Russisches Test-Roulette | Das ungeliebte Großprojekt | Barbara Green

Müns­ter, 11. Janu­ar 2022

Guten Tag,

ist das jetzt schon der Sil­ves­ter-Effekt? Die Infek­ti­ons­zah­len in Müns­ter haben übers Wochen­en­de einen Sprung gemacht. Eigent­lich fal­len sie mon­tags etwas nied­ri­ger aus, weil die Mel­dun­gen erst nach dem Wochen­en­de ein­ge­hen. Doch in die­ser Woche war das anders. Die Inzi­denz schoss von 341 am Frei­tag auf 461 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen in einer Woche) am Mon­tag. Heu­te ging sie leicht wie­der zurück, auf 445, aber wie Sie wis­sen: Das kann sich mor­gen schon wie­der ändern.

Sol­che Zah­len hat­ten wir noch nie, seit die Stadt am 1. März 2020 den ers­ten Coro­na-Fall mel­de­te, und doch ist die Stim­mung erstaun­lich gelas­sen. Die Men­schen gehen in Cafés, Restau­rants und Knei­pen. Wenn alle sit­zen, fällt kaum auf, dass irgend­et­was anders ist. Wer einen Tisch möch­te, braucht eine dop­pel­te Imp­fung, mitt­ler­wei­le auch einen Boos­ter oder einen Schnell­test. Das soll­te ja eigent­lich genü­gend Sicher­heit geben, oder doch nicht?

Bei den Schnell­tests ver­trau­en wir dar­auf, dass die Ergeb­nis­se schon stim­men wer­den. Sobald das Wort „nega­tiv“ auf dem Smart­pho­ne zu sehen ist, stellt sich das Gefühl der Erleich­te­rung ein. Und tat­säch­lich, eine aktu­el­le Unter­su­chung des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts zeigt, dass 80 Pro­zent der mitt­ler­wei­le knapp 250 Anti­gen-Tests (Schnell­tests und Selbst­tests) im Han­del die Omi­kron-Vari­an­te erken­nen. Aber man kann auch Pech haben, denn mit den Tests ist es ein biss­chen wie mit den Pil­zen im Wald: Von eini­gen ist eher abzu­ra­ten. Wel­che das sind, ist auf den ers­ten Blick oft nicht zu erkennen.

Große Qualitätsunterschiede

Ein RUMS-Leser schrieb uns, er habe im Novem­ber bei Ross­mann an der Salz­stra­ße einen Test der Mar­ke „Beright“ der Fir­ma Hang­zhou All­test Bio­tech gekauft. Kurz dar­auf sei er auf einen Ver­gleichs­test in einem Wis­sen­schafts­ma­ga­zin gesto­ßen, der sich auf Zah­len des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts stütz­te. Nach die­sem Test sah es erst so aus, als sei die Zuver­läs­sig­keit sei­nes Kaufs ver­hee­rend. Bei sehr hoher Virus­last erkennt der Test 17 Pro­zent der Infek­tio­nen, bei hoher Virus­last 0 Pro­zent. Da kann man im Prin­zip auch eine Mün­ze werfen.

Ein Blick in die Ori­gi­nal-Aus­wer­tung des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts (cq steht für die Virus­last, links ist sie sehr hoch, in der Mit­te hoch, rechts nor­mal) zeig­te aller­dings: Es gibt meh­re­re Tests, die ähn­lich hei­ßen, aber unter­schied­lich genaue Ergeb­nis­se lie­fern. Das ver­hee­ren­de Ergeb­nis war das der Vari­an­te mit Rachen­ab­strich. Auf dem Foto, das der RUMS-Leser bei­gefügt hat­te, sah man das Modell Nasen­ab­strich. Das war bei hoher Virus­last zu 20 Pro­zent zuver­läs­sig, bei sehr hoher zu 90 Pro­zent. Auch nicht gera­de berau­schend. Aber die­ses Pro­dukt hat­te den Test immer­hin bestan­den. Das ande­re nicht.

Der RUMS-Leser schrieb Ross­mann Ende Novem­ber eine E-Mail und bekam die Ant­wort, man wer­de den Test nicht mehr nach­be­stel­len. Wir haben der Ross­mann-Pres­se­stel­le in der ver­gan­ge­nen Woche geschrie­ben und gefragt, wie es mit dem Test nun aus­sieht, aber kei­ne Ant­wort erhal­ten. Online bie­tet die Dro­ge­rie das Pro­dukt noch immer an, aktu­ell ist es nicht mehr ver­füg­bar, aber gekenn­zeich­net ist es wei­ter mit dem Ver­merk „Neu“.

Und was ver­kauft Ross­mann in sei­nem Laden? Wir haben ges­tern nach­ge­se­hen. Genau die­ses Pro­dukt gibt es dort nicht mehr. Aber unser Ergeb­nis belegt, dass es nicht egal ist, für wel­chen Selbst­test man sich ent­schei­det. Ross­mann ver­kauft an der Salz­stra­ße drei ver­schie­de­ne Pro­duk­te. Auf einem steht Join­star, auf einem ande­ren New Gene Bio­en­gi­nee­ring, auf einem drit­ten Viva­Chek Bio­tech (Veri­no­Pro SARS-CoV-2 Ag Rapid Test).

Wie zuverlässig sind die Tests?

Der Viva­Chek-Test ist auf der Lis­te nicht zu fin­den. Zwei Pro­duk­te der­sel­ben Fir­ma aller­dings schon. Sie sind durch­ge­fal­len, einer der bei­den Tests hat einen ähn­li­chen Namen (Viva­Diag SARS-CoV-2 Ag Rapid Test). Das muss noch nichts hei­ßen, aber weil sich die Zuver­läs­sig­keit nicht über­prü­fen lässt, emp­feh­len wir, die­sen Test nicht zu kau­fen. Eine ordent­li­che Qua­li­tät hat laut Paul-Ehr­lich-Insti­tut der Test von Join­star, auf das bes­te Ergeb­nis kommt der von New Gene. Er hat eine Sen­si­ti­vi­tät von 87 Prozent.

Moment. Was ist das jetzt schon wie­der für ein Wort? Sen­si­ti­vi­tät meint das, was wir hier als Zuver­läs­sig­keit bezeich­net haben. Der Wert gibt an, wie oft ein Test eine Infek­ti­on erkennt.

Wie gut der Test ist, hängt aber auch davon ab, wie zuver­läs­sig er gesun­de Men­schen iden­ti­fi­ziert. Das Fach­wort hier heißt Spe­zi­fi­tät. Um das zu ver­deut­li­chen: Ein Test, der immer ein posi­ti­ves Ergeb­nis aus­gibt, erkennt 100 Pro­zent aller Infek­tio­nen, ist aber trotz­dem nicht zu gebrauchen.

Zur Spe­zi­fi­tät macht das Paul-Ehr­lich-Insti­tut kei­ne Anga­ben. Wie sehr man sich dar­auf ver­las­sen kann, dass man tat­säch­lich gesund ist, wenn der Test nega­tiv aus­fällt, sagt die Über­sicht also nicht. 

Aber wie zuver­läs­sig sind die Anti­gen-Tests denn nun wirk­lich? Also wie gut kön­nen sie infi­zier­te von gesun­den Men­schen unterscheiden?

Für eine Zulas­sung brau­chen Selbst­tests eine Spe­zi­fi­tät von über 97 Pro­zent. Sie müs­sen also bei 100 Tests von gesun­den Men­schen 97 Mal das rich­ti­ge Ergeb­nis anzei­gen. Die­sen Wert müss­ten also eigent­lich alle Pro­dukt errei­chen, die im Han­del erhält­lich sind. Eigent­lich. Dass das in Wirk­lich­keit nicht so ist, liegt auch dar­an, dass Unter­neh­men selbst die Anga­ben zur Zuver­läs­sig­keit ihrer Pro­duk­te vor­le­gen. So bekom­men sie eine euro­pa­wei­te Zulas­sung (CE-Zer­ti­fi­zie­rung), wie das ZDF es hier beschreibt. Die ernüch­tern­de Erklä­rung: Das Vor­ge­hen ist üblich, anders wäre es teu­rer, und bis zur Zulas­sung wür­de viel mehr Zeit vergehen. 

Unabhängige Prüfung ab Mai 

Die Dis­kre­panz zeigt sich bei der Sen­si­ti­vi­tät. Die Min­dest­an­for­de­rung liegt bei 80 Pro­zent. Die Aus­wer­tung des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts belegt: Bei jedem fünf­ten Test machen die Unter­neh­men fal­sche Anga­ben. Sogar ein Test, der bei einer hohen Virus­last kei­ne ein­zi­ge Infek­ti­on erkennt, kann die Min­dest­an­for­de­rung erfül­len, wenn er bei einer sehr hohen Virus­last sehr gut ist, also 80-Pro­zent-Mar­ke erreicht.

Ab Mai wird das alles etwas anders. Dann wer­den die Tests unab­hän­gig geprüft. Im Moment dür­fen auch die durch­ge­fal­le­nen Tests von der Lis­te des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts wei­ter ver­kauft wer­den. Daher lohnt vor dem Kauf immer ein Blick auf die Lis­te. Und es ist sicher kein Feh­ler, auch an Schnell­test-Sta­tio­nen zu fra­gen, wel­chen Test sie dort verwenden.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lau­ter­bach (SPD) hat ges­tern ange­kün­digt, eine Lis­te mit Anti­gen-Tests zu ver­öf­fent­li­chen, die Omi­kron-Infek­tio­nen gut erken­nen. Auch damit wird es leich­ter, wirk­sa­me Schnell- oder Selbst­tests zu fin­den. Wer sich wirk­lich auf das Ergeb­nis ver­las­sen möch­te, macht aber trotz­dem bes­ser einen PCR-Test, auch wenn das teu­er ist.

Kor­rek­tur­hin­weis:

In einer frü­he­ren Ver­si­on des Tex­tes schrie­ben wir, der Test der Fir­ma Viva­Chek Bio­tech (Veri­no­Pro SARS-CoV-2 Ag Rapid Test) ste­he auf der Lis­te der Pro­duk­te, die durch­ge­fal­len sind. Dort sind zwei ande­re Pro­duk­te der Fir­ma zu fin­den, eines davon hat einen ähn­li­chen Namen (Viva­Diag SARS-CoV-2 Ag Rapid Test). Für den Veri­no­Pro-Test ist kein Ergeb­nis ver­füg­bar. Daher emp­feh­len wir, die­sen Test nicht zu kau­fen. Das Paul-Ehr­lich-Insti­tut hat heu­te, am 12. Janu­ar 2022, eine aktua­li­sier­te Lis­te mit Anti­gen-Tests ver­öf­fent­licht. Auf die­ser Sei­te fin­den Sie jeweils die aktu­el­le Lis­te. Dort bie­tet das Insti­tut auch Infor­ma­tio­nen zu den Anti­gen-Tests an, die für den Nach­weis von Omi­kron geeig­net sind. 

Das ungeliebte Großprojekt

Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch hat die Stadt­ver­wal­tung vier Doku­men­te ver­öf­fent­licht, die ein vie­le Mil­lio­nen Euro teu­res Bau­pro­jekt vor­be­rei­ten, für das in der Stadt kei­ne gro­ße Begeis­te­rung auf­kom­men will. Das Pro­jekt heißt nicht Musik-Cam­pus, son­dern Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung für Geflüch­te­te, kurz ZUE.

Die Ein­rich­tung soll auf einem Gelän­de an der Waren­dor­fer Stra­ße etwa 200 Meter hin­ter dem Kanal gebaut wer­den, das an einem Weg mit dem Namen „Am Pul­ver­schup­pen“ liegt. Sei­nen Platz in der Stadt­ge­schich­te hat die­ser Ort bekom­men, weil sich hier frü­her ein Muni­ti­ons­la­ger befand, das im Dezem­ber 1915 mit einem so lau­ten Knall explo­dier­te, dass noch am Prin­zi­palmarkt Schei­ben zu Bruch gin­gen. In der Unter­kunft, die hier ent­ste­hen soll, wer­den den Plä­nen nach 500 Men­schen leben können.

Die Grü­nen hof­fen, dass es so weit nicht kom­men wird. Die CDU fin­det, dass es schon so weit, wie es jetzt ist, nicht hät­te kom­men müs­sen. Denn das hat mit einer Ent­schei­dung aus dem Jahr 2018 zu tun. Damals woll­te das Land die Zen­tra­le Aus­län­der­be­hör­de, kurz ZAB, in Müns­ter ansie­deln. Der Rat lehn­te das mit einer knap­pen Mehr­heit ab. Die Grü­nen stimm­ten zusam­men mit der SPD und der Lin­ken gegen ihre Koali­ti­ons­part­ne­rin CDU. Danach sah es kurz so aus, als könn­te das Bünd­nis genau­so enden wie der Pul­ver­schup­pen. Doch man fand wie­der zusammen.

Aber wie soll­te es wei­ter­ge­hen? Der zustän­di­ge Lan­des­mi­nis­ter Joa­chim Stamp von der FDP sag­te damals: „Die Stadt steht in der Ver­ant­wor­tung, ihre regio­na­le Funk­ti­on im Asyl­be­reich zu über­neh­men und zu erfül­len.“ Damit kün­dig­te er an, womit der Rat sich nun beschäf­ti­gen muss. Müns­ter muss dafür sor­gen, dass es statt der Zen­tra­len Aus­län­der­be­hör­de eine Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung gibt.

Dabei hat die Stadt eigent­lich schon eine. Sie befin­det sich in der ehe­ma­li­gen York-Kaser­ne in Grem­men­dorf. Wir haben im Dezem­ber über die Zustän­de dort berich­tet. In der Kaser­ne kann die Ein­rich­tung aber nicht blei­ben. Die Stadt will dort Woh­nun­gen bau­en. Also braucht sie einen neu­en Stand­ort, den hat sie am Pulverschuppen.

Eine Quote gibt es nicht 

Die AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Gabrie­le Wal­ger-Demol­sky hat die Lan­des­re­gie­rung im Som­mer 2018 in einer Klei­nen Anfra­ge gefragt, ob es rich­tig sei, dass Müns­ter die neue Unter­brin­gungs­ein­rich­tung nicht hät­te bau­en müs­sen, wenn es für die Aus­län­der­be­hör­de gestimmt hät­te. Das hat­ten die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berichtet. 

Die Lan­des­re­gie­rung ant­wor­te­te mit dem glei­chen Man­tra wie schon vor­her Joa­chim Stamp: „Die Stadt Müns­ter steht in der Ver­ant­wor­tung, ihre regio­na­le Funk­ti­on im Asyl­be­reich zu über­neh­men und zu erfüllen.“

Nun könn­te man sagen: Müns­ter hat­te bis­lang so eine Ein­rich­tung. Und nur, weil die Stadt mit die­sem Ort etwas ande­res machen möch­te, soll jetzt eine ande­re Kom­mu­ne ein­sprin­gen? Ist das denn gerecht?

Man könn­te aller­dings auch sagen: In Nord­rhein-West­fa­len gibt es 53 Krei­se und kreis­freie Städ­te, aber nur 29 Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen. Müns­ter hat­te bis­lang eine. War­um kann die­se Auf­ga­be jetzt nicht mal eine ande­re Kom­mu­ne über­neh­men? Eine Quo­ten­re­ge­lung inner­halb der Län­der gibt es nicht.

Wir haben das für Geflüch­te­te zustän­di­ge Minis­te­ri­um von Joa­chim Stamp gefragt, nach wel­chen Kri­te­ri­en es die Stand­or­te aus­wählt. In der Ant­wort heißt es, für die Akqui­se sei­en die Bezirks­re­gie­run­gen zustän­dig. Die Lie­gen­schaf­ten müss­ten die „hohen Betreu­ungs- und Sicher­heits­stan­dards“ erfül­len kön­nen. Und: „Bei der Akqui­se ist der Grund­satz der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit zu beachten.“

Güns­tig wird der Neu­bau am Pul­ver­schup­pen aller­dings nicht. Auch für das Land nicht. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­te­ten Mit­te Dezem­ber, das Grund­stück kos­te knapp fünf Mil­lio­nen Euro. Hin­zu kom­men laut der Zei­tung etwa 800.000 Euro für den Abriss der Gebäu­de auf dem Gelän­de. Und: ein zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag für den Bau. 

Der Bau wird wohl teurer

Um wel­che Grö­ßen­ord­nung es bei den Bau­kos­ten geht und wie viel die Stadt davon über­neh­men muss, steht in der Ant­wort auf die Klei­ne Anfra­ge der AfD. Vor vier Jah­ren rech­ne­te das Land mit Bau­kos­ten von etwa 25 Mil­lio­nen Euro, inklu­si­ve 2,5 Mil­lio­nen Euro für die Kampf­mit­tel­räu­mung. Die Lan­des­re­gie­rung schreibt, sie betei­li­ge sich „hälf­tig“, jedoch maxi­mal mit zehn Mil­lio­nen Euro.

Das ist eine ele­gan­te For­mu­lie­rung, die man sich mer­ken soll­te („RUMS zahlt den Musik-Cam­pus zur Hälf­te, jedoch maxi­mal 100 Euro“). Aber die Pro­gno­se dürf­te nicht mehr aktu­ell sein, denn Bau­en ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sehr viel teu­rer gewor­den. Allein zwi­schen 2020 und 2021 stie­gen die Prei­se für Mate­ri­al und Vor­leis­tun­gen nach Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts um knapp 13 Pro­zent. So schnell wuch­sen sie zuletzt vor über 50 Jahren.

Das bestä­tigt auch die Stadt. „Ange­sichts der Bau­preis­stei­ge­run­gen ist davon aus­zu­ge­hen, dass es nicht bei den sei­ner­zeit genann­ten Kos­ten blei­ben wird“, schreibt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt. Nach dem Kauf des Grund­stücks begin­ne nun die Pla­nung. Dabei wer­de man auch die Kos­ten konkretisieren.

Bei der Zusa­ge des Lan­des bleibt es aller­dings. Das hat das Minis­te­ri­um uns bestä­tigt. Maxi­mal zehn Mil­lio­nen Euro. Den Rest muss die Stadt zahlen.

Gilt die Rege­lung denn über­all dort, wo Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen gebaut wer­den? Zahlt das Land immer die Hälf­te, maxi­mal aber zehn Mil­lio­nen? Und in wel­cher Höhe hat das Land sich beim Bau der übri­gen Ein­rich­tun­gen beteiligt?

Das kön­ne man so pau­schal nicht beant­wor­ten, schreibt das Minis­te­ri­um. „Grund­sätz­lich trägt das Land die Kos­ten, die durch Anmie­tung einer geeig­ne­ten Lie­gen­schaft ent­ste­hen“, heißt es in der Ant­wort. Dazu kön­nen auch „Instand­hal­tungs- und Instand­set­zungs­kos­ten sowie Auf­wen­dun­gen für die Her­rich­tung einer Lie­gen­schaft gehö­ren“. Genaue Zah­len nennt das Minis­te­ri­um nicht.

Damit bleibt aller­dings eine ent­schei­den­de Fra­ge offen: Ist es wirk­lich wirt­schaft­lich und spar­sam, wenn die Stadt Müns­ter hier für min­des­tens 25 Mil­lio­nen Euro eine neue Ein­rich­tung baut, die das Land sehr wahr­schein­lich zehn Mil­lio­nen Euro kos­ten wird? Oder hät­te man das anders­wo nicht auch güns­ti­ger haben kön­nen? Woll­te man die Stadt viel­leicht spü­ren las­sen, dass eine Ent­schei­dung wie die gegen die Aus­län­der­be­hör­de nicht ohne Fol­gen bleibt?

Weg von großen Einrichtungen

Das Minis­te­ri­um ver­weist auf die Klei­ne Anfra­ge. Dort steht, Stadt und Land hät­ten gemein­sam nach einer Lösung gesucht, die „einer­seits für bei­de Sei­ten wirt­schaft­lich trag­fä­hig ist und ande­rer­seits der Ver­ant­wor­tung der Stadt als Ober­zen­trum für die Regi­on gerecht wird“.

Müns­ters Grü­nen-Frak­ti­ons­spre­cher Chris­toph Kat­tentidt hät­te vom Ober­bür­ger­meis­ter erwar­tet, dass er sich gegen die­se Ver­pflich­tung wehrt. Doch das pas­sier­te nicht. Kat­tentidt hofft nun, dass es in Nord­rhein-West­fa­len bald gar kei­ne Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen mehr geben wird – und Müns­ter des­halb auch kei­ne bau­en muss. Die Grü­nen wol­len ein ande­res Sys­tem. In ihrem Pro­gramm für die Land­tags­wahl im Mai schreibt die Par­tei: „Lan­ge Auf­ent­halts­zei­ten in Lan­des­un­ter­künf­ten leh­nen wir ab.“ Man müs­se „weg von über­gro­ßen und iso­lier­ten Ein­rich­tun­gen hin zu dezen­tra­len und klei­ne­ren Wohneinheiten“.

Das aktu­el­le Sys­tem besteht aus meh­re­ren Stu­fen. Die Men­schen kom­men zunächst in eine soge­nann­te Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung. Dort wer­den sie regis­triert und unter­sucht. Dann zie­hen sie um in eine Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung. Die­se Sta­ti­on soll höchs­tens sechs Mona­te dau­ern, doch die Län­der kön­nen den Zeit­raum ver­län­gern, mitt­ler­wei­le auf über zwei Jahre.

Rich­tig Fuß fas­sen kön­nen die Men­schen in die­ser Zeit nicht. Und das ist gewollt. Es soll erst im nächs­ten Schritt pas­sie­ren, wenn klar ist, ob sie wirk­lich blei­ben dür­fen. Aus Per­spek­ti­ve der schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung hat das den Vor­teil, dass kei­ne fal­schen Hoff­nun­gen wach­sen und die Men­schen spä­ter aus einer Umge­bung geris­sen wer­den, in der sie sich ein­ge­lebt haben.

Die Grü­nen sehen eher das, was die Men­schen wäh­rend ihres Auf­ent­halts in der Ein­rich­tung erle­ben: Lan­ge­wei­le, Per­spek­tiv­lo­sig­keit, Aggres­sio­nen. „Die Men­schen sind in die­ser Zeit für die Gesell­schaft unsicht­bar“, sagt Chris­toph Kat­tentidt. Sei­ne Par­tei hal­te das Kon­zept für geschei­tert. Man müs­se die Men­schen ohne die­sen Zwi­schen­schritt auf die Kom­mu­nen ver­tei­len. Natür­lich, das sei auch eine Platz­fra­ge, und das kön­ne Schwie­rig­kei­ten mit sich brin­gen. „Aber so, wie es ist, kann es nicht blei­ben“, sagt Kattentidt.

CDU-Frak­ti­ons­chef Ste­fan Weber geht davon aus, dass die Stadt die Ein­rich­tung so oder so bau­en muss. Er sieht in die­sem Fall ein „beschä­men­des Para­de­bei­spiel der Ver­geu­dung von Steu­er­zah­l­er­geld“. Für Weber ist die Sache klar: „Hät­te der Rat der Stadt der Ansied­lung der Aus­län­der­be­hör­de in Müns­ter zuge­stimmt, hät­te das Land Nord­rhein-West­fa­len auf die Flücht­lings­un­ter­kunft in Müns­ter ver­zich­tet“, schreibt er in einer Pres­se­mit­tei­lung.

Wie es wei­ter­geht, ent­schei­det die Land­tags­wahl im Mai. Bleibt die schwarz-gel­be Regie­rung im Amt, wird Müns­ter die Ein­rich­tung bau­en müs­sen. Gewin­nen SPD und Grü­ne die Wahl, hängt es von der SPD ab. Wir haben die Par­tei dazu befragt, aber lei­der kei­ne Ant­wort bekommen.

Am 9. Febru­ar wird es im Rat zunächst um die vier Papie­re der Stadt­ver­wal­tung gehen. Der Flä­chen­nut­zungs­plan muss geän­dert wer­den, auch der Bebau­ungs­plan. Das müss­te auch dann pas­sie­ren, wenn hier am Ende kei­ne Unter­brin­gungs­ein­rich­tung ste­hen soll, son­dern etwas anders. Auch dann könn­te die Stadt das Grund­stück gut gebrau­chen. Als Bau­ge­biet für neue Wohnungen.

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Wir müssen reden

Unge­wohnt nach der ver­gan­ge­nen Woche. Heu­te gar nichts zum Musik-Cam­pus. Aber das wird sich spä­tes­tens zum Wochen­en­de ändern. Am Sonn­tag, 16. Janu­ar, spre­chen wir in unse­rer Rei­he „Wir müs­sen reden“ dar­über. Um 19 Uhr geht es los. Wer die Gäs­te sein wer­den, ver­ra­ten wir Ihnen am Frei­tag. Wenn Sie dabei sein möch­ten, schrei­ben Sie sich den Ter­min am bes­ten schon auf. Alles Wei­te­re zur Ver­an­stal­tung fin­den Sie hier.

In aller Kürze

+++ Auf dem Dom­platz und vor dem Schloss haben ges­tern wie­der eini­ge hun­dert Men­schen gegen die Coro­na-Maß­nah­men pro­tes­tiert. Anten­ne Müns­ter berich­tet dar­über. Wir woll­ten das nicht ver­schwei­gen, aber wir wol­len das auch nicht grö­ßer machen, als es ist. Und nur ein Gedan­ke: Wenn in den Nach­rich­ten im Moment wöchent­lich dar­über berich­tet wird, wie vie­le Men­schen in allen mög­li­chen deut­schen Städ­ten auf die Stra­ße gehen, wie wäre es dann, auch die Men­schen zu erwäh­nen, die sich haben imp­fen las­sen und wei­ter Tag für Tag imp­fen las­sen. Nur zur Erin­ne­rung: Die Impf­quo­te in Müns­ter lag Ende des Jah­res bei über 84 Pro­zent. Auf eine Wei­se ist das ja auch eine Demonstration.

+++ Sie haben ein Kind, das nach den Feri­en die Schu­le wech­selt? Dann machen Sie sich am bes­ten mit den Anmel­de­ter­mi­nen für die wei­ter­füh­ren­den Schu­len ver­traut, die ste­hen näm­lich bald an. Die Stadt hat eine Über­sicht zusam­men­ge­stellt. Dort fin­den Sie auch die städ­ti­sche Daten­bank mit Infor­ma­tio­nen zu den ein­zel­nen Schulen.

Corona-Update

Die aktu­el­le Inzi­denz ken­nen Sie schon. Die übri­gen Zah­len sind wir Ihnen noch schul­dig. Seit ges­tern hat die Stadt 200 Neu­in­fek­tio­nen regis­triert. Damit gel­ten in Müns­ter 2.279 Men­schen als infi­ziert. 34 lie­gen in den Kran­ken­häu­sern, 10 davon auf der Inten­siv­sta­ti­on, 9 wer­den beatmet. Und falls Sie sich für eine ers­te, zwei­te oder drit­te Imp­fung ent­schei­den soll­ten: In der Impf­stel­le am Jovel gibt es vie­le Ter­mi­ne, auch kurz­fris­tig, mel­det die Stadt.

Unbezahlte Werbung

In der Juli­us-Voos-Gas­se 6, zwi­schen Salz­stra­ße und Altem Stein­weg, hat Bar­ba­ra Rosen­gar­ten einen Laden eröff­net, der alles ver­kauft, was man für die nach­hal­ti­ge Kör­per­pfle­ge braucht. Nach­hal­tig soll­te Kör­per­pfle­ge ja ohne­hin sein, also für den Kör­per. Aber die Pro­duk­te bei Bar­ba­ra Green gibt es dazu auch noch in nach­füll­ba­ren Gefä­ßen, mit Mehr­weg- oder Pfand­sys­ten oder Ver­pa­ckun­gen, die wenig Müll ver­ur­sa­chen. Wenn Sie sich das noch nicht vor­stel­len kön­nen, schau­en Sie es sich hier ein­fach an.

Drinnen und Draußen

Was los ist und womit man sich die Zeit ver­trei­ben kann, hat Johan­ne Burk­hardt heu­te her­aus­ge­sucht. Das hier sind ihre Empfehlungen. 

+++ Zuerst bei RUMS gele­sen: Das Thea­ter im Pum­pen­haus wech­selt den Besit­zer. Zuge­ge­ben, die „freund­li­che Über­nah­me“ endet am 29. Janu­ar. Dafür kön­nen Sie ab Frei­tag das Frin­ge-Ensem­ble aus Bonn im Pum­pen­haus sehen. Ins­ge­samt wer­den fünf Stü­cke gezeigt. Los geht es am Frei­tag mit der Pre­mie­re von „Stür­men“. Es geht, nun ja, um die stür­mi­schen Zei­ten, mit denen wir gesell­schaft­lich und per­sön­lich aktu­ell zu kämp­fen haben. Hier kön­nen Sie sich einen Ein­druck von den Gäs­ten aus Bonn ver­schaf­fen, und hier fin­den Sie das gan­ze Programm.

+++ Die Matrix-Tri­lo­gie gehört zu einer mei­ner Lieb­lings­film­rei­hen. Ent­spre­chend skep­tisch, aber auch sehr neu­gie­rig, war ich, als ich letz­tes Jahr von einem vier­ten Teil erfuhr: „Matrix Resur­rec­tions“, was sich etwa mit „Auf­er­ste­hun­gen“ über­set­zen lässt. Spoi­ler Alert, falls Sie die drei Fil­me nicht gese­hen haben: Die Hel­den ster­ben am Ende. Kann das gut wer­den? Ges­tern habe ich mei­ne Skep­sis über­wun­den und, las­sen Sie es mich so aus­drü­cken: Es lohnt sich… aber. Wenn Sie genau wis­sen möch­ten, was ich damit mei­ne, kön­nen Sie hier eine, wie ich fin­de, tref­fen­de Rezen­si­on lesen. Wenn Sie ein­fach nur neu­gie­rig sind und Neo und Tri­ni­ty ver­mis­sen: Hier fin­den Sie einen Trai­ler und die Vor­führ­zei­ten im Cineplex.

Am Frei­tag schi­cken wir Ihnen den ers­ten RUMS-Brief von Ali­na Köl­ler. Ein span­nen­des The­ma. Freu­en Sie sich drauf. Und haben Sie eine gute Woche. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burkhardt


PS

Stel­len Sie sich eine schlech­te Idee vor, und ich erzäh­le Ihnen eine noch schlech­te­re. Die hat­te näm­lich am Sonn­tag­mor­gen ein Rechts­an­walt aus Müns­ter gegen kurz nach acht auf dem Weg zur Poli­zei­wa­che am Frie­sen­ring. Er woll­te dort einen Man­dan­ten tref­fen, der fest­ge­nom­men wor­den war. Doch der Mann war schon wie­der gegan­gen. Das war also schon mal schief­ge­lau­fen. Und als wäre das nicht genug, hin­ter­ließ der Anwalt auch noch einen schlech­ten Ein­druck, denn er hat­te eine Fah­ne. Als er kurz dar­auf in sein Auto stieg und davon­fuhr, fuhr eine Strei­fe hin­ter­her. Um es kurz zu machen: frei­wil­li­ger Alko­hol­test. Ergeb­nis: 0,84 Pro­mil­le. Sei­nen Füh­rer­schein muss­te der Mann trotz­dem nicht abge­ben. Das könn­te für den Mann ein Hap­py­end sein, ist es aber lei­der nicht, denn der Anwalt muss­te zuge­ben, dass er gar kei­nen mehr besitzt. Wie der Tag für den Mann wei­ter­ging, wol­len wir lie­ber nicht wis­sen. Wie das Jahr für ihn wei­ter­ge­hen wird, das schreibt die Poli­zei, näm­lich mit einem Strafverfahren. 

PPS

Zum Schluss noch zwei Auf­ru­fe: Die Bahn­hofs­mis­si­on sucht drin­gend war­me Män­ner­klei­dung. Und der Kata­stro­phen­for­scher Hen­ning Goe­rsch sucht für ein Pro­jekt, in dem es um die Vor­sor­ge von Men­schen für Kata­stro­phen geht, abge­lau­fe­ne Lebens­mit­tel, und zwar mög­lichst lang abge­lau­fe­ne. Schau­en Sie doch mal in den Kühl­schrank oder die Tief­kühl­tru­he. Viel­leicht fin­den Sie dabei ja auch einen sehr guten alten Wein. Dann hät­te sich die Suche ja für Sie bei­de gelohnt. Hen­ning Goe­rsch errei­chen Sie per E-Mail.