Ein gemischter Campus für 286 Millionen | Viele Corona-Neuinfektionen | DouDou Deli

Müns­ter, 7. Janu­ar 2022

Guten Tag,

das ging ja schnell: Heu­te ist die ers­te Woche des neu­en Jah­res her­um. Und, wir hat­ten es am Diens­tag schon ange­kün­digt, auch die ers­te Musik-Cam­pus-Woche des Jah­res. Es wer­den noch eini­ge fol­gen, und in denen wird ordent­lich debat­tiert wer­den, so viel kön­nen wir prophezeien.

Schon die­se ers­te Woche hat­te es in sich. Die Stadt­ver­wal­tung hat es span­nend gemacht, es soll hier ja nicht lang­wei­lig wer­den nach der Weih­nachts­ru­he. Eigent­lich hat­te sie das neue Rats­pa­pier mit Infor­ma­tio­nen zu dem musi­ka­li­schen Groß­pro­jekt für Mitt­woch ange­kün­digt. Es kam dann aller­dings erst heu­te Mit­tag, und ich sage mal so: Zum Glück gibt es ja Kaf­fee, denn wir woll­ten das Kon­zept und das Zah­len­werk natür­lich gleich heu­te für Sie aus­wer­ten und einordnen.

War­um die Stadt das Doku­ment erst heu­te in das Rats­in­fo­sys­tem hoch­ge­la­den hat (Sie fin­den es hier), wis­sen wir nicht. Aber es ist inter­es­sant, was sie ges­tern statt­des­sen ver­öf­fent­licht hat: ein klei­nes Image-Video, das für das Pro­jekt wer­ben soll. Genau genom­men ist es schon das zwei­te Video, das ers­te hat das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt im Dezem­ber hoch­ge­la­den. Falls Ihnen die­se Vide­os bekannt vor­kom­men: Damit lie­gen Sie rich­tig. Sie sind aus Sze­nen eines Kurz­films zusam­men­ge­schnit­ten, den die Uni schon im Som­mer ver­öf­fent­licht hat (wir hat­ten hier dar­über geschrie­ben) und der auch auf der Wer­be­web­site zum Pro­jekt Musik-Cam­pus zu fin­den ist.

Es lohnt sich, da ein­mal genau­er hin­zu­schau­en: War­um ver­öf­fent­licht die Stadt­ver­wal­tung ein Wer­be­vi­deo zu einem Pro­jekt, das noch gar nicht in tro­cke­nen Tüchern ist? Und war­um tut sie es gera­de jetzt?

Das Projekt ist in Arbeit. Wirklich?

Bei Twit­ter und bei Face­book hat die Stadt zu dem Film­chen geschrie­ben: „Die Stadt Müns­ter und die @wwu_muenster arbei­ten wei­ter am gro­ßen Pro­jekt Musik-Cam­pus.“ Das klingt so, als wäre eigent­lich schon alles klar. „Wir arbei­ten an dem Pro­jekt“, damit ver­bin­den die meis­ten Men­schen wohl eine Bot­schaft wie: „Wir malen gera­de die letz­ten Stri­che auf die Plä­ne“. Oder auch: „Auf der Bau­stel­le geht es vor­an“. Es ist nicht das ers­te Mal, dass das Vor­ha­ben so prä­sen­tiert wird, wir hat­ten das hier und hier schon gezeigt. Die Uni Müns­ter hat im Som­mer bei You­tube unter das Image-Video geschrie­ben: „Der neue Musik-Cam­pus soll Hei­mat des Sin­fo­nie­or­ches­ters, der WWU-Musik­hoch­schu­le und der städ­ti­schen Musik­schu­le wer­den. Er wird zum gemein­sa­men Ver­an­stal­tungs-, Pro­ben- und Expe­ri­men­tier-Raum sowohl für Lai­en als auch für ange­hen­de und pro­fes­sio­nel­le Musiker*innen mit einem Spek­trum von der Klas­sik bis zur Popu­lär­mu­sik.“ Aber: So weit ist das Pro­jekt ja noch gar nicht. Von „wird“ kann noch kei­ne Rede sein.

Und noch ein Bei­spiel von heu­te. Über der Pres­se­mit­tei­lung zu der Rats­vor­la­ge steht: „Ober­bür­ger­meis­ter Lewe legt Finan­zie­rungs­eck­da­ten für Musik-Cam­pus vor. Rat ent­schei­det am 9. Febru­ar 2022 über Stand­ort und antei­li­gen städ­ti­schen Kos­ten­rah­men.“ Das stimmt, und gleich­zei­tig stimmt es auch nicht so rich­tig. Es wird in der Rats­sit­zung um den Stand­ort und die Finan­zie­rung gehen (und wei­ter unten natür­lich auch schon heu­te in die­sem RUMS-Brief). Aber vor allem soll der Rat ent­schei­den, ob er den Musik-Cam­pus nun wirk­lich haben will. Die Über­schrift sug­ge­riert eher: Das Pro­jekt ist gesetzt – und jetzt geht es nur noch um die Details.

Es geht um einen demokratischen Entscheidungsprozess

Was tat­säch­lich gera­de pas­siert: Mar­kus Lewe möch­te errei­chen, dass der Stadt­rat sich am 9. Febru­ar mit einem Grund­satz­be­schluss für den Cam­pus aus­spricht, und zwar am Stand­ort an der Hit­torf­stra­ße (hin­ter dem Bota­ni­schen Gar­ten, hier zu sehen). Der Ober­bür­ger­meis­ter, der seit 2016 für die Idee trom­melt, will also end­lich eine poli­ti­sche Mehr­heit dafür zusam­men­be­kom­men, damit es noch vor der NRW-Land­tags­wahl mit den Pla­nun­gen wei­ter­ge­hen kann.

Vor die­sem Hin­ter­grund hat es zumin­dest einen merk­wür­di­gen Bei­geschmack, dass die Stadt­ver­wal­tung den Film und den opti­mis­ti­schen Pro­jekt­sta­tus nun über ihre offi­zi­el­len Kanä­le ver­öf­fent­licht hat – kurz bevor die Poli­tik damit anfängt, über die Beschluss­vor­la­ge zu dis­ku­tie­ren. Der Rat hat sich 2019 zwar schon vage für einen Musik-Cam­pus aus­ge­spro­chen, gleich­zei­tig aber vie­le Fra­gen und Auf­trä­ge an die Stadt­ver­wal­tung for­mu­liert, vor allem mit Blick auf die Finan­zie­rung. Es war klar: Für eine wei­ter­füh­ren­de Ent­schei­dung woll­ten die Politiker:innen erst ein­mal mehr und genaue­re Infor­ma­tio­nen haben.

Sol­che Infor­ma­tio­nen hat die Stadt­ver­wal­tung heu­te vor­ge­legt. Aber gleich­zei­tig hat sie eben auch Aus­sa­gen ver­öf­fent­licht, die man als öffent­li­chen Druck auf die Poli­tik ver­ste­hen kann, und sie macht Wer­bung für ein Wunsch­pro­jekt des Ober­bür­ger­meis­ters. Bei­des ist nicht ihre Auf­ga­be. Sie müss­te sagen: Hier sind die Infor­ma­tio­nen, und nun ent­schei­den die Vertreter:innen der Bürger:innen im Rat, ob sie das so haben wollen.

All das ist mit Blick auf die nächs­ten Wochen erwäh­nens­wert. Denn es geht hier ja immer noch um einen demo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zess und um sehr viel Geld.

70 Millionen für die „Reduktionsvariante“

Um wie viel Geld, haben wir seit heu­te schwarz auf weiß. Der Musik-Cam­pus soll laut der Kal­ku­la­ti­on gut 285,8 Mil­lio­nen Euro kos­ten. Davon müss­te die Stadt 70,1 Mil­lio­nen Euro für die Gebäu­de über­neh­men, die sie allei­ne nut­zen soll, in denen also die Musik­schu­le, das Sin­fo­nie­or­ches­ter und Räu­me für die freie Musik­sze­ne unter­ge­bracht wür­den. In einer frü­he­ren Kon­zept­ver­si­on soll­te die­ser Cam­pus-Teil laut der Rats­vor­la­ge 85 Mil­lio­nen Euro kos­ten. Aber indem sie Büro-, Übe- und Auf­ent­halts­räu­men jeweils ein paar Qua­drat­me­ter abge­zwackt hat, konn­te die Ver­wal­tung die Kos­ten um rund 15 Mil­lio­nen Euro redu­zie­ren. Die Kern­ele­men­te wie der Pro­be­saal des Sin­fo­nie­or­ches­ters sei­en für die­se soge­nann­te Reduk­ti­ons­va­ri­an­te aus­drück­lich nicht ver­klei­nert worden.

45,5 Mil­lio­nen Euro sind im städ­ti­schen Haus­halt für die­ses Jahr schon für den Musik-Cam­pus reser­viert. Um die eige­nen Gebäu­de zu bezah­len, feh­len also noch 24,6 Mil­lio­nen Euro. Die­se Sum­me soll im Haus­halt für 2023 ein­ge­plant werden.

Auch die­se Reduk­ti­ons­va­ri­an­te ist natür­lich immer noch teu­er. Aber den Musik-Cam­pus nicht zu bau­en, wür­de auch eine Men­ge Geld kos­ten. Der Sta­tus Quo kann näm­lich nicht so blei­ben: Die Musik­schu­le ist zu klein gewor­den, sie bräuch­te einen Anbau und müss­te außer­dem saniert wer­den. Und das Sin­fo­nie­or­ches­ter braucht eine grö­ße­re Pro­be­büh­ne. Die Ver­wal­tung hat die Kos­ten für die­se Maß­nah­men über­schla­gen und kommt auf 40,8 Mil­lio­nen Euro, die auch ohne Musik-Cam­pus anfal­len wür­den. Und zwar für eine soge­nann­te Basis-Vari­an­te, die zwar zweck­mä­ßig wäre. Aber eigent­lich müss­te man noch mehr machen, so argu­men­tiert die Ver­wal­tung in dem Papier. Und dann wür­den sich die Kos­ten denen für den städ­ti­schen Anteil am Musik-Cam­pus deut­lich annähern.

Fördermittel sind eingeplant, müssen aber noch gefunden werden

Schau­en wir noch auf den Rest des Cam­pus-Plans. Die neue Hei­mat der Musik­hoch­schu­le soll 130,5 Mil­lio­nen Euro kos­ten, die­se Sum­me müss­te das Land NRW tra­gen. Und die Kos­ten für den soge­nann­ten Kul­tur­bau mit gemein­sam genutz­ten Kon­zert- und Ver­an­stal­tungs­sä­len wür­den sich Stadt und Land auf­tei­len: Die Stadt müss­te 37 Pro­zent von ins­ge­samt 85,2 Mil­lio­nen Euro auf­brin­gen, 31,6 Mil­lio­nen Euro.

Die­se Sum­me soll aber nicht aus der Stadt­kas­se kom­men, son­dern „in hohem Maße durch exter­ne För­der­mit­tel und pri­va­tes finan­zi­el­les Enga­ge­ment der Stadt­ge­sell­schaft“ abge­deckt wer­den. Mit ande­ren Wor­ten: Münsteraner:innen, die die Idee des Musik-Cam­pus gut fin­den, sol­len Geld dafür geben. Und die Stadt­ver­wal­tung soll sich bemü­hen, För­der­töp­fe des Lan­des, des Bun­des und der EU anzuzapfen.

Viele offene Fragen

Und hier haben wir eine ele­gan­te Über­lei­tung zu den Fra­gen, die das Rats­pa­pier noch nicht beant­wor­tet und jetzt auch noch nicht im Detail beant­wor­ten kann. Die wahr­schein­lich wich­tigs­te lau­tet: Was pas­siert, falls die Stadt für ihren Teil des Kul­tur­baus kei­ne oder jeden­falls nicht genü­gend Spon­sor- und För­der­gel­der zusam­men­be­kommt? Bis zu wel­cher Sum­me wür­de die Poli­tik dann doch wei­te­res Geld aus der Stadt­kas­se für das Pro­jekt frei­ge­ben – und bis zu wel­cher Sum­me wäre das über­haupt möglich?

Durch die Coro­na­kri­se ist die Haus­halts­la­ge schon jetzt extrem ange­spannt, und spä­tes­tens ab 2025 muss die Lücke zwi­schen Ein­nah­men und Aus­ga­ben deut­lich klei­ner wer­den, damit die Stadt nicht in die Haus­halts­si­che­rung rutscht (RUMS-Brief vom 5. Okto­ber). Die­sen Punkt kön­nen wir also mit gro­ßer Sicher­heit auf der Lis­te mit den The­men notie­ren, die die Politiker:innen dem­nächst in der Rats­sit­zung debat­tie­ren werden.

Eine ande­re offe­ne Fra­ge ist, wem spä­ter der Teil des Cam­pus gehö­ren soll, den die Stadt selbst nut­zen will. Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten: Die Stadt finan­ziert ihren Teil selbst und ist dann Eigen­tü­me­rin. Oder das Land wird Eigen­tü­mer und ver­mie­tet die Gebäu­de an die Stadt. Bei­de Mög­lich­kei­ten und ihre finan­zi­el­len Vor- und Nach­tei­le wer­den noch geprüft. Die Stadt­ver­wal­tung soll mit dem Land dar­über „aktiv ver­han­deln“, so steht es in der Beschlussvorlage.

Und was auch noch unklar ist: Wie hoch wer­den spä­ter die lau­fen­den Kos­ten sein? In der Vor­la­ge steht zwar eine Zahl, näm­lich 4,4 Mil­lio­nen Euro pro Jahr unter ande­rem für Betriebs- und Per­so­nal­kos­ten. Doch das ist noch eine Schät­zung. Bei den Per­so­nal­kos­ten ist zum Bei­spiel von einer „fik­ti­ven Annah­me von 12 zusätz­li­chen Stel­len“ etwa für Lei­tung, Ver­wal­tung und Tech­nik die Rede. Das alles wird sich wohl erst spä­ter kon­kre­ter bezif­fern lassen.

Die freie Musikszene

Ganz am Ende des Rats­pa­piers taucht eine Grup­pe auf, die sehr wich­tig für die Cam­pus-Initia­to­ren ist: die frei­en Musikakteur:innen. „Der Rat bekräf­tigt, dass die Rea­li­sie­rung und der künf­ti­ge Betrieb des Musik-Cam­pus nicht zu Ein­schrän­kun­gen bei bestehen­den städ­ti­schen För­de­run­gen der frei­en Musik­sze­ne füh­ren soll“, steht dort. Die Ver­wal­tung soll ein För­der­kon­zept für die freie Sze­ne erarbeiten.

Die­se Pas­sa­ge ist des­halb so wich­tig für das Vor­ha­ben, weil 2008 die Vor­gän­ger­idee „Musik­hal­le“ unter ande­rem dar­an schei­ter­te, dass sie als sehr eli­tä­res Pro­jekt wahr­ge­nom­men wur­de. Jetzt soll das anders wer­den, die frei­en Musiker:innen, Bands und ande­re Akteur:innen sol­len dabei sein. Und wie ste­hen sie zur Idee des Musik-Cam­pus? Das lässt sich so pau­schal nicht sagen. Raphae­la Nag­ler von der Initia­ti­ve Mono­kul­tur sag­te mir, man kön­ne inner­halb der frei­en Sze­ne grob drei Grup­pen aus­ma­chen: eine Grup­pe von Men­schen, die das Pro­jekt inter­es­sant fin­den. Eine zwei­te Grup­pe, die den Cam­pus zwar selbst nicht nut­zen wür­de, die aber ver­steht, dass ande­re Musiker:innen ihn ger­ne haben und nut­zen möch­ten. Und eine Grup­pe, die den Musik-Cam­pus ablehnt, weil sie finan­zi­el­le Nach­tei­le für die freie Sze­ne befürchtet.

In die­sem letz­ten Punkt sind sich die drei Grup­pen einig: Falls der Musik-Cam­pus gebaut wird, soll das nicht zulas­ten der frei­en Sze­ne gehen. Die Musiker:innen haben des­halb selbst ein För­der­kon­zept erar­bei­tet, das sie der Poli­tik prä­sen­tie­ren möch­ten. Das Kon­zept liegt uns vor, es ist aber ein Ent­wurf aus Okto­ber, der gera­de wei­ter bear­bei­tet wird. Des­halb fas­sen wir hier jetzt erst ein­mal nur die gro­ben Zie­le und Ideen zusam­men: Es soll eine jähr­li­che Pro­jekt­för­de­rung für Ver­an­stal­tun­gen und Fes­ti­vals, eine Nach­wuchs­för­de­rung, finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für inter­kul­tu­rel­le Pro­jek­te sowie Geld für Infra­struk­tur geben, etwa für Pro­be­räu­me, Clubs, Pro­duk­ti­ons­räu­me. Und das Kon­zept macht auch einen Vor­schlag für den Musik-Cam­pus: Die freie Sze­ne soll dort ein soge­nann­tes Musik-Labor bekom­men, einen eige­nen Pro­duk­ti­ons- und Auf­füh­rungs­ort mit Instru­men­ten, Auf­nah­me- und wei­te­rer Ausrüstung.

Eine aktua­li­sier­te Fas­sung des Kon­zepts wol­len Vertreter:innen der frei­en Sze­ne in den nächs­ten Wochen mit den Rats­frak­tio­nen bespre­chen. Das Papier sei aus­drück­lich als Auf­schlag und Dis­kus­si­ons­grund­la­ge gedacht, sag­te mir Raphae­la Nag­ler. Mit ande­ren Wor­ten: Die Sze­ne ist offen für Ände­run­gen. Aber sie will gehört und ein­be­zo­gen werden.

So geht es mit dem Musik-Campus jetzt weiter

Die Par­tei­en wer­den das Pro­jekt in den nächs­ten Wochen nicht nur mit der Musik­sze­ne, son­dern auch intern dis­ku­tie­ren. Jede Frak­ti­on für sich muss eine Posi­ti­on fin­den, und dann wer­den sich auch die Koalitionspartner:innen unter­ein­an­der eini­gen müs­sen. Ob und wie das gelingt, wird sich spä­tes­tens Anfang Febru­ar im Kul­tur­aus­schuss abzeich­nen. Am 9. Febru­ar steht dann die Rats­sit­zung im Kalen­der, in der die Poli­tik nach Lewes Vor­stel­lung grund­sätz­lich grü­nes Licht geben soll. Mit die­sem Grund­satz­be­schluss will der Ober­bür­ger­meis­ter dann an die Uni und ans Land her­an­tre­ten, damit die Lan­des­re­gie­rung ihrer­seits noch ein­mal Zustim­mung signa­li­siert. Aber, wir hat­ten es am Diens­tag schon geschrie­ben, mit Blick auf die Land­tags­wahl ist das alles noch etwas unge­wiss und schwer zu kalkulieren.

Über­sprin­gen wir die­se Unge­wiss­hei­ten hier den­noch ein­mal und schau­en ganz ans Ende der Unter­neh­mung: Wenn alles so läuft, wie Stadt­ver­wal­tung und Uni sich das vor­stel­len und durch­ge­rech­net haben, dann soll ab 2026/27 gebaut wer­den. 2030 könn­ten laut den Plä­nen die Musiker:innen ein­zie­hen. Könn­ten. Denn in die­sem Jahr wird in Müns­ter ja erst ein­mal demo­kra­tisch über das Pro­jekt entschieden.

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Wir müssen reden

Schon mal zum Vor­mer­ken: Am 16. Janu­ar (Sonn­tag) dis­ku­tie­ren wir in unse­rer Rei­he „Wir müs­sen reden“ über den Musik-Cam­pus. Ab 19 Uhr, eine Stun­de lang via Zoom, dann öff­nen wir die Run­de. Wenn Sie Lust haben, schrei­ben Sie sich den Ter­min in den Kalen­der. Alles Wei­te­re erzäh­len wir Ihnen in der nächs­ten Woche.

Post von Leser:innen

Wir haben Post bekom­men. Von Hans Gum­mers­bach, dem frü­he­ren Lei­ter der Volks­hoch­schu­le, des Schul­amts und spä­ter des Hand­werks­kam­mer-Bil­dungs­zen­trums. Gum­mers­bach gehört zu der Grup­pe der Men­schen, die es für falsch hal­ten, an der Hit­torf­stra­ße einen Musik-Cam­pus zu bau­en. War­um, das erklärt er in sei­nem Bei­trag sehr aus­führ­lich. Gum­mers­bach argu­men­tiert, das mono­the­ma­ti­sche Kon­zept sei nicht mehr zeit­ge­mäß. Man gehe bei der Pla­nung davon aus, dass der Bedarf an Kul­tur­bau­ten auch in eini­gen Jah­ren noch der glei­che sein wer­de wie heu­te. Und ja, Müns­ter brau­che einen moder­nen Saal für Kon­zer­te, aber nicht in der hier geplan­ten Form, sagt Gum­mers­bach. Vor­schlä­ge für Alter­na­ti­ven hat er auch. Sei­nen kom­plet­ten Bei­trag fin­den Sie hier.

In aller Kürze

+++ Es gibt einen wei­te­ren Urteils­spruch im Zusam­men­hang mit dem Miss­brauchs­kom­plex Müns­ter. Ende 2020 hat­ten wir im RUMS-Brief gemel­det, dass das Ermitt­lungs­team aus Müns­ter zusam­men mit der öster­rei­chi­schen Poli­zei in Kärn­ten zwei Män­ner (einen Öster­rei­cher und einen Deut­schen) gefun­den und fest­ge­nom­men hat. Sie hat­ten Kon­takt zum Haupt­an­ge­klag­ten aus Müns­ter und sol­len meh­re­re Kin­der miss­braucht und die Taten teil­wei­se gefilmt und foto­gra­fiert haben. Das Lan­des­ge­richt Kla­gen­furt hat den 45-jäh­ri­gen Öster­rei­cher jetzt wegen schwe­ren sexu­el­len Miss­brauchs an acht Kin­dern zu 15 Jah­ren Haft ver­ur­teilt, mel­det die Poli­zei. Er soll außer­dem in einer soge­nann­ten Anstalt für geis­tig abnor­me Rechts­bre­cher unter­ge­bracht wer­den. So hei­ßen in Öster­reich Ein­rich­tun­gen, die mit dem deut­schen Maß­re­gel­voll­zug für psy­chisch kran­ke Straftäter:innen ver­gleich­bar sind. Der Pro­zess gegen den damals 24-jäh­ri­gen Deut­schen, den die Poli­zei im Dezem­ber 2020 eben­falls in Kärn­ten fest­ge­nom­men hat­te, steht noch aus.

Corona-Update

Die Stadt hat heu­te einen wei­te­ren Todes­fall gemel­det: Eine 89-jäh­ri­ge Frau aus Müns­ter, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert war, ist gestor­ben. Seit Pan­de­mie­be­ginn gab es in der Stadt 142 Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit dem Virus.

Lei­der hat auch die Wochen­in­zi­denz in Müns­ter wie­der einen gro­ßen Sprung nach oben gemacht: Das Robert-Koch-Insti­tut mel­det für die Stadt heu­te 341,3 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen in einer Woche. Allein seit ges­tern hat das Gesund­heits­amt in Müns­ter 324 neue Coro­na­fäl­le regis­triert. Es ist nicht ganz klar, ob die­se Zah­len das Infek­ti­ons­ge­sche­hen nach der Weih­nachts­zeit inzwi­schen wie­der rea­lis­tisch abbil­den (RUMS-Brief von Diens­tag). Und es scheint auch unge­wiss, ob das in den nächs­ten Wochen der Fall sein wird. Wenn sich wei­ter­hin immer mehr Men­schen anste­cken, könn­te es irgend­wann zu wenig PCR-Tests und außer­dem Per­so­nal­man­gel in den Labo­ren geben, mel­det der Spie­gel. Dann könn­ten laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um Coro­na­dia­gno­sen anhand von Schnell­tests und Sym­pto­men gestellt werden.

Und es gibt noch einen ande­ren Grund, war­um in der nächs­ten Zeit etli­che Infek­tio­nen uner­kannt blei­ben und ent­spre­chend auch nicht in die Sta­tis­tik ein­flie­ßen dürf­ten. Men­schen, die Kon­takt zu infi­zier­ten Per­so­nen hat­ten, selbst aber voll­stän­dig geimpft oder gene­sen sind und kei­ne Sym­pto­me haben, müs­sen in Müns­ter seit Mitt­woch nicht mehr in Qua­ran­tä­ne. Auch dann nicht, wenn es um die neue Virus­va­ri­an­te Omi­kron geht. Das liegt unter ande­rem dar­an, dass das Gesund­heits­amt es nicht mehr schafft, alle Kon­tak­te nach­zu­ver­fol­gen. Und laut die­sem WDR-Bericht auch dar­an, dass Omi­kron-Nach­wei­se erst sehr spät beim Gesund­heits­amt ein­ge­hen. So spät, dass eine Qua­ran­tä­ne danach offen­bar gar nicht mehr sinn­voll wäre, weil die Kon­takt­per­so­nen dann selbst mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit nicht mehr anste­ckend wären.

Bund und Län­der haben sich heu­te eben­falls auf einen Weg­fall der Qua­ran­tä­ne geei­nigt, aller­dings nur für Kon­takt­per­so­nen, die schon ihre Boos­ter-Imp­fung bekom­men haben. Was das für die loka­le Regel in Müns­ter bedeu­tet, klä­ren wir nächs­te Woche für Sie.

Wir wer­den die aktu­el­len Infek­ti­ons­zah­len in die­ser Rubrik trotz der oben beschrie­be­nen Unsi­cher­hei­ten wei­ter­hin mel­den, damit Sie sich ein Bild von der Ent­wick­lung machen kön­nen. Und wir wer­den natür­lich regel­mä­ßig ver­su­chen, her­aus­zu­be­kom­men, wie ver­läss­lich die Wer­te sind.

Zum Schluss des­halb noch die übri­gen Zah­len aus Müns­ter: Ins­ge­samt gel­ten 1.985 Münsteraner:innen als infi­ziert. In den Kran­ken­häu­sern der Stadt wer­den 31 Covid-Patient:innen behan­delt, zehn von ihnen lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on und müs­sen beatmet werden.

Unbezahlte Werbung

Das Dou­Dou Deli an der Hörster­stra­ße ist ein hüb­sches Café, in dem Sie war­me (teil­wei­se vega­ne) Spei­sen wie Käse-Lauch-Quiche oder klas­si­schen Möh­ren­ein­topf essen kön­nen. Was uns am bes­ten gefällt: Es gibt den gan­zen Tag lang Früh­stück, je nach Geschmack süß oder herz­haft, zum Bei­spiel Pan­ca­kes, Sand­wi­ches und Bagels. Von außen sieht das Café zwar etwas unschein­bar aus, aber las­sen Sie sich davon nicht täu­schen. Innen ist es sehr lie­be­voll gestal­tet und mit sei­ner dschun­gel­haf­ten Wand­be­ma­lung wun­der­bar für einen kur­zen Tape­ten­wech­sel. Hier kön­nen Sie sich einen ers­ten Ein­druck ver­schaf­fen und sich die Spei­se­kar­te anschau­en. Das Café hat mon­tags bis frei­tags von 9 bis 16 Uhr geöff­net, am Wochen­en­de von 9 bis 18 Uhr.

Drinnen und Draußen

+++ Letz­ter Auf­ruf für den Men­schen und die Dino­sau­ri­er. Nein, es geht jetzt nicht um den Film mit dem Kome­ten. Son­dern um zwei Aus­stel­lun­gen im LWL-Natur­kun­de­mu­se­um, die bald abge­baut wer­den. Über­le­bens­künst­ler Mensch kön­nen Sie sich noch bis Sonn­tag anschau­en. Das hat­ten wir am Diens­tag schon erwähnt, machen es aber wegen der exklu­siv letz­ten Gele­gen­heit heu­te ein­fach noch ein­mal. Die Son­der­aus­stel­lung über Raub­sauri­er, The Big5+, bleibt noch eine Woche län­ger, näm­lich bis zum 16. Janu­ar. Sie kön­nen online Tickets buchen. Und falls Sie spon­tan hin­fah­ren möch­ten, schau­en Sie am bes­ten hier im Besucher:innenzähler nach, wie voll es gera­de ist.

+++ Von der Finis­sa­ge zur Ver­nis­sa­ge: Heu­te wird im Raum­pro­gramm am Han­sa­ring eine Aus­stel­lung mit Bil­dern des zer­stör­ten Doms in Müns­ter eröff­net. Genau­er gesagt: mit Zeich­nun­gen von Schan­ze-Künst­ler und, Ach­tung, Gebrauchs­gra­fi­ker Hans Kraft. Foto­gra­fien aus der Zeit nach dem Zwei­ten Welt­krieg wer­den auch gezeigt. Bis zum 4. Febru­ar kön­nen Sie sich das alles anschau­en, wann immer Sie wol­len, rund um die Uhr. Ihren Wunsch­zeit­raum soll­ten Sie aber vor­her online reser­vie­ren.

Am Diens­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann wie­der. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Julia Albers, Ralf Heimann

PS

Am Diens­tag haben wir uns hier im Brief gefragt, wie lan­ge man ein fro­hes neu­es Jahr wün­schen darf. Wir wuss­ten es nicht, waren am 4. Janu­ar aber noch zuver­sicht­lich, dass nichts dage­gen spricht. Und es geht sogar noch ein biss­chen län­ger, näm­lich bis zum 15. Janu­ar. Das hat uns RUMS-Leser Tho­mas Bau­er geschrie­ben, er hat extra für uns in den Knig­ge geschaut. Vie­len Dank dafür!

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