Neuer Podcast | RUMS im Radio | F24 für zu Hause

Müns­ter, 5. Febru­ar 2021

Guten Tag,

heu­te schi­cken wir Ihnen etwas weni­ger zu lesen als gewöhn­lich, denn wir haben für Sie etwas zum Hören. Und zwar unse­ren fun­kel­na­gel­neu­en Pod­cast „RUNDLAUF – eine Stun­de Müns­ter“.

Ralf Hei­mann ist mit dem Kon­zept­künst­ler Rup­pe Kosel­leck in Berg Fidel spa­zie­ren gegan­gen, zum alten Bahn­hal­te­punkt, wo frü­her die Preu­ßen-Fans aus dem Zug aus­stie­gen, um rüber zum Sta­di­on zu lau­fen, zu einer leer ste­hen­den Spar­kas­se und zu einem ver­las­se­nen Schwimmbad.

Berg Fidel ist ein beson­de­rer Stadt­teil. Es ist ein Ort, der nicht das wur­de, was aus ihm wer­den soll­te, der aber doch anders ist, als das Kli­schee ihn zeich­net. Auf dem Berg steht ein gewal­ti­ger Wohn­klotz, 17 Stock­wer­ke hoch, der Wei­ße Rie­se, Fide­lio sag­ten sie frü­her liebevoll.

Hier soll­ten die leben, die ein gutes Aus­kom­men haben, Professor:innen der Uni zum Bei­spiel. Das alte Schwimm­bad, das heu­te hin­ter Glas­schei­ben vor sich hin rot­tet, ist ein Relikt aus die­ser Zeit. Es ist alles etwas anders gekom­men. Aber es ist auch anders gewor­den, als man den­ken wür­de. Berg Fidel ist ein war­mer Ort.

Rup­pe Kosel­leck kommt schon lan­ge immer wie­der hier­her, seit sei­nem Stu­di­um. Berg Fidel erin­nert ihn an sei­ne Hei­mat­stadt. Er mag die­sen Ort, und er glaubt, dass aus dem Stadt­teil noch etwas wer­den wird, womit vie­le nicht rechnen.

In die­sem Jahr bringt Rup­pe Kosel­leck die Kunst nach Berg Fidel. Wenn Sie dort unter­wegs sind und auf einer Mau­er, in einer Fuge oder einem klei­nen Vor­sprung ein paar Mün­zen fin­den, dann hat Rup­pe Kosel­leck sie dort wahr­schein­lich abge­legt. War­um, hat er Ralf Hei­mann beim Spa­zier­gang erzählt. Hier geht es zum Pod­cast.


In aller Kürze

+++ Die Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen von Grü­nen, SPD und Volt haben ges­tern Abend für den Koali­ti­ons­ver­trag (RUMS-Brief von Diens­tag) gestimmt. Bei den SPD-Mit­glie­dern erreich­te das Papier 93 Pro­zent, bei den Grü­nen 98 und bei den Volt-Mit­glie­dern sogar 100 Pro­zent Zustim­mung. Das neue Bünd­nis kann also nächs­te Woche sei­ne Arbeit auf­neh­men. Aller­dings etwas anders als geplant, denn die für Mitt­woch ange­setz­te Rats­sit­zung fällt aus. Statt­des­sen tagt der Haupt­aus­schuss als „klei­ner Rat“, damit weni­ger Men­schen zusam­men­kom­men müs­sen und das Infek­ti­ons­ri­si­ko gerin­ger ist. Die Sit­zung beginnt am Mitt­woch um 16 Uhr im Fest­saal des Rat­hau­ses am Prin­zi­palmarkt, hier fin­den Sie die Tagesordnung.

+++ Die Stadt hat­te einen Gut­ach­ter, Prof. Dr. Chris­ti­an Schrap­per von der Uni Koblenz, damit beauf­tragt, ihr Vor­ge­hen im Miss­brauchs­kom­plex zu unter­su­chen. Der Haupt­ver­däch­ti­ge Adri­an V. aus Müns­ter, sei­ne Lebens­ge­fähr­tin und ihr Sohn waren dem Jugend­amt schon vor Jah­ren bekannt. Ende 2014 infor­mier­te die Staats­an­walt­schaft den Kom­mu­na­len Sozi­al­dienst über eine Ankla­ge gegen Adri­an V., weil er Abbil­dun­gen von Miss­brauchs­hand­lun­gen (soge­nann­te Kin­der­por­no­gra­phie) beses­sen und ver­brei­tet hat­te. Das Jugend­amt soll­te klä­ren, ob der damals fünf­jäh­ri­ge Sohn der Lebens­ge­fähr­tin in Gefahr sei. Jetzt liegt Schrap­pers Gut­ach­ten vor: Das Jugend­amt habe sorg­fäl­tig gear­bei­tet. Gra­vie­ren­de fach­li­che Ver­säum­nis­se sei­en nicht zu erken­nen, aller­dings „deut­li­che Schwä­chen“. Die Mitarbeiter:innen hät­ten Zwei­fel an der Sicher­heit des Jun­gen in der Fami­lie doku­men­tiert, die­se aber nicht wei­ter­ver­folgt. Hier fin­den Sie die Pres­se­mit­tei­lung der Stadt mit Details zum Gutachten.

+++ Wie die Poli­zei mit­teilt, ist heu­te die Lebens­ge­fähr­tin von Adri­an V. ver­haf­tet wor­den. Sie soll spä­tes­tens seit Okto­ber 2018 davon gewusst haben, dass ihr Freund ihren heu­te elf­jäh­ri­gen Sohn über Jah­re hin­weg sexu­ell miss­braucht haben soll. Den­noch habe sie ihren Sohn nicht geschützt, son­dern ihn wei­ter­hin ihrem Lebens­ge­fähr­ten über­las­sen. Dar­über hin­aus haben die Ermitt­ler den Ver­dacht, dass die Frau in einem Fall sogar wäh­rend der Miss­brauchs­hand­lun­gen anwe­send gewe­sen sei und sie nicht ver­hin­dert habe. Sie sitzt nun in Untersuchungshaft.

+++ 270 Kin­der kön­nen zum neu­en Schul­jahr an den bei­den Gesamt­schu­len in Müns­ter (Gesamt­schu­le Müns­ter-Mit­te und Mat­hil­de-Anne­ke-Gesamt­schu­le) ange­mel­det wer­den, das Inter­es­se ist aber mehr als dop­pelt so groß. Es gebe 554 Anmel­de­wün­sche, teilt die Stadt mit. Schul­de­zer­nent Tho­mas Paal will nun mit der Bezirks­re­gie­rung dar­über spre­chen, ob in der Stadt eine drit­te Gesamt­schu­le eröff­net wer­den kann.


Corona-Update

Die guten Nach­rich­ten zuerst: Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz (gemel­de­te Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen und Woche) ist wei­ter zurück­ge­gan­gen und wird heu­te mit 28,5 ange­ge­ben. Und: Am Mon­tag­nach­mit­tag sol­len im Impf­zen­trum end­lich die ers­ten Sprit­zen ver­ge­ben wer­den, bis Ende Febru­ar 1230 Dosen pro Woche, schreibt die Stadt. Dar­an soll auch der zu erwar­ten­de Win­ter­ein­bruch nichts ändern, der Win­ter­dienst wer­de den Bereich um die Hal­le Müns­ter­land beson­ders im Blick haben.

Wie fast immer im Zusam­men­hang mit der Pan­de­mie gibt es lei­der auch schlech­te Nach­rich­ten. In Müns­ter sind bei den ers­ten Patient:innen Infek­tio­nen mit der soge­nann­ten bri­ti­schen Muta­ti­on des Coro­na­vi­rus nach­ge­wie­sen wor­den, eben­so im Kreis Bor­ken. Im Kreis Stein­furt wur­den die bri­ti­sche und die süd­afri­ka­ni­sche Muta­ti­on ent­deckt. Außer­dem hat die Stadt Müns­ter seit Diens­tag fünf wei­te­re Todes­fäl­le gemel­det. Eine 80-jäh­ri­ge und eine 92-jäh­ri­ge Frau sowie drei Män­ner im Alter von 74, 81 und 86 Jah­ren sind gestor­ben. Ins­ge­samt sind seit März des ver­gan­ge­nen Jah­res 96 Men­schen aus Müns­ter gestor­ben, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren.

Aktu­ell gel­ten 187 Münsteraner:innen als infi­ziert. 62 Men­schen wer­den im Kran­ken­haus behan­delt, davon 14 auf der Inten­siv­sta­ti­on. Neun Men­schen wer­den beatmet.


Unbezahlte Werbung

Das F24 muss ich Ihnen wahr­schein­lich nicht vor­stel­len, es ist eine Insti­tu­ti­on. War­um ich es hier heu­te trotz­dem erwäh­ne: Wenn Sie in der Nähe der Kul­tur­knei­pe woh­nen, kön­nen Sie sich Fala­fel, Pide, Döner, Fla­den­brot und die ande­ren tol­len Sachen auf der Spei­se­kar­te jetzt auch nach Hau­se brin­gen las­sen. Das Team lie­fert im Umkreis von zwei Kilo­me­tern. Wenn Sie wei­ter weg woh­nen, kön­nen Sie im F24 zum Abho­len bestel­len. Oder Sie schau­en nach, ob Ihr Lieb­lings­ge­richt auf der Kar­te des Hans & Franz an der Wol­be­cker Stra­ße steht. Das gehört näm­lich dem­sel­ben Besit­zer, und auch da gibt es einen Bring­dienst und Selbst­ab­ho­lung. Mein Lieb­lings­ge­richt, die Pide mit Hir­ten­kä­se, Auber­gi­nen und Toma­ten, fin­den Sie auf bei­den Speisekarten.


Drinnen und Draußen

Für die nächs­ten Tage haben wir eini­ge Tipps für Sie: Es gibt Kul­tur aus Müns­ter, RUMS im Radio, Polar­lich­ter, ein biss­chen Mys­te­ry und viel Schnee.

+++ Kul­tur heißt heu­te vor allem: jede Men­ge Thea­ter. Den Anfang macht am Sams­tag um 19 Uhr das Thea­ter Müns­ter mit der Oper „Angels in Ame­ri­ca“ von Peter Eöt­vös (Infos und Link zum Stream hier). Sie basiert auf dem gleich­na­mi­gen Thea­ter­stück von Tony Kush­ner, das 1993 mit dem Pulit­zer-Preis aus­ge­zeich­net wur­de. Die Oper kön­nen Sie sich ab Sams­tag­abend 24 Stun­den lang kos­ten­los anschauen.

+++ Am Sonn­tag geht’s auf einer ande­ren Büh­ne wei­ter: Das Thea­ter 7 Wie­sen streamt ab 16 Uhr eine Fami­li­en-Impro-Show, den Link bekom­men Sie nach Anmel­dung auf der Web­site. Der „Ein­tritt“ ist frei, das Team freut sich aber über Spenden.

+++ Das Thea­ter im Pum­pen­haus lädt für Diens­tag (18 Uhr) und Mitt­woch (20 Uhr) zum Live­stream ein. Der öster­rei­chi­sche Dra­ma­ti­ker Tho­mas Bern­hard wäre am Diens­tag 90 Jah­re alt gewor­den. Zu die­sem Anlass lesen Cars­ten Ben­der und Pitt Hart­mann aus der Erzäh­lung „Gehen“. Zu mehr Hin­ter­grund und zum Stream bit­te hier ent­lang.

+++ Weg von der Büh­ne und hin zu den gro­ßen Wun­dern der Natur. Die Stern­freun­de Müns­ter und das Pla­ne­ta­ri­um im LWL-Natur­kun­de­mu­se­um bie­ten am Diens­tag­abend einen Online-Vor­trag an. Jür­gen Sto­ckel erzählt von sei­ner Island-Rei­se, die er im ver­gan­ge­nen Som­mer unter­nom­men hat, erklärt, war­um er dort Polar­lich­ter sehen konn­te, und zeigt Bil­der von dem fas­zi­nie­ren­den Him­mels­leuch­ten. Los geht’s um 19.30 Uhr, und zwar hier.

+++ Natur­wun­der kön­nen Sie in den nächs­ten Tagen auch selbst live erle­ben, denn ab Sonn­tag soll im Müns­ter­land reich­lich Schnee fal­len. Wenn Sie das wei­ße Wun­der­land außer­halb der Stadt erle­ben wol­len (und die Stra­ßen­ver­hält­nis­se einen Aus­flug erlau­ben), fin­den Sie hier ein paar Ideen für Ihren Win­ter­spa­zier­gang. Und falls Sie allein los­ge­hen und sich für unter­wegs ein biss­chen Unter­hal­tung wün­schen: Mei­ne Kol­le­gin Johan­ne Burk­hardt emp­fiehlt das Hör­spiel „Die Roofe“ von Deutsch­land­funk Kul­tur und ver­spricht ein biss­chen Mys­te­ry-Fee­ling, Span­nung und eine krea­ti­ve Geschich­te. Oder Sie hören den neu­en RUMS-Pod­cast, da geht es ja auch um einen Spaziergang.

+++ Und noch ein Hör­tipp in eige­ner Sache: Sca­la, das Kul­tur­ma­ga­zin des Radio­sen­ders WDR 5, hat ges­tern RUMS vor­ge­stellt. Der Autor Ste­fan Keim hat für die Sen­dung „Neue For­men des Jour­na­lis­mus im Netz“ mit unse­rem Pro­jekt-Mana­ger Marc-Ste­fan And­res gespro­chen, außer­dem mit Kol­le­gen des Blogs „Ruhr­ba­ro­ne“ und der Dort­mun­der „Nord­stadt­blog­ger“. Sie kön­nen sich den Mit­schnitt in der WDR-Media­thek anhören.

+++ Über die Macht der Spra­che hat­ten wir vor zwei Wochen geschrie­ben. Des­halb emp­feh­len wir Ihnen heu­te ger­ne eine Online-Dis­kus­si­on zum The­ma, und zwar mit der Kaba­ret­tis­tin Lisa Eck­hart, dem Sozi­al­ak­ti­vis­ten Ali Can und dem Phi­lo­so­phen Phil­ipp Hübl. Phil­ipp Oehm­ke vom Maga­zin Spie­gel, das die Ver­an­stal­tung aus­rich­tet, mode­riert die Run­de. Am Mon­tag um 20 Uhr geht es los, Tickets bekom­men Sie hier für 4,50 Euro plus Servicegebühr.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann wie­der. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes win­ter­li­ches Wochenende.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Johan­ne Burk­hardt, Ralf Heimann


PS

Ein Leser hat mich auf eine unsen­si­ble For­mu­lie­rung in mei­nem letz­ten Brief auf­merk­sam gemacht. Ich hat­te die Arte-Doku „Ein Mäd­chen“ über ein Trans­gen­der-Kind emp­foh­len und geschrie­ben „Sascha wur­de als Jun­ge gebo­ren, fühlt sich aber schon seit dem drit­ten Lebens­jahr als Mäd­chen“. Der Leser schrieb mir, die­se For­mu­lie­rung könn­te auf Mit­glie­der der trans*-Community ver­let­zend wir­ken – das war natür­lich nicht mei­ne Absicht. Bes­ser sei „Sascha wur­de bei der Geburt dem männ­li­chen Geschlecht zuge­wie­sen, ist aber ein Mäd­chen.“ Vie­len Dank für den Hinweis!