Gesundheitsamt am Limit | Die ideale Taube | Chez Koslowski

Müns­ter, 14. Janu­ar 2022

Guten Tag,

es hat­te sich ja lei­der schon län­ger abge­zeich­net, und nun ist es soweit: Das Gesund­heits­amt in Müns­ter ist mit der Kon­takt­nach­ver­fol­gung bei Coro­na­fäl­len weit­ge­hend am Ende. Die Mitarbeiter:innen schaf­fen es ein­fach nicht mehr. Und wenn man sich die aktu­el­len Zah­len anschaut, ist das auch kein Wun­der. Am letz­ten Frei­tag hat­ten wir im Brief noch eine Wochen­in­zi­denz von 341 gemel­det. Heu­te liegt sie schon bei 521,8. Mehr als 3.000 Men­schen gel­ten als infi­ziert, und weil Leben und All­tag inzwi­schen wie­der so ähn­lich aus­se­hen wie vor der Pan­de­mie, haben die meis­ten Infi­zier­ten etli­che Kon­takt­per­so­nen. Dadurch hat sich im Gesund­heits­amt ein rie­si­ger Berg Arbeit auf­ge­türmt, und die Mitarbeiter:innen errei­chen die Kon­takt­per­so­nen oft erst dann, wenn die Qua­ran­tä­ne­zeit sowie­so schon her­um wäre. Das ist in jeder Hin­sicht schlecht: zer­mür­bend für das Per­so­nal und dann auch noch nutz­los für die Pan­de­mie­be­kämp­fung, weil jeder Schritt zu spät kommt.

Die Stadt Müns­ter hat ges­tern eine aus­führ­li­che Pres­se­mit­tei­lung ver­öf­fent­licht, aus der man deut­lich her­aus­le­sen kann, wie ange­spannt die Lage im Gesund­heits­amt ist. Mehr als 100 Men­schen küm­mern sich dort dar­um, die Kon­takt­per­so­nen von infi­zier­ten Men­schen zu ermit­teln und anzu­ru­fen oder anzu­schrei­ben. 60 die­ser Mitarbeiter:innen gehö­ren erst seit Sep­tem­ber zum soge­nann­ten Team Coro­na, die Ver­wal­tung hat­te vor dem Herbst und Win­ter noch ein­mal kräf­tig auf­ge­stockt. Aber schon vor Weih­nach­ten reich­te auch das kaum noch, und nun geht es gar nicht mehr. „Die­se fünf­te Infek­ti­ons­wel­le aber sorgt nun für zusätz­li­che Anstren­gun­gen, die weit über der Belas­tungs­gren­ze lie­gen“, so schreibt es die Stadt recht eindringlich.

Ein Neustart, aber wie lange geht es diesmal gut?

Um die Lage wie­der eini­ger­ma­ßen in den Griff zu bekom­men, macht das Gesund­heits­amt nun „einen Schnitt“, wie es heißt. Das bedeu­tet: Die unbe­ar­bei­te­ten alten Fäl­le wur­den ges­tern erst ein­mal zur Sei­te gelegt und das Per­so­nal macht einen Neu­an­fang mit den Fäl­len, die ab jetzt neu hin­zu­kom­men. Es gibt aller­dings eini­ge Aus­nah­men, Infek­ti­ons­ket­ten in Kitas, Schu­len, Alten- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, Kran­ken­häu­sern und Ein­rich­tun­gen für Men­schen mit Behin­de­run­gen sol­len wei­ter­hin auch bei den alten Fäl­len nach­ver­folgt wer­den. Über­all da, wo es um beson­ders gefähr­de­te Grup­pen geht, will das Gesund­heits­amt also einen Über­blick und mög­lichst die Kon­trol­le behalten.

Es stellt sich aber die Fra­ge, ob das funk­tio­nie­ren kann. Bezie­hungs­wei­se: wie lan­ge. Von ges­tern auf heu­te wur­den 449 Neu­in­fek­tio­nen gemel­det, von Mitt­woch auf Don­ners­tag waren es mehr als 500. Und das wird ja so wei­ter­ge­hen, mit hoher Wahr­schein­lich­keit wer­den die­se Zah­len in den nächs­ten Wochen täg­lich grö­ßer. Wie lan­ge wird es dau­ern, bis das Gesund­heits­amt auch nach dem Neu­start wie­der die Gren­ze erreicht und nicht mehr nachkommt?

Eigenverantwortlich in Quarantäne

Die­se Fra­ge steht nicht in der Pres­se­mit­tei­lung, jeden­falls nicht direkt. Statt­des­sen heißt eine Fra­ge in dem Kata­log: „Gibt es Mög­lich­kei­ten zur Unter­stüt­zung oder wei­te­re Schutz­vor­keh­run­gen der Bevöl­ke­rung?“ Die gibt es natür­lich, und das Schlüs­sel­wort heißt mal wie­der „Eigen­ver­ant­wor­tung“ (das war übri­gens die Flos­kel des Jah­res 2021). Alle Men­schen sol­len die bekann­ten Regeln ein­hal­ten, und der besorg­te Kri­sen­stabs­lei­ter Wolf­gang Heu­er wird mit die­sem Vor­schlag zitiert: „Unter­neh­men, Geschäf­te und Ein­rich­tun­gen soll­ten eine Ver­schär­fung ihrer Kon­takt­re­geln prü­fen.“ Das könn­te man so zuspit­zen: Die Bürger:innen und Unternehmer:innen sol­len umset­zen, was die Poli­tik nicht umset­zen kann oder möch­te, näm­lich stren­ge­re Maß­nah­men (falls Sie nicht mehr wis­sen, was gera­de über­haupt wo gilt: hier ent­lang).

Eigen­ver­ant­wor­tung ist auch dann gefragt, wenn man selbst oder eine enge Kon­takt­per­son ein posi­ti­ves Test­ergeb­nis bekommt. Infi­zier­te sei­en ver­pflich­tet, sich auch ohne Anwei­sung des Gesund­heits­am­tes sofort zu iso­lie­ren, schreibt die Stadt. Und sie sol­len ihre Kon­takt­per­so­nen der letz­ten zwei Tage vor dem Test infor­mie­ren, die sich dann wie­der­um eigen­ver­ant­wort­lich in eine zehn­tä­gi­ge Qua­ran­tä­ne bege­ben sol­len, falls das Gesund­heits­amt sich nicht meldet.

Wir haben bei der Stadt nach­ge­fragt, wie das gehen soll – wer kann schon ohne Anord­nung des Gesund­heits­am­tes zehn Tage im Job feh­len? Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt schrieb uns, dass auch rück­wir­kend Nach­wei­se über die Iso­la­ti­ons- oder Qua­ran­tä­ne­zeit aus­ge­stellt wer­den, die die Betrof­fe­nen dann ihren Arbeitgeber:innen vor­le­gen können.

Quarantäneausnahmen und knappe Testkapazitäten

Ins­ge­samt wird das aber gera­de in Müns­ter nur weni­ge Men­schen über­haupt betref­fen. Denn wer schon die Boos­ter­imp­fung oder vor weni­ger als drei Mona­ten die zwei­te Imp­fung bekom­men hat, muss sich gar nicht mehr in Qua­ran­tä­ne bege­ben. Die Ärzt:innenorganisation Mar­bur­ger Bund kri­ti­siert das, weil auch Geimpf­te Infek­tio­nen wei­ter­tra­gen kön­nen und es ins­ge­samt auf­grund der vie­len Aus­nah­men deut­lich mehr Anste­ckun­gen geben dürfte.

Wer doch in Qua­ran­tä­ne muss, kann sich nach sie­ben Tagen „frei­tes­ten“, die Selbst­iso­la­ti­on also nach einem nega­ti­ven PCR- oder Schnell­test been­den. Dazu müs­sen die Betrof­fe­nen das Test­ergeb­nis auf der Web­site der Stadt hoch- und anschlie­ßend eine Beschei­ni­gung her­un­ter­la­den. Und da kom­men die nächs­ten Unsi­cher­hei­ten ins Spiel. Die Labo­re schaf­fen es in man­chen Regio­nen jetzt schon kaum noch oder gar nicht mehr, alle PCR-Tests aus­zu­wer­ten, wie zum Bei­spiel die Tages­schau berich­tet. Über die Schwie­rig­kei­ten mit Schnell­tests hat­ten wir am Diens­tag ja schon berich­tet (dazu steht wei­ter unten im Brief noch eine Kor­rek­tur­mel­dung). Alles in allem ist also lei­der davon aus­zu­ge­hen, dass sich die Coro­nalage in den nächs­ten Wochen wohl weder kon­trol­lie­ren noch wirk­lich zuver­läs­sig erfas­sen las­sen wird.

Zum Schluss noch ein Blick auf die zur­zeit ein­zi­gen Zah­len ohne Dun­kel­zif­fer. In den Kran­ken­häu­sern in Müns­ter wer­den 31 Covid-Patient:innen behan­delt, 9 von ihnen auf der Inten­siv­sta­ti­on. 5 Men­schen wer­den beatmet.

Die Lage in den Schulen

Wir hat­ten bei der Stadt auch ange­fragt, wie vie­le Coro­na­fäl­le in der ers­ten Woche nach den Weih­nachts­fe­ri­en in den Schu­len ent­deckt wur­den. Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt teil­te uns mit, bei den soge­nann­ten Pool­tes­tun­gen in den Schul­klas­sen sei­en bei fünf Schüler:innen Infek­tio­nen nach­ge­wie­sen worden.

Das passt nicht zu dem, was uns ein RUMS-Leser berich­tet hat. Er schrieb uns, allein an der Tho­mas-Morus-Grund­schu­le sei­en in sechs Klas­sen die Pool­tests posi­tiv aus­ge­fal­len. Nach­fra­ge bei der Stadt: Wie kann das sein? Hier die Ant­wort: „Gene­rell mel­den die Schu­len nicht in jedem Fall posi­ti­ve Pool­tes­tun­gen an die Stadt. Das Ver­fah­ren sieht vor, dass im Anschluss ein­zel­ne PCR-Tests durch­ge­führt wer­den. Wer­den die­se in der Schu­le durch­ge­führt, kann das Gesund­heits­amt anhand des Labors (die Fall­zah­len, Anm.) ermit­teln, das die PCR-Tests auf­grund posi­ti­ver Ergeb­nis­se bei den Pool-Tes­tun­gen durch­ge­führt hat. Aller­dings kön­nen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler den PCR-Test auch beim Haus­arzt machen las­sen. Die­se Ergeb­nis­se wer­den durch die Labor-Abfra­ge nicht erfasst.“ Über die Fäl­le an einer Schu­le wis­se jeweils nur die Schu­le selbst Bescheid, außer­dem die Bezirks­re­gie­rung, an die die Schul­lei­tung Iso­la­ti­ons- und Qua­ran­tä­ne­fäl­le mel­den müsse.

Wir wer­den dort in der nächs­ten Woche nach aktu­el­len Zah­len fra­gen. Außer­dem möch­ten wir ger­ne wis­sen, wie es jen­seits der Sta­tis­tik in den Schu­len aus­sieht und wie es den Schüler:innen damit geht. Wenn Sie uns erzäh­len möch­ten, was Sie oder Ihre Kin­der erlebt haben, schrei­ben Sie uns eine E-Mail. Auf Wunsch ver­öf­fent­li­chen wir Ihre Schil­de­run­gen auch anonym.

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Die Schönheit der Thüringer Storchtaube

Wir Journalist:innen müs­sen uns mit vie­len erns­ten The­men beschäf­ti­gen, nicht nur wäh­rend einer Pan­de­mie. Zum Glück aber auch mit eben­so vie­len schö­nen und lus­ti­gen Din­gen. Man­ches ist so, wie sich Nicht-Journalist:innen unse­ren Beruf vor­stel­len, das meis­te ist aber ganz anders. Ein Kli­schee über den Lokal­jour­na­lis­mus, das sich beson­ders hart­nä­ckig hält, ist, dass man stän­dig Tau­ben- oder je nach Regi­on auch Kaninchenzüchter:innen besu­chen muss.

Bei mir hat es lan­ge gedau­ert, bis ich es wirk­lich ein­mal mit Ras­se­ge­flü­gel­züch­tern zu tun bekom­men habe. Es war vor unge­fähr sie­ben Jah­ren, als ich noch ab und zu für eine Lokal­zei­tung schrieb: eine Schau auf dem Spei­cher einer restau­rier­ten his­to­ri­schen Scheu­ne, in den länd­li­chen Aus­läu­fern einer Klein­stadt im Sauer­land. Dicht an dicht stan­den da Käfi­ge mit Zwerg­hüh­nern, Wach­teln und schlecht gelaun­ten Häh­nen von beacht­li­cher Grö­ße, um die alle einen Bogen machten.

Im hin­te­ren Teil des Spei­chers hat­te das Orga­ni­sa­ti­ons­team eini­ge Bier­zelt­gar­ni­tu­ren auf­ge­stellt, es gab Kaf­fee und Kuchen und spä­ter natür­lich auch Bier oder gleich ein Her­ren­ge­deck, wenn man woll­te. Lei­der war ich mit dem Auto da. Der Bür­ger­meis­ter war auch gekom­men und über­reich­te am Ende Prei­se an die Züchter:innen der Gewin­nervö­gel, davon habe ich im schumm­ri­gen Licht ein Foto gemacht. Ein rund­um gelun­ge­ner Nachmittag.

Aller­dings: Auch wenn man sich die Scheu­ne weg­denkt und sich statt­des­sen eine grö­ße­re Ver­an­stal­tung vor­stellt, bleibt irgend­wie der Ein­druck, dass die­ses Hob­by etwas aus der Zeit gefal­len ist. Die 2020er-Jah­re sehen anders aus. Tat­säch­lich haben Tau­ben- und ähn­li­che Zucht­ver­ei­ne ein Nach­wuchs­pro­blem, ein mensch­li­ches. Wer möch­te das heu­te schon noch machen?

Astrid Probst von der Repor­ta­ge­schu­le Reut­lin­gen hat für uns einen jun­gen Mann besucht, der die­sem Hob­by mit viel Lei­den­schaft nach­geht. Der 24-Jäh­ri­ge züch­tet eine beson­de­re Ras­se, die Thü­rin­ger Storch­tau­ben, was sehr auf­wän­dig und des­halb auch sehr sel­ten ist. Was begeis­tert ihn dar­an? Astrid Probst ist die­ser Fra­ge nach­ge­gan­gen. Dabei ist eine tol­le Repor­ta­ge her­aus­ge­kom­men, die ich Ihnen unbe­dingt ans Herz legen möch­te. Der Text ist wun­der­bar geschrie­ben und macht allein des­halb viel Spaß. Und Sie erfah­ren, wie die idea­le Tau­be aus­sieht, war­um 97 Punk­te eigent­lich 100 Punk­te sind und was eine lau­si­ge Tau­be trotz­dem zum Lieb­lings­tier machen kann. Hier geht es zur Repor­ta­ge.

Korrekturen und Ergänzungen

+++ Wir haben selbst einen Feh­ler im RUMS-Brief vom Diens­tag gefun­den. Wir schrie­ben, der Anti­gen­test der Fir­ma Viva­Chek Bio­tech (Veri­no­Pro SARS-CoV-2 Ag Rapid Test) ste­he in der Über­sicht des Paul-Ehr­lich-Insti­tuts auf der Lis­te der Pro­duk­te, die durch­ge­fal­len sind. Das stimmt nicht. Dort sind zwei ande­re Pro­duk­te der Fir­ma zu fin­den, eines davon hat einen ähn­li­chen Namen (Viva­Diag SARS-CoV-2 Ag Rapid Test). Für den Veri­no­Pro-Test ist kein Ergeb­nis ver­füg­bar. Daher ändert sich an der Emp­feh­lung nichts: Die­sen Test bes­ser nicht kau­fen. Das Paul-Ehr­lich-Insti­tut hat inzwi­schen eine aktua­li­sier­te Lis­te mit Anti­gen-Tests ver­öf­fent­licht, die emp­feh­lens­wert sind. Auf die­ser Sei­te fin­den Sie jeweils die aktu­el­le Über­sicht. Dort bie­tet das Insti­tut auch Infor­ma­tio­nen zu den Anti­gen-Tests an, die für den Nach­weis von Omi­kron geeig­net sind.

+++ Und die NRW-SPD hat uns geant­wor­tet. Wir hat­ten im RUMS-Brief vom Diens­tag gefragt, wie die Par­tei zu den Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen für Geflüch­te­te steht. Das ist von Bedeu­tung, weil im Mai Land­tags­wah­len sind. Die Grü­nen hof­fen, dass die Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen in Nord­rhein-West­fa­len nach der Wahl kei­ne Zukunft haben wer­den. Ob das so sein wird, hängt davon ob, wer die Wahl gewinnt. In einer rot-grü­nen Lan­des­re­gie­rung hin­ge es von der SPD ab. Und die Hoff­nung der Grü­nen ist nicht ganz unbe­grün­det. Ibra­him Yetim, der inte­gra­ti­ons­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Frak­ti­on im Düs­sel­dor­fer Land­tag, sagt, die Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen sei­en gegen den Wil­len sei­ner Par­tei in den Bezirks­re­gie­run­gen instal­liert wor­den. Die SPD habe schon 2018 die Plä­ne der Bun­des­re­gie­rung abge­lehnt, soge­nann­te Anker­zen­tren ein­zu­rich­ten. Struk­tu­rell unter­schie­den sich die Zen­tren aus Sicht der SPD nicht von Zen­tra­len Unter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen. „Wir wol­len, dass Geflüch­te­te mit Blei­be­per­spek­ti­ve, vul­nerable Grup­pen, Fami­li­en mit Kin­dern und Min­der­jäh­ri­ge so schnell wie mög­lich in die Kom­mu­nen über­wie­sen wer­den“, sagt Yetim. Bleibt es bei einer schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung, ändert sich am aktu­el­len Sys­tem wohl nichts. Dann muss Müns­ter eine neue Zen­tra­le Unter­brin­gungs­ein­rich­tung bauen.

#11: „Wir müssen reden“ | Der Musik-Campus. Ein Ort für alle. Wirklich?

Seit fünf Jah­ren dis­ku­tiert die Stadt über einen Musik-Cam­­pus. Es soll ein gemein­sa­mer Ort von Stadt und Uni­ver­si­tät wer­den, an dem die städ­ti­sche Musik­schu­le unter­kom­men soll, die Hoch­schu­le für Musik, das Sin­fo­nie­or­ches­ter sowie die freie Musik­sze­ne. Zum Cam­pus soll auch ein Saal gehö­ren, in dem Kon­zer­te und Kon­gres­se statt­fin­den kön­nen. Das klingt visio­när. Aber es gibt auch eini­ge Knackpunkte.
Das Pro­jekt ist sehr teu­er. 300 Mil­lio­nen Euro soll der Musik-Cam­­pus kos­ten – und wenn er fer­tig ist, Jahr für Jahr über vier Mil­lio­nen. Lässt sich das alles finan­zie­ren, ohne dass die Finan­zen der Stadt aus dem Gleich­ge­wicht gera­ten? Ist es ein Vor­teil oder ein Nach­teil, dass die Musik­sze­ne sich dann an einem Ort kon­zen­trie­ren wür­de? Und was wird aus den Orten, an denen die Kon­zer­te bis­lang stattfinden?
Das sind eini­ge der Fra­gen, über die wir am Sonn­tag in unse­rer Rei­he „Wir müs­sen reden“ spre­chen wer­den. Unse­re Gäs­te sind

— Friedrun Voll­mer, Lei­te­rin der West­fä­li­schen Schu­le für Musik

— Ste­phan Fro­leyks, Dekan der Hoch­schu­le für Musik

— Erhard Hirt vom Ver­ein Mono­kul­tur, der die freie Sze­ne in Müns­ter vertritt

Alle drei sind mit dem Pro­jekt bes­tens ver­traut oder eng ver­bun­den. Aber sie haben unter­schied­li­che Positionen.

Am Sonn­tag, 16. Janu­ar, um 19 Uhr geht es los. Via Zoom. Eine Stun­de lang wer­den wir dis­ku­tie­ren. Mode­rie­ren wird die Dis­kus­si­on RUMS-Redak­­teur Ralf Hei­mann. Nach einer Stun­de öff­nen wir die Run­de für Fragen.

Haben Sie Fra­gen zum Musik-Cam­­pus? Dann schrei­ben Sie uns eine E-Mail (redaktion@rums.ms). Oder mel­den Sie sich in der Ver­an­stal­tung. Wir freu­en uns, Sie am Sonn­tag zu sehen.

In aller Kürze

+++ Es gibt vie­le neue Impf­ter­mi­ne, mel­det die Stadt. Mor­gen ist in der Impf­stel­le im Jovel außer­dem wie­der eine Impf­ak­ti­on für fünf- bis elf­jäh­ri­ge Kin­der. Falls Sie noch unsi­cher sind, ob Sie Ihr Kind imp­fen las­sen möch­ten, kön­nen Sie den­noch hin­ge­hen. Kinderärzt:innen bera­ten Sie umfas­send und unver­bind­lich, es besteht kei­ne Pflicht, nach dem Gespräch tat­säch­lich die Imp­fung wahrzunehmen.

+++ Und gleich noch ein Hin­weis für Eltern. Wenn Sie Ihr Kind in einer Kita anmel­den möch­ten, müs­sen Sie das bis Ende Janu­ar im soge­nann­ten Kita-Navi­ga­tor vor­mer­ken. Hier fin­den Sie die gan­ze Mit­tei­lung der Stadt.

Unbezahlte Werbung

„Let’s shit on ever­ything tog­e­ther“ for­dert ein Jute­beu­tel durchs Schau­fens­ter des neu­en Geschäfts „Chez Koslow­ski“ am Rosen­platz auf, das Eva Strehlke für uns und für Sie ent­deckt hat. Mal ehr­lich, wem spricht das momen­tan nicht aus der See­le? Es ist grau und es ist Pan­de­mie, irgend­wie nervt alles. Aber viel­leicht mun­tern die schö­nen und lus­ti­gen Pro­duk­te des hei­mi­schen Labels typeali­ve, die in dem Geschäft ver­kauft wer­den, Sie ein biss­chen auf. Neben Jute­beu­teln (dem, neben­bei bemerkt, unwahr­schein­lichs­ten Mode-Come­back die­ses Jahr­tau­sends) bekom­men Sie Email­le-Tas­sen, Pos­ter, Post­kar­ten, Kalen­der und Notiz­bü­cher mit schlau­en Sprü­chen und hüb­schen Moti­ven. Chez Koslow­ski beschreibt sich selbst als ein biss­chen fein (Chez) und ein biss­chen Ber­li­ner Schnau­ze (Koslow­ski), und das passt ganz gut. Soll­ten Sie gera­de in Qua­ran­tä­ne oder aus ande­ren Grün­den mit Ihrem Sofa ver­wach­sen sein, kön­nen Sie auch online vor­bei­schau­en. Viel Spaß beim Stö­bern!

Drinnen und Draußen

Heu­te hat wie­der Eva Strehlke zwei exklu­si­ve Tipps für Sie vor­be­rei­tet, einen zum Zuhau­se­blei­ben und einen zum Ausgehen.

+++ Die Emp­feh­lung für zuhau­se ist das Hör­buch „Good Habits, Bad Habits“ (auf Deutsch: Gute Gewohn­hei­ten, schlech­te Gewohn­hei­ten; der deut­sche Titel lau­tet aller­dings: „Gewohn­hei­ten für immer ändern“) der Psy­cho­lo­gie-Pro­fes­so­rin Wen­dy Wood. Wen­dy Wood (die im eng­li­schen Ori­gi­nal selbst vor­liest) wirft dar­in einen viel­fäl­ti­gen und fun­dier­ten Blick auf das Gewohn­heits­tier Mensch. Fast die Hälf­te unse­rer Zeit ver­brin­gen wir dem­nach auf Auto­pi­lot. War­um es des­halb von ent­schei­den­der Bedeu­tung sein kann, mit wel­cher Hand wir eine Ver­än­de­rung anpa­cken, und wei­te­re span­nen­de Fra­gen beant­wor­tet die Psy­cho­lo­gin kurz­wei­lig und gut ver­ständ­lich. Das Hör­buch gibt es kos­ten­los bei Spo­ti­fy. Und wenn Sie lie­ber selbst lesen möch­ten: Das Buch ist erhält­lich auf Eng­lisch und auf Deutsch.

+++ Mit etwas schwe­re­rem Stoff befasst sich Fer­di­nand von Schi­rach in sei­nem Thea­ter­stück „Gott“. Oder bes­ser gesagt, der Autor lässt Sie sich mit die­sem Stoff befas­sen. Denn am Ende des Stü­ckes soll das Publi­kum ent­schei­den (so ken­nen Sie das viel­leicht schon aus sei­nem Stück „Ter­ror“). Die­ses Mal geht es aller­dings zunächst um ein Ein­zel­schick­sal: Richard Gärt­ner will ster­ben. Aber darf er das? Obwohl er kör­per­lich gesund ist? Da möch­ten Mediziner:innen, Theolog:innen, Ethiker:innen und Politiker:innen auch noch ein Wört­chen mit­re­den. Und dann natür­lich Sie. Das Stück läuft im Wolf­gang-Bor­chert-Thea­ter. Kar­ten gibt es hier, zum Bei­spiel auch noch für morgen.

Am Sonn­tag schreibt Ihnen Ralf Hei­mann. Ja, rich­tig gele­sen, am Sonn­tag – er schickt Ihnen dann näm­lich eine klei­ne Erin­ne­rung mit Zugangs­da­ten zu unse­rer Dis­kus­si­ons­run­de über den Musik-Cam­pus. Und am Diens­tag schreibt er Ihnen dann schon wie­der. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochen­en­de. Pas­sen Sie auf sich auf.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Ralf Hei­mann, Eva Strehlke

PS

Wenn Sie zum Start ins Wochen­en­de noch etwas zum Lachen haben möch­ten, bit­te­schön: Ich emp­feh­le Ihnen die­ses klei­ne Video. Dar­in strei­tet ein Mann mit einer Zie­ge. Ich bin nicht ganz sicher, wer am Ende gewinnt. Aber ich lache seit Tagen.