Musik-Campus: Ein Ja mit Schmerzen | Gasometer: Endlich ein Mietvertrag | Flyover: Was nun?

Müns­ter, 29. März 2022

Guten Tag,

der Ober­bür­ger­meis­ter liegt mit Coro­na zu Hau­se (gute Bes­se­rung!), und wäh­rend die Stadt es aus ver­ständ­li­chen Grün­den (Inzi­denz heu­te bei 2.164) längst auf­ge­ge­ben hat, die Kon­tak­te von Infi­zier­ten nach­zu­ver­fol­gen, sind die Tage vor dem Aus­bruch der Krank­heit bei Mar­kus Lewe gut doku­men­tiert. Gegen Ende der Woche war er bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung des För­der­ver­eins „Freun­de für Ris­hon LeZi­on“, am Frei­tag hat er im Stadt­wein­haus eine vier­te Klas­se emp­fan­gen (Zei­tung vom Mon­tag). Und vor einer Woche hat er auf dem Send Wahl­kampf für die SPD gemacht. Moment. Für die SPD? 

San­dra Beer, SPD-Land­tags­kan­di­da­tin, hat vor einer Woche auf ihrem Insta­gram-Kon­to eine Kachel ver­öf­fent­licht, auf der sie zusam­men mit Mar­kus Lewe zu sehen ist. Dar­un­ter steht: „Mit dem Ober­bür­ger­meis­ter bei der Eröff­nung des Send!“ Dane­ben fett und rot: „SPD“. Nur was ist die Botschaft?

  • So schlimm ist die CDU jetzt auch nicht? 
  • Wenn Sie ihn hier rechts gewählt haben, dann kön­nen Sie beim nächs­ten Mal das Kreuz­chen auch gleich bei mir machen? 

Oder hat Mar­kus Lewe das Foto ange­zet­telt, weil er uns etwas mit­tei­len möchte?

  • Ihr roter Oberbürgermeister?
  • Wer jetzt noch nach ratio­na­len Argu­men­ten gegen die SPD sucht, der ist herzlos?

Wir wis­sen es nicht. Man müss­te Mar­kus Lewe fra­gen, aber der ist ja krank. Und damit geht es ihm wie vie­len Men­schen in der Stadt. Im Moment ste­hen in der Sta­tis­tik über 10.000 Coro­na-Infi­zier­te. Gegen Ende der ver­gan­ge­nen Woche fie­len allein über 800 Mit­ar­bei­ten­de in den Kran­ken­häu­sern aus. Das Hal­len­bad in Rox­el muss­te am Wochen­en­de schlie­ßen, weil Per­so­nal fehl­te. Das Ost­bad bleibt aus dem glei­chen Grund bis Sonn­tag zu. Ob der Grund für die Schlie­ßun­gen Coro­na-Infek­tio­nen sind, schreibt die Stadt nicht. Aber die Stadt­wer­ke ant­wor­ten auf Nach­fra­ge, man spü­re die Fol­gen der Pan­de­mie sehr deut­lich: 25 aus­ge­fal­le­ne Fahr­ten pro Tag (von End­hal­te­stel­le zu End­hal­te­stel­le), täg­lich Krank- oder Qua­ran­tä­ne­mel­dun­gen. Der Grund sei aus­schließ­lich Coro­na. Bis wann das so wei­ter­ge­he, sei schwer absehbar. 

Und dann steht in der Ant­wort noch eine Stel­len­an­zei­ge, denn was schon jetzt abseh­bar ist: Auch nach Coro­na wer­den die Stadt­wer­ke mehr Per­so­nal brau­chen, das Bus­se fah­ren kann. Das aber ist schwer zu bekom­men. Daher wer­de man sicher eini­ge Men­schen ein­stel­len, die eine kom­plet­te Aus­bil­dung durch­lau­fen müss­ten, schrei­ben die Stadt­wer­ke, aber auch – und das ist bei Bus­sen ja eigent­lich eh selbst­ver­ständ­lich – Quereinsteiger. 

Was macht eigentlich München?

Wer­fen wir zwi­schen­durch einen Blick nach Mün­chen. Dort war­tet man nun seit knapp 20 Jah­ren auf einen neu­en Kon­zert­saal. Und das lässt sich einer­seits über­haupt nicht mit Müns­ter ver­glei­chen. Denn bit­te, Müns­ter war­tet seit 80 Jah­ren. Und, na gut, Müns­ter hat auch kei­ne vier Orches­ter, von denen drei zu den bes­ten der Welt gehö­ren. Über­haupt ist Müns­ter nicht Mün­chen, ande­rer­seits gibt es doch eini­ge Par­al­le­len. Eine ist, dass sich das gan­ze Pro­jekt zieht wie Kau­gum­mi. In Mün­chen fand man erst kei­nen geeig­ne­ten Stand­ort; immer wie­der änder­ten sich die Plä­ne. Eine ande­re Par­al­le­le ist etwas über­ra­schend, wenn man sich die Illus­tra­tio­nen des Baus ansieht: Das Kon­zert­haus soll­te kein eli­tä­rer Kul­tur­tem­pel wer­den. Genau danach sieht es zwar aus, aber man hat­te zum Bei­spiel einen soge­nann­ten „Edu­ca­ti­on-Bereich“ (War­um eigent­lich nicht Bil­dungs-Area?) vor­ge­se­hen. Eine vier­te Par­al­le­le war: Anfangs lie­ßen sich die Kos­ten durch­aus noch vergleichen. 

Die baye­ri­sche Lan­des­re­gie­rung, die das Kon­zert­haus kom­plett finan­zie­ren soll, sprach anfangs von 150 bis 300 Mil­lio­nen Euro, spä­ter ging es um 370 Mil­lio­nen, dann um 580, zuletzt um etwa 700 Mil­lio­nen, und am Sams­tag ließ Bay­erns Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder durch­bli­cken, dass er sich auch ein Leben ohne ein neu­es Kon­zert­haus vor­stel­len kann. In einem Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung sag­te er bei­läu­fig, das Haus wer­de wohl eine Mil­li­ar­de kos­ten. Auf die Fra­ge, wie es denn zu die­sem Sprung kom­me, sag­te Söder: „Das ist ein­fach eine rea­lis­ti­sche Schät­zung. Die Bau­kos­ten stei­gen über­all immens an. Hin­zu kom­men immer Son­der­aspek­te. Das ist wie beim nor­ma­len Haus­bau: Am Ende fragt man sich, ob man die güns­ti­gen oder nicht doch die etwas teu­re­ren Kacheln nimmt. Man baut ja nur ein­mal im Leben.“

Kom­men wir zurück nach Müns­ter. Hier hat sich an der Kos­ten­schät­zung schon län­ger nichts mehr ver­än­dert. Im ver­gan­ge­nen August schrie­ben die West­fä­li­schen Nach­rich­ten von 300 Mil­lio­nen Euro, die der Musik-Cam­pus zu die­ser Zeit kos­ten soll­te. 65 Mil­lio­nen hat­te man als Puf­fer für den auch da schon wahr­schein­li­chen Fall vor­ge­se­hen, dass die Kos­ten stei­gen wer­den. Dann schnitt man die Räu­me noch etwas klei­ner zu, die Gesamt­kos­ten schrumpf­ten sogar – auf 286 Mil­lio­nen Euro. Die Stadt müss­te davon 70 Mil­lio­nen für ihren Teil der Gebäu­de auf­brin­gen, dazu etwa 30 Mil­lio­nen für ihren Anteil am soge­nann­ten Kul­tur­bau, dem Kon­zert- und Kongress-Saal. 

Jahrhundertprojekt in Standardbauweise?

Wür­de es dabei blei­ben? Das ist sehr unwahr­schein­lich. Der Satz „Man baut nur ein­mal im Leben“ kommt einem in Müns­ter ja durch­aus bekannt vor. Wenn man hier etwas plant, dann soll es auch bit­te schön das Bes­te vom Bes­ten sein. Dafür wer­den die 300 Mil­lio­nen aber schon ohne stei­gen­de Kos­ten bei Wei­tem nicht aus­rei­chen. Wenn man jeman­den aus der Bau­bran­che dazu fragt, hört man: „Der Qua­drat­me­ter­preis ist ein guter Büro- und Wohn­stan­dard, aber für rich­ti­ge Archi­tek­tur ist das etwas knapp.“ Kann man sich tat­säch­lich vor­stel­len, dass es am Ende heißt: „Haupt­sa­che, der Cam­pus steht, die Qua­li­tät ist eher zweit­ran­gig“? Ein Jahr­hun­dert­pro­jekt in Stan­dard­bau­wei­se? Ist das denk­bar? In Münster? 

Dar­über wird man spre­chen müs­sen. Und dann sind da ja auch noch die, wie Mar­kus Söder sag­te, immens stei­gen­den Bau­kos­ten. Die KfW-För­der­bank hat heu­te Mor­gen Zah­len ver­öf­fent­licht, nach denen Kom­mu­nen für öffent­li­che Bau­vor­ha­ben wie Stra­ßen, Brü­cken oder Kanä­le heu­te etwa ein Vier­tel mehr zah­len als noch vor fünf Jah­ren. Ges­tern mel­de­te das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt in Bay­ern, die Prei­se für neue Wohn­ge­bäu­de sei­en dort inner­halb eines Jah­res um über 13 Pro­zent gewach­sen. Allein Zim­me­rer- und Holz­bau­ar­bei­ten wur­den um ein knap­pes Drit­tel teu­rer (28,5 Pro­zent). In Nord­rhein-West­fa­len wird das nicht viel anders sein. Und die Effek­te durch den Krieg in der Ukrai­ne sind da noch gar nicht ent­hal­ten. Hier ist die Fra­ge: Treibt der Krieg die Prei­se nur kurz­fris­tig in der Höhe? Wird sich irgend­wann alles nor­ma­li­sie­ren? Oder blei­ben die Prei­se auf dem neu­en Niveau?

Mein Gesprächs­part­ner aus der Bau­bran­che sag­te mir, mit 10 bis 15 Pro­zent höhe­ren Kos­ten müs­se man schon rech­nen. Das wären bei knapp 300 Mil­lio­nen etwa 30 bis 45 Mil­lio­nen Euro mehr, von denen Müns­ter etwa ein Drit­tel tra­gen müss­te. Wobei das Schwie­rigs­te ohne­hin sei, so ein Pro­jekt zuver­läs­sig zu kal­ku­lie­ren. Beim Musik-Cam­pus liegt bis­lang noch gar kei­ne genaue Kal­ku­la­ti­on vor. Unter der Tabel­le mit den vor­aus­sicht­li­chen Prei­sen für die ver­schie­de­nen Bau­tei­le steht der Satz: „Die­se Grob­ko­stan­an­nah­me basiert auf sehr gro­ben Schätz­wer­ten.“ Wür­den die Kos­ten in einem ähn­li­chen Maße stei­gen, wie Mar­kus Söder es für Mün­chen pro­gnos­ti­ziert, wären wir in Müns­ter bei über 420 Mil­lio­nen Euro.

Habt ihr ein Herz? Oder habt ihr keins?

Das muss nicht pas­sie­ren. Mün­chen hat gera­de erst gezeigt, dass es auch mög­lich ist, ein Kon­zert­haus zu bau­en, ohne die Kos­ten aus­ufern zu las­sen – und das inner­halb von andert­halb Jah­ren. Die Isar­phil­har­mo­nie eröff­ne­te im Okto­ber. Sie kos­te­te so viel, wie man ein­ge­plant hat­te: 43 Mil­lio­nen Euro. 

Was bedeu­tet das nun für Müns­ter? Als sich vor zwei Wochen über 400 Men­schen auf dem Prin­zi­palmarkt ver­sam­mel­ten, um zu zei­gen, dass sie hin­ter dem Musik-Cam­pus ste­hen, sag­te Mar­kus Lewe den Satz: „Wer jetzt noch nach ratio­na­len Argu­men­ten gegen den Cam­pus sucht, der ist herzlos.“

Das war der Ver­such, eine kom­ple­xe Ent­schei­dung mit vie­len offe­nen Fra­gen auf ein ein­fa­ches Gefühl zu redu­zie­ren. Wol­len wir das? Oder wol­len wir das nicht? Und es war gleich­zei­tig der Ver­such, dabei Druck aus­zu­üben. Habt ihr ein Herz? Oder habt ihr keins?

In einem Punkt hat Lewe recht. Am Ende wird ein Gefühl ent­schei­den, denn ratio­nal ist die Sache so kom­pli­ziert, dass sich für prak­tisch jede Ent­schei­dung Argu­men­te fin­den lassen. 

Mit Herz hat das aller­dings nicht viel zu tun. Und auch nicht mit dem Aus­blen­den von Argu­men­ten. Im Gegen­teil. Es ist wich­tig, alle ratio­na­len Argu­men­te gegen den Cam­pus zu fin­den, um dann mit­hil­fe der Fak­ten und des Gefühls dar­über zu ent­schei­den, ob man die Risi­ken ein­ge­hen möchte. 

Nie­mand weiß, wie die Finan­zen der Stadt sich in den nächs­ten Jah­ren ent­wi­ckeln wer­den. Es muss nur eine Wirt­schafts­kri­se wie vor 14 Jah­ren kom­men, dann bre­chen die Gewer­be­steu­er­ein­nah­men weg, und schon sieht alles ganz anders aus. 

Ein Ja mit Bedingungen

In so einem Fall kann es sein, dass die Stadt den Musik-Cam­pus fal­len las­sen muss. Das kann auch aus ande­ren Grün­den pas­sie­ren, mög­li­cher­wei­se schon sehr viel frü­her. Es kann sein, dass die Stadt die 30 Mil­lio­nen Euro aus pri­va­ten Spen­den und För­der­gel­dern nicht zusam­men­be­kommt. Dar­auf spe­ku­lie­ren nun einige. 

Es kann aller­dings auch sein, dass der Musik-Cam­pus am Ende trotz aller Wid­rig­kei­ten auf dem Weg ein gro­ßer Erfolg wird. Dar­auf spe­ku­lie­ren ande­re, unter ande­rem der Oberbürgermeister. 

Poli­tisch ergibt sich eine schwie­ri­ge Situa­ti­on. Sowohl die Grü­nen als auch die SPD und Volt sind in die­ser Sache gespal­ten. Die Arbeits­ge­mein­schaft Kul­tur der Grü­nen ist klar gegen den Cam­pus, die Mit­glie­der­ver­samm­lung hat sich mit einem deut­li­chen Votum dage­gen aus­ge­spro­chen. Die grü­ne Rats­frak­ti­on hat sich ges­tern Abend den­noch dazu ent­schie­den, für den Cam­pus zu stim­men, aller­dings geknüpft an eini­ge Bedin­gun­gen. Eine der Bedin­gun­gen lau­tet nach unse­ren Infor­ma­tio­nen: Zwei Drit­tel des 30-Mil­lio­nen-Anteils der Stadt am Kon­zert- und Kon­gress-Saal müs­sen bis zu einem bestimm­ten Zeit­punkt zusam­men sein. Sonst schei­tert das Projekt. 

Die SPD und Volt haben dem Papier eben­falls unter eini­gen Schmer­zen zuge­stimmt. Inner­halb der SPD-Frak­ti­on steht eine Mehr­heit hin­ter dem Cam­pus, aber es gibt auch deut­li­che Stim­men dage­gen. Bei Volt haben die Par­tei­mit­glie­der deut­lich Nein gesagt, die bei­den Rats­leu­te wer­den nun anders stimmen. 

Was passiert nach der Wahl?

Eine Mehr­heit hat das Rat­haus-Bünd­nis damit noch nicht. Die ist aller­dings wahr­schein­lich. Die FDP zwei­felt nicht so sehr am Cam­pus, eher an der Finan­zier­bar­keit, die Inter­na­tio­na­le Frak­ti­on wird sich unter Umstän­den auch noch erwei­chen las­sen. Die CDU steht in die­sem Punkt ohne­hin auf der Sei­te von Mar­kus Lewe. Die Fra­ge ist nur, ob sie den Bedin­gun­gen der Rat­haus­ko­ali­ti­on zustimmt. 

Am Ende könn­te sich eine brei­te Mehr­heit für den Musik-Cam­pus erge­ben, die aber über die wah­re Stim­mungs­la­ge hin­weg­täuscht. Inner­halb der Rat­haus­ko­ali­ti­on gibt es vie­le, die sich freu­en wür­den, wenn ihnen die Ent­schei­dung aus der Hand genom­men und sich das The­ma Musik-Cam­pus von selbst erle­di­gen würde. 

Das könn­te durch­aus pas­sie­ren. Mög­lich ist, dass die neue Lan­des­re­gie­rung nach der Wahl im Mai nicht so begeis­tert von den Plä­nen ist, wie man es sich in Müns­ter wünscht. Die Stadt hat inner­halb des Lan­des den Ruf, eine Art Pri­mus zu sein, der aus sei­nem Wohl­stand her­aus auch noch beson­ders hohe Ansprü­che ablei­tet. Will man so jeman­dem dann auch noch einen Kon­zert­saal finan­zie­ren, den ande­re Städ­te selbst kau­fen mussten?

Das wird sich erst nach der Wahl im Mai sagen las­sen. Wie es in Müns­ter wei­ter­geht, wis­sen wir spä­tes­tens am nächs­ten Mitt­woch. Dann ent­schei­det der Rat über den geän­der­ten Grundsatzbeschluss.

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In aller Kürze

+++ Die Bun­des­re­gie­rung hat Ende ver­gan­ge­ner Woche nach einer lan­gen Ver­hand­lungs­nacht ein soge­nann­tes Ent­las­tungs­pa­ket zur Welt gebracht. Dem Paket merk­te man die lan­ge Nacht aller­dings an. Vie­les blieb unklar. Das Paket stif­te­te vor allem Ver­wir­rung. Und so rich­tig hat sich das immer noch nicht gelegt. Die Stadt­wer­ke Müns­ter begrü­ßen zum Bei­spiel das 9-Euro-Ticket für den Nah­ver­kehr, das Teil des Pakets ist, und das es 90 Tage lang geben soll. Aber wie genau das alles funk­tio­nie­ren wird, steht in der Pres­se­mit­tei­lung noch nicht. Immer­hin beim Strom ist klar: Die Umla­ge für erneu­er­ba­re Ener­gien, die bis­lang immer noch zum Preis oben drauf kam, fällt weg. Und was muss man nun machen? „Sie müs­sen nichts tun“, sagt Stadt­wer­ke-Geschäfts­füh­rer Sebas­ti­an Jurc­zyk. Dazu gibt’s eine ein­ma­li­ge Ener­gie­preis­pau­scha­le. Um die zu bekom­men, muss man eben­falls nichts tun. Und das hat noch einen wei­te­ren Vor­teil: Es spart gleich­zei­tig Energie. 

+++ Der Ver­ein Sozi­al­pa­last darf min­des­tens bis Ende Sep­tem­ber auf dem Gelän­de am Gaso­me­ter blei­ben. Der Miet­ver­trag ist unter­schrie­ben. Bei­de Sei­ten sei­en glück­lich, schreibt der Ver­ein auf Nach­fra­ge. Das bedeu­tet, es blei­ben nun eini­ge Mona­te Zeit, um ein Kon­zept zu ent­wi­ckeln, das zeigt, wie eine Alter­na­ti­ve zu einem Büro­turm im Gaso­me­ter aus­se­hen könn­te. Den haben die Stadt­wer­ke vor Augen, denn dann könn­ten sie das Indus­trie­denk­mal für eini­ge Mil­lio­nen ver­kau­fen. Der Ver­ein Sozi­al­pa­last und das Kol­lek­tiv „Gazo bleibt!“ stel­len sich eine Art sozio­kul­tu­rel­les Zen­trum vor, das für Kunst und Kul­tur zur Ver­fü­gung steht. In der Rat­haus­ko­ali­ti­on gibt es für die­se Idee eini­ge Sym­pa­thien. Des­we­gen ist die Vari­an­te nicht ganz unwahr­schein­lich. Am Ende dürf­te die Fra­ge sein: Lässt sich das alles finan­zie­ren? Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen kön­nen im Gaso­me­ter theo­re­tisch schon jetzt wie­der statt­fin­den. Der Ver­dacht, dass der Boden unter dem Innen­raum mit Schad­stof­fen belas­tet ist, hat sich nicht bestä­tigt, wie der WDR vor eini­gen Tagen berich­te­te. Am Frei­tag demons­triert der Ver­ein für sei­ne Sache. Treff­punkt 18 Uhr am Prin­zi­palmarkt vor dem Rathaus. 

+++ Schon wie­der einer weg: Müns­ters Poli­zei­prä­si­dent Falk Schna­bel hat einen neu­en Job. Er wech­selt nach Köln, schreibt die Stadt in einer knap­pen Mit­tei­lung. Schna­bel war seit Dezem­ber 2020 in Müns­ter, nicht zu ver­wech­seln übri­gens mit Scha­bel, der war Chef der Spar­kas­se und ging schon im Juni 2021.

+++ Zum Schluss noch eine Vor­schau auf den Ver­kehrs­aus­schuss mor­gen Abend. Der könn­te sehr inter­es­sant wer­den. Auf der Tages­ord­nung ste­hen eini­ge The­men, die Müns­ter schon län­ger beschäf­ti­gen und viel­leicht auch noch län­ger beschäf­ti­gen werden: 

  • Zum Bei­spiel der Hafen­markt am Han­sa­ring, zu dem die Fir­ma Stroet­mann die Rui­ne dort ger­ne voll­enden wür­de. Die Stadt hat eini­ge Mona­te gebraucht, um über 400 Ein­ga­ben zum neu­en Bebau­ungs­plan abzu­bü­geln. Das ist nun geschafft. Im Ver­kehrs­aus­schuss wird es unter ande­rem um die Fra­ge gehen, ob es gelun­gen ist, die Ver­kehrs­pro­ble­me an die­ser Stel­le zu lösen (dem ers­ten Anschein nach eher nicht). Beschließt der Rat spä­ter den Bebau­ungs­plan, könn­te es so wei­ter­ge­hen: Stroet­mann baut mit der Jus­tiz um die Wet­te. Es kann sein, dass ein Gericht die Arbei­ten wie­der stoppt. Das wäre schlecht für Stroet­mann, aber vor allem schlecht für die Stadt, denn sie müss­te am Ende ver­mut­lich zah­len. Wenn Stroet­mann schnell genug ist, kann es aber auch sein, dass er irgend­wann eine Ereig­nis­kar­te zie­hen kann, auf der steht: Bestands­schutz. Dann hät­te er die­se Run­de gewonnen. 
  • Ein ande­res The­ma ist die viel­ar­mi­ge Ver­kehrs­kreu­zung am Aegi­dii­tor. Dort hät­te Stadt­bau­rat Robin Denstorff ger­ne eine spek­ta­ku­lä­re Brü­cke gebaut, die unter dem noch spek­ta­ku­lä­re­ren Namen „Fly­o­ver“ bekannt wur­de. Die Rat­haus­ko­ali­ti­on aus Grü­nen, SPD und Volt waren von der Idee nicht ganz so begeis­tert. Des­we­gen hat ein Büro nun acht Vor­schlä­ge erar­bei­tet, die zei­gen sol­len, wie man es anders machen könn­te. Sechs davon haben lei­der den klei­nen Nach­teil, dass sie – das steht gleich schon dabei – so nicht funk­tio­nie­ren. In Fra­ge kommt im Grun­de nur Vor­schlag sie­ben (Idee acht ist Vari­an­te sie­ben plus Fly­o­ver). Vor­schlag sie­ben will die Koali­ti­on aller­dings nicht, weil er am Auto­ver­kehr an die­ser Stel­le nichts ändert. Eine Mög­lich­keit, das Pro­blem zu lösen, wäre, an einer der bis­lang nicht funk­tio­nie­ren­den Vari­an­ten etwas zu ver­än­dern. Dar­über wird mor­gen gesprochen. 
  • Es hat­te ein paar Ver­stim­mun­gen über den gro­ßen Zukunfts­plan für Müns­ters Ver­kehrs­sys­tem gege­ben, den „Mas­ter­plan Mobi­li­tät Müns­ter 2035+“. Das beauf­trag­te Büro (es ist schon das zwei­te) hat­te einen Zwi­schen­be­richt vor­ge­stellt, aber offen­bar nicht ver­stan­den, dass Müns­ters Ziel, bis zum Jahr 2030 kli­ma­neu­tral zu wer­den, nicht nur eine net­te Visi­on ist, aus der im bes­ten Fall mit etwas Glück etwas wer­den kann, son­dern dass die­ses Ziel von der Stadt poli­tisch beschlos­sen ist. Dass das Büro die­sen Ein­druck bekom­men konn­te, wirft natür­lich die Fra­ge auf, wie rea­lis­tisch das Ziel denn tat­säch­lich ist, wenn alles im bis­he­ri­gen Tem­po wei­ter­geht. Ein neu­es Papier soll das Tem­po nun etwas kor­ri­gie­ren. Auch das wird mor­gen The­ma sein. 

Corona-Update

+++ Die Coro­na-Anste­ckungs­zah­len sind leicht gesun­ken, aber immer noch schwin­del­erre­gend. Den Inzi­denz­wert, also die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche, haben wir oben schon erwähnt (2.164). Die genaue Zahl der Men­schen, die in Müns­ter als infi­ziert gel­ten, liegt heu­te bei 10.183. Die Stadt mel­det einen wei­te­ren Todes­fall in Zusam­men­hang mit Coro­na, eine 83-jäh­ri­ge Frau starb mit Covid-19. Damit sind in Müns­ter seit Beginn der Pan­de­mie 187 Men­schen mit oder an Coro­na gestor­ben. Aktu­ell lie­gen 90 Men­schen in den Kran­ken­häu­sern, acht auf der Inten­siv­sta­ti­on, drei wer­den beatmet.

+++ Und was machen die Schu­len? An der wöchent­li­chen Umfra­ge des NRW-Schul­mi­nis­te­ri­ums haben in der ver­gan­ge­nen Woche 68 von 84 Schu­len in Müns­ter teil­ge­nom­men. Danach neh­men zur­zeit 1.194 Kin­der und Jugend­li­che wegen Coro­na nicht am Unter­richt teil. Zum Ver­gleich: Vor zwei Wochen mel­de­ten 69 Schu­len, dass gut 1.000 Kin­der und Jugend­li­che im Unter­richt fehlen. 

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Unbezahlte Werbung

In einer Sei­ten­gas­se, die den Dom­platz mit der Königs­stra­ße ver­bin­det, liegt etwas ver­steckt der Wein­han­del Mes­ters. Und ver­steckt bedeu­tet in die­sem Fall: Das Fens­ter ist gar nicht so klein, aber von außen sieht man nur eine Trep­pe nach unten. Geht man die­se Trep­pe hin­un­ter, gelangt man in einen Laden, der über­ra­schend groß ist. Dort fin­den Sie ita­lie­ni­sche, fran­zö­si­sche und deut­sche Wei­ne, Scho­ko­la­den oder Pra­li­nen. Wenn Sie Mar­zi­pan mögen, pro­bie­ren Sie das Mar­zi­pan. Und ein klei­ner Tipp: Las­sen Sie sich von den Öff­nungs­zei­ten auf der Web­site nicht ver­wir­ren: Der Wein­han­del hat mitt­wochs, frei­tags und sams­tags jeweils zwi­schen 10 Uhr und 17 Uhr geöffnet.

Drinnen und Draußen

Die Tipps hat heu­te Johan­ne Burk­hardt zusam­men­ge­stellt. Das hier sind ihre Empfehlungen: 

+++ Lust auf ukrai­ni­sche Lite­ra­tur? Die Uni Müns­ter lädt mor­gen ab 18 Uhr zur Online-Lesung ein. Dabei wer­den Mitarbeiter:innen des Insti­tuts für Sla­vis­tik und Schauspieler:innen vom Thea­ter Müns­ter zeit­ge­nös­si­sche Tex­te ukrai­ni­scher Autor:innen vor­le­sen. Die Teil­nah­me ist kos­ten­los, Sie müs­sen nur eine kur­ze E-Mail an die­se Adres­se sen­den. Spen­den sind erwünscht.

+++ Die Musik­schu­le Rox­el und die Frie­dens­schu­le Müns­ter ver­an­stal­ten am Frei­tag in der Frie­dens­reich-Hun­dert­was­ser-Schu­le ein Bene­fiz­kon­zert für die Ukrai­ne. Titel: „Ima­gi­ne“. Das ist zwar – Sie haben es erkannt – eine Hom­mage an den Anti-Kriegs-Song von John Len­non, aber auf dem Pro­gramm steht nicht nur Pop­mu­sik. Der Ein­tritt ist frei, aller­dings funk­tio­niert ein Bene­fiz­kon­zert nur, wenn auch etwas Geld zusam­men­kommt. Viel­leicht möch­ten Sie ja ein Ticket kau­fen. Den Preis und damit die Höhe Ihrer Spen­de kön­nen Sie selbst bestim­men. Der gesam­te Erlös geht an die Not­hil­fe Ukrai­ne der Akti­on Deutsch­land hilft. Beginn ist um 19:30 Uhr. 

+++ Bei den Oscars haben ein geschmack­lo­ser Witz über den Haar­aus­fall einer Frau und eine Ohr­fei­ge für viel Wir­bel gesorgt: In den Medi­en liest man vom Patri­ar­chat, Gewalt und kreis­run­dem Haar­aus­fall. Schein­bar geht es nur um eine Krank­heit, Haar­aus­fall. Doch tat­säch­lich steckt noch etwas mehr dahin­ter. Die Haa­re schwar­zer Frau­en haben eine poli­ti­sche Dimen­si­on. Auch des­halb ist das The­ma so sen­si­bel. Es geht um Kul­tur, Poli­tik, Iden­ti­tät und Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen. Etwas mehr dar­über erfah­ren Sie zum Bei­spiel in die­sem Arti­kel.

+++ Kli­ma­neu­tral flie­gen. Geht das wirk­lich? Die Luft­fahrt­bran­che sagt, bis 2050 wird es mög­lich sein, mit neu­en Antrie­ben und Treib­stof­fen. Jakob Grai­chen vom Öko-Insti­tut Frei­burg wird am Don­ners­tag ab 19 Uhr in einer Zoom-Ver­an­stal­tung des Bünd­nis­ses „FMO-Aus­stieg jetzt“ über die Mög­lich­kei­ten und die Gren­zen sol­cher Zukunfts­vi­sio­nen spre­chen. Wenn Sie teil­neh­men möch­ten, kön­nen Sie sich per E-Mail hier anmel­den.

+++ Ein Tipp für April, den man sich schon mal in den Kalen­der schrei­ben kann: Der Jour­na­list Max Meis aus Müns­ter hat einen Film über den Aasee gemacht, der – man kann es sich kaum noch vor­stel­len – vor hun­dert Jah­ren noch gar nicht da war. Sen­de­ter­min: 22. April, WDR, 20.15 Uhr, spä­ter dann in der Mediathek. 

Am Frei­tag schreibt Ihnen Sebas­ti­an Fob­be. Genie­ßen Sie die Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Johan­ne Burkhardt


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PS

Vor 23 Jah­ren habe ich für ein WG-Zim­mer an der Hafen­stra­ße 150 DM gezahlt. Das wären heu­te knapp 80 Euro. Dafür bekommt man zwar immer noch einen geräu­mi­gen Spind, aber zum Woh­nen ist der ja eher schlecht. Nur ein klein wenig mehr Platz braucht man für ein so genann­tes Tiny­house, man könn­te auch sagen: einen Wohn­wür­fel. Von Frei­tag bis nächs­ten Don­ners­tag steht an der Bis­marck­al­lee 2 davon einer am Aasee. Auf die­ser Sei­te kön­nen Sie sich das Ding in einem klei­nen Video schon mal anse­hen. Um so ein Tiny­house abzu­stel­len, reicht im Grun­de schon ein Park­platz. Und dazu ein klei­ner Tipp: Wenn man vier Räder an das Haus schraubt und es im Kreuz­vier­tel schräg auf den Geh­weg stellt, dürf­te das Ord­nungs­amt auch nichts dage­gen haben. 

PPS

Am 28. April ist Girls’ Day. Mäd­chen machen einen Tag lang Erfah­run­gen in „zukunfts­träch­ti­gen Beru­fen, in denen sie bis­her unter­re­prä­sen­tiert sind”, so steht es auf der Web­site. Und das Wort „zukunfts­träch­tig“ klingt zwar ein biss­chen nach 1970. Aber egal, wir füh­len uns ange­spro­chen. Wir machen mit und laden zehn Mäd­chen zu uns in die Redak­ti­on ein, um einen Ein­druck von unse­rer Arbeit zu bekom­men. Das Gan­ze wür­den wir gern auch für Jun­gen anbie­ten, nur lei­der fin­det der „Boys’ Day“ am sel­ben Tag statt, und die Grup­pen sol­len der Idee nach mög­lichst getrennt nach Geschlech­tern teil­neh­men. Vor­schlag daher: Wir laden die Jun­gen ein­fach im nächs­ten Jahr ein. Und falls Sie eine Toch­ter, Nich­te oder Enke­lin haben, die Lust hat, uns einen Tag lang zu besu­chen, mel­den Sie sich gern per E-Mail. Wir freu­en uns.