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Müns­ter, 25. Janu­ar 2022

Guten Tag,

als die Stadt­ver­wal­tung im Novem­ber 2017 den gro­ßen Plan für Müns­ters Ver­kehrs­sys­tem vor­be­rei­te­te, den Mas­ter­plan Mobi­li­tät Müns­ter 2035+, schätz­te sie, das Gan­ze wer­de unge­fähr vier Jah­re dau­ern. Vier Jah­re und zwei Mona­te spä­ter ist nun immer­hin schon ein ers­ter Zwi­schen­be­richt erschie­nen. Dass es so lan­ge dau­er­te, lag zum einen dar­an, dass die Zusam­men­ar­beit mit dem beauf­trag­ten Büro nicht so funk­tio­nier­te, wie die Stadt sich das vor­stell­te. Man ver­gab den Auf­trag neu und ver­lor so ein Jahr. Aber es lag auch dar­an, dass die Auf­ga­be, um die es hier geht, sehr kom­plex ist.

Müns­ter ist aus sei­nem Ver­kehrs­sys­tem her­aus­ge­wach­sen. Die Infra­struk­tur reicht allen­falls aus für 260.000 Men­schen, so stand es im Jahr 2017 in dem Papier, mit dem die Stadt beschloss, einen Mas­ter­plan zu erstel­len. Im ver­gan­ge­nen Jahr leb­ten in Müns­ter über 316.000 Men­schen, in acht Jah­ren wer­den es nach Pro­gno­sen 335.000 Men­schen sein. Es muss also etwas pas­sie­ren, wenn der Ver­kehr in der Stadt nicht kol­la­bie­ren soll. Aber was?

Was genau die Stadt gegen den dro­hen­den Infarkt unter­neh­men kann, hängt davon ab, was sie eigent­lich will, also wel­che Zie­le sie errei­chen möch­te. Und das ist nicht so tri­vi­al, wie es viel­leicht klingt. Möch­te die Stadt etwa eine auto­freie Innen­stadt? Dann kann es sinn­voll sein, am Rand des Zen­trums Park-and-ride-Ange­bo­te ein­zu­rich­ten. Möch­te sie, dass die Men­schen aus dem Umland gar nicht erst mit dem Auto anrei­sen? Dann wären Park-and-ride-Ange­bo­te in gro­ßem Umfang eher weni­ger sinnvoll.

Vier übergeordnete Ziele

Eini­ge Zie­le ste­hen dabei im Wider­spruch zuein­an­der. Mehr Frei­räu­me oder mehr E-Lade­säu­len? Bei­des am glei­chen Ort geht nicht. Man muss abwä­gen. Von die­sen Kon­flik­ten gibt es viele.

Das Düs­sel­dor­fer Büro PTV Trans­port Con­sult, das den neu­en Auf­trag bekam, schlägt in sei­nem 113 Sei­ten lan­gen Zwi­schen­be­richt vier über­ge­ord­ne­te Zie­le vor: 

  • die Zahl der Autos verringern,
  • die umwelt­ver­träg­li­chen Ver­kehrs­mit­tel stär­ken (Rad- und Fuß­ver­kehr, öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel und Car­sha­ring, kurz: Umweltverbund),
  • den Stra­ßen­raum umverteilen,
  • die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung nutzen. 

Die­se Zie­le kön­nen sich noch ändern. Das ist eine poli­ti­sche Ent­schei­dung. Die Grund­la­ge für die Ent­schei­dung aber ist eine Bestands­auf­nah­me, an deren Ergeb­nis sich nur wenig dre­hen lässt. Sie macht den größ­ten Teil des Zwi­schen­be­richts aus.

Einer der zen­tra­len Sät­ze steht auf Sei­te 93. Dort bemerkt das Pla­nungs­bü­ro, „dass sich die Stadt Müns­ter in Bezug auf das Mobi­li­täts­sys­tem ins­ge­samt bereits auf einem Niveau befin­det, das in den Mobi­li­täts­kon­zep­ten für die meis­ten ande­ren (deut­schen) Städ­te zunächst als Ziel­zu­stand defi­niert wird.“ Anders gesagt: Müns­ter ist da, wo ande­re noch hin wollen.

Die­ser Punkt ist zum Bei­spiel inter­es­sant, wenn es um eine Fra­ge geht, um die sich in der Ver­kehrs­de­bat­te vie­les dreht. Oft heißt es: „Ja, in der Innen­stadt fah­ren zu vie­le Autos. Das müs­sen wir ändern. Aber erst­mal müs­sen wir für Alter­na­ti­ven sor­gen.“ Die Ant­wort auf die Fra­ge, wie gut die Alter­na­ti­ven denn sein müs­sen, bevor sich etwas ändern darf, bleibt aller­dings offen.

50.000 Fahrradleichen

Der Zwi­schen­be­richt stellt fest: „Die bestehen­de Mobi­li­tät in Müns­ter bie­tet – im Ver­gleich zu ande­ren Groß­städ­ten – eine sehr posi­ti­ve Aus­gangs­ba­sis.“ Das gilt auch für den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr. Wobei in Müns­ter eine Beson­der­heit ist: Die Men­schen nut­zen den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr sel­te­ner als in ande­ren Städten.

Das liegt laut dem Bericht auch dar­an, dass Müns­ter die ein­zi­ge deut­sche Stadt in die­ser Grö­ße ist, in der es kei­nen Nah­ver­kehr auf Schie­nen gibt. Ein ande­rer Grund ist, dass das Fahr­rad eine gro­ße Bedeu­tung hat.

Ein kur­zer Ein­schub dazu: In Müns­ter gab es im Jahr 2019 etwa 412.000 Fahr­rä­der. Auf 100 Men­schen in der Stadt kom­men 133 Räder, das ist über­durch­schnitt­lich viel. Erst ab einer Stre­cke von fünf Kilo­me­tern set­zen sich in Müns­ter mehr Men­schen ins Auto als aufs Rad. Die Kehr­sei­te: In der Stadt ste­hen geschätzt 50.000 Fahr­rad­lei­chen, vie­le davon ste­hen im Weg.

Zurück zum öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr. Inner­halb der Stadt errei­chen acht von zehn Men­schen in Müns­ter die nächs­te Bus­hal­te­stel­le zu Fuß in weni­ger als fünf Minu­ten. Das sind gute Voraussetzungen. 

Auch die Ver­bin­dun­gen ins Umland sind soli­de. In dem Bericht heißt es: „Das ÖPNV-Ange­bot im Stadt-Umland-Ver­kehr von Müns­ter umfasst sowohl Bahn- als auch hoch­wer­ti­ge Bus­ver­keh­re (Express­bus-, Schnell­bus- und Regio­nal­bus­li­ni­en) und bie­tet im Tages­ver­kehr auf allen Rela­tio­nen min­des­tens einen 1-h-Takt, im Bahn­ver­kehr meist auch dichter.“

Die bequemste Alternative

Doch das Bus­netz hat Schwach­stel­len. Noch fehlt inner­halb der Stadt eine Hier­ar­chie der Lini­en: Schnel­le Bus­se auf den Haupt­ver­bin­dun­gen, nicht ganz so schnel­le auf den Zubrin­gern. Es gibt Orte, an denen man die Hal­te­stel­len nicht ganz so schnell erreicht, wenn auch weni­ge. Beson­ders zu den Stoß­zei­ten, mor­gens und am spä­ten Nach­mit­tag, sind die Bus­se voll und damit für pen­deln­de Men­schen eine schlech­te Alter­na­ti­ve. Aber vie­le Men­schen, die im Moment noch mit dem Auto ins Zen­trum fah­ren, könn­ten das schon jetzt ändern. Vor allem Men­schen, die inner­halb der Stadt unter­wegs sind.

Im Bericht heißt es etwa: „Grund­sätz­lich ist das Stadt­zen­trum aus den Innen­be­zir­ken mit dem MIV (dem Auto, Anm. RUMS) in höchs­tens 15 Minu­ten und mit dem Fahr­rad in höchs­tens 20 Minu­ten erreichbar.“

Inner­halb der Stadt schei­nen weni­ger feh­len­de Alter­na­ti­ven zum Auto das Pro­blem zu sein. Der Knack­punkt ist eher die Fra­ge, wie nach­drück­lich man den Men­schen zu ver­ste­hen geben möch­te: Ihr müsst die Alter­na­ti­ven auch nutzen. 

Das Auto wird das bequems­te Ver­kehrs­mit­tel blei­ben. Dar­an wird sich kaum etwas ändern las­sen, selbst dann nicht, wenn der Bus bis direkt vors Haus fährt. Im Moment ist das Auto oft aber auch noch die schnells­te und, zumin­dest gefühlt, die güns­tigs­te Vari­an­te. Das lie­ße sich ändern.

Ande­re Städ­te zei­gen, wie das gehen könn­te. Der Zwi­schen­be­richt nennt Utrecht. Die Stadt habe schon vor Jah­ren ange­fan­gen, den Ver­kehrs­raum umzu­ver­tei­len. Das Zen­trum sei wei­ter­hin mit dem Auto erreich­bar. Par­ken kön­ne man in den Außen­be­rei­chen, von dort gelan­ge man mit dem Nah­ver­kehr in die Innen­stadt. In der Stadt ist das Par­ken dage­gen deut­lich teu­rer gewor­den. Ein Park­ti­cket in der Alt­stadt kos­te­te im Jahr 2019 zwi­schen 27 und 35 Euro am Tag.

Der Ein­wand hier: Aber Müns­ter hat kei­ne Mobi­li­täts­sta­tio­nen, son­dern nur eine Hand­voll Park-and-ride-Stell­plät­ze, die zu gro­ßen Tei­len auch noch arg in die Jah­re gekom­men sind. In dem Bericht heißt es, dass Park-and-ride-Ange­bo­te vor allem im Osten der Stadt feh­len, also in Rich­tung Wol­be­cker oder Waren­dor­fer Stra­ße. Außer­dem gebe es kei­ne Mobi­li­täts-App, die einen Über­blick über alle Ver­kehrs­mit­tel gibt, auch ein­heit­li­che Bezahl­sys­te­me auf den Park­plät­zen fehl­ten. Aber: Die Stadt tes­tet „intel­li­gen­te Lösun­gen“ in ihrem Pro­jekt Smart-City-Real­la­bor an der Nieberdingstraße.

Wichtig ist Differenzierung

Eines steht fest: Will die Stadt ihre gesetz­ten Zie­le ein­hal­ten, muss sich bald etwas bewe­gen. Das hält der Zwi­schen­be­richt fest: „Wir gehen (…) davon aus, dass das Ziel einer 50%-igen Reduk­ti­on des Pkw-Ver­kehrs nur in Ver­bin­dung mit deut­lich restrik­ti­ven Maß­nah­men im MIV bei gleich­zei­tig umfäng­lichs­ter wei­te­rer För­de­rung des Umwelt­ver­bunds erreich­bar ist.“

Aller­dings – und das dämpft die Erwar­tun­gen etwas – ver­merkt das Büro an ande­rer Stel­le, dass es die Redu­zie­rung des Auto­ver­kehrs sogar dann als „sehr schwie­rig“ anse­he, wenn die Stadt sich mäch­tig ins Zeug legt.

Was an vie­len Stel­len deut­lich wird: Wich­tig ist der genaue Blick, und wich­tig ist die Dif­fe­ren­zie­rung. Ein Bei­spiel. An einer Stel­le heißt es: „Wäh­rend beim Bin­nen­ver­kehr die Bedeu­tung des MIV abnimmt, ist bei den Pend­ler­ver­keh­ren eine Zunah­me erkenn­bar.“ In Müns­ter sei­en schon ers­te Ein­flüs­se der Ver­kehrs- und Mobi­li­täts­wen­de zu erken­nen, im Umland offen­bar noch nicht. Was bedeu­tet das nun?

Zum einen: Eini­gen fällt es leich­ter, auf das Auto zu ver­zich­ten. Fal­len Park­plät­ze in der Innen­stadt weg, bedeu­tet das für eine Per­son, die im Stadt­ge­biet lebt, sie setzt sich aufs Fahr­rad und braucht statt sie­ben Minu­ten nun neun­ein­halb, viel­leicht geht es mit dem Rad sogar schneller.

Ent­schei­den sich Men­schen im Umland gegen die Fahrt mit dem Auto, kann das in einem schlech­ten Fall bedeu­ten: irgend­wo im Kreis Stein­furt zur Bus­hal­te­stel­le lau­fen, auf den Bus war­ten, Bus­ti­cket kau­fen, zum Bahn­hof fah­ren, Bahn­ti­cket kau­fen, auf die Bahn war­ten, mit der Bahn nach Müns­ter fah­ren, auf den Bus war­ten, Bus­ti­cket kau­fen, von der Bus­hal­te­stel­le zum Ziel laufen.

Trend zur Suburbanisierung

Man kann ver­ste­hen, dass es die­sen Men­schen schwe­rer fällt, nicht mit dem Auto zu fah­ren. Das müs­sen auch die Ange­bo­te berück­sich­ti­gen. Wenn ein Anreiz ent­ste­hen soll, die­sen umständ­li­chen Weg auf sich zu neh­men, muss die Fahrt mit der Bahn deut­lich güns­ti­ger sein. Oder deut­lich schnel­ler. Im Ide­al­fall beides.

Im Moment ist das nicht der Fall. Und das Pro­blem wird sich wei­ter ver­stär­ken. Das Büro schreibt: „Der fort­lau­fen­de Trend der Sub­ur­ba­ni­sie­rung wird auch künf­tig die Wege zum Stadt­zen­trum ver­län­gern und das Kfz-Auf­kom­men wei­ter anstei­gen lassen.“

Wäre die Auf­ga­be, nur Zah­len und Daten zu erhe­ben, dann wäre ein gro­ßer Teil der Arbeit jetzt schon getan. Aber der Mas­ter­plan Mobi­li­tät Müns­ter 2035+ hat grö­ße­re Ambi­tio­nen. In der Ein­lei­tung steht ganz expli­zit, hier sol­le kein „(wei­te­res) sta­tis­ti­sches Plan­werk“ erar­bei­tet wer­den. Das Ziel sei, „best­mög­li­che Mobi­li­täts­stra­te­gien fle­xi­bel“ zu ent­wi­ckeln. Das ist der nächs­te Schritt.

Wie kom­plex die­se Auf­ga­be ist, wird in dem Bericht unter Punkt 2.7 deut­lich. Dort stellt das Büro auf sechs Sei­ten den Schwä­chen und Risi­ken die Stär­ken und Chan­cen der Mobi­li­täts­ar­ten gegenüber.

Zum Bei­spiel: Die Men­schen in Müns­ter haben über­durch­schnitt­lich vie­le Fahr­rä­der. Sie fah­ren vie­le kur­ze Stre­cken mit dem Rad. Das ist eine Stär­ke der Stadt und eine Chan­ce. Doch für lan­ge Stre­cken neh­men die Men­schen lie­ber das Auto. Das ist eher eine Schwä­che und ein Risi­ko. Kann man die Men­schen auch dazu bewe­gen, län­ge­re Stre­cken mit dem Rad zu fah­ren? Wer­den am Ende tat­säch­lich wirk­lich so vie­le Men­schen die Velo­rou­ten nut­zen, wie man es sich heu­te erhofft?

Chan­cen erge­ben sich auch aus neu­en Ver­kehrs­mit­teln, zum Bei­spiel E-Scoo­tern. Doch auch hier gibt es einen Haken: Wer mit dem Scoo­ter fährt, lässt oft das Fahr­rad ste­hen, nicht das Auto. So ist es auch mit den Stadt­bus­sen. In dem Bericht heißt es: „Das größ­te Risi­ko besteht dabei dar­in, dass die wei­te­re För­de­rung der Nah­mo­bi­li­tät zu einem Modal-Shift inner­halb der Ver­kehrs­mit­tel des Umwelt­ver­bunds führt und nur gerin­ge Ver­la­ge­rungs­wir­kun­gen im Kfz-Ver­kehr sicht­bar werden.“

Dreht man an einem Räd­chen, ver­stellt sich ein ande­res. „Wider­sprü­che mit ande­ren Stra­te­gien und Pla­nun­gen las­sen sich (…) nicht ver­mei­den“, heißt es an einer Stel­le. Die Wider­sprü­che soll­ten jedoch „weit­ge­hend bekannt“ sein und als Kon­flikt iden­ti­fi­ziert wer­den. Allein das wird ganz schön viel Arbeit sein.

Ein ziemlich großer Hut

Die Stra­te­gien und Pla­nun­gen der Stadt ste­hen zum Bei­spiel in der Stu­die zur „Kli­ma­neu­tra­li­tät 2030“, in den Hun­der­te Sei­ten dicken Abschluss­be­rich­ten zum Pro­gramm „Müns­ter Zukünf­te 20 | 30 | 50“, im „Rad­ver­kehrs­kon­zept Müns­ter 2025“ oder im „Nah­ver­kehrs­plan“ der Stadt Münster.

Dazu wird es bald um ein Stand­ort­kon­zept für die geplan­ten Mobil­sta­tio­nen gehen, an denen es mög­lich sein soll, auf ver­schie­de­ne Ver­kehrs­mit­tel umzu­stei­gen, aufs Fahr­rad, den Bus oder ein gemie­te­tes Auto. Das „Inte­grier­te Park­raum­kon­zept“ wird The­ma sein, das etwas Ord­nung in das Pro­blem mit den Park­plät­zen brin­gen soll. Und man wird über das „Fahr­rad­netz 2.0“ spre­chen, das auch den Rad­we­gen in Müns­ter eine Hier­ar­chie geben soll.

All das muss die Stadt unter einen ziem­lich gro­ßen Hut brin­gen. Dazu soll es Podi­ums­dis­kus­sio­nen, eine Kam­pa­gne und eine Pla­nungs­werk­statt geben. Ende des Jah­res soll ein wei­te­rer Zwi­schen­be­richt fol­gen. Im Sep­tem­ber 2023 soll dann ein Abschluss­be­richt vor­lie­gen. Und dann kann die Arbeit im Prin­zip schon beginnen.

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In aller Kürze

+++ Vor vier Mona­ten haben wir im RUMS-Brief über eine Idee geschrie­ben, die ver­hin­dern könn­te, dass es an Kreu­zun­gen zu Abbie­ge-Unfäl­len kommt. Der Ver­kehrs­pla­ner Yan­nic Wer­rem­ei­er hat­te sich dazu Gedan­ken gemacht und ein Modell ent­wi­ckelt, bei dem Fuß­ver­kehr und Fahr­rä­der Kreu­zun­gen dia­go­nal über­que­ren. In Det­mold gibt es so etwas schon. Und mög­li­cher­wei­se nun bald auch in Müns­ter. Am Mitt­woch der nächs­ten Woche (2. Febru­ar) ent­schei­det der Ver­kehrs­aus­schuss dar­über, ob die Stadt­ver­wal­tung eine dia­go­na­le Que­rung für die Hil­tru­per Mark­t­al­lee (Höhe Gla­su­rit­stra­ße) in Hil­trup vor­stellt – als eine von meh­re­ren Vari­an­ten. Die Ver­wal­tung hat­te einem Inge­nieur­bü­ro die Auf­ga­be gege­ben, sich eine Lösung für die Kreu­zung zu über­le­gen. Doch das Büro woll­te sich auf kei­ne Emp­feh­lung fest­le­gen. Nun gibt es ins­ge­samt sechs Mög­lich­kei­ten, die in der Ver­wal­tungs­vor­la­ge recht knapp und in einer 16 Sei­ten lan­gen Unter­su­chung etwas aus­führ­li­cher erklärt sind. Ein Modell der dia­go­na­len Que­rung fin­den Sie hier.

+++ 125 Men­schen, die für die katho­li­sche Kir­che arbei­ten, haben in der ARD-Doku „Wie Gott uns schuf“ zum ers­ten Mal zuge­ge­ben, dass sie schwul, les­bisch oder trans­se­xu­ell sind. Dar­un­ter sind auch zwei Men­schen aus Müns­ter: die ange­hen­de Theo­lo­gin Isa­bel Staps und Niklas Krieg, Refe­rent im Zen­tral­ko­mi­tee der Deut­schen Katho­li­ken. Das Gespräch mit Isa­bel Staps fin­den Sie hier, das mit Niklas Krieg hier. Die WDR-Lokal­zeit hat sich ges­tern Abend eben­falls mit der Akti­on beschäf­tigt.

+++ Die Zahl der Sozi­al­woh­nun­gen in Müns­ter bewegt sich lang­sam wie­der in Rich­tung des Niveaus frü­he­rer Jah­re. In die­sem Jahr hat die Stadt För­de­run­gen für 536 Woh­nun­gen bewil­ligt, so vie­le wie noch nie, mel­det das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt. Müns­ter über­traf damit zum zwei­ten Mal in Fol­ge den Wert 500. Und auch das För­der­bud­get erreicht eine Rekord­hö­he. Das Land habe Müns­ter im ver­gan­ge­nen Jahr 66 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung gestellt, 31 Mil­lio­nen mehr, als der Stadt fest zuge­sagt waren. Müns­ter hat sich zum Ziel gesetzt, pro Jahr min­des­tens 300 geför­der­te Miet­woh­nun­gen zu bau­en. Und das ist auch nötig. Vor 20 Jah­ren gab es in Müns­ter über 12.000 Sozi­al­woh­nun­gen (Sei­te 38). Doch weil die För­de­rung zeit­lich begrenzt ist, fal­len Jahr für Jahr Woh­nun­gen aus dem Pro­gramm. Zwi­schen 2016 und 2020 stieg der Wert wie­der – von 7.598 auf 8239, schreibt Woh­nungs­bau-Dezer­nent Mat­thi­as Peck auf Nach­fra­ge. In die­ser Zeit sei­en 1.022 Woh­nun­gen bezugs­fer­tig gewor­den. Das sind im Schnitt knapp über 200 pro Jahr, also deut­lich weni­ger, als die Stadt zuletzt geneh­migt hat. Für das Jahr 2021 lie­gen noch kei­ne Zah­len vor.

Kor­rek­tur­hin­weis:
In einer frü­he­ren Ver­si­on hieß es, das Land habe der Stadt für die­ses Jahr 66 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung gestellt, 31 Mil­lio­nen mehr als im Vor­jahr. Das stimm­te nicht. Rich­tig ist: Die Stadt bekam im ver­gan­ge­nen Jahr 66 Mil­lio­nen Euro vom Land. Und das sind 31 Mil­lio­nen mehr als das Land für das glei­che Jahr zuge­sagt hat­te. Wir haben das korrigiert. 

Engagement in Münster: Unsere Interviews aus der RUMS-Hütte zum Nachlesen

Im Rah­men unse­rer Mar­ke­ting­ak­tio­nen auf dem X-MS-Markt in Müns­ter haben wir Men­schen vor­ge­stellt, die sich in der Stadt enga­gie­ren. Lei­der konn­ten wir die­se Gesprä­che wegen der Coro­­na-Beschrän­­kun­­­gen nicht vor Publi­kum füh­ren. Aber wir haben sie für Sie auf­ge­nom­men und ver­öf­fent­li­chen sie nun nach und nach in gekürz­ter Ver­si­on als schrift­li­che Inter­views.

Drei die­ser Inter­views (#1 Haus der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, #2 Müns­­ter-Tafel und #3 Anti Rost Müns­ter) fin­den Sie auf die­ser Sei­te. Heu­te bekom­men Sie das vier­te von uns. Unse­re Mit­ar­bei­te­rin Ali­na Köl­ler hat mit Jen­ni­fer Heyer vom Pfle­ge­heim „Haus Tho­mas“ dar­über gespro­chen, wie die Ein­rich­tung älte­ren Men­schen mit kör­per­li­cher oder psy­chi­scher Erkran­kung hel­fen kann. Und dar­über, war­um ihr ein auf­rich­ti­ges Mit­ein­an­der beson­ders wich­tig ist. Das Inter­view fin­den Sie hier. Das fünf­te Inter­view aus unse­rer Rei­he bekom­men Sie nächs­te Woche von uns. Wir ver­lin­ken es dann wie­der an die­ser Stel­le für Sie.

Corona-Update

Die Stadt mel­det einen wei­te­ren Todes­fall. Ein 97-jäh­ri­ger Mann, der mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert war, ist im Kran­ken­haus gestor­ben. Ins­ge­samt hat es in Müns­ter seit Pan­de­mie­be­ginn inzwi­schen 145 Todes­fäl­le gege­ben, die im Zusam­men­hang mit dem Virus stehen.

Seit ges­tern hat das Gesund­heits­amt 683 Neu­in­fek­tio­nen regis­triert, es ist ein neu­er Höchst­wert. Wie die Stadt hier schreibt, hat das zwei Grün­de. Zum einen ste­cken sich in Müns­ter tat­säch­lich immer mehr Men­schen an. Außer­dem gab es beim Robert-Koch-Insti­tut in der ver­gan­ge­nen Woche tech­ni­sche Pro­ble­me, des­halb hat sich die Daten­über­mitt­lung deut­lich ver­zö­gert. Eini­ge der heu­te regis­trier­ten Neu­in­fek­tio­nen sind also Nachmeldungen.

Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz wird mit 609,3 ange­ge­ben. Ins­ge­samt gel­ten heu­te 4.349 Münsteraner:innen als infi­ziert. In den Kran­ken­häu­sern in der Stadt wer­den 40 Men­schen mit einer Covid-Infek­ti­on behan­delt, 9 mehr als noch am Frei­tag. 10 Men­schen lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on, 7 an einem Beatmungsgerät.

Wie ange­kün­digt, haben wir bei der Bezirks­re­gie­rung wie­der nach den Coro­na­fäl­len in den Schu­len gefragt. Hier die Zah­len mit Stand vom ver­gan­ge­nen Mitt­woch (den Mel­de­ver­zug hat­ten wir hier erklärt):

1.032 Kin­der und Jugend­li­che kön­nen zur­zeit nicht am Unter­richt teil­neh­men. Bei 429 von ihnen wur­de eine Coro­na­in­fek­ti­on fest­ge­stellt, die ande­ren sind als Kon­takt­per­so­nen in Qua­ran­tä­ne. 50 Lehr­kräf­te kön­nen pan­de­mie­be­dingt zur­zeit nicht in Prä­senz unter­rich­ten. 24 von ihnen sind mit dem Coro­na­vi­rus infiziert.

Unbezahlte Werbung

Vie­le Men­schen möch­ten auf Rei­sen in ande­ren Län­dern ger­ne das pro­bie­ren, was auch die Ein­hei­mi­schen essen, am liebs­ten noch dort, wo sie zwi­schen ihnen am Tisch sit­zen. Und mal ange­nom­men, die­ses frem­de Land wäre Deutsch­land. Wohin müss­te man in Müns­ter gehen? Eine gute Adres­se wären die Köpi-Stu­ben an der Berg­stra­ße. Das klingt nach einer ein­fa­chen Bier­knei­pe, ist aber ein her­vor­ra­gen­des west­fä­li­sches Restau­rant. Ein­zi­ger Knack­punkt viel­leicht, aber das ist ja eben auch typisch für die west­fä­li­sche Küche: Der vege­ta­ri­sche Teil der Kar­te ist nicht ganz so umfang­reich. Damit müss­ten Sie leben kön­nen. Und wenn Sie gern noch einen Tipp hät­ten: Pro­bie­ren Sie das Krüst­chen. Dazu müs­sen Sie nicht mal das Haus ver­las­sen. Über den loka­len Bring­dienst „Müns­ter isst“ kön­nen Sie bei den Köpi-Stu­ben auch Essen bestellen.

Drinnen und Draußen

Johan­ne Burk­hardt hat noch zwei Tipps für Sie: 

+++ Wann haben Sie sich zum letz­ten Mal gefürch­tet? Vie­le Men­schen hat­ten und haben wäh­rend der Pan­de­mie stän­dig Angst: davor, sich anzu­ste­cken, den Job zu ver­lie­ren oder vor einem erneu­ten Lock­down. Was die­se Dau­er­angst mit Men­schen macht, erklärt am Mitt­woch­abend Anu­sch­ka Eden, die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Lei­te­rin der Chris­toph-Dor­nier-Kli­nik. Los geht es um 18 Uhr. Mehr Infor­ma­tio­nen und die Kon­takt­da­ten für die kos­ten­freie Anmel­dung fin­den Sie hier.

+++ Am Don­ners­tag ist der inter­na­tio­na­le Tag zum Geden­ken an die Opfer des Holo­caust. Aus die­sem Anlass zeigt das Thea­ter Odos auf dem klei­nen Büh­nen­bo­den das Kam­mer­stück „Ich lebe doch noch!“, das das Leben der Ausch­witz-Über­le­ben­den Han­na Man­del erzählt. Und zu die­sem Leben gehört weit­aus mehr als die Qua­len in meh­re­ren Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern: die Lie­be zu ihrer Fami­lie, die Reli­gi­on und die Rol­le der Frau in der Gesell­schaft. Hier fin­den Sie wei­te­re Infos zum Stück. Wenn Sie es sich anse­hen möch­ten, kön­nen Sie hier Kar­ten kau­fen – aber beei­len Sie sich am bes­ten, vie­le sind schon ausverkauft.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Con­stan­ze Busch. Haben Sie bis dahin eine gute Woche. 

Herz­li­che Grüße

Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burk­hardt, Con­stan­ze Busch


PS

Mit schlech­ten Coro­na-Anti­gen-Tests ist es ein biss­chen wie mit dem Horo­skop in der Fern­seh­zeit­schrift. Kann gut sein, dass es irgend­wie stimmt, aber drauf ver­las­sen soll­te man sich doch bes­ser nicht. Nur, wel­che Anti­gen-Tests sind schlecht? Im RUMS-Brief hat­te ich Ihnen vor zwei Wochen gera­ten, vor dem Kauf in die Über­sicht des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts zu schau­en. Das ist auch wei­ter­hin hilf­reich. Aber ein­fa­cher ist ein Blick auf die Sei­te Schnelltesttest.de. Dort kön­nen Sie den Strich­code auf der Ver­pa­ckung Ihres Schnell­tests ein­scan­nen. Oder Sie geben den Zah­len­code ein. Dann gleicht die Soft­ware Ihr Pro­dukt mit den Daten des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts ab, und auf dem Bild­schirm sehen Sie, was von Ihrem Selbst­test zu hal­ten ist.