Gasometer neu programmiert | Musik-Campus in der Warteschleife | Herr Többen

Müns­ter, 18. Janu­ar 2022

Guten Tag,

die Stadt­wer­ke haben einen Vor­schlag dazu gemacht, wie es am Gaso­me­ter wei­ter­ge­hen könn­te. Der Ver­ein Sozi­al­pa­last wür­de das Gelän­de ger­ne wei­ter­hin mie­ten, um dort einen Ort für Kunst, Kul­tur und Begeg­nun­gen zu eta­blie­ren. Dar­über hat­ten wir im RUMS-Brief berich­tet. Die Stadt­wer­ke bie­ten an: Miet­ver­trag bis Ende März, mit Aus­sicht auf Ver­län­ge­rung, so erklär­te es uns ges­tern ein Stadt­wer­ke-Spre­cher. Das ist nicht ganz das, was der Ver­ein und das Kol­lek­tiv „Gazo bleibt!“ sich vor­stel­len. Sie wür­den ger­ne län­ger blei­ben, min­des­tens für ein Jahr, um wäh­rend­des­sen ein Kon­zept für die Zeit danach vor­be­rei­ten zu kön­nen. Man wird sich noch eini­gen müs­sen. Unter­schrie­ben sei noch nichts, teil­te der Ver­ein ges­tern knapp mit.

Par­al­lel dazu hat die Stadt­ver­wal­tung ein Papier ver­öf­fent­licht, aus dem her­vor­geht, wie die Stadt­wer­ke sich die Zukunft des Ortes vor­stel­len. Sie wür­den das Gelän­de am liebs­ten ver­kau­fen, aber im Moment könn­te man mit dem Grund­stück so gut wie nichts anfan­gen. Der Gaso­me­ter und das Pum­pen­haus ste­hen unter Denk­mal­schutz. Und der Bebau­ungs­plan steht im Weg. Er müss­te geän­dert wer­den. Das soll in der Rats­sit­zung am 9. Febru­ar passieren.

Die Stadt sieht hier die Chan­ce – die For­mu­lie­rung ist sehr schön –, „das Gelän­de mit einer Mischung aus Büro, Kul­tur, Hotel und Gas­tro­no­mie neu zu pro­gram­mie­ren“. Aber es gibt auch schon Kri­tik an der Pro­gram­mier­spra­che. Edo Schmidt schreibt bei Twit­ter in einer Ant­wort auf einen Arti­kel der West­fä­li­schen Nach­rich­ten: „Ent­schul­di­gen Sie bit­te mei­ne har­ten Wor­te, aber mich nervt es echt, wenn jeder frei gewor­de­ne Raum in die­ser Stadt mit den wie­der­keh­ren­den ‚Ange­bo­ten‘ für das ewig glei­che, bür­ger­li­che Kli­en­tel ver­ein­heit­licht wird.“

Die Ant­wort auf die Fra­ge, war­um das so oft pas­siert, lässt sich schnell geben. Sie lau­tet grob umschrie­ben: Geld.

Klaus Bau­meis­ter kri­ti­siert in sei­nem Arti­kel, auf den sich die Ant­wort bezieht, dass die Stadt, in etwas ande­ren Wor­ten, plant wie ein Welt­meis­ter, aber dann baut wie Armi­nia Bie­le­feld Punk­te sam­melt, näm­lich sehr lang­sam. Die Stadt berei­te seit drei Jah­ren den neu­en Bebau­ungs­plan für den Hafen­markt vor, und noch sei gar nicht klar, ob sich für den Bau am Ende über­haupt eine Mehr­heit fin­de. An den Osmo-Hal­len ein paar Meter wei­ter pas­sie­re seit zehn Jah­ren nichts, an der Nie­ber­ding­stra­ße und der Theo­dor-Schei­we-Stra­ße wür­de die Stadt gern pla­nen, besitzt aber teil­wei­se noch nicht mal die Grundstücke.

Eine politische Absichtserklärung

Also, was macht man, wenn noch nicht abseh­bar ist, dass es bald los­geht, es aber schon so aus­se­hen soll, als wenn die Leu­te mit der Schip­pe bereit­ste­hen? Man stellt ein paar Mil­lio­nen in den Haus­halt, wie es in der Ver­gan­gen­heit oft gemacht wur­de. Die soge­nann­ten Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen dort tür­men sich auf mitt­ler­wei­le knapp eine Mil­li­ar­de Euro. Das ist kein Geld, das die Stadt zurück­ge­legt hat. Dann wäre es eine Rück­la­ge, und der Betrag wäre sofort ver­füg­bar. Im Prin­zip ist es nur eine poli­ti­sche Absichts­er­klä­rung. Die Koali­ti­on aus Grü­nen, SPD und Volt hat im Dezem­ber ange­kün­digt, das in Zukunft anders zu machen, Inves­ti­tio­nen rea­lis­ti­scher abzu­bil­den und auf sol­che Luft­bu­chun­gen zu ver­zich­ten. Die Fra­ge ist, ob sie sich beim Musik-Cam­pus dar­an hält.

Für den Cam­pus ste­hen bis­her über 45 Mil­lio­nen Euro im Haus­halt. Das wird aber lan­ge nicht aus­rei­chen. Nach den aktu­el­len Plä­nen, über die wir am 7. Janu­ar im RUMS-Brief berich­tet haben, wür­de das Pro­jekt die Stadt über 100 Mil­lio­nen Euro kos­ten. 70 Mil­lio­nen Euro davon nimmt der Teil der Gebäu­de in Anspruch, den die Stadt nut­zen wird. 30 Mil­lio­nen Euro kos­tet die Stadt der gemein­schaft­li­che Teil, also vor allem der Kon­zert- und Kongress-Saal.

Die 30 Mil­lio­nen Euro will die Stadt aus Spen­den und För­der­gel­dern zusam­men­krat­zen. Die 70 Mil­lio­nen will sie selbst auf­brin­gen. Weil im Haus­halt erst 45 Mil­lio­nen ste­hen, feh­len noch 25 Mil­lio­nen (eigent­lich 24,6 Mil­lio­nen, aber weil die Zah­len eh nur geschätzt sind, habe ich der Ein­fach­heit hal­ber gerundet). 

Die Stadt­ver­wal­tung schlägt vor, das Geld nun wie gewohnt in den Haus­halt zu pro­gram­mie­ren (das Wort passt ein­fach über­all). Nötig wäre das nicht, denn das Geld wird noch gar nicht gebraucht. Es wäre mög­lich, anders vor­zu­ge­hen. Jemand aus den Krei­sen der Rats­par­tei­en sag­te uns: „Vor 2015 hat man für gewünsch­te Pro­jek­te meist die Pla­nungs­kos­ten ein­ge­stellt, nicht die kom­plet­te Investitionssumme.“

Ein ande­rer Kri­ti­ker hält den gesam­ten Grund­satz­be­schluss zum Musik-Cam­pus für über­flüs­sig. Neu in dem Papier der Stadt sei eigent­lich nur, dass die abge­speck­te Cam­pus-Vari­an­te mit klei­ne­ren Räu­men etwas güns­ti­ger sei. Das Argu­ment, das Land brau­che so einen Beschluss, um Geld zusa­gen zu kön­nen, hält der Kri­ti­ker für vor­ge­scho­ben. Wenn eine Stadt 45 Mil­lio­nen Euro in den Haus­halt stel­le, dann kön­ne man schon davon aus­ge­hen, dass sie es mit ihren Plä­nen ernst meint, sagt er. Aber war­um dann die­ses Papier? Es sol­le die übri­gen noch infra­ge kom­men­den Stand­or­te aus dem Ren­nen neh­men, sagt der Kri­ti­ker. Die Fra­ge, wo der Cam­pus gebaut wer­den soll, war im ers­ten noch recht vagen Beschluss im Okto­ber 2019 offen geblieben. 

Es geht um Vermutungen

Viel wich­ti­ger als die Stand­ort­ent­schei­dung ist aber die Fra­ge, wo die feh­len­den 30 Mil­lio­nen für den Kon­zert- und Kon­gress-Saal her­kom­men sol­len. Aus För­der­gel­dern und Pri­vat­spen­den. Das ist bekannt. Aber was bedeu­tet das?

Im Beschluss­pa­pier steht eine lose Zusam­men­stel­lung der För­der­pro­gram­me, die infra­ge kom­men könn­ten. Teil­wei­se geht es hier ein­fach um Ver­mu­tun­gen. An einer Stel­le heißt es: „Auf EU-Ebe­ne bestehen (…) schwer ein­schätz­ba­re För­der­mög­lich­kei­ten.“ Eines der mög­li­chen Pro­gram­me befin­de sich noch in der Abstim­mung, ein ande­res sei „eben­falls rele­vant (…) im Hin­blick auf die För­de­rung indi­vi­du­el­ler Wett­be­werbs­fä­hig­keit von Städ­ten“. Das ist eine sehr wack­li­ge Basis, um Finan­zie­rungs­chan­cen abzuschätzen.

Aber da sind ja auch noch die Pri­vat­spen­den. Hier ist das Haupt­pro­blem bis­lang: Es gibt noch kei­ne. Oder falls Zusa­gen vor­lie­gen, sind sie noch nicht bekannt. 

An wie viel Geld die Stadt auf die­sem Weg kom­men kann, ist schwer abzu­schät­zen. Im Jahr 2007 gelang es der Stif­tung, die auf dem Schloss­platz eine Musik­hal­le finan­zie­ren woll­te, zehn Mil­lio­nen Euro ein­zu­wer­ben. Geplant waren 18 Millionen. 

Die Ein­schät­zun­gen dar­über, wie gut die Chan­cen heu­te ste­hen, fal­len sehr unter­schied­lich aus. Die Stadt­ver­wal­tung hält es „vor dem Hin­ter­grund des hohen Enga­ge­ments der Stadt­ge­sell­schaft“ für „sehr wahr­schein­lich“, dass man das Geld irgend­wie zusam­men­be­kommt. Ein Kri­ti­ker des Pro­jekts schätzt die Aus­sich­ten sehr viel schlech­ter ein als vor 15 Jah­ren. Damals sei es schließ­lich um ein Kon­zert­haus gegan­gen, heu­te spre­che man über einen Saal, in dem auch Kon­gres­se statt­fin­den sol­len, sagt er. Das dämp­fe die Begeis­te­rung der musik­in­ter­es­sier­ten Men­schen mit Geld in der Stadt schon erheb­lich. Was davon stimmt nun?

Je künstlerisch anspruchsvoller, desto teurer

Es sind vie­le grund­sätz­li­che Fra­gen offen. Eini­ge haben gro­ßen Ein­fluss dar­auf, wie teu­er der Cam­pus wer­den wird. Eine davon ist die nach dem Betrei­ber­mo­dell. Wie wird es aus­se­hen? Wird es ein­fach eine Geschäfts­füh­rung geben? Ein Kura­to­ri­um? Oder eine Intendanz?

Einer­seits soll der Cam­pus mög­lichst wenig kos­ten. Die Räu­me hat man schon ver­klei­nert. Ande­rer­seits spricht man von einem „Jahr­hun­dert­pro­jekt“ und von einem Modell, das „deutsch­land­weit ein­ma­lig“ sei. Passt das zusam­men? Das Maga­zin „Müns­ter Urban“ schrieb im Jahr 2017 zur Fra­ge „Inten­danz oder Haus­meis­ter?“: „Ein Inten­dant schärft mit vol­lem Appa­rat das Pro­fil durch ein ambi­tio­nier­tes Pro­gramm. Das macht dann das Haus im bes­ten Fall zu einem über­re­gio­nal wirk­sa­men Magne­ten. Je künst­le­risch anspruchs­vol­ler, des­to teu­rer ist die­ses heh­re Ziel.“

Auf die Fra­ge, was den Musik-Cam­pus so ein­ma­lig machen wer­de, sag­te Ste­phan Fro­leyks, der Dekan der Musik­hoch­schu­le Müns­ter, am Sonn­tag­abend in unse­rer RUMS-Dis­kus­si­on: „Ich glau­be, das wird stark mit dem Kon­zertan­ge­bot zusam­men­hän­gen.“ Vie­le Men­schen aus Müns­ter füh­ren zu Kon­zer­ten in ande­re Gegen­den Nord­rhein-West­fa­lens. „Die begrün­de­te Hoff­nung ist, dass das in Zukunft auch in die ande­re Rich­tung funk­tio­nie­ren wird“, sag­te Froleyks.

Aber war­um gibt es noch kein Betrei­ber­mo­dell? Die Pla­nun­gen lau­fen doch schon seit über fünf Jah­ren. Friedrun Voll­mer, Lei­te­rin der West­fä­li­schen Schu­le für Musik, sag­te am Sonn­tag­abend: „Dafür schon jetzt eine Ant­wort vor­zu­ge­ben, das wür­de genau in die Ker­be hau­en, für die wir bis­her kri­ti­siert wer­den: dass zu viel von städ­ti­scher Sei­te vor­ge­ge­ben wur­de, ohne in den Dia­log zu gehen.” 

Die freie Szene fehlt

Die­se Kri­tik kam anfangs unter ande­rem aus der frei­en Kul­tur­sze­ne. Die Stadt hat­te erst mun­ter drauf­los geplant und die frei­en Kul­tur­schaf­fen­den erst spä­ter dazu geholt. Es sah ein biss­chen so aus, als hät­te man die Sze­ne nicht aus Über­zeu­gung gefragt, son­dern weil man merk­te, dass es ein Risi­ko sein könn­te, das Pro­jekt gegen sie durch­zu­set­zen. Die­ses Gefühl hat­ten anfangs auch vie­le Men­schen aus der Sze­ne. Sie lehn­ten den Musik-Cam­pus ab. 

Inzwi­schen ist das etwas anders. Die Mei­nun­gen zum Cam­pus gehen zwar noch immer aus­ein­an­der. Doch es gibt unter den frei­en Kul­tur­schaf­fen­den eine Grup­pe, die das Pro­jekt unter­stützt. Nur mit der ihr zuge­dach­ten Rol­le ist die freie Sze­ne noch nicht zufrie­den. Auf der Cam­pus-Web­site heißt es wei­ter­hin: „Die drei Part­ner“. Das sind die städ­ti­sche Musik­schu­le, die Hoch­schu­le für Musik und das Sin­fo­nie­or­ches­ter. Die freie Sze­ne fehlt.

Die Dar­stel­lung sei nicht mehr ganz aktu­ell, sag­te Friedrun Voll­mer am Sonn­tag. Aber eine fes­te Zusa­ge über die genaue Rol­le hat der Ver­ein Mono­kul­tur noch nicht Er ver­tritt die Inter­es­sen der frei­en Kul­tur­sze­ne. Erhard Hirt, Musi­ker und für den Ver­ein am Sonn­tag­abend zu Gast in unse­rer Run­de, sag­te, er fin­de die öffent­li­che Dar­stel­lung des Pro­jekts „unter­ir­disch“. Es sei auch ins­ge­samt ein lan­ger Weg gewe­sen. Man habe zwar von Beginn an sehr kol­le­gi­al zusam­men­ge­ar­bei­tet, aber „es hat ganz schön lan­ge gedau­ert, bis wir da ins Gespräch kamen“, sag­te Hirt. Inzwi­schen sieht er Ver­bes­se­run­gen, aber auch noch vie­le offe­ne Fragen.

Wird die freie Sze­ne zum Bei­spiel auch einen Platz in der Füh­rungs­rie­ge bekom­men, wenn das Betrei­ber­mo­dell fest­steht? Dar­über wird man noch spre­chen müs­sen. Aber zuerst braucht es ein Betreibermodell.

Wie geht es nun wei­ter? In der Bezirks­ver­tre­tung Mit­te stand das The­ma heu­te Abend auf der Tages­ord­nung. Dort hat man es ver­tagt. Und mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit wird das auch am 9.Februar im Rat pas­sie­ren. Die­se Ein­schät­zung tei­len meh­re­re Per­so­nen aus dem Umfeld der Koalition. 

Ein bisschen Ja

Die nächs­te Rats­sit­zung ist für April ange­setzt. Fällt eine Ent­schei­dung erst dann, wird aus dem Bekennt­nis der Lan­des­re­gie­rung zum Musik-Cam­pus vor der Land­tags­wahl im Mai wohl nichts mehr. Der Ober­bür­ger­meis­ter wür­de sich ein sol­ches Bekennt­nis in Form eines Grund­satz­be­schlus­ses im Land­tag wün­schen. Aller­dings stellt sich die Fra­ge, was so ein Beschluss wert wäre. Wür­de eine neue Lan­des­re­gie­rung sich dar­an gebun­den füh­len? Oder ent­stün­de der Ein­druck, die alte Regie­rung habe noch schnell die Mög­lich­keit genutzt, in die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode hin­ein­zu­re­gie­ren? Das könn­te die Chan­cen auf eine Unter­stüt­zung aus Düs­sel­dorf sogar schmälern. 

In Müns­ter domi­niert der Musik-Cam­pus zur­zeit die poli­ti­sche Dis­kus­si­on. Es geht um gro­ße Fra­gen und schein­bar klei­ne Din­ge, die eine grö­ße­re Bedeu­tung bekom­men könn­ten, zum Bei­spiel das Bio­top auf dem Gelän­de an der Hit­torf­stra­ße. Der zen­tra­le Punkt aber ist die unkla­re Finan­zie­rung. An ihr könn­te letzt­lich alles schei­tern. Auch bis April wer­den die offe­nen Fra­gen nicht beant­wor­tet sein. Sagt der Rat dann Nein, wäre das eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung für das Aus. Leich­ter wäre es, ein biss­chen Ja zu sagen. 

Nur wie könn­te das gehen? Eine mög­li­che Ant­wort steht im letz­ten Satz von Punkt 7 der Beschluss­vor­la­ge. Dort schlägt die Ver­wal­tung eine Klau­sel vor. Der 30-Mil­lio­nen-Euro-Anteil der Stadt am Kon­zert- und Kon­gress-Saal aus Spen­den und För­der­geld soll erst dann in den Haus­halt geschrie­ben wer­den, wenn das Geld auch wirk­lich da ist. Eine Idee, die am Diens­tag zu hören war, lau­tet: Bis der vol­le Betrag oder zumin­dest ein Teil des Gel­des zusam­men ist, könn­te der Rat auch mit sei­nem end­gül­ti­gen Ja zum Grund­satz­be­schluss war­ten. Dann blie­be jetzt erst mal Zeit, um Geld zu sammeln. 

Sie möchten dieses Thema mit anderen Leser:innen diskutieren oder uns Hinweise geben?

Nut­zen Sie ein­fach unse­re Kom­men­tar­funk­ti­on unter­halb die­ses Textes.
Wenn Sie den Brief gera­de als E-Mail lesen, kli­cken Sie auf den fol­gen­den Link, um den Text auf unse­rer Web­site aufzurufen:

› die­sen Brief kommentieren

Schon wieder neue Regeln

Seit Sonn­tag gel­ten in Nord­rhein-West­fa­len neue Coro­na-Regeln. Etwas ärger­lich ist das für die 11.300 Men­schen in Müns­ter, die sich im ver­gan­ge­nen Jahr dar­über gefreut haben, eine Johnson-&-Johnson-Impfung zu bekom­men und mit der zwei­ten Dosis schon alles erle­digt zu haben (wie ich zum Bei­spiel). Vol­ler Impf­schutz, Boos­ter-Sta­tus. Aber das ist jetzt vorbei.

Um als geboos­tert zu gel­ten und damit nicht stän­dig neue Schnell­tests vor­le­gen zu müs­sen, sind jetzt unab­hän­gig vom Impf­stoff drei Sprit­zen nötig.

Die zwei­te Imp­fung befreit nur noch dann von der Test­pflicht, wenn sie min­des­tens 14 Tage zurück­liegt und maxi­mal 90 Tage alt ist. Etwas kom­pli­ziert, aber wir haben uns ja mitt­ler­wei­le dran gewöhnt. Das krie­gen wir auch noch in den Kopf.

Außer­dem gilt nun:

  • Selbst infi­ziert: Wenn Sie ein posi­ti­ves Test­ergeb­nis haben, müs­sen Sie sich zehn Tage lang in die Iso­la­ti­on bege­ben (ab dem ers­ten Sym­ptom oder dem posi­ti­ven Ergeb­nis). Sind Sie 48 Stun­den sym­ptom­frei, kön­nen Sie die Iso­la­ti­on auf sie­ben Tage beschrän­ken. Dazu brau­chen Sie einen offi­zi­el­len Schnell­test oder ein PCR-Test-Ergeb­nis. Kita- und Schul­kin­der kön­nen die Qua­ran­tä­ne sogar auf fünf Tage verkürzen.
  • In einem Haus­halt: Leben Sie mit einer infi­zier­ten Per­son in einer Woh­nung, müs­sen Sie eben­falls in Qua­ran­tä­ne. Auch sie lässt sich auf sie­ben Tage redu­zie­ren, wenn die Sym­pto­me zwei Tage lang ver­schwun­den sind. 
  • Tref­fen: Waren Sie mit einer infi­zier­ten Per­son in einer Knei­pe, beim Sport oder haben Sie sich ein­fach getrof­fen, müs­sen Sie nicht auto­ma­tisch in Qua­ran­tä­ne, son­dern nur, wenn das Gesund­heits­amt es anordnet.

Nicht in Qua­ran­tä­ne müs­sen Men­schen, die eine Auf­fri­schungs­imp­fung bekom­men haben oder geimpft und gene­sen sind, sowie Men­schen mit zwei Imp­fun­gen (ab dem 15. Tag nach der Sprit­ze bis zum 90. Tag) und Gene­se­ne ohne Imp­fung (ab dem 28. Tag nach dem posi­ti­ven Test bis zum 90. Tag).

In aller Kürze

+++ Simo­ne Wend­land ist neue CDU-Che­fin in Müns­ter. Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te gewann die Wahl gegen Mar­kus Johow, der erst kurz vor­her ange­tre­ten war und immer­hin knapp 42 Pro­zent der Stim­men hol­te, Wend­land erreich­te, wir rech­nen kurz nach, 58 Pro­zent. Sie über­nimmt das Amt von Hen­drik Grau. Er war nach zwei Jah­ren nicht mehr angetreten.

Korrekturen und Ergänzungen

+++ In der RUMS-Kolum­ne am Sonn­tag war ein klei­ner Feh­ler. Wir hat­ten geschrie­ben, das Schelf­eis des Thwai­tes-Glet­schers sei ark­tisch. Ein auf­merk­sa­mer Leser wies uns dar­auf hin, dass es hier hei­ßen muss: ant­ark­tisch. Wir haben das korrigiert.

+++ Wir hat­ten am Frei­tag bei der Stadt nach­ge­fragt, wie vie­le Kin­der und Jugend­li­che in Müns­ters Schu­len in der ers­ten Schul­wo­che posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet wor­den sind. Die Stadt teilt mit, dass fünf Fäl­le gefun­den wur­den. Genau­er kön­ne uns das aber die Bezirks­re­gie­rung sagen, weil die Schu­len die Coro­na­fäl­le dort mel­den müs­sen. Die Bezirks­re­gie­rung hat uns Zah­len gege­ben, aller­dings kei­ne aktu­el­len. Das liegt am Mel­de­ver­fah­ren: Die Infor­ma­tio­nen zu Coro­na- und Qua­ran­tä­ne­fäl­len an den Schu­len wer­den zen­tral im Schul­mi­nis­te­ri­um in Düs­sel­dorf gesam­melt. Das Minis­te­ri­um schickt der Bezirks­re­gie­rung mon­tags eine Über­sicht der Daten für die Krei­se und kreis­frei­en Städ­te. Die­se Daten wur­den jeweils am Mitt­woch der Vor­wo­che gesam­melt und anschlie­ßend aus­ge­wer­tet. Eine tages­ak­tu­el­le Über­sicht kön­ne man nicht lie­fern, sag­te die Bezirks­re­gie­rung. Das sei eine rie­si­ge Excel-Tabel­le. Des­halb wür­den die Zah­len wöchent­lich aus­ge­wer­tet und die Ent­wick­lung von Woche zu Woche beobachtet.

Nun die Zah­len, die wir bekom­men haben, mit Stand 11. Janu­ar (also zwei Tage nach Schul­be­ginn): 491 Kin­der und Jugend­li­che konn­ten pan­de­mie­be­dingt nicht am Unter­richt teil­neh­men, so sag­te es uns die Bezirks­re­gie­rung. 270 von ihnen hat­ten einen posi­ti­ven Coro­na­test. Die übri­gen 221 sind als Kon­takt­per­so­nen in Quarantäne.

Es dürf­te hier auch noch eine Dun­kel­zif­fer geben. Die Bezirks­re­gie­rung hat­te Rück­mel­dun­gen zu 43.500 Kin­dern und Jugend­li­chen bekom­men (ers­tes Schul­jahr bis Abitur­jahr­gang und Berufs­kol­leg). Ins­ge­samt gehen laut städ­ti­scher Schul­sta­tis­tik in Müns­ter 50.661 Kin­der und Jugend­li­che zur Schu­le. Die Dif­fe­renz kom­me zustan­de, weil eini­ge Schu­len ihre Zah­len nicht recht­zei­tig gemel­det haben, so die Bezirksregierung.

Wir wer­den die Zah­len zu den Schu­len ab jetzt wöchent­lich bei der Bezirks­re­gie­rung erfra­gen und sie hier im RUMS-Brief im Coro­na-Update ergänzen.

Engagement in Münster: Unsere Interviews aus der RUMS-Hütte zum Nachlesen

Im Rah­men unse­rer Mar­ke­ting­ak­tio­nen auf dem X-MS-Markt in Müns­ter haben wir Men­schen vor­ge­stellt, die sich in der Stadt enga­gie­ren. Lei­der konn­ten wir die­se Gesprä­che wegen der Coro­­na-Beschrän­­kun­­­gen nicht vor Publi­kum füh­ren. Aber wir haben sie für Sie auf­ge­nom­men und ver­öf­fent­li­chen sie nun nach und nach in gekürz­ter Ver­si­on als schrift­li­che Inter­views.
Zwei die­ser Inter­views (#1: Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe und #2: Müns­­ter-Tafel) hat­ten wir Ihnen schon in die Weih­nachts­fe­ri­en mit­ge­ge­ben. Und heu­te haben wir das nächs­te für Sie parat. In unse­rem drit­ten Inter­view hat unse­re Mit­ar­bei­te­rin Ann-Mar­­len Hoolt mit Her­mann Holz­ap­fel und Wal­traud Gel­be von Anti Rost Müns­ter dar­über gespro­chen, wie sie älte­ren Men­schen bei klei­nen Repa­ra­tur­ar­bei­ten im Haus­halt hel­fen und dar­über, war­um ihre Arbeit so wich­tig für die­se Men­schen ist. Das Inter­view fin­den Sie hier. Die ande­ren Gesprä­che wer­den wir nach und nach auf­be­rei­ten und ver­öf­fent­li­chen. Wir ver­lin­ken sie dann wie­der an die­ser Stel­le für Sie.

Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men. Micha­el Wei­se hat uns geschrie­ben. Zum Musik-Cam­pus. Er hält den Bau für über­flüs­sig, weil er fin­det: An ande­ren Stel­len in der Stadt gäbe es genug zu tun. Hier geht’s zu sei­nem Bei­trag.

Corona-Update

Zum aktu­el­len Was­ser­stand: in etwa Hals­hö­he. Die Inzi­denz in Müns­ter bewegt sich irgend­wo da oben bei 562 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche). Die Stadt mel­det zwei wei­te­re Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit einer Coro­na-Infek­ti­on, eine 90-jäh­ri­ge Frau und ein 92-jäh­ri­ger Mann sind gestor­ben, bei­de hat­ten Vor­er­kran­kun­gen. Aktu­ell gel­ten in Müns­ter 3.342 Men­schen als infi­ziert. Und wenn man die Inzi­denz-Wer­te in Nord­rhein-West­fa­len nach Alters­klas­sen sor­tiert, ergibt sich ein noch etwas kla­re­res Bild. Bei den 5- bis 9-Jäh­ri­gen liegt die Inzi­denz laut Robert-Koch-Insti­tut (Stand heu­te) lan­des­weit bei 1.180, bei den 10- bis 14-Jäh­ri­gen bei 1.028, bei der 15- bis 19-Jäh­ri­gen bei 1.113. Zum Ver­gleich: Die Inzi­denz in der Alters­grup­pe der Men­schen zwi­schen 65 bis 69 Jah­ren beträgt 168. Die Ursa­che für die hohen Zah­len bei Kin­dern ist laut Stadt ver­mut­lich die gerin­ge Impf­quo­te. Sie liegt bei den 5- bis 11-Jäh­ri­gen bei knapp über 42 Pro­zent (Erst­imp­fun­gen) bezie­hungs­wei­se knapp 14 Pro­zent (Zweit­imp­fun­gen). Bei den 12- bis 17-Jäh­ri­gen sieht es etwas bes­ser aus. Knapp über 83 Pro­zent sind voll­stän­dig geimpft, knapp 27 Pro­zent geboos­tert. Die über 60-Jäh­ri­gen in Müns­ter haben zu fast 100 Pro­zent zwei Imp­fun­gen erhal­ten. Von ihnen sind knapp 87 Pro­zent geboostert. 

Unbezahlte Werbung

An der Ham­mer Stra­ße 100 hat am Sams­tag ein Geschäft eröff­net, des­sen Name Ihnen viel­leicht bekannt vor­kommt, wenn Sie die Stra­ße schon mal ent­lang gefah­ren sind. Es heißt Herr Töb­ben. Genau, Herr Töb­ben wie Frau Töb­ben. Andrea Töb­ben ver­kauft in ihrem Geschäft, das eben die­sen Namen trägt, 45 Haus­num­mern in Rich­tung Innen­stadt, an der Ham­mer Stra­ße 55, seit zwölf Jah­ren grü­ne, fai­re und nach­hal­ti­ge Mode. Bis­lang gab es dort Klei­dung für Män­ner und Frau­en. Das wird jetzt ein­fa­cher: Män­ner fin­den ab so sofort alles, was sie brau­chen, bei Herr Töb­ben. Und jetzt wird’s kom­pli­ziert: Wer sich vor­her bei Frau Töb­ben einen Cou­pon abholt, kauft bei Herr Töb­ben in den ers­ten Tagen zehn Pro­zent güns­ti­ger ein. 

Drinnen und Draußen

Die Ver­an­stal­tungs­ka­len­der geben lei­der nicht viel her in die­ser Woche. Aber Johan­ne Burk­hardt hat trotz­dem zwei Tipps für Sie: 

+++ Wir haben es letz­ten Sonn­tag vor­ge­macht: Die Zeit von Online-Ver­an­stal­tun­gen geht wie­der los, und ich möch­te Ihnen gleich die nächs­te emp­feh­len. Die­ses Mal haben wir nichts damit zu tun. Am Don­ners­tag­abend ist Micha­el Hoch­ge­schwen­der von der Uni Mün­chen in der digi­ta­len Volks­hoch­schu­le zu Gast. Er spricht über das Ver­hält­nis von Staat und Kir­che in den USA. Los geht’s um 19:30 Uhr. Hier kön­nen Sie sich kos­ten­los anmel­den. Oder Sie neh­men ein­fach direkt die­sen Zoom-Link.

+++ Ich bin schon seit schön­schlau ein Fan von der Che­mi­ke­rin und Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin Mai Thi Nguy­en-Kim. In ihrem Buch Die kleins­te gemein­sa­me Wirk­lich­keit deckt sie nicht nur öffent­li­che Miss­ver­ständ­nis­se und Streit­fra­gen der Wis­sen­schaft auf, son­dern gibt auch einen Crash­kurs in Wis­sen­schafts­sprech: Was war noch­mal der Unter­schied zwi­schen Kor­re­la­ti­on und Kau­sa­li­tät? Was sagen sta­tis­ti­sche Signi­fi­kanz und Effekt­stär­ke eigent­lich aus? Las­sen Sie sich nicht abschre­cken, Nguy­en-Kim schafft die­se Über­set­zung mit einer Leich­tig­keit, die vor allem beim Zuhö­ren Spaß macht: Das Buch gibt es näm­lich auch als Hör­buch (zum Bei­spiel bei Spo­ti­fy oder über­all dort, wo es Hör­bü­cher gibt), gele­sen von der Autorin höchstpersönlich.

Am Frei­tag kommt wie­der Post von uns. Haben Sie bis dahin eine gute Woche. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burk­hardt, Con­stan­ze Busch


PS

Im zwei­ten Coro­na-Win­ter müs­sen vie­le Schul­klas­sen noch immer ohne Luft­fil­ter aus­kom­men. Geld wäre da, aber das Land Nord­rhein-West­fa­len för­dert die Fil­ter nur, wenn die Klas­sen­räu­me nicht gelüf­tet wer­den kön­nen. Und irgend­ein Fens­ter lässt sich dann ja doch meis­tens öff­nen. Das bedeu­tet zur­zeit, es ist kalt in der Schu­le. Eine Mut­ter, deren Kin­der in Müns­ter auf eine Grund­schu­le und ein Gym­na­si­um gehen, schreibt uns, sie habe ihren Kin­dern für den Klas­sen­raum statt Haus­schu­hen Win­ter­stie­fel gekauft. „Ich fin­de es irr­wit­zig, wie warm man die Kin­der für den Unter­richt anzie­hen muss“, schreibt sie. Das fin­den auch zwei Eltern­ver­bän­de. Sie kri­ti­sie­ren, dass das Land im Kampf gegen Coro­na noch immer auf offe­ne Fens­ter setzt. Dar­auf auf­merk­sam machen wol­len sie mit einem Wett­be­werb. Sie suchen die käl­tes­te Klas­se in Nord­rhein-West­fa­len. Durch die Akti­on ist die Stim­mung zunächst aller­dings noch etwas eisi­ger gewor­den. Die Schul­po­li­ti­ke­rin Fran­zis­ka Mül­ler-Rech hält den Wett­be­werb für eine „maka­bre Akti­on“. Wenn man rich­tig lüf­te, hel­fe das natür­lich gegen Coro­na, und es wer­de auch nicht kalt, schreibt sie. Fran­zis­ka Mül­ler-Rech sitzt für die FDP im Land­tag. Das ist die Par­tei, die auch das Schul­mi­nis­te­ri­um stellt. Und das wie­der­um hat nicht nur Ärger mit den Eltern, son­dern auch mit den Lehr­kräf­ten. Die kri­ti­sie­ren, dass es zum Prä­senz­un­ter­richt kei­nen Plan B gebe. Denn nicht nur die Fens­ter sol­len offen blei­ben, son­dern auch die Schu­len. Und damit blei­ben es auch vie­le Fra­gen. Die­se Fra­gen kön­nen Sie der Schul­mi­nis­te­rin jetzt stel­len, über die­ses For­mu­lar bei Anten­ne Müns­ter. Und immer­hin das ist doch, na ja, ganz cool.