Toxische Verkehrspolitik | Die Brunnen-Posse | Beetschwester

Müns­ter, 29. Okto­ber 2021

Guten Tag,

in der Psy­cho­lo­gie gibt es ein Phä­no­men, das wir im All­tag aus ganz unter­schied­li­chen Zusam­men­hän­gen ken­nen – aus der Coro­na-Zeit, vom Kin­der­spiel­platz und aus der Ver­kehrs­po­li­tik. Das Phä­no­men heißt Reak­tanz, und es tritt immer dann auf, wenn Men­schen das Gefühl haben, dass ihnen Frei­heit genom­men wird. Dann ent­wi­ckeln sich Wider­stän­de, die sehr stark wer­den kön­nen, und es pas­siert etwas ganz Erstaun­li­ches: Die Mög­lich­keit, die nun nicht mehr zur Ver­fü­gung steht, mag vor­her noch so neben­säch­lich gewe­sen sein, plötz­lich erscheint ele­men­tar wichtig. 

Auf dem Kin­der­spiel­platz kann die­se nicht mehr vor­han­de­ne Mög­lich­keit die rote Schau­fel sein, die sich das ande­re Kind gera­de genom­men hat. Die Eltern kön­nen natür­lich dar­auf hin­wei­sen, dass da ja noch eine blaue und eine gel­be Schau­fel lie­gen, aber sie wer­den sehen: Es ist voll­kom­men sinn­los. Es muss die rote Schau­fel sein, und zwar sofort. 

In der Coro­na-Poli­tik kann die Mas­ke für das ver­lo­re­ne Stück Frei­heit ste­hen. Das erscheint vor allem im Win­ter absurd, wenn Men­schen mit Müt­zen und Schals aus dem Haus gehen, um sich selbst vor der Käl­te zu schüt­zen, aber in der Mas­ke, die dem Schutz von ande­ren dient, eine unnö­ti­ge Schi­ka­ne sehen. 

Und hier geht es nicht nur um kind­li­chen Trotz. Es kann schnell zu extre­men Reak­tio­nen kom­men, wenn Men­schen sich in den Gedan­ken hin­ein­stei­gern, schi­ka­niert, gegän­gelt oder ein­fach unter Druck gesetzt zu wer­den. Und damit wären wir bei der Ver­kehrs­po­li­tik in Münster. 

Eine alte Idee, die es in sich hat

Wer­fen wir einen Blick auf die Face­book-Kom­men­tar­spal­te unter einem Text, den die West­fä­li­schen Nach­rich­ten am Don­ners­tag in dem Netz­werk ver­öf­fent­licht haben. Er trägt die Über­schrift: „Test­wei­se Durch­fahrts­sper­re am Bült für drei Mona­te“. Das ist eine Idee, die schon im Koali­ti­ons­ver­trag ange­kün­digt ist, Grü­ne, SPD und Volt Anfang des Jah­res ver­ein­bart haben. 

Auf Sei­te 24 steht wört­lich: „Außer­dem wol­len wir (…) die Durch­gän­gig­keit für den Pkw-Ver­kehr auf­he­ben und den Bült zu einem MIV-ver­kehrs­be­ru­hig­ten (MIV heißt moto­ri­sier­ter Indi­vi­du­al­ver­kehr, Anm. RUMS) Bereich auf­wer­ten, der als ÖPNV-Kno­ten­punkt mit vie­len Fahr­rad­ab­stell­flä­chen für Bus­se, Fahr­rä­der und Taxen wei­ter­hin pas­sier­bar bleibt.“

Völ­lig unspek­ta­ku­lär also. Oder min­des­tens: seit Mona­ten bekannt. Im Text der West­fä­li­schen Nach­rich­ten klingt das so: 

„Doch kurz vor der Sit­zung leg­te das Rats­bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt einen Ände­rungs­an­trag auf den Tisch, der es in sich hat: Die Ideen­werk­statt soll ergänzt wer­den um einen Ver­kehrs­ver­such am benach­bar­ten Bült. Für einen Zeit­raum ‚von min­des­tens drei Mona­ten‘ soll es eine Sper­re für den Durch­gangs­ver­kehr geben.“

Ein Ände­rungs­an­trag also, der es in sich hat? So fal­len jeden­falls die Kom­men­ta­re aus. Hier eine klei­ne Auswahl: 

„Das fängt ja gut an mit der neu­en Ära. Es wird immer bes­ser in Müns­ter, was für ein gro­ber Schwach­sinn! Als wenn damit alles ent­zerrt ist!!“

„Die­ser blin­de Aktio­nis­mus ist es, der mich der­zeit auf die Pal­me bringt und nicht das The­ma ansich… Das macht die Leu­te nur noch sauer…“

„Wäre schon mal ganz gut wenn man die Betrof­fe­nen am Bült betei­ligt oder? – ich bin hier kein Unbe­kann­ter und ich mei­ne mich zu erin­nern das ich immer auf alle zuge­gan­gen bin. SCHLUSS MIT DEM UNSINN.“

„Kann man nicht bes­ser aus­drü­cken! Müns­ter wird wohl bald nicht mehr lebens­wert sein!“

„Schlim­mer darf es nicht mehr wer­den dann wer­de ich wohl nicht mehr nach Müns­ter fah­ren!! Ich fahr doch nicht tau­send Umwe­ge bis ich an mein Ziel bin.“

In der Kom­men­tar­spal­te geht es fast aus­schließ­lich um Emo­tio­nen. Eine sach­li­che Dis­kus­si­on fin­det prak­tisch nicht statt – obwohl es die durch­aus geben könn­te, und dann wür­den zwi­schen Schwarz und Weiß plötz­lich sehr vie­le Grau­stu­fen sichtbar.

Viermal Ideologie, einmal Kulturkampf

Es ist ja nicht so, dass sich kei­ne Gemein­sam­kei­ten fin­den lie­ßen. Einig sind sich alle Par­tei­en zum Bei­spiel dar­in, dass es auf irgend­ei­ne Wei­se gelin­gen muss, den Auto­ver­kehr in der Innen­stadt zu redu­zie­ren. Und hier gibt es nicht nur die Mög­lich­kei­ten: Die Ver­kehrs­po­li­tik des Bünd­nis­ses ist voll­kom­men rich­tig. Oder: Es ist die reins­te Katastrophe. 

Es kann durch­aus sein, dass die Rich­tung stimmt, aber die Kri­tik zutrifft, Alter­na­ti­ven zum Auto feh­len und vie­le Men­schen dar­auf ver­zich­ten wer­den, in die Innen­stadt zu fah­ren, wenn man Autos den Raum nimmt.

FDP-Frak­ti­ons­chef Jörg Berens nennt in einer Pres­se­mit­tei­lung, in der vier­mal das Wort „Ideo­lo­gie“ vor­kommt und ein­mal das Wort „Kul­tur­kampf“, eini­ge Din­ge, die ihm feh­len: „kon­kre­te Ideen für durch­gän­gi­ge Bus­spu­ren, Anträ­ge zum Bau von Mobi­li­ät­s­sta­tio­nen und mehr Geld, um mehr Bus­se für eine Takt­ver­dich­tung auf die Stra­ße zu brin­gen“. Dar­über lässt sich sprechen.

Es kann aller­dings auch sein, dass eini­ge die feh­len­den Alter­na­ti­ven zum Auto als Argu­ment vor­schie­ben – um Ver­än­de­run­gen zu ver­hin­dern oder zu ver­zö­gern, mit denen sie nicht ein­ver­stan­den sind. Dann wäre die Fra­ge: War­um? Aus Abnei­gung gegen­über Ver­än­de­run­gen? Oder viel­leicht doch aus nach­voll­zieh­ba­ren Gründen?

Wer ein Geschäft an einer Stra­ße hat, die für drei Mona­te gesperrt wird, mag die Ver­kehrs­wen­de noch so sehr begrü­ßen. Aber in die­sem Fall besteht die Mög­lich­keit, dass der maue Umsatz das Geschäft in Schwie­rig­kei­ten bringt. Und wenn die­ses Risi­ko besteht, wür­de man viel­leicht lie­ber auf den Ver­such ver­zich­ten, auch wenn man die Ver­kehrs­wen­de eigent­lich für abso­lut not­wen­dig hält. Das ist das Sankt-Flo­ri­an-Prin­zip. Men­schen fin­den vie­les grund­sätz­lich gut, aber nicht vor der eige­nen Haustür. 

Und hier ergibt sich ein Dilem­ma. Wie fin­det man her­aus, wel­che Fol­gen es hat, wenn die Ver­kehrs­füh­rung sich ver­än­dert? Man muss es aus­pro­bie­ren. Man müss­te einen Ver­such machen, in dem es dar­um geht, Erkennt­nis­se zu bekom­men, die eine Simu­la­ti­on am Modell nicht lie­fert. Einen Verkehrsversuch. 

Kosten trägt eine kleine Gruppe

Aber was, wenn Men­schen schon die­sen Ver­such ableh­nen? Die­se Fra­ge stell­te am Mitt­woch im Ver­kehrs­aus­schuss Cars­ten Peters, der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen. Muss man dann vor­her mit den Geschäf­ten spre­chen und fra­gen, ob sie ein­ver­stan­den sind? Es geht doch hier um die Kli­ma­bi­lanz für die gan­ze Stadt. Soll­te das an den Inter­es­sen von Ein­zel­nen scheitern?

Die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer wünscht sich, dass die Poli­tik Ver­kehrs­ver­su­che vor­her mit dem Han­del bespricht. Aus den Stel­lung­nah­men der Kam­mer geht her­vor, dass sie für den Han­del eher Risi­ken sieht als Chan­cen, wenn weni­ger Autos in die Stadt fah­ren. Wäre die Kam­mer über­haupt mit einem Ver­kehrs­ver­such ein­ver­stan­den, des­sen Ziel es ist, die Zahl der Autos in der Stadt zu redu­zie­ren? Und falls nicht: Wäre die Ableh­nung nicht voll­kom­men rational?

Die Ver­kehrs­po­li­tik soll einen Nut­zen haben, der grö­ßer ist als die Kos­ten. Aber der Nut­zen ver­teilt sich recht gleich­mä­ßig auf die Bevöl­ke­rung. Die mög­li­chen Kos­ten trägt eine klei­ne Grup­pe, zu der auch der Han­del gehört. Und es müs­sen nicht ein­mal tat­säch­li­che Kos­ten ent­ste­hen. Es reicht schon das Risi­ko. Auch das trägt nicht die Gesamtheit. 

So kann die ver­rück­te Situa­ti­on ent­ste­hen, dass ein Mensch eine ver­kehrs­po­li­ti­sche Ent­schei­dung in einer ande­ren Stadt unter­stützt, die er in der eige­nen Stadt ablehnt. 

Auch so etwas muss man berück­sich­ti­gen. Zu sagen: Es ist fürs Kli­ma, mit dem Risi­ko müsst ihr jetzt leben, wäre zu ein­fach. Und allein der Hin­weis, dass mit Ver­lus­ten gar nicht zu rech­nen sei, wird nicht aus­rei­chen. Wenn die Wahr­schein­lich­keit gering ist, dass es zu grö­ße­ren Umsatz­ein­bu­ßen kommt, müss­te es ja mög­lich sein, Ver­ein­ba­run­gen zu tref­fen, die die­ses Risi­ko für den Han­del minimieren. 

Schablonen im Gehirn

Das ist nur ein Punkt, aber an ihm wird deut­lich: Sobald man sich die Sache etwas genau­er ansieht, wird es kom­pli­ziert. Und wenn es zu kom­pli­ziert wird, grei­fen Men­schen auf Ver­ein­fa­chun­gen zurück, auf Geschich­ten. Nar­ra­ti­ve bekom­men eine gro­ße Bedeu­tung – das sind Erzäh­lun­gen, die schlüs­sig klin­gen und daher schnell zu Glau­bens­sät­zen wer­den, auch wenn sie häu­fig gar nicht stim­men. Manch­mal stim­men sie halb. Und oft las­sen sie sich nur schwer überprüfen. 

Wenn die­se Nar­ra­ti­ve sich fest­ge­setzt haben, ent­ste­hen Scha­blo­nen im Gehirn, für die sich stän­dig pas­sen­de Teil­chen fin­den. Im Fal­le der Ver­kehrs­po­li­tik ist eines die­ser Nar­ra­ti­ve, dass es im Prin­zip nur dar­um geht, Men­schen zu schi­ka­nie­ren, die mit dem Auto unter­wegs sind. Ein neu­er Ver­kehrs­ver­such ist dann das nächs­te Teil­chen, das sich in die Scha­blo­ne ein­fügt. Wie­der eine Schi­ka­ne. Vie­le Men­schen emp­fin­den das so, aber es trifft eher eine Emo­ti­on als einen Gedanken. 

Nar­ra­ti­ve sind dann erfolg­reich, wenn star­ke Über­zeu­gun­gen wir­ken oder ein­fach Wis­sen fehlt. Weiß man mehr, wer­den vie­le Men­schen fest­stel­len, dass es auch eine oder viel­leicht sogar meh­re­re Per­spek­ti­ven gibt, die eine Berech­ti­gung haben. Das muss nicht dazu füh­ren, dass man die eige­ne Mei­nung ändert. Aber es macht eine sach­li­che Dis­kus­si­on möglich. 

Ein Bei­spiel ist die Bus­spur von der Wese­ler Stra­ße zum Lan­des­haus, die als Ver­kehrs­ver­such ein­ge­rich­tet wur­de. War­um hat man das eigent­lich gemacht? Es beschleu­nigt die Bus­se ein biss­chen, ein paar Sekun­den viel­leicht. Aber nicht ein­mal die Men­schen, die am Steu­er sit­zen, mer­ken es. Und wer fährt von der Wese­ler Stra­ße bis zum Lan­des­haus? Um die­sen paar Men­schen einen Vor­teil zu ver­schaf­fen, streicht man vor dem Bahn­hof, wo es ohne­hin schon eng ist, eine Spur für den Autoverkehr? 

Ohne Wissen geht es nicht

Auf den ers­ten Blick erscheint das alles nicht plau­si­bel. Aber wenn man sich die­se Spur nicht mehr nur als iso­lier­te Stre­cke vor­stellt, son­dern als Teil einer hoch­leis­tungs­fä­hi­gen Schnell­bus­li­nie ins Umland, dann ergibt so ein Tur­bo im Zen­trum durch­aus Sinn, um die­se Ver­bin­dung für Men­schen attrak­ti­ver zu machen. Und ange­nom­men, man spart auf die­ser Stre­cke 20 Sekun­den, dann ist das für eine ein­zel­ne Per­son nicht viel. Aber wie vie­le Bus­se fah­ren auf die­ser Stre­cke? Wie viel Zeit spa­ren sie ins­ge­samt? Man kann die­sen Abschnitt als einen klei­nen Teil der Vor­aus­set­zun­gen sehen, die geschaf­fen wer­den müs­sen, um Alter­na­ti­ven zum Auto zu bie­ten. Und man kann trotz­dem über das Ver­kehrs­pro­blem vor dem Bahn­hof diskutieren. 

Wenn man etwas ver­hin­dern möch­te, geht es sicher am bes­ten mit Emo­tio­nen. Aber wenn die Absicht ist, eine gute Lösung zu fin­den, dann geht es nicht ohne Wis­sen. Das bedeu­tet aller­dings: Men­schen müs­sen über­haupt erst ein­mal die Mög­lich­keit bekom­men, Hin­ter­grün­de zu ver­ste­hen. Und das heißt, man muss unter Umstän­den mehr ver­ra­ten als nur das Nötigste. 

Der Ver­kehrs­ver­such an der Pro­me­na­de ist nach den Herbst­fe­ri­en abge­bro­chen wor­den. Nach­dem ich mit Men­schen gespro­chen habe, die einen bes­se­ren Ein­blick in die Ent­schei­dungs­struk­tu­ren haben als ich, habe ich den Ein­druck gewon­nen, dass die­se Ent­schei­dung auf­grund von fach­li­chen Erwä­gun­gen zustan­de gekom­men ist. 

Wie wie Zeit braucht Gewöhnung?

Wenn man nur die Erklä­rung der Stadt­ver­wal­tung liest, kann man auch einen ande­ren Ein­druck bekom­men. In die­ser Erklä­rung nennt Stadt­bau­rat Robin Denstorff als einen Grund für das vor­zei­ti­ge Ende die Tat­sa­che, dass sich nach neun Wochen noch kein „Gewöh­nungs­ef­fekt“ gezeigt habe. Ist das wirk­lich über­ra­schend? Womit hät­te man gerech­net? Beim Essen zum Bei­spiel dau­ert es in etwa drei Jah­re, bis sich neue Gewohn­hei­ten ein­stel­len. Und die meis­ten Men­schen essen täg­lich. Ich selbst fah­re die Stre­cke an der Pro­me­na­de seit knapp 25 Jah­ren immer mal wie­der. In der Zeit des Ver­kehrs­ver­suchs bin ich dort viel­leicht fünf oder zehn Mal ent­lang gefah­ren. Soll­te das aus­rei­chen für einen Gewöhnungseffekt? 

Als einen wei­te­ren Grund nennt Denstorff die Fest­stel­lung, dass bei den Bus­sen „ins­be­son­de­re in der Haupt­ver­kehrs­zeit zwi­schen 7 und 8 Uhr mor­gens Fahr­zeit­ver­lus­te durch Hal­te­vor­gän­ge an der Pro­me­na­den­que­rung auf­tra­ten“. Die Bus­se haben län­ger gebraucht als vor­her. Kam das wirk­lich uner­war­tet? Hät­te man das nicht ahnen können? 

Wäre die Begrün­dung gewe­sen, die Bus­se ver­lie­ren viel mehr Zeit, als wir dach­ten, hät­te das am Ende ein Ergeb­nis des Ver­suchs sein kön­nen. Mit die­sem Argu­ment hät­te man hin­ter­her begrün­den kön­nen, dass der Ver­such sich nicht bewährt hat. Aber war der Sinn des Gan­zen nicht, Daten zu sam­meln und her­aus­zu­fin­den, wie viel Zeit die Bus­se an die­ser Stel­le ver­lie­ren? Ist es in dem Fall wirk­lich sinn­voll, den Ver­such abzubrechen?

In sei­ner Erklä­rung schreibt Robin Denstorff, nicht ein Grund allein habe den Aus­schlag gege­ben, been­det habe man den Ver­such „auf­grund der Kumu­la­ti­on der unter­schied­li­chen (…) Faktoren“. 

Ein wei­te­rer die­ser Fak­to­ren war, dass es offen­bar vie­le Beschwer­den von Men­schen gab, die sich beim Über­que­ren der Pro­me­na­de nicht mehr sicher fühl­ten, seit der Rad­ver­kehr hier mit Vor­fahrt über die Stra­ße bret­ter­te. Aber wie passt das zu dem Argu­ment, dass die meis­ten Men­schen auf dem Rad sich in neun Wochen noch immer nicht an die neu­en Regeln gewöhnt und sich wei­ter­hin vor­sich­tig an die Kreu­zung her­an­ge­tas­tet haben? 

Ungleichgewicht in der Wahrnehmung

Dar­auf gibt es sicher eine Ant­wort. Aber man müss­te sie ken­nen. Und so ist es auch mit den Unfäl­len. Seit dem Beginn des Ver­kehrs­ver­suchs sind an der Kanal­stra­ße meh­re­re Unfäl­le pas­siert. Und seit dem Beginn des Ver­suchs schau­ten vor allem die West­fä­li­schen Nach­rich­ten wie durch ein Brenn­glas auf die Stel­len, an denen die Ver­su­che statt­fan­den. Aller­dings ent­stand so ein kras­ses Ungleich­ge­wicht in der Wahrnehmung.

Ende August kol­li­dier­te ein Inli­ne-Ska­ter an der Pro­me­na­de mit einem Auto. Wäre der glei­che Unfall an einer ande­ren Stel­le in der Stadt pas­siert, wäre er viel­leicht als Mel­dung auf der drit­ten Sei­te auf­ge­taucht, viel­leicht als ein­zel­nes Foto mit Bild­un­ter­schrift. So bekam er etwas mehr Platz, weil er im Licht­ke­gel der Auf­merk­sam­keit statt­fand. Zu die­ser Zeit war noch gar nicht klar, ob der Unfall über­haupt etwas mit dem Ver­kehrs­ver­such zu tun hat­te. Das stand so auch im Text. 

Spä­ter folg­te ein wei­te­rer Text zum The­ma. Unter der Annah­me, dass der Unfall etwas mit dem Ver­kehrs­ver­such zu tun haben könn­te, war die hypo­the­ti­sche Fra­ge gestellt wor­den, ob der Ver­kehrs­ver­such wegen des Unfalls jetzt ende. Die Poli­zei gab nun die Ant­wort. Man hal­te es nicht für not­wen­dig, so hieß es. Es habe auch in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der Unfäl­le an den Pro­me­na­den­que­run­gen gege­ben. Es hat­te also offen­bar nichts mit dem Ver­kehrs­ver­such zu tun. 

Es hät­te auch eine ande­re Mög­lich­keit gege­ben, über den Unfall zu berich­ten. Wenn er schon irr­tüm­lich so viel Auf­merk­sam­keit bekom­men hat, hät­te man eben­so pro­mi­nent den fal­schen Ein­druck revi­die­ren kön­nen, dass die Ursa­che der Ver­kehrs­ver­such gewe­sen sei. Das aber pas­sier­te nicht. In der Über­schrift stand: „Ent­schei­dung über Ver­kehrs­ver­such gefal­len.“ Als hät­te der ver­däch­ti­ge Ver­kehrs­ver­such hier gera­de noch­mal Glück gehabt. 

Spä­ter kam es zu einem wei­te­ren Unfall. Ein 51-jäh­ri­ger Mann brach sich den Ober­schen­kel­hals. Dies­mal teil­te die Stadt gleich mit, sie sehe kei­nen Zusam­men­hang zum Ver­kehrs­ver­such. So steht es auch im Text und in der Ein­lei­tung des Arti­kels. Ansons­ten deu­tet alles dar­auf hin, dass dies eine wei­te­re Epi­so­de aus der unsäg­li­chen Rei­he der noto­ri­schen Ver­kehrs­ver­su­che sein müs­se. Es ist ein unge­wöhn­lich lan­ger Text für einen Unfall die­ser Dimen­si­on. Und ich möch­te das nicht klein­re­den. Ich hof­fe, dem Mann geht es inzwi­schen bes­ser. Nur wenn ein Foto vom Ver­kehrs­ver­such zu sehen ist, der Text pro­mi­nent erscheint, online auch noch auf die übri­gen Unfäl­le im Zusam­men­hang mit den Ver­kehrs­ver­su­chen hin­ge­wie­sen wird, das alles durch eine Foto­stre­cke von den Ver­kehrs­ver­su­chen illus­triert wird und die Über­schrift lau­tet: „Erneu­ter Unfall an der Pro­me­na­de“, dann muss man damit rech­nen, dass hän­gen­bleibt: Ver­kehrs­ver­su­che bedeu­ten: ein Unfall nach dem anderen. 

Die Lücken füllt das Gehirn

Wie hät­te man es anders machen kön­nen? Die Stadt gibt mit ihrem Zitat einen Hin­weis. Auch an ande­ren Stel­len und Pro­me­na­den­que­run­gen pas­sie­ren Unfäl­le. Und auch an die­ser Pro­me­na­den­que­rung sind vor­her Unfäl­le pas­siert. Damit kein Ungleich­ge­wicht ent­steht, wäre es wich­tig gewe­sen, die Zah­len in einen Zusam­men­hang zu setzen. 

Wie vie­le Unfäl­le pas­sie­ren nor­ma­ler­wei­se an den Pro­me­na­den­que­run­gen? Wie vie­le sind in den Jah­ren zuvor an der Kanal­stra­ße pas­siert? Wel­che der Unfäl­le, die sich im Zeit­raum des Ver­kehrs­ver­suchs an der Kanal­stra­ße ereig­net haben, hän­gen wirk­lich mit dem Ver­kehrs­ver­such zusammen? 

Das wären Infor­ma­tio­nen, die gehol­fen hät­ten, ein­zu­schät­zen, ob seit dem Beginn des Ver­suchs an die­ser Stel­le tat­säch­lich auf ein­mal ein Unfall nach dem ande­ren pas­siert. Und hier müs­sen wir selbst­kri­tisch sagen: Die­se Zah­len haben auch wir nicht gelie­fert. Aber in den nächs­ten Wochen wer­den wir das versuchen. 

Feh­len sol­chen Infor­ma­tio­nen, füllt das Gehirn die Lücke mit eige­nen Erklä­run­gen. Und das geht schnell schief. Die Wahr­neh­mung wird ver­zerrt. Der Fach­be­griff lau­tet Ver­füg­bar­keits­heu­ris­tik.

Eine Heu­ris­tik ist so etwas wie eine Denk­ab­kür­zung. Wenn wir nicht alle Infor­ma­tio­nen haben, die wir für eine Ent­schei­dung brau­chen, sucht das Gehirn Din­ge, an denen es sich fest­hal­ten kann. Das macht schnel­le Ent­schei­dun­gen mög­lich, führt aber oft auch zu Fehlern. 

Wenn es dar­um geht, ein­zu­schät­zen, wie häu­fig, gefähr­lich oder drin­gend etwas ist, ori­en­tiert das Gehirn sich an dem, was ver­füg­bar ist. Fragt man Men­schen auf der Stra­ße einen Tag nach einem schwe­ren Ter­ror­an­schlag, wovor sie am meis­ten Angst haben, wer­den vie­le sagen: Ter­ror. Ein­fach, weil es der ers­te Gedan­ke ist. 

Narrative, verdammt hartnäckig

Wenn man stän­dig von Unfäl­len an einer bestimm­ten Stel­le in der Stadt hört, ent­steht unwei­ger­lich der Ein­druck, dass es an die­ser Stel­le beson­ders gefähr­lich ist. Das kann natür­lich tat­säch­lich der Fall sein. Es kann aber auch ein­fach dar­an lie­gen, dass ande­re Unfäl­le nicht so viel Auf­merk­sam­keit bekommen. 

Wenn sich erst mal ein Gedan­ke fest­ge­setzt hat, wird er schnell zu einem Nar­ra­tiv. Hier spie­len wie­der Gefüh­le eine Rol­le, sie las­sen sich mit Geschich­ten beson­ders gut trans­por­tie­ren. Und so etwas kriegt man unge­fähr so schwer wie­der aus den Köp­fen wie Rot­wein aus dem Sofa. 

Aber es ist mög­lich: mit ande­ren Nar­ra­ti­ven und dem Bemü­hen, zu über­prü­fen, ob die eige­nen Annah­men stimmen. 

Ein Nar­ra­tiv in der Ver­kehrs­po­li­tik ist: Die Men­schen, die in der Innen­stadt woh­nen, brau­chen kein Auto. Des­we­gen haben sie kein Pro­blem mit Park­plät­zen. Und des­we­gen sind ihnen die Pro­ble­me der Men­schen, die von außer­halb kom­men, egal.

Die­se Geschich­te lässt sich auch anders erzäh­len, zum Bei­spiel in der Ver­si­on des Kari­ka­tu­ris­ten Ian Lock­wood. In sei­nem Car­toon steht ein Mann mit sei­nem Auto in der Stadt, schaut aus dem Fens­ter und sagt zu zwei Men­schen auf der gegen­über­lie­gen­den Straßenseite: 

„Hal­lo Stadt! Ich habe mich ent­schie­den, von mei­ner Frei­heit Gebrauch zu machen und in der Vor­stadt zu woh­nen. Jetzt will ich hier ohne Ver­zö­ge­rung schnell durch­fah­ren. Des­halb for­de­re ich, dass die öffent­li­chen Steu­ern für den Aus­bau eurer Stra­ßen aus­ge­ge­ben wer­den und sich eure Sicher­heit, Gesund­heit und Lebens­qua­li­tät ver­schlech­tern. Ein fai­rer Deal? Schlag ein, Kumpel.“ 

So ganz stimmt das natür­lich nicht. Vie­le Men­schen zie­hen nicht frei­wil­lig aufs Land, son­dern weil das Leben in der Stadt so teu­er ist. Und das ist nur einer von meh­re­ren Punk­ten, die sich hier kri­ti­sie­ren lie­ßen. Wich­tig ist: Es geht um einen Per­spek­tiv­wech­sel und die Erkennt­nis: Es gibt berech­tig­te Inter­es­sen auf bei­den Sei­ten. Wie fin­det man eine Lösung? 

Es gibt ein Mittel: verbale Abrüstung

Rela­tiv sicher lässt sich eines sagen: Je mehr Emo­tio­nen im Spiel sind, des­to schwe­rer wird es. 

Ich hat­te oben eine Per­son zitiert, die in den Face­book-Kom­men­ta­ren schrieb: 

Schlim­mer darf es nicht mehr wer­den dann wer­de ich wohl nicht mehr nach Müns­ter fahren!!“

Die Per­son kom­men­tier­te den Plan, den Bült drei Mona­te lang für Autos zu sper­ren. Und dazu ein wei­te­res Gedan­ken­ex­pe­ri­ment. Wäre die Mel­dung gewe­sen: „Bült drei Mona­te lang wegen Bau von Fern­wär­me­lei­tung gesperrt“, hät­te die Per­son dann auch geschrie­ben: Dann wer­de ich wohl nicht mehr nach Müns­ter fahren? 

Geht es hier also tat­säch­lich um die Ein­schrän­kung durch die Sper­rung? Oder geht es um die Ableh­nung einer bestimm­ten Poli­tik? Geht es um Reak­tanz? Es ist bei­des mög­lich. Wir wis­sen es nicht. Aber falls es hier um Gefüh­le geht, wäre es mög­lich, dar­auf Ein­fluss zu neh­men. Durch ver­ba­le Abrüstung. 

Die Grü­nen-Rats­frau Andrea Blo­me erzähl­te am Mitt­woch im Ver­kehrs­aus­schuss, dem sie vor­sitzt, was sie erlebt, seit die Rat­haus-Koali­ti­on ver­sucht, eine ande­re Ver­kehrs­po­li­tik zu machen. 

Andrea Blo­me berich­te­te, sie bekom­me Münz­samm­lun­gen zuge­schickt, Abon­ne­ments, Uhren, ihre Adres­se wer­de miss­braucht. Sie müs­se das dann alles wie­der abbe­stel­len. Ihr schla­ge Hass ent­ge­gen, das gehe auch ande­ren in ihrer Frak­ti­on so, auch von Men­schen aus der Ver­wal­tung wis­se sie, dass sie ähn­li­che Erfah­run­gen machen. Sie sprach über etwas, das man den Teu­fel an die Wand malen nen­nen könn­te, und sie sag­te: „Ich glau­be, Sze­na­ri­en auf­zu­ma­chen, die mit der Rea­li­tät erst mal nichts zu tun haben, das fin­de ich unred­lich, und ich glau­be, das scha­det uns allen.“

Ergebnis einer toxischen Atmosphäre

Das Maga­zin Kom­mu­nal hat im April im Auf­trag von Report Mün­chen eine Umfra­ge gemacht. Das Ergeb­nis: Die Zahl der Angrif­fe auf Men­schen in der Kom­mu­nal­po­li­tik hat im ver­gan­ge­nen Jahr zuge­nom­men. Sie­ben von zehn Men­schen in einem Bür­ger­meis­ter­amt (72 Pro­zent) gaben an, schon belei­digt, beschimpft oder ange­grif­fen wor­den zu sein. 

Die­se Angrif­fe ent­ste­hen nicht aus dem Nichts. Sie sind das Ergeb­nis einer toxi­schen Atmo­sphä­re, in der erst die ver­ba­len Gren­zen fal­len – und dann auch die anderen. 

Wal­ter von Göwels, der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Frak­ti­on, mel­de­te sich gleich im Anschluss zu Wort, um Blo­me bei­zu­pflich­ten und um zu beto­nen, dass auch Men­schen aus sei­ner Frak­ti­on all das erleb­ten, und dass auch er so etwas nicht wolle. 

Am Tag dar­auf ver­öf­fent­lich­te er zusam­men mit sei­nem Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber eine Pres­se­mit­tei­lung mit der Über­schrift: „Ohne Rück­sicht auf Ver­lus­te.“ Wal­ter von Göwels lässt sich dar­in mit dem Satz zitie­ren: „Die Müns­te­ra­ner haben von Ver­kehrs­ver­su­chen erst ein­mal die Nase voll.“ Es ist die Rede von einem „Hau­ruck-Ver­fah­ren“, es wird „durch­ge­peitscht“, die Fol­gen sei­en dem Rat­haus­bünd­nis „pie­pe­gal“. Das Bünd­nis nen­nen sie die „Links­par­tei­en“, denn in der eige­nen Kli­en­tel schürt der Begriff zwei­fel­los mehr Ängs­te als die Rede vom Bünd­nis. Weber und von Göwels adres­sie­ren die Angst der Men­schen davor, dass Arbeits­plät­ze ver­lo­ren gehen, sie unter­stel­len Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit. Im letz­ten Satz sagt von Göwels: „Die rui­nie­ren unse­re Stadt.“ 

Das kann man natür­lich so machen. Aber das schafft kei­ne gemein­sa­me Basis für eine Debat­te. Das ebnet einen Boden, auf dem Hass gedeiht. 

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Noch ein Hin­weis: Am Sonn­tag erscheint eine Kolum­ne von Ruprecht Polenz, in der es eben­falls um Ver­kehrs­po­li­tik geht. Die Posi­ti­on ist natür­lich eine ande­re. Ich wür­de mich über Kom­men­ta­re und Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge freu­en. Und es wäre groß­ar­tig, wenn wir das bes­ser hin­be­kom­men, als in den Facebook-Kommentarspalten. 

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Bei den nächs­ten Mei­len­stei­nen (2.000, 2.250, 2.500) wer­den wir als Dan­ke­schön wei­te­re Work­shops ver­an­stal­ten. Genaue­res dazu lesen Sie hier. Sie kön­nen uns dafür auch gern Orga­ni­sa­tio­nen vor­schla­gen, die Ihnen am Her­zen lie­gen. Schrei­ben Sie uns dazu ein­fach an die­se Adres­se. Wie sich unse­re Akti­on ent­wi­ckelt, tei­len wir Ihnen ab jetzt regel­mä­ßig in unse­rem Brief mit. Sobald Coro­na es zulässt und wir die ers­ten Work­shops umset­zen kön­nen, wer­den wir die­se auch dokumentieren.

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In aller Kürze

+++ Knapp vier Wochen nach der Ein­wei­hung geht der Eisen­man-Brun­nen an der Kreuz­schan­ze in die Win­ter­pau­se. Sie kön­nen ihn natür­lich sich wei­ter­hin anse­hen – es fehlt nur das Wasser. 

+++ Das feh­len­de Was­ser ist auch bei vie­len ande­ren Brun­nen in der Stadt ein Pro­blem. Die CDU hat das in der ver­gan­ge­nen Woche in einer Pres­se­mit­tei­lung ange­mahnt und der Ver­wal­tung „Arbeits­ver­wei­ge­rung“ vor­ge­wor­fen. Dann stell­te sich aller­dings im Umwelt­aus­schuss am Diens­tag her­aus: Die CDU selbst ist schuld. Sie hat­te vor 17 Jah­ren, als sie noch allein regier­te, beschlos­sen, dass an den Brun­nen gespart wird, und es in den fol­gen­den 16 Jah­ren auch nicht rück­gän­gig gemacht. Am Ende fand sich doch noch ein Spin, um ohne das Ein­ge­ständ­nis, es selbst ver­bockt zu haben, aus der Sache raus­zu­kom­men. Der steht in die­ser Pres­se­mit­tei­lung. Kurz­ver­si­on: Guck mal da drü­ben, ein Eich­hörn­chen. Der WDR hat ein sehr schö­nes klei­nes Film­chen über die Pos­se gemacht.

Corona Update

Die Pan­de­mie brei­tet sich in Deutsch­land wie­der aus. Die Fra­ge ist: Wie kann man das stop­pen? Die geschäfts­füh­ren­de Bun­des­re­gie­rung wirbt für Auf­fri­schungs­imp­fun­gen. Und da hät­te ich einen Tipp. In der Pra­xis Kie­pen­kerl an der Bogen­stra­ße kann man sehr schnell online einen Ter­min ver­ein­ba­ren – und dabei auch gleich ange­ben, dass es um eine Auf­fri­schungs­imp­fung geht. Das ist sicher auch in ande­ren Pra­xen mög­lich. Wenn Sie Tipps haben, schrei­ben Sie uns. Wir geben das dann wei­ter. Ansons­ten fin­den Sie Infor­ma­tio­nen zu Imp­fun­gen auf den Sei­ten der Stadt.

Und zu den aktu­el­len Zah­len: In Müns­ter liegt die Inzi­denz heu­te bei 78,1 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche). Ins­ge­samt gel­ten im Stadt­ge­biet 376 Men­schen als infi­ziert. Und lei­der mel­det die Stadt auch noch einen wei­te­ren Todes­fall. Ein 86-jäh­ri­ger Mann starb in die­ser Woche mit einer Covid-Infektion. 

Unbezahlte Werbung

Fri­sches, vega­nes Essen, oder ganz modern auch Green Cui­sine, ser­viert Beet­sch­wes­ter an der Tibus­stra­ße 6. Regi­na von West­pha­len hat hier mit­ten in der Coro­na-Zeit ein Restau­rant eröff­net, das etwas anders funk­tio­niert als der Gro­ße Kie­pen­kerl, den ihre Mut­ter betreibt. Hier kommt kein Fleisch auf den Tel­ler – statt­des­sen pflanz­li­che Lebens­mit­tel aus aller Welt. Das klei­ne Lokal ist gemüt­lich und ele­gant. Einen Ein­druck bekom­men Sie in die­sem lesens­wer­ten Bei­trag. Oder sonst schau­en Sie doch ein­fach vorbei. 

Drinnen und Draußen

Eva Strehlke hat sich heu­te durch den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der gear­bei­tet. Sie hät­te zwei Empfehlungen: 

+++ „Rich Kids of Müns­ter­land. Eine Klas­sen­lot­te­rie“ – der Titel macht neu­gie­rig, fin­den wir. Vor allem, wenn man hört, dass es Schüler:innen des Annet­te-von-Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­ums sind, die Sie hier zu einer inter­ak­ti­ven Per­for­mance auf Burg Hüls­hoff ein­la­den. Mor­gen (Sams­tag) ab 14 Uhr geht’s los. Das The­ma ist Klas­sis­mus: Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der sozia­len Her­kunft oder Posi­ti­on. Die 15 Schüler:innen prä­sen­tie­ren gemein­sam mit den Per­for­me­rin­nen Bet­ti­na Grahs und Mar­gret Schütz die Ergeb­nis­se eines Schreib- und Per­for­mance-Work­shops. Der Ein­tritt ist frei, aber: 3G. Wei­ter Infos auf der Sei­te des Cen­ters for Lite­ra­tu­re.

+++ Ein paar Mal haben wir Ihnen an die­ser Stel­le schon Poe­try Slams emp­foh­len. Waren Sie (ob wegen unse­rer Tipps oder ein­fach so) schon mal als Zuschauer:in dabei? Falls Sie eine heim­li­che Sehn­sucht gespürt haben, Ihre Gedan­ken auch mal büh­nen­reif zum Aus­druck zu brin­gen, hilft Andre­as Weber vom Cuba Cul­tur Ihnen dabei. Mor­gen (Sams­tag) von 13 bis 16 Uhr fin­det in der Ach­ter­mann­stra­ße 10 wie­der die Werk­statt Poe­try Slam statt. Tickets gibt es für 11,48 Euro hier.

Und noch ein Tipp von mir: 

+++ Der klei­ne Acces­soires-Laden Tisch­kul­tur, das Restau­rant Brust oder Keu­le und das Auk­ti­ons­haus Zeit­ge­nos­sen (Chris­ti­an Vech­tel ken­nen Sie viel­leicht aus der Sen­dung Bares für Rares) ver­an­stal­ten mor­gen (Sams­tag) auf der Mel­chers­stra­ße ein Kreu­zungs­fest, und zwar an der Kreu­zung zur Fin­ken­stra­ße, denn dort befin­den sie die drei Läden. Was Sie dort fin­den wer­den: Einen klei­nen Floh­markt, DJ Mobi­lux macht Musik, und die Läden sind offen. Ich glau­be, es wird ganz schön. So ab 14 Uhr wäre ich auch da.

Am Diens­tag stel­le ich Ihnen hier wie­der ein exqui­si­tes Nach­rich­ten-Büfett zusam­men. Haben Sie ein schö­nes Wochen­en­de und am Mon­tag einen ruhi­gen Feiertag. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Eva Strehlke 


PS

Am Mitt­woch­abend hat der Ober­bür­ger­meis­ter die im ver­gan­ge­nen Jahr aus­ge­schie­de­nen Rats­mit­glie­der ver­ab­schie­det. Wie wir hör­ten, kam es dabei zu einem klei­nen Zwi­schen­fall. In sei­ner Rede habe der Ober­bür­ger­meis­ter ange­kün­digt, nach­her wer­de man ja noch bei „Häpp­chen und Bier“ zusam­men­sit­zen, stand in einer Nach­richt, die spä­ter bei uns ankam. Doch dann habe sich her­aus­ge­stellt: Es gab kein Bier. Nur Wein. In der Nach­richt folg­te der Satz: „Der EKLAT war per­fekt.“ Die Groß­buch­sta­ben habe ich über­nom­men. Und ich muss sagen: Da hat jemand wäh­rend sei­ner Arbeit im Rat schon ganz gut ver­stan­den, wie man Medi­en von einer Geschich­te über­zeugt. Und wenn Sie sich die Rats­leu­te noch mal anse­hen möch­ten: Hier gibt’s ein Foto.