Münster wächst weiter. Wirklich? | RUMS präsentiert lokalen Wahlkompass | Café Pablo

Müns­ter, 20. August 2021

Guten Tag,

am 15. März 2020 – zu Anfang der ers­ten Klo­pa­pier-Kri­se und sie­ben Tage vor dem ers­ten Lock­down – hat das Zukunfts­in­sti­tut in Frank­furt am Main ein Papier mit dem Titel Der Coro­na-Effekt: Vier Zukunfts­sze­na­ri­en ver­öf­fent­licht. In die­sen Sze­na­ri­en geht es dar­um, wie die Gesell­schaft und das Wirt­schafts­sys­tem sich durch die Pan­de­mie ver­än­dern und wie sie nach der Kri­se aus­se­hen könn­ten. Man­ches ist sehr opti­mis­tisch, da geht es um ein neu­es Zusam­men­le­ben, um Nach­bar­schafts­hil­fe und Zusam­men­halt, um eine resi­li­en­te Welt­ge­sell­schaft, die aus der Kri­se gelernt und sich für die Zukunft neu auf­ge­stellt hat. Ande­res klingt weni­ger erbau­lich. Im Sze­na­rio „Die tota­le Iso­la­ti­on: Alle gegen alle“ etwa steht unter ande­rem: „Das Land gewinnt an Macht. Wer kann, zieht raus aus der Stadt, ver­sorgt sich selbst – und ver­dient gutes Geld, indem er ver­arm­te Städ­ter mit Lebens­mit­teln ver­sorgt.“ Und das Sze­na­rio „Sys­tem-Crash: Per­ma­nen­ter Kri­sen­mo­dus“ kön­nen Sie sich ja unge­fähr selbst ausmalen.

Knapp ein­ein­halb Jah­re nach der Ver­öf­fent­li­chung des Papiers kön­nen wir zumin­dest sagen: Dass Selbstversorger:innen aus Schöp­pin­gen, Appel­hül­sen oder Lie­nen dem­nächst die Men­schen in Müns­ter mit Lebens­mit­teln belie­fern müs­sen, ist unwahr­schein­lich. Über­haupt sind die Sze­na­ri­en natür­lich stark zuge­spitzt. Die Autor:innen woll­ten mög­li­che gro­ße Trends beschrei­ben und den Leser:innen Denk­an­stö­ße geben. Denn die Zukunft pas­siert ja nicht ein­fach, Men­schen machen sie.

Manche Veränderungen können wir uns noch gar nicht vorstellen

Das Papier zeigt auch: Schon bevor es in Deutsch­land rich­tig schlimm wur­de, war klar, dass die Coro­na-Pan­de­mie ein Ein­schnitt wer­den und gro­ße Ver­än­de­run­gen in Gang set­zen wür­de. Eini­ge davon kön­nen wir uns jetzt noch gar nicht in ihrer gan­zen Trag­wei­te vor­stel­len, zumal wir ja immer noch mit­ten in der Kri­se ste­cken. Aber man ahnt, dass da etwas in Bewe­gung gera­ten ist. In den gro­ßen, glo­ba­len Zusam­men­hän­gen zwi­schen Staa­ten und Unter­neh­men auf der gan­zen Welt. Und im ver­meint­lich Klei­nen, im All­tag der Menschen.

Und da kom­men wir nach Müns­ter, genau­er gesagt zu einer Zahl: 335.000. So vie­le Men­schen sol­len 2030 in der Stadt leben, wie das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­amt in der ver­gan­ge­nen Woche mit­ge­teilt hat und wie es hier ver­öf­fent­licht wur­de. In der Pres­se­mel­dung steht wei­ter, wel­che Alters­grup­pen (Kin­der, Jugend­li­che und über 65-Jäh­ri­ge) und Stadt­tei­le (Grem­men­dorf-West und Gie­ven­beck) am stärks­ten wach­sen wer­den. Ganz am Ende schreibt die Stadt einen Satz, der in ihren Bevöl­ke­rungs­pro­gno­sen immer auf­taucht, und zwar „dass der Pro­gno­se das ‚Wenn-dann-Prin­zip‘ zugrun­de liegt; das heißt, nur wenn alle Annah­men ein­tre­ten, ent­wi­ckelt sich die Bevöl­ke­rung wie errechnet“.

Das ist logisch, klingt aber gera­de des­halb auch ein biss­chen zu harm­los. Der Satz geht am Ende der Pres­se­mit­tei­lung, die ja mit dem sehr über­zeug­ten und über­zeu­gen­den Titel „2030: Müns­ter wächst auf fast 335.000 Ein­woh­nen­de“ beginnt, eher unter.

„Zukunft: Eigentlich wissen wir noch nichts“

Der Hin­weis auf die Wenn-dann-Pro­gno­se steht auch noch in einem ande­ren Doku­ment, näm­lich im Bericht über die Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se für die Poli­tik. Und in dem Bericht folgt danach eine inter­es­san­te Pas­sa­ge, die es nicht in die Pres­se­mit­tei­lung geschafft hat: „Die Berech­nung (…) basiert auf Annah­men mit dem Stand vom Früh­jahr 2020. Seit­dem hat die Coro­na-Pan­de­mie vor­aus­sicht­lich Ein­fluss auf die Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung genom­men und zu einem gerin­ge­ren Bevöl­ke­rungs­wachs­tum in 2020 bei­getra­gen.“ Der Bericht endet mit einem Aus­blick. In zwei Jah­ren will die Stadt eine neue Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se errech­nen (dann bis 2032), wegen der coro­nabe­ding­ten Unsi­cher­hei­ten und der „dyna­mi­schen Ent­wick­lung“ des Bau­land­pro­gramms und wei­te­rer Bauvorhaben.

Eine bes­se­re Über­schrift für die Pres­se­mit­tei­lung wäre also gewe­sen: „Viel­leicht wächst Müns­ter bis 2030 auf 335.000 Einwohner:innen. Viel­leicht auch nicht.“ Aber das klingt natür­lich nicht so schön und passt in kei­ne Zeitung.

Warum die Einwohnerzahl so wichtig ist

Ich wer­de in die­sem Brief heu­te etwas tun, das wir bei RUMS nor­ma­ler­wei­se nicht machen: Ich wer­de über Ver­mu­tun­gen und Mög­lich­kei­ten schrei­ben, mit etli­chen Sät­zen im Kon­junk­tiv. Denn auch wir wis­sen natür­lich noch nicht, wie es hier in gut acht Jah­ren aus­se­hen wird. Aber es lohnt sich, ein­mal auf die Trends zu schau­en, die sich für das Leben nach der Kri­se gera­de abzeich­nen. Und dar­auf, was sie für Müns­ter bedeu­ten könnten.

Die Ein­woh­ner­zahl ist näm­lich nicht nur eine Kenn­zahl, die die Stadt beschreibt und an der man able­sen kann, wie voll es in Zukunft auf den Stra­ßen und Rad­we­gen und im Bus sein wird. Sie ist die Grund­la­ge für die gesam­te Stadt­pla­nung, für die Plät­ze in Kitas, Schu­len und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und die übri­ge Infrastruktur.

Wie vie­le Men­schen in einer Stadt leben oder neu dort­hin zie­hen, prägt außer­dem ihr Image mit – so wer­den Ein­woh­ner­zahl und Bevöl­ke­rungs­pro­gno­se zum wei­chen Stand­ort­fak­tor. Wenn eine Stadt wächst, ent­steht das Bild: Sie ist beliebt, dort ist etwas los, es muss ja einen Grund haben, dass so vie­le Men­schen dort woh­nen möch­ten. Das wird mehr Men­schen anzie­hen, und auch Unter­neh­men, die Arbeits­plät­ze schaf­fen und Steu­ern zah­len. Gehen die Ein­woh­ner­zah­len zurück, wird man eher den­ken: Die Zukunft liegt dort wohl nicht, es wird einen Grund haben, dass weni­ger Men­schen hin- als fortziehen.

Und nicht zuletzt sind mehr Einwohner:innen für eine Stadt auch bares Geld wert. Denn die Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen – Aus­gleichs­zah­lun­gen, die Kom­mu­nen vom Land bekom­men – wer­den pro Kopf berech­net. Das war der Grund dafür, dass Müns­ter vor zehn Jah­ren die Zweit­wohn­sitz­steu­er ein­ge­führt hat. Sie soll­te vor allem die Stu­die­ren­den dazu bewe­gen, Müns­ter als ers­ten Wohn­sitz zu wäh­len. Pro Kopf heißt näm­lich: pro Mensch mit Haupt­wohn­sitz in der jewei­li­gen Kommune.

2016 rechnete die Stadt drei Szenarien durch. Keines davon traf ein

Wie wich­tig es für die Stadt ist, pla­nen oder sich zumin­dest vor­be­rei­ten zu kön­nen, sieht man an der Pro­gno­se aus dem Jahr 2016. Damals hat die Stadt nicht nur einen Aus­blick errech­net und ver­öf­fent­licht, son­dern gleich drei Sze­na­ri­en. 2015 waren vie­le geflüch­te­te Men­schen nach Deutsch­land und damit auch nach Müns­ter gekom­men. Und als die Stadt 2016 die Pro­gno­se ent­warf, war nicht klar, ob auch in den fol­gen­den Jah­ren wei­ter­hin so vie­le Men­schen aus Kri­sen­ge­bie­ten flie­hen und nach Deutsch­land kom­men wür­den. Das Stadt­pla­nungs­amt kal­ku­lier­te des­halb mit der bis­he­ri­gen Rechen­grund­la­ge (also mit den durch­schnitt­li­chen Geflüch­te­ten­zah­len vor 2015), einem etwas höhe­ren und einem stark erhöh­ten Zuzug von Geflüchteten.

Und an die­sem Bei­spiel sieht man auch, wie schwie­rig das Gan­ze ist. Alle drei Sze­na­ri­en waren näm­lich zu hoch ange­setzt. 2018 pass­te das nied­rigs­te Sze­na­rio noch so gera­de. Für das Jahr 2021 zeigt die unters­te Kur­ve eine Einwohner:innenzahl von rund 315.000 an, laut städ­ti­scher Web­site sind es aktu­ell 311.420. (Falls Sie jetzt zusam­men­zu­cken, weil Sie die Zahl 315.000 im Kopf hat­ten: Die­se Anga­be stammt aus der Sta­tis­tik des Lan­des­be­triebs IT.NRW, der den Zen­sus fort­schreibt. Die Stadt ent­nimmt die Bevöl­ke­rungs­zahl ihrem eige­nen Melderegister.)

Wahr­schein­lich wären auch ohne die Pan­de­mie alle drei Sze­na­ri­en unter­schrit­ten wor­den. Aber durch die Coro­na-Kri­se ist jetzt erst recht alles anders. In Deutsch­land sind 2020 zum Bei­spiel weni­ger Men­schen umge­zo­gen, unter ande­rem weil vie­le Unter­neh­men erst­mal kei­ne neu­en Mitarbeiter:innen ein­ge­stellt haben. 2016 konn­te das natür­lich noch nie­mand ahnen.

Alles bleibt anders

Beim Aus­blick auf das nächs­te Jahr­zehnt gibt es eini­ge Fra­ge­zei­chen. So vie­le und so gro­ße, dass in der gera­de ver­öf­fent­lich­ten Pro­gno­se nicht ein­mal Sze­na­ri­en vor­ge­stellt wer­den. Schließ­lich gibt es ja nicht den einen oder wenigs­tens eini­ge klar umris­se­ne Fak­to­ren, mit denen man sol­che Sze­na­ri­en durch­rech­nen könn­te. Die Stadt schrieb mir auf Anfra­ge, nach einem Jahr kön­ne man noch nicht abse­hen, wie sich die Pan­de­mie aus­wirkt. Es kön­ne etwa sein, dass Men­schen spä­ter doch noch umzie­hen, oder aber, dass es eine dau­er­haf­te Ent­wick­lung zu mehr Home­of­fice oder Ler­nen auf Distanz gibt. In die­sem Fall müss­ten neue Mitarbeiter:innen von Unter­neh­men und Insti­tu­tio­nen in Müns­ter oder Stu­die­ren­de nicht unbe­dingt in die Stadt ziehen.

Das kann tat­säch­lich bei­des pas­sie­ren. Und (jetzt kom­men wir zu den Ver­mu­tun­gen und Kon­junk­ti­ven, die ich oben ange­kün­digt hat­te) es könn­ten sogar auch Men­schen aus Müns­ter weg­zie­hen, die das vor der Kri­se gar nicht vor­hat­ten. Die Stadt­flucht ist ein gro­ßer Trend, von dem schon seit Pan­de­mie­be­ginn die Rede ist. Vie­le Medi­en haben Paa­re und Fami­li­en besucht, die aus der Stadt aufs Land gezo­gen sind. Die mehr Ruhe und noch mehr Platz gesucht und gefun­den haben, zum Bei­spiel hier und hier. Ob dar­aus in den nächs­ten Jah­ren eine grö­ße­re Bewe­gung raus aus den Städ­ten wird, ist schwer zu sagen. Aber zumin­dest jetzt wün­schen sich tat­säch­lich vie­le Men­schen eine Ver­än­de­rung oder pla­nen sogar schon kon­kret ihren Umzug. Das Ifo-Insti­tut hat im Mai 18.000 Bewohner:innen von Groß­städ­ten mit min­des­tens einer hal­ben Mil­li­on Einwohner:innen befragt: Mehr als jede:r Ach­te von ihnen möch­te in den nächs­ten sechs bis zwölf Mona­ten die Metro­po­le ver­las­sen. Aller­dings wol­len die meis­ten Befrag­ten nicht aufs Dorf zie­hen, son­dern in einen Ort im Speck­gür­tel der Groß­stadt oder in eine „klei­ne­re Groß­stadt“ mit 100.000 bis 500.000 Einwohner:innen – viel­leicht kom­men eini­ge von ihnen ja nach Münster.

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Fürs Homeoffice in ein neues Heim?

Es gibt noch kei­ne reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­gen, die bele­gen, dass auch Bewohner:innen der klei­ne­ren Groß­städ­te oder Klein­städ­te einen Umzug erwä­gen oder pla­nen. Aber Immobilienmakler:innen und Forscher:innen sehen einen Trend in Rich­tung Land­le­ben. Und der dürf­te auch mit dem zwei­ten gro­ßen Pan­de­mie-Trend zusam­men­hän­gen: mehr Home­of­fice. Wer nicht mehr jeden Tag ins Büro muss oder möch­te, kann eher aufs Land zie­hen und an den Büro­ta­gen dafür etwas wei­ter pen­deln. So eine Misch­form wün­schen sich vie­le Ange­stell­te. Zwei Drit­tel der Unter­neh­men haben einer Umfra­ge zufol­ge zwar bis­her nicht vor, ihnen das zu ermög­li­chen. Aber wenn die Men­schen ihr Arbeits­le­ben wirk­lich ver­än­dern wol­len, wer­den sich die Chef:innen wohl nicht auf Dau­er quer­stel­len können.

Und hier wird es jetzt rich­tig span­nend. Der Home­of­fice-Trend könn­te näm­lich den Immo­bi­li­en­markt lang­fris­tig stark ver­än­dern. Und zwar, weil Heim­ar­beit nach der Pan­de­mie anders aus­se­hen wird als im Lock­down. Wer dau­er­haft (auch) zu Hau­se arbei­tet, braucht ein Arbeits­zim­mer, also meis­tens eine grö­ße­re Woh­nung. Die Ange­stell­ten wer­den ihren Lap­top dann nicht mehr am Küchen­tisch auf­klap­pen wol­len. Und zusam­men mit dem Raus-ins-Grü­ne-Moment der Pan­de­mie könn­te das eben bedeu­ten, dass Fami­li­en wei­ter in die Außen­stadt­tei­le aus­wei­chen oder direkt ins Umland zie­hen – das hät­te weit­rei­chen­de Fol­gen für die städ­ti­schen Pla­nun­gen von Kin­der­be­treu­ung und Schulentwicklung.

Es könn­te aber auch das Gegen­teil pas­sie­ren: Die Städ­te ver­än­dern sich radi­kal, und dadurch ent­steht dann doch genug Platz für die zu Hau­se arbei­ten­den Men­schen und ihre Kin­der. Stel­len Sie sich vor, es ist Büro und nie­mand geht hin. Oder zumin­dest weni­ger Men­schen als vor­her. Was machen die Unter­neh­men denn dann mit ihren Flä­chen? Könn­ten dar­aus nicht Woh­nun­gen wer­den, von denen es ja sowie­so zu weni­ge gibt? Die­se Dis­kus­si­on hat längst begon­nen.

Es wird sich eine Men­ge bewe­gen, und mög­li­cher­wei­se pas­sie­ren in den nächs­ten Jah­ren auch noch Din­ge, die dem Gan­zen eine ganz neue Rich­tung geben wer­den. Was wir aber sicher wis­sen: Viel­leicht wächst Müns­ter bis 2030 auf 335.000 Einwohner:innen. Viel­leicht auch nicht.

RUMS präsentiert den Wahlkompass für Münster

Es sind noch etwas mehr als fünf Wochen bis zur Wahl. Falls Sie noch nicht wis­sen, wo Sie Ihre Kreuz­chen set­zen wer­den, ist also noch etwas Zeit, sich zu infor­mie­ren. Und falls Sie kei­ne Lust haben, sich durch einen Sta­pel an Wahl­pro­gram­men zu arbei­ten, hät­ten wir was für Sie: den Wahl­kom­pass für Müns­ter – eine Online-Ent­schei­dungs­hil­fe, die Ihnen die Ent­schei­dung zwar nicht abnimmt, aber erleich­tert. Ent­wi­ckelt und erstellt hat den Wahl­kom­pass ein Team um Nor­bert Kers­t­ing, Pro­fes­sor für Poli­tik­wis­sen­schaft an der Uni Müns­ter. RUMS hat das Pro­jekt mit­fi­nan­ziert, und wir haben dabei gehol­fen, die Inhal­te zusam­men­zu­tra­gen – und wir wer­den den Wahl­kom­pass in den nächs­ten Wochen bewer­ben. Mehr dazu lesen Sie in unse­rem Brief am Diens­tag, aber Sie kön­nen natür­lich schon mal los­le­gen. Pro­bie­ren Sie es aus, es dau­ert nur weni­ge Minuten.

Und wenn Sie noch mehr über den Wahl­kom­pass wis­sen möch­ten, schon mal eine klei­ne Emp­feh­lung: Am nächs­ten Frei­tag (27. August) um 19 Uhr ist Nor­bert Kers­t­ing zu Gast in unse­rer digi­ta­len Ver­an­stal­tungs­rei­he „Wir müs­sen reden“. Dann spre­chen wir über das Pro­jekt und die Kom­mu­nal­wahl. Sie kön­nen uns wie immer vor­ab Fra­gen schi­cken. Sie kön­nen aber auch die ers­te Stun­de der Ver­an­stal­tung abwar­ten, dann öff­nen wir die Run­de. Und Sie kön­nen dann auch live fragen.

In aller Kürze

+++ Hier kommt direkt noch etwas zum The­ma Bun­des­tags­wahl: Wenn Sie sich für die Demo­kra­tie enga­gie­ren möch­ten, könn­ten Sie Wahlhelfer:in wer­den. Die Stadt benö­tigt noch 800 Men­schen, die ehren­amt­lich in den Wahl­lo­ka­len Auf­ga­ben über­neh­men oder dabei hel­fen, Brief­wahl-Stim­men zu zäh­len. Vor allem in den Wahl­lo­ka­len in Albach­ten, Amels­bü­ren, Gel­mer, Häger, Hil­trup, Nien­ber­ge, Rox­el, Spra­kel und Wol­beck besteht noch Bedarf. Hier fin­den Sie mehr Infos und die Kon­takt­da­ten des Wahlamts.

Corona-Update

Wir hat­ten es am Diens­tag schon erwähnt, ab heu­te gel­ten in Nord­rhein-West­fa­len die neu­en Coro­na-Regeln. In den meis­ten Fäl­len heißt das, es gilt das 3-G-Prin­zip. Ganz genau kön­nen Sie das hier noch­mal nach­le­sen. Die neu­en Regeln klin­gen nach Locke­run­gen und Frei­heit, gleich­zei­tig hat aber das Robert-Koch-Insti­tut heu­te noch ein­mal dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die vier­te Pan­de­mie­wel­le längst im Gan­ge ist. Lei­der auch in Müns­ter: Die Sie­ben-Tage-Inzi­denz (Neu­in­fek­tio­nen pro 100.000 Men­schen inner­halb einer Woche) ist heu­te auf 48,8 gestie­gen. Ins­ge­samt gel­ten 240 Münsteraner:innen als infi­ziert. In den Kran­ken­häu­sern wer­den acht Patient:innen behan­delt. Zwei von ihnen lie­gen auf der Inten­siv­sta­ti­on, bei­de müs­sen beatmet werden.

Falls Sie oder Ihre Kin­der noch nicht geimpft sind und das nach­ho­len möch­ten, kön­nen Sie das im Impf­zen­trum tun. Wie die Stadt mit­teilt, wer­den am Sams­tag (wie schon an den ver­gan­ge­nen Wochen­en­den) noch ein­mal vie­le Kin­der- und Jugendärzt:innen dort sein, um jun­ge Impf­lin­ge ab zwölf Jah­ren und ihre Eltern zu bera­ten. Ab nächs­ter Woche wer­den die Jugend­impf­ta­ge ent­fal­len – genau­er gesagt wird jeder Tag zum Jugend­impf­tag. Kin­der und Jugend­li­che kön­nen dann nicht nur sams­tags, son­dern auch an jedem Wochen­tag ins Impf­zen­trum kom­men. Alle Infos zur Imp­fung fin­den Sie hier.

Unbezahlte Werbung

Eine sehr zen­tra­le Emp­feh­lung, falls Sie zwi­schen­durch in der Stadt sind. Und am bes­ten wäre, wenn Sie mor­gens in der Stadt sind, denn im Café Pablo am Picas­so-Muse­um kön­nen Sie ganz wun­der­bar früh­stü­cken. Und es gibt sehr lecke­re Wraps, zum Bei­spiel den Avo­ca­do-Wrap. Die kom­plet­te Spei­se­kar­te fin­den Sie hier. Ach, und geöff­net ist das Café Pablo mon­tags bis sams­tags von 9 Uhr bis „open end“, laut Kar­te. An Sonn- und Fei­er­ta­gen ist das Café von 10 bis 16 Uhr geöffnet. 

Drinnen und Draußen

+++ Wol­len Sie die letz­ten Som­mer­ta­ge noch mal für eine Fahr­rad­tour durchs Müns­ter­land nut­zen? Dann kön­nen wir Ihnen die App Komoot (für Android und Apple) emp­feh­len. Das ist ein mobi­ler Rou­ten­pla­ner, mit dem Sie auch mal neue Ecken in der Umge­bung ken­nen­ler­nen kön­nen. Sie kön­nen zum Bei­spiel an Flüs­sen, Seen und Kanä­len ent­lang radeln, die Baum­ber­ge erkun­den oder die roman­ti­schen Schlös­ser und Bur­gen besich­ti­gen. Ins­ge­samt sind 140 Halb­ta­ges-, Tages- und Mehr­ta­ges­tou­ren ein­ge­tra­gen, Sehens­wür­dig­kei­ten und Rast­plät­ze sind markiert.

+++ Ges­tern haben die neu­en Erstklässler:innen ihre neu­en Lehrer:innen und Klassenkamerad:innen ken­nen­ge­lernt. Und natür­lich lie­be­voll deko­rier­te und befüll­te Schul­tü­ten in Form von Dinos, Del­fi­nen, Mär­chen­fi­gu­ren und Star-Wars-Held:innen geschenkt bekom­men. Wer die bis Sonn­tag schon leer­ge­fut­tert hat, hat beim Cine­plex die Chan­ce, noch mal Nach­schub zu bekom­men. Von 13 bis 18 Uhr wer­den bei der Ein­schu­lungs­ak­ti­on mit­ge­brach­te Schul­tü­ten mit klei­nen Geschen­ken wie­der auf­ge­füllt (solan­ge der Vor­rat reicht).

+++ Musiker:innen auf­ge­passt: Haben Sie sich schon zum Noi­se-Start-Musik­fest ange­mel­det? Am 18. Sep­tem­ber (Sams­tag) ab 12 Uhr steigt im Schloss­gar­ten eine gro­ße Sau­se. Den gan­zen Tag lang tre­ten Künstler:innen aus Müns­ter auf zwei Büh­nen auf, unter­stützt von Techniker:innen, die natür­lich auch alle aus der Stadt kom­men. Wenn Sie mit­ma­chen möch­ten, kön­nen Sie sich noch bis zum 1. Sep­tem­ber bewer­ben. Hier steht ganz genau, wie das geht. Wir wün­schen viel Erfolg und viel Spaß!

+++ Noch ein Tipp für einen Spa­zier­gang im Kreuz­vier­tel: Hen­ning Stoff­ers hat in einem Blog über Müns­ter einen sehr schö­nen Bei­trag über die Hoya­stra­ße geschrie­ben. Und der lohnt sich allein schon wegen der Fotos, also kli­cken Sie mal rein, auch wenn Sie nach dem lan­gen Brief nicht mehr viel lesen möchten.

Herz­li­che Grüße

Con­stan­ze Busch

Mit­ar­beit: Ralf Hei­mann, Eva Strehlke

PS

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag haben mei­ne Kol­le­gin Ann-Mar­len Hoolt und mein Kol­le­ge Ralf Hei­mann vie­le Stun­den lang Inter­views geben. Der NDR war zu Gast, und oft ist es beim Fern­se­hen dann so, dass der Satz, der für den Bei­trag ver­wen­det wird, dann auch noch abge­schnit­ten ist. Das war in die­sem Fall zum Glück nicht so. RUMS ist eines von drei Pro­jek­ten, die im NDR-Medi­en­ma­ga­zin Zapp (ab Minu­te 16) als Bei­spie­le für inno­va­ti­ven Jour­na­lis­mus zu sehen sind. Etwas aus­führ­li­cher, 66 Minu­ten lang, geht es im Pod­cast Eska­liert aus Müns­ter um RUMS. Da war Marc-Ste­fan And­res, einer unse­rer Grün­der, zu Gast. Und das ist ein sehr schö­nes Gespräch geworden.