Blick in die Glasfaserkugel | Sind die Mülltonnen zu teuer? | Italien-Urlaub an der Hammer Straße

Müns­ter, 10. August 2021

Guten Tag,

Gün­ther Horst­mann hat­te sich schon gefreut, aber er hat­te sich zu früh gefreut. Auf sei­nen Glas­fa­ser­an­schluss, mit dem er im Herbst gerech­net hat­te, muss er nun doch noch etwas län­ger war­ten. Zwei Jah­re län­ger. Gün­ther Horst­mann heißt eigent­lich anders. Wir haben sei­nen Namen geän­dert, denn es soll hier nicht um den gehen, der sich beschwert hat, son­dern um den Breit­band­aus­bau in Müns­ter. Horst­mann wohnt in Nien­ber­ge, an einem soge­nann­ten wei­ßen Fleck. So nennt man die Orte, an denen die Inter­net­ver­bin­dung schlecht ist. Und was schlecht bedeu­tet, das bewer­ten die Men­schen mit den Anschlüs­sen nicht nach ihrem Gefühl, son­dern dar­über ent­schei­det ein Grenz­wert. Wenn an einer Adres­se weni­ger als 30 Mega­bit pro Sekun­de durch die Lei­tun­gen gehen, dann gilt das als ein wei­ßer Fleck.

Vor zwei Jah­ren gab es von die­sen Fle­cken in Müns­ter noch etwas mehr als 2.000. Sie ver­tei­len sich recht gleich­mä­ßig auf die äuße­ren Stadt­tei­le. Das ist hier auf einer Kar­te zu sehen. Inzwi­schen sind eini­ge der Punk­te ver­schwun­den, denn die Stadt­wer­ke haben im Mai 2020 ange­kün­digt, sie nach und nach zu besei­ti­gen. Im Herbst haben sie damit begonnen. 

Gün­ther Horst­mann hat­te den Stadt­wer­ken im Dezem­ber eine E-Mail geschrie­ben, weil er wis­sen woll­te, wann er mit einem Glas­fa­ser-Anschluss rech­nen könn­te. Die Stadt­wer­ke ant­wor­te­ten am 15. Dezem­ber: „Aktu­ell pla­nen wir, den Aus­bau an Ihrer Adres­se (…) im April 2021 zu star­ten.“ Inner­halb von sechs Mona­ten sei dann alles fer­tig. Als Horst­mann im Juli noch ein­mal frag­te, weil die Arbei­ten immer noch nicht begon­nen hat­ten, sag­te man ihm, der Bau­be­ginn sei nun für das Jahr 2023 geplant. Was war passiert?

Eine Mit­ar­bei­te­rin aus dem Kun­den­ser­vice ver­such­te am 16. Juli, Horst­mann die Ver­zö­ge­run­gen in einer E-Mail zu erklä­ren. Dazu muss man wis­sen: Die Stadt Müns­ter zahlt die digi­ta­le Fleck­ent­fer­nung nicht allei­ne. 50 Pro­zent der Kos­ten über­nimmt der Bund, 40 Pro­zent das Land. Im För­der­pro­gramm habe es nun eine „grund­le­gen­de Ände­rung“ gege­ben, die zu den Ver­zö­ge­run­gen bei­tra­ge. So stand es in der E-Mail. 

Man habe grö­ße­re Netz­ka­pa­zi­tä­ten bean­tragt und wer­de nun auch Reser­ven ein­pla­nen, um spä­ter noch mehr Men­schen an das Netz anschlie­ßen zu kön­nen. Des­we­gen müs­se man die Pla­nun­gen über­ar­bei­ten. Wich­tig dabei sei auch der Schutz von Bäu­men und Grün­flä­chen. Ende des Jah­res wer­de man die Pla­nun­gen „gemein­sam mit den Geneh­mi­gungs­be­hör­den abschlie­ßen“. Man wol­le dazu in Kür­ze ein Infor­ma­ti­ons­schrei­ben verschicken. 

Haben Sie den letz­ten Absatz ver­stan­den? Nein? Ich näm­lich auch nicht. Des­we­gen habe ich Chris­ti­an Tebel ange­ru­fen, der sich für die Stadt Müns­ter als soge­nann­ter Giga­b­it­ko­or­di­na­tor um den Netz­aus­bau küm­mert, und der hat es mir erklärt. 

Puzzle aus vielen Teilen

Es ist wie­der ein­mal kom­pli­ziert, und die­ser Fall zeigt, wie sich Behör­den auf unter­schied­li­chen Ebe­nen bei der Digi­ta­li­sie­rung im Weg ste­hen – und wie das alles am Ende Men­schen aus­ba­den müs­sen, die für die Ursa­chen gar nicht ver­ant­wort­lich sind.

Chris­ti­an Tebel ist einer von ihnen. Ihn rufen jetzt Leu­te an, weil sie sich ärgern, dass alles so lan­ge dau­ert. Sie sagen: „Ich sit­ze jetzt im Home­of­fice und brau­che sofort schnel­le­res Inter­net, nicht erst in zwei Jah­ren.“ Aber was soll Tebel machen? Er wohnt selbst im Nor­den der Stadt und ist einer von denen, die nun län­ger war­ten müssen.

Dass es so gekom­men ist, hat zu tun mit einem „Puz­zle aus vie­len Tei­len“, wie Tebel sagt. Ein wich­ti­ges Puz­zle­stück war die Arbeit der Bür­ger­initia­ti­ve in Amels­bü­ren, die erreich­te, dass ihr Orts­teil schnel­ler an das schnel­le Inter­net ange­schlos­sen wur­de. Und das ver­än­der­te auch die Plä­ne an ande­ren Stellen. 

Eigent­lich habe man sich erst um die wei­ßen Fle­cken im Nor­den küm­mern wol­len, sagt Tebel. Dann wäre der Süden zuletzt an der Rei­he gewe­sen. Aber dann hät­te man die Stra­ßen in Amels­bü­ren spä­ter ein zwei­tes Mal auf­rei­ßen müs­sen. Und das wäre teu­er gewor­den. Im Moment kos­te der Aus­bau etwa 120 Euro pro Meter. Und um die Dimen­sio­nen zu ver­deut­li­chen: Wenn die Stadt in den kom­men­den Jah­ren bis zu 2.000 Kilo­me­ter an Lei­tun­gen ver­legt, wie es geplant ist, wür­de das zu die­sem Preis 240 Mil­lio­nen Euro kos­ten. „Da neh­men wir natür­lich jeden Euro mit, den wir spa­ren kön­nen“, sagt Tebel. 

So änder­te sich im Wei­ße-Fle­cken-Pro­gramm die Rei­hen­fol­ge. Für die Men­schen im Nor­den der Stadt bedeu­tet das: Sie müs­sen län­ger war­ten. Dass der Aus­bau in Nien­ber­ge schon im April 2021 begin­nen soll­te, wie die Stadt­wer­ke es in ihrer E-Mail an Gün­ther Horst­mann schrie­ben, das sei aller­dings wohl ein Miss­ver­ständ­nis, sagt Tebel. Dass die Arbei­ten im Süden begin­nen wür­den, sei schon seit einem Jahr klar gewesen. 

Das eine Puz­zle­stück ist also die Bür­ger­initia­ti­ve, aber dane­ben gibt es noch eini­ge wei­te­re. Zum Bei­spiel Richt­li­ni­en des Bun­des zum För­der­pro­gramm, die sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wie­der geän­dert haben. „Gefühlt jedes Jahr“, sagt Tebel. Fünf Jah­re nach dem Start des Pro­gramms sei man nun schon bei Richt­li­nie Num­mer sechs. In den Richt­li­ni­en steht zum Bei­spiel, wel­ches Mate­ri­al zum Ein­satz kom­men soll. Alles ist vor­ge­ge­ben, auch die Grenz­wer­te, die dar­über ent­schei­den, wel­ches Haus einen Glas­fa­ser­an­schluss bekom­men darf. 

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Ein Interessenkonflikt

Die kurio­sen Fol­gen die­ses starr­sin­ni­gen Regel­werks hat das Sati­re-Maga­zin Extra3 im ver­gan­ge­nen Jahr auf­ge­spießt. Nach den För­der­re­geln kann es sein, dass eine Stra­ße auf­ge­ris­sen wird, um ein Haus an das Glas­fa­ser­netz anzu­schlie­ßen. Und im Prin­zip müss­te man nur ein paar Kabel dazu­le­gen, damit auch die übri­gen Häu­ser ans Netz kom­men. Aber wenn Daten an die­sen Adres­sen nur mini­mal schnel­ler durch die Lei­tun­gen flie­ßen als mit 30 Mega­bit pro Sekun­de, geht das nicht. Die För­de­rung gilt schließ­lich nur für wei­ße Flecken. 

Der Bund hät­te die Grenz­wer­te gern höher ange­setzt, bei 50 Mega­bit pro Sekun­de. Doch die Euro­päi­sche Uni­on ver­hin­der­te das, denn den Inter­es­sen des Bun­des ste­hen hier die von pri­va­ten Unter­neh­men gegen­über, vor allem die der Tele­kom. Die Tele­kom baut das Glas­fa­ser­netz auf eige­ne Kos­ten aus, wo es sich wirt­schaft­lich lohnt. Wo es sich nicht lohnt, zum Bei­spiel auf dem dünn besie­del­ten Land, über­nimmt der Staat mit sei­ner För­de­rung das, was der Markt nicht regeln mag. Setzt man die Defi­ni­ti­ons­gren­ze für wei­ße Fle­cken zu hoch an, kann es sein, dass der Bund dort mit Steu­er­geld baut, wo sich die Inves­ti­ti­on auch für ein pri­va­tes Unter­neh­men gelohnt hätte.

Die­ser Inter­es­sen­kon­flikt führ­te schon bei der 30-Mega­bit-Gren­ze zu selt­sa­men Situa­tio­nen. Um das Wei­ße-Fle­cken-Pro­gramm vor­zu­be­rei­ten, muss­te die Stadt Müns­ter zunächst in Erfah­rung brin­gen, wo die­se Fle­cken sich über­haupt befin­den. Dazu schrieb sie die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­fir­men an. Sie soll­ten ange­ben, wo die Lei­tun­gen so lang­sam sind, dass eine För­de­rung in Fra­ge kommt. So habe sich her­aus­ge­stellt, dass der rele­van­te Wert bei 200 bis 300 Häu­sern in Müns­ter laut Tele­kom bei 30,01 Mega­bit pro Sekun­de lag, sagt Tebel. Das schloss die För­de­rung aus.

Mitt­ler­wei­le schrei­ben die Richt­li­ni­en vor, dass im Boden genü­gend Platz für Reser­ve­r­oh­re sein muss. Denn es kann ja vor­kom­men, dass Men­schen sich erst nach­träg­lich für einen Glas­fa­ser­an­schluss ent­schei­den – oder neue Tech­no­lo­gien wei­te­re Lei­tun­gen nötig machen. „So weit hat­te man damals nicht gedacht“, sagt Chris­ti­an Tebel. Im Rück­blick erscheint das bizarr, wenn man bedenkt, dass es hier nicht um Zeit­räu­me von 30 Jah­ren geht, son­dern viel­leicht um fünf – als hät­te man das alles im Jahr 2016 noch nicht ahnen können. 

Sol­che Ände­run­gen wer­fen nun auch das Wei­ße-Fle­cken-Pro­gramm in Müns­ter zurück. Das Pro­blem ist fol­gen­des: Die Stadt­wer­ke hät­ten ihre Plä­ne zwar so umset­zen kön­nen wie geplant. Sie hät­ten sich auf das beru­fen kön­nen, was in den Aus­schrei­bun­gen steht, so erklärt Tebel es. Aber dann hät­te es sein kön­nen, dass man den Ärger vor sich her­schiebt und spä­ter alles sehr viel teu­rer wird, weil die Reser­ve­r­oh­re dann doch ver­legt wer­den müssen. 

Keine Förderung bei Kabelanschluss

Teu­rer wird der Aus­bau so nun auch wer­den, allein weil die Arbei­ten län­ger dau­ern. Um wie viel teu­rer es für die Stadt wird, ist noch nicht klar. Vor allem aber dau­ert es län­ger, denn wenn man in grö­ße­ren Dimen­sio­nen plant, ist es nicht damit getan, ein paar Reser­ve­r­oh­re mehr in die Schäch­te zu legen. Teil­wei­se muss die Stadt die Tras­sen ver­le­gen, dadurch ändert sich die Netz­pla­nung. Neue Anträ­ge müs­sen gestellt, Geneh­mi­gun­gen von Bund und Land ein­ge­holt wer­den. Das alles dau­ert. Hin­zu kom­me, dass die Stadt Müns­ter etwas genau­er hin­se­he als ande­re Städ­te, wenn es um den Schutz von Bäu­men und Grün­flä­chen geht, die sich auf der Tras­se befin­den, sagt Chris­ti­an Tebel. Auch das kos­tet Zeit. 

Bis 2024 sol­len die wei­ßen Fle­cken in Müns­ter von der Land­kar­te ver­schwun­den sein. Dann wer­den noch immer nicht alle Adres­sen Glas­fa­ser­an­schlüs­se haben, und so weit, dass alle mit Glas­fa­ser ver­sorgt sind, wird es wohl auch nicht kom­men, obwohl der Bund längst neue För­der­pro­gram­me auf den Weg gebracht hat. Als Nächs­tes will man die grau­en Fle­cken ange­hen. Dann för­dern Bund und Land auch Anschlüs­se mit einer Durch­satz­ra­te von bis zu 100 Mega­bit pro Sekun­de, spä­ter wird es dann um soge­nann­te schwar­ze Fle­cke gehen, das sind Anschlüs­se mit bis zu 250 Mega­bit. Mit Glas­fa­ser­ka­beln wer­den bis zu 1.000 Mega­bit möglich. 

Von der För­de­rung aus­ge­nom­men sind Adres­sen mit Kabel­an­schluss. Und einen Kabel­an­schluss haben in Müns­ter acht von zehn Adressen. 

Die­se Haus­hal­te kön­nen zwar nicht auf einen geför­der­ten Glas­fa­ser­an­schluss hof­fen, aber auf einen Ver­trag mit der Tele­kom. Sie will 80 Pro­zent der Haus­hal­te ins schnel­le Inter­net brin­gen. Auch wenn das gelun­gen sei, wer­de es immer noch Men­schen geben, die weder über die Tele­kom noch über eine För­de­rung die Chan­ce auf einen Glas­fa­ser-Anschluss haben, sagt Chris­ti­an Tebel. Doch das wird die Aus­nah­me sein. 

In dieser Woche kommt ein Brief

Gün­ther Horst­mann und die übri­gen 2.000 Men­schen, die in Müns­ter an einem wei­ßen Fleck woh­nen, wer­den in die­ser Woche Post von den Stadt­wer­ken bekom­men. In dem Brief steht zum einen die schlech­te Nach­richt, dass der Aus­bau der Glas­fa­ser­an­schlüs­se sich um ein Jahr ver­zö­gern wird. Damit ist der gesam­te Zeit­raum der Arbei­ten gemeint. An ein­zel­nen Stel­len kann es durch­aus sein, dass die War­te­zeit sich um mehr als ein Jahr verlängert. 

In Hil­trup, den Außen­be­rei­chen von Amels­bü­ren und rund um Wol­beck sol­len die wei­ßen Fle­cken im nächs­ten Jahr ver­schwun­den sein. Im Jahr 2023 sind dann Rox­el, Albach­ten, Han­dorf und Coer­de dran, wobei die Anschlüs­se in Han­dorf und Coer­de den Plä­nen nach teil­wei­se erst im Jahr dar­auf fer­tig sein wer­den. Und dann, im Jahr 2024, sind auch Spra­kel, Gim­b­te, Kin­der­haus, das Gebiet Zen­trum-Nord und Nien­ber­ge an der Rei­he. Das sind die Plä­ne zu den wei­ßen Flecken.

Der regu­lä­re Glas­fa­ser­aus­bau in der Stadt geht in Mau­ritz wei­ter. Den übri­gen Zeit­plan hat die Stadt auf ihren Sei­ten ver­öf­fent­licht. Im Jahr 2024 sol­len die Gewer­be­ge­bie­te ange­schlos­sen sein. Ein Jahr spä­ter soll es in Müns­ter auch kei­ne grau­en Fle­cken mehr geben. Und das vor­läu­fi­ge Ziel steht in grü­ner Schrift neben dem Jahr 2026 unter dem Zeit­strahl: Müns­ter ist Giga­bit-Stadt.

Unse­re Rubrik „In aller Kür­ze“ ist in die­ser Woche im Som­mer­ur­laub. Die Urlaubs­ver­tre­tung über­nimmt daher heu­te das Schwes­ter­for­mat:

In voller Länge

+++ Die Abfall­wirt­schafts­be­trie­be der Stadt, also das Unter­neh­men, das sich in Müns­ter um den Müll küm­mert, hat sich vor ein paar Tagen mit einer Pres­se­mit­tei­lung gegen eine Rang­lis­te gewehrt, in der Müns­ter nicht gut aus­sieht, in ande­ren Wor­ten: schlecht. Der Bund der Steu­er­zah­ler hat­te die Abfall- und Abwas­ser­ge­büh­ren in den Städ­ten in NRW ver­gli­chen und dabei fest­ge­stellt, dass die Kos­ten in Müns­ter von allen Städ­ten am höchs­ten sind. 685,80 Euro zahlt ein Vier-Per­so­nen-Haus­halt, der sich zwei 120-Liter-Ton­nen eine Papier­ton­ne (Anga­be: haus­halts­üb­li­che Men­gen) vors Haus stel­len lässt, die im Abstand von zwei Wochen geleert wer­den. In Kaarst, der güns­tigs­ten Kom­mu­ne, zahlt man dafür nur 146,20 Euro jähr­lich. Das Pro­blem ist, dass die Leis­tun­gen in den unter­schied­li­chen Städ­ten sich schwer ver­glei­chen las­sen. In Müns­ter holt die Müll­ab­fuhr den Bio­müll zum Bei­spiel wöchent­lich ab. Das sei ein „ganz exor­bi­tant hoher Stan­dard“, sagt Harald Schle­dorn vom Bund der Steu­er­zah­ler. Man for­de­re Müns­ter schon seit Jah­ren auf, die Bio­ton­nen nur im Abstand von zwei Wochen zu lee­ren. Es wäre auch bes­ser fürs Kli­ma, wenn die schwe­ren Müll­wa­gen nicht ein­mal pro Woche durchs Vier­tel fah­ren wür­den, sagt er. Patrick Hasen­kamp, Chef von Müns­ters Abfall­wirt­schafts­be­trie­ben, weist die Kri­tik in der Pres­se­mit­tei­lung zurück. Die wöchent­li­che Abfuhr in Müns­ter habe abso­lut ihre Berech­ti­gung. Auch den Haus­halts­ver­gleich hält er so für nicht gerecht­fer­tigt. Der durch­schnitt­li­che Vier-Per­so­nen-Haus­halt in Müns­ter habe deut­lich klei­ne­re Ton­nen, näm­lich eine mit 60 Litern für den Rest­ab­fall, eine mit 35 Litern für den Bio­müll sowie eine übli­che Papier­ton­ne. Und wenn er die jähr­li­chen Kos­ten dafür berech­net, kommt er auf 277,56 Euro. Das sei unge­fähr auf der Höhe des Durch­schnitts­prei­ses, den der Bund der Steu­er­zah­ler ermit­telt habe, näm­lich 273,96 Euro. Hier aller­dings ver­gleicht Hasen­kamp den Preis für die klei­nen Ton­nen in Müns­ter mit dem Preis für gro­ße Ton­nen anders­wo. Und das hält Harald Schle­dorn für „hoch­gra­dig unse­ri­ös“, denn um die­sen Ver­gleich nach sei­ner Auf­fas­sung seri­ös zu machen, müss­te man auch in ande­ren Städ­ten die Prei­se für klei­ne Ton­nen zugrun­de legen. Hasen­kamp hat aber noch ein ande­res Argu­ment. Der Bio­ab­fall aus Müns­ter wer­de zu Bio­gas umge­wan­delt, aus dem man Strom und Wär­me gewin­ne. Das belas­te das Kli­ma nicht, son­dern sei sogar ein Bei­trag zur CO2-Reduk­ti­on. Die­ses Argu­ment wie­der­um will Harald Schle­dorn nicht gel­ten las­sen. Das mach­ten 80 Pro­zent aller Kom­mu­nen so, sagt er.

Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men, dies­mal zur Kolum­ne von Car­la Reem­ts­ma am Wochen­en­de. Ingo Rath hat uns geschrie­ben. Sein Ein­druck ist, die Kolum­ne lese sich wie ein Auf­ruf zum Nicht­wäh­len. Wir haben Car­la Reem­ts­ma gebe­ten, dar­auf ant­wor­ten. Das hat sie getan. Und sie schreibt, es sei nicht ihre Absicht gewe­sen, zum Nicht­wäh­len auf­zu­ru­fen. Sie weist aller­dings auf den ges­tern erschie­nen Bericht des Welt­kli­ma­rats hin. Und sie wie­der­holt ihre Kri­tik noch ein­mal: „Das Pro­blem stel­len die Par­tei­en dar, die sich der Ver­ant­wor­tung ent­zie­hen, die Kli­ma­kri­se gemäß des von ihnen unter­zeich­ne­ten Pari­ser Kli­ma­ab­kom­mens ein­zu­däm­men.“ Bei­de Bei­trä­ge fin­den Sie hier.

Wenn Sie noch nichts über den Welt­kli­ma­rat-Bericht gele­sen haben, aber wis­sen möch­ten, was drin­steht, emp­feh­le ich die­sen sehr guten Bei­trag aus der Süd­deut­schen Zei­tung. Dort fin­den Sie auch einen drei­mi­nü­ti­gen Videobei­trag und eini­ge ein­drück­li­che Abbildungen. 

Corona-Update

Die Zeit der kos­ten­lo­sen Coro­na-Tests läuft ab. Ab dem 11. Okto­ber ist Schluss. Das haben die Bun­des­kanz­le­rin und die Minis­ter­prä­si­den­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten heu­te in einer Video­kon­fe­renz beschlos­sen. Aus­nah­men gel­ten wei­ter für Men­schen, die sich nicht imp­fen las­sen kön­nen oder für die es nicht emp­foh­len wird. Zum Bei­spiel Kin­der und Jugend­li­che unter 18 Jah­ren Jah­ren oder Schwan­ge­re. Außer­dem brau­chen Men­schen, die nicht voll­stän­dig geimpft oder von einer Covid-Infek­ti­on gene­sen sind, ab dem 23. August einen fri­schen Schnell­test, um sich in öffent­li­chen Räu­men auf­zu­hal­ten. Wer Kin­der zwi­schen 12 und 15 Jah­ren kön­nen sich in Müns­ter jetzt immer sams­tags imp­fen las­sen, im Impf­zen­trum an der Hal­le Müns­ter­land. Das mel­det die Stadt. Und die Infek­ti­ons­zah­len in Müns­ter bewe­gen sich wie auch bun­des­weit wei­ter in die fal­sche Rich­tung. Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt mel­det heu­te eine Inzi­denz von 26,6 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen in sie­ben Tagen). Seit ges­tern ste­hen in der Sta­tis­tik 17 wei­te­re Covid-Fäl­le. Damit gel­ten aktu­ell 138 Men­schen als infi­ziert. Drei von ihnen lie­gen im Krankenhaus. 

Unbezahlte Werbung

An der Ham­mer Stra­ße 52 hat ein neu­es ita­lie­ni­sches Café eröff­net, die Bar Ita­lia, und zwar an der Stel­le, wo bis vor eini­gen Jah­ren noch die Com­merz­bank-Filia­le war und spä­ter dann der Unver­packt-Laden, der eini­ge Meter wei­ter­ge­zo­gen ist. Bis­lang habe ich das Eis pro­biert (okay, drei Mal), und das kann ich emp­feh­len. Ein Tipp noch: Wenn Sie schon mal in der Nähe sind, machen Sie doch einen klei­nen Ita­li­en-Urlaub. Fan­gen Sie mit einem Eis an, dann gehen Sie ein paar Haus­num­mern wei­ter, gegen­über von der Kir­che fin­den Sie einen ita­lie­ni­schen Super­markt, der sehr guten Espres­so ver­kauft. Hier legen Sie eine klei­ne Pau­se ein und kau­fen viel­leicht noch Pas­ta oder fri­schen Käse. Danach geht es wei­ter zum Restau­rant Bor­go Anti­co an der Haus­num­mer 74 (am bes­ten Piz­za, egal wel­che). Danach müs­sen Sie wie­der ein paar Meter zurück zur Haus­num­mer 68, zum Restau­rant Artu­si, das gleich­zei­tig Café und Wein­bar ist. Und wenn Sie nicht noch ein zwei­tes Mal essen möch­ten, dann bestel­len Sie doch ein­fach einen Mar­ti­ni Bianco. 

Drinnen und Draußen

Um die Ver­an­stal­tungs­tipps hat sich heu­te Keertha­na Kuperan gekümmert:

+++ Das Wet­ter soll in den nächs­ten Tagen wie­der wär­mer wer­den, viel­leicht haben Sie dann Lust auf Kul­tur unter frei­em Him­mel. Dann möch­ten wir Ihnen das Impro 005 – Sum­mers­plash am Sonn­tag­abend im Pavil­lon im Schloss­gar­ten ans Herz legen. Nach einer lan­gen Coro­na-Pau­se ein beson­ders schö­ner Ter­min für all jene, die sonst auf der Thea­ter­büh­ne im Krea­tiv-Haus zu sehen sind. Was im Pavil­lon pas­sie­ren wird, kön­nen wir Ihnen noch nicht ankün­di­gen, schließ­lich wird alles impro­vi­siert. Aber wir kön­nen Ihnen den Link zum Vor­ver­kauf ver­ra­ten, damit Sie es selbst erle­ben können.

+++ Schon mor­gen Abend kön­nen Sie die Lite­ra­tur­show Lese­büh­ne Die2 erle­ben. Die Autoren Andre­as Weber aus Müns­ter und Micha El Goe­h­re aus Essen lesen ab 20 Uhr auf dem roten Sofa im Cuba-Hin­ter­hof ihre Tex­te. Und am Frei­tag­abend (auch ab 20 Uhr) laden die bei­den zum Kaf­fee­klatsch-Spe­zi­al mit DJ At, dann geht es um Musik. Infos zu bei­den Ver­an­stal­tun­gen gibt es hier, Kar­ten hier.

Am Frei­tag bekom­men Sie wie­der Post von Con­stan­ze Busch. Haben Sie bis dahin eine schö­ne Woche. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Edi­na Hojas, Keertha­na Kuperan 


PS

Hanns Eckel­kamp ist gestor­ben. Den Namen haben Sie viel­leicht noch nie gehört, aber Sie ken­nen sicher eini­ge der Fil­me, die er pro­du­ziert hat. „Theo gegen den Rest der Welt“ zum Bei­spiel, mit Mari­us Mül­ler-Wes­tern­ha­gen. Oder “Lola” von Rai­ner Wer­ner Fass­bin­der. Vor allem hat Eckel­kamp, der in Müns­ter gebo­ren wur­de und am Pau­li­num sein Abitur gemacht hat, in Müns­ter ein Kino gegrün­det, und zwar das im Ger­tru­den­hof, einem Gast­hof, der an der Kreu­zung von Waren­dor­fer Stra­ße und Ring stand. Heu­te ist dort ein Super­markt. Auf der Ecke steht auch eine Gedenk­ta­fel, die man nicht ver­ges­sen soll­te, wenn man über die­sen Ort spricht. An die­ser Stel­le begann vor 80 Jah­ren in Müns­ter die sys­te­ma­ti­sche Ver­schlep­pung der Juden. Ein Foto von der Gedenk­ta­fel und ein Bild vom Frei­licht­ki­no im Ger­tru­den­hof hat Hen­ning Stoff­ers in einem ganz wun­der­ba­ren zwei­tei­li­gen Bei­trag über Müns­ters Kinos ver­öf­fent­licht. Das Foto hat Hanns Eckel­kamp sogar selbst gemacht. Rolf Gie­sen hat heu­te in der Welt einen lesens­wer­ten Nach­ruf auf Eckel­kamp geschrie­ben. Den Text fin­den Sie hier.

PPS

Zum Schluss noch ein Hin­weis. Die Stra­ßen­zei­tung drau­ßen hat einen Auf­ruf ver­öf­fent­licht. Die Spen­den­re­ga­le sind leer. Viel­leicht kön­nen Sie helfen.