Tag der Lohnungleichheit | Ärger am Pulverschuppen | Der notorische Wohnungsmarkt

Müns­ter, 8. März 2022

Guten Tag,

heu­te weht in der Stadt neben der ukrai­ni­schen und der euro­päi­schen Flag­ge auch noch eine rot-wei­ße Fah­ne. Auf ihr steht: „Equal Pay Day“. Der Tag der Lohn­gleich­heit. Das war ges­tern. Heu­te ist Inter­na­tio­na­ler Frau­en­tag, und dass der eine Tag auf den ande­ren folgt, ist ein güns­ti­ger Zufall. Denn der Tag der Lohn­gleich­heit müss­te eigent­lich Tag der Lohn­un­gleich­heit hei­ßen. Er fällt auf den Tag im Jahr, bis zu dem Frau­en im Ver­gleich zu Män­nern für umme arbei­ten. Der Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag erin­nert dar­an, dass sich das ändern soll­te. Aber tut es das?

Vor acht Jah­ren schrieb die Stadt in einer Pres­se­mel­dung zu die­sem Anlass, Frau­en bekä­men im Schnitt 22 Pro­zent weni­ger Gehalt. Im Jahr dar­auf war der Wert unver­än­dert. Ein Jahr spä­ter hat­te sich immer­hin ein biss­chen was bewegt. Doch die Dif­fe­renz blieb bei 21 Pro­zent. Dann erschie­nen fünf Jah­re lang kei­ne städ­ti­schen Mel­dun­gen zum Tag der Lohn­gleich­heit. Hat­te sich das The­ma erle­digt? Nein. Ges­tern kam wie­der was. Und gemes­sen an der Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jah­re ist die Lücke regel­recht in sich zusam­men­ge­fal­len. Aller­dings eben auch nur im Ver­gleich zur Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jah­re. Frau­en bekom­men im Schnitt immer noch 18 Pro­zent weni­ger Geld als Män­ner. Das ist wei­ter­hin eine Menge.

Einen Grund für die Dis­kre­panz nennt die Sozio­lo­gin Karin Gott­schall in einem Inter­view mit dem Spie­gel: „Noch immer erle­di­gen Frau­en den grö­ße­ren Anteil der Care-Arbeit. Egal, ob mit Kind oder ohne.“ Damit das mög­lich sei, arbei­te­ten sie häu­fi­ger in Teil­zeit, oft in soge­nann­ten Frauenberufen.

Ein inter­es­san­ter Effekt ist danach: „Wenn mehr Män­ner in ein Berufs­feld kom­men, so die bis­he­ri­ge Erfah­rung, steigt die Wahr­schein­lich­keit, dass sich Arbeits­be­din­gun­gen und Ent­loh­nung ver­bes­sern.“ Karin Gott­schalls Erklä­rung: Män­ner orga­ni­sie­ren sich eher gewerk­schaft­lich. War­um? Sie haben mehr Zeit. Um die Care-Arbeit küm­mert sich ja jemand anders. Übri­gens auch inter­es­sant: Wenn eine Bran­che weib­li­cher wird, geht der Durch­schnitts­lohn nach unten. Aller­dings nicht für alle. Weni­ger Geld bekom­men vor allem die Frauen.

Um einen Ein­druck von die­sem Miss­ver­hält­nis zu bekom­men, muss man nur einen Blick in die Füh­rungs­eta­gen von Unter­neh­men wer­fen. Unse­re Kol­le­gin Ann-Mar­len Hoolt hat das für den WDR gemacht. Das ernüch­tern­de Ergeb­nis: Im Müns­ter­land sit­zen nicht mal in jeder zehn­ten Fir­men­füh­rung Frauen.

Das Dilemma der übersprudelnden Hilfe

Am Wochen­en­de schickt die Stadt­ver­wal­tung nor­ma­ler­wei­se kei­ne Pres­se­mit­tei­lun­gen. Aber was ist schon nor­mal in die­sen Zei­ten? Am Sonn­tag lag gegen Mit­tag ein Appell des Ober­bür­ger­meis­ters im Post­fach. Titel: „Lewe: ‚Huma­ni­tä­rer Kata­stro­phe im gro­ßen Ver­bund begeg­nen‘“. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten schrie­ben ges­tern, die Stadt reagie­re damit auf eine Anfra­ge der Zei­tung. Aber das war viel­leicht doch eher ein Gefühl, denn am Wochen­en­de war so eini­ges passiert.

Das Ergeb­nis war unter ande­rem eine Beschwer­de von Maria Sali­nas, der Vor­sit­zen­den des Inte­gra­ti­ons­ra­tes. Die Beschwer­de ging unter ande­rem an Sozi­al­de­zer­nen­tin Cor­ne­lia Wil­kens und Ober­bür­ger­meis­ter Mar­kus Lewe. Aber fan­gen wir am bes­ten vor­ne an.

Am Frei­tag waren Dut­zen­de Men­schen aus der Ukrai­ne in der Stadt ange­kom­men, teil­wei­se trans­por­tiert in Pri­vat­au­tos, weil Men­schen aus Müns­ter sich selbst auf den Weg gemacht hat­ten, um sie abzu­ho­len. 270 Geflüch­te­te zähl­te die Stadt bis zum Wochen­en­de, etwa die Hälf­te davon Kin­der. Knapp 40 kamen in Pri­vat­woh­nun­gen unter. Men­schen rie­fen beim Sozi­al­amt an, um zu fra­gen, was die Stadt denn dafür zah­le, wenn sie Flüch­ten­de aus der Ukrai­ne hol­ten. Ande­re mel­de­ten sich erst nach ihrer Rück­kehr, weil sie wis­sen woll­ten, wo sie die Men­schen, die sie geholt hat­ten, denn hin­brin­gen soll­ten. Mit Sach­spen­den wur­de die Stadt regel­recht überschüttet.

In der Pres­se­mit­tei­lung vom Sonn­tag ver­sucht Mar­kus Lewe sich an der schwie­ri­gen Auf­ga­be, die Men­schen einer­seits für ihre Hilfs­be­reit­schaft zu loben, ande­rer­seits ihren Über­schwang zu brem­sen. Lewe bit­tet dar­um, „nicht eigen­mäch­tig in die Grenz­re­gi­on zu fah­ren und Kriegs­ver­trie­be­ne spon­tan zur Mit­fahrt nach Müns­ter zu über­zeu­gen“. Ein Min­dest­maß an Koor­di­na­ti­on sei nötig, um ange­mes­se­ne Hil­fe leis­ten zu kön­nen, sagt er. Und ganz deut­lich sagt er, Sach­spen­den wür­den im Moment nicht gebraucht.

Die Stadt ver­teil­te die ankom­men­den Men­schen in den ver­gan­ge­nen Tagen auf 30 Orte im Stadt­ge­biet. Und weil der Platz knapp wur­de, wich sie auf eine Unter­kunft an der Waren­dor­fer Stra­ße aus, an der Sei­ten­stra­ße Am Pul­ver­schup­pen. Das Haus soll­te laut Stadt eigent­lich erst spä­ter genutzt wer­den. Und nach die­ser Dar­stel­lung war auch des­halb dort noch nicht alles so vor­be­rei­tet, dass man die Men­schen ver­sor­gen und unter­brin­gen konn­te, wie die Stadt es Ende Febru­ar ange­kün­digt hat­te.

Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten berich­te­ten am Mon­tag über den Zustand der Unter­kunft. Dreck, Spinn­we­ben und schmut­zi­ge Toi­let­ten, kein Klo­pa­pier. Die WDR-Repor­te­rin Andrea Han­sen hat­te das schon am Sams­tag gese­hen. Sie war mit ihrem Team vor Ort. Und dabei kam es laut Rats­herr Geor­gi­os Tsaka­li­dis zu einem Vor­fall, der spä­ter zu der Beschwer­de führ­te, die unter ande­rem beim Ober­bür­ger­meis­ter landete.

In der Unter­kunft am Pul­ver­schup­pen sei nichts vor­be­rei­tet gewe­sen, sagt Tsaka­li­dis. Man habe kei­ne Sup­pe gehabt, kei­ne Süßig­kei­ten für die Kin­der, nicht ein­mal Rei­ni­gungs­mit­tel. Das alles hät­ten weni­ge ehren­amt­li­che Hel­fe­rin­nen inner­halb von Stun­den orga­ni­siert. Eine der Hel­fe­rin­nen war Maria Sali­nas. Sie hat sich auf eine Anfra­ge nicht bei uns gemel­det, aber Geor­gi­os Tsaka­li­dis war dabei. Er hat uns geschil­dert, was in der Unter­kunft passierte. 

Offen­bar gab es Unmut dar­über, dass die Stadt den Ein­druck erweck­te, sie schaf­fe das alles auch ohne frem­de Hil­fe, aber dann war nichts vor­be­rei­tet. Und anschei­nend ärger­ten sich auch die Mit­ar­bei­ten­den der Stadt.

Am frü­hen Sams­tag­nach­mit­tag gab Maria Sali­nas dem WDR ein Inter­view, in dem sie auch die Zustän­de in der Unter­kunft beschrieb. Kurz dar­auf sei eine Mit­ar­bei­te­rin des Sozi­al­amts zu ihr gekom­men. Den Ton der Frau emp­fand Geor­gi­os Tsaka­li­dis als respekt­los. Sie habe Maria Sali­nas ange­herrscht: „Und Sie, kom­men Sie mal mit.“ Dann habe sie Maria Sali­nas gefragt, war­um sie „hier so eine Show abzie­he“, gemeint war offen­bar das Inter­view. Als Maria Sali­nas sich spä­ter an den Chef der Frau wand­te, der eben­falls vor Ort war, habe der ihr gesagt: „Jetzt las­sen Sie mich in Ruhe. Ich muss arbeiten.“ 

Die Stadt bestä­tigt den Wort­laut des Gesprächs nicht. Ein Spre­cher schreibt, man arbei­te seit vie­len Tagen am abso­lu­ten Limit. Geor­gi­os Tsaka­li­dis sieht hier ein grund­sätz­li­ches Pro­blem: „eine auto­ri­tä­re Ver­wal­tung, die unver­schämt und respekt­los gegen­über einer gewähl­ten Vor­sit­zen­den des Inte­gra­ti­ons­rats regiert“.

Ihre Beschwer­de schick­te Maria Sali­nas per E-Mail an die Stadt­ver­wal­tung. Sowohl Cor­ne­lia Wil­kens als auch Mar­kus Lewe hät­ten sie umge­hend ange­ru­fen, sagt Tsaka­li­dis. Inzwi­schen habe Maria Sali­nas auch ein Gesprächs­an­ge­bot ange­nom­men, schreibt der Spre­cher der Stadt. Das Gespräch wer­de in den nächs­ten Tagen stattfinden.

Immer Ärger mit dem Wohnungsmarkt

Nun noch zu etwas ganz ande­rem: dem noto­ri­schen Woh­nungs­markt. Die Mie­ten wach­sen Jahr für Jahr, Bau­en wird immer teu­rer. Men­schen zie­hen ins Umland, weil sie nur dort ein Haus oder eine Woh­nung bezah­len kön­nen. Aber das führt zu neu­en Pro­ble­men, zu mehr Ver­kehr, der wie­der­um schlecht fürs Kli­ma ist. Und all das kön­nen die Städ­te nicht allei­ne lösen.

Die Stadt­re­gi­on, ein Zusam­men­schluss von zwölf Kom­mu­nen aus der Umge­bung, hat den Woh­nungs­markt der Regi­on in einer 70 Sei­ten lan­gen Stu­die ana­ly­siert. Der etwas sper­ri­ge Titel des Papiers lau­tet: „Ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Woh­nungs­markt­be­ob­ach­tung in der Stadt­re­gi­on Müns­ter“. Der Name macht deut­lich: Die Beob­ach­tung soll Hin­wei­se dar­auf geben, was getan wer­den kann. Wie kön­nen die Kom­mu­nen dort Ange­bo­te schaf­fen, wo sie gebraucht wer­den? Und wie kön­nen sie auf die­se Wei­se etwas für die Ver­kehrs­wen­de und den Kli­ma­schutz machen? Das sind die Fragen. 

Aber was genau steht in dem Papier? Wir haben es gele­sen. Hier sind die inter­es­san­tes­ten Aussagen.

Einige Daten zur Region:

  • Die Stadt­re­gi­on Müns­ter gehört in Deutsch­land zu den Regio­nen, die am stärks­ten wachsen.
  • Die Zahl der Men­schen, die in der Stadt­re­gi­on Müns­ter leben, ist zwi­schen 2010 und 2020 um 40.000 Per­so­nen gewach­sen – auf etwa eine hal­be Million.
  • Noch stär­ker hat die Zahl der Beschäf­tig­ten zuge­legt – im glei­chen Zeit­raum um 47.000. Das ist ein Wachs­tum von etwa einem Viertel.
  • Am schnells­ten gewach­sen sind Müns­ter (12 Pro­zent) und Gre­ven (9 Prozent).

So ist alles verflochten:

  • Die Zahl der Men­schen, die inner­halb der Regi­on pen­deln, hat zwi­schen 2010 und 2019 um 7.000 zuge­nom­men (17 Prozent). 
  • Von den etwa 105.000 Men­schen, die zum Arbei­ten nach Müns­ter pen­deln, leben etwa ein Drit­tel in den benach­bar­ten Kommunen. 
  • Nach Müns­ter zie­hen vor allem jun­ge Men­schen. Sechs von zehn sind zwi­schen 18 und 29 Jah­ren. In die umlie­gen­den Kom­mu­nen zie­hen vie­le Fami­li­en, zwi­schen 30 und 49 Jah­re alte Men­schen und Kin­der unter 18 Jahren.

So viel kostet Wohnen:

  • Die Ange­bots­mie­ten, also die Mie­ten in Woh­nungs­in­se­ra­ten, sind seit 2014 jähr­lich um vier Pro­zent gestie­gen. Die Ein­kom­men sind im Gegen­satz dazu pro Jahr nur um etwa zwei Pro­zent gewachsen.
  • Im Jahr 2014 konn­te sich eine allein leben­de Per­son in Müns­ter, die etwa ein Drit­tel ihres Ein­kom­mens fürs Woh­nen aus­gab, eine Woh­nung mit 40 Qua­drat­me­tern leis­ten. Im Jahr 2020 waren es nur 34 Quadratmeter.
  • Eine Fami­lie mit zwei Kin­dern und einem durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men konn­te sich im Jahr 2014 in Müns­ter eine 111 Qua­drat­me­ter gro­ße Miet­woh­nung leis­ten. Im Jahr 2020 waren es nur noch 96 Quadratmeter.
  • In Müns­ter liegt die Mie­te im Schnitt bei 10,50 Euro pro Qua­drat­me­ter. Zum Ver­gleich: In Not­tuln, Asche­berg oder Sen­den­horst lag die Mie­te vor zwei Jah­ren bei 6,90 Euro pro Qua­drat­me­ter. In Telg­te zahl­te man im Schnitt 8 Euro.
  • Men­schen, die mehr als ein Drit­tel ihres Ein­kom­mens fürs Woh­nen aus­ge­ben, büßen an Lebens­qua­li­tät ein.

So viel wird gebaut:

  • Wenn eine zusätz­li­che Woh­nung ver­kauft wird, wird dafür in der Regi­on kei­ne ande­re Woh­nung frei. Es gilt also: Je mehr Woh­nun­gen eine Kom­mu­ne baut, des­to höher ist in der Ten­denz auch das Bevöl­ke­rungs­wachs­tum, weil mehr Men­schen in die Regi­on ziehen.
  • Im Ver­gleich zu eini­gen aus­ge­wähl­ten ande­ren Städ­ten ist Müns­ter die Kom­mu­ne, in der zwi­schen 2011 und 2019 am meis­ten Woh­nun­gen fer­tig­ge­stellt wurden.
  • Auch im Ver­gleich mit den deut­schen Groß­städ­ten nimmt Müns­ter in die­sem Zeit­raum zusam­men mit Frank­furt und Mün­chen eine Spit­zen­po­si­ti­on ein.
  • In der Stadt­re­gi­on Müns­ter wird zwar ver­hält­nis­mä­ßig viel gebaut. Doch trotz der gestie­ge­nen Nach­fra­ge in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat die Zahl der Bau­pro­jek­te nicht wei­ter zugenommen.

So viel kostet Bauland:

  • In Müns­ter kos­tet ein Qua­drat­me­ter Bau­land für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser im Schnitt 550 Euro. In Not­tuln, Asche­berg oder Sen­den­horst liegt der Preis bei unge­fähr 150 Euro pro Qua­drat­me­ter. In Telg­te zahlt man in etwa 350 Euro.
  • Der Preis für Bau­land in Müns­ter ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Schnitt um 10 Pro­zent pro Jahr gestie­gen, in Telg­te sogar um 15 Prozent.

Was bauen die Menschen?

  • Es gibt sowohl in Müns­ter als auch in den Städ­ten im Umland einen Trend zum Mehrfamilienhaus.
  • In Müns­ter war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nur noch jeder fünf­te Neu­bau ein Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­haus (18 Pro­zent). Zwi­schen 2010 und 2012 war es noch ein Drit­tel (33 Prozent).
  • Vor allem im Umland hat der Trend damit zu tun, dass vie­le Bra­chen oder unge­nutz­te Grund­stü­cke in der Innen­stadt bebaut werden.
  • An den Orts­rän­dern sind Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser nach wie vor die Ausnahme.
  • Nach Schät­zun­gen von Fach­leu­ten sind die­se Reser­ven inner­halb der Städ­te weit­ge­hend aus­ge­schöpft. Der Trend könn­te sich also in Zukunft wie­der in Rich­tung Ein­fa­mi­li­en­haus verschieben.
  • In Müns­ter sind aktu­ell nur etwa 14 Pro­zent der Neu­bau­ten Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser. Hier wird sich der Trend zum Mehr­fa­mi­li­en­haus ver­mut­lich fortsetzen.

Bauen in der Region:

  • Die Stadt­re­gi­on Müns­ter ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren jähr­lich um etwa 5.000 bis 6.000 Haus­hal­te gewach­sen. Gleich­zei­tig sind im Schnitt pro Jahr 2.400 neue Woh­nun­gen fer­tig gewor­den. Bleibt eine Lücke. Sie hat zur Fol­ge, dass die Prei­se stei­gen. Müns­ter gehört hier im Ver­gleich trotz der Lücke zu ande­ren Stadt-Umland-Regio­nen in Deutsch­land, trotz­dem noch zu den Besten.
  • Bei der Schaf­fung von sozia­lem Wohn­raum (in Müns­ter: Sozi­al­ge­rech­te Boden­nut­zung) ist Müns­ter in der Regi­on Vorreiter.
  • Jahr für Jahr fal­len vie­le Woh­nun­gen aus dem zeit­lich befris­te­ten För­der­pro­gramm und sind dann kei­ne Sozi­al­woh­nun­gen mehr. In der Stadt­re­gi­on Müns­ter, vor allem in Müns­ter selbst, ist es gelun­gen, die­sen Effekt zu kom­pen­sie­ren. Die Zahl der Sozi­al­woh­nun­gen wächst.

Was können die Kommunen tun?

Das Bon­ner Büro Qua­es­tio, das die Stu­die geschrie­ben hat, macht eini­ge Vor­schlä­ge. Die Kom­mu­nen sol­len ihre Zie­le und die Wege dort­hin in einem Kanon fest­le­gen. Sie sol­len in einem gemein­sa­men Wohn­bau­land-Pro­gramm doku­men­tie­ren, wo in der Regi­on Bau­land zur Ver­fü­gung steht. Außer­dem schlägt das Büro vor, eine regio­na­le Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft zu grün­den, die den Kom­mu­nen dabei hilft, aus ihrem Land Bau­land zu machen. Ein wei­te­rer Vor­schlag ist, eine gemein­sa­me Woh­nungs­ge­sell­schaft zu grün­den, die über­all dort ein­springt, wo pri­va­te Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men kein Inter­es­se haben oder gemein­wohl­ori­en­tier­te Fir­men kei­ne Kapa­zi­tä­ten. Wie man sich das vor­stel­len muss? Für Müns­ter gibt es so etwas schon. Hier heißt die­se Gesell­schaft Wohn- und Stadt­bau.

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In aller Kürze

+++ Als wäre die Nach­rich­ten­la­ge nicht schon kata­stro­phal genug, ist heu­te an der Robert-Koch-Stra­ße (hin­ter dem Hüffer­stift) auch noch ein 125 Kilo schwe­rer Blind­gän­ger gefun­den wor­den. Das mel­de­te die Stadt heu­te Nach­mit­tag. Wie die Eva­ku­ie­rung und die Ent­schär­fung ver­lie­fen, kön­nen Sie auf dem Twit­ter-Kanal der Feu­er­wehr nach­le­sen. Es ging jeden­falls alles gut aus.

+++ Hat­ten Sie ges­tern eine tote Tele­fon­lei­tung? Dann ver­wen­den Sie wahr­schein­lich das Netz des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­ters 1&1. Das ist näm­lich ges­tern aus­ge­fal­len, mel­de­te die Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Inzwi­schen ist aber wie­der alles in Ordnung.

+++ Der Mör­der der Dort­mun­der Schü­le­rin Nico­le Schal­la sitzt ab mor­gen in Deutsch­land im Gefäng­nis. Die Nie­der­lan­de lie­fern den Müns­te­ra­ner Ralf H. aus, berich­tet unter ande­rem die Zei­tung Die Welt. H. war im Dezem­ber kurz vor dem Beginn sei­ner Haft­stra­fe nach Ensche­de geflo­hen, dort aber kurz dar­auf in einer Woh­nung fest­ge­nom­men wor­den. Er war im Janu­ar vor einem Jahr zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt wor­den, weil er im Jahr 1993 die damals 16-jäh­ri­ge Schü­le­rin Nico­le Schal­la über­fal­len und erwürgt hat­te. Nach sei­ner Ver­ur­tei­lung bekam er eine Fuß­fes­sel und konn­te die Zeit bis zum Haft­an­tritt in Frei­heit ver­brin­gen. Wir hat­ten im Juli 2020 über den Fall im RUMS-Brief erklärt, war­um man H. noch vor dem Urteil frei­las­sen muss­te, obwohl das Gericht ihn für den Mör­der hielt.

+++ Das Park­haus Bre­mer Platz wird zu einer Mobil­sta­ti­on, mel­det die Stadt. Das bedeu­tet: Dort wer­den Men­schen in Zukunft nicht mehr nur ein Ticket zie­hen und ihre Autos abstel­len, son­dern sie wer­den auf ver­schie­de­ne Ver­kehrs­mit­tel umstei­gen kön­nen, zum Bei­spiel auf Leih­fahr­rä­der oder Leih­au­tos (die dort im Moment auch schon ste­hen). Zur Mobi­li­täts­sta­ti­on wird auch ein Fahr­rad­park­haus mit 3.000 Plät­zen gehö­ren, das Park­haus wird um zwei Stock­wer­ke auf­ge­stockt, die Velo­rou­te aus Evers­win­kel wird dort vor­bei­füh­ren und – das hat nicht so viel mit Mobi­li­tät zu tun – auf dem Dach wird ein Gar­ten ent­ste­hen. Die Stadt hat sich mit ihrer Idee bei einem Wett­be­werb des Lan­des durch­ge­setzt. Bis Ende März hat sie nun Zeit, För­der­an­trä­ge zu stel­len. Im Jahr 2026 soll alles fer­tig sein.

+++ Im April ent­schei­det der Rat dar­über, wie es mit dem Hafen­markt wei­ter­geht. Die Stadt habe 400 Stel­lung­nah­men aus­ge­wer­tet, schreibt das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt. Damit der neue Bebau­ungs­plan wirk­sam wird und die Arbei­ten wei­ter­ge­hen kön­nen, braucht es einen soge­nann­ten Sat­zungs­be­schluss. Den kann der Rat nun fas­sen. Die Vor­la­ge steht schon im Netz. Damit wer­den wir uns dem­nächst noch etwas genau­er beschäftigen. 

Engagement in Münster: Unsere Interviews aus der RUMS-Hütte zum Nachlesen

#10 Night­li­ne

Heu­te ver­öf­fent­li­chen wir das zehn­te Inter­view aus unse­rer Rei­he Enga­ge­ment in Müns­ter für Sie. Johan­ne Burk­hardt hat mit Felix Alt­mann vom Ver­ein Night­li­ne dar­über gespro­chen, wie sich die Arbeit des Zuhör­te­le­fons in der Pan­de­mie ver­än­dert hat. Und dar­über, war­um auch die ehren­amt­li­chen Mitarbeiter:innen auf ihre eige­ne psy­chi­sche Gesund­heit ach­ten müs­sen. Das Inter­view fin­den Sie hier.

Im Rah­men unse­rer Mar­ke­ting­ak­tio­nen auf dem Weih­nachts­markt in Müns­ter haben wir Men­schen vor­ge­stellt, die sich in der Stadt enga­gie­ren. Lei­der konn­ten wir die Gesprä­che wegen der Coro­­na-Beschrän­­kun­­­gen nicht vor Publi­kum füh­ren. Aber Sie kön­nen sie in gekürz­ter Ver­si­on als schrift­li­che Inter­views auf die­ser Sei­te nach­le­sen. Das elf­te Inter­view aus unse­rer Rei­he bekom­men Sie nächs­te Woche von uns. Wir ver­lin­ken es dann wie­der an die­ser Stel­le für Sie.

Corona-Update

+++ Die gute Nach­richt zuerst: Der Impf­stoff­her­stel­ler Moder­na ver­zich­tet in 92 Län­dern ab sofort auf den Patent­schutz, mel­det unter ande­rem die Süd­deut­sche Zei­tung. So sol­len auch Län­der, in denen die Men­schen nicht so viel Geld ver­die­nen, die Chan­ce auf eine Imp­fung bekom­men. Nun die schlech­te Nach­richt: Obwohl man kaum noch etwas über die Pan­de­mie hört, ist sie nicht vor­bei. Die bun­des­wei­ten Infek­ti­ons­zah­len sind wie­der gestie­gen. Das könn­te an der neu­en Omi­kron-Sub­va­ri­an­te BA.2 lie­gen (die Namen wer­den auch nicht bes­ser), die seit Anfang des Jah­res im Ren­nen ist. An den Locke­run­gen liegt es wohl noch nicht, sie gel­ten erst seit Frei­tag. Aber mög­li­cher­wei­se am Kar­ne­val. In Köln ist die Wochen­in­zi­denz auf über 5.000 gesprun­gen. Beleg­bar ist der Zusam­men­hang aller­dings nicht.

+++ Die Wochen­in­zi­denz in Müns­ter bleibt vier­stel­lig. Die Stadt mel­det heu­te einen Wert von 1.162 (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb von sie­ben Tagen). Damit gel­ten im Stadt­ge­biet 5.829 Men­schen als infi­ziert, 59 lie­gen im Kran­ken­haus, neun auf der Inten­siv­sta­ti­on, sechs wer­den beatmet. Es gibt lei­der auch einen wei­te­ren Todes­fall: Ein 83-jäh­ri­ger Mann ist mit Covid gestorben.

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Wenn Sie ab und zu die Trö­del-Show Bares für Rares ein­schal­ten, dann ken­nen Sie viel­leicht Chris­ti­an Vech­tel. Er tritt dort seit vier Jah­ren als Händ­ler auf. Etwas län­ger schon führt er an der Mel­chers­stra­ße zusam­men mit Chris­ti­an Becker das Anti­qui­tä­ten­ge­schäft und Auk­ti­ons­haus Zeit­ge­nos­sen. Ich ken­ne die bei­den sehr gut und ich emp­feh­le sowohl das Geschäft als auch die Auk­tio­nen, wenn Sie sich für schö­ne Möbel, Kunst oder gene­rell für Ein­rich­tung inter­es­sie­ren. Das Auk­ti­ons­haus fin­den Sie ab sofort auch online auf dem Auk­ti­ons­por­tal Lot-tis­si­mo.

Drinnen und Draußen

Zu heu­te hat Johan­ne Burk­hardt für Sie in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der geschaut. Das hier sind ihre Empfehlungen.

+++ Krieg in der Ukrai­ne, Anschlä­ge in Paki­stan, stei­gen­de Inzi­den­zen – die Nach­rich­ten zu ver­fol­gen, kann schnell belas­tend wer­den. Die Jour­na­lis­tin und Autorin Ron­ja von Wurmb-Sei­bel nennt das die Nega­tiv­spi­ra­le von Kri­sen­nach­rich­ten. In ihrem neu­en Buch „Ver­zweif­lung ist unrea­lis­tisch“, das sie mor­gen um 19:30 Uhr im LWL-Kunst­mu­se­um vor­stellt, geht sie die­ser Spi­ra­le auf den Grund, erklärt, was sie mit uns macht, und auch, wie wir ihr ent­kom­men kön­nen. Die Ver­an­stal­tung vor Ort ist zwar schon aus­ver­kauft, aber Sie kön­nen sie sich kos­ten­los im Live­stream ansehen.

+++ Wenn Sie sich mor­gen Abend lie­ber mit etwas ande­rem als Kri­sen beschäf­ti­gen wol­len, aber trotz­dem etwas Neu­es ler­nen möch­ten, dann könn­te der Online­vor­trag „Gala­xien und schwar­ze Löcher“ der Volks­hoch­schu­le etwas für Sie sein. Ab 19:30 Uhr erklärt und dis­ku­tiert Rein­hard Gen­zel vom Max-Planck-Insti­tut für extra­ter­res­tri­sche Phy­sik aktu­el­le Ergeb­nis­se aus der For­schung: zum Bei­spiel, dass es auch im Zen­trum unse­rer Milch­stra­ße ein schwar­zes Loch gibt. Hier kön­nen Sie sich für den Vor­trag anmelden.

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burkhardt


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PS

Am Frei­tag hat­ten wir Ihnen hier den Kraut­re­por­ter-News­let­ter „Ukrai­ne Ver­ste­hen“ emp­foh­len. Das The­ma heu­te daher: Russ­land ver­ste­hen. Aller­dings nicht als News­let­ter, son­dern in Form eines Tex­tes von Mari­na Weis­band. „Die wah­re Tra­gik“ sei, so schreibt sie: „Das Land, das die Rus­sen für ihren Bru­der hal­ten, hat es geschafft, aus die­ser Spi­ra­le von Knecht­schaft aus­zu­bre­chen.“ Um den Mann etwas bes­ser zu ver­ste­hen, der die­se rus­si­sche Knecht­schaft seit über 20 Jah­ren orches­triert, emp­feh­le ich eine drei­tei­li­ge Doku­men­ta­ti­on. Sie heißt Putins Russ­land und steht in der ZDF-Media­thek. Und wo wir gera­de dabei sind: In der Arte-Media­thek fin­den Sie die aus 23 Tei­len bestehen­de Serie „Die­ner des Vol­kes“, in der Wolo­dym­yr Selen­skyj, genau, der ukrai­ni­sche Prä­si­dent, einen Geschichts­leh­rer spielt, der über­ra­schend ukrai­ni­scher Prä­si­dent wird. Klingt ver­rückt, ist aller­dings bei Wei­tem nicht so absurd wie die Wirklichkeit.