Mallorca: Mutmaßliche Feuerwehrteufel in U-Haft | Wohnungsbau: Abstimmungsprobleme im Rat | 9-Euro-Ticket: großer Ansturm

Müns­ter, 24. Mai 2022

Guten Tag,

wenn Sie ges­tern oder heu­te mit irgend­ei­nem Medi­um in Kon­takt gekom­men sind, haben Sie sicher die Geschich­te der 13 Kegel­brü­der gehört, die auf Mal­lor­ca ein Feu­er ver­ur­sacht haben sol­len und des­we­gen in Unter­su­chungs­haft sitzen. 

Falls nicht, hier die Kurz­form: Der inzwi­schen euro­pa­weit bekann­te Kegel­club „Stramm am Tisch“, zu dem laut der Stadt Müns­ter auch sechs Fei­er­wehr­leu­te (sic!) aus Rox­el und Albach­ten gehö­ren sowie laut dem WDR ein Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung, soll sich nach sei­ner Ankunft am Bal­ler­mann inner­halb von weni­gen Stun­den so abge­schos­sen haben (Feu­er­wehr­jar­gon: schlauch­lo­ses Löschen), dass danach eine Bar brann­te. Why not? Moment, nein, das ist der Name der Bar („Why not Mallorca?“).

Der Wirt des Albach­te­ner Stamm­lo­kals „Zum Aus­spann“ hat der Bild-Zei­tung über sei­ne Kund­schaft gesagt: „Das sind alles fei­ne Jungs, die nie Stress machen. Ich habe noch nie einen von denen rau­chen gese­hen.“ Das kann natür­lich auch dar­an lie­gen, dass wir in Nord­rhein-West­fa­len seit neun Jah­ren ein Rauch­ver­bot haben und man von der The­ke aus nicht erken­nen kann, was drau­ßen vor der Tür passiert.

Eine Ursa­che kann aber auch sein, dass Men­schen auf Sauf­trips manch­mal ver­ges­sen, wer sie eigent­lich sind – und die Über­ein­kunft gilt: „Was auf der Kegel­tour pas­siert, bleibt auf der Kegel­tour.“ Die­ser Fall lehrt uns: Dar­auf ver­lässt man sich am bes­ten nicht. Die Geschich­te steht heu­te auf allen Titelseiten. 

Wie es jetzt wei­ter­geht, hängt davon ab, wel­che Zei­tung man liest. Die West­fä­li­schen Nach­rich­ten schrei­ben, den Män­nern droh­ten zwi­schen einem und drei Jah­ren Haft. Die Bild-Medi­en schrei­ben von bis zu zehn Jah­ren. Wir machen kei­ne Pro­gno­se, aber wir hal­ten Sie wei­ter auf dem Lau­fen­den. Die Stadt hat ges­tern ange­kün­digt, sie bemü­he sich um Auf­klä­rung. (rhe)

Heute lesen Sie im RUMS-Brief:

  • Mal­lor­ca: Sauf­tour endet im Knast
  • 9-Euro-Ticket: Lan­ge Schlan­gen am Servicecenter
  • Krie­ger­denk­mä­ler: Ste­len als Lösung
  • Zah­len, bit­te: Haus­hal­te ohne Kinder
  • Woh­nungs­po­li­tik: Hat Müns­ter ein Zeigefinger-Problem?
  • Coro­na: Sti­ko emp­fiehlt Bio­n­tech für Kinder
  • Unbe­zahl­te Wer­bung: Bier­gar­ten am Pulverturm
  • Drin­nen und Drau­ßen: Floh­markt am Café Dreiklang

Kurz und Klein

+++ 9-Euro-Ticket I: Ges­tern ist der Vor­ver­kauf des 9-Euro-Tickets gestar­tet. Wer sich ein sol­ches Ticket besorgt, hat eine Monats­kar­te für den Nah­ver­kehr in ganz Deutsch­land und das eben für nur 9 Euro. Für vie­le ein ver­lo­cken­des Ange­bot und ent­spre­chend groß war auch der Ansturm am ers­ten Vor­ver­kaufs­tag, berich­tet Stadt­wer­ke­spre­cher Flo­ri­an Adler. „Wir haben ges­tern unge­fähr 1.500 Papier­ti­ckets ver­kauft“, sagt er. „Vie­le Kun­den haben gleich Monats­ti­ckets für den gan­zen Som­mer gekauft.“ Wie vie­le Kund:innen das Ticket digi­tal bei den Stadt­wer­ken gekauft haben, kön­ne er nicht sagen. Fest ste­he aber: Vie­le sei­en „heiß auf das 9-Euro-Ticket“ gewe­sen, ergänzt Adler. So heiß sogar, dass sich schon kurz vor der Öff­nung um 9 Uhr eine Schlan­ge am Stadt­wer­ke-Ser­vice­cen­ter mobi­lé am Ber­li­ner Platz bil­de­te. Dabei sei das Schlan­ge­ste­hen gar nicht nötig gewe­sen, sagt Adler, denn das 9-Euro-Ticket ist nicht limi­tiert. Ob der Ansturm anhält, lie­ße sich nicht sagen.

+++ 9-Euro-Ticket II: Gute Nach­richt für Stu­die­ren­de: Sie kön­nen das Semes­ter­ti­cket im Som­mer ein­fach für den gesam­ten öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr in Deutsch­land nut­zen. Das schreibt der Stu­die­ren­den­aus­schuss AStA der Uni Müns­ter in einer Rund­mail an alle Stu­die­ren­de, die auch RUMS vor­liegt. Unklar ist noch, wie die Kos­ten fürs Semes­ter­ti­cket erstat­tet wer­den. (sfo)

+++ 9-Euro-Ticket III: Mit dem Semes­ter­ti­cket kön­nen Stu­die­ren­de bis nach Ensche­de fah­ren – aber gilt das auch fürs 9-Euro-Ticket? Lei­der nein. Wie West­fa­len­ta­rif klar­stellt, gilt das Ange­bot nicht für Fahr­ten ins benach­bar­te Aus­land. Ein­zi­ge Aus­nah­me in Nord­rhein-West­fa­len ist der Aache­ner Ver­kehrs­bund. Dort kann man mit dem Ticket auch Fahr­ten in die Nie­der­lan­de unter­neh­men. (sfo)

+++ Im Som­mer 2020 beauf­trag­te der Rat die Ver­wal­tung, ein Kon­zept für den Umgang mit den Krie­ger­denk­mä­lern in Müns­ter zu erar­bei­ten. Um die Denk­mä­ler ent­zün­den sich immer wie­der Debat­ten, weil sie kri­ti­schen Stim­men zufol­ge Kriegs­ver­bre­chen und Kolo­nia­lis­mus gut­hei­ßen (RUMS-Brief vom 14. Juli 2020). Nun hat die Stadt Lösun­gen vor­ge­schla­gen, die die Bot­schaf­ten der Krie­ger­denk­mä­ler his­to­risch-kri­tisch mit Info­s­te­len ein­ord­nen sol­len. Ange­bracht wer­den sol­len die Ste­len an fünf Krie­ger­denk­mä­lern an der Pro­me­na­de. Ob die­ses Jahr alle Tafeln auf­ge­baut wer­den kön­nen, sei aber frag­lich, weil die Roh­stoff­prei­se gera­de stei­gen. Je nach­dem wür­de die Stadt die­ses Jahr erst drei Ste­len auf­stel­len oder das rest­li­che Geld über die Spen­den­platt­form betterplace.org einsammeln.

Das beson­ders umstrit­te­ne Train­denk­mal am Lud­ge­ri­k­rei­sel soll einen deut­li­che­ren Kom­men­tar bekom­men als ande­re Krie­ger­denk­mä­ler. Eine Bron­ze­plat­te in der Nähe des Denk­mals erin­nert an Sol­da­ten, die an Ver­bre­chen in den deut­schen Kolo­nien betei­ligt waren. Das möch­te die Stadt mit dem Satz „Die Stadt Müns­ter bekennt sich zur deut­schen Ver­ant­wor­tung für kolo­nia­les Unrecht und den Völ­ker­mord an den Here­ro und Nama zwi­schen 1904 und 1908. Müns­ter, 2022“ auf der Info­s­te­le hervorheben.

Und auch ein ande­res Denk­mal soll stär­ker in den Fokus rücken. Aller­dings ist die­ses eigent­lich schon lan­ge ver­schwun­den. Bis 1942 erin­ner­te näm­lich ein Denk­mal an den West­fä­li­schen Frie­den, doch dann mon­tier­ten die Nazis es ab, schmol­zen es ein und ver­ar­bei­te­ten es zu Muni­ti­on. Nach Kriegs­en­de wur­de das ehe­ma­li­ge Frie­dens­denk­mal am Kano­nen­gra­ben aber nicht wie­der auf­ge­baut. An all das soll eine wei­te­re Info­s­te­le erin­nern. (sfo)

+++ Wie gefällt es Ihnen eigent­lich in Coer­de? Das will die Stadt nun wis­sen – naja, vor­aus­ge­setzt, Sie woh­nen auch da. Zu eini­gen Leu­ten, die in Coer­de woh­nen, sind Fra­ge­bö­gen unter­wegs. Aus den Ant­wor­ten soll ein umfas­sen­des Mei­nungs­bild ent­ste­hen, damit der Stadt­teil bes­ser nach den Wün­schen der Men­schen in Coer­de wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kann. (sfo)

Zahlen, bitte. 

Im Jahr 2020 gab es in Müns­ter 170.840 Haus­hal­te. In 143.490 davon leb­ten kei­ne Kin­der. In knapp 13 Pro­zent der Haus­hal­te wohn­ten Kin­der zusam­men mit zwei Eltern­tei­len. In etwa 3 Pro­zent der Haus­hal­te leb­ten Alleinerziehende.

Quel­le: Stadt Müns­ter, Stand 2020


Regionaler Wohnungsbau: Das Problem mit der Augenhöhe

Eine Stadt allein kann das all­ge­gen­wär­ti­ge Woh­nungs­pro­blem nicht lösen, denn es hat viel mit Ver­flech­tun­gen zu tun. Wenn das Woh­nen in der Stadt zu teu­er wird, zie­hen die Men­schen ins Umland. Dort stei­gen nicht nur die Prei­se, auch der Pen­del­ver­kehr nimmt zu. Alles hängt irgend­wie mit­ein­an­der zusammen. 

Des­we­gen wol­len die Kom­mu­nen in der Regi­on enger zusam­men­ar­bei­ten. Das klingt nach einer ver­nünf­ti­gen Idee. Die Rats­sit­zung am Mitt­woch ver­mit­tel­te aller­dings einen Ein­druck davon, wie kom­pli­ziert das wer­den kann. Denn dabei geht es nicht nur dar­um, prag­ma­ti­sche Lösun­gen zu fin­den, son­dern auch um miss­ver­ständ­li­che Zwi­schen­tö­ne, alte Res­sen­ti­ments und ganz grund­sätz­lich ver­schie­de­ne poli­ti­sche Vorstellungen. 

Auf dem Tisch lag ein Papier, das die Räte der Kom­mu­nen im Umland schon beschlos­sen hat­ten. Ins­ge­samt sie­ben Punk­te. In einem geht es um eine Stu­die zum Woh­nungs­markt in der Regi­on, mit der wir uns im März schon beschäf­tigt haben – in den übri­gen sechs um gemein­sa­me Zie­le, ein regio­na­les Woh­nungs­bau­pro­gramm und einen Auf­trag an die Stadt­ver­wal­tung. Die soll­te prü­fen, ob und wie man zusam­men mit den Kom­mu­nen eine gemein­sa­me Woh­nungs­ge­sell­schaft grün­den könn­te. Müns­ter hat so eine Gesell­schaft mit der Wohn- und Stadt­bau bereits. Die Kom­mu­nen im Umland könn­ten so leich­ter selbst Wohn­raum schaffen. 

Müns­ters Bünd­nis aus Grü­nen, SPD und Volt hat­te in dem Papier noch eini­ge Ände­run­gen ergänzt. In einem ach­ten Punkt erin­nert es die Stadt­ver­wal­tung dar­an, bei der Aus­ar­bei­tung an Müns­ters woh­nungs­po­li­ti­sche Grund­sät­ze zu den­ken. In einem Absatz steht: „Die bereits in Müns­ter gel­ten­den Ver­pflich­tun­gen zum kli­ma­ge­rech­ten Bau­en müs­sen (…) an die Her­aus­for­de­run­gen des Ziels der Kli­ma­neu­tra­li­tät ange­passt wer­den und somit die Grund­la­ge für die gesam­te Ent­wick­lung inner­halb der Stadt­re­gi­on bilden.“

„Ein Angebot von uns“

Die Dis­kus­si­on begann mit einer Bit­te des Ober­bür­ger­meis­ters. Mar­kus Lewe sag­te, er habe am Mor­gen mit den Bür­ger­meis­te­rin­nen und Bür­ger­meis­tern der Stadt­re­gi­on gespro­chen. Die sei­en wegen der Ände­run­gen doch etwas irri­tiert. Der Inhalt der ein­ge­füg­ten Pas­sa­gen sei ja eh selbst­ver­ständ­lich. Ob man denn dar­aus nicht ein­fach Pro­to­koll­no­ti­zen machen kön­ne. So hät­ten die Par­tei­en die eige­ne Posi­ti­on klar­ge­stellt, aber sie wäre nicht Teil des Beschlusses. 

Syl­via Rie­ten­berg, Frak­ti­ons­spre­che­rin der Grü­nen, sag­te, wenn die Punk­te doch so selbst­ver­ständ­lich sei­en, wie Lewe sage, dann kön­ne man sie ja auch ein­fach in den Beschluss schrei­ben. Der Wider­stand bestär­ke sie eher in der Über­zeu­gung, dass die Ergän­zung not­wen­dig sei. 

Lia Kirsch von der SPD hol­te etwas aus und erklär­te den Hin­ter­grund: Die Kom­mu­nen im Umland hät­ten kei­ne eige­ne Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten, kei­ne Kon­ver­si­ons­ge­sell­schaft Kon­voy und kein Pro­gramm, um sozia­len Wohn­raum zu schaf­fen. Das habe die Ände­run­gen not­wen­dig gemacht. „Es ist ein Ange­bot von uns“, sag­te Kirsch. Man wol­le die Kom­mu­nen mit Know-how unter­stüt­zen, wenn es dar­um gehe, eine eige­ne Woh­nungs­ge­sell­schaft auf­zu­bau­en. Das sei aber nicht so gemeint, dass die ande­ren Kom­mu­nen alles so machen müss­ten wie in Münster. 

Genau so kön­ne man das geän­der­te Papier aber ver­ste­hen, sag­te Ulrich Möl­len­hoff von der CDU. Die For­mu­lie­run­gen sei­en unscharf. Man lege fest, dass Grund­stü­cke nicht ver­kauft, son­dern in Erb­pacht ver­ge­ben wer­den soll­ten, also im Eigen­tum der Stadt blei­ben. Das sei auch in Müns­ter noch gar nicht durch­weg der Fall. Und dann die­ser Satz, die Regeln aus Müns­ter soll­ten zur Grund­la­ge für die Ent­wick­lung in der Regi­on wer­den. Er kön­ne gut ver­ste­hen, dass das im Umland falsch rüber­kom­men könn­te, sag­te Möllenhoff. 

Früh Klarheit schaffen, Enttäuschungen vermeiden

Das denkt auch Jörg Berens, der Frak­ti­ons­chef der FDP. So eine For­mu­lie­rung stel­le in Fra­ge, ob man wirk­lich auf Augen­hö­he zusam­men­ar­bei­te, sag­te er. Mit ihr mache man klar, dass eine gemein­sa­me Gesell­schaft nur unter den in Müns­ter gel­ten­den Prä­mis­sen gegrün­det wer­den kön­ne. „Das ist eine Vor­fest­le­gung, die uns im Rah­men die­ses Pro­jek­tes ehr­li­cher­wei­se nicht zusteht“, sag­te Berens. Wenn man so etwas ein­sei­tig beschlie­ße, sto­ße man den Kom­mu­nen vor den Kopf. 

Micha­el Krapp von der ödp sieht das etwas anders. Er sag­te, es sei wich­tig, dass man früh klar mache, dass gewis­se Din­ge nicht ver­han­del­bar sei­en – auch um Ent­täu­schun­gen zu vermeiden.

Und dar­um dreh­te sich die Debat­te. Stellt Müns­ter hier ein­fach klar, was es will? Oder nötigt es ande­ren die eige­nen Regeln auf?

Mar­kus Lewe sag­te, den Kom­mu­nen sei ja bewusst, dass in Müns­ter gewis­se Stan­dards gel­ten. Die wol­le auch nie­mand in Fra­ge stel­len. Es gehe ein­fach dar­um, eine gemein­sa­me Ver­trau­ens­ebe­ne zu finden.

Das wie­der­um irri­tier­te Albert Wen­zel von den Grü­nen. Man habe doch ledig­lich die Ver­wal­tung beauf­tragt, eini­ge Punk­te in die Dis­kus­si­on ein­zu­brin­gen. „Wenn das jetzt nicht mehr im Rah­men der Mög­lich­kei­ten des Rates der Stadt Müns­ter sein soll, Ihnen und der Ver­wal­tung Auf­trä­ge zu geben, dann brau­chen wir viel­leicht die Vor­la­ge nicht“, sag­te Wenzel.

Lewe sag­te: „Es ging eigent­lich dar­um, dass wir einen ein­heit­li­chen Beschluss krie­gen.“ Die ande­ren Punk­te hät­te man sepa­rie­ren müs­sen. Und so näher­te man sich lang­sam dem Kern der Auseinandersetzung. 

Vorgaben ja, aber separat

Mathi­as Kers­t­ing von der CDU wies dar­auf hin, dass der Ände­rungs­an­trag eben gera­de kein Ser­vice­an­ge­bot sei – „damit das Umland weiß, was wir hier Tol­les in Müns­ter machen“. Es sei mehr. „Es ist am Ende wie­der der erho­be­ne Zei­ge­fin­ger aus Müns­ter, der alles bes­ser weiß und Telg­te sagt, was sie machen sol­len“, sag­te Kersting. 

Der par­tei­lo­se Geor­gi­os Tsaka­li­dis aus der Inter­na­tio­na­len Frak­ti­on sieht das eher umge­kehrt. „Die­se Städ­te gucken nach Müns­ter“, sag­te er. Dann mel­de­te sich noch ein­mal Syl­via Rie­ten­berg. Sie sag­te, sie sei irri­tiert, wie die­ser ein­fa­che Antrag jetzt umin­ter­pre­tiert werde. 

Mar­tin Peit­zmei­er von der CDU fass­te zusam­men, es sei ja völ­lig in Ord­nung, wenn der Rat der Ver­wal­tung gewis­se Vor­ga­ben mache, aber das gehö­re nicht in das gemein­sa­me Papier. Das sei eine inter­ne Sache. Die­se Vor­ga­ben müs­se man sepa­rat machen. Des­we­gen tue sei­ne Par­tei sich mit den Ände­run­gen so schwer. 

Das wie­der­um erin­ner­te an die Debat­te um den Musik-Cam­pus, für den sich der Uni-Rek­tor vom Rat ein kla­res Bekennt­nis wünsch­te, das Rat­haus­bünd­nis mit die­sem Bekennt­nis aber gern noch ver­schie­de­ne Bedin­gun­gen fest­schrei­ben woll­te. Das hat mög­li­cher­wei­se auch mit ver­schie­de­nen Poli­tik­ver­ständ­nis­sen zu tun. 

Der Kon­flikt ergibt sich in Müns­ter immer wie­der. Beim Musik-Cam­pus geht es der CDU um ein visio­nä­res Jahr­hun­dert­pro­jekt, dem Bünd­nis, vor allem den Grü­nen, um eine prag­ma­ti­sche und mög­lichst bezahl­ba­re Lösung für die Platz­pro­ble­me der Musik­schu­le und des Sinfonieorchesters. 

In der Debat­te um die als „Fly­o­ver“ bekannt gewor­de­ne Fahr­rad­brü­cke am Kano­nen­gra­ben woll­te die CDU ein strah­len­des Pres­ti­ge­pro­jekt. Die Grü­nen woll­ten vor allem ein Ver­kehrs­pro­blem lösen.

Und ein biss­chen so ist es viel­leicht auch in die­sem Fall. Der Ober­bür­ger­meis­ter möch­te eine inter­kom­mu­na­le Zusam­men­ar­beit mit Signal­wir­kung, Müns­ters Rat­haus­bünd­nis vor allem mög­lichst viel kli­ma­ver­träg­li­chen Wohn­raum. (rhe)

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Corona-Update

+++ Die Stadt mel­det heu­te 221 Neu­in­fek­tio­nen mit dem Coro­na­vi­rus in den letz­ten 24 Stun­den. Die offi­zi­el­le Wochen­in­zi­denz liegt in Müns­ter laut Robert-Koch-Insti­tut bei 347 Anste­ckun­gen pro 100.000 Einwohner:innen in den letz­ten sie­ben Tagen. 1.761 Per­so­nen gel­ten als nach­weis­lich infi­ziert. 206 Men­schen sind seit Beginn der Pan­de­mie im Zusam­men­hang mit Covid-19 in Müns­ter ver­stor­ben. (sfo)

+++ Bis­her war die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on (Sti­ko) bekann­ter­ma­ßen zurück­hal­tend, wenn es um die Kin­der­imp­fung gegen Covid-19 geht. Nun emp­fiehlt sie aber gene­rell eine Impf­do­sis für Kin­der zwi­schen 5 und 11 Jah­ren, am bes­ten mit Bio­n­tech. Kin­der, die vor­er­krankt sind oder engen Kon­takt zu Risi­ko­grup­pen haben, soll­ten auch einen zwei­ten Piks bekom­men. Im Spie­gel begrün­det Sti­ko-Mit­glied Mar­tin Ter­hardt das „sehr ernst gemein­te und ver­ant­wor­tungs­voll aus­ge­spro­che­ne Ange­bot“ an die Eltern damit, dass man sich auf eine mög­li­che Infek­ti­ons­wel­le im Herbst vor­be­rei­ten müs­se. Wenn Sie die­ses Ange­bot anneh­men wol­len, schau­en Sie ein­mal hier vor­bei. (sfo)

+++ Und dann erreicht uns eine Nach­richt, die wohl gera­de nie­mand gebrau­chen kann: Die Affen­po­cken sind in Nord­rhein-West­fa­len ange­kom­men. Viel­leicht schie­ßen Ihnen da die glei­chen Gedan­ken in den Kopf, die Sie noch vom Beginn der Coro­na­pan­de­mie in Deutsch­land in Erin­ne­rung haben: Was sind das für Viren? Wie ste­cke ich mich an? Bin ich gefähr­det? Und wahr­schein­lich kommt eine neue Fra­ge dazu: Geht das Gan­ze jetzt wie­der von vor­ne los? Gegen das Grü­beln hilft Ihnen viel­leicht die­ses Video. Dar­in beant­wor­tet Ste­phan Lud­wig, Lei­ter des Insti­tuts für Viro­lo­gie an der Uni Müns­ter und am Uni­kli­ni­kum, grund­le­gen­de Fra­gen zu den Affen­po­cken. Und – so viel sei ver­ra­ten – er ent­warnt ein wenig: Affen­po­cken sei­en schon lan­ge bekannt, es gebe auch Medi­ka­men­te und Impf­stof­fe gegen das Virus. (sfo)

Ein-Satz-Zentrale

+++ Nach 32 Mona­ten Pau­se war auf dem Pro­me­na­den-Floh­markt viel los, das Geld saß aber offen­bar nicht ganz so locker. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Die Müll­ab­fuhr ver­schiebt sich wegen des Fei­er­tags am Don­ners­tag um einen Tag nach hin­ten. (Stadt Müns­ter)

+++ Die Stadt will mehr Fahr­rad­stell­plät­ze am Bahn­hal­te­punkt Zen­trum Nord bau­en und auch an ande­ren Stel­len in Mobil­sta­tio­nen inves­tie­ren. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Der Autor Euge­ni­usz Tka­c­zy­szyn-Dycki hat am Sonn­tag zusam­men mit sei­ner Über­set­ze­rin und sei­nem Über­set­zer den Poe­sie­preis der Stadt Müns­ter erhal­ten, muss­te aber absa­gen. (Stadt Müns­ter)

+++ Das Diö­ze­san­ko­mi­tee der Katho­li­ken im Bis­tum Müns­ter hat erst­mals zwei Vor­sit­zen­de – zwei Frau­en, die unter ande­rem sexua­li­sier­te Gewalt in der Kir­che auf­ar­bei­ten und ver­hin­dern wol­len. (Dom­ra­dio)

+++ Die Stu­die­ren­den der Uni Müns­ter wäh­len vom 30. Mai bis zum 3. Juni ihre Gre­mi­en, unter ande­rem das Stu­die­ren­den­par­la­ment, die Fach­schafts­ver­tre­tun­gen, die Aus­län­di­sche Stu­die­ren­den­ver­tre­tung, die stu­den­ti­schen Mit­glie­der der Fach­be­reichs­rä­te und die stu­den­ti­schen Mit­glie­der für den Senat. (AStA Uni Müns­ter)

+++ Das Geschichts­ma­ga­zin „Q Histo­ry“ von Radio Q hat sich mit Kai­ser Wil­helm II., dem Namens­ge­ber der Uni Müns­ter, beschäf­tigt. (NRWi­si­on)

+++ Am Stau­fen­platz fehlt jetzt ein mar­kan­tes Eck­ge­bäu­de aus dem Jahr 1883. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

+++ Irgend­ein Trot­tel hat ein Haken­kreuz auf den Brief­kas­ten der Grü­nen in Kin­der­haus geschmiert. (Twitter/Grüne Müns­ter Nord)

+++ 14 Men­schen haben sich auf die Stel­le als Nachtbürgermeister:in bewor­ben. (West­fä­li­sche Nach­rich­ten)

Unbezahlte Werbung

Den Bier­gar­ten am Fach­werk­haus an der Pro­me­na­de mit der hüb­schen Gar­ten­be­leuch­tung ken­nen Sie viel­leicht noch als Klamm & Hein­rich. Die Gast­stät­te schloss im ver­gan­ge­nen Herbst. Was aus Müns­ters ältes­tem Bier­gar­ten wer­den wür­de, war nicht ganz klar. Inzwi­schen ist die Fra­ge zumin­dest für die­ses Jahr beant­wor­tet. Seit Ende April ist der Bier­gar­ten wie­der geöff­net. Unter der Woche gibt es abends küh­le Geträn­ke und Käse­plat­ten, am Wochen­en­de bekom­men Sie schon ab 14 Uhr Kaf­fee und Kuchen. Reser­vie­run­gen sind für Grup­pen mit min­des­tens vier Per­so­nen hier möglich.

Hier fin­den Sie alle unse­re Emp­feh­lun­gen. Soll­te Ihnen ein Tipp beson­ders gut gefal­len, tei­len Sie ihn ger­ne ein­fach über den Link.

Drinnen und Draußen

Heu­te hat Vik­to­ria Pehl­ke für Sie in den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der geschaut. Das sind ihre Empfehlungen:

+++ Falls Sie am ver­gan­ge­nen Sams­tag den Floh­markt an der Pro­me­na­de ver­passt haben, mer­ken Sie sich am bes­ten schon mal den nächs­ten Sonn­tag vor. Im Hin­ter­hof des Cafés Drei­klang in der Wol­be­cker Stra­ße 36 kön­nen Sie von 13 bis 18 Uhr stö­bern und im Café für einen Kaf­fee oder Kuchen und Stul­len einkehren.

+++ Mor­gen ab 17 Uhr lohnt sich ein Aus­flug zum Gaso­me­ter. Dort laden zehn Initia­ti­ven aus Müns­ter zu Work­shops und Gesprä­chen rund um das The­ma Agrar- und Ernäh­rungs­wen­de ein. Mit dabei sind zwei bra­si­lia­ni­sche Akti­vis­tin­nen, die von ihrem Ein­satz für die Rech­te der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung berich­ten. Das klingt sehr ernst, aber es gibt auch Unter­hal­tung, genau­er: Live-Musik. 

+++ Für FLINTA*, die sich ger­ne ein­mal an den Plat­ten­tel­lern aus­pro­bie­ren möch­ten, bie­tet „High Vol­ta­ge“ einen DJ-Work­shop mit der Künst­le­rin Kate Logne an. Das Equip­ment wird gestellt. Der kos­ten­lo­se Work­shop fin­det am 3. Juni (Frei­tag) ab 18 Uhr an der B-Side statt, Sie kön­nen sich jetzt schon per E-Mail anmelden. 

+++ Am Sonn­tag ist Welt-Mul­ti­ple-Skle­ro­se-Tag. Das Cine­plex zeigt zu die­sem Anlass die Vor­pre­mie­re des Films „Ein gro­ßes Ver­spre­chen“. Die Prot­ago­nis­tin Judi­tha lebt mit der fort­schrei­ten­den Krank­heit und ver­sucht, gemein­sam mit ihrem Part­ner Erik einen Weg zu fin­den, damit umzu­ge­hen. Kar­ten für die Vor­stel­lung bekom­men Sie hier.

+++ Das Stadt­en­sem­ble Müns­ter wird ab Juni 13 Thea­ter­stü­cke noch ein­mal auf­füh­ren, die im Herbst 2021 beim Fes­ti­val der Demo­kra­tie zu sehen waren. Sie kön­nen eines oder meh­re­re die­ser Stü­cke buchen, und zwar für einen Auf­füh­rungs­ort Ihrer Wahl. Alle Stü­cke, mehr Infos und Kon­takt­da­ten fin­den Sie hier.

Am Frei­tag schreibt Ihnen Con­stan­ze Busch. Haben Sie eine gute Woche. 

Herz­li­che Grü­ße
Ralf Hei­mann

Mit­ar­beit: Con­stan­ze Busch, Sebas­ti­an Fob­be, Jan Gro­ße Nobis, Vik­to­ria Pehl­ke
Lek­to­rat: Anto­nia Strotmann

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PS

Bevor man neun Euro inves­tiert, fragt man sich natür­lich: Lohnt sich das über­haupt? Die Fra­ge lässt sich in zwei Sät­zen beant­wor­ten. Die Stadt­wer­ke haben das ges­tern zum Ver­kaufs­start des 9-Euro-Tickets in einer E-Mail an ihre Kund­schaft getan, zu der ich selbst auch gehö­re. In der E-Mail steht unter ande­rem: „Der Kauf des 9-Euro-Tickets lohnt sich für Sie, wenn Sie mehr als fünf Fahr­ten monat­lich mit dem 90-Minu­ten-Ticket unter­neh­men und die Kin­der­mit­nah­me kei­ne gro­ße Rol­le spielt.“ Hier bleibt die Fra­ge: Was bedeu­tet es, wenn die Kin­der­mit­nah­me eine klei­ne Rol­le spielt? Heißt das dann: Kin­der soll­ten schon mit­fah­ren kön­nen, kön­nen aber ruhig ste­hen? Oder bedeu­tet es: Wenn sie noch mit rein­pas­sen, gut, ansons­ten blei­ben sie eben an der Hal­te­stel­le ste­hen? Wir wer­den das her­aus­fin­den. Im zwei­ten Satz der E-Mail steht: „Der Kauf des 9-Euro-Tickets lohnt sich für Sie, wenn Sie über Müns­ter hin­aus­fah­ren möch­ten.“ Das ist glück­li­cher­wei­se sehr viel leich­ter zu ver­ste­hen. Das Ticket gilt ja in ganz Deutsch­land. In dem Fall müss­te man viel­leicht nur eine Ein­schrän­kung ergän­zen: „wenn Sie über unend­lich viel Zeit ver­fü­gen und Platz­angst für Sie kein The­ma ist“.