Die große Unsicherheit | Gaso bleibt, vorerst | Die Musik-Campus-Woche

Müns­ter, 4. Janu­ar 2022

Guten Tag,

nach unse­rer andert­halb­wö­chi­gen Pau­se mel­den wir uns zurück. Und eine der gro­ßen Fra­gen die­ser Tage ist: Wie lan­ge wünscht man sich zur Begrü­ßung denn noch ein fro­hes neu­es Jahr? Wir wis­sen es lei­der auch nicht. Aber heu­te ist viel­leicht die letz­te Gele­gen­heit. Daher: Wir vom RUMS-Team wün­schen Ihnen fürs neue Jahr alles Gute! 

Alles Gute, das kön­nen wir zur­zeit alle gut gebrau­chen, denn die Coro­na­vi­ren-Stäm­me mit all ihren uner­freu­li­chen Mutan­ten umge­ben uns auch in die­sem Jahr. Die Stadt mel­det heu­te zwei wei­te­re Todes­fäl­le, ein 56-jäh­ri­ger Mann und eine 66-jäh­ri­ge Frau, bei­de mit Vorerkrankungen. 

Soeben ist eine Grup­pe aus 47 Men­schen von einer Ski­frei­zeit in der Schweiz zurück­ge­kehrt. 36 von ihnen hat­ten ein posi­ti­ves Schnell­test-Ergeb­nis. Sie alle waren geimpft, min­des­tens zwei­fach, eini­ge schon zum drit­ten Mal.

Und das ist inzwi­schen all­täg­lich gewor­den. Drei­fach geimpf­te Men­schen ste­cken sich rei­hen­wei­se an. Das führt das Gesund­heits­amt an sei­ne Gren­zen. Der kri­ti­sche Punkt sei mitt­ler­wei­le über­schrit­ten, schreibt die Stadt. In ande­ren Wor­ten: Das Gesund­heits­amt kommt bei der Kon­takt­nach­ver­fol­gung nicht mehr hin­ter­her. In ers­ter Linie küm­me­re man sich jetzt um die beson­ders gefähr­de­ten Gruppen. 

In Müns­ter gibt es so vie­le Infek­tio­nen wie noch nie. Zur­zeit gel­ten in der Stadt über 1.600 Men­schen als infi­ziert. Die Inzi­denz hat sich in den ver­gan­ge­nen Tagen auf über 300 hoch­ge­schraubt, inzwi­schen ist sie wie­der auf 275 run­ter. Aber das kann auch der übli­che Effekt vom Wochen­an­fang sein. 

Knapp 300 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen in sie­ben Tagen. Das bedeu­tet: Bei über 300.000 Men­schen, die in der Stadt leben, waren das knapp 900 Neu­in­fek­tio­nen in einer Woche. 

Die Gesund­heits­äm­ter nen­nen dazu Wer­te, die bis auf die Kom­ma­stel­le genau sind. Doch die Genau­ig­keit täuscht dar­über hin­weg, dass es im Moment kei­ne genau­en Zah­len gibt. 

Über die Fei­er­ta­ge ist viel lie­gen geblie­ben. Wir wis­sen nicht, wie vie­le Mel­dun­gen schon bear­bei­tet sind und wie vie­le noch auf den Schreib­ti­schen war­ten. Wenn die Sta­tis­ti­ken zei­gen, dass Müns­ter im Moment eine höhe­re Inzi­denz hat als der Kreis Coes­feld, kann das auch ein­fach bedeu­ten: Das Gesund­heits­amt hier ist bes­ser wie­der aus dem Urlaub gekommen. 

Ande­rer­seits haben die Men­schen ver­mut­lich mehr Tests gemacht als sonst, um sich vor Weih­nach­ten oder Sil­ves­ter abzu­si­chern. Das kann zur Fol­ge gehabt haben, dass mehr Infek­tio­nen ent­deckt wur­den als sonst. Die­ser Effekt kann die Zah­len in die ande­re Rich­tung beeinflussen. 

Typischer Denkfehler

Und dann ist da noch das Pro­blem mit der Omi­kron-Vari­an­te. Die Stadt Müns­ter hat seit Dezem­ber über 650 Omi­kron-Fäl­le regis­triert. Die tat­säch­li­che Zahl dürf­te laut Stadt sehr viel höher sein. Aus meh­re­ren Grün­den. Die Stadt nennt folgende: 

- Nicht bei allen posi­ti­ven Tests ist unter­sucht wor­den, ob die Per­son mit der Omi­kron- oder mit der bis­her domi­nan­ten Del­ta-Vari­an­te infi­ziert ist. 

- Nicht alle Labo­re, die posi­ti­ve PCR-Tests aus­wer­ten, konn­ten die Vari­an­te auch schon in den ver­gan­ge­nen Wochen bestimmen. 

Die­se Pro­ble­me gebe es nicht nur in Müns­ter, son­dern über­all in Deutsch­land, sagt Gesund­heits­amts­lei­ter Nor­bert Schul­ze Kalthoff. 

Die Unge­wiss­heit ist groß. Auch über die genau­en Ursa­chen der hohen Zah­len lässt sich wenig sagen. Haben Fami­li­en­tref­fen zu Weih­nach­ten die Wer­te in die Höhe getrie­ben? Wel­chen Anteil hat­ten die Men­schen, die zum Ein­kau­fen aus den Nie­der­lan­den kamen, weil dort alles geschlos­sen war? 

Sind die vie­len Sin­gle-Haus­hal­te in Müns­ter zu gewis­sen Pan­de­mie­zei­ten viel­leicht eher ein Nach­teil? Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den sie als mög­li­che Begrün­dung für die guten Zah­len genannt. Aber es kann auch sein, dass allein leben­de Men­schen über die Fei­er­ta­ge eher zur Fami­lie rei­sen, also unter­wegs sind. Das erhöht das Risiko. 

Und was ist mit dem beson­de­ren Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein der Men­schen in Müns­ter, das der Ober­bür­ger­meis­ter immer her­vor­hob, wenn die Fra­ge war, war­um Müns­ter so gut dasteht?

Zum letz­ten Punkt lässt sich etwas sagen, denn die­se Begrün­dung ist ganz typisch für unser Den­ken. Men­schen nei­gen dazu, die Ursa­chen für Erfol­ge im Ver­hal­ten und in guten Eigen­schaf­ten zu fin­den, die Ursa­chen für einen Miss­erfolg aber auf die Umstän­de zu schie­ben. Man nennt das den fun­da­men­ta­len Attri­bu­ti­ons­feh­ler.

In den nächs­ten Tagen wird das Bild etwas kla­rer wer­den. Dann wird sich lang­sam zei­gen, wie sich Weih­nach­ten und Sil­ves­ter auf den Ver­lauf der Pan­de­mie aus­ge­wirkt haben. Der Zeit­ver­zug ist ein Grund dafür, dass die Minis­ter­prä­si­den­tin­nen und Minis­ter­prä­si­den­ten erst am Frei­tag dar­über ent­schei­den, ob sie die Regeln noch ein­mal ändern. Ein ande­rer Grund für den Ter­min könn­te sein, so ver­mu­te­te es der Spie­gel Ende Dezem­ber, dass am Tag vor­her das tra­di­tio­nel­le Drei­kö­nigs­tref­fen der FDP statt­fin­det. Und das wol­le man ihr nicht kaputtmachen. 

Wirk­lich ver­läss­lich wer­den die Zah­len aller­dings auch Ende die­ser Woche noch nicht sein, sagt die Viro­lo­gin Lin­da Bru­not­te von der Uni Müns­ter. Mit belast­ba­ren Wer­ten kön­ne man erst Mit­te oder sogar Ende Janu­ar rech­nen. Erst dann kön­ne man sagen, wie Omi­kron sich ver­brei­tet hat. Lin­da Bru­not­te rät zu einem Blick ins Aus­land. „Es ist nicht davon aus­zu­ge­hen, dass wir hier von den hohen Anste­ckungs­zah­len mit Omi­kron ver­schont blei­ben“, sagt sie. In New York erkrank­ten zur­zeit vie­le Kin­der schwer. 

Die Wis­sen­schaft­le­rin wür­de sich wün­schen, dass wir auch in Deutsch­land mehr auf die Kin­der schau­en. In der nächs­ten Woche beginnt die Schu­le wie­der. „Die Imp­fun­gen sind auch für Kin­der sicher, es gibt sehr weni­ge Neben­wir­kun­gen, und Kin­der ver­tra­gen die Imp­fun­gen gut“, sagt Lin­da Bru­not­te. Klei­ne­re Klas­sen sei­en eine Lösung, zur Not auch Unter­richt zu Hau­se, wenn es mög­lich und die Fol­gen nicht zu nega­tiv sei­en. Nur von einem rät die Viro­lo­gin ab: von einer Durch­seu­chung der Bevöl­ke­rung. Man dür­fe die Long-Covid-Erkran­kun­gen nicht ver­ges­sen, sagt sie. Und eine Durch­seu­chung gehe immer mit hohen Ver­lus­ten ein­her. „Ich den­ke, dass wir uns das in Deutsch­land nicht leis­ten kön­nen und wol­len“, sagt Lin­da Brunotte. 

Neue Töne am Gasometer 

In der Poli­tik hän­gen oft Din­ge mit­ein­an­der zusam­men, die auf den ers­ten Blick nichts mit­ein­an­der zu tun haben. So könn­te es nun mit dem Gaso­me­ter und dem Musik-Cam­pus sein. Über die Situa­ti­on am Gaso­me­ter hat­ten wir im Dezem­ber im RUMS-Brief berich­tet. Der Ver­ein Sozi­al­pa­last und das Kol­lek­tiv „Gazo bleibt!“ möch­ten dort einen Ort für Kunst, Kul­tur und Begeg­nun­gen schaf­fen, die Stadt­wer­ke wür­den den Turm und das Gelän­de lie­ber für viel Geld ver­kau­fen. Letz­ter Stand zum Jah­res­en­de war: Mit dem 31. Dezem­ber endet der Miet­ver­trag. Dann muss das Kol­lek­tiv das Grund­stück räu­men. Aber ist das noch aktuell?

Ein Anruf bei den Stadt­wer­ken. Dort klingt es plötz­lich ganz anders. Ein Spre­cher sagt: „Wir wol­len uns sehr kurz­fris­tig noch mal mit dem Sozi­al­pa­last zusam­men­set­zen und schau­en, ob es uns gelingt, eine Über­gangs­lö­sung zu ver­ein­ba­ren.“ Einen Ter­min gebe es noch nicht, aber man wer­de sich bald tref­fen, ver­mut­lich noch in der nächs­ten Woche. 

Die Stadt­wer­ke wer­den den Miet­ver­trag wahr­schein­lich noch ein­mal ver­län­gern, viel­leicht mit eini­gen Bedin­gun­gen. Aber das Kol­lek­tiv wird aller Vor­aus­sicht nach zunächst blei­ben dür­fen. Wie kommt es zu dem Sin­nes­wan­del? Das hängt mit dem Musik-Cam­pus zusammen.

Die Musik-Campus-Woche beginnt

Es ist unwahr­schein­lich, dass das Kol­lek­tiv im Janu­ar ein­fach gegan­gen wäre. Es hät­te das Gelän­de ver­mut­lich besetzt. Und das hät­te zu einer unglück­li­chen Situa­ti­on geführt. In die­ser Woche, vor­aus­sicht­lich mor­gen, wird die Stadt ein Papier ver­öf­fent­li­chen, das der Rat in einem Monat beschlie­ßen soll. Der Inhalt wird eine grund­sätz­li­che Ent­schei­dung sein. Will die Stadt den Musik-Cam­pus haben? Ja oder Nein?

Falls Sie den Begriff nicht mehr genau zuord­nen kön­nen: Der Musik-Cam­pus soll die städ­ti­sche Musik­schu­le, die Hoch­schu­le für Musik und das Sin­fo­nie­or­ches­ter der Stadt an einem Ort zusam­men­füh­ren. Dazu soll auch ein Saal gehö­ren, in dem Kon­zer­te und Kon­gres­se statt­fin­den können.

Wir haben die Geschich­te die­ser Idee im Som­mer 2020 erzählt. Klaus Bau­meis­ter hat für die West­fä­li­schen Nach­rich­ten vor eini­gen Tagen elf aktu­el­le Fra­gen zum Musik-Cam­pus beantwortet. 

Für Müns­ter wäre der Cam­pus ein Jahr­hun­dert­pro­jekt. Das lässt sich schon an den Inves­ti­ti­ons­kos­ten able­sen. 300 Mil­lio­nen Euro soll der Bau kos­ten. Etwa 100 Mil­lio­nen davon müss­te die Stadt über­neh­men. Mit För­der­mit­teln und Geld von Pri­vat­men­schen, die etwas dazu­ge­ben, könn­te es am Ende deut­lich weni­ger wer­den. Aber mit den 45 Mil­lio­nen, die für das Pro­jekt schon im Haus­halt ver­merkt sind, wird man wohl nicht aus­kom­men. Das scheint sicher. 

Nun soll der Rat also über die Mil­lio­nen für den Musik-Cam­pus ent­schei­den. Ungüns­tig wäre, wenn zur glei­chen Zeit am ande­ren Ende der Stadt ein Gebäu­de besetzt ist, weil die Stadt für die­se Art von Kul­tur kein Geld übrig hat. So muss man das nicht sehen, aber man kann es so sehen. 

Die Grü­nen hat­ten das Signal gege­ben, dass sie es sich unter die­sen Umstän­den noch ein­mal über­le­gen wür­den, ob mit ihren Stim­men für den Musik-Cam­pus zu rech­nen sei. Es ist nicht klar, ob sie so weit gegan­gen wären, am Ende Nein zu sagen, oder ob es hier nur dar­um ging, poli­ti­schen Druck auf­zu­bau­en. Sicher ist aber: Die Mehr­heit im Rat hät­te die Stadt­wer­ke auch ein­fach zu einer Ver­län­ge­rung des Miet­ver­trags zwin­gen können. 

Damit geht es am Gaso­me­ter vor­aus­sicht­lich wie folgt wei­ter: Die Stadt­wer­ke berei­ten im Ver­lauf des Jah­res einen Inves­ti­ti­ons-Wett­be­werb vor. Ob das Kol­lek­tiv dann mit sei­nen Vor­stel­lun­gen für den Gaso­me­ter eine Chan­ce hat, wird davon abhän­gen, wie gut das Kon­zept ist, das es dann präsentiert. 

Lewe antwortet der SPD

Und wie geht es mit dem Musik-Cam­pus wei­ter? Auch das wird davon abhän­gen, ob es Mar­kus Lewe gelingt, ein gutes Kon­zept vor­zu­le­gen und die offe­nen Fra­gen zu beant­wor­ten. Zum Bei­spiel die zu den Bau­kos­ten, zu den Betriebs­kos­ten, zu vie­len Details. Die Grü­nen hat­ten Lewe Mit­te Dezem­ber eine lan­ge Lis­te mit Fra­gen geschickt. Die CDU kün­dig­te dar­auf­hin an, dass die Ver­öf­fent­li­chung des Papiers sich ver­zö­gern wird. Einen Tag spä­ter bekam die SPD vom Ober­bür­ger­meis­ter eine Lis­te mit Ant­wor­ten auf sechs Fra­gen, die Frak­ti­ons­chef Mari­us Her­wig am 3. Dezem­ber gestellt hatte. 

In dem Schrei­ben nimmt Lewe zum Bei­spiel zur Aus­sa­ge der frü­he­ren Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Moni­ka Grüt­ters Stel­lung, die den Musik-Cam­pus „ein eher regio­na­les Pro­jekt“ genannt hat­te. Lewe ver­weist dar­auf, dass das Kon­zept „von bun­des­weit renom­mier­ten Exper­ten als her­aus­ra­gend gelobt wor­den sei“. Sie hät­ten die „über­re­gio­na­le Strahl­kraft betont“. Moni­ka Grüt­ters habe nie zuge­sagt, dass es eine direk­te För­de­rung des Kul­tur­staats­mi­nis­te­ri­ums geben wer­de. Sie habe eher die Rol­le „einer Lot­sin“ gehabt, die auf Pro­jek­te hin­ge­wie­sen und bera­ten habe. 

Und Lewe schreibt, die lang­fris­ti­gen Kos­ten „wer­den unter ande­rem vom gewähl­ten Betriebs- und Betrei­ber­mo­dell abhän­gen“. Fest ste­he aber: „Es wird kein Kon­zept erar­bei­tet, das dazu füh­ren wür­de, Müns­ter in die Haus­halts­si­che­rung zu brin­gen.“ Um mit der Lan­des­re­gie­rung Gesprä­che über die Finan­zie­rung füh­ren zu kön­nen, brau­che es einen Grund­satz­be­schluss der Stadt. 

Der Rat muss sich also fest­le­gen. Ein Nein wür­de bedeu­ten: Das Pro­jekt ist geschei­tert. Ein Ja wür­de aber nicht auto­ma­tisch hei­ßen: Der Musik-Cam­pus wird kommen.

Es könn­te immer noch sein, dass die Plä­ne schei­tern, weil sich her­aus­stellt: Es wird alles zu teu­er. Aber mit dem Ja wäre die Vor­aus­set­zung dafür geschaf­fen, dass auch die Lan­des­re­gie­rung sich auf das Pro­jekt fest­le­gen kann – eben­falls mit einem Grundsatzbeschluss. 

Eine Fra­ge ist, in wel­cher Deut­lich­keit sie das machen wür­de. In Form einer ver­bind­li­chen Zusa­ge? Oder eher in einem vagen Bekennt­nis? Und sogar wenn die Zusa­ge ver­bind­lich wäre, könn­te es sein, dass sie im Früh­ling nichts mehr wert wäre. Im Mai sind Land­tags­wah­len. Regie­ren danach nicht mehr die CDU und FDP, könn­te gleich alles anders aussehen. 

Mar­kus Lewe hät­te daher gern schnell eine Ent­schei­dung des Rates, um vor der Land­tags­wahl einen Beschluss des Lan­des mög­lich zu machen. Nur kann das gelin­gen? Es wird knapp. In der nächs­ten Woche wird Lewe mit den Frak­ti­ons­spit­zen und kul­tur­po­li­ti­schen Fach­leu­ten der Par­tei­en über den Plan reden. In der Woche dar­auf am Diens­tag tagt der Kul­tur­aus­schuss. Und dann ist bald auch schon die Ratssitzung. 

Im Rats­bünd­nis sind nicht alle Par­tei­en in glei­chem Maße begeis­tert von den Cam­pus-Plä­nen. Aber im Koali­ti­ons­ver­trag haben sie sich dar­auf fest­ge­legt, den Bau an der Hit­torf­stra­ße zu unter­stüt­zen. Es war nicht der Wunsch­stand­ort der SPD, aber im Juli sag­te SPD-Frak­ti­ons­chef Mari­us Her­wig: „Zur Poli­tik gehört (…), dass man zur Kennt­nis nimmt, wie die Fak­ten sind. Für unser Kon­zept fin­den wir kei­ne Mehrheit.“

Soll die neue Regierung entscheiden?

Es gibt noch eine Vari­an­te, die nicht das Ende des Pro­jekts bedeu­ten wür­de, aber auch nicht dem Wunsch von Mar­kus Lewe ent­sprä­che. Das Rats­bünd­nis könn­te die Ent­schei­dung ver­schie­ben. Dann wür­de es mit dem Grund­satz­be­schluss aus Düs­sel­dorf vor der Wahl nicht mehr klap­pen. Aber auch dafür gäbe es ein Argu­ment. Man könn­te sagen: Die alte Lan­des­re­gie­rung hat mit dem Bau mög­li­cher­wei­se nichts mehr zu tun, wenn sie abge­wählt wird. Dann soll doch gleich die neue ent­schei­den. Wenn die Regie­rung im Amt bleibt, wür­de das kei­nen Unter­schied machen. Wird sie abge­wählt, könn­te es auch sein, dass die neue Lan­des­re­gie­rung sagt: Der Musik-Cam­pus ist uns nicht so wichtig. 

Und dann gibt es in Müns­ter noch die Grup­pe der Men­schen, die hofft, dass sich für den Musik-Cam­pus an der Hit­torf­stra­ße kei­ne Mehr­heit fin­den wird. Die­se Men­schen eint vor allem eines: Sie hal­ten den Stand­ort und das Kon­zept für nicht geeig­net. Sie befürch­ten, dass die Musik und damit ein wich­ti­ger Teil des kul­tu­rel­len Lebens nur noch am Ran­de von Müns­ter statt­fin­den wür­de. Sie kri­ti­sie­ren genau das, was Mar­kus Lewe als Vor­teil her­aus­stellt – dass sich alles an einem Ort kon­zen­trie­ren wür­de. Sie haben noch eini­ge wei­te­re Kri­tik­punk­te, auch ganz grund­sätz­li­che. Aber ihre Ideen, wie eine Alter­na­ti­ve zum Cam­pus an der Hit­torf­stra­ße aus­se­hen könn­te, sind im Detail sehr unter­schied­lich. Auf ein gemein­sa­mes Kon­zept haben sie sich nicht geeinigt. 

Soll­ten sie sich den­noch durch­set­zen und eine Mehr­heit für den Musik-Cam­pus ver­hin­dern, was im Moment unwahr­schein­lich erscheint, wür­de die Debat­te irgend­wann von vor­ne begin­nen. Das wäre im Sin­ne die­ser Grup­pe, denn sie hat das nicht ganz aus der Luft gegrif­fe­ne Gefühl, dass es hier nicht dar­um ging, in einem Wett­be­werb das bes­te und belieb­tes­te Modell für die Stadt zu fin­den. Der Ansatz war ein ande­rer: Ober­bür­ger­meis­ter und Uni-Rek­to­rat haben sich auf ein Kon­zept fest­ge­legt und dann ver­sucht, für die­ses Pro­jekt eine Mehr­heit zu fin­den. Die­sen Weg kann man kri­tisch sehen. Aber in der Demo­kra­tie zählt am Ende vor allem eines: die Mehrheit. 

Am Frei­tag wer­den wir uns hier aus­führ­lich mit dem Papier zum Musik-Cam­pus beschäftigen. 

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In aller Kürze

+++ Die Poli­zei hat ges­tern Abend zwei Demons­tra­ti­ons­zü­ge gegen die Coro­na-Regeln gestoppt, einen am Dom­platz, einen wei­te­ren vor dem Schloss. Die Pro­tes­te waren nicht ange­mel­det. Nach­le­sen kön­nen Sie das zum Bei­spiel bei Alles Müns­ter oder bei Anten­ne Müns­ter. Ich möch­te Ihnen hier statt­des­sen von Expe­ri­men­ten erzäh­len, über die ich in den Weih­nachts­fe­ri­en im Buch „Erzäh­len­de Affen – Wie Geschich­ten unser Leben bestim­men“ gele­sen habe. Die Ver­su­che hei­ßen Rob­bers-Cave-Expe­ri­men­te. For­schen­de haben Jun­gen in einem Feri­en­la­ger will­kür­lich in Grup­pen ein­ge­teilt. Sie haben dafür gesorgt, dass ein Grup­pen­ge­fühl ent­steht. Die For­schen­den ver­brei­te­ten Ste­reo­ty­pen über die jeweils ande­re Grup­pe. Das führ­te dazu, dass die Iden­ti­tät sich fes­tig­te und eine Riva­li­tät ent­stand. Als die Mit­glie­der der einen Grup­pe das Gefühl beka­men, benach­tei­ligt zu wer­den, beschimpf­ten sie die ande­ren und wur­den aggres­siv. Dass sie an einem Expe­ri­ment teil­nah­men, wuss­ten die Jun­gen nicht. Spä­ter schaff­ten es die For­schen­den aller­dings auch, die Grup­pen wie­der zu ver­söh­nen. Dazu reich­te es nicht, sie ein­fach nur zusam­men­zu­brin­gen. Es brauch­te gemein­sa­me Zie­le. Die Jun­gen muss­ten zusam­men­ar­bei­ten, um die Zie­le zu errei­chen. Mit Argu­men­ten ging es auch hier nicht. 

+++ Die Feu­er­wehr sam­melt in die­sem Jahr wie­der kei­ne Tan­nen­bäu­me ein, mel­det die Stadt. Wegen Coro­na fällt die Akti­on aus. 

+++ Der WDR hat für eine fünf­tei­li­ge Kurz­se­rie die Men­schen aus der Ermitt­lungs­kom­mis­si­on Rose bei der Arbeit beglei­tet. Sie wer­ten Tag für Tag das fürch­ter­li­che Video-Mate­ri­al aus, das die Poli­zei bei den Ermitt­lun­gen im Miss­brauchs­fall von Müns­ter sicher­ge­stellt hat. Die Fol­gen sind jeweils fünf Minu­ten lang und hier zu fin­den.

Unbezahlte Werbung

Reich­lich spät für Neu­jahrs­vor­sät­ze, vie­le haben sich ja schon längst wie­der erle­digt. Aber wenn Sie noch einen Ver­such wagen möch­ten und es dabei zufäl­lig ums Rau­chen geht, hät­ten wir eine gute Emp­feh­lung: mit dem Rau­chen auf­hö­ren via Video­kon­fe­renz. Von die­sem Ange­bot hat man gleich eine Vor­stel­lung. Man loggt sich ein­fach ein, und dann hat man eine Stun­de lang so vie­le tech­ni­sche Pro­ble­me, dass man gar nicht mehr zum Rau­chen kommt. In Wirk­lich­keit funk­tio­niert es natür­lich anders. Wie, das erklärt Ihnen Hol­ger Schulz von der Nicht­rau­cher­werk­statt am Don­ners­tag um 18.30 Uhr in einer Info­ver­an­stal­tung. Anmel­den kön­nen Sie sich per E-Mail hier.

Drinnen und Draußen

+++ Die Aus­stel­lung „Über­le­bens­künst­ler Mensch“ im Natur­kun­de­mu­se­um endet am Sonn­tag. Letz­te Chan­ce also in die­ser Woche. Alle Infor­ma­tio­nen fin­den Sie hier.

+++ Jetzt auf einen Ter­min in der kom­men­den Woche hin­zu­wei­sen, ist viel­leicht etwas gewagt. Aber wir wagen es ein­fach: Im Moment steht für den 14. und 15. Janu­ar (Sams­tag und Sonn­tag) im Krea­tiv-Haus noch das Stück „Mut­ter­See­len­Al­lein“ auf dem Pro­gramm, ein Stück über die Sand­wich-Genera­ti­on, Men­schen mitt­le­ren Alters, die irgend­wie dazwi­schen ste­hen, zwi­schen den Jun­gen und den Alten. Das Stück selbst ist auch irgend­et­was dazwi­schen – zwi­schen Film und Thea­ter, eine Hybrid­ver­si­on, so wird es ange­kün­digt. Tickets und noch ein paar Infos fin­den Sie hier.

+++ Am Don­ners­tag eröff­net an der Bre­mer Stra­ße 17 der Lyrik­kel­ler. Andre­as Lating ali­as Andi Sub­stanz schreibt Ihnen auf Bestel­lung ein Gedicht. Und Sie kön­nen es gleich mit nach Hau­se neh­men. Ab 15 Uhr sind die Türen offen. Alles Wei­te­re hier.

Am Frei­tag kommt ein RUMS-Brief von Con­stan­ze Busch. Haben Sie eine mög­lichst gute Woche. Und blei­ben Sie gesund! 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann


PS

Hin und wie­der bekom­men wir Nach­rich­ten, in denen steht: War­um gibt es RUMS eigent­lich nicht gedruckt? Das liegt vor allem dar­an, dass das Digi­ta­le vie­le Vor­tei­le hat, zum Bei­spiel: Wir kön­nen RUMS viel güns­ti­ger anbie­ten. Papier ist ja knapp, wie Sie wis­sen. Und es ist auch sehr viel schwe­rer, ein gedruck­tes Medi­um zu ver­brei­ten. Aber wir mögen natür­lich auch Maga­zi­ne auf Papier, und wir mögen das Stra­ßen­ma­ga­zin drau­ßen. Daher freu­en wir uns, dass in der neu­en Aus­ga­be, die ges­tern erschie­nen ist, gleich drei Geschich­ten von uns ste­hen, eine davon war beim Repor­ter­preis nomi­niert. Sie gehör­te also nach Ansicht der Jury zu den bes­ten Lokal­re­por­ta­gen, die im ver­gan­ge­nen Jahr erschie­nen sind. Hier kön­nen Sie schon mal einen Blick auf das neue Heft wer­fen. Das Heft kos­tet 2,10 Euro. Die Men­schen, die es ver­kau­fen, dür­fen davon einen Euro behal­ten. Aber sie freu­en sich natür­lich, wenn etwas mehr übrig bleibt.