das Stadt­mu­se­um hat in der ver­gan­ge­nen Woche ein 60 Jah­re altes Foto von der Bahn­hofs­rück­sei­te her­aus­ge­sucht. Und dar­auf erkennt man schon (rechts neben dem Ein­gang), wie das Pro­blem mit den her­um­ste­hen­den Fahr­rä­dern damals sei­nen Anfang nahm. Bei der Gele­gen­heit haben wir auch noch ein wei­te­res Fotos her­aus­ge­sucht. Es zeigt, was man sah, wenn man im Jahr 1961 hin­ter dem Bahn­hof stand. Damals befand sich dort noch der Bus­bahn­hof. Und das alles ist schon ein­mal ein Vor­ge­schmack auf den RUMS-Brief am Frei­tag. Dann geht es um die Gegen­wart und die Zukunft am Bre­mer Platz.

PPS

Wir hat­ten am Frei­tag schon ange­kün­digt, dass wir im Sep­tem­ber Besuch von der Repor­ta­ge­schu­le Reut­lin­gen bekom­men wer­den. Und wir hat­ten gefragt, ob Sie ein Zim­mer erüb­ri­gen kön­nen, um eini­ge der Schü­le­rin­nen und Schü­ler in die­ser Zeit auf­zu­neh­men. Zual­ler­erst: Ganz herz­li­chen Dank an alle, die sich gemel­det haben. Über die Hälf­te der Grup­pe ist inzwi­schen schon unter­ge­bracht. Für den Fall, dass Sie den Auf­ruf am Frei­tag nicht gese­hen haben: Es geht um die Zeit vom 20. bis zum 24. Sep­tem­ber. Und falls Sie kein Zim­mer erüb­ri­gen kön­nen, mit einem Fahr­rad wür­den Sie uns auch schon wei­ter­hel­fen. Hier kön­nen Sie uns schrei­ben.