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Müns­ter, 16. Novem­ber 2021

Guten Tag,

wir hat­ten ges­tern Abend lei­der ein tech­ni­sches Pro­blem, das mit dem Bild zu tun hat­te, das wir ein­ge­baut haben. Auf dem Smart­pho­ne war der RUMS-Brief nicht gut zu lesen. Das haben wir jetzt beho­ben. Hier kommt der RUMS-Brief noch ein zwei­tes Mal.

Im Dezem­ber 1971, kurz vor Weih­nach­ten, berich­te­te der Spie­gel über ein Phä­no­men, das zu die­ser Zeit die Innen­städ­te in ganz Deutsch­land ver­än­der­te: auto­freie Fuß­gän­ger­zo­nen. Zehn Jah­re zuvor hat­te Kas­sel damit ange­fan­gen, ande­re Städ­te waren gefolgt. Die Fuß­gän­ger­zo­ne eta­blier­te sich in ganz Deutschland.

Nach dem Krieg hat­te man ver­sucht, die Innen­städ­te mög­lichst auto­ge­recht zu gestal­ten. Die Fol­gen stell­ten sich über­ra­schend ein. Die Innen­städ­te droh­ten, vom Ver­kehr stran­gu­liert zu wer­den, so for­mu­lier­te es Mün­chens Ober­bür­ger­meis­ter Hans-Jochen Vogel damals.

Mün­chen ging zu die­ser Zeit noch etwas wei­ter als ande­re. Nach den Erfol­gen auf den Haupt­stra­ßen plan­te man, den kom­plet­ten Alt­stadt­ring für den Auto­ver­kehr zu sper­ren. Inner­halb des Rings soll­ten nur noch Bus­se, Taxis, Kran­ken­wa­gen, Lie­fer- und Anlie­ger­ver­kehr fah­ren. Doch der Han­del wehr­te sich gegen die Pläne.

Wir befin­den uns wei­ter­hin im Jahr 1971, doch bis hier­her klingt das alles ver­däch­tig nach dem, was wir zur­zeit in Müns­ter erle­ben. Das Rat­haus­bünd­nis aus SPD, Grü­nen und Volt möch­te die Innen­stadt vom Auto­ver­kehr befrei­en, der Han­del möch­te das mög­lichst nicht. So scheint es jedenfalls.

Wenn man sich die Situa­ti­on von damals etwas genau­er anschaut, sieht man aber, dass vie­les doch nicht so ähn­lich ist, wie es auf den ers­ten Blick scheint.

Als Dankeschön für Ihre Unterstützung: Journalistisches Arbeiten mit Jugendlichen

Foto: Niko­laus Urban

Im Juni 2021 haben wir mit Ihrer Hil­fe ein wich­ti­ges Etap­pen­ziel erreicht, um unser Ange­bot auf­recht­erhal­ten und im bes­ten Fall wei­ter­ent­wi­ckeln zu kön­nen: 1.750 RUMS-Abonnent:innen.

Als Dank für Ihre Hil­fe hat­ten wir Ihnen ver­spro­chen, einen ganz­tä­gi­gen Medi­­en-Work­­shop für eine Jugend­ein­rich­tung zu veranstalten.
Die­ses Ver­spre­chen haben wir nun – wegen der Coro­­na-Pan­­de­­mie etwas spä­ter, als es eigent­lich geplant war – ein­ge­löst. Anfang Novem­ber waren wir im Jugend­zen­trum Black Bull in Müns­­ter-Amel­s­­bü­­ren zu Gast. Mit dabei waren unser Redak­ti­ons­lei­ter Ralf Hei­mann, unser Mit­grün­der Marc-Ste­­fan And­res und unser Foto­graf und Bild­re­dak­teur Niko­laus Urban. Sie haben sich gemein­sam mit den Jugend­li­chen an die Grund­re­geln des jour­na­lis­ti­schen Arbei­tens her­an­ge­tas­tet und ers­te The­men mit ihnen zusam­men ent­wi­ckelt. Details und Fotos fin­den Sie hier.

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Die Fuß­gän­ger­zo­nen soll­ten damals nicht das Kli­ma ret­ten, son­dern den Han­del. Wür­de man kei­ne Fuß­gän­ger­zo­nen ein­rich­ten, müss­te der Han­del ster­ben, sag­te Hans-Jochen Vogel.

Roland Iding, damals Mana­ger des Kauf­hau­ses Hor­ten an der Lud­ge­ristra­ße in Müns­ter, heu­te Kauf­hof, sag­te dem Spie­gel, es sei kei­ne Lösung, „wenn Fuß­gän­ger den Prin­zi­palmarkt gegen­wär­tig nur unter Lebens­ge­fahr über­que­ren kön­nen“. Iding for­der­te die Stadt auf, „den Indi­vi­du­al­ver­kehr aus der Innen­stadt zu verbannen“.

Der Han­del war damals die trei­ben­de Kraft des Umbaus der Innen­städ­te, und das ist ein gro­ßer Unter­schied zur Situa­ti­on heu­te. Eine gesperr­te Haupt­ver­kehrs­stra­ße ver­sprach den Geschäfts­leu­ten mehr Umsatz, dort reih­te sich ein Geschäft an das ande­re. Der Wider­stand beschränk­te sich eher auf die klei­ne­ren Stra­ßen, wo Ein­bu­ßen nicht aus­ge­schlos­sen waren.

Auch in ande­ren Punk­ten war die Situa­ti­on damals mit der heu­ti­gen nicht zu ver­glei­chen. Die Geschäfts­leu­te hat­ten im Jahr 1971 nicht die Absicht, die Innen­stadt lebens­wer­ter zu machen. Im Gegen­teil, ihnen war dar­an gele­gen, dass die Men­schen sich ganz auf den Ein­kauf konzentrieren.

Die Geschäfts­leu­te sähen es nicht gern, „wenn Pas­san­ten vom Schau­fens­ter abge­lenkt wer­den – etwa durch Bän­ke, die zum Aus­ru­hen ein­la­den“, schrieb der Spie­gel damals.

Und dass es in der Innen­stadt genü­gend Park­plät­ze brauch­te, bezwei­fel­te nie­mand. Es ging ja gera­de dar­um, die Leu­te zum Ein­kauf im Zen­trum zu bewe­gen. Am Ran­de der Fuß­gän­ger­zo­ne durf­te der Ver­kehr ruhig stin­ken und sich stau­en. Nur auf den Ein­kaufs­stra­ßen selbst soll­te das nicht passieren.

Zum Erlebnis gehört auch die Anreise

Die Fixie­rung auf den Kom­merz war auch Inhalt der Kri­tik. Es gab die Sor­ge, dass von dem, was eine Stadt aus­macht, in den Innen­städ­ten nicht viel übrig blei­ben könn­te, wenn alles für den Han­del opti­miert wird.

Heu­te ist das etwas anders. Inzwi­schen ist die Sor­ge eher, dass vom Han­del in der Innen­stadt nicht viel übrig blei­ben könn­te, wenn das Ein­kau­fen im Inter­net immer ein­fa­cher und immer belieb­ter wird.

Es muss noch ande­re Grün­de geben, in die Stadt zu fah­ren, als nur die Tat­sa­che, dass man sich dort eine Hose kau­fen kann. Es muss etwas sein, auf das man sich freut. Wenn das gelingt, hat die Stadt einen Vorteil.

Das Inter­net-Auk­ti­ons­haus Ebay mag die bes­se­ren Prei­se und die grö­ße­re Aus­wahl haben. Aber wie soll eine Smart­pho­ne-App mit dem Erleb­nis kon­kur­rie­ren, am Sams­tag­mor­gen im Gezwit­scher der erwa­chen­den Vögel mit einem Kaf­fee über einen Floh­markt zu fla­nie­ren und in den gera­de geöff­ne­ten Kis­ten etwas zu fin­den, nach dem man gar nicht gesucht hatte?

Zu die­sem Erleb­nis, das Men­schen sich von einer Fahrt in die Innen­stadt ver­spre­chen, gehört auch die Anrei­se. Und wenn die dar­in besteht, dass man auf dem Weg ins Park­haus eine hal­be Stun­de lang im Stau an der Königs­stra­ße ste­hen muss, dann schmä­lert das die­ses Erlebnis.

Aus die­sen Grün­den hat der Han­del heu­te ein ande­res Inter­es­se. Die Geschäf­te wol­len zwar immer noch ihren Umsatz sichern, mög­lichst stei­gern. Aber sie wol­len auch, dass die Innen­stadt zu einer Umge­bung wird, in der man sich ger­ne auf­hält. Das will die Rat­haus­ko­ali­ti­on aus SPD, Grü­nen und Volt eben­falls. Und das wol­len auch die übri­gen Par­tei­en, wenn auch aus unter­schied­li­chen Gründen.

Es wäre ein gemein­sa­mes Inter­es­se, das eine Basis sein könn­te. Tat­säch­lich sah es in den ver­gan­ge­nen Wochen etwas anders aus. Wenn man die Debat­te ver­folg­te, konn­te man den Ein­druck gewin­nen, der einen Sei­te gehe es dar­um, um jeden Preis die Ver­kehrs­wen­de zu ver­hin­dern, wäh­rend die ande­re Sei­te sie auch um den Preis umset­zen will, dass die Innen­stadt dabei stirbt. Der Han­del hat­te in die­sem Thea­ter­stück die Rol­le eines Brems­klot­zes, der ver­hin­dert, dass sich über­haupt irgend­et­was bewegt.

In der Rats­sit­zung am ver­gan­ge­nen Mitt­woch bewar­fen sich die Par­tei­en eine Stun­de lang mit Argu­men­ten zur Ver­kehrs­po­li­tik. Debat­te kann man so etwas eigent­lich nicht nen­nen, es war eher ein Schlag­ab­tausch, aber das liegt am Cha­rak­ter der Ver­an­stal­tung. Das Ziel in sol­chen Sit­zun­gen ist weni­ger, die Gegen­sei­te zu über­zeu­gen; es geht dar­um, Tref­fer zu set­zen und Argu­men­te zu parieren.

Die Grü­nen-Rats­frau Andrea Blo­me etwa leg­te einen his­to­ri­schen Stadt­plan vor, der zeigt, dass die Durch­fahrt von der Mau­ritz­stra­ße über den Bült zur Münz­stra­ße vor 70 Jah­ren noch gar nicht exis­tier­te. Sie ende­te an der Apos­tel­kir­che, gegen­über vom Thea­ter. Der Plan soll­te bele­gen, dass die­ser Weg gar nicht so his­to­risch ist, wie er heu­te erscheint – und damit viel­leicht auch verzichtbar.

CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber wand­te mit dem in der Oppo­si­ti­on übli­chen Tam­tam der Empö­rung ein, das kön­ne man ja wohl nicht ver­glei­chen. Damals hät­ten in Müns­ter 120.000 Men­schen gewohnt. Die Ver­kehrs­si­tua­ti­on sei eine ganz ande­re gewe­sen. Und das stimmt. Es ist wie mit der Fuß­gän­ger­zo­ne. Bei his­to­ri­schen Ver­glei­chen schaut man gern auf die Par­al­le­len, unter­schlägt aber häu­fig das, was nicht zuein­an­der passt.

Im Jahr 1953 gab es in Deutsch­land etwas mehr als eine Mil­li­on Autos. So vie­le kamen allein zwi­schen 2019 und 2020 hin­zu. Im ver­gan­ge­nen Jahr waren es ins­ge­samt 67 Mil­lio­nen. In Müns­ter fuh­ren die Autos im Jahr 1953 noch über den Prin­zi­palmarkt. Der Bült war für den Ver­kehr sehr viel weni­ger wich­tig als heute.

Nimmt man allein die Mas­se des Ver­kehrs, lässt sich die Situa­ti­on tat­säch­lich nicht ver­glei­chen. Schaut man dazu auf den Städ­te­bau, ist der Ver­gleich durch­aus inter­es­sant. Der Bült schnei­det das Mar­ti­ni­vier­tel von der Alt­stadt ab. Und gera­de der vie­le Ver­kehr hat die Fra­ge auf­ge­wor­fen, ob die Durch­fahrt an die­ser Stel­le eine gute Lösung ist. Das ist nicht erst der aktu­el­len Rat­haus­ko­ali­ti­on aufgefallen.

Trennende Wirkung hat sich verstärkt

Bei­des steht so schon in einem Papier aus dem Sep­tem­ber 2015. Die Stadt­ver­wal­tung hat­te es damals geschrie­ben, um einen Wett­be­werb vor­zu­be­rei­ten, bei dem es dar­um gehen soll­te, das Gebiet neu zu gestalten.

In dem Papier klingt das so:

„Der grund­sätz­lich stadt­räum­lich aus­ge­wo­gen pro­por­tio­nier­te Bereich am Bült kann sei­ne Qua­li­tä­ten auf­grund der hohen Fahr­zeug­dich­te, der zen­tra­len Bus­hal­te­stel­len­si­tua­ti­on und – nicht zuletzt – sei­ner Tei­lung in Stra­ßen- und Par­kie­rungs­flä­chen der­zeit nur sub­op­ti­mal entfalten.“

Seit man den Bült aus­ge­baut habe, um den Prin­zi­palmarkt zu ent­las­ten, „hat sich sei­ne tren­nen­de Wir­kung zwi­schen Alt­stadt­kern und Mar­ti­ni­vier­tel noch ver­stärkt“, so heißt es weiter.

Das Papier ist aus der Zeit, in der die CDU im Rat noch das Sagen hat­te. Und statt hier das Tren­nen­de her­vor­zu­he­ben, könn­te man auch die gemein­sa­me Ein­schät­zung beto­nen, dass die Abtren­nung des Mar­ti­ni­vier­tels und das Ver­kehrs­auf­kom­men an die­ser Stel­le ein Pro­blem sind. Das wäre eine Basis.

So funk­tio­niert Poli­tik in der Öffent­lich­keit aber nicht. Manch­mal gibt es über­par­tei­li­che Eini­gun­gen, aber von den Gesprä­chen, die zu die­sen Eini­gun­gen füh­ren, bekommt die Öffent­lich­keit nichts mit. Das pas­siert hin­ter den Kulissen.

In den Rats­sit­zun­gen ste­cken die Par­tei­en in ihren Rol­len. Die Rol­le der Oppo­si­ti­on ist, der Koali­ti­on auf die Fin­ger zu schau­en. Das führt zu Situa­tio­nen, die auf den ers­ten Blick nicht zu ver­ste­hen sind, und manch­mal auch nur schwer auf den zweiten.

In der Rats­sit­zung am Mitt­woch leg­te die CDU einen Antrag vor, der die Über­schrift trägt: „Für eine Stra­te­gie Müns­ter­mo­bi­li­tät 2025“. Das klingt kon­struk­tiv. So scheint es jeden­falls. Die Par­tei macht in dem Papier Vor­schlä­ge, die der Ver­kehrs­po­li­tik aus dem Stau ver­hel­fen sol­len. Doch schon der ers­te Punkt macht deut­lich, dass die Absicht nicht war, das Papier so zu for­mu­lie­ren, dass es auch beim Regie­rungs­bünd­nis Zustim­mung fin­den könnte.

Warum dieser Antrag?

Im ers­ten Punkt steht die For­de­rung, die geplan­te Sper­rung am Bült möge nicht wei­ter­ver­folgt wer­den – also das, was die Koali­ti­on gera­de anfan­gen woll­te zu ver­fol­gen. Dann kommt ein aus drei Spie­gel­stri­chen bestehen­des Bekennt­nis, von dem ein Teil eben­falls im Wider­spruch zu den Plä­nen des Rat­haus­bünd­nis­ses steht. Danach fol­gen zwölf Vor­schlä­ge, vor allem zum Aus­bau des öffent­li­chen Personennahverkehrs.

Eini­ge die­ser Vor­schlä­ge ent­spre­chen dem, was auch die Rat­haus­ko­ali­ti­on möch­te. Die Arbeit an den 14 Velo­rou­ten, die von außen in die Stadt hin­ein­füh­ren wer­den, soll schnel­ler vor­an gehen, damit bis 2025 alles fer­tig ist. Die Park-and-Ride-Ange­bo­te sol­len bes­ser wer­den. Das dürf­te nie­mand infra­ge stel­len. Ein wei­te­rer Punkt sind inner­städ­ti­sche Schnell­bus­li­ni­en. Auch das ent­spricht durch­aus dem, was die Koali­ti­on sich vor­stellt. Bei ande­ren Vor­schlä­gen fragt man sich, war­um sie in die­ser Lis­te ste­hen. Punkt sie­ben etwa ist ein Fahr­rad­ver­leih­sys­tem. Das ist eine fünf Jah­re alte Idee des frü­he­ren CDU-Rats­herrn Peter Bör­gel, an der die Ver­wal­tung längst arbei­tet. Am Ende bleibt die Fra­ge: War­um die­ser Antrag, der sowie­so nicht durchkommt?

Die Ant­wort steht in der Dach­zei­le: „Antrag zur sofor­ti­gen Beschluss­fas­sung“. Der nor­ma­le Weg wäre: Der Antrag wird ein­ge­bracht, dann wan­dert er durch die Aus­schüs­se, bis der Rat schließ­lich über ihn abstimmt. Doch über die­sen Antrag soll sofort abge­stimmt wer­den. Das pas­siert in der Regel dann, wenn die Zeit drängt. Hier drängt sie nicht.

Inter­es­sant ist, wie es wei­ter­geht: Lehnt die Koali­ti­on ihn ab, gibt sie der Oppo­si­ti­on ein Argu­ment an die Hand. Es lau­tet: Alles, was wir vor­schla­gen, wird eh abgeschmettert.

Ver­än­dern die Regie­rungs­par­tei­en den Antrag so, dass er mit ihren eige­nen Plä­nen im Ein­klang steht, lie­fert sie der Oppo­si­ti­on eben­falls ein Argu­ment. Denn auch mit den Ände­run­gen bleibt es der Antrag der CDU, die dann spä­ter sagen kann: Die krie­gen es nicht hin, aber wir haben es gemacht.

Viel Empörung und Emotionen

Eine drit­te Mög­lich­keit ist: Man dis­ku­tiert über den Antrag, danach geht er in die Aus­schüs­se. Die ers­ten bei­den Vari­an­ten haben für die Koali­ti­on Nach­tei­le. Der Antrag ist also eine Mög­lich­keit, eine öffent­li­che Debat­te zu erzwin­gen. Die folg­te dann auch, in der oben beschrie­be­nen Wei­se, mit viel Empö­rung und Emo­tio­nen. Und das ist zwar ein schö­nes Schau­spiel und inter­es­sant zu ver­fol­gen, wenn man sich für das The­ma inter­es­siert. Oft ist es aller­dings nur die Repro­duk­ti­on des­sen, was man sich schon in den Aus­schüs­sen an den Kopf gewor­fen hat­te. Die bekann­ten Argu­men­te, aber nun für die Pres­se zum Mitschreiben.

Die­se Insze­nie­rung hat durch­aus einen Nut­zen. Wenn man so will, geht es hier um Unter­hal­tung. Es ist Demo­kra­tie-Thea­ter. Die Öffent­lich­keit bekommt die Gele­gen­heit, die Posi­tio­nen nach­zu­voll­zie­hen. Die Par­tei­en kön­nen sich dar­stel­len. So wird Demo­kra­tie erleb­bar. Zu einem Pro­blem wird das, wenn die atmo­sphä­ri­schen Ver­stim­mun­gen hin­ter den Kulis­sen so groß sind, dass sie ver­nünf­ti­ge Eini­gun­gen verhindern.

In der Ver­kehrs­de­bat­te kann das pas­sie­ren. Das muss nicht zum Still­stand füh­ren. Eine Mehr­heit kann eine Ent­schei­dung nach der ande­ren durch­set­zen, und die Oppo­si­ti­on kann nichts dage­gen machen. Die Fra­ge ist nur, ob das klug ist, wenn es um lang­fris­ti­ge Ent­schei­dun­gen geht. Gewinnt die CDU bei der nächs­ten Wahl, macht sie im Zwei­fel alles wie­der rückgängig.

Die Fra­ge ist aller­dings nicht nur, ob es klug ist, alles durch­zu­drü­cken, son­dern auch, ob etwas ande­res über­haupt mög­lich wäre. Die CDU kann dar­auf spe­ku­lie­ren, dass ihre Wahl­nie­der­la­ge ein Betriebs­un­fall war. Dann wäre eine mög­li­che Stra­te­gie, ein­fach alles zu blo­ckie­ren, der Koali­ti­on kei­ne grö­ße­ren Erfol­ge zu ermög­li­chen und zu hof­fen, dass nach der nächs­ten Wahl alles so wei­ter­geht wie in den ver­gan­ge­nen 20 Jahren. 

Das Problem liegt in der Atmosphäre

Inter­es­sant ist das Bild, das sich ergibt, wenn man sich die Zeit nimmt, mit den Men­schen zu spre­chen, die an den Ent­schei­dun­gen betei­ligt sind. Das habe ich ges­tern getan, meh­re­re Stun­den lang. Ich habe mit Men­schen aus der Poli­tik, der Wirt­schaft und der Ver­wal­tung tele­fo­niert. Mein Ein­druck war: Inhalt­lich gibt es Dif­fe­ren­zen, teil­wei­se auch grö­ße­re, aber über die könn­te man sach­lich spre­chen. Das Pro­blem liegt eher in der Atmosphäre.

Spricht man zum Bei­spiel mit jeman­dem aus CDU, hört man den Unmut dar­über, dass vor allem mit der neu­en jün­ge­ren Grü­nen-Frak­ti­on ein neu­er Poli­tik­stil in den Rat gekom­men sei. Da wür­den die Din­ge dann ein­fach durch­ge­setzt, ganz radi­kal mit der Brech­stan­ge, ohne einen Blick für die Stadt und für die Men­schen, die von die­sen Ent­schei­dun­gen betrof­fen sind.

Die ande­re poli­ti­sche Sei­te sieht die Ursa­che für die­sen Ein­druck in den Schwie­rig­kei­ten der CDU, sich in der neu­en Rol­le zurecht­zu­fin­den, nicht mehr das Sagen zu haben, nicht mehr alles mit­ent­schei­den zu dür­fen. In der Koali­ti­on stört man sich an einer Blo­cka­de­hal­tung der CDU, an der rau­en Rhe­to­rik, der Pole­mik, dem Schü­ren von Ängsten.

Es sind oft Details, die die­se Gefüh­le näh­ren. Das kann zum Bei­spiel der Ein­druck sein, im Aus­schuss absicht­lich über­se­hen zu wer­den, wenn man sich mel­det. Oder das Gefühl, unfair behan­delt zu wer­den, etwa weil Unter­la­gen erst kurz vor der Sit­zung vor­lie­gen und kei­ne Zeit bleibt, sich mit ihnen zu beschäf­ti­gen. Das hat CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber schon mehr­fach öffent­lich bemän­gelt. Es ist das Gefühl, dann auch mal sagen zu müs­sen, dass es so nicht geht, sag­te mir jemand. Und es ist das Gefühl, dass die Rat­haus­ko­ali­ti­on etwas Wich­ti­ges für die Stadt nicht im Blick hat – zum Bei­spiel den Han­del, die Wirt­schaft generell.

Aber wie sieht das der Han­del eigent­lich selbst? Hat die Koali­ti­on ihn im Blick? Wir haben die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer gefragt. Die Kam­mer schick­te uns eine Lis­te mit elf Ter­mi­nen, die in den ver­gan­ge­nen Mona­ten statt­ge­fun­den oder nicht statt­ge­fun­den haben. Am 16. März waren SPD-Frak­ti­ons­chef Mari­us Her­wig und die ver­kehrs­po­li­ti­schen Spre­cher von Grü­nen und Volt, Cars­ten Peters und Mar­tin Gre­wer, bei einer Dis­kus­si­ons­run­de im Regio­nal­aus­schuss zu Gast. Dort saßen sie auf der Büh­ne. Die IHK hat in den Tagen dar­auf zwei Anfra­gen an die SPD und eine an die Grü­nen geschickt, um wei­te­re Gesprä­che zu füh­ren. So steht es in der Auf­lis­tung. Doch die Nach­rich­ten sei­en unbe­ant­wor­tet geblie­ben. Laut der Lis­te gab es vor den Ver­kehrs­ver­su­chen kei­ne Gesprä­che mehr. Das nächs­te Tref­fen zum The­ma Ver­kehr fand vor genau einer Woche statt, am 9. Novem­ber, mit Mar­tin Gre­wer vom Koali­ti­ons­part­ner Volt. Doch da war es eigent­lich schon zu spät, die Ver­kehrs­ver­su­che vor­bei, das Expe­ri­ment am Bült geplant.

Auch hier gibt es atmo­sphä­ri­sche Ver­stim­mun­gen. Auf der einen Sei­te steht das Gefühl, dass der Han­del nicht gehört wird. Auf der ande­ren mög­li­cher­wei­se der Ein­druck, dass ver­langt wird, sich vor poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen eine Erlaub­nis einzuholen.

Neuaufteilung heißt: Irgendwer muss etwas abgeben

Die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer hat ver­kehrs­po­li­tisch über­all dort ande­re Vor­stel­lun­gen als das Rats­bünd­nis, wo es durch neue Ver­kehrs­re­ge­lun­gen schwe­rer wird, Hotels, Geschäf­te oder Arzt­pra­xen zu errei­chen. Sie sieht die zusätz­li­che Bus­spur vor dem Bahn­hof kri­tisch, eben­so den Ver­kehrs­ver­such an der Wol­be­cker Stra­ße. Dort sei es vor allem um die Inter­es­sen der Men­schen gegan­gen, die an der Stra­ße woh­nen. Eine Lösung für den Teil des Ver­kehrs, der ver­drängt wor­den sei, feh­le. Also eine Lösung für das ver­dräng­te Auto. Und genau an die­sem Punkt wird es schwer mit den Gemein­sam­kei­ten, denn Neu­auf­tei­lung des Raums bedeu­tet, irgend­wer muss etwas abge­ben. Und das wird das Auto sein.

Jule Heinz-Fischer, die ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, erklär­te am Mitt­woch im Rat, war­um die von der Wirt­schaft und der eher kon­ser­va­ti­ven Sei­te gefor­der­te Vor­ge­hens­wei­se, erst für Alter­na­ti­ven zu sor­gen und die Autos dann lang­sam zurück­zu­drän­gen, in vie­len Punk­ten so gar nicht mög­lich sei. Die Bus­spur vor dem Bahn­hof sei dafür ein Bei­spiel. Sie soll die Bus­se beschleu­ni­gen, aber damit es sie geben kann, muss der Auto­ver­kehr eine Spur abge­ben. Zeit­lich lässt sich das gar nicht trennen.

Hier und auch in eini­gen ande­ren Punk­ten wird es wahr­schein­lich nicht gelin­gen, eine Eini­gung zu fin­den, mit der alle zufrie­den sind. Aber auch damit muss man umge­hen, denn das bedeu­tet ja nicht, dass sich gar nichts bewe­gen lässt.

Was mög­lich ist, das hängt nicht nur von den poli­ti­schen Posi­tio­nen ab, son­dern auch davon, auf wel­che Wei­se man auf die Ver­än­de­run­gen schaut, auch davon, ob gemein­sa­me Zie­le erkenn­bar sind.

Andre­as Weit­kamp sieht die­se Zie­le durch­aus. Der Geschäfts­füh­rer des Mode­hau­ses Schnitz­ler am Prin­zi­palmarkt ver­tritt seit der ver­gan­ge­nen Woche im Füh­rungs­trio der Initia­ti­ve Star­ke Innen­stadt, kurz ISI, zusam­men mit Ans­gar Busch­mann und Sascha von Zabern die Inter­es­sen der Kauf­leu­te im Zentrum. 

Weit­kamp sagt, sein Ein­druck sei nicht, dass es hier dar­um gehe, die Alt­stadt schlech­ter erreich­bar zu machen. Natür­lich, der Han­del habe Posi­tio­nen, die dem wider­spre­chen, was hier geplant sei. Es sei nicht im Inter­es­se der Kauf­leu­te, wenn am Bült eine Sack­gas­se ent­ste­he oder wenn Park­häu­ser schlie­ßen. Trotz­dem sei da die grund­le­gen­de Bereit­schaft zur Ver­än­de­rung und an die­ser auch mit­zu­wir­ken. Mit einem ein­fach Dage­gen wer­de man nicht weiterkommen. 

„Eigent­lich müss­ten die Inno­va­tio­nen von uns aus­ge­hen“, sagt Andre­as Weit­kamp. Und das klingt, als gäbe es hier eine Basis für Gesprä­che ohne atmo­sphä­ri­sche Ver­stim­mun­gen. Die könn­ten schon bald statt­fin­den. Am Don­ners­tag kommt der neue ISI-Vor­stand zum ers­ten Mal zusam­men. Dann beginnt die poli­ti­sche Arbeit. Noch vor Weih­nach­ten soll ein Mit­glie­der­stamm­tisch zum The­ma Ver­kehr statt­fin­den. Tref­fen mit CDU und Grü­nen sei auch schon geplant. 

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In aller Kürze

+++ Die Inzi­denz­wer­te stei­gen, und natür­lich, man wird irgend­et­was machen müs­sen, aber noch einen Lock­down wird es ganz sicher nicht geben. Das ist die Ansa­ge aus Ber­lin. Ken­nen wir das nicht irgend­wo­her? Zum Bei­spiel aus dem letz­ten Herbst? In die­sem Jahr sieht der Plan in Müns­ter vor, den Weih­nachts­markt statt­fin­den zu las­sen. Ohne Imp­fung oder Gene­sungs­nach­weis wird das aller­dings nichts mit dem Glüh­wein in der Eises­käl­te. Auf dem Weih­nachts­markt gilt die 2G-Regel; die Stadt hat­te das vor­ab schon beim Land bean­tragt, und nun soll die Regel auch NRW-weit ein­ge­führt wer­den. Und 2G, Sie wis­sen es, steht nicht für zwei Glüh­wein, son­dern für geimpft oder gene­sen. Übri­gens auch auf dem neu­en regio­na­len Weih­nachts­markt am Har­se­win­kel­platz. Da fin­den Sie in die­sem Jahr auch RUMS. Am kom­men­den Mon­tag geht es los auf den Weih­nachts­märk­ten. Wir bau­en unse­ren Stand am 3. Dezem­ber auf. 

+++ Bei einem Brand in einer Pfle­ge­ein­rich­tung der Ale­xia­ner in Amels­bü­ren ist heu­te Mor­gen ein 71-jäh­ri­ger Bewoh­ner gestor­ben. Das Per­so­nal konn­te die ande­ren Men­schen, die in der Ein­rich­tung leben, in Sicher­heit brin­gen, schrei­ben die Ale­xia­ner in einer Pres­se­mit­tei­lung. War­um das Feu­er aus­ge­bro­chen ist, soll jetzt die Kri­mi­nal­po­li­zei ermitteln.

+++ Meh­re­re Hun­dert Beschäf­tig­te der Uni­kli­nik Müns­ter und ande­rer Uni­kli­ni­ken im Land haben heu­te wie­der für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und höhe­re Gehäl­ter gestreikt. Wie die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­ten, hat das UKM wegen des Streiks rund 160 Ope­ra­tio­nen ver­scho­ben. Neben dem Pfle­ge­per­so­nal haben auch ande­re Ange­stell­te im öffent­li­chen Dienst gestreikt und demons­triert, zum Bei­spiel ange­stell­te Lehr­kräf­te, die weni­ger ver­die­nen als, wenn sie ver­be­am­tet wären.

Corona-Update

+++ Die Mat­hil­de-Anne­ke-Gesamt­schu­le hat am Wochen­en­de zwölf Coro­na-Infek­tio­nen gemel­det, ins­ge­samt sind es an der Schu­le noch eini­ge mehr. Sie­ben Lehr­kräf­te haben sich laut Stadt infi­ziert, ein wei­te­res Test­ergeb­nis stand nach einem posi­ti­ven Schnell­test noch aus. Hin­zu kom­men fünf Infek­tio­nen in einer fünf­ten Klas­se und fünf wei­te­re infi­zier­te Kin­der aus ande­ren Klas­sen, teil­wei­se Geschwis­ter der Kin­der aus der fünf­ten Klas­sen. Die Lehr­kräf­te haben sich nicht in der Schu­le, son­dern in ihrem pri­va­ten Umfeld ange­steckt, schreibt die Stadt.

+++ Auch in ganz Müns­ter brei­tet das Virus sich wei­ter aus. Die Wochen­in­zi­denz, also die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche, hat schon vor eini­gen Tagen die Hun­der­ter-Mar­ke über­schrit­ten und heu­te laut Stadt einen ordent­li­chen Sprung gemacht, von 104 auf 136,2. Damit gel­ten aktu­ell 677 Men­schen im Stadt­ge­biet als infiziert.

+++ Und nach­dem die Stadt in den ver­gan­ge­nen Tagen immer wie­der sprung­haft ange­stie­ge­ne Infek­ti­ons­zah­len mel­den muss­te, steigt jetzt zur Abwechs­lung auch etwas ande­res sprung­haft: die Zahl der Tests. Die sind näm­lich seit dem Wochen­en­de wie­der kos­ten­los. Über 3.200 Men­schen haben sich daher am Wochen­en­de ein Stäb­chen in die Nase oder den Mund ste­cken las­sen. 18 Mal fiel das Ergeb­nis posi­tiv aus. Und das ist in dem Fall lei­der negativ.

Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men. Tho­mas Lins vom Ver­kehrs­club Deutsch­land hat uns eine Stel­lung­nah­me zum RUMS-Brief vom 5. Novem­ber geschickt. Mei­ne Kol­le­gin Ann-Mar­len Hoolt hat­te sich dar­in aus­führ­lich mit der Geschich­te der Bun­des­stra­ße 51 aus­ein­an­der­ge­setzt, mit den Plä­nen zum Aus­bau und auch mit den Initia­ti­ven, die sich gegen die­se Plä­ne rich­ten. Tho­mas Lins schreibt in der Stel­lung­nah­me, es rei­che nicht, nur auf die Stra­ße zu schau­en, es brau­che eine inte­grier­te Ver­kehrs­pla­nung. Hier fin­den Sie sei­nen kom­plet­ten Leserbrief.

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Es sind nicht mal mehr andert­halb Mona­te bis Weih­nach­ten, und vie­len von Ihnen geht es wahr­schein­lich nicht anders als uns. Es feh­len noch ganz schön vie­le Geschen­ke. Daher hier eine Emp­feh­lung: In einem klei­nen Ver­lag aus Bie­le­feld (das ist der ein­zi­ge Haken) ist in der ver­gan­ge­nen Woche das gro­ße Müns­ter-Wim­mel­buch erschie­nen. Falls Sie nicht wis­sen, was ein Wim­mel­buch ist: ein Buch, in dem es vor Per­so­nen, Tie­ren, Gebäu­den und ande­ren Din­gen nur so wim­melt. Das Buch ist ein schö­nes Geschenk für Kin­der im Alter von zwei bis acht Jah­ren, das ist jeden­falls die emp­foh­le­ne Alters­an­ga­be. Aber unter uns, Sie sagen es ja nicht wei­ter: Ich selbst füh­le mich mit 44 von Wim­mel­bü­chern auch noch ganz gut unter­hal­ten. Wenn Sie noch über­le­gen, wo Sie das Buch kau­fen sol­len, gehen Sie doch zur Buch­hand­lung Schatz­in­sel an der Neu­brü­cken­stra­ße.

Drinnen und Draußen

In den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der hat heu­te Johan­ne Burk­hardt für uns geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen.

+++ Die Bun­des­re­gie­rung hat nicht nur einen neu­en Lock­down aus­ge­schlos­sen. Sie hat auch immer wie­der ver­spro­chen, dass es kei­ne Impf­pflicht geben wird. Wäre Ihr Ver­trau­en in die Regie­rung das­sel­be, wenn sie die­ses Ver­spre­chen nicht ein­hal­ten wür­de? Oder wäre es viel­leicht gera­de dann geschwächt, wenn die Politiker:innen kei­ne här­te­ren Maß­nah­men beschlie­ßen? Zum Unesco-Welt­tag der Phi­lo­so­phie geht das Cen­trum für Bio­ethik der Uni Müns­ter am Don­ners­tag genau die­ser Fra­ge nach: Wie steht es um das Ver­hält­nis von Ver­trau­en und Miss­trau­en in der Coro­na-Pan­de­mie? Ab 18 Uhr kön­nen Sie beim kos­ten­lo­sen Vor­trag Chris­ti­an Bud­nik von der Uni Zürich zuhö­ren. Wegen der stei­gen­den Coro­na-Zah­len fin­det der Vor­trag digi­tal statt. Die Zugangs­da­ten bekom­men Sie hier.

+++ Wenn Sie am Don­ners­tag­abend lie­ber über ein ande­res wich­ti­ges The­ma spre­chen möch­ten, dann schau­en Sie doch in der Aula der Katho­li­schen Stu­die­ren­den- und Hoch­schul­ge­mein­de vor­bei. Dort spricht Harald Nöl­le vom Umwelt­fo­rum Müns­ter mit Ste­fan Lech­ten­böh­mer vom Wup­per­tal-Insti­tut und David Ryfisch von Ger­man­watch über die Kli­ma­kon­fe­renz in Glas­gow. Beginn hier: um 19:30 Uhr. Der Ein­tritt ist frei, Sie müs­sen sich aber vor­her hier anmelden.

+++ Am Frei­tag ist noch ein Welt-Tag. Und zwar der inter­na­tio­na­le Män­ner­tag. Aus die­sem Anlass zeigt das Krea­tiv-Haus Müns­ter zusam­men mit dem Män­ner­netz­werk Müns­ter das Thea­ter­stück „Ich wer­de es sagen“, das auf dem gleich­na­mi­gen Roman des däni­schen Autors und Jour­na­lis­ten Kris­ti­an Dit­lev Jen­sen basiert. Dar­in ver­ar­bei­tet Jen­sen die sexua­li­sier­te Gewalt, die er als Kind erfah­ren hat, und möch­te so das The­ma ent­ta­bui­sie­ren. Sie mer­ken schon: Das ist har­te Kost, aber ein wich­ti­ges The­ma. Des­halb ste­hen im Anschluss an die Auf­füh­rung der Schau­spie­ler und Mit­ar­bei­ten­de vom Män­ner­netz­werk Müns­ter für per­sön­li­che Gesprä­che bereit. Los geht es um 19 Uhr. Die Tickets kön­nen Sie hier kaufen.

Am Frei­tag rührt Ihnen Con­stan­ze Busch hier wie­der was Schö­nes zusam­men. Blei­ben Sie gesund.

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Johan­ne Burkhardt


PS

Mor­gen vor 30 Jah­ren brach der Fuß­ball­spie­ler Mau­rice „Mucki“ Banach in Müns­ter mit sei­nem VW Pas­sat zum Trai­ning in Köln auf. Am Nach­mit­tag woll­te er zurück sein, doch auf der A1 kam er in Höhe Rem­scheid von der Stra­ße ab, prall­te mit sei­nem Wagen gegen einen Brü­cken­pfei­ler und starb. Ich war damals 14 Jah­re alt und hör­te in mei­nem Zim­mer im Radio, dass der Lieb­lings­spie­ler mei­ner Lieb­lings­mann­schaft bei einem Unfall gestor­ben war. Ich saß auf dem Boden vor mei­nem Bett und wein­te. Mau­rice Banach führ­te damals die Tor­schüt­zen­lis­te der Bun­des­li­ga an, er hät­te ver­mut­lich bald in der Natio­nal­mann­schaft gespielt. Pierre Litt­bar­ski, sein Team­kol­le­ge damals, sag­te nun der dpa, die Kom­bi­na­ti­on von Banachs Stär­ken habe er sel­ten gese­hen. Er sei „qua­si Tho­mas Mül­ler und Robert Lewan­dow­ski in einer Per­son“ gewe­sen. Mau­rice Banach ist in Müns­ter auf dem Zen­tral­fried­hof begra­ben. Immer, wenn ich dort bin, gehe ich zu sei­nem. Wenn Sie es suchen, hier ist es zu sehen. Und wenn Sie sich für Mau­rice Banach inter­es­sie­ren, im Sep­tem­ber ist eine Bio­gra­fie über ihn erschienen. 

PPS

Ich habe es oben schon erwähnt: In zwei­ein­halb Wochen öff­net unser Weih­nachts­markt­stand am Har­se­win­kel­platz. Die Ver­an­stal­ter des Markts stel­len dort eine Woche lang ehren­amt­li­chen Grup­pen und Initia­ti­ven einen oder meh­re­re Tage lang einen Stand zur Ver­fü­gung, um sich vor­zu­stel­len (in der Woche von 11 bis 20 Uhr, am Wochen­en­de bis 21 Uhr). Ein paar Grup­pen haben sich schon gemel­det, aber es sind noch Plät­ze frei. Wenn Sie Inter­es­se haben, schrei­ben Sie uns doch eine E-Mail. (Kor­rek­tur­hin­weis: Ich hat­te geschrie­ben, wir stel­len den Stand zur Ver­fü­gung. Mein Kol­le­ge, der das Gan­ze orga­ni­siert, wies mich ges­tern Abend dar­auf hin, dass wir uns da mit frem­den Federn schmü­cken. Es sind die Ver­an­stal­ter. Ich habe das korrigiert.)