Ultimatum an den Unikliniken | Wahlhilfe und Wahlhilfen | Betten und Cappuccino

Müns­ter, 22. April 2022

Guten Tag,

am ver­gan­ge­nen Diens­tag und Mitt­woch sind vie­le Mitarbeiter:innen der Uni­kli­nik Müns­ter und der ande­ren fünf Uni­kli­ni­ken in Nord­rhein-West­fa­len nicht zur Arbeit gegan­gen. Die Gewerk­schaft Ver­di hat­te zu Warn­streiks auf­ge­ru­fen. Zusam­men mit den Beschäf­tig­ten will sie einen soge­nann­ten Tarif­ver­trag Ent­las­tung durch­set­zen, der die Arbeits­be­din­gun­gen in den Kli­ni­ken ver­bes­sern soll. Kon­kret heißt das vor allem: Die Mitarbeiter:innen wol­len neue Per­so­nal­schlüs­sel ver­han­deln und ver­bind­lich in ihren Tarif­ver­trä­gen festschreiben.

Um das zu errei­chen, haben sich für die Akti­on „Not­ruf NRW“ Tau­sen­de Beschäf­tig­te der Uni­kli­ni­ken zusam­men­ge­schlos­sen. Auf der Web­site zur Akti­on wird ein Count­down ange­zeigt (Sie müs­sen dazu ganz nach unten scrol­len). Heu­te, am Frei­tag, steht dort: 8 Tage, dane­ben wer­den Stun­den, Minu­ten und Sekun­den her­un­ter­ge­zählt. Am 1. Mai läuft das Ulti­ma­tum aus, das die Gewerk­schaft und die Kli­nik­kräf­te dem Arbeit­ge­ber­ver­band gestellt haben. Kurz zur Erklä­rung: Die Uni­kli­nik Müns­ter gehört dem Arbeit­ge­ber­ver­band des Lan­des NRW an, eben­so wie die übri­gen Uni­kli­ni­ken, die Uni­ver­si­tä­ten und die Fach­hoch­schu­len. Der Ver­band ent­schei­det dar­über, ob er mit der Gewerk­schaft ver­han­delt. Es geht hier also nicht um eine Aus­ein­an­der­set­zung aus­schließ­lich zwi­schen der Uni­kli­nik Müns­ter und ihren Beschäftigten.

Wenn sich der Ver­band bis zum 1. Mai nicht auf Ver­hand­lun­gen über den Tarif­ver­trag Ent­las­tung ein­ge­las­sen hat, wol­len die Mitarbeiter:innen in einen unbe­fris­te­ten Streik tre­ten. Stand heu­te gibt es noch kein Verhandlungsangebot.

„Die Flucht aus dem Beruf stoppen“

Ich habe oben geschrie­ben, dass die Gewerk­schaft „neue Per­so­nal­schlüs­sel“ aus­han­deln will. So for­mu­lie­re ich es, um Sie mög­lichst sach­lich dar­über zu infor­mie­ren, wor­um es geht. Die Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin Caro­lin Weng­ler, die an der Uni­kli­nik Müns­ter auf einer Inten­siv­sta­ti­on arbei­tet, for­mu­liert es in einem Tele­fo­nat mit mir so: „Wir wol­len die Pati­en­ten­ver­sor­gung sichern und eine men­schen­wür­di­ge Per­so­nal­be­set­zung errei­chen.“ Sie sagt das ganz unauf­ge­regt, aber der Satz hat es auch so in sich. Und dann sagt sie noch: „NRW braucht den Tarif­ver­trag Ent­las­tung, um die Flucht aus dem Beruf zu stoppen.“

Caro­lin Weng­ler ver­sorgt auf ihrer Inten­siv­sta­ti­on Patient:innen, die schwe­re Schlag­an­fäl­le oder Hirn­blu­tun­gen hat­ten. Wenn sie mor­gens ihren Dienst beginnt, schaut sie, wie es den Kran­ken geht, ver­ab­reicht ihnen Medi­ka­men­te, prüft, ob alle medi­zi­ni­schen Gerä­te rich­tig ein­ge­stellt sind, macht Mund- und Kör­per­pfle­ge. Sie beschreibt es so: „Ich mache den Pati­en­ten frisch, damit er sich auch in die­ser Situa­ti­on wenigs­tens ein biss­chen wohl­fühlt.“ All das dau­ert etwa eine Stun­de pro Person.

Im Lau­fe des Tages ver­sorgt sie die Patient:innen wei­ter, arbei­tet neue Kolleg:innen ein oder lernt Aus­zu­bil­den­de an und unter­stützt Ärzt:innen bei Unter­su­chun­gen, am Anfang und Ende des Diens­tes kom­men die Über­ga­ben von der vori­gen oder an die nächs­te Schicht dazu. Den gan­zen Tag über muss Caro­lin Weng­ler ein Auge auf die Patient:innen haben, für die sie ver­ant­wort­lich ist. Bei den Erkran­kun­gen, mit denen sie zu ihr auf die Inten­siv­sta­ti­on kom­men, kann sich ihr Zustand sehr plötz­lich ver­schlech­tern und kri­tisch oder sogar lebens­be­droh­lich wer­den. „Wenn es einem Pati­en­ten rich­tig schlecht geht, möch­te ich eigent­lich gar nicht vom Bett weg­ge­hen, weil ich Angst habe, dass ihm etwas pas­siert“, sagt die Pfle­ge­rin. Solan­ge sie am Bett steht, sieht sie jede Ver­än­de­rung und kann in einem Not­fall sofort reagieren.

Die Personaluntergrenzen werden eingehalten jedenfalls rechnerisch

Auch ohne einen sol­chen Not­fall kön­ne sie eigent­lich maxi­mal zwei Patient:innen betreu­en, denn die Men­schen sei­en auf der Inten­siv­sta­ti­on, weil sie rund um die Uhr über­wacht wer­den müss­ten, sagt Caro­lin Weng­ler. Oft ist sie aber nicht für zwei, son­dern für drei Schwer­kran­ke gleich­zei­tig ver­ant­wort­lich. Das bedeu­tet: Sie läuft stän­dig zwi­schen den Bet­ten hin und her, ver­sucht, allen gerecht zu wer­den. Braucht eine Per­son mehr Auf­merk­sam­keit, muss sie die ande­ren ver­nach­läs­si­gen, „das ist furcht­bar“. Und in vie­len Diens­ten kann sie kei­ne Pau­se machen, weil nie­mand da ist, der in die­ser Zeit nach den Men­schen schau­en kann.

Tags­über nur zwei Intensivpatient:innen zu betreu­en, soll­te eigent­lich die Regel sein, so ist es gesetz­lich fest­ge­legt. Die Uni­kli­nik schreibt in ihren Ant­wor­ten auf mei­ne Fra­gen, sie hal­te die vor­ge­schrie­be­nen Per­so­nal­un­ter­gren­zen ein. Das stimmt, sagt Caro­lin Weng­ler. Das Pro­blem sei nur: Die­se Unter­gren­zen gel­ten nicht tages­scharf, son­dern bezie­hen sich auf den monat­li­chen Schnitt. Auf ihrer Sta­ti­on küm­mern sich drei Pfle­ge­kräf­te um sie­ben Patient:innen. Und so habe immer eine Per­son aus dem Pfle­ge­team nicht zwei, son­dern drei Men­schen zu versorgen.

In den Schnitt wer­den außer­dem Tag- und Nacht­diens­te ein­ge­rech­net. Nachts soll eine Pfle­ge­kraft drei Patient:innen betreu­en. Und in die Rech­nung wer­den auch die Sta­ti­ons­lei­tun­gen ein­be­zo­gen – aber die haben ganz ande­re Auf­ga­ben und arbei­ten nicht in der Pfle­ge mit. Auf dem Papier kommt dabei her­aus: Die Unter­gren­zen wer­den ein­ge­hal­ten. Trotz­dem haben Caro­lin Weng­ler und ihre Kolleg:innen vie­le Tages­diens­te, in denen sie drei statt zwei Patient:innen ver­sor­gen müs­sen. Das Ziel der Pfle­ge­kräf­te ist es, dass die Unter­gren­zen mit dem Ent­las­tungs­ver­trag tages­scharf gel­ten sol­len, nicht mehr im Monatsschnitt.

Mehr Überlastungsanzeigen

In Situa­tio­nen, die für Patient:innen gefähr­lich oder gar lebens­be­droh­lich wer­den könn­ten, stel­len Pfle­ge­kräf­te soge­nann­te Über­las­tungs­an­zei­gen. Für die Pfle­ge­kräf­te ist das eine For­ma­li­tät. Sie sichern sich damit ab, für den Fall, dass tat­säch­lich etwas pas­siert. Dann ist es wich­tig, dass sie vor­her dar­auf hin­ge­wie­sen haben, dass die schlech­te Per­so­nal­be­set­zung zu einer gefähr­li­chen Situa­ti­on füh­ren könn­te. Für ihre Arbeit habe die Über­las­tungs­an­zei­ge aber „kei­ne spür­ba­re Kon­se­quenz“, sagt Caro­lin Wengler.

5.000 sol­cher Anzei­gen sind laut der Gewerk­schaft Ver­di im ver­gan­ge­nen Jahr in allen sechs Uni­kli­ni­ken in NRW zusam­men auf­ge­lau­fen. Wie vie­le davon auf die Uni­kli­nik Müns­ter ent­fal­len, konn­ten wir bis­her nicht in Erfah­rung brin­gen. Wenn wir es wis­sen, rei­chen wir Ihnen die Zahl nach.

Die Pres­se­stel­le des UKM hat mir zu dem The­ma geschrie­ben: „Wir ver­zeich­nen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich stei­gen­de Zah­len an Über­las­tungs­an­zei­gen, die Qua­li­tät der dort ange­zeig­ten Über­las­tun­gen ist unter­schied­lich. Wir neh­men die Anzei­gen sehr ernst. Jede Über­las­tungs­an­zei­ge wird sowohl von der/dem direk­ten Vor­ge­setz­ten als auch der über­ge­ord­ne­ten Pfle­ge­dienst­lei­tung und der Pfle­ge­di­rek­ti­on gese­hen, doku­men­tiert und beurteilt.“

Neue Verträge für alle Berufsgruppen

Mit dem neu­en Tarif­ver­trag soll es sol­che Situa­tio­nen nicht mehr geben. Wel­che Per­so­nal­schlüs­sel für wel­che Kli­nik­be­rei­che dar­in ste­hen sol­len, ist noch nicht ganz klar. Das liegt zum einen dar­an, dass sechs Uni­kli­ni­ken unter einen Hut gebracht wer­den müs­sen, in denen man­che Auf­ga­ben sehr unter­schied­lich ver­teilt und orga­ni­siert sind.

Der zwei­te Grund: Es soll nicht nur neue Ver­trä­ge für die Pfle­ge­kräf­te geben, die bis­her im Fokus stan­den. Die Ange­stell­ten und die Gewerk­schaft wol­len Ent­las­tungs­ver­trä­ge und ver­bind­li­che Per­so­nal­un­ter­gren­zen für alle Berufs­grup­pen, die in den Uni­kli­ni­ken beschäf­tigt sind. Neben den Pfle­ge­kräf­ten sind das zum Bei­spiel Men­schen, die in Labo­ren arbei­ten, Kran­ke von ihrem Zim­mer zu Unter­su­chun­gen oder Behand­lun­gen und wie­der zurück brin­gen, Essen ver­tei­len und die Zim­mer reinigen.

Auch der Patientenservice ist chronisch unterbesetzt

Die­se Berufs­grup­pen haben bis­her wenig Auf­merk­sam­keit bekom­men, auch in unse­ren Tex­ten ging es bis­her fast aus­schließ­lich um die Belan­ge der Pflegekräfte.

Ich habe für die­sen Brief mit Eli­sa­beth Auge gespro­chen, die an der Uni­kli­nik Müns­ter im Pati­en­ten­ser­vice arbei­tet. Pati­en­ten­ser­vice, den Begriff muss man erklä­ren, denn er fasst vie­le ver­schie­de­ne Auf­ga­ben zusam­men. Wor­an Sie wahr­schein­lich als ers­tes den­ken: Die Ser­vice­kräf­te brin­gen den Patient:innen die Mahl­zei­ten und holen anschlie­ßend das Geschirr wie­der ab. Und sie put­zen die Zim­mer. Das ist das, was man sieht, wenn man im Kran­ken­haus liegt oder jeman­den dort besucht.

Was noch dazu­ge­hört: Die Servicemitarbeiter:innen bestel­len das Essen, por­tio­nie­ren es und brin­gen es auf die Sta­tio­nen. Wenn Patient:innen ent­las­sen wer­den, rei­ni­gen sie die Bet­ten und bezie­hen sie frisch. Sie sor­gen dafür, dass die Schmutz­wä­sche zur Rei­ni­gung kommt, hal­ten das Wäsche­la­ger im Blick und fül­len es mit fri­scher Wäsche auf. Ande­re Ser­vice­kräf­te küm­mern sich dar­um, dass in den Ope­ra­ti­ons­sä­len Hau­ben, Kit­tel und Mas­ken bereit­lie­gen. Und sie holen nach den OPs benutz­te chir­ur­gi­sche Instru­men­te ab und tau­schen sie gegen ste­ri­les Besteck aus.

Das alles sind Tätig­kei­ten, ohne die ein Kran­ken­haus kei­nen Tag funk­tio­nie­ren könn­te. Ohne die­se Men­schen geht es nicht. Aber auch die­se Arbeits­be­rei­che sei­en chro­nisch unter­be­setzt, und das sei mit den Jah­ren immer schlim­mer gewor­den, erzählt mir Eli­sa­beth Auge. Sie arbei­tet seit 26 Jah­ren an der Uni­kli­nik. In die­ser Zeit sei die Arbeit im Ser­vice immer wie­der umstruk­tu­riert wor­den, und zwar so, dass mit der Zeit immer weni­ger Men­schen die­sel­ben Auf­ga­ben schaf­fen muss­ten. „Das hat mit Spar­maß­nah­men der letz­ten Jah­re zu tun. Immer, wenn die Kli­nik finan­zi­ell Stress bekom­men hat – und das kam in den letz­ten Jah­ren ja häu­fig vor – , wird geschaut: Wo kann man spa­ren?“ Und das sei dann eben oft auch der Ser­vice, sagt Eli­sa­beth Auge.

Nach Umstrukturierung für doppelt so viele Menschen zuständig

Sie habe in ihrem Arbeits­all­tag zu wenig Zeit, um alle Auf­ga­ben zu erle­di­gen. Sie ver­sorgt Patient:innen mit Essen, rei­nigt Zim­mer und Ent­lass­bet­ten. Die höchs­te Belas­tung ent­ste­he vor­mit­tags, wenn Patient:innen nach Hau­se gehen dür­fen. Eigent­lich sei sie zu die­sem Zeit­punkt noch dabei, das Früh­stücks­ge­schirr weg­zu­räu­men, damit Kolleg:innen es spü­len kön­nen, bevor es mit dem Mit­tag­essen wei­ter­geht. Aber dann kom­men Pfle­ge­kräf­te, die sagen: „In die­sem Zim­mer sind zwei Pati­en­ten nach Hau­se gegan­gen. Und wir brau­chen auch gleich die Bet­ten, der OP hat schon ange­ru­fen.“ Für die Ser­vice­kraft bedeu­tet das Zeit­druck und Stress, „ich müss­te mich eigent­lich zweiteilen.“

Nach einer Umstruk­tu­rie­rung ist sie jetzt für zwei Sta­tio­nen zustän­dig statt für eine, das sind 40 Patient:innen statt 20. Einen Teil ihrer Auf­ga­ben wur­den zwar einem ande­ren Team inner­halb der Uni­kli­nik über­tra­gen. Aber hal­biert hat sich der Arbeits­auf­wand pro Sta­ti­on dadurch nicht.

Was dabei völ­lig auf der Stre­cke blei­be, sei die Zeit für Patient:innen, etwa für kur­ze Gesprä­che, wenn es einem Men­schen gera­de nicht gut geht. „Manch­mal kann ich vor lau­ter Zeit­druck nicht ein­mal eine Pati­en­tin anspre­chen, die in ihrem Bett sitzt und weint. Ich füh­le mich damit total schlecht. Aber es geht ein­fach nicht“, sagt Eli­sa­beth Auge. Das sei frü­her ein­mal anders gewesen.

Die dün­ne Beset­zung ist nicht nur für die Ser­vice­kräf­te selbst und für die Patient:innen ein Pro­blem. Son­dern unter Umstän­den auch für die Pfle­ge­kräf­te. Denn wenn Mitarbeiter:innen aus dem Ser­vice krank wer­den und aus­fal­len, müs­sen die Pfle­gen­den ihre Auf­ga­ben oft über­neh­men – irgend­je­mand muss die Patient:innen ja mit Essen ver­sor­gen und die Zim­mer rei­ni­gen. „Auch des­halb wäre es gut, ande­re Berufs­grup­pen zu stär­ken, um die Pfle­ge zu ent­las­ten und ihr Zeit zu geben, sich wirk­lich um die Pati­en­ten zu küm­mern“, sagt Eli­sa­beth Auge. „Da könn­te man nach­steu­ern, wenn man schon kei­ne Pfle­ge­kräf­te fin­det. Aber das muss man sich leisten.“

Zwei Perspektiven auf den Personalmangel

Und das wird dem­nächst eine Fra­ge für einen wei­te­ren RUMS-Brief sein: Was genau bedeu­ten die For­de­run­gen für die Uni­kli­nik Müns­ter finan­zi­ell? Wir beschäf­ti­gen uns damit, wenn kon­kre­te Zah­len auf dem Tisch lie­gen, wel­che Per­so­nal­un­ter­gren­zen die Mitarbeiter:innen fest­le­gen wollen.

Aber was sich schon sagen lässt: Zumin­dest bei den Pfle­ge­kräf­ten ist das Geld nur ein Teil des Pro­blems. Es sind ein­fach nicht genug Men­schen da. Die Uni­kli­nik schreibt mir, dass in der Pfle­ge gera­de rund 350 Voll­zeit­stel­len feh­len. Das liegt nicht nur dar­an, dass Mitarbeiter:innen gekün­digt haben. Vie­le haben auch ihre Stun­den­zahl redu­ziert und arbei­ten jetzt in Teil­zeit, vor allem in der Inten­siv­pfle­ge. Auf dem Arbeits­markt sei­en zur­zeit kei­ne Fach­kräf­te zu fin­den, des­halb kön­ne die Kli­nik die offe­nen Stel­len nicht besetzen.

Das ist die eine Per­spek­ti­ve. Die ande­re Per­spek­ti­ve ist die von Caro­lin Weng­ler. Sie sagt in unse­rem Gespräch: „Ich ken­ne vie­le Pfle­ge­kräf­te, die bei bes­se­ren Bedin­gun­gen sofort in den Job zurück­kom­men oder auf­sto­cken würden.“

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In aller Kürze

+++ Die Stadt sucht nach Helfer:innen für die Land­tags­wahl am 15. Mai. Wenn Sie an die­sem Tag noch nichts vor­ha­ben (außer wäh­len zu gehen, ver­steht sich), kön­nen Sie sich hier frei­wil­lig als Wahlhelfer:in melden.

+++ Und wo wir gera­de bei der Wahl sind: Wis­sen Sie schon, wel­cher Par­tei Sie Ihre Zweit­stim­me geben wol­len? Ein Instru­ment, das Ihnen die Ent­schei­dung leich­ter machen soll, den Wahl­kom­pass, haben wir hier neu­lich schon emp­foh­len. Die­se Woche ist außer­dem der gute alte Wahl-O-Mat der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung an den Start gegan­gen. Er gleicht Ihre per­sön­li­chen Stand­punk­te mit den Vor­schlä­gen und For­de­run­gen der 29 Par­tei­en ab, die zur Land­tags­wahl am 15. Mai antre­ten. Zum Schluss zeigt er Ihnen die­je­ni­ge Par­tei an, die zumin­dest sta­tis­tisch gese­hen am bes­ten zu Ihnen passt. Das Glei­che macht auch ein ande­res Ange­bot, der soge­nann­te Wahls­wi­per. Er funk­tio­niert wie die Dating-App Tin­der: For­de­run­gen, die Ihnen gefal­len, wischen Sie nach rechts, und alles, was Ihnen miss­fällt, nach links. Her­aus­kommt dann Ihr poli­ti­sches Match, viel­leicht springt da ja der Fun­ke über.

Aber viel­leicht machen Sie Ihre Stim­me auch eher abhän­gig von den The­men, die Ihnen am Her­zen lie­gen. Ein sol­cher Weg­wei­ser durch die Wahl­pro­gram­me ist der Sozi­al-O-Mat der Dia­ko­nie. Er stellt Ihnen gezielt Fra­gen zur Sozi­al­po­li­tik in Nord­rhein-West­fa­len. Ein The­men­feld bil­den dabei auch Pfle­ge und Gesund­heit, das Sie mit dem Pfle­go­mat des Deut­schen Berufs­ver­bands für Pfle­ge­be­ru­fe noch ein­mal genau­er beleuch­ten kön­nen. Wenn dage­gen die Digi­ta­li­sie­rung das alles ent­schei­den­de The­ma für Sie ist, dann pro­bie­ren Sie doch mal den Bit­ko­mat vom Digi­tal­bran­chen­ver­band Bit­kom aus. Die letz­ten bei­den Ent­schei­dungs­hel­fer ver­glei­chen aber nur die Posi­tio­nen von CDU, FDP, SPD und Grünen.

+++ In Müns­ter ist es ja schon fast eine Art Volks­sport, auf schlech­te Fahr­rad­we­ge zu schimp­fen. Jetzt kön­nen Sie auch Bil­der von beson­ders schreck­li­chen Ecken in der Stadt hoch­la­den. Die Fahrradstadt.ms sucht mit der Akti­on #Lee­zen­schan­ne bis zum 1. Mai Fotos, um eine Lis­te der mie­ses­ten Rad­we­ge in Müns­ter zu erstel­len. Was damit genau gesche­hen soll, konn­ten uns die Akti­vis­ten noch nicht sagen. Aber naja, was man hat, das hat man.

+++ Die Eichen­pro­zes­si­ons­spin­ner-Sai­son geht wie­der los. Wenn Sie ein Rau­pen­ge­spinst an einer von Müns­ters 20.000 Eichen ent­de­cken, kön­nen Sie das der Stadt hier mel­den. Die stark behaar­ten Tie­re wer­den dann mit einem Bio­zid besprüht und spä­ter abge­saugt, erläu­tert die Stadt. Bei Kör­per­kon­takt kön­nen die gif­ti­gen Haa­re bei man­chen Men­schen teils hef­ti­ge Reak­tio­nen ver­ur­sa­chen wie Juck­reiz, Atem­pro­ble­me oder Haut­aus­schlä­ge. Also hal­ten Sie Abstand, dar­in sind wir inzwi­schen ja geübt.

Treten Sie mit uns in die Pedale!

Ver­gan­ge­nes Jahr haben wir beim Stadt­ra­deln Platz 24 von 127 erreicht, vor allem dank unse­rer Leser:innen, die uns sehr flei­ßig unter­stützt haben. Wir neh­men natür­lich auch in die­sem Jahr wie­der teil und wür­den uns freu­en, wenn Sie gemein­sam mit uns Kilo­me­ter sam­meln! Ein­fach online anmel­den und unse­rem Team bei­tre­ten. Wir hei­ßen – wer hät­te es geahnt – „RUMS – Neu­er Jour­na­lis­mus für Müns­ter“. Ihre gefah­re­nen Kilo­me­ter kön­nen Sie im Online­por­tal ein­tra­gen oder ganz bequem per App auf­zeich­nen las­sen. Auf los geht’s los!

Corona-Update

+++ Die Wochen­in­zi­denz hat lei­der wie­der einen deut­li­chen Sprung nach oben gemacht: Sie liegt heu­te bei 1.115 Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Einwohner:innen in den ver­gan­ge­nen sie­ben Tagen. Das ist weit mehr als die Bun­des­in­zi­denz (733). 6.980 Men­schen gel­ten in Müns­ter zur­zeit als infi­ziert. Ins­ge­samt hat sich laut der offi­zi­el­len Sta­tis­tik seit Beginn der Pan­de­mie mehr als jede:r vier­te Münsteraner:in mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert, tat­säch­lich dürf­ten es deut­lich mehr Men­schen sein. 67 Covid-Patient:innen lie­gen im Kran­ken­haus, vier von ihnen auf der Inten­siv­sta­ti­on. Eine Per­son muss beatmet wer­den. Die­se Woche sind außer­dem zwei Men­schen gestor­ben, die mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert waren. Seit März 2020 gab es in Müns­ter 197 Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit Covid-19.

+++ Eine Fol­ge der hohen Inzi­den­zen in Müns­ter und den umlie­gen­den Krei­sen: Das Uni­kli­ni­kum kann wegen des coro­nabe­ding­ten Per­so­nal­man­gels vor­erst kei­ne Kriegs­ver­letz­ten aus der Ukrai­ne behan­deln. Das mel­den die West­fä­li­schen Nach­rich­ten.

+++ Trotz der kon­stant hohen Fall­zah­len lässt das Impf­tem­po nach. Die Nach­fra­ge im Impf­zen­trum am FMO ist mitt­ler­wei­le so gering, dass der Kreis Stein­furt die Imp­fun­gen ab Mai ein­stellt. Die letz­te Sprit­ze wird dort am 30. April gesetzt. Die zen­tra­le Impf­stel­le der Stadt Müns­ter im Jovel bleibt aller­dings bis Ende des Jah­res offen.

Unbezahlte Werbung

Vor dem Bet­ten­haus Bor­mann an der Wese­ler Stra­ße 253 hat ein neu­es Café eröff­net, jeden­falls sieht es so aus. Es ist kein nor­ma­les Café. Den Cap­puc­ci­no dort kön­nen Sie nicht kau­fen, den gibt es kos­ten­los. Das Bet­ten­haus hat vor der Tür Son­nen­schir­me und Gar­ten­mö­bel auf­ge­stellt – in der Hoff­nung, dass Men­schen sich dort hin­set­zen, viel­leicht ins Geschäft gehen oder sich zumin­dest an die­sen Ort erin­nern wer­den, wenn sie ein Bett brau­chen. Falls Sie dort also vor­bei­kom­men, machen Sie doch ein­fach eine kur­ze Pau­se. Der Cap­puc­ci­no ist sehr gut.

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Drinnen und Draußen

+++ Ver­gan­ge­nes Jahr zeig­te das LWL-Muse­um für Kunst und Kul­tur eine Aus­stel­lung über das künst­le­risch akti­ve Ehe­paar August und Eli­sa­beth Macke. Wäh­rend er als expres­sio­nis­ti­scher Maler Kar­rie­re mach­te, blieb sie im Hin­ter­grund: Modell, Muse, Kri­ti­ke­rin und Mana­ge­rin. Auf die­ses Leben im Schat­ten des berühm­ten Ehe­man­nes wirft die Jour­na­lis­tin Mar­gret Grei­ner am Diens­tag­abend ein neu­es Licht. Sie stellt ihre Roman­bio­gra­fie „Mutig und stark alles erwar­ten.“ Eli­sa­beth Erd­mann-Macke. Leben für die Kunst im LWL-Muse­um vor. Los geht’s um 19:30 Uhr, der Ein­tritt kos­tet 5 Euro. Und wenn Sie vor­ab schon ein­mal einen Ein­druck vom Leben und Schaf­fen von Eli­sa­beth Macke bekom­men möch­ten, kön­nen Sie sich die­ses Video ansehen.

+++ Falls Sie bei dem schö­nen Wet­ter der Oster­ta­ge schon etwas in Rei­selau­ne gekom­men sind, haben wir zumin­dest eine musi­ka­li­sche Rei­se-Emp­feh­lung für Sie. Die Tra­fo­sta­ti­on beim Bud­den­turm nimmt Sie mit in den Nor­den des Irak, mit einem klei­nen Musik­fes­ti­val, das zusam­men mit dem Goe­the-Insti­tut Erbil ent­stan­den ist und bei dem Künstler:innen aus Kur­di­stan auf­tre­ten. Mor­gen Abend spielt ab 19:30 Uhr ein kur­di­sches Impro-Orches­ter und am Sonn­tag stellt Foto­graf Phil­ipp Föl­ting ab 12 Uhr Bil­der mit musi­ka­li­scher Beglei­tung aus Kur­di­stan aus. Bei­de Events fin­den unter 2G-Plus-Bedin­gun­gen statt.

Am Diens­tag schrei­ben Ihnen Marc-Ste­fan And­res und Götz Grom­mek. Es gibt Neu­ig­kei­ten von RUMS. Aber mehr ver­ra­te ich noch nicht. Ich wün­sche Ihnen ein schö­nes Wochenende.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Sebas­ti­an Fob­be, Ralf Heimann

PS

Im Mai hat RUMS Gäs­te, und viel­leicht kön­nen Sie uns hel­fen. Vom 15. bis zum 18. Mai sind vier Stu­die­ren­de von der Hoch­schu­le der Medi­en in Stutt­gart zu Gast. Zwei von ihnen kom­men aus Spa­ni­en, einer ist aus Frank­reich, eine Stu­die­ren­de aus Deutsch­land. Sie wer­den mit uns zusam­men an einem Pro­jekt mit Men­schen arbei­ten, die aus der Ukrai­ne geflüch­tet wird. Daher wäre eine Fra­ge: Haben Sie Geflüch­te­te auf­ge­nom­men? Oder ken­nen Sie Men­schen, die das gemacht haben? Möch­ten die Geflüch­te­ten ihre Geschich­te erzäh­len? Dann wür­den wir uns freu­en, wenn Sie sich mel­den. Und wir suchen Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten für die Stu­die­ren­den. Wenn Sie Mit­te Mai ein frei­es Bett haben, wür­den wir uns also eben­falls über eine Nach­richt freu­en. Am bes­ten per E-Mail. Vor­ab schon mal: Vie­len Dank!